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27. September 2018 – Ausgabe 40

 

Leserbrief zu “Im Sumpf der Traurigkeit“ von Peter Dausend

Es gibt auch noch einen Sumpf des Überflusses:
Ist es nicht unfassbar, dass ein Ministerium mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern nicht nur punktuell und für konkrete Projekte, sondern flächendeckend Beraterverträge mit einem Volumen von ca. 200 Millionen Euro allein im Jahre 2016 vergibt (und dabei wohl auch noch gegen Richtlinien zur Vergabe solcher Aufträge verstößt)? Bei einer solchen Kombination aus offenkundiger fachlicher Überforderung, vulgo Inkompetenz, und Verschleuderung von Steuergeldern in großem Stil dürfte sich Frau von der Leyen mit einer Entschuldigung wie gerade beim Emsländer Moorbrand eigentlich nicht aus der Affäre ziehen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Angela Merkel hat in ihrer Amtszeit bestimmt nicht alles richtig gemacht und ich würde mich jetzt auch nicht als ihr grösster Fan bezeichnen. Aber sie hat das Land mit ruhiger und besonnener Hand regiert, Menschlichkeit gezeigt und in unruhigen Zeiten Stabilität gegeben. Ich finde es schwer erträglich, dass sie nun quer durch die Medien demontiert wird, auch von der ZEIT, nur um der aktuellen Meinung genüge zu tun. Die AFD reibt sich bei dieser Art von Berichterstattung die Hände und Politiker der CDU, die aus reinem Machttrieb Koalitionen mit der AFD nicht ausschliessen bekommen eine Bühne ohne kritisch hinterfragt zu werden. Ich frage mich, ob sich die Medienlandschaft, auch die von mir hoch geschätzte ZEIT, einmal die Frage gestellt hat, welchen Beitrag sie zur aufgeheizten Stimmung im Land beiträgt durch eine oft einseitige und auf ein einziges Thema abgestellte Berichterstattung. – Anna-Lena Winkler


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Frau Kolleck beklagt das Desinteresse von Bildungspolitikern an Erkenntnissen der Wissenschaft. Als Grundschullehrerin stelle ich mir die Frage, inwiefern sich den Wissenschaftlern, die Studien zu Unterrichtsinhalten durchführen, die pädagogische Praxis erschließt. „Studien kosten Zeit und Geld – und verfolgen meist den Zweck, Empfehlungen für Politik und Praxis zu entwickeln.“ Was bedeutet „meist“?! Welchen anderen Zweck verfolgen die Studien? „Können Forscher konkrete Handlungsempfehlungen aus wissenschaftlichen Studien generieren?“ Allzu häufig nicht. Das haben Kolleginnen und ich auf Fachtagungen immer wieder erlebt, wo Studien zum grundschulpädagogischen Inhalten präsentiert werden, mit Daten jongliert wird und am Ende werden keinerlei Hinweise gegeben, was nun in der Praxis umzusetzen wäre. Dass sich Reformen aus der Politik in Sinn und Logik dem pädagogischen Personal nur schwer erschließen, mag in Einzelfällen sein, aber man darf bitte Lehrkräfte nicht (zumindest nicht alle; dass Unterrichtsqualität entscheidend von den Lehrkräften abhängt, hat die Hattie-Studie bestätigt) für unwillig halten, sinnvolle Reformen zum Wohle der Schülerinnen und Schüler umzusetzen oder gar für zu beschränkt, diese zu verstehen und dies zu tun.

So wie auch ich mich bemühe, nicht davon auszugehen, dass es böser Wille oder mangelndes Erschließungsvermögen ist, wenn Studien zu Unterrichtskonzepten wie „Lesen durch Schreiben“ durchgeführt werden, ohne das Konzept hinreichend zu kennen. Wovon ich allerdings ansonsten ausgehen soll, welche Interessen hinter manch einer Studie steckt, frage ich mich schon. Es würde zu weit führen, hier das Konzept zu erläutern. In Kürze: Es ist für den Anfangsunterricht gedacht (Die Annahme oder angedeutete Aussage, Texte von Neunjährigen dürften nicht korrigiert werden und das sei die Reichen-Methode ist völliger Unsinn!), beinhaltet neben der Arbeit mit der Buchstabentabelle vielfältige Denktrainings und Materialien, die u.a. schon Rechtschreibung trainieren. Korrekturen finden natürlich auch schon in Klasse 1 statt, so, dass Kinder nicht von Anfang an frustiert werden und sich als unfähig erleben müssen, aber z.B. nicht alle Laute eines Wortes abgebildet werden und dann schrittweise immer mehr. Auch Rechtschreibtrainings müssen ab der 1. Klasse stattfinden, da dies ja die Lehrpläne vorgeben.

Was nun die Studien selbst betrifft: Die Bonner Studie ist noch nicht in Gänze veröffentlicht. Wirklich genau hingeschaut wurde bei nicht einmal einem Zehntel der 3000 GrundschülerInnen. Ob die Wissenschaftler wussten, nach welchen Kriterien genau sie Schulen und Klassen auswählen müssen, um wirklich sagen zu können: „Diese Kinder werden nach „Lesen durch Schreiben“ unterrichtet, weiß ich nicht. Diktate als Testform zu wählen, halte ich jedoch für äußerst fragwürdig. Sie tauchen in Lehrplänen häufig schon nicht mehr auf, weil sie längst in der Kritik stehen, zur Förderung von Rechtschreibung nicht beizutragen. Insofern werden sie in reformfreudigeren Klassen deutlich weniger verbreitet und geübt sein, als in traditioneller geführten Fibelklassen. Bekannte Testform – weniger Aufregung – mehr Erfolg? Die erwähnte Berliner Längsschnittstudie zur Lesekompetenzentwicklung von Grundschulkindern kannte ich nicht. Schon beim ersten suchen danach stieß ich jedoch darauf, dass sie allein Kinder mit Migrationshintergrund in den Blick nahm. Dass für diese „Lesen durch Schreiben“ nicht immer in der ursprünglichen Form durchgeführt werden kann und sie ergänzend weitere Unterstützung brauchen, ist so. Reichen selbst wollte Materialien für DaZ-Kinder entwickeln, aber ist vorher gestorben. Er hat sich und seine Materialien immer weiterentwickelt, motivierte, engagierte und gut ausgebildete Lehrkräfte tun das auch, immer mit Blick auf die Kinder.

In einer Klasse, in der nicht allein Kinder mit Sprachproblemen im Deutschen sind, können mit „Lesen durch Schreiben“ hervorragend die sprachlich fitten Kinder gefördert werden, sie können sehr schnell individuell arbeiten und die Lehrkraft hat mehr Zeit, sich um die Kinder zu kümmern, die mehr Unterstützung brauchen. Pauschalurteile und Rufe nach „Abschaffen!“ würden nur einmal mehr dafür sorgen, dass „mit hohen Kosten und großem Aufwand“ etwas eingeführt oder durchgesetzt wird, „um dies kurze Zeit später ebenso aufwendig wieder (abzuschaffen)“. Ansonsten empfehle ich die Lektüre eines anderen ZEIT-Artikels zum Thema: https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-09/schreiben-nach-gehoer-rechtschreibung-lernmethoden-grundschule-lehrer-zeitmangelPetra Wilhelm


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Jetzt schlägt also auch DIE ZEIT noch auf die Kanzlerin ein- anstatt ihr den Rücken zu stärken, was zweifellos angebracht wäre. An alle: Das ist immer noch kein Grund, zur AfD zu laufen- im Gegenteil! – Manfred Nothnagel


Leserbrief zu „Rechtsstaat unter Druck“ von Andreas Vosskuhle

Ihrer Beschreibung des Drucks auf unseren Rechtsstaat kann ich uneingeschränkt zustimmen. Ebenso überzeugen mich Ihre Forderungen an die „drei Funktionsbedingungen gelingender Rechtsstaatlichkeit“. Allerdings fehlt eine Antwort auf das Problem des Zwiespalts zwischen Recht haben und Recht bekommen. Ich meine hier nicht die häufig spürbare Diskrepanz zwischen Rechtsempfinden und rechtswissenschaftlich korrektem Verfahren (s. der Fall Sami A.) Skandalös dagegen ist die Möglichkeit der Eigentümermacht, mit dem Marsch durch die Instanzen, vertreten von teuer bezahlten Anwaltskanzleien, berechtigte Ansprüche privater Personen abzuwehren, die über kein Vermögen verfügen. – Viktor Rintelen


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Es ist Zeit für eine neue Ethik:
Die Kirche sollte nicht die Kinder – Schänder schützen, sondern die Schutz -Befohlenen. Die Kirche schützt damit eine Diktatur des Unrechts. In anderen karitativen Sozial- verbänden wie DRK & Co wären die entsprechenden Personen längst entlassen wurden.

Die Banken verkaufen weiterhin ihren Kunden Finanzprodukte die tendenziell riskant sind. So sind ca. 30% der Immobilien – Finanzierungen der letzten 5 Jahre eher mit deutlichen Risiken verbunden. Auch Fonds sind lediglich Finanzmarkt – Produkte, die den Schwankungen der Finanzmärkte unterworfen sind, wie die Schließung von Offenen Immobilien- Fonds in der Vergangenheit gezeigt hat.

Ärzte raten ihren Patienten zu Operationen, die keine echte Verbesserungen bringen, wie z.B. im Bereich der Orthopädie wo es ca. 50% der betroffenen Patienten nach einer Operation gleich oder sogar schlechter geht wie vorher. Damit handeln Ärzte wie Versicherungsvertreter. Pro Jahrgang erhalten mehr Absolventen der Medizinischen Fakultäten die Doktor – Würde verliehen wie bei den Rechtswissenschaften sowie Wirtschaftswissenschaften zusammen verliehen werden. Und dieses Bild ergibt sich nahezu an allen Universitäten in Deutschland, wo es die entsprechenden Fakultäten gibt. Sind Medizin – Studenten soviel intelligenter als Mathematiker, Juristen, Physiker, Ökonomen etc.?

Ist es richtig, dass Führungskräfte belohnt werden wie bei der Deutschen Bank oder bei Herrn Maaßen, während die normale Arbeitnehmerin z.B. die Kassierin wegen einer Weintraube oder eines Pfandbons fristlos entlassen wird, wegen Diebstahl also schwerem Fehlverhalten?

Zeit für Moral und Anstand! – Olaf Bergmann


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Sie sind die Zeitung, von der ich ein Leben lang lernen durfte, die mich begleitete und mir manchmal aus der Seele spricht. So heute mit dem Artikel: Was nicht in der Zeitung steht. Wir gehören zu der privilegiertesten Generation aller Zeiten und Welten – und wollen wohl immer nur das Negative hören. Danke, dass Sie es anders machen. – Helmut Schmidt


Leserbrief zu „Führen und Teilen“ von Marc Brost

Viel Lärm um Wenig. womöglich hatte die C-Fraktion den seit 13 Jahren herrischen „Ich-bin-der-Merkel-Vertraute“-Kauder einfach nur satt und hat ihn ob Alternative abgewählt: eine demokratische Wahl wird in der Presse und Opposition zum „Putsch“ hochgejazzt. hey, es lebe die Demokratie ! und der Kauder-Nachfolger ist nun wahrlich kein Revoluzzer. the show will go on … … und nach einem Jahr verhandeln, wer denn nu regiert und Gezänke, wie denn nu, geht’s hoffentlich mal los mit dem Regieren. – Eva Rautenbach


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Da ist sie wieder, die ewige Suche nach der „Schuld“. Ist es eigentlich eine deutsche Tugend, dauernd einen Schuldigen irgendwo verorten zu wollen? Die Schuldigen im Falle der Lebensmittelverschwendung sind die gleichen, wie die, die morgens ihre Kinder mit dem SUV 100m zur Schule fahren, mit dem Mountain-E-Bike durch die Alpen rasen oder die Kreuzfahrt boomen lassen. Es ist der Wohlstand, die Dekadenz der Wohlstandsgesellschaft. Warten wir doch einfach den Postkapitalismus ab, dann wird womöglich über Nahrungsmitteldiebstahl, Schlangen vor den Lebensmittelmärkten oder Menschen, die Kartoffeln auf dem Acker nachsuchen, berichtet. Früher gab es den Schweineeimer, die Kaninchen und die Hühner im Hof, wo die Reste verwertet wurden, heute bezeichnet man solche Verwertung als Verschwendung? – Reinhard Seevers


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Die Antwort auf Ihre Frage: „Warum sehen die meisten diese Fortschritte nicht!“ lautet: „Weil die Medien – zu denen auch die „Zeit“ gehört den Leser nicht informieren (wollen?). Was zählt ist doch leider in unserer Welt nur noch das, was Sensation ist! – Dr. Wolf Günther


Leserbrief zu „Mia san mia“ von Rolf Raum

Das größte Rätsel dieses Jahrhunderts ist für mich die Tatsache, das Bayern das erfolgreichste Bundesland unserer Republik ist. Nicht annähernd können andere Bundesländer, vielleicht mit Ausnahme der Sachsen, mithalten. Ich frage mich immer wieder. warum das so ist. Ob Medien oder die Bürger es wird auf sie verbal herumgeprügelt. Nur wenige Menschen begehren dagegen auf. Ich habe dafür nur eine Erklärung: Die Dummheit ist der größte Feind des Menschen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Rechtsstaat unter Druck“ von Andreas Vosskuhle

Unser Rechtsstaat ist in besorgniserregender Weise bedroht, nicht nur, weil die Justiz zu wenig qualifiziertes Personal hat, sondern sehr viel mehr, weil gute Gesetze auf allen Gebieten des Lebens durch eine von Gruppeninteressen geleitete Verwaltungspraxis sabotiert werden. Wo bleibt die Sozialbindung des Eigentums? Was geschieht gegen das Spekulieren mit Grund und Boden? Wer kontrolliert den Missbrauch von Antibiotika in der Massentierhaltung? Wer schont die Steuersünder? Es ist schon erstaunlich, dass ein so kompetenter Jurist wie Andreas Vosskuhle dieses Problemfeld völlig unbeleuchtet lässt. – Johannes Kiersch


Leserbrief zu „Führen und Teilen“ von Marc Brost

Was ist denn da so überraschend? Wenn in einer demokratischen Wahl Einer gegen einen Anderen kandidiert und einer gewinnt und der Andere verliert, ist das doch wenig überraschend; als erfahrener Journalist konnte man sich gut vorbereiten, und am andern Tag einen geschliffenen Artikel so oder so abliefern. So ist es ja auch geschehen. Als Eigentlich verwunderlich und ärgerlich erscheint es nur, dass es in der breiten Presse (inclusive ZEIT) sehr einheitlich hieß: Machtverlust, Kanzlerdaemmerung, Chaos und schlimmeres. Ich finde, auch damit leistet die Presse einen eigenen Beitrag zu der beklagenswerten Politikverdrossenheit in unserm Land. Als wenig überraschend – eher trivial – erscheint es auch, dass Frau Merkels Kanzlerschaft in einiger Zeit enden wird und dass das mit einem Machtverlust für sie einhergehen wird. Frau Merkel ist sicherlich klug genug, das selbst zu erkennen. Ob ihr dieser Übergang gut gelingt oder nicht, ist doch eigentlich ihr Problem. Dabei wünsche ich ihr, angesichts ihrer Verdienste, dass es ihr gelingt.

Warum eigentlich kann man den ganzen Vorgang nicht auch positiv darstellen? – und dass die Beteiligten das selbst so tun, ist doch weder verwerflich noch muß es falsch sein: der Gewinner – er freut sich, ist auch ein zwar unbekannterer, aber kompetenter und erfahrener Mann mit durchaus positiver Ausstrahlung. Die Verlierer ärgern sich verständlicherweise, bewahren aber Haltung. Der Gewinner erklärt, es passe in politischer Hinsicht »kein Blatt Papier« zwischen ihn und die Verlierer. Das muss er klugerweise sicherlich so sagen, – es kann doch aber auch tatsächlich so gemeint sein. Und wenn sich dahinter die Andeutung auf eine spätere Kanzlerkandidatur versteckt, so ist das doch nicht schlecht, sondern eher ein durchaus positives Zeichen für unsere Demokratie . Worüber man sich freuen kann. – Prof. Karsten Schwerdtfeger


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Die Überschrift weckte gleich mein Interesse (ich bin seit vielen Jahren Grundschullehrerin), so dass ich mir Ihren Artikel als Ersten zum Lesen vornahm. Doch welche Enttäuschung, denn trotz der selbstkritischen Ausführungen im zweiten Teil des Artikels, dass Ergebnisse von Studien nicht eindeutig auf eine Maßnahme zurückgeführt werden können, werden Studienergebnisse im ersten Teil genauso dargestellt. So hätte meineserachtens als Überschrift wahlweise „Die große Undifferenziertheit“ oder „Das große Missverständnis“ eher gepasst.

