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Immer schön knicksen

 
Ob Königskinder alles dürfen?/ Illustration: Gert Albrecht
Ob Königskinder alles dürfen?/ Illustration: Gert Albrecht

In England soll bald das Urenkelkind der Queen geboren werden. Viele Menschen freuen sich schon darauf. Aber wie lebt man eigentlich als Prinz oder Prinzessin? Für die KinderZEIT sprach Judith Scholter mit einem Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert, der seit vielen Jahren für das Fernsehen über die Königshäuser berichtet

KinderZEIT: So ein Leben als Kind im Palast, das muss doch toll sein: Man hat einen Diener, ungefähr hundert Zimmer zum Spielen und darf immer tolle Kleider anziehen.

Rolf Seelmann-Eggebert: Na ja, das Kind von Prinz William und Herzogin Kate wird wahrscheinlich im Kensington-Palast mitten in London aufwachsen. Im Palast gibt es mehrere Wohnungen, und ich denke, dass seine Familie zehn oder zwölf Zimmer haben wird. Bestimmt auch ein Zimmer zum Spielen mit lauter Spielsachen.

KinderZEIT: Was ist mit dem Diener?

Seelmann-Eggebert: Einen Diener wird das Kind nicht bekommen, jedenfalls keinen Mann. Dafür eine Nanny oder vielleicht zwei, die sich kümmern. Aber herumkommandieren darf das Kind das Personal sicher nicht. Als Prinz Charles klein war, ist er im Hof immer an den Wachen vorbeigegangen, und die mussten dann die Hand an die Mütze legen. Da wurde Charles gesagt, dass er die Wachen in Ruhe lassen solle.

KinderZEIT: Darf das Kind denn wenigstens selbst bestimmen, was es anzieht?

Seelmann-Eggebert: Ich glaube nicht, dass es selbst an den Schrank gehen und sagen wird, was es anziehen will. Das wird ihm rausgehängt.

KinderZEIT: Nennt das Kind seine Eltern eigentlich Mama und Papa oder irgendwie anders?

Seelmann-Eggebert: Ich bin sicher, das Kind wird seine Eltern so ansprechen, wie wir es auch gewohnt sind, Mom und Dad oder so. Eventuell muss das Kind sich der Uroma, also der Queen, gegenüber besonders verhalten. Zum Beispiel einen Knicks machen, wenn es ein Mädchen ist, oder einen tiefen Diener, wenn es ein Junge ist.

KinderZEIT: Das ist aber streng.

Seelmann-Eggebert: Sicher. Man kann immer noch sehen, dass Prinz Charles seine Mutter auf eine ganz bestimmte Weise begrüßt: Wangenkuss links, Wangenkuss rechts, Handkuss und gleichzeitig eine Verbeugung dazu.

KinderZEIT: Gibt es im Kensington-Palast noch andere Kinder?

Seelmann-Eggebert: Nein, da ist wohl niemand in dem Alter. Das Kind wird aber früh in einen normalen Kindergarten gehen, und ich glaube, dass es auch bald ein Geschwisterkind bekommt. Denn es ist natürlich für eine Familie schön, wenn die Kinder sich gegenseitig haben.

KinderZEIT: Wird der Prinz oder die Prinzessin denn später in eine normale Schule gehen?

Seelmann-Eggebert: Ja, das Kind wird in eine öffentliche Schule gehen. Das ist bei der Queen noch ganz anders gewesen: Für sie wurde extra eine Palastschule gegründet. Auch ihre Schwester Margaret ging auf diese Schule, außerdem wurden Kinder von hochrangigen Beamten in den Palast geholt, die gut zu ihr passten. Es wurde sogar eine eigene Pfadfindergruppe im Palast aufgemacht, weil Elisabeth nicht in die normale Pfadfindergruppe gehen durfte.

KinderZEIT: Und was haben die genau gemacht? Feuer im Park des Buckingham-Palastes?

Seelmann-Eggebert: Die haben Knoten gelernt und auch sonst alles, was man als Pfadfinder eben lernt. Bestimmt haben sie auch Feuer gemacht unter dem kritischen Auge des Gärtners. Bei schönem Wetter gingen sie für ihre Pfadfinderspiele nach draußen in den Park, bei schlechtem in die riesigen Kellergewölbe und Flure des Palastes.

KinderZEIT: Darf man sich als Prinz oder Prinzessin seine Hobbys selbst aussuchen?

Seelmann-Eggebert: Zum Teil. Bei dem Kind ist ziemlich sicher, dass es bald reiten lernen wird, denn es wird in eine reitverrückte Familie hineingeboren. Es wird sehr bald ein Pony haben. Angeln und schießen wird es höchstwahrscheinlich auch lernen. Das sind typische Sportarten in der Familie.

KinderZEIT: Und wo lernt es Etikette, also wie es sich benehmen muss?

Seelmann-Eggebert: Etikette ist heute nicht mehr so wichtig, wie sie es mal war. Es gibt nur ein paar Regeln, die man beherzigen sollte, auch als Kind. Der Königin gibt man nur zart die Hand, und man wartet darauf, dass man von ihr angesprochen wird, bevor man etwas sagt. Und sollte das Baby oder später das Kind auf die Idee kommen, einen Corgi – einen Hund der Queen – am Schwanz zu ziehen, wäre das keine gute Idee. Die Queen wäre sauer.

KinderZEIT: Gibt es noch etwas, das man sich auf keinen Fall erlauben darf?

Seelmann-Eggebert: Unerfreuliche Wörter benutzen! Scheiße zu sagen auf Englisch, da würde der Queen die Gabel aus der Hand fallen.

In was für eine Familie wir die Nummer 3 der englischen Thronfolge hineingeboren?

Die Urgroßeltern: Königin Elisabeth II. und Prinz Philip

Die Großeltern: Prinz Charles und Lady Diana

Die Eltern: Prinz William und Herzogin Kate

Wie das Baby heißen wird, ist noch nicht bekannt

 

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