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Deutschenfeindlichkeit an Berliner Schulen

 

Mein Beitrag aus der Zeit von heute über die Vorfälle an Berliner Schulen und den Versuch der Lehrergewerkschaft, sich einen Begriff von dem Problem des „Deutschenhasses“ türkisch- und arabischstämmiger Schüler zu machen. Es ist nicht meine erste Auseinandersetzung mit diesem Thema:

Es liegt ein Hauch von Panik in der Luft, als die Lehrerin endlich zu sprechen beginnt. Sie schluckt. Sie sagt: »Ich bekomme immer mehr Ehrfurcht und Respekt vor diesem Thema.« Dieses Thema, das ist die »sogenannte Deutschenfeindlichkeit« ihrer türkisch- und arabischstämmigen Schüler.

Kein Wunder, dass die Lehrerin so beklommen ist. Nur zwei Straßen entfernt vom Tagungsort hetzt der Rechtspopulist Geert Wilders (siehe Seite 12/13) gegen Muslime, die angeblich Deutschland durch Masseneinwanderung unterwerfen wollen. Die Lehrerin, die ihr halbes Leben an einer Schule in Neukölln verbracht hat, will mit der politisierenden Islamophobie nichts zu tun haben. Dies hier ist eine Veranstaltung des multikulturellen Ausschusses der linken Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Furcht, eine ohnehin schon hysterische Debatte noch weiter anzuheizen, füllt den Raum.
Zwei Mitglieder des GEW-Ausschusses für multikulturelle Angelegenheiten, Andrea Posor und Christian Meyer, hatten in einem Artikel für die Berliner Lehrerzeitung Alarm geschlagen, in den zunehmend segregierten Schulen verstärke sich das Mobbing gegen deutsche Schüler. Dieser bereits vor einem Jahr erschienene Hilferuf löste so heftige Diskussionen unter den Lehrern aus, dass man sich, wenn auch unter großen ideologischen Bauchschmerzen, entschloss, eine Tagung zum Thema einzuberufen. Alles selbstverständlich hochseriös, abgesichert mit Rassismusexperten, Migrantenvertretern, Bildungsforschern. Zu groß ist die Angst, selbst unter Rassis­mus­verdacht zu geraten.
Aber am Ende schaut dann eben alles auf diese Frau, die von der Pöbelei berichtet, der deutsche Schüler – und Lehrer – ausgesetzt sind. Sie lehrt seit mehr als zwanzig Jahren an der Otto-Hahn-Gesamtschule im Stadtteil Neukölln und heißt Mechthild Unverzagt.
»Ist ja irre, dass die auch noch diesen Nachnamen hat«, flachst ein Lehrerkollege in der hintersten Reihe vor lauter Anspannung. Dann redet Frau Unverzagt, und sofort wird es leise im vollen Tagungsraum des Berliner GEW-Hauses.
Sie spricht von »Ghettoisierungstendenzen« in Neukölln, einem sogenannten »A-Bezirk« (»A« für Alte, Arbeitslose, Ausländer, Alleinerziehende). An ihrer Schule seien über 80 Prozent der Kinder »nichtdeutscher Herkunftssprache«, die große Mehrheit davon türkisch- oder arabischstämmig. Fast alle Familien seien arm, viele zerrüttet. Die türkischen und arabischen Schüler seien tonangebend in ihrer Respekt­losig­keit gegenüber Lehrern. Sie bekämen dafür Anerkennung unter ihresgleichen und stärkten so ihr Selbstwertgefühl: »Wenn es bei uns mal sogenannten Unterricht gibt, erleben sie Misserfolge. Also tun sie alles, um ihn zu sabotieren.« Die deutschen Kinder hätten als kleine Minderheit »alle Qualitäten, die ein Opfer haben muss«. Sie müssten lernen, »sich unsichtbar zu machen«. Sie wollten während der Pausen nicht mehr auf den Schulhof, weil draußen nur ein Spießrutenlauf mit Beschimpfungen und Drohungen auf sie warte. Nicht nur deutsche, auch leistungsbereite türkische und arabische Schüler würden von den Wortführern niedergemacht. Ein türkischer Junge, der zu den guten Schülern zähle, werde als »schwul« beschimpft: »Jeder, der irgendwas erreichen will in der Schule, ist der Gegner. Es wird alles gemobbt, was anders ist.« Auch sie selber ist in demütigender und sexistischer Weise angemacht worden.
Es dauert eine Weile, bis die Teilnehmer sich nach Unverzagts Schilderungen fangen. An diesem Samstagmorgen kann man erleben, wie schwer es manchen Linken immer noch fällt, offen von den Konflikten des Einwanderungslandes zu reden. Eine Professorin für Rassismusforschung versucht nachzuweisen, dass die »strukturell benachteiligten Schüler« türkischer oder arabischer Herkunft per definitionem nicht zum Rassismus fähig seien, weil sie ja eine machtlose Minderheit darstellten. Nach dem Bericht von Mechthild Unverzagt wirkt das einigermaßen bizarr. »Diese Kinder waren noch nie in einer Minderheitensituation«, erwidert die Lehrerin.