  1. „Lesen durch Schreiben“ ist kein Schreiblehrgang, sondern ein Leselehrgang, der in der Regel mit Ende der 1. Klasse abgeschlossen ist.
  2. Schreiben mit einer Buchstabentabelle zu Beginn des Schriftspracherwerbs ist durchaus sinnvoll, um eine Schreibmotivation zu bewirken. Mir sind aus meiner eigenen Schulzeit noch die Kinder im Gedächtnis, die aus lauter Angst, einen Rechtschreibfehler zu begehen, lieber gar nicht schrieben. Natürlich ist ein gezieltes Rechtschreibtraining unabdingbar.
  3. Das Nicht-Sitzen-Bleiben ist für so manches Kind fatal. Ich wünschte mir eine deutliche Differenzierung zwischen den verschiedenen Altersstufen und Ursachen für eine Zurückstellung. Womöglich ist es in der Grundschule besonders deutlich, wenn ein Kind eine Entwicklungsverzögerung aufweist. Diese Kinder sind von Anfang an mit den schulischen Anforderungen heillos überfordert. Schulische Unterstützungsmaßnahmen greifen in einem solchen Fall oft nur ganz langsam, während sich der Abstand zum Klassenziel vergrößert. Auch so etwas kann durchaus zu negativen Emotionen führen. (Ich vermute, dass Sie bzw. die Studie nur ältere SchülerInnen im Fokus hatten, denn als Begründung wird das Auf und Ab von Noten herangezogen.)

Ich halte es für gefährlich, wenn Bildungsforschung auf der Suche nach Trends oder Lösungen die unglaublich große Komplexität dessen, was Bildung vom Kleinkind bis um Abiturienten ausmacht, zu verallgemeinern versucht. Es beruhigt mich, dass Sie zumindest im 2. Teil des Artikels vorsichtig auf diese Problematik eingehen. – G. Förster


Leserbrief zu „Über Witze, Kritik und Empörung“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ihre Kolumne ist das Erste, was ich lese, wenn die ZEIT kommt. Wie heute genieße ich es Ihre Stellungnahmen zu den verschiedenen brisanten oder weniger brisanten Themen zu lesen, selbst dann, wenn ich anderer Meinung bin oder beruflich bedingte Grundlagenkenntnisse habe, die mich zu einer anderen Sichtweise veranlassen.
Sie sind in der Lage auf begrenzten Raum komplexe Themen und Sachverhalte brillant darzustellen, zu analysieren und eine herausfordernde Stellungnahme abzugeben, ohne diejenigen abzuwerten, die dabei kritisch hinterfragt, oder deren Haltungen ad absurdum geführt werden. Mein Mann, ich und unsere erwachsenen Kinder wünschen Ihnen weiter eine lustvolle Arbeit, ein scharfes Auge, einen festen „Biss“ und den Mut Ihren Mann (Gender zum Trotz) an dieser wichtigen Stelle zu stehen. Zum Thema Gender ist Ihnen vielleicht das kleine Buch von Volker Zastrow bekannt. – Visnja Lauer


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo und zu „Das Schweigen“ von Evelyn Finger et al.

Tatsächlich war ich entsetzt, wirklich entsetzt, als ich vor einiger Zeit las, der Papst habe liebevollen Eltern geraten, über eine sich abzeichnende Homosexualität ihres Kindes nicht zu verzweifeln, da es möglich sei, ihrem Kind mit Verständnis und ärztlicher Hilfe eine Abkehr von dieser Fehlentwicklung zu verschaffen. Homosexualität ist nach dieser Sicht ein Defizit, eine Art Krankheit, eine Verirrung, die man behandeln und in der Kindheit mit Gottes Hilfe vielleicht noch beheben kann. Eltern, die stattdessen der sich abzeichnenden Homosexualität ihres Kindes mit Respekt, Toleranz und Akzeptanz begegnen, können keine liebevollen Eltern sein. Und Betroffene, die nicht das Glück hatten, in ihrer Kindheit Heilung zu erfahren, müssen sich als defizitär und krank verstehen, behaftet mit einem Makel, der sie vom Großteil der Bevölkerung ausschließt. Was diesen Großteil der Bevölkerung anbelangt, so habe ich gelernt, dass 12 – 20 % der Gesamtbevölkerung homosexuell sind. Inzwischen, versichern mir Betroffene, liege der prozentuale Anteil zur Gesamtbevölkerung höher, vor allem, wenn man die Menschen, die sich als „Transgender“ oder „Inter“ bezeichnen, hinzu zähle. Und was für die Gesamtbevölkerung gilt, gilt logischerweise für ihren Ausschnitt: die Priesterschaft. Wie können Menschen, die ihre Sexualität verleugnen und sich dieser Sexualität wegen schämen und sogar selbst verachten müssen, zu integren und stabilen Persönlichkeiten werden ? Natürlich werden nicht alle Priester, die an dieser Stelle leiden, zu Pädophilen oder vergewaltigenden Serientätern. Aber die Gefahr, dass eine nicht-integrierte Sexualität zu kriminellen sexuellen Handlungen führen kann, ist gegeben. Wie wäre es, wenn der Papst die Homosexualität als eine Verwirklichung der im Sonnengesang gepriesenen Liebe Gottes zur Schöpfung verstünde ? – Ursel Heinz


Leserbrief zu „Führen und Teilen“ von Marc Brost

Man kann es auch journalistisch übertreiben. Wenn Herr Brost meint, nach den Petitessen Maaßen und Brinkhaus hätten die Gegner der Kanzlerin von ihr „nichts mehr zu befürchten-schon gar nicht von ihr“, so bleibt mir verborgen, warum das zweifelsfrei und zwangsweise so sein muss. Die in dem Artikel durchgängig festzustellende Absicht, nach den im Vergleich zu den wirklich anstehenden Problemen fast lächerlichen Querelen um den Verfassungsamtschef und die Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden die Kanzlerin niederzuschreiben, ist meines Erachtens unangebracht. Sie hat schon Probleme ganz anderer Qualität bewältigt! Zum Glück gelang den für das Layout der Seite 1 zuständigen Mitarbeitern ein Korrektiv, platzierten sie doch direkt rechts daneben den Hinweis auf einen Artikel auf Seite 35: „Medien als Miesmacher- Die Journalisten zeichnen die Welt düsterer als sie ist“. Genau mein Humor! – Horst Figge-Jänke


Leserbrief zu „Rechtsstaat unter Druck“ von Andreas Vosskuhle

Ich danke der ZEIT für die Wiedergabe des Vortrages von Andreas Voßkuhle, in dem er verdeutlichte, wo überall unser Rechtsstaat unter Druck steht. Mein Rechtsempfinden wird vor allem belastet durch die überlange Verfahrendsdauer in unserer Rechtssprechung. Sie zu verkürzen ist für mich vordringlicher als mehr Polizisten auf der Strasse. Möglicherweise ergibt sich dann automatisch ein höheres Sicherheitsgefühl. Naürlich ist der Anspruch von Herrn Voßkuhle nach den besten Juristen in der Justiz verständlich. Aber es gibt nicht nur die Forderung nach einer besseren Bezahlung als Gegenmaßnahme zur heutigen Situation – für mich sind auch andere Organisationsformen in der Rechtssprechnung vorstellbar – z.B. ein Kontrollgremium, das vor Verkündung eines Urteils ein Verfahren überprüft. Ich habe einmal nach einem Zivilverfahren die Klage eines Richters gehört, dass in den Zivilverfahren sozusagen Geld verdient wird, weil die Gerichtskosten mehr erlösen als sie kosten. Das kann nicht sein. – Johannes Barth


Leserbrief zu „Miethologie“ von Josef Joffe

Josef Joffes Kolumne macht es sich zu einfach:
Die ungehemmte Ausweisung von immer mehr Bauland kann nicht die Lösung des Mietpreisproblems in München sein. Die schlimmste Folge einer solchen Strategie wäre die immer weiter um sich greifende Zersiedelung der Umgebung von München. In Palo Alto ist übrigens die Beschränkung von Wohngebäuden auf maximal zwei Stockwerke auch darauf zurückzuführen, dass man niedrige Wohngebäude so bauen kann, wie es in Kalifornien üblich ist: Mit Vierkanthölzern und Gipskartonplatten. Mit Ziegeln zu bauen ist auf der San-Andreas-Verwerfung grob fahrlässig, weil Ziegelbauten ein höheres Risiko mit sich bringen, beim nächsten größeren Erdbeben so zusammenzufallen, dass kein Mensch mehr lebend herauskommt.

Eine konsequente Mietpreisbindung und Wohnungsbewirtschaftung ist m. E. in Wohnsituationen wie München die einzige Methode, die Explosion der Mietpreise effektiv zu bremsen. Daneben das Verbot, Wohnraum aus Spekulationsgründen leer stehen zu lassen und Baurecht aus den gleichen Gründen auf leer stehenden Grundstücken nicht auszuüben. Die Abschöpfung aller Spekulationsgewinne, die durch Leistungen der öffentlichen Hand (U-Bahn, S-Bahn) erzielt werden, ist auch schon öfter angedacht worden. Zum Schluss: Der seinerzeitige Gegner von OB Kronawitter bei der Bekämpfung von Bauspekulation hieß nicht Schönhuber, sondern Schörghuber. – Dr. Gerhard A. Hergesell


Leserbrief zu „»Wir schaffen es nicht«“ von Georg Blume

Mit Recht kritisiert Stephen Smith, dass aufgrund der demographischen Entwicklung in Afrika als wichtigster Ursache für das dortige Chaos sich niemand bei uns um den bevorstehenden weiteren Ansturm afrikanischer Flüchtlinge auf Europa kümmert. Afrika hat extrem hohe Geburtenraten. Die gefährden die wirtschaftliche und politische Entwicklung und führen zu steigendem Migrationsdruck und damit auch zu großer politischer und sozialer Instabilität. Und daraus resultiert, dass Jugendliche für islamistische „Arbeitgeber“ wie Boko Haram in Nigeria oder der Islamische Staat (IS) in den Maghreb-Staaten Nordafrikas anfällig werden, weil diese Beschäftigung und Sinnstiftung bieten. Es war kein Zufall, dass die „Arabellion“ 2011 in den nordafrikanischen und arabischen Ländern ausbrach, weil der Jugendüberschuss dort besonders groß war. Bevölkerungswachstum und Unterentwicklung stehen also, wie Smith betont, in einer unheilvollen Wechselwirkung.

In vielen Ländern Afrikas bekommen die Frauen durchschnittlich fünf bis sechs Kinder, in einigen sogar sieben. Die hohe Geburtenrate in Afrika treibt ein rasantes Bevölkerungswachstum an. Heute leben dort 1,26 Milliarden Menschen und für das Jahr 2050 lauten die Prognosen der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) 2,53 Milliarden, also eine Verdoppelung. Niger ist mit 7,6 Kindern je Frau das Land mit der höchsten Fertilität weltweit und zugleich ist es eines der ärmsten. Dort ist Polygamie nach islamischer Sitte üblich und es gilt als erstrebenswert, viele Kinder zu haben. Das steigert das Prestige des Mannes. Für Frauen bildet die eigene Kinderzahl den Zugang zu Existenz und Status mangels Ausbildung und Arbeit.

Nach Angaben der DSW kann jede vierte Frau in Entwicklungsländern heute noch immer nicht verhüten, obwohl sie das möchte. Würde dieser Bedarf gedeckt, würde sich das jährliche Bevölkerungswachstum um ein Viertel verringern. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat bei seinem Besuch im Dezember 2017 in Niger gesagt, er wisse, dass das größte Problem von Niger die Demographie sei. Frankreich werde also dem Land bei der Geburtenkontrolle helfen. Langfristig hilft den Afrikanern nur eine rigorose Familienplanung, damit das Wirtschaftswachstum die Folgen der Demographie überwinden kann, denn kurzfristig sieht auch Smith keine Lösung, wenn er einwendet: „Selbst wenn alle Afrikaner ab sofort verhüten würden, würde der Migrationsdruck erst in zwei, drei Generationen abnehmen“. Für ihn ist die Bilanz des postkolonialen Afrikas“ eine unlösbare Aufgabe“, deshalb werden wir es im Widerspruch zu Angela Merkel trotz ihrer regen Afrika-Aktivitäten nicht schaffen. Ein sehr pessimistisches Fazit! – Hans-Henning Koch


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Da ist sie wieder, die ewige Suche nach der „Schuld“. Ist es eigentlich eine deutsche Tugend, dauernd einen Schuldigen irgendwo verorten zu wollen? Die Schuldigen im Falle der Lebensmittelverschwendung sind die gleichen, wie die, die morgens ihre Kinder mit dem SUV 100m zur Schule fahren, mit dem Mountain-E-Bike durch die Alpen rasen oder die Kreuzfahrt boomen lassen. Es ist der Wohlstand, die Dekadenz der Wohlstandsgesellschaft. Warten wir doch einfach den Postkapitalismus ab, dann wird womöglich über Nahrungsmitteldiebstahl, Schlangen vor den Lebensmittelmärkten oder Menschen, die Kartoffeln auf dem Acker nachsuchen, berichtet. Früher gab es den Schweineeimer, die Kaninchen und die Hühner im Hof, wo die Reste verwertet wurden, heute bezeichnet man solche Verwertung als Verschwendung? – Reinhard Seevers


Leserbrief zu „Über Witze, Kritik und Empörung“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Danke für die aktuellen Zeilen im ZeitMagazin – „meinen“ zehn Afghani-Buben in Wien (ehrenamtlich in Sachen Uni-Zugang und Deutsch lernen seit 10/ 2015) habe ich von Anfang an (damals noch in Englisch) erklärt, dass es mir wurscht ist, ob sie an Darth Vader oder Mohammad oder einen Gott glauben. Sie sollen das nicht als Islamkritik verstehen, sondern mich nur einfach generell mit Religionsvorschriften in Ruhe lassen, denn kein weißbärtiger, alter Typ erklärt mir „von oben“ wie leben geht und verweist mich als Frau auf die billigen Plätze in meinem Leben – willkommen in meiner Welt und meinem Verständnis von „kulturellen Werten“. Mittlerweile sprechen die Buben (23-30) schon so gut Deutsch (und Wienerisch), dass sie meinen, meist politisch unkorrekten Witzen/ Gedanken auch folgen können. Sie geben mir recht – unter vier Augen! – dass das größte Problem in ihrer Heimat die Diktatur der Religion, des „das Volk dumm halten“ und die damit verbundene soziale Kontrolle ist. Und sie wissen mittlerweile über den 30jährigen Krieg, die Französische Revolution und dass in Österreich sogar die Aufklärung von oben, von Josef II. diktiert wurde, und dass 800 Jahre katholische Habsburger-Herrschaft mit dafür verantwortlich ist an der heutigen Situation… Hände weg von meiner Paranoia!? Gegen jede Form von Maulkorb-Erlässen ist aufzutreten, der fast schon pathologische Zwang zur „political correctness“ per se ist doch auch zu hinterfragen (wer fordert von wem warum…?). Ich selbst balanciere lieber hart am Rand eines tiefschwarzen Humor-Abgrundes, um eine gewitzt-geistreiche Formulierung zu verteidigen, ergo keine rassistischen, sexistischen etc. Schenkelklopfer! Gerade weil sich eben nur mit feiner Humor-Klinge diese Welt erlächeln lässt – „z’Tod‘ gefürchtet ist auch tot“. Und: Für einen Piefke haben Sie erstaunlich viel Gespür für einen guten Schmäh… ;-) – Karin Kuna


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

In der Politik wird man selten vom politischen Gegner, sondern meistens aus den eigenen Reihen gestürzt, was schon Konrad Adenauer und Willy Brandt schmerzlich erfahren mussten. Warum diese Lehre und entsprechende Warnzeichen Angela Merkel nicht gesehen hat und sieht, bleibt ihr Geheimnis, und sie wird ihre Gründe dafür haben. Ein würdiger Abgang sieht anders aus. Ihre erneute Kandidatur für eine vierte (!) Amtszeit als Kanzlerin haben schon damals viele mit Skepsis gesehen, aber angesichts (noch) fehlender Alternativen verstanden, ich auch. Und es entsprach auch ihrem protestantischen Verständnis von Politik, erst recht nach den schmerzhaften Erfahrungen der Flüchtlingskrise nicht „abzutauchen“, sondern wie Luther zu sagen „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Dafür gebührt ihr, Fehler hin oder her in der anschließenden Organisation des Flüchtlingsstroms, Respekt, den ihr die Geschichte auch nicht versagen wird. Nun aber heißt es „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut, Auf Wiedersehen!“ (Kaiser Franz Joseph). – Wilfried Mommert


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Auf den ersten drei Seiten dieser ZEIT-Ausgabe befasst sich die ZEIT-Redaktion mit dem Sammeln der Anzeichen für einen Machtverlust der Bundeskanzlerin und der Suche nach Erklärungen, warum das Ende der Kanzlerschaft wohl bald bevorstehe. Wobei die aus der Politik zitierten Zeugen von Weidel über Lindner bis Kipping in ihren Aussagen so überraschend sind wie die Tatsache, dass es nach einer Nacht auch wieder hell wird. Interessanter wäre die Frage gewesen, ob die Wahl von Brinkhaus nicht auch ein Vorteil für Merkel sein könnte, weil anscheinend Kauder den einen Teil seiner Fraktionsvorsitzenden-Funktion nicht mehr richtig ausfüllte, nämlich die Stimmungen der Fraktion im Bundeskanzleramt nachvollziehbar rüberzubringen.

