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Helfer in Blau

 

© LUIS ACOSTA/AFP/Getty Images
© LUIS ACOSTA/AFP/Getty Images

In Haiti sind nach dem schlimmen Erdbeben viele Menschen mit auffälligen Helmen unterwegs. Es sind Soldaten, die von den Vereinten Nationen geschickt werden

Von Hauke Friederichs

Erst bebte die Erde, dann stürzten Wohnhäuser, Schulen, Gefängnisse, Hotels, Kirchen und sogar der Präsidentenpalast ein, als ein schweres Erdbeben vor zwei Wochen Haiti traf. Bis zu 200 000 Menschen sollen dabei gestorben sein (so viele, wie in Rostock leben). Noch viel mehr Menschen wurden verletzt. Nun herrscht große Not. Viele Familien wissen nicht, was mit ihren Verwandten passiert ist. Eltern suchen nach ihren Kindern, und viele haben Angst.

Karte: Sonja Heilmann
Karte: Sonja Heilmann

Haiti gehörte schon vor der Katastrophe zu den elendsten Ländern der Welt. Viele ohnehin arme Menschen dort haben durch das Erdbeben nun alles verloren. Ihre Wellblechhütten liegen in Trümmern, was darin war, ist zerstört. Sie haben nichts zu essen und kaum sauberes Wasser zu trinken.
Weil sich die Opfer der Katastrophe nicht selbst helfen können, schicken viele andere Länder Hilfe. Auch aus Deutschland reisen zum Beispiel Ärzte und Techniker dorthin. Die Helfer bauen Notkrankenhäuser, Lager mit Zelten und Anlagen, mit denen man Wasser filtern kann. Andere Hilfsgruppen verteilen Medikamente, Decken und Lebensmittel. Auch um Kinder, die ihre Eltern verloren haben, kümmern sich Pfleger.
Doch die Arbeit der Rettungskräfte ist nicht einfach. Zunächst einmal ist viel aufzuräumen. Verletzte und Tote liegen auf den Straßen. Viele Menschen haben so großen Hunger, dass sie unbewachte Lebensmittellager einfach ausrauben würden. Das Erdbeben hat auch viele Behörden und Polizeiwachen zerstört. So kann die Regierung von Haiti nicht allein für Ordnung sorgen.
Damit den Helfern und den Hilfesuchenden nichts passiert, werden sie von internationalen Soldaten beschützt. Diese tragen blaue Stahlhelme, damit sie schon von Weitem gut zu erkennen sind. Das hat ihnen den Spitznamen »Blauhelme« eingebracht. An der Seite der Helme prangen zwei große weiße Buchstaben: UN. Die stehen für United Nations, auf Deutsch die Vereinten Nationen. Die Blauhelme sind im Auftrag der Vereinten Nationen (UN) unterwegs.
In den UN sind fast alle Länder der Welt vertreten. Kleine Staaten wie die Schweiz beraten dort über Probleme mit großen Ländern wie Russland, arme Länder wie Haiti reden mit reichen Ländern wie Deutschland. Wohin Soldaten geschickt werden, entscheiden nicht alle Länder zusammen, sondern eine kleinere Gruppe tut das. Sie heißt »Weltsicherheitsrat«. Dazu gehören die Vereinigten Staaten von Amerika (USA), Großbritannien, Frankreich, China und Russland als feste Mitglieder, andere Länder kommen dazu und wechseln sich ab. Gemeinsam entscheiden sie über Sicherheitsfragen, die alle betreffen.
Die Blauhelmsoldaten, die der Weltsicherheitsrat schickt, sind die Friedenshüter der Vereinten Nationen. Normale Armeen dienen hauptsächlich dazu, das Heimatland zu verteidigen. Früher sagte man, dass die Soldaten für den Krieg zuständig wären. Heute werden Soldaten von ihren Regierungen aber auch geschickt, um für Frieden zu sorgen. Den blauen Helm dürfen nur diejenigen tragen, die einen Auftrag der UN haben. Die einzelnen Mitgliedsländer schicken die Männer und Frauen für die Blauhelmeinsätze, weil die Vereinten Nationen selbst keine eigene Armee besitzen.
Der Weltsicherheitsrat weist den Blauhelmen klare Aufgaben zu, sagt ihnen, was sie tun dürfen und was ihre Aufgabe ist: zum Beispiel Waffen einsammeln, die Grenzen sichern oder Wahlen überwachen (weil in manchen Ländern Terroristen die Wahlen behindern oder Leute, die an der Macht bleiben wollen, Wahlen fälschen). Deutschland beteiligt sich auch an solchen UN-Missionen – Experten meinen allerdings, dass das zu selten geschieht. Immerhin: Bundeswehrsoldaten helfen zum Beispiel im Sudan und passen auf, dass es dort friedlich bleibt. Wenn die Blauhelme entsandt werden, haben sie oft auch Gewehre und Panzer dabei. Doch schießen müssen sie eher selten. Meist reicht es aus, wenn sie einfach da sind und aufpassen.
Nach Haiti kamen solche UN-Soldaten zusammen mit anderen Helfern schon lange vor dem Erdbeben. Vor sechs Jahren hatte der Weltsicherheitsrat beschlossen, dass dort Hilfe nötig sei, weil damals verschiedene Gruppen um die Macht kämpften und es viel Gewalt gab. Deshalb reisten rund 7000 Blauhelmsoldaten, 2000 Polizisten und 3000 andere Helfer nach Haiti. Es gelang ihnen, die Straßen sicherer vor Banditen zu machen; sie unterstützten die Haitianer auch beim Aufbau einer eigenen Polizei. Politiker befürchten aber, dass es nun nach dem Erdbeben wieder schlimmer wird. Deshalb will der Weltsicherheitsrat weitere Blauhelmsoldaten nach Haiti schicken. Sie sollen, zusammen mit den zivilen Helfern, für Frieden, Sicherheit und Demokratie sorgen.
Zunächst brauchten die Helfer mit den blauen Helmen aber selbst Hilfe: Denn auch das Hauptquartier der UN in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince stürzte ein. Inzwischen haben die Friedenshüter ein neues Hauptquartier. Jetzt schützen sie zum Beispiel die Laster, die Lebensmittel in abgelegene Orte bringen. Dass Hilfe kommt, sehen die Menschen schon von Weitem: Die Soldaten im Auftrag der UN haben nämlich nicht nur blaue Helme als Erkennungszeichen, ihre Fahrzeuge sind in leuchtendem Weiß gestrichen, der Farbe des Friedens.

 

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