Vielleicht liegt ja darin das Problem. Chris­tian Meyer, selber Lehrer an der Hector-Peterson-Gesamtschule in Kreuzberg und einer der beiden Autoren des Artikels, der die Debatte ins Rollen brachte, spricht von der »doppelten Segregationsfalle«: Nicht nur die Deutschen ziehen aus den »A-Bezirken« weg, sondern auch die bildungsbewussten Migranten. Die verbliebenen Schüler »kompensieren Frustrationen und Per­spek­tiv­losig­keit durch Macho-Gehabe«. Sie definierten sich stolz als Nichtdeutsche und blickten verachtend auf Deutsche als Ungläubige, »Schweinefleischfresser« und – wenn es sich um Mädchen handelt – »Schlampen«. Die trotzige Selbstausgrenzung von Losern, die sich an noch Schwächeren abarbeiten, ist für sich nichts Neues – nur dass die Schwächeren jetzt in manchen Berliner Kiezen Deutsche sind. Jagen nicht anderswo deutsche Rechtsradikale Juden, Linke und alles irgendwie Fremde?
Mancher bei der Tagung neigt dazu, die Sache allzu schnell wegzuerklären. Bei dem Verhalten der Jugendlichen müsse es sich wohl um die »Rückgabe erlebter eigener Diskriminierung« handeln, sagt ein Teilnehmer. Sofort sind Beispiele zur Hand, bei denen Mädchen mit Kopftüchern diskriminiert und arabische Jungs nicht in die Disco gelassen werden. Ein Teilnehmer fordert daraufhin mehr »Lehrer mit Migrationshintergrund«, andere verlangen eine Nachschulung der Pädagogen in »interkultureller Kompetenz«, ergänzt um die Möglichkeit für »ausgebrannte Kollegen, sich früh pensionieren zu lassen«. Und auf einmal wendet sich der Verdacht gegen die Lehrer, die von ihrer Ohnmacht erzählt hatten: Sind sie einfach zu wenig »kultursensibel«?
Christian Meyer lässt das nicht auf sich sitzen. Seit über 30 Jahren ist er an der Schule in Kreuzberg, und er hat einen »interkulturellen Kalender« produziert, der die Feste aller Religionen verzeichnet: »Wir haben Türkischunterricht, wir machen Fahrten in die Türkei, Lehrer haben Türkisch gelernt. Gegen die Segregation kommen wir aber mit mehr Interkulturalität alleine nicht an.«
Meyer macht sich Sorgen, dass neuerdings die religiöse Differenz zunehmend zur Selbststigmatisierung benutzt wird. Und er möchte, dass gerade diejenigen verstehen, wie alarmierend das ist, die sich für die Integration des Islams einsetzen. Wenn die Religion zum Mittel der Abgrenzung wird, spielt das am Ende gerade denjenigen in die Hände, die sich darin einig sind, dass der Islam mit westlichen Werten unvereinbar sei: Hasspredigern und Islamophoben.
Das Unbehagen, Deutsche als Opfer von Diskriminierung zu thematisieren, bleibt bei der Tagung bis zum Ende. Mechthild Unverzagt sagt schließlich fast reumütig, sie wolle den politisierten Begriff der Deutschenfeindlichkeit »nicht mehr hören«. Sie will sich nicht vor den Karren der Demagogen spannen lassen, die auch ohne Kenntnis der Verhältnisse per Ferndiagnose schon »den Islam« als Ursache ausgemacht haben. Aber sie möchte doch, dass man zur Kenntnis nimmt, dass ausgerechnet sie, die engagierte Lehrerin, den Hass der Verlierer abbekommt, der dieser Gesellschaft im Ganzen gilt.
Was tun? Gewerkschafter sind nie lange verlegen, Rezepte gegen Benachteiligung zu formulieren. Eine bessere Schule, ganztags und mit mehr Ausstattung, wurde dann auch gefordert, neue Unterrichtsformen, interreligiös ausgebildete Lehrer, eine größere soziale Mischung. Also genau das, was an der einst als hoffnungslos geltenden Rütli-Schule die Wende gebracht hat. »Es ist ein Verbrechen, wie das Potenzial dieser Kinder verschwendet wird«, sagte Mechthild Unverzagt, so als müsse sie noch einmal klarstellen, dass die Schüler nicht ihre Gegner sind. »Wir brauchen eine Lobby«, sagt sie fast flehend.
Für Lehrer wie Mechthild Unverzagt und Christian Meyer ist es wichtig, in der Öffentlichkeit Gehör zu finden. Sie fühlen sich alleingelassen. Sie brauchen keine Belehrung über die sozialen Ursachen des Mobbings, dem sie und andere ausgesetzt sind. Sie brauchen die Anerkennung, dass bestimmte Verhaltensweisen inakzeptabel sind, auch unter schlimmsten Bedingungen. Und so sind sie am Ende erleichtert, dass die Gewerkschaft die Angst vor der eigenen Courage überwunden hat.
Den Kampf mit der neu erstarkenden Rechten in Deutschland und Europa kann man auch so sehen: Wenn dieses Land eine Linke hat, die den öffentlichen Raum gegen jeden Rassismus verteidigt – auch den von Nichtdeutschen –, haben Rechtspopulisten ein Thema weniger.

