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Warum Islamkritik weiter nowendig ist

 

Johannes Kandel von der Friedrich-Ebert-Stiftung antwortet auf einen Essay von Carolin Emcke, der dem „Liberalen Rassismus“ galt:

Es werde, so die Behauptung, ständig ungerecht auf die Defizite bei Muslimen hingewiesen – Homophobie, Patriarchalismus, Machismo –, aber gezielt übersehen, dass es ähnliche Überzeugungen auch im konservativen Lager gegeben hat oder immer noch gibt.

Solche Immunisierungsversuche habe ich schon in zahllosen »Dialogrunden« und Talkshows erlebt und finde sie nur noch ärgerlich. Denn die historische Konstellation etwa der fünfziger und sechziger Jahre in Deutschland ist überhaupt nicht mit den autoritären Regimen in der islamischen Welt zu vergleichen: Dort ist Opposition lebensgefährlich, während es natürlich schon zu Adenauers und Erhardts Zeiten in der deutschen Gesellschaft massiven Widerspruch gegen die repressive Sexualmoral der CDU gab. Widerspruch, der zur Liberalisierung der Gesellschaft erheblich beigetragen hat.

Nein, in der Bundesrepublik sind wir über alle parteipolitischen Lager hinweg in puncto Homosexualität und in der Frauenfrage um Lichtjahre weiter als jene muslimischen Verbände, die hierzulande den Ton angeben und die »Anerkennung« ihres konservativ-orthodoxen bis islamistisch orientierten Islams verlangen – von der islamisch geprägten Welt ganz zu schweigen.

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105 Kommentare


  1. Sehr schön, Herr Lau, dass auch Sie in Ihrem Blog auf den Artikel hinweisen! Leider hat die Antwort auf Emcke ein wenig lange gedauert. Emckes Artikel war – man kann es nicht anders ausdrücken – eine Sauerei und hatte, abgesehen davon, mit einem wissenschaftlichen Fundament nicht mehr das Geringste zu tun. Es ging einzig darum, eine Feuer- oder Wasserprobe abzuhalten, die zeigen sollte, dass jeder, der es wagt, kritisch zum Islam (oder verwandten Themen) Stellung zu beziehen, ein widerlicher Rassist sei.

    Hinweisen möchte ich darauf, dass auch Heinz Gess auf den besagten Beitrag Emckes geantwortet hat, und zwar schon vor einiger Zeit. Wer mit der „Frankfurter Schule“ nicht so viel anfangen kann, wird bisweilen Schwierigkeiten haben, seine Gedankengänge nachzuvollziehen oder aber ernst zu nehmen; doch seine Anklage, dass Emckes Artikel in Wahrheit „antiemanzipatorisch“ und selbst rassistisch sei, halte ich für sehr lesenswert – ebenso wie die Widerlegung des beständig dümmer werdenden Argumentes, es gebe den Islam nicht. Dafür gibt es jetzt die „Islamkritiker“.

    http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Die%20Apotheose%20kollektiver%20Differenz,%20Liquidierung%20des%20Indiv.pdf

  2.   Jörg Lau

    @ Whateverthefuckingaliasmightpossiblymean: Ich finde den Begriff des „liberalen Rassismus“ keineswegs falsch. Der liberale Rassismus ist eine Tatsache und eine starke Kraft in der europäischen Politik derzeit (Folkeparti, Blocher, Wilders, die glücklicherweise kleine „Pro“-Bewegung…).
    Dennoch finde ich es richtig, dass Johannes Kandel, der ein echter Kenner ist und nicht erst seit 2001 über Islamismus nachdenkt, sich bei uns äußert. Darum habe ich den Kollegen auch empfohlen, den Text zu veröffentlichen.

  3.   Stefanie

    „Whateverthefuckingaliasmightpossiblymean“

    Der „Nassauskiesungsbeschluss“ ist ein wegweisender Beschluss des BVerfG zum Staatshaftungsrecht 🙂

  4.   Dybth

    Kritik an sich ist nichts schlechtes, und Kritik muss erlaubt sein. Frau Emcke kritisiert allerdings zu Recht jene, die Fremdenfeindlichkeit durch Pauschalisierungen, Diffamierungen, Hetze unter dem Deckmantel der Kritik verbreiten.

    Islamkritik, Kritik an kulturullen Begebenheiten, wie Ehrenmorde, die ungleiche Behandlung der Frauen gibt es schon lange (siehe z.b. ’40qm Deutschland‘). Selbst unter den Muslimen. Man tut so, als waer es etwas Neues.