Noch wichtiger wäre eine andere Frage gewesen: Sicher hat die Bundeskanzlerin auch Fehler gemacht, vor allem den, auf Erklärungen und Begründungen für ihre politischen Entscheidungen weitgehend zu verzichten. (Wobei das auch ein Fehler vom Bundeskanzleramt und Fraktion war und ist.) Aber wenn man jetzt – je nach Position – das Ende der Kanzlerschaft herbeiwünscht, beobachtend zur Kenntnis nimmt oder bedauert, müsste doch gefragt werden: Wer steht denn zur Verfügung, der das gesamte Aufgabenspektrum dieses Amtes, gerade auch außenpolitisch, besser bewältigen würde? Mich macht nachdenklich, dass selbst eifrige „Merkel muss weg“-Vertreter bei der Antwort auf diese Frage ins Stottern kommen, vielleicht auf Wolfgang Schäuble verweisen oder darauf, dass es mal einen Friedrich Merz gegeben habe. Ich hätte gerne vor einem solchen Wechsel, dass die Chancen für eine Besserung höher sind als für eine Verschlechterung. Das sehe ich aber derzeit nicht. – Ulrich Waas


Leserbrief zu „Manchmal geht es auch nach unten“ von Udo Lindenberg und Thomas Hüetlin

Seit gefühlten 100 Jahren bin ich Abonnent der ZEIT. Und lese mit grosser (manchmal auch kleiner) Freude Ihr wunderbares Blatt. Wobei das Magazin eher mit Vorsicht zu geniessen ist. Oberflächliches sich an eine junge Leserschaft heranwanzen. Nun Udo L. Das hätten Sie sich nicht antun müssen! Abgesehen von ein paar Liedchen, die man sich ja anhören kann, um sie auch gleich wieder zu vergessen, ist ein Leben wie das von Herrn L. wahrlich nicht interessant. Und sogar eigentlich ekelhaft. Überhaupt ist der ganze Mann mit seiner Entourage eben ein kaputter Typ, dessen Leben mit allem Alkohol und Hotelzertrümmerungsszenarien ein grosses Elend darstellt. Nur dass er mit seinem Geld immer wieder Gnade und Absolution erhält. Worin besteht der Unterschied zwischen, wie Sie anerkennend schreiben, harten Drogen, denen er sich verweigert hat und den Unmengen gesoffenen Alkohols? Und nun wird auch noch ein Buch von ihm (oder über ihn) auf uns kommen, wie überflüssig!! Denken Sie manchmal an die Tausende suchtkranker armer Schweine, die keine Lobby haben, und nicht im entferntesten irgend eine andere Unterstützung, um sich in eine Entziehungsklinik zu begeben? Dies literarisch zu verarbeiten wäre eine grosse Sache. Vielleicht tun Sie das irgendwann. Dann wäre Ihr ZEIT Magazin wieder auf dem Niveau der grossen ZEIT. – Gerhard Grab


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Ihrer Analyse im Artikel stimme ich zu, nicht jedoch dem Zusatz und Hinweis auf „eine große Kanzlerin ..“. Frau Merkel war nie und wird nie eine große Kanzlerin sein. Ihre sämtlichen Bemühungen als „Bildungskanzlerin“, „Umweltkanzlerin“, „Energiekanzlerin“ oder „Flüchtlingskanzlerin“ in die Geschichte eingehen zu wollen sind allesamt gescheitert. Statt dessen werden wir noch lange die Nachwirkungen ihrer Kanzlerschaft spüren, die zugegebenermaßen „groß“ sein werden. Zu nennen sind hier nur die schlechten Ergebnisse deutscher Schüler in internationalen Vergleichstests, die höchsten Strompreise in Europa, die Verfehlung sämtlicher gesteckter Umweltziele und die misslungene Integration vieler Migranten als nationales Erbe. International gehen auf ihr Konto das Erstarken des Nationalismus und nicht zuletzt der Brexit mit seinen unkalkulierbaren Risiken. – Dr. Jörg Nunnenkamp


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Missbrauchsskandal – und jetzt?
Nur mal so als Gedanke, weil der vielleicht den Blick schärfen hilft: Was wäre, wenn all diese Missbrauchsfälle nicht in der katholischen Kirche passiert wären, sondern – sagen wir mal – in den islamischen Religionsgemeinschaften hierzulande. Wie anders würde unsere Gesellschaft darauf reagieren? Die Mitte unserer Gesellschaft? – Reagieren auf die Taten, aber auch reagieren auf den Anspruch der Religionsgemeinschaft, das alles möglichst weitgehend intern bewältigen zu wollen – unter weitestgehender Ausschaltung all jener juristischen Instrumentarien, die sonst normalerweise in unserer demokratischen Gesellschaft in solchen Fällen selbstverständlich zum Zuge kämen? – Und was ergäbe sich aus den Antworten auf diese Fragen für unsere Gesellschaft insgesamt, nicht nur für die Kirche? – Franz Josef Krafeld


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Strukturelle Ursachen des Missbrauchs
„Jetzt hilft der katholischen Kirche nur noch maximale Transparenz“, schreibt Giovanni di Lorenzo. Dann muss er sehr enttäuscht gewesen sein, als er die offizielle Erklärung der deutschen Bischofskonferenz hörte. Man will nachdenken und untersuchen. Ach so – mal wieder. Dabei sind strukturelle Ursachen doch für jeden sichtbar:
1. Eine unmenschliche Sexualmoral, die jeden zum Sünder stempelt, insbesondere Homosexuelle
2. Der Zwang zum Zölibat, eine Lebensform, die der Natur widerspricht
3. Die Diskriminierung von Frauen, die Männerbünde erzeugt, in denen falsch verstandene Loyalität zu Beschwichtigungen, zur Unterdrückung und zu Vertuschungen von Straftaten führt
4. Eine kirchliche Paralleljustiz, die völlig intransparent arbeitet (wenn überhaupt)
Hier kann nur noch ein massenhafter Austritt der Gläubigen zu einem Umdenken führen. – Raimund Helbrich


Leserbrief zu „Miethologie“ von Josef Joffe

„Keine Regierung kann die Landflucht verhindern…….“ – falsch!!!
Da liegen Sie aus meiner Sicht mächtig daneben. Keine Regierung hat bislang wirklich versucht, die Landflucht zu stoppen. Jawohl, die Landflucht ist eine der Wurzeln des verteuerten Wohnraumes in den Ballungsräumen. Sie ist aber „stoppbar“! Man muss es nur wollen. Und wie?

  1. Den ländlichen Raum strukturieren
  2. Die Kreis- und Gemeinde-Strassen sanieren
  3. Vernünftige Gehwege in den Dörfern anlegen
  4. Radwege von Nord nach Süd und von West nach Ost sichern
  5. Reitwege GER weit ausweisen
  6. Schnelles Internet und Handy-Sicherhet im ländlichen Raum mit hoher Priorität installieren
  7. Definition: ländlicher Raum = dörflicher Raum
  8. A la Tönebön und Uhlenbusch betreutes Wohnen im ländlichen Raum vorantreiben
  9. Den Alten in den Ballungsräumen reelle Umzugsangebote präsentieren
  10. Im ländlichen Raum Baugrundstücke ausweisen lassen
  11. Forschung/Entwicklung „auf die Wiese“ – siehe Silikon Valley
  12. Industrie-Kontrolle über Familien-PCs und hochwertige Handies
  13. Fahrten zum Zentralbüro minimieren
  14. Firmenwohnungen im ländlichen Raum subventionieren

Das wäre alles politisch möglich. Dann wird die Landflucht gestoppt und Angebot und Nachfrage regelt sich sehr schnell von selbst. Das wird aber nur durch unsere Hochprozenter in der „Meinungshoheit“ angestoßen – durch Sie zum Beispiel. Warum nur steigen Sie nicht ein in diesen möglichen D-Zug?? Raus aufs Land, entzerren der Ballungsgebiete, kein China, friedlich und gesund ländlich leben. Das geht, das geht sogar seeehr gut, wenn Sie sich mit einschalten. Wann schalten Sie sich ein?? – Albrecht von Hagen


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Immer wenn ich derartige Berichte lese, tut mir dies im Herzen weh. Denn auch ich gehöre zu denen, die sehr sorgsam mit den Lebensmitteln umgeht. Wenn ich etwas wegwerfen muss, so ist es fast immer nur der Inhalt eines Einkochglases, der schlecht geworden ist oder ein paar Krümel vom übriggebliebenen Katzenfutter. Man könnte so viel tun, wie zum Beispiel das Obst und Gemüse in den Läden nicht in Plastik anzubieten. Die Daten des Verfalls überarbeiten. Von den idiotischen Normen, die die EU festgelegt hat, ganz zu schweigen. Über Formen und Größe. Von staatlicher Seite gibt es so viele unsinnige Normen, dass ich an dem Verstand derer, die das bestimmen, zweifle. Das so ein Unsinn irgendwann auf die Denkweise vieler Bürger abfärbt, ist doch klar. – Karin Lutter


Leserbrief zu „Führen und Teilen“ von Marc Brost und zum Titelthema „Machtverlust“

Die Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel ist „gefühlt“ schon immer „die Kanzlerin“, quasi auch als „Kanzlerin“ auf die Welt gekommen. Eines Tages, da wird ihr irdisches Dasein, nicht mehr „da sein“, und dann müßte sie wohl oder übel, alles hinter sich lassen! Was wird dann aus uns werden, ihrem geliebten Wahlvolk? Gefühlsmäßig, wird das aber noch dauern können! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Aufklärung sieht irgendwie ganz anders aus. Wenn erst abgewartet werden soll, bis der letzte katholische „Übeltäter“ verstorben ist, der will keine Aufklärung; der will nur (un)nötige Zeit verstreichen lassen, bis „Gras über die Sache gewachsen ist“! Vielleicht hilft wirklich nur eine Art „Rosskur“, so, wie geschehen, um das Jahr 1800 in Deutschland, mit der sogenannten „Säkularisation“*). Die katholischen Glaubensvermittler sind so schwer angeschlagen und (fast) bewegungslos, dass sie handlungsunfähig wirken. Keiner in der katholischen Kirche scheint wirklich in der Lage zu sein, diese schweren kriminellen Vergehen sühnen zu können; und außerdem wäre es die Aufgabe des Staates, diese Straftäter vor die Gerichte zu stellen!

*) Einziehung oder Nutzung kirchlichen Besitzes durch weltliche Amtsträger (vgl. Duden, 7. Auflage 2011, Nachdr. 2014) – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Die große Konfusion“ von Peter Dausend et al.

Es wundert mich, das sie sich wundern. Auch ihr Beitrag zeigt mir, wo sie in Wirklichkeit steh’n. Für die AfD muß man ja nicht unbedingt stehen, aber mehr Respekt sollten sie schon zeigen. Die verbalen Schläge sind unangebracht. Auch wie sie mit Lindner umgehen zeigt mir, sie wollen, wie so viele Kollegen, daß es so weiter geht wie bisher. Sie bieten ihre ganzen Kollegen auf, quasi die Linke Fraktion, um Rache zu üben. Frau Merkel wird weder zurücktreten wollen noch die Vertrauensfrage im Bundestag stellen. Das ist in der Tat ein freudiger Tag für die AfD. Und Lindner hat es auf den Punkt gebracht. „Lieber nicht regieren als mit einer schlechten Politik zu regieren.“ Nur eine vollkommen andere Politik kann unser Land wieder friedlicher machen. Deswegen braucht man nicht die Demokratie aufzugeben. Die AfD will das auch nicht. Was Sie dieser Partei alles unterstellen ist reine Demagogie. Das kenne ich alles von der ehemaligen DDR. Wie ich ihnen schon hundertfach geschrieben habe, liegt die Ursache an unserer desolaten Bildung, das so gewählt wurde. Die Pädagogen haben den Schülern nichts brauchbares für ihren späteren Lebensweg beigebracht. Sie hat man regelrecht verblöden lassen. In anderen Ländern hätte man Frau Merkel längst vom Hof gejagt. Wer sträflich seine Bürger ständig vernachlässigt, hat auch nichts anderes verdient. Bayern mag eine Ausnahme sein. Auch Sachsen zeigt ähnliche Verhältnisse. Die Kommunisten haben ihre Schüler mit den Kernfächern gut ausgebildet. Ich selbst war einer der Schüler. Als wir in den Westen flüchteten konnte ich mehrere Schuljahre überspringen und habe trotzdem einen guten Abschluß gemacht. So war es jedenfalls in NRW. Wenn wir nach Bayern gezogen wären, wäre das wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Das geht alles bei den Medien unter, weil sie solche Zeiten gar nicht erlebt haben. Ein Blick in die Vergangenheit hätte eigentlich genügt um das festzustellen und weitet auch den Horizont.

Die DDR wurde von den westlichenMedien wenig bis gar nicht beachtet. Die Integration von der immer geschwafelt wird, hat es nie gegeben. Dafür wurden Milliarden locker gemacht. Alles andere müsst ihr selbst regeln -hieß es. Heute wiederholt sich die gleiche Politik. Das einzige was die Politiker gut können: mit fremden Geld um sich schmeißen. Und sie sehen die ganze Kunst ihrer journalistischen Arbeit darin, die anderen Parteien mit Dreck zu beschmeißen. Den Bayern sollte man das Geld anvertrauen. die haben bewiesen, daß sie mit Geld umgehen können. Die heutigen Intellektuellen taugen auch nur noch wenig. Wer ständig auf’s falsche Pferd setzt hat nichts anderes verdient als den Hut zu nehmen. Aber in Deutschland käme man vom Regen in die Traufe. Weil garantiert wieder falsch gewählt wird. Es bleibt also nur die Hoffnung. daß die AfD so stark wird, daß sie mit den Vernünftigen in der CDU koalieren kann. Das wird Sie zwar auf die Palme bringen, aber das ist immerhin besser als auf den Schafott landen. Sie werden natürlich ihre Geschütze in Stellung bringen, aber da ihr Ruf auch schwere Erschütterungen erfahren mußte wird die Wirkung minimal sein. Ich wüsste sehr gute Leute von der CDU, die unser Land wieder vereinigen können und für die Bürger eine Bildung installieren, wo die Schüler für ihr weiteres Leben brauchbares lernen können. Auch was das soziale Verhalten anbelangt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Toller Artikel; bitte zur Pflichtlektüre für die Politik-Redaktion machen. Die nervt nämlich in letzter Zeit extrem mit Ihren Untergangsfantasien. – Karlheinz Martin


Leserbrief zu „»Augenbrauen hochziehen reicht nicht«“ von Marc Brost und Michael Thumann

Darauf möchte ich nur antworten: Der HSV stürzt gerade wieder ab. Das sollte er seiner Partei ersparen. Es ist eine personelle Frage beim HSV. Genauso geht es der SPD. Wenn die ihr Spitzen-Personal, allen voran Frau Nahles, nicht austauscht, stürzten sie auch wieder ab. – Gunter Knauer