369 Kommentare

  1.   Bounce

    Bedauerlich, dass es derartige Diskriminierungen an Berliner Schulen gibt.

    Aber die im Artikel bereits erwähnte Rütli-Schule zeigt, dass es Möglichkeiten gibt dem zu begegnen.

    Nur kostet das Geld. Ich hoffe mal, die dramatischen Schilderungen der betroffenen Lehrer führen dazu, dass hier ein sinnvolles Programm entwickelt wird, um dem abzuhelfen. Jeder Euro der hier investiert wird, dürfte dabei helfen in Zukunft bei Reperaturmaßnahmen 10 Euro einzusparen.

  2.   tati

    @JL

    Die Linken haben auf ganzer Linie versagt – und jetzt bekommen sie Ihre Quittung. Tendenz zunehmend.
    Das Problem ist schon seit Jahren akut – und jetzt die erste Konferenz dazu – und immer noch Schwachmaten dabei wie diese hohle Professorin, die nichts besseres zu tun hat als den Rassismus der Muslimmigranten zu leugnen.

    Die tumben Paschas brauchen Druck, und zwar viel Druck, sonst nichts.
    Ab mit dem Gesocks in Erziehungscamps oder besser noch samt Anhang zurück in ihre Herkunftsländer.
    Ich habe die Faxen dicke.


  3. Man muss einfach die Eltern für die Straftaten minderjähriger zur Verantwortung ziehen. Und das muss die Abschiebung in die Heimatländer mit beinhalten.

  4.   Marin

    @2, tati
    Wer solche Zustände „islamisiert“, also all die kleinen möchtegern Bushidos als vorposten Bin ladens verstehen die nur den Handlungsweisungen des Quran folgen, während sie nicht mal das arabische alphabet aufsagen können, dafür aber jeden mucho macho Rap text von Kool Savas auswendig erlernen, DER hat auch versagt !!!!! Und zwar auf mehreren Ebenen und wenn schon die Problem Analyse falsch ist, oder noch schlimmer ideologisch und hasserfüllt verbohrt, von der Seite ist dann auch keine Lösung mehr zu erwarten, sondern nur die vergrößerung und verschlimmerung eines vorhandenen Problems zu befürchten.

  5.   Bounce

    »Wir brauchen eine Lobby«, sagt sie fast flehend.

    Das ist auch ein Problem. Die meisten interessiert es einen feuchten Dunst, was in Berlin-Neukölln passiert. Die Medien sind eher an Skandalisierung interessiert. Der Stammtisch johlt. Die Schulaufsicht will keine Probleme und sitzt das aus.Und die betroffenen Familien und deren Kinder sind offenbar nicht wirklich in Deutschland angekommen.