  5. @Jörg Lau

    „Whateverthefuckingaliasmightpossiblymean:“

    Ist ja nun erklärt worden… Danke übrigens @Stefanie.

    „Der liberale Rassismus ist eine Tatsache und eine starke Kraft in der europäischen Politik derzeit (Folkeparti, Blocher, Wilders, die glücklicherweise kleine “Pro”-Bewegung…“

    Erstens: Warum halten Sie Wilders für „liberal“, und wie in Gottes Namen kommen Sie darauf, PRO WASAUCHIMMER sei „liberal“? Das halte ich schon für eine Beleidigung. Zweitens: Warum ist Wilders Ihrer Ansicht nach ein „Rassist“? Wilders ist durchgeknallt und kann gar nicht anders, als den Islam in seiner Gesamtheit abzulehnen; aber bei seiner Lebensgeschichte würden Sie wohl auch so ticken.

    Abgesehen davon wundert es mich, dass Sie Emckes bizarres und menschenverachtendes Konstrukt hier verteidigen wollen. Dass Ihre ganze Argumentation darauf fußt, „Rassismus“ an pauschalen Urteilen festzumachen („der Islam“, „die Muslime“, etc.), dürfte Ihnen aufgefallen sein. Damit ist alles und nichts „rassistisch“. Es ist eine hohle ideologische Vokabel, um Gegner (oder vermeintliche Gegner) zu diskreditieren. Dass Emcke nebenbei auch auf andere Personen abzielt, um sie als „liberale Rassisten“ zu überführen, etwa Hirsi Ali (die bestimmt eine schlimme Rassistin ist), das haben Sie vielleicht auch schon gemerkt. Das ist ein ganz hinterhältiger und durchsichtiger Versuch, andere persönlich zu diffamieren, die ohnehin das Glück haben, wegen ihrer politischen Einstellung in Todesangst zu leben.

    „Dennoch finde ich es richtig, dass Johannes Kandel, der ein echter Kenner ist und nicht erst seit 2001 über Islamismus nachdenkt, sich bei uns äußert.“

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass Sie anderen nur dann zugestehen wollen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, wenn sie das schon lange tun (siehe etwa Kohlhammer). Die Validität von Argumenten hängt aber nicht davon ab, wer sie äußert, sondern davon, ob diese Argumente tragen.

    „Darum habe ich den Kollegen auch empfohlen, den Text zu veröffentlichen.“

    Gut so. Dann setzen Sie sich zumindest dafür ein, anderen die Möglichkeit zur Gegendarstellung zu geben. Ihre Verteidigung des Konstrukts vom „liberalen Rassismus“ (ein Phänomen, das unter dem Begriff: sich tarnende Fremdenfeindlichkeit ohne weiteres zu subsumieren gewesen wäre, aber aus bestimmten Gründen nicht subsumiert werden sollte), ist dennoch irritierend, weil ich von Ihnen erwartet hätte, sich nicht in den Dienst solcher Machenschaften zu stellen. Aber ich kann verstehen, dass Sie sich nicht festlegen mögen; am Ende hieße das noch, dass Sie gleichfalls des „liberalen Rassismus“ geziehen würden. Was das bedeutet, davon kann wiederum Heinz Gess auf seiner Seite berichten.

  6.   Samuel

    Ein „liberaler Rassismus“ wäre übrigens kein wirkliches Problem, weil ein echter Liberaler niemals ein Gesetz gegen ihm unliebsame Menschen verabschieden würde, selbst wenn er diese nicht leiden kann.

    Gesetze gegen Menschen gehen nur durch Staat, und Liberale stehen dem Staat und seiner Tätigkeit nun mal skeptisch gegenüber.

  7.   N. Neumann

    Ich finde den Begriff des “liberalen Rassismus” keineswegs falsch. Der liberale Rassismus ist eine Tatsache und eine starke Kraft in der europäischen Politik derzeit (Folkeparti, Blocher, Wilders, die glücklicherweise kleine “Pro”-Bewegung…).

    @ Jörg Lau

    Es wäre einerseits dämlich, den Liberalismus (wie es häufig mit dem Islam oder dem Sozialismus gemacht wird) zu idealisieren indem man ihn realiter mit diversen unschönen Erscheinungen als unvereinbar erklärt.