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Als Maria Theresia im Verlauf des Siebenjährigen Krieges zunehmend den Bezug zur Realität und ihren Ratgebern verlor, sah sich ein anonymer Autor zu dem Ausspruch veranlaßt: „Intolerabilius nihil est quam femina diues“ (Nichts ist unerträglicher als eine mächtige Frau). Auch wenn Vergleiche nie eins zu eins übertragbar sind, verwundert es schon, wenn unsere Bundeskanzlerin, die einst in der öffentlichen Wahrnehmung zur mächtigsten Frau der Welt gekürt wurde, seit einem Jahr um ihr politisches Überleben kämpfen muß. Zwar heißt es nach verlorenen Wahlen routinemäßig: Wir haben verstanden! Die Erfahrungen der letzten Monate lassen jedoch ein tieferes Verständnis der Sorgen der BürgerInnen und entsprechende Antworten nicht erkennen. Spätestens seit der Kauder-Abwahl wurde jedem klar, daß Frau Merkel nicht nur das Gespür für die Wähler, sondern auch für die eigene Partei verloren hat. Seit der folgenschweren Flüchtlingsentscheidung vom Herbst 2015 hat die AfD ein beängstigendes und nachhaltiges Wachstum zu verbuchen. Beängstigend ist aber auch die Ratlosigkeit der etablierten Parteien, dieser Entwicklung wirksam zu begegnen. Im Gegenteil; auf Landesebene wird bereits über eine mögliche Kooperation mit der AfD laut nachgedacht. Vor diesem Hintergrund kann es keinen Zweifel über einen dringenden Handlungsbedarf geben. Leider wiederholt sich die Erfahrung, daß Politiker nicht freiwillig den richtigen Zeitpunkt für einen würdevollen Absprung finden und die Übergabe einer Machtposition ermöglichen. Fast ist man geneigt, sich mit einer gesetzlichen Begrenzung der Amtszeit auf zwei Wahlperioden anzufreunden. Die ungelösten Probleme in Deutschland ( Klima, Wohnungen, Verkehr, Bildung, Einwanderung, Renten), aber auch die Entwicklungen in Europa und der Welt, lassen sich mit einer „Politik der kleinen Schritte“ und pragmatischem Reagieren nicht bewältigen. Insofern bedarf es auch einer personellen Erneuerung. Demokratie braucht auch Führung. Leider hat die Kanzlerin es versäumt – oder verhindert- frühzeitig eine geeignete Führungspersönlichkeit für die Nachfolge aufzubauen. Diesen Vorwurf müssen sich auch die Parteigremien von CDU/CSU gefallen lassen. Vor dem Hintergrund des drohenden Absturzes der SPD in die Bedeutungslosigkeit und der sich bereits abzeichnenden Ergebnisse der Wahlen in Bayern und Hessen, ist die CDU/CSU aufgerufen, bis zum nächsten Parteitag personell und inhaltlich ein tragfähiges Konzept für die kommenden Jahre zu präsentieren. Es geht nicht mehr um die Person Frau Merkel, es geht um die Zukunft unseres Landes. Ein Durchwursteln für weitere drei Jahre wäre nicht zu verantworten. – Dr. Bernd Boecken


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Hier 820 Liter Wasser fürs Kilo Äpfel und da der 3-Meter-Pool unseres Nachbarn. „Err-Quadrat mal Pi mal h“ quakt die Zeitungsente. Klar doch: 7 Kubikmeter da. Und meine 100 kg Äpfel? Mist! Die haben 12 Pools voll Wasser gesoffen und ich hab‘ nix gemerkt, Frau Klöckner. Der Baum wird gesägt! Aber gut, dass wir Deutschen jährlich nur 55 kg Lebensmittel wegwerfen. Bei auf der Welt 1,6 Milliarden Tonnen und 7,6 Milliarden Menschen wirft also jeder im Schnitt 200 kg weg. Wir sind 4mal besser als der Schnitt! Wenn das kein Grund zum Feiern ist. – Almut Stribeck


Leserbrief zu „»Wir schaffen es nicht«“ von Georg Blume

Ist es der Globalisierungswahn, das ach so graue deutsche Volk mehr und mehr verbuntern zu wollen durch fortdauernde Immigration der ethnischen und religiösen Vielfalt? Der uns beschämt und kleinmütig, mit stets gesenktem Kopf, in unsere Vergangenheit zurückblicken und nahezu blind sein läßt für unsere Zukunft? Wo bleibt das rechte Maß an Selbstbewußtsein, an Selbstschutz, wo das: „Was auch immer du tust, tue es überlegt, und bedenke das Ende!“ Früher als erwartet wird mitten in Europa ein Vielvölkerstaat entstehen, für unsere Nachbarländer Vorbild – oder Abschreckung? – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Die Zeit schreibt:
1993 meldeten die Schulen 15,5 Fälle pro 100.000 Schüler, 2016 nur noch 8,6 Fälle pro Jahr. Das zumindest sagen die Statistiken der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, die jeden Unfall und jede Prügelei registriert, welche einen Arztbesuch zur Folge hat.

Um diese Angaben vergleichen zu können, sollte man auch die Gesamtzahl der Schüler in beiden Jahren angeben, und die durchschnittliche Anzahl der Schüler in einer Klasse. Und Oh Wunder! In 1993 waren es viel mehr Schüler als es heute sind, weil in den Neunziger Jahren die ganzen Babyboomer-jahrgänge alle ihre Kinder bekommen haben, und seither wurde sicher auch die Schüleranzahl der Klassen reduziert. Diese Infos stehen leider nicht in der Zeitung, so dass es immer schwieriger wird, sich ein objektives Urteil aus dem was in der Zeitung steht zu bilden. Ich habe kein Abitur, und frage mich daher manchmal, was für ein Bildungsniveau man haben muss um als Zeit-Leser zu genügen? – Ingrid Paul


Leserbrief zu „Verkrümeln“ von Anna Mayr

Behaltet Anna Mayr! Sehr witziger Artikel, alles Gute ihr! – Matthias Schmitz


Leserbrief zu „Der kleine Unterschied“ von Kerstin Bund

Der Beitrag weist auf verschiedene Unterschiede hin. Nach den Untersuchungen mag man zu diesem Entschluss kommen. Als ehemaliger Personalchef kann ich weder das eine noch das andere unterstützen. Die Fähigkeiten der Einzelperson sind das einzige Kriterium was den Unterschied ausmachen kann. Auch die Personalchefs denken unterschiedlich oder verfahren großzügiger mit den Bewerbungen. Damit meine ich ausschließlich Führungsstellen die in Rede stehen. In Deutschland wird ohnehin zu viel Aufhebens um die Gleichberechtigung gemacht. Es lässt sich nicht anhand von Zahlen eindeutig klären. Eine Phantomdiskussion! Hinzu kommt, die 8% die sie angegeben haben sind auch deswegen nur 8%, weil sich weniger Frauen als Männer bewerben. Jedenfalls in meiner Zeit. Wer es boshaft sieht könnte die Politik ins Feld führen. Die Politik ist nämlich zum weglaufen. Deswegen lebe ich vorwiegend im Ausland. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Inklusion zum Mindesthohn
G8/G), Fiebel und Sitzenbleiben: Haben Sie beim Bildungschaos nicht die Inklusion vergessen? Lernen nach individueller Begabung, im eigenen Tempo, in kleinen Klassen, mit Lehrertandem. Bei der Umsetzung der „Reform“ nach der UN-Konvention zur Integration behinderter Menschen werden aus bildungswirtschaftspolitischen (!)Gesichtspunkten vier von vier Punkten der Voraussetzungen vergessen. Komischerweise klappt es nicht, komisch im doppelten Sinne. Man steckt in NRW die Kohle lieber in die Kohle. Wenn ein Recht nicht eingelöst wird, schafft man es besser ab. Wie wäre es mit Presse- und Meinungsfreiheit? – Bei Bildung funktioniert es: Reform der Reform, heißt: Reform im Rückmarsch. Ab 2019 werden in NRW die Schulen von dem Übel behinderter Menschen erlöst [Täterin: Gebauer]. Sie müssen nicht mehr. Förderschulen werden wie die Kohle künstlich am Leben erhalten, statt sie für Nichtbehinderte zu öffnen.

Anekdote: Wussten Sie eigentlich, dass Sitzenbleiben jetzt auch im doppelten Rückwärtsgang geht? Zwei Klassen auf einmal, das macht einem so schnell keiner nach. – Doch, es geht. Und zwar so: Eine Schülerin, deren Name ich hier nicht nenne, weil es meiner ist, überspringt in ihren Begabungsfächern zwei Klassen, ist in der 8., also fertig mit der 10. Nach den Sommerferien wird sie zurückverfrachtet in die 9. Immerhin, sie hat zwei Jahre Zeit, ihr „Sehr gut“ zu verbessern. Da ist doch noch was zu machen! – Wie kommt’s? Begabungsförderung (Bildungsfachjargon: Drehtürmodell / enhancement) muss Grenzen haben. Man kann doch eine Schülerin aus der Mittelstufe nicht ohne weiteres in die Einführungsphase der Oberstufe mitnehmen, zusammen mit den bisherigen Mitschülern. Da sei das Schulrecht davor, das die Ministerien ausgebrütet haben. Der Paragraph ist mit Sicherheit zu googeln, aber die Täter dahinter nicht. ______________________

Noch „lustiger“ die Schullaufbahnberatung: Die Schülerin soll dann in der Oberstufe, nach drei regulären Jahren Spanisch plus zwei unsinnig zwangswiederholten Schuljahren 2 +3=5. – Spanisch in der 12. Klasse, so sie denn „zielgleich“ erreicht, so tun, als ginge es mit Spanisch erst in den Start, zwei lange Schuljahre im Start. Macht fünf Jahre Spanisch, wo zwei reichten. – Aber: Sonst nix Abi. So erklären sich das die Schulleiterin und die Dame von der Bezirksregierung, gegenseitig. So kann selbst aus mir was werden, wenn ich denn nur will. Merke: Auch jeder, der nur zweidimensional sieht, kann das Volumen einer Vase berechnen, jeder – Der Gag ist auch, dass seit dem 5. Schuljahr meine Leistungen in fünf Sprachen (auch Latein und Französisch nebenbei) in keinem Zeugnis vollständig dokumentiert sein dürfen. Das Schulrecht erlaubt das nicht. Aber bezüglich meiner Schwächen bin ich der Schule ein Extrablatt wert: Mathe, na ja. In DIN-A4, was man alles daran setzt, es mir dennoch beizubiegen. –

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen verbale Anerkennung und die Verheißung einer Gehaltserhöhung. Nach dem Urlaub liegen sie nicht mehr in der Sonne, sondern auf dem Konto plötzlich im knallharten Minus. Sie denken darüber nach, nach fünf Jahren den Betrieb zu wechseln, müssen aber mit einem Abschlusszeugnis rechnen, aus dem hervorgehen wird: … hat hier jahrelang seine Zeit abgesessen, teils mehr als doppelt so lange gebraucht. Heraus kam nix… Schlechte Karten für Bewerbung und Wechsel.

Sitzenbleiben in modernster Form, Absurdes ist immer noch steigerbar, Forschung, pah!, weg damit. Bildung ist unerforschbar. Mein Sitzenbleiben ist schulrechtlich gewollt und abgesichert, aber unerforschbar. Ich stimme zu: Das Gefühl der Bestrafung, die negativen Emotionen bezüglich der Schule, die fehlende Motivation, mein Sehr gut zu steigern, mein Trotz. Ja, alles da. – Die Studien trösten: Ich bin ja nicht allein. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Das Schweigen“ von Evelyn Finger et al.

Ein schon erprobter und mit 100%er Sicherheit am chinesischen Hof und bei Bekleidung diverser wichtiger Ämter, nachgewiesener Schutz von sexuellen Auswüchsen ist in einem Übergang in den Zustand eines Eunuchen zu sehen. Da Sie für die Bereitschaft zur Priesterweihe den „Codex luris Canonici“ schwören, welcher nicht nur eine Ehelosigkeit (Zölibat), sondern auch die vollkommene Enthaltsamkeit fordert, würde eine Kastration das sichere und unumstößliche Zeichen der Umsetzung dieser Vorbedingung zur Priesterweihe sein

Sollte Ihnen Ihr geleisteter Schwur auf den Codex luris Canonici eine elementare Grundlage zu Ihrem Glauben sein, dann ist auf Ihren Antrag hin eine vor jeder Priesterweihe und im Nachgang zur Untermauerung Ihrer Glaubwürdigkeit auch bei bestehender Amtsausübung eine verpflichtende Kastration zum Eunuchen durchzuführen. Dies wäre somit auch ein erster Schritt zur Sicherheit der Sie umgebenden Bevölkerung. Setzen Sie ein mutiges und beherztes Zeichen im Rahmen Ihres Schwures um die Voraussetzung Ihrer eigenen Richtlinien sicher zu erfüllen. – Thomas Walz


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Ihr Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Für Artikel wie diese, habe ich Die Zeit abonniert. Weiter so. – Heinrich Kruse


Leserbrief zu „Ein Männlein steht im Walde“ von Hajo Schumacher

Ich habe nicht damit gerechnet, noch in meiner Lebenszeit in einem deutschen Leitmedium einen Artikel, wie den von Hajo Schumacher lesen zu können. Danke, Herr Schumacher, dass Sie sich zumindest in der Lebensmitte auf den Weg ins Menschsein aufgemacht haben – und dies auch öffentlich teilen. Die Häme, die Ihnen dafür auch von alten Weggenossen zuteil wird, auch wenn Sie alle insgeheim beneidet, kann ich mir sehr gut vorstellen. Die politische Dimension Ihrer ‚Umkehr‘ ist gerade Ihnen sicher auch klar: Trump, Orban, Seehofer, Spahn und die vielen, vielen anderen, sind keine ‚zufälligen‘ Erscheinungen in ihren Positionen, sondern die Projektionen der kollektiven Mehrheit.

Eine Veränderung in Richtung Menschsein in diesen Positionen ist nicht möglich, wenn man nur an kollektiven Stellschrauben, politische Bildung u. ä., herumwerkelt. Sich an Projektionen abzuarbeiten ist immer sinnlos, die Projektionsquellen müssen sich verändern. Die schmerzhafte individuelle Arbeit ist hierzu unerlässlich. Ich hoffe, Ihr Buch wird ein Besteller und ermutigt viele Männer, sich ebenfalls in Richtung Menschsein aufzumachen. – Dagmar Schön


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Wie war das noch einmal mit dem Sack Reis, der in China umfällt? Man subsumiere einmal „Die Welt“ unter Solschenizyns Roman „Krebsstation“ und den heutigen Leserbrief in der OZ -„Neoliberale Reformen nicht akzeptabel“ von Frau Dr. Adelheid Priebe zum Kommerz im Gesundheitssystem. Letztere als Ruferin in der Wüste verstummt im Unsozialen. Vielmehr ist die Würde im Gesundheitssystem des Menschen nicht würdig. Die Forderung eines Paradigmen-Wechsels an den Kliniken in MV zur Analyse des Gesundheitssystems durch Herrn Prof. Crusius ist geradezu menschenverachtend, vielmehr bedarf es strafrechtlicher Schritte, um Wiederholungen vorzubeugen. Als Steuerzahler willkommen, als Patient ein wenig segensreicher Genosse, was durch neoliberale Reformen der Korrektur bedarf. Was der amerikanisch-kanadische Kognitionswissenschaftler Steven Pinker vom Stapel lässt, hatte schon im17. Jahrhundert Gottfried Wilhelm Leibniz im Repertoire: „Die beste aller Welten!“ Könnte auch bis hin zum Entdecker des Feuers zum Nutznieß des Fleisches zurückverfolgt werden. Eines habe ich mir als Naturwissenschaftler hinter die Ohren geschrieben: „Je häufiger sie Medien konsumieren, desto wahrscheinlich liegen sie daneben!“ Heureka, zurück an die Bücher. – Dr. Hermreck


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Meine Geduld ist groß und noch nicht erschöpft, da haben Sie nicht recht, was mich anbelangt. Zumal ich bei dieser Untersuchung Transparenz vermisse (bei allem unverzeihlichem und unentschuldbaren Leid, was hier anderen angetan wurde):

Wann verübten die mutmaßlichen Täter ihre Missetaten? In welchen Jahren oder Zeitbereichen passierte ein Großteil der untersuchten Fälle? Wurden die angezeigten Beschuldigungen nachgewiesen, untersucht ? Oder wie viele der 3677 Taten sind eruiert worden? In wie viel Fällen gab es Anzeigen von Eltern der Opfer oder den Opfern selbst? Wie viele sind von Gerichten untersucht worden und einem Urteil zugeführt worden? Sie schreiben von Aktenvernichtungen und Vertuschungen. Sind sie nur mutmaßlich oder nachgewiesen? Gehört Datenlöschung nicht zum Datenschutzgesetz?