    Ich hoffe aber dennoch, dass sich hier in Berlin etwas tut. Zu einer Sichtweise ohne die Probleme zu relativieren ist man ja schon gekommen. Jetzt fehlt es noch an praktikablen Lösungsmöglichkeiten. Die Rütli-Schule und andere haben gezeigt, dass es möglich ist hier einzugreifen.

  6.   Zagreus

    @ Lau

    Und er möchte, dass gerade diejenigen verstehen, wie alarmierend das ist, die sich für die Integration des Islams einsetzen. Wenn die Religion zum Mittel der Abgrenzung wird, spielt das am Ende gerade denjenigen in die Hände, die sich darin einig sind, dass der Islam mit westlichen Werten unvereinbar sei: Hasspredigern und Islamophoben.

    Nur ein paar sätze aus ihrem machwerk.
    Den islam integrieren, also nicht moslime, sondern den ‚ISLAM‘ – dabei dürfte doch klar sien mittlerweile, auch ihnen, so unglaublich das auch ist, dass erst einmal ‚der ‚islam‘ reformiert gehört, vor man da irgendwas ‚integriert‘. Alleine diese forderung und die ableitung des IST-Zutandes – nämlich der (momentane) islam ist nicht integrierbar (so wie er ist in den hauptströmungen – & verständnissen) ist aber anscheinend bei ihnen und ihresgleichen bereits *islamophobie*, die gleichzusetzen ist mit islamischen hetzpredigern.

    Den Kampf mit der neu erstarkenden Rechten in Deutschland und Europa kann man auch so sehen: Wenn dieses Land eine Linke hat, die den öffentlichen Raum gegen jeden Rassismus verteidigt – auch den von Nichtdeutschen –, haben Rechtspopulisten ein Thema weniger.

    genau – rechte = rechtsextreme oder warum nicht gleich von neonazis sprechen? – immerhin nimmt man ihnen ja wichtige bereiche, wenn man gegen jeden rassismus im öffentlichen bereich ist – ergo sind es ja rassisten in ihren augen.

    Sorry, aber mittlerweilen heissen ihre feindbilder: sarazin, wilders & Co. und irgendwelche mittelalterlichen islamischen strukturen oder gar islamistische gehen ihnen im vergleich dazu am allerwertesten vorbei, nach dem, was sie in den letzten monaten so von sich gehen.
    sie haben echt mittlerweilen eine an der klatsche – irgendeine ausgeglichene position, die versucht allen seiten gerecht zu werden, haben sie definitiv nicht mehr.

  7.   Marin

    Eine Sache will ich noch mitgeben. Bei diesem Problem handelt es sich um Kinder, also Wesen die erst seit 13, 14, 16 Jahren existieren, natürlich überhaupt keinen durchblick haben können, zum teil einfach nur triebhaft und verstandslos durch die Gegend laufen, die sind alle noch formbar, sie brauchen erziehung und führung, wenn sie das nicht finden, weder im elternhaus, schule oder sonst wo, dann machen dass die „Freunde“ die ganze 3 jahre mehr lebenserfahrung haben, aber kein schritt weiter gekommen sind als ihre schößlinge. Wenn man nicht acht gibt, entwickelt sich in diesen bezirken noch eine völlig heruntergekommene verbrecher Gang Kultur wie man sie in südamerika oder usa vorfindet und nicht etwa den Hamas Gaza streifen. Da wäre nämlich nichts mehr mit Kiffen, Musik, Mädels…

  8.   FreeSpeech

    Der Cocktail ist nicht mehr wegzuleugnen, aber er muss unbedingt mit einem Hinweis darauf gebracht werden, dass Wilders hetze, wenn er die Zutaten benennt.

    Hysterisch ist nicht die Debatte, sondern das linke Gezeter.

  9.   FreeSpeech

    Als die Einwanderer die Minderheit waren, war’s anders

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/gelungene_integration_damals/

  10.   Bounce

    dass Wilders hetze, wenn er die Zutaten benennt

    In meinen Augen schüttet Wilders eher noch Öl ins Feuer. Von daher nicht schlecht die Erwähnung, da es auch in Deutschland etliche gibt, die sich am Zündeln versuchen.

    Dss könnte man als ekelerregenden Rand am Cocktailglas bezeichnen, den man immer irgendwie mittrinkt. Ich hoffe mal, dass von der Seite jede Einflussnahme aussen vor bleibt.

    Die Lehrer und Lehrerinnen machen ja schon sehr klar, wen sie nicht an ihrer Seite haben wollen.

 

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