    Wenn Sie allerdings den Begriff des „liberalen Rassismus“ keineswegs für falsch halten, sollten Sie andererseits schon angeben können, was denn an den genannten Bewegungen, die Sie anscheinend als selbsterklärende „Begründung“ für denselben anführen, abgesehen von ihrer antiislamischen Ressentimentpolitik, wirklich liberal ist. Das würde gegebenenfalls den Gebrauch des Begriffs, über seinen rein polemischen Gehalt hinaus, rechtfertigen. Ansonsten bliebe es – Pardon – in der Konsequenz bei der platt-linken Moralkacke à la Carolin Emcke. Wenn man, wie Sie, bereit ist, zwei gegenläufigen Gedankengängen (hier: neben Kandel eben auch Emcke) substanzielle Geltung einzuräumen, enthebt einen das nicht vom Begründugsgebot.

    Unterm Strich kann ich jedenfalls bislang innerhalb des rechtspopulistischen Spektrums nicht viel Liberalismus erkennen, auch wenig Wirtschaftsliberalismus. Programmatisch wird hier teilweise ein genereller Protektionismus auf dem Arbeitsmarkt vertreten sowie, damit verbunden und auch sonst, der Nationalstaat überhöht. Daneben erschallt aus dieser Ecke häufig der laute Ruf nach der Verschärfung des Strafrechts, und auch das ist nicht eben spezifisch liberal.

    Am ehesten kann ich auf dem gegebenen Hintergrund noch in Geert Wilders einen hässlichen Liberalen erkennen. Wilders vertritt, sein manisches Hauptthema Islam einmal außen vor, konsequent wirtschaftsliberale Positionen und setzt sich für die Rechte von Homosexuellen ein (die anderen von Ihnen genannten Parteien allenfalls dann, wenn Letztere von Jugendlichen mit islamischen Migrationshintergrund verprügelt werden). Wobei Wilders wiederum nicht nur der Vorsitzende seiner Partei ist, sondern auch ihr einziges Mitglied. Dies mag er nun mit einiger Evidenz damit rechtfertigen, dass er veritable Rechtsextremisten draußen halten will, liberal ist eine 1-Mann-Partei definitiv nicht.


  8. @Jörg Lau

    This is the best bit:

    >>Leider bleibt aber gerade der in Verbänden organisierte Islam, der »den« Islam in Deutschland zu repräsentieren in Anspruch nimmt, hier sehr blass. Das zeigt beispielsweise der Verlauf des »Gesprächskreises Sicherheit und Islamismus« der Deutschen Islamkonferenz. Nur weil ich hartnäckig gefordert habe, über den Begriff und das Phänomen »Islamismus« zu sprechen, stimmten die muslimischen Verbandsvertreter einer solchen Diskussion schließlich zu – bezeichnenderweise in der letzten Sitzung eines dreijährigen Diskussionsprozesses, dessen eigentliches Thema doch der Islamismus sein sollte. Und nicht zufällig wurde die geforderte Auseinandersetzung dann überwiegend von einer apologetischen Abwehr des Begriffes geprägt. Der Vertreter der Milli Görüş versuchte sogar, bereits die Verwendung des Begriffes als »islamophob« zu denunzieren.>>

  9.   Jörg Lau

    @ All: Liberal: Wilders, Blocher, Pro XY, Folkeparti argumentieren immer im Namen der Freiheit. Und auch im Namen der Freiheit kann man sich in rassistische Denkmuster hineinsteigern. Die Kolonialgeschichte ist voll davon. Man soll es sich nicht so einfach machen und glauben, als „Liberaler“ sei man auf sicherem Grund.

  10.   Samuel

    Jeder Politiker, Diktator und Hinterstubenbürokrat argumentiert im Namen der Freiheit. Honecker hat im Namen der Freiheit argumentiert, Hitler hat das getan: „Freiheit der Völker“, ein „freies Deutschland“, „Freiheit von Not“, „Freiheit von der Burka“.

    Alles Quatsch! Jemand der für ein gesetzliches Kopftuchverbot argumentiert, kann ebensowenig liberal sein, wie jemand, der ein Buch verbieten will. Liberalismus bedeutet, dass man sein Leben gestalten kann wie man will, sofern man niemand anderem seines Leibes, seines Lebens und seines Eigentums beraubt. Freiheit ist die Abwesenheit von willkürlichem Zwang und kann überdies nur individuell verstanden werden.

    Wilders mag liberale Positionen hier und dort haben, grundsätzlich liberal ist er aber nicht – wie auch sonst kaum jemand. Und bei welchen Positionen „Pro“ liberal ist, kann man wohl an einem Finger abzählen, wenn überhaupt.

 

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