Wenn man nach Verurteilung und Wiedergutmachung der Taten unmittelbar nach dem Krieg ruft, was ist dann mit den 500000 Vergewaltigungen an den Frauen , den zu Tode vergewaltigten Mädchen, den Traumabehandlungen und Entschädigungen der Frauen , den nicht verurteilten Tätern , die noch einige Jahre als Besatzer hier in Deutschland lebten? Hier hat sowohl die BRD- als auch die DDR-Gesellschaft nichts unternommen. Genausowenig wie bei den Morden an den KZ-Insassen, den Gefangenenlagern und Kriegsgefangenen , auch denen der Aliierten nach 1946. Mir ist bewusst, dass man Verbrechen nicht mit anderen aufrechnen kann. Aber es ist auch unredlich, die Zeitumstände außer acht zu lassen. – Alois Lienhard


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Die Kirche beruft sich bei der Aufarbeitung von Mißbrauchsfällen ihrer Geistlichen auf das kircheneigene Kanonische Recht und ignoriert dabei das staatliche Monopol auf Strafverfolgung und der Verhandlung vor einem Gericht, das ggf. den Täter zu einer Strafe verurteilt. Zwar garantiert unser Grundgesetz Religionsfreiheit. Was aber nicht heissen darf, dass die katholische Kirche, wie in Ihrem Bericht zu lesen ist, mit dem Kanonischen Recht einer parallelen Rechtsprechung huldigt, die Verbrechen mit der Beichte aus der Welt schaffen will, so wie man Unrat einfach entsorgt. Höchstens hatten die Täter noch eine administrative Strafe zu erwarten, etwa die Versetzung in eine andere Gemeinde -das war`s dann auch schon. Der Gesetzgeber und die katholische Kirche sind hier dringend aufgefordert eine Koppelung zwischen 2 Rechtssystemen herzustellen um der Kirche die Möglichkeit zu nehmen, Verbrechen zu vertuschen. Die Empörung in den Gemeinden könnte sonst Formen annehmen, die den moralischen Niedergang der katholischen Kirche weiter beschleunigt und Gotteshäuser von Gläubigen leert und nur noch Priester übrig bleiben. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Dieser Artikel spricht mir aus der Seele! Als ich noch Leiterin der Ev. Journalistenschule in Berlin war, (von 1995 bis 2001) habe ich mich immer wieder für konstruktiven Journalismus einzusetzen versucht – leider nur mit mässigem Erfolg. Ich denke, für die Politikverdrossenheit der Bundesbürger haben nicht zuletzt die Medien große Mitschuld, mit ihrer einseitigen, auf das Negative konzentrierten Berichterstattung. Wer möchte schon Abend für Abend mit der eigenen Ohnmacht konfrontiert werden – angesichts der erschreckenden Ungerechtigkeit, des Missmanagements, der Machtgier und „der Torheit der Regierenden“! Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Natürlich muss man über vieles berichten, was nicht gut läuft. Aber welchen Nachrichtenwert hat ein Busunglück in Indien mit 25 Toten für uns? Und selbst bei der ZEIT, die ich im Prinzip gern lese, muss ich mich immer wieder wappnen gegen all das Negative, über das berichtet wird. Den „Spiegel“ habe ich aus diesem Grund abbestellt – und ich habe viele Bekannte, die eben aus diesem Grund keine Nachrichtensendungen mehr sehen. Das Positive, das ohne Zweifel überall geschieht, bleibt verborgen. Dabei weiß man doch, dass Mut zum Handeln aus der Überzeugung erwächst, dass man nicht allein ist, dass Veränderung zum Positiven möglich ist und dass man damit Erfolg haben kann. – Imme de Haen


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

In der Regel bin ich keine Freundin des Schreibens von Leserbriefen. Jedoch juckte mir regelrecht die Hand, als ich den oben genannten Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeit las, da hier, nur von wenigen Ausnahmen ununterbrochen, -zig mal das Wort „wegschmeißen“ vorkommt. Ein Blatt wie das Ihre, das sich wohl eher an die Intellektuellen Damen und Herren in Deutschland wendet, sollte auch auf eine korrekte Sprache der diversen Beiträge achten. Das Verb „schmeißen“ gehört sicherlich nicht zu den „gehobenen“ Verben im Deutschen, sondern ist wohl eher dem etwas primitiven Slang entlehnt. Dagegen ist „werfen“ in diesem Zusammenhang ein passendes und, wie ich finde, auch geeignetes Tätigkeitswort! – Marina Schott


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Billig, billig, ständig im Kaufrausch; wir nehmen alles mit, wir ramschen voll im Endlosmodus. Was nicht gebraucht wird, das geht den Weg des Irdischen; das heißt bei uns in der Moderne, ab in den „Gelben Sack“, ab in die Biotonne, ab in die Hausmülltonne, oder sonst irgendwo hingedonnert. So sind wir, und so werden wir bleiben, für alle Zeiten, das Leben im Überfluss ist ganz „einfach“ (schrecklich sorglos), und die nächste Generation macht dabei ganz fleissig mit! Übung macht den (über)nächsten Meister, die (über)nächste Meisterin! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „»Wir schaffen es nicht«“ von Georg Blume

Ich bin seit gut 50 Jahren Zeit-Leser, früher im “Abo”, und erinnere mich an einen Artikel in der “Zeit” Ende der 60er bis 70er Jahre zu v.b. Thema. Der Artikel basierte nach meiner Erinnerung auf einer vom “Weltverband des Rotary-Clubs” in Auftrag gegebenen Studie und sagte für die Zukunft – in schätzungsweise spätestens 30 Jahren – eine “Völkerwanderung von Afrika nach Europa” voraus. In dem Artikel wurde prognostiziert, dass die Masse der nach Europa strömenden Menschen – selbst auf Jahre verteilt – nicht “ungeordnet” für die ans Mittelmeer angrenzenden Staaten bewältigt werden könnten, es zumindest eines “europäischen” Konzeptes bedürfe, dieses Massenproblem zu bewältigen.

Im “Ergebnis” zielte jedoch die Studie darauf ab, dass eine solche “erwartbare” Massenflucht aus Afrika sämtliche europäischen Länder “überfordern” würde und kaum vorherzusagende oder gar beherrschbare Verhältnisse eintreten würden. Die Studie wies als `einzig hilfreichenden und lösbaren Weg´ aus, das zwar nicht “konkret” zu bezeichnende, dennoch in “absehbarer Zeit eintretende Ereignis” nur “länderübergreifend” durch “politische Maßnahmen” (verstärkte, gezielte “Entwicklungshilfen” in den afrikanischen Staaten und vor allem durch Investitionen dort) Voraussetzungen zu schaffen, um dem “Auswanderungsbegehren” zu begegnen, weil – und an diesen “Tenor” erinnere ich noch gut – das “Ausbluten Afrikas” um jeden Preis verhindert werden müsse.

Mir schien damals die Sorge um den Bestand Afrikas größer zu sein, als die Überflutung der europäischer Staaten durch Menschenmassen. Ich habe keine Erinnerung daran, dass in der Studie die Themen “schwarze”, Analphabeten etc. zur Sprache kamen. Mich hat der Artikel sehr beeindruckt und bis heute – wie viele andere – begleitet. Und ich kann sagen, die “Zeit” hat mein Leben in Teilen mit geprägt. Nur heute erscheinen mir einige Redakteure z.T. zu snobistisch. – Nikolaus Krost


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Ihre Analysen sind großteils treffend und ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu. Wenn man aber schon die Statistiken bemüht, so gibt es einen gewaltigen blinden Fleck in Ihrer Betrachtung der Schwarzseherei…. Sie schreiben, der Bürger wähne sich (zu unrecht…?) in einer positiven Wahrnehmungsblase. Er meine (zu unrecht…?), es gehe ihm zwar gut, aber die Welt ginge vor die Hunde. Schauen wir uns ein paar Zahlen an, die mindestens so valide sind wie die von Herrn Pinkers:

Die Konzentration aller relevanten Treibhausgase war in den letzten 800.000 Jahren sicher nicht so hoch wie heute, in den letzten 2 Millionen Jahren wahrscheinlich auch nicht. Die Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Atmosphäre steigt schneller als in allen diesbezüglich untersuchten Episoden der Erdgeschichte. Wir dürfen den aktuellen Ausstoß von CO2 (36 Milliarden Tonnen pro Jahr) noch ca. 25 Jahre fortsetzen, um mit 66%-iger Wahrscheinlichkeit den Temperaturanstieg bis 2100 auf 2 Grad zu begrenzen. Nach diesen 25 Jahren müsste allerdings auf einen Schlag Schluss sein mit der CO2-Produktion.

Der Anstieg der Temperatur wurde (zumindest) in den letzten 800.000 Jahren nur beim Wechsel von einer Kaltzeit in eine Warmzeit übertroffen. Leider leben wir gerade in einer Warmzeit. Die Tropenwälder schwinden dahin. Die Grundwassermengen in trockenen Gebieten schwinden dahin. Die Wildnis schwindet dahin. Die Gletscher und die polaren Eismassen schwinden sowieso dahin. Dafür ist immer mehr Stickstoff und Phosphat in dadurch eutrophierten Gewässern, dementsprechend nehmen auch sauerstoffarme Zonen in Mündungsgebieten, Binnenmeeren und Schelfmeeren zu. Plastik nimmt auch zu. Erst seit einigen Jahrzehnten in Gebrauch, ist es – wie viele andere Schadstoffe auch – bereits global und ubiquitär verteilt. Es befindet sich u.a. auf unseren Essenstellern und in unseren Körpern.

Um ihren jetzigen Lebensstil langfristig aufrecht erhalten zu können, brüchte der Mensch (bei Verzicht auf die Wildnis) mindestens 1,6 Erden. Wir leben auf Kosten der (noch wehrlosen) nächsten Generationen. Die aktuelle Aussterberate – Ursache ist der Mensch – ist sehr hoch mit stark ansteigender Tendenz und steuert in wenigen Jahrhunderten auf ein Massenartensterben zu (mindestens 75% aller Arten), wie es zuletzt vor 65 Millionen Jahren aufgetreten ist. Die Erholung der globalen Artenvielfalt nach den bisherigen Massenartensterben der Erdgeschichte nahm jeweils einige Millionen Jahre in Anspruch.

Brauchen Sie noch zusätzliche Informationen, um die Befürchtung zu erwecken, die Welt ginge vor die Hunde? Oder sind Sie weiterhin guten Mutes und freuen sich unbesorgt an der besten aller bisherigen Welten?

Steven Pinker´s 150 Quellen-Seiten sind nicht sehr beeindruckend. Ich bin mir recht sicher, dass sie mengenmäßig alleine von den Quellenangaben des fünften IPCC-Berichts getoppt werden. Vielleicht müsste man die „falschen“ Probleme, die in den Medien präsentiert werden, einfach durch die „richtigen“ ersetzen? Einige Medien versuchen es, aber eher punktuell und ohne große Ausdaueer. Das ist wohl nicht mehr die Art von erwünschter schlechter Nachricht. Warum eigentlich nicht? Weil´s uns für solche Probleme dann doch zu gut geht? Weil Jammern zwar eine gerne praktizierte Strategie zur Bestandswahrung ist, die wirklichen Probleme dagegen eine echte Bedrohung unseres Lebensstils (z.B. unseres stets wachsenden Flächen- und Energiekonsums) darstellen?

Diese Art von schlechten Nachrichten wollen die Menschen plötzlich doch nicht mehr glauben. Machen Sie mal eine Umfrage unter Menschen mit Hochschulabschluss, wie hoch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre derzeit ist und welche Werte in den letzten 800.000 Jahren normal waren. Was schätzen Sie, wieviele wissen es so ungefähr? Nein, konfrontiert mit solchen Fragen jubeln die Menschen jedem zu, der ihnen versichert, es gäbe keine menschverursachte Erderwärmung. Hier werden positive (Falsch-)Nachrichten paradoxerweise geliebt. Und doch gibt es eine verdrängte Ahnung, der Mensch könnte der Erde am Ende doch zu viel werden. Bin ich ein Pessimist? Nein, ich glaube nicht. Wer allein durch positive Statistiken Mut machen will, auch um den Preis, die wirklichen Probleme auszublenden oder zu überspielen, erweist den Menschen letztlich einen Bärendienst. Er gleicht dem Animateur, der am Strand vortanzt, während die große Welle anrollt. Herr Pinker vollführt einen solchen Tanz. Es würde mich ziemlich interessieren, wie Herrn Pinkers Statistik im Jahre 1913 ausgesehen hätte. Die beste aller bisherigen Welten? Pure Euphorie? – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Vielen Dank für diesen wundervollen Artikel, der alle Optimisten mit gutem Material zur Selbstverteidigung versorgt und mehr Energie zur Weltverbesserung freisetzen dürfte als jede Katastrophenmeldung. Mutig auch, die Medien daran zu erinnern, dass sie Mitverantwortung tragen für eine wirklichkeitsnahe Orientierung ihrer Nutzer in dieser besten aller Welten. – Andreas Goletz-de Ruffray


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Man liest jetzt viel vom Machtverlust der Bundeskanzlerin. Aber hatte Frau Merkel wirklich Macht, oder hat das dank ihres stets pragmatischen, erst einmal abwartenden Politikstils nur so geschienen? Beispiel Bankenkrise. Im Januar 2010 konnte man in der Tagespresse lesen: Obama bittet die Banken zur Kasse. Ein guter Schritt des amerikanischen Präsidenten, auf den Deutschland vergeblich gewartet hat. Unsere schwache Kanzlerin und ihre Regierung waren zu feige dazu. Eigentlich hätte man sich von den Banken den gesamten volkswirtschaftlichen Schaden bezahlen lassen sollen.

Beispiel Klimapolitik. Auf Klimakonferenzen sprach die Kanzlerin von den Gefahren der Erderwärmung; Merkel als Klimakanzlerin. In Wirklichkeit ließ sie sich zu einer klimafeindlichen Politik drängen. Kein Ausstieg aus der Braunkohle, obwohl jeder weiß, wie schmutzig sie ist. Keine strengeren Vorgaben beim Spritverbrauch. Förderung des Palmöl-Imports für Biodiesel, obwohl die Plantagen den Regenwald verdrängen; usw. Im jetzigen Koalitionsvertrag kommen die Klimaziele früherer Bundesregierungen schon gar nicht mehr vor. – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

In dem Artikel wird gesagt, dass Jacob gerne liest, aber ungern schreibt. Dann wird unterstellt, das läge an der „Reichen-Methode“, mit der er schreiben gelernt hat. Da wäre ich nicht unbedingt sicher. Darüber, ob seine Rechtschreibung schwach ist (das eigentliche Thema des Artikels) und er deshalb ungern schreibt, wird nichts gesagt. Vielleicht findet er das Schreiben als Hausaufgabe nur lästig? Das würde unser Zehnjähriger vermutlich auch so sehen – ohne dass er mit dem Thema Rechtschreibung auf Kriegsfuß steht.

Den „Stimmen aus der Praxis“, dass die Reichen-Methode nie in Reinform angewandt werde, kann ich nur zustimmen. Unser Sohn hat Schreibunterricht mit Anlauttabelle gehabt, aber von Anfang an wurden (zunächst behutsam – also nur punktuell -, später dann systematisch) auch Fehler korrigiert und Regeln erlernt. Dass die Kinder mit der Tabelle gleich losschreiben durften, fand ich für die Motivation dann doch erfreulicher als meine Fibel im Jahr 1974 – „Else, Uli, Lili lesen. Nun Uli, nun Lili! Ali, male Ilse, male Lili!“. – Corinna Friesen


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

“Die Welt ist sehr viel besser, als die meisten Menschen glauben. Wie die Medien die angeborene Schwarzseherei verstärken….” – Gerade habe ich Ihren Artikel gelesen – ich danke Ihnen dafür! Wie oft muss ich mich im Bekanntenkreis gegen Schlechtrederei und General-Pessimismus für uns, für die Welt verwahren! Schicken Sie bitte möglichst vielen der Übelkrähen unter Ihren Kollegen, besonders auch bei den öffentlich rechtlichen Anstalten (Klaus Kleber, leicht vorgeneigt, stechender Blick auf die Zuschauer – und gleich ist die Welt wieder kurz vor dem Untergang) die zwei Seiten als Pflichtlektüre, auch den Freys dieser Welt, die den anderen vielleicht im Nacken sitzen. – Ulrich Knöller


Leserbrief zu „Der Untergang“ von Christian Staas

  1. a) zu dem Artikel:
    Ein starker, ungeschminkter Bericht der deutschen Kolonialherrschaft. Keine Besonnte Vergangenheit oder Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen. Ich vermute, daß nur eine kleine Schar von Historikern oder Afrika-Spezialisten nach 1918 die Vergangenheit der kurzen deutschen KoloniaLzeit aufgearbeitet, aber nicht publiziert hat. In den verherrlichenden Berichten und Büchern der 20/30er Jahre und auch nach 1945 sollten die Deutschen glauben, daß es den Afrikanern nie besser ging ,als unter der Herrschaft der Deutschen .
  2. b) eine andere Sache, betrifft . auch die Kolonien in Afrika Wann werden endlich Entschädigungen gezahlt für den Mord an den Hereros in Deutsch-Südwest ? Auch Rückgabe von Kunst- und Kult-Gegenständen an die betreffenden Staaten in Afrika ? Könnten Sie da wieder journalistisch nachfassen?
  3. c) wäre auch eine neutrale, ehrliche Untersuchung wert, die heroisierende Verklärung des Afrikakorps im Wk II zu „entzaubern“.

P.S.: Ich bin deshalb besonders an afrikanischen Fragen interessiert, weil ich im Ehrenamt Geflüchtete aus West- und Ostafrika betreue. Mit Ihnen diskutiere ich regelmäßig Ihre – erfreulich regelmäßigen – Berichte über Afrika. Besonders gefallen mir die Berichte Ihrer Afrika-Korresppondentin. – Hartmut Wagener


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

A u s g e w o g e n h e i t
Henne oder Ei?
War erst der miesepetrige Zuschauer/Leser oder der miesmachende Regisseur/Journalist? War erst der Mund sprachlich verroht oder das Ohr? Jeder weitere Krimi scheint auf beiden Seiten die Leichenlust zu nähren. Jeder Skandal mag offenbar nach einem nächsten, möglichst größeren rufen. Jedes Niedermachen eines Regierenden freut sich anscheinend an andauernder Abqualifizierung. Seit der Kölner Silvesternacht hält in weiten Bereichen der medialen Welt ein Merkel-Bashing an. Dazu heißt es dieser Tage in einer Zeitung, die Bundeskanzlerin sei die „am tiefsten gehasste Politikerin Deutschlands“. Jüngst kritisiert Professor Korte als Gast von „hart aber fair“ sogar einen „apokalyptischen“ TV Talk. Allerdings gibt es erste Anzeichen dafür, dass das Publikum einer Verrohung der Sprache ebenso überdrüssig ist wie einseitig üblen Inhalten.

Im ZEIT-Interview mit Winfried Kretschmann erklärt der BW-Ministerpräsident am 27. September über Angela Merkel: „Ich bin immer noch froh, dass sie Bundeskanzlerin ist, und ich hoffe, sie bleibt es jetzt auch. Ihre Zähigkeit, die Nervenkraft, die sie aufbringt, um mit diesen Putins und Erdogans zu telefonieren, mit Trump, Orban, das ist ihre Stärke.“ Die Stärke von Winfried Kretschmann ist offensichtlich seine wohlwollende Ausgewogenheit. Diese Art kommt gewiss auch bei den Lesern der ZEIT gut an, womöglich wie Henne und Ei umso mehr, je mehr in der ZEIT auch das steht, „was nicht in der Zeitung steht“. – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Der Untergang“ von Christian Staas

Was für eine Gelegenheit! Ein nüchterner Bericht, den man sprachlich problemlos aufbrezeln kann, um das deutsche Hunnen- oder Untermenschentum zu zelebrieren! Eigentlich fehlt nur noch, dass die Deutschen Seife aus den gefallenen Feinden gekocht haben, wie angeblich an der Westfront. Und die anderen Kolonial- und Kriegsherren? Nun, die haben … nun ja … auch irgendetwas gemacht.

Dieser Artikel beschreibt nicht nur ein dunkles Kapitel europäischer (nicht nur deutscher) Geschichte, er ist auch ein dunkles Kapitel für diese Rubrik in der ZEIT. Eine vergleichende Aufarbeitung, die Vorgänge in Kolonialgebieten anderer europäischer Nationen neben die der deutschen setzt, oder eine zeitliche Aufarbeitung, was sich änderte – schließlich hatte für mehr als weitere 30 Jahre ja nur der CEO an der Spitze der Kolonialunternehmen gewechselt – hätte dem Thema besser getan. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Schutz vor Blaulicht“ von Marcus Rohwetters

Habe mich wieder, wie meistens, königlich amüsiert. Doch muss ich im Blaulicht-Fall leider einmal den Advocatus diaboli machen: Wenn so beunruhigend viele Menschen – um es mit einem sehr schönen Bild von Ihnen aus einer vorhergehenden Kolumne zu sagen – „unter den Folgen intellektueller Langzeitarbeitslosigkeit leiden“, warum soll die Industrie das nicht ausnutzen?! Die wollen Geld verdienen, nicht Florence Nightingale Konkurrenz machen. Solange viele Menschen bereit sind, beim „Shoppen“ ihr Gehirn komplett auszuschalten, wird das auch wunderbar funktionieren – und uns (Ihnen und Ihren Lesern) weiterhin jede Menge Spaß bringen. Ich freu mich drauf! – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Wohin geht die Macht, wenn sie geht?“ von Matthias Geis und Bernd Ulrich

Obwohl ich noch nicht verstanden habe, wohin die Macht geht, kann man dem Essay in weiten Teilen zustimmen. Wie gewohnt, blitzen alleridngs hier und da Formulierungen auf, die allzu ZEITgemäß sind: Ob die Dialektik der Kanzlerin klug war, wird die Zukunft endgültig zeigen; angesichts der auch von ihr zu verantwortenden Krisen in Deutschland und Europa muss man heute Zweifel hegen dürfen. – Sie schreiben „Der nüchterne Realismus (der Kanzlerin) verlor den Kontakt zur Wirklichkeit“. Das ist ein Widerspruch in sich. Meinen Sie „Ihr Opportunismus verlor den Kontakt…“? Da Sie Hegel zum Vorteil von Merkels gechichtlicher Bedeutung zitieren, hier ein anderes Zitat des weisen Philosophen: „Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr, denn sie handeln nicht nach den Anforderungen der Allgemeinheit, sondern nach zufälliger Neigung und Meinung.“ – Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Fast 4000 bekannte Opfer sexueller Gewalt, fast alle Kinder und Jugendliche, mindestens 1670 bekannte Täter – und offenbar ist die Zahl der Opfer und Täter noch viel größer. Dabei greift kein Staatsanwalt ein; es gibt keine Strafverfahren und keine rechtmäßig Verurteilten. Und das in einem sog. Rechtsstaat. Für diese Kirche/n zahlen Millionen Bürgerinnen und Bürger Kirchensteuer – und auch die, die keiner Kirche angehören, finanzieren diese über ihre Steuern mit. Die Katholische Kirche zeigt sich reumütig und ändert: nichts. Niemand bekommt Zugang zu den Geheimarchiven der Kirchen. Wann ist endlich Schluss mit dieser unfähigen Paralleljustiz? – Mechthild Rüther


Leserbrief zu „»Augenbrauen hochziehen reicht nicht«“ von Marc Brost und Michael Thumann

Außenminister Heiko M a s nimmt in nüchterner Weise Stellung zu den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei sowie den USA und beleuchtet die Notwendigkeit, auch mit autokratischen Regimen einen diplomatischen Umgang zu pflegen. Was Maas schreibt hat Alles Hand und Fuß. Allerdings haben die ZEIT- Interview Partner Marc Brots und Michael Thiemann an Maas nicht die doch maßgebliche Frage gestellt, wie er sich persönlich eigentlich den dramatischen Abstieg der SPD in der Wählergunst erklärt? Dieser Abstieg läßt sich nur dadurch verständlich machen, daß die SPD die in der Gesellschaft zu kurz Gekommenen oder die von der Globalisierung abgehängten Wähler nicht mehr erreicht und daß die SPD nicht mehr Zukunftsentwürfe für eine gerechtere Gesellschaft vorlegt Sowohl die SPD wie die Union aus CDU&CSU haben programmatisch unscharfe Konturen, weshalb sich immer größere Teile de Wählerschaft der Rattenfängerei der AfD zuwenden. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Solange der Ruf des Islams nicht unter dem Islamismus leidet und der Ruf der Nationalisten nicht unter dem „Fliegenschiss“, solange braucht man sich um den Ruf der katholischen Kirche keine Gedanken zu machen. Wer von klein auf mit religiösem oder anderem irrationalen Denken vertraut ist, leidet nicht so schnell unter kognitiven Dissonanzen. – Margot Neuser


Leserbrief zu „Ein Männlein steht im Walde“ von Hajo Schumacher

Ich liebe die Zeit für solche Artikel! Danke Hajo schuhmacher: ausführlich auf den Punkt gebracht mit viel Humor!
Ps: warum lautet die emailadresse nicht leser-innen-briefe@zeit.de? ;-) – Josef Mikocki


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Es ist zweifellos sehr wichtig, dass Martin Spiewak auf die Gefahr hinweist, in der sich der Journalismus und wir uns alle befinden: Einer „angeborenen Schwarzseherei“, so Spiewak, zu folgen und dabei zu übersehen, dass es vielen von uns, speziell in Deutschland, gut bis sehr gut geht. Wie Spiewak feststellt: „Die großen Trends laufen in eine positive Richtung.“ Aber für diese Richtung müssen sich in einer Demokratie doch alle Kräfte mit der nötigen Sensibilität einsetzen, auch und besonders die Medien. Sich zufrieden geben mit dem, was alles positiv erreicht wurde, kann doch auch einschläfernde Wirkung haben? Ein konkretes Beispiel: Spiewak zeigt, dass in Deutschland mehr Geld für Bildung ausgegeben wird denn je. Schon in einem ersten internationalen Vergleich wird aber deutlich, dass Deutschland gegenüber vielen anderen Industrieländern bei den Bildungsausgaben einen erheblichen Nachholbedarf hat. Soll das nicht aufgedeckt werden?

Ein weiteres Beispiel: In der Zeit nr.38 sagt die Zeitredakteurin Hanna Knuth einiges Interessante über die Entwicklung im deutschen Bildungssystem : U.a. dass 2025/26 35 000 Lehrkräfte an Grundschulen fehlen werden. Eine Fehlentwicklung, die massive Auswirkungen haben würde. Ist das nicht eigentlich eine skandalöse Entwicklung in einer Republik, in der es allen so gut geht? Man muss doch erwarten, dass in unserer Demokratie Überlegungen angestellt werden, gerade im Journalismus, woher diese Fehlentwicklung kommt? Wer bringt den Mut auf, darüber zu spekulieren, dass es die Folge eines antiquierten Bildungsansatzes sein könnte, durch den die pädagogische Arbeit im Gymnasialbereich eine höhere Wertigkeit (durch Bezahlung und Stundenanzahl) zugestanden wird als dem mindestens gleichwertigen Einsatz in den Grundschulen? – Helmut Gattermann


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Wunderbar, dass hier einmal ein (eher) positives Bild unserer Welt gezeichnet wird – das hat mir meinen Sonntag Morgen versüßt. Schaut man sich die Zeitungen an, die Onlinenachrichten, die Deutsche Bahn und die Radwege, könnte man regelrecht an der Welt verzweifeln. Ich, Jahrgang 1966, ertappe mich tatsächlich immer öfter bei dem Gedanken „früher war alles besser“. Man (ich!) muss aufpassen, darüber nicht griesgrämig oder zum Misanthropen zu werden. Es ist erschreckend, wie sehr Nachrichten – unabhängig vom eigenen Leben – die Stimmung in einem selbst und in einem Land beeinflussen können (s. das Beispiel Trump-Wahl in Ihrem Artikel). Da kommt solch ein Artikel, der die vielen negativen Nachrichten einmal objektiv und statistisch belegt ins rechte Licht rückt, sehr gelegen. Er weitet den Blick darauf, was alles gut ist in diesem Land, was kontinuierlich besser wird, um wie viel es uns im Vergleich zu unseren Eltern oder gar Großeltern besser geht, und dass das durchaus ein Grund für Zufriedenheit und auch Dankbarkeit ist – was als Gefühl im Alltag viel zu häufig verloren geht. Vielen Dank für diesen Denkanstoß – und bitte auch in Ihrer Zeitung ab und zu mal einen Artikel à la „Zahl der Ertrunkenen auf Rekordtief“. – Cornelia Winter


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Jessen argumentiert ein bisschen wie die Identitäre Bewegung: Wir müssen die Menschen nur nach Ähnlichkeit sortieren, also ethnisch oder eben nach Milieu, und schon kehrt Frieden ein. Das stimmte früher schon nicht, denn wo hatte der politisch konservative Schwule seinen Platz, oder die atheistische Dorfbewohnerin – und Kriege gab es trotzdem. Heute ist eine „Entflechtung der Armeen, außer Sichtweite“ fast unmöglich. Der erholsame Rückzug in die eigene Komfortzone, aka „Parallelgesellschaft“ oder Milieu, war und ist wichtig. Aber in unserer pluralen Gesellschaft überschneiden sich die Milieus so sehr, dass Herstellung von Distanz und Nichteinmischung kaum gelingen kann. Menschen, die verschieden sind in Herkunft, Haltungen und Überzeugungen, müssen daher lernen, trotz der Kenntnis der Unterschiede miteinander klar zu kommen. Dafür braucht es Regeln des Zusammenlebens und der Kommunikation – gerade auch bezogen auf die Grenzen des gegenseitigen Gewährenlassens – , die eigentlich bekannt und erlernbar sind: Höflichkeit, Diplomatie, lösungsorientiertes Verhandeln. Das ist mehr, als nur „ins Gespräch“ zu kommen – und für den Frieden unverzichtbar. – Dorothea Schmidt


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Vielen Dank für Ihr Lebenszeichen. Ich habe Sie so sehr vermisst. In einem säkularen Rechtsstaat muss klar sein, dass bei begründetem Anfangsverdacht auf Verbrechen gegen die körperliche Unversehrtheit und die sexuelle Selbstbestimmung, die Staatsanwaltschaft ohne Ansehen der Täter unverzüglich zu ermitteln hat. Sie waren, zumindest unter den Medien die ich konsumiere, der Erste, der hierauf zumindest hingewiesen hat. Wenn die Staatsanwaltschaft aufgrund des Verdachts auf Untreue und Betrug unter großem Getöse die Büros von Auto Managern durchsucht und der betroffene seitdem in Untersuchungshaft sitzt, wird dies von den Medien genüsslich berichtet und lautstark der Untergang des Abendlandes ausgerufen. Wenn die katholische Kirche bei, nach meinem Rechtsempfinden, weitaus schlimmeren Verbrechen neben Täter auch gleichzeitig Ermittler, Ankläger und Richter spielt, wird dieser Skandal nicht annähernd so kritisch begleitet. Nirgendwo eine vernehmbare Kritik an dem offenbar immer noch existierenden Staat im Staate und der Paralleljustiz. Die sachlichen Hintergründe hierzu wären doch mal ein Dossier wert. Hier könnte sich die Zeit wohltuend abheben. Noch eine Bitte: lassen Sie öfter von sich hören und bilden Sie zusammen mit Herrn Joffe und Herrn Martenstein eine Phalanx der liberalen Vernunft um die Ausgewogenheit Ihrer Zeitung zu erhalten. Wenn ich in den öffentlich Rechtlichen und meiner Tageszeitung schon 4 Artikel über die schäbigen Machenschaften korrupter Auto Manager (was stimmt) gelesen habe, brauche ich am Donnerstag in der Zeit nicht noch den fünften gleichlautenden Artikel. Statt dessen erwarte ich differenzierte Berichterstattung mit penibel recherchierten Fakten und Hintergründen (z.B. die genaue Rechtslage, die zu erwartenden Kosten für die Hersteller und Autobesitzer, der Einfluß ausländischer Dieselmodelle usw) immer geleitet von dem wunderbaren Journalistenmotte des verstorbenen Hans Joachim Friedrichs. Ein Abo der Zeit ist ja nicht gerade ein Schnäppchen. – Christian Hoffmann


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Vielen Dank für Ihren deutlichen Artikel zum Thema „sexueller Missbrauch“. Ich bin als Psychotherapeutin ständig mit dieser Thematik befasst und auch selbst betroffen. Wenn ich mich hier zu Wort melde, dann aufgrund meines Engagements, wie es uns gelingen kann, in unserer Gesellschaft Artikel 1 des Grundgesetztes umzusetzen: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Erlauben Sie mir daher, etwas zu Ihrer Wortwahl im Kontext „sexueller Missbrauch“ und Würde des Menschen beizusteuern.

Das erste ist gleich der leider gängige Begriff „sexueller Missbrauch“, der impliziert, es gäbe auch einen Gebrauch in diesem Kontext. Der Fachbegriff heißt deshalb „sexualisierte Gewalt“. Leider hat er sich bislang nicht im Alltagsgebrauch durchgesetzt. Das zweite ist der Begriff der „Schändung“. Häufig liest man von Tätern als „Kinderschänder“. In Ihrem Artikel sprechen Sie gar von einer zweifachen Schändung, die Betroffenen zugefügt werde, einmal durch die Tat, dann noch einmal durch die Vertuschung der Tat innerhalb eines entsprechenden Systems. Ich frage mich, ob das eine günstige Wortwahl ist. Und zwar stellt sich mir diese Frage im Zusammenhang mit der Würde des Menschen, die doch unantastbar sein soll. Wenn Leichen oder Gräber geschändet werden, ist damit wohl eine Entwürdigung gemeint. Zwar denke ich schon, dass sexualisierte Gewalt einen Angriff auf die Würde der Betroffenen darstellt. (Übrigens auch auf die Würde der Täter. Indem ein Mensch die Würde eines anderen Menschen angreift, greift er – nach meinem Verständnis – auch seine eigene Würde an.) Gerade deshalb plädiere ich aber dafür, den Begriff der Schändung im Kontext von sexualsierter Gewalt nicht zu gebrauchen, denn im Unterschied zu Leichen leben die von sexualisierter Gewalt betroffenen Kinder (und auch die Täter) zumeist weiter. Wie ist es da mit der Würde? Wie finden wir einen guten Umgang mit solchen Angriffen auf die Würde von Menschen, die doch unantastbar ist?

Ich zitiere aus dem Buch von Peter Bieri, „Eine Art zu leben“ (Hervorhebungen im Original): Bieri berichtet an dieser Stelle von einem Gefängnisbesuch. Er hat dabei auch mit lebenslänglich verurteilten Menschen gesprochen. Er ist betroffen von entwürdigenden Situationen, denen die Gefangenen immer wieder ausgesetzt sind. Anschließend spricht er mit dem Gefängnisdirektor:

P.B: „Es gibt Länder, in denen rechtlich festgelegt ist, daß es auch im Strafvollzug um die Wahrung der menschlichen Würde geht“.

Gd: „Was wäre das denn für eine Würde? Bei einem Mörder, einem Vergewaltiger, einem Betrüger, der andere in den Ruin getrieben hat? Vergessen Sie nicht, was er getan hat. Was für ein Leid er verursacht hat, unwiderrufliches Leid.“

P.B.: Ich vergesse es nicht. Ich vergesse auch die Roheit und Brutalität nicht, die ich vorhin bei einigen zu spüren meinte. Aber ich kann Ihnen sagen, was ich unter Würde verstehe, die es trotzdem auch bei ihnen zu schützen gilt. Zunächst einmal bedeutet sie, daß man ihnen, wie jedem anderen auch, als Menschen begegnet, die nicht auf einzelne Taten ihrer Vergangenheit festgelegt und durch sie vollständig definiert sind. Ihnen die Würde zu lassen, bedeutet, ihnen als Menschen zu begegnen, die auch nach ihrer schrecklichen Tat in eine offene Zukunft hineingehen, in der sie sich verwandeln können, auch sehr tiefgreifend.“

Ich schließe mich Herrn Bieri an. Und natürlich sollte dies zuerst für die Betroffenen von sexualisierter Gewalt gelten. Diese sollten nicht – auch nicht begrifflich – auf das, was sie erleiden mussten, festgelegt werden, damit sie in eine offene Zukunft hineingehen können, in der sie sich tiefgreifend verwandeln können. Es ist oftmals ein langer Prozess für die Betroffenen, bis sie ihre Würde wieder spüren. Hilfreich dabei ist, wenn sie in der Gesellschaft erfahren, dass diese ihnen die Würde IMMER zuschreibt, gerade auch so lange sie selbst sich in ihrer Würde verletzt oder gar würdelos empfinden. Dies kann auch durch eine entsprechende Wortwahl geschehen.

Da ich mich aber nun so kritisch an Sie wende, möchte ich auch davon schreiben, was ich zuallermeist beim Lesen der ZEIT erlebe. Die wöchentlichen Stunden, die ich mit dem Lesen der ZEIT verbringe, empfinde ich regelmäßig als hohen Genuss, bereichernd und anregend. Die Inhalte bilden immer wieder Grundlage oder Würze für Gespräche mit Freunden, Bekannten oder auch ganz fremden Menschen. Für alldas bedanke ich mich bei dieser Gelegenheit sehr herzlich. – Dr. med. Sibylle Riffel


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Nun hat sich doch tatsächlich schon die ZEIT von der Sprachpolitik der AfD und ihrer Hintermänner einnehmen lassen. Und das auch noch auf der ersten Seite. Als ob es in einem rechtsstaatlichen und demokratischen Politikverständnis um „Gespür für das Volk“ ginge! Gespür? Volk? Die Erdogans und Putins und Trumps haben dieses Gespür. Wollen Sie eine solche Merkel? Gott behüte! Ich jedenfalls will eine Politik mit Verstand auf dem Boden des Grundgesetzes, das zuerst und vor allem die unveräußerlichen Rechte und Pflichten aller Bürgerinnen und Bürger schützt (wofür diese auf Gewalt zu verzichten haben, die dem Staat alleine, kontrolliert durch Gewaltenteilung, zukommt). Hierzu wünsche ich mir entschieden mehr von den Parteien. Und – selbst kein Parteimitglied – auch von mir. – Prof. Dr. Bernhard Fresacher


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Martin Spiewak möchte nachweisen, dass die Welt besser ist, als unser evolutionsbedingter Pessimismus sie erscheinen lässt. Mag sein, dass ein solches Phänomen uns fehlleitet. Wenn man dies aber beweisen oder auch nur mit Hinweisen belegen will, sollte man besser recherchieren. „Zahl der Menschen in extremer Armut sinkt“ heißt es in der Überschrift. Eines der zentralen Argumente von Martin Spiewack. Das ist falsch. Die von verschiedenen Unterorganisationen der UNO für 2017 vorgelegten Daten weisen eine Zahl von deutlich über 800 Millionen aus. Sie lag schon einmal bei ca. 760 Millionen und ist nun zum dritten mal in Folge gestiegen. Vergleichbares gilt für die Zahl der Flüchtlinge weltweit. Es sind nun über 70 Millionen. Ein Anwachsen zum siebten Mal in Folge. Zudem liegt der Definition von „extremer Armut“ der UNO die einigermaßen merkwürdige Annahme zugrunde, dass Menschen, die sich bei einer bewegungsarmen Lebensweise noch ernähren können nicht dazugehören.

Könnte es nicht sein, dass die symbiotische Wundermaschine aus Kapitalismus und Wissenschaft den Kulminationspunkt ihrer Fähigkeiten überschritten hat und dass eine weiterhin rasch steigende Weltbevölkerung auf ca. 12 Milliarden bis zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr angemessen ernährt werden kann und dass durch eben diese Entwicklung die gesellschaftlichen Spannungen in einer Weise zunehmen, dass sich die angespannte Lage zusätzlich verschärft. Mir scheint eine solche These mindestens so plausibel wie die, dass unser Pessimismus die tatsächlich gute Lage nur verzerrt.

Aber nehmen wir einmal an, die Wundermaschine könnte noch einige Umdrehungen zulegen und es würde auch auf absehbare Zukunft für alle Menschen dieser Erde eine zumindest bescheidene Lebensperspektive geschaffen. Was würde das bedeuten: ganz einfach, wir Menschen hätten dann unsere Erde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollends ruiniert. Die Steven Pinkers und Martin Spiewaks dieser Erde vergessen, die Münze umzudrehen, auf deren einer Seite sie ihre Erfolgsgeschichten verzeichnen. Täten sie es, könnten sie auf der anderen Seite den Preis hierfür nachlesen. Für 0,06% der Biomasse dieser Erde (wir Menschen) müssen alle anderen Lebewesen bis hin zu ihrem Verschwinden zurückreten. Oder ist es etwa evolutionsbedingter Pessimismus wenn man feststellt, dass die Abholzungsraten nicht nur weitergehen sondern sich beschleunigen, dass die Meere vermüllen, die Gletscher schmelzen, die arktischen und antarktischen Eismassen sich im steigenden Meeresspiegel auflösen und die Klimaerwärmung unbeeindruckt von allen UN-Klimakonferenzen voranschreitet. Meine Gegenthese zu Martin Spiewak lautet daher: wir leben nicht etwa in einem unbegründeten Pessimismus sondern in dem völlig unbegründeten Optimismus, das alles schon irgendwie gut gehen wird….. – Holger Weidner


Leserbrief zu „Rechtsstaat unter Druck“ von Andreas Vosskuhle

Wenn schon die „Kompliziertheit des Rechts“ schwer zu vermeiden ist, wäre es umso wichtiger, als Funktionsvoraussetzung des Rechtsstaats daran zu erinnern, was Fritz v. Hippel 1947 nach der „Weltrechtskrise“ des NS-Unrechtsregimes als „Vorbedingungen einer Wiedergesundung heutigen Rechtsdenkens“ gefordert hat: 1. „Bereitschaft zu unverschränkter Wahrheit“, sprich Ächtung von Lügen und ‚Fakenews‘, 2. „nüchterne Wirklichkeitsanschauung“ statt ideologischer Überreiztheit aus bloßem Parteiinteresse, 3. „Bewusstmachen der juristisch elementaren Rechtssätze“ wie Achtung des Anderen, Anstand, Treu und Glauben; Halten, was (politisch oder privat) vereinbart ist, und immer ‚in allem Maß‘. 4., Recht durchsetzen als „Lebenseinheit von Rechtsforderung und Rechtswirklichkeit“, damit die Rechtsordnung Zustimmung finden kann.

Es reicht also nicht, dass die Rechtsprechung effektiver und die Arbeit der Gerichte besser kommuniziert wird. Das ist nötig; aber betont werden muss, dass der Rechtsstaat in erster Linie von dem gesellschaftlichen Grundkonsens über Redlichkeit und Recht lebt. Der Rechtsstaat sind wir alle, in deren Namen jedes Urteil ergeht. (Auch) darüber ist zu reden und zu schreiben, sonst erscheint das Recht nur als Aufgabenbereich der Juristen. Wenn nicht Bürgerinnen und Bürger mit ihrer tragenden Rolle einbezogen und gefordert werden, sind die Funktionsvoraussetzungen eines sozialen und demokratischen Rechtsstaats nicht intakt. – Dr. jur. Reinald Eichholz


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Für den Artikel von Herrn Martin Spiewak möchten wir (meine Frau und ich) uns bedanken. Denn er zeigt deutlich auf, wie der Leser „so tickt“, welche Interessen der Journalist verfolgt, und welche gesellschaftspolitischen Konsequenzen daraus folgen können. Daher wären wir Ihnen sehr dankbar, wenn sich auch weitere Redakteure der ZEIT sich dem „lösungsorientierten Journalismus“ verpflichten, sowie in der eigenen Mediengruppe in dieser Richtung Einfluss ausüben würden. Wir wünschen Herrn Spiewak für sein Vorhaben viel Erfolg und ein Umdenken in der allgemeinen Medienlandschaft. – Friedhelm Gryzie


Leserbrief zu „Rechtsstaat unter Druck“ von Andreas Vosskuhle

Der Artikel von Andreas Voßkuhle ist ein Jahrhundert-Artikel, der mich ähnlich getroffen hat wie die Abrechnung von Prof.Dr.Voslensky(Stalins Schwiegersohn) mit der Nomenklatura in seinem Buch gleichen Titels(DIE NOMENKLATURA). Gern würde ich den gesamten Text unseres Bundesverfassungsgerichts-Präsidenten aus seinem Vortrag zum Leipziger Juristentag lesen, aus dem der Artikel stammt. Anstoß genommen habe ich als ehmaliger Jugendschöffe (Kasseler Amtsgericht) einzig an dem Satz „Die Justiz hat zu Recht den Anspruch, nur Absolventen mit ausgezeichneten Ergebnissen einzustellen.“ R.Freisler hat laut Vortrag der Kasselerin Dr.Schmeling „Magna cum laude“ promoviert, woraus eine Fernseh-Sendung über diesen „sauberen “ Herren des Hitlerschen Volksgerichtshofs ein „Summa cum laude“ gemacht hat(aus einem großen Lob wurde ein höchstes Lob!) Wäre Roland Freisler durch ein ausgezeichnetes Examensergebnis also ausreichend legitimiert für eine juristische Karriere in unserem demokratischen Rechtsstaat?
PS. Das abweichende Gutachten von Verfassungsrichterin Lübbe-Wolf zum Rücktritt von Kanzler Schröder hat mir seinerzeit dasBundesverfassungsgericht ausgedruckt. Gibt es diesen Weg noch? – Dietrich Bauer


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Mein Respekt vor Ihrem Beitrag – nicht zu übertreffen, wenn ich mir ein Urteil erlauben darf. – Richard Baier


Leserbrief zu „Wohin geht die Macht, wenn sie geht?“ von Matthias Geis und Bernd Ulrich

Schon eine ganze Weile schauen wir rat- und hilflos der Migration der Macht zu: Im Strom unserer Zeit zerfällt sie in immer kleinere Fragmente, die in der wachsenden Strömung weiter auseinanderdriften. Wir verwenden angesichts dieses Geschehens Begriffe wie Machtverlust, Machtverfall oder Erosion und beziehen es auf Angela Merkel in ihrer Rolle als Bundeskanzlerin. Wir glauben, dass Angela Merkel als Staatenlenkerin den Strom unserer Zeit hätte besser lenken oder eindämmen können. Manche denken, dass sie in ihrer Rolle als CDU-Vorsitzende sich in konservativer Rüstung mit offenem Visier dem Strom hätte deutlich mehr entgegenstellen sollen.

In unserer entfesselten Welt, in der zunehmende Zentrifugalkräfte der Macht ihre Reichweite entreißen, stellt sich Frau Merkel auf einen nur noch sehr kleinen Punkt in der Mitte des Zeitstroms und versucht mit kleinen Schritten das Gleichgewicht und die Balance zu halten. Mit aller Verhandlungsmacht, großer Beharrlichkeit und Gelassenheit entfaltet sie die Zentripetalkraft, die nötig ist, um dem Auseinanderstreben der Teile in immer kleinere und gegensätzlichere Pole entgegenzuwirken. Mag sein, dass Angela Merkel bei dieser Kraftentfaltung nicht die Strahlkraft der zentrifugalen Staatenlenker Trump, Putin oder Erdogan entfalten kann. Mag sein, dass sie derart im Strom stehend nicht die mitreißende Art zeigen kann, die wir uns wünschen. Mag sein.

Der auf der Höhe der Zeit stehender Leuchtturm Wolfgang Schäuble sendet ab und an ein helfendes richtungweisendes Signal. Doch die Gestaltungsmacht der Politik ist im Strom der Zeit längst stark gesunken und zeichnet sich an der Oberfläche fast nur noch durch einen wilden Strudel unweit des Standpunktes von Frau Merkel ab. Die Entscheidungsmacht wird durch ein Treibholz aus Bayern, dass sich bizarr verhakt hat, blockiert. Die Durchsetzungsmacht, mitgerissen von der Strömung, hat den Kontakt zur Entscheidungsmacht verloren, lässt sich – so ist zu vermuten – treiben, bis sie auf einer Sandbank aufläuft und nicht mehr weiterkommt. Die Deutungsmacht schwimmt wirr mit der Oberflächenströmung und findet am rechten Ufer vermeintlichen Halt.

In diesem Strom gibt es keinen Anfang, von dem aus auf das Ganze geschlossen werden könnte. Im stetigen Fluss gibt es vieles, was endet, ohne den Anfang je gesehen zu haben. Zum Beispiel Jamaika. Dem jungen FDP-Vorsitzenden fehlte der Mut, sich in den Strom der Zeit und der Verantwortung zu begeben. Eine große Chance ist unwiederbringlich vertan, untergegangen. Nun steht dieser junge FDP-Vorsitzende am sicheren Ufer, lässt flache Steine in Richtung Groko und Kanzlerin über das Wasser hüpfen und vergleicht die Reichweite seiner Steine mit der schwindenden Reichweite der Macht unserer Regierung. Wenn Angela Merkel ihren kleinen Punkt in der Mitte des Zeitstroms freimacht, werden wir wieder ein Stück weit mehr ohnmächtig geworden sein. Niemand ist in Sicht, der sich in ihre Schuhe stellen möchte. Vielleicht sind sie einfach zu klein. – Reinhard Koine


Leserbrief zu „Mauern bis zum Fahrverbot“ von Claas Tatje

Der öffentliche Druck auf die Automobilindustrie ist wichtig. Manipulierte Abgaswerte, verunreinigte Luft, betrogene Kunden und eine gesundheitlich geschädigte Bevölkerung sind Grund genug. In diversen Artikeln, die derzeit zu diesem Thema zu lesen sind, wird, wie ich finde, zu wenig über die gesundheitsschädlichen Schadstoffe und deren Auswirkungen geschrieben. Die Fokussierung auf den Grund des Übels könnte den ausgeübten Druck sicher noch erhöhen. – Sophie Zellinsky


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Es hätte auch heißen können: Skandalisieren und moralisiere sind das heutige Handwerkszeug der Medien. Damit will ich nicht sagen, daß in Deutschland alles in Ordnung sei – weiß Gott nicht. Wie hat Seehofer gesagt: „Die Flüchtlingsfrage ist die Mutter aller Fragen“ – so ähnlich. Und wenn die AfD die Verantwortung übernimmt, dann ist alles Paletti…… – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Nein, es ist gut, dass die Ergebnisse von Schulstudien nicht automatisch bildungspolitisch umgesetzt werden – dazu sind die Ergebnisse verschiedener Studien viel zu häufig diskrepant! Selbst eine Autorin der jetzt viel zitierten neuen Bonner Studie zum Rechtschreiberwerb (die die Fibel zur besten Methode für den Erstelese- und –schreibunterricht kürte), Frau Prof. Dr. U. Röhr-Sendlmeier, hatte 2007 mit Koautoren eine Arbeit veröffentlicht, in der die nach der Reichen-Methode unterrichteten Kinder im 3. Schuljahr den Fibel-Kindern in der Rechtschreibung ebenbürtig, eher sogar leicht überlegen waren!

Als Wissenschaftlerin bin ich aber durchaus davon überzeugt, dass Forschung einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung von Schule und Unterricht leisten kann, aber nur unter bestimmten Bedingungen:

  • Keine schnellen Entscheidungen für die Schulpraxis aus „one-shot“-Studien!
  • Statt dessen Umsetzung in der Praxis erst nach Replikation der Daten am besten durch unterschiedliche Forschergruppen und sorgfältiger Analyse der zusätzlich auf Schüler- und Lehrerseite wirksamen Faktoren (Moderatorvariablen)!
  • Möglichst quasi-experimentelle Designs, bei denen die Wissenschaftler zusammen mit den Praktikern die Lehrmethoden sorgfältig ausarbeiten und die Umsetzung protokollieren – im Gegensatz zur Feldforschung: Im schlimmsten Fall kreuzt eine Lehrkraft auf einem Fragebogen an, nach welcher Methode sie lehrt – und offen bleibt, was im Klassenraum tatsächlich passiert!
  • Die Feldforschung erübrigt sich allerdings nicht: Vielleicht sind bestimmte Methoden eher „teacher-proof“, also leichter umsetzbar und resistenter gegenüber Abweichungen. Das ist dann aber eine andere – ebenfalls wichtige – Frage.
  • Zur Analyse der komplexen Interaktionen zwischen Lerngegenstand, Lernprozessen, didaktischen Vorgaben und pädagogischem Rahmen wird eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pädagogen, Psychologen und – im Falle des Schriftspracherwerbs – Linguisten benötigt. Diese ist nur möglich bei Offenheit gegenüber anderen Fragestellungen und Forschungsmethoden, die leider so manche Wissenschaftler vermissen lassen.

Als Problem der Wissenschaftspolitik sehe ich den Zwang zum Veröffentlichen, durch den Ergebnisse oft zu früh den Weg in die Öffentlichkeit antreten müssen – ggf. später notwendige Modifikationen oder Revisionen werden dann medial kaum noch wahrgenommen. – Prof. Ph.D. Gerheid Scheerer-Neumann


Leserbrief zu „Miethologie“ von Josef Joffe

Herr Joffe hat Recht, dass die „Wohnraumoffensive“ des Bundes den Mangel nicht beseitigen kann. Und mit Baukindergeld und Fehlbelegungen von Sozialwohnungen hat er bedeutsame Fehlleistungen des Bundes angesprochen. Aber die Benennung der seiner Ansicht nach wahren Schuldigen und sein Fazit mit der Forderung nach mehr Bauland in Städten greift zu kurz. Die von ihm angeführten immer gleichen Gründe für die Misere bedürfen tiefergreifender Analysen:

– „zuviel Zuzug in die Innenstädte“. Lohnen sich hier nicht u.a. Initiativen, die angrenzenden ländlichen Bereiche intelligent mit öffentlichem Nahverkehr und Fahrradautobahnen anzuschließen?
– „zu wenig Bauland, größere Verdichtung sowie höher Bauen“. Was will Herr Joffe denn noch alles zubetonieren, bis die Städte im Sommer den Hitzekollaps erleiden? Es gibt zudem Erfahrungswerte zur Anzahl der Etagen, ab der der sozialer Verbund und gedeihliches Miteinander leiden.
– „zuviele kostentreibende Regelungen“. Welche sind das und durch welche könnte man diese ersetzen und was würde eine Streichung zur Folge haben? – Prof. Dr. Helmut Blome


Leserbrief zu „Führen und Teilen“ von Marc Brost und zum Titelthema „Machtverlust“

Ja, die Wahl des neuen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden ist eine Zäsur und es ist eine Niederlage für Angela Merkel. Schon allein deshalb, weil die Bundeskanzlerin das Ergebnis höchstselbst als solches bezeichnet und wenig Interpretationsspielraum gelassen hat. Doch, Sensation und Machtfrage hin oder her, ein Brinkhaus macht noch keinen Sommer; nicht für die CDU, nicht für die Union und schon gar nicht für die GroKo, die sich, gefühlt, allesamt im Übergang Herbst/Winter ihrer politischen Möglichkeiten befinden. Indes könnte es sich die GroKo natürlich auch selbst deutlich einfacher machen, wenn sie sich endlich durchweg ihres „eigentlichen“ Auftrags besinnen, sich auf Koalitionsvertrag und Sachfragen konzentrieren würde; verantwortungsvoll führen und regieren eben. Das gilt im besonderen Maße freilich für CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer, dem Vater vieler Probleme der bislang recht irrlichternd agierenden Regierungskoalition. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Das Schweigen“ von Evelyn Finger et al.

Die Geschichte der Frau Doris Wagner ist mit größter Wahrscheinlichkeit nur eine von tausenden ungelösten Fällen. Dabei greift die Frustration um so mehr um sich, wenn man erfährt, dass es einem deutsches Strafgericht reicht um eine Klage abzuweisen, dass sich Frau Wagner nicht gegen den Pater gewehrt hat. Mit solchen Argumenten kann man 6 Millionen Juden, die sich nicht gegen die Vernichtung gewehrt haben jede Klage verwehren. Offensichtlich könnte sich der abweisender Richter nicht vorstellen, dass Menschen, insbesondere, die sich im tiefsten Glauben einer Religion verschworen haben, keinen geistigen Widerstand aufbringen können, wenn Sie in solch einer Falle sitzen, aus der man kaum entrinnen man. So ein Richter verletzt in unverzeihlicher Weise den Grundsatz der Opferschutzes, was leider nicht allzu selten in Zusammenhang mit der Sozialisierung des männlichen Geschlechts und der Ursünde in Zusammenhang steht. Eine klassische Indoktrinierungsmethode der Katholischen Kirche. Insofern wäre es interessant zu erfahren, welcher Religion der Richter die seine nennt. Eines sollte aber auch in Deutschland möglich sein; der Zugriff in Archive der Kirchen. Immerhin gilt auch in Deutschland das gesetzlich Recht bei Gefahr im Verzug zu handeln. Vor der anhaltenden Gefahr der Vertuschung und Vernichtung von Beweisen, wäre das das richtige Mittel zur Aufklärung. – Imri Rapaport


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Auf einen Artikel solchen Inhalts habe ich lange gewartet. Bemerkenswert der Satz: “Der Journalismus hat mitgeholfen, Trump den Boden zu bereiten.” Mein Wunsch wäre, dass die ZEIT mit gutem Beispiel in der deutschen Medienlandschaft, der 4. Gewalt in unserem Staate, voraus geht und in ihrer Redaktionsstube darüber nachdenkt, welchen Anteil sie an den Wahlerfolgen der AfD hat. – Dr. Hartmut Franz


Leserbrief zu „Verkrümeln“ von Anna Mayr

Bitte Anna Mayr einstellen! Geniale Schreibe! – Dr. Ulrike Schumacher


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Wenn wir so mit Pflanzen umgehen, die unsere Lebensmittel darstellen (auch die Tiere, die zu Fleisch verarbeitet werden, essen Pflanzen), wie kommen wir jemals wieder dahin zurück, mit uns selbst besser umzugehen? Eine Kartoffel wird aussortiert, weil sie zu dick, zu klein, zu unförmig, zu … ist!! Wann werden wir endlich wieder in der Lage sein, das Leben und uns selbst so zu nehmen, wie es ist, mit allen seinen Formen und Farben? – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Was ist weiblich?“ von Viviane Sassen im ZEIT Magazin

Als Ende 2017 angekündigt wurde, dass 2018 ein wöchentliches Foto von Viviane Sassen publiziert wird, habe ich mich riesig gefreut. Ich bin ein grosser Fan ihrer Bilder. Ich wurde nicht enttäuscht und nun stapeln sich bei mir zuhause die herausgerissenen Magazin-Seiten der “Was ist weiblich”-Rubrik. Da ich kein Zeit-Abo habe (sorry, ich schaff das einfach nicht jede Woche), fehlen natürlich einige Folgen. Haben sie schon darüber nachgedacht, Ende Jahr ein Sammel-Band mit Sassen’s Bilder und Barnas’ Worten zu publizieren? Das wäre toll! Auf jeden Fall Danke für die immer spannenden Themen und tollen Bilder. – Monika Rohner


Leserbrief zu „Über Witze, Kritik und Empörung“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Es kommt ja schon des öfteren vor, dass ich Ihre Kolumne im Magazin für gut und angebracht halte; aber dieser Artikel ist von so erlesener Klasse, dass ich allen Ernstes meinen Hut vor Ihnen ziehe. Man müsste ihn in alle Welt hinausposaunen, so grundlegend wahr und notwendig sind die klärenden Worte, die Sie aussprechen !! Ich habe kaum ein besseres Plädoyer gegen einen der vielen Auswüchse der political correctness unserer Tage gelesen !! Völlig unverständlich ist für mich die von Ihnen erwähnte „kritische Anfrage“ aus der Redaktion. Ich bin mir fast sicher, dass sie (die Redaktion) sich – wenn man einmal genauer nachhakt – bestimmt der eigenen freien und unabhängigen Denkweise rühmen wird; sollte ich mich da täuschen ? Ob Donna Hightower damals schon etwas über das heutige Schlamassel geahnt hat ? – Johannes Barth


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Vielen Dank für den gut recherchierten Artikel und dafür, dass Sie das Thema aufgegriffen haben. Es sind leider nicht nur die Medien, die die Schwarzseherei verstärken, sondern auch die Politiker. Nicht nur die Opposition, auch die SPD gefällt sich darin, ihre Erfolge kleinzureden und die Missstände zu betonen. Und nicht zuletzt sind Kommentare von Wissenschaftlern und Professoren sehr oft negativ. Missstände aufdecken ist ok, aber daran, die Situation negativ darzustellen, sind viele beteiligt, leider!! – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Über Witze, Kritik und Empörung“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Das Problem bei der Kritik am Islam und insbesondere bei Witzen über den Islam ist doch, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die bereit sind, diese Kritiker umzubringen. Ich weiß von keinem Mordanschlag, der in letzter Zeit auf Kritiker des Christen- oder Judentums ausgeübt wurde. Aber bei Kritikern des Islams, insbesondere bei Karikaturisten und Satirikern des Islams, sieht es völlig anders aus. Hier wurden, wie bei den Anschlägen nach den Mohammed-Karikaturen, sogar Menschen getötet, die völlig unbeteiligt waren und nur das Pech hatten, Dänen zu sein.

Es stellt sich für mich die Frage, was wir, solange es diese tötungswilligen islamistischen Gotteskrieger umtreibt, bereit sind, für eine zeichnerische oder verbale Pointe zu opfern. Was ist uns eine Pointe wert? Ein Toter, zehn oder zwanzig Tote? Würden wir mit dem Verzicht auf Witze über Mohammed wirklich unsere Meinungsfreiheit gefährden oder gar opfern? Oder wäre es nicht einfach nur klug, Gotteskriegern keinen (wie ich finde nichtigen) Anlaß zu geben, blindwütig loszuschlagen? Niemand käme auf die Idee, seine Hand durch das Gitter eines Löwenkäfigs zu stecken, um das Raubtier zu füttern. Und niemand würde unter dem Verzicht auf diese Handlung leiden oder sich in der Entfaltung seiner Persönlichkeit eingeschränkt fühlen. Es ist einfach klug, die Finger vom Löwen zu lassen. Ich würde auch nicht ich in Wahrnehmung meiner Meinungsfreiheit dem Neonazi in der Nachbarschaft ein Schild vor die Tür stellen mit der Aufschrift: „Nazis raus aus meiner Straße! Klaus Steffen, Hausnummer 8.“? Das wäre vielleicht befreiend aber schlicht unklug und würde mich und eine Familie gefährden.

Mir geht es nicht um eine kritische Auseinandesetzung mit dem Islamismus. Diese ist wichtig und wird auch in unserem Land geleistet. Mir geht es ausschließlich um – in der Wahrnehmung von Islamisten – offenkundig ehrverletzendes Verspotten Mohammeds und des Islams. Wir sollten das unterlassen. Es wird unser Recht auf freie Meinungsäußerung nicht wirklich einschränken aber mit Sicherheit Leben retten.

P.S. Ich wünsche Ihrem Karikaturisten Martin Fengel, dass er wegen seiner Briefkasten-Karikatur (die ich einfach super finde) von Bedrohungen und Belästigungen verschont bleiben möge. – Klaus Steffen


Leserbrief zu „Rechtsstaat unter Druck“ von Andreas Vosskuhle

In Ihrem Vortrag beim Juristentag, publiziert in ZEIT empfehlen Sie trefflich, die Juristen mögen sich klarer verständlich machen. Als Jurist verstehe auch ich nicht immer auf Anhieb, was eine rechtliche Ausführung konkret meint. Dies gilt zum Beispiel auch, wenn Sie im Fall der „Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze“ von einem „Konflikt über das Zusammenwirken mehrerer Normschichten“ sprechen. Was den Bürger in diesem Fall m.E. Interessiert:

Haben Dr. Angela Merkel, Andrea Nahles und Dr. Norbert Röttgen recht, dass einzelne Flüchtlinge, die schon in Italien einen Schutzantrag gestellt haben, an der deutschen Grenze zurückgewiesen werden können, wenn dies mit Italien vereinbart ist? Ist mithin eine einseitige Zurückweisung rechtlich verboten?

Gern mag ein klar antwortendes „JA“ als begründend ergänzen: Ja, weil das vorrangige europäische Recht (die Dublin-VO) die einseitige Zurückweisung verbietet. Gern mag auch noch ergänzt werden: Ausgenommen von diesem Verbot sind Notsituationen einer Massenzuflucht. Steckt diese klare Aussage der o.g. Persönlichkeiten der Politik hinter Ihrer Feststellung, es gehe um einen „Konflikt über das Zusammenwirken mehrerer Normschichten“ oder möchten Sie zum Ausdruck bringen, es sei ungeklärt, was rechtens und was verboten ist? – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „»Nicht jeder braucht ein Studium!«“ von Katja Scherer

Das Interview beginnt mit der Berufswahl und endet bei der Studienwahl. Es suggeriert, dass es zwischen der Wahl für ein Studium und einen Beruf keinen essenziellen Unterschied gibt, solange man die Geisteswissenschaften ausklammert. Aus einem interessanten Interview wird ein naives Ratgebergeplänkel. Frühere Erfolge in einem Gebiet weisen auf Begabungen hin und sollten ernst genommen werden! Schaue über den Tellerrand und erweitere deinen Horizont! Höre nicht nur auf eine Meinung, sondern frage viele Menschen, die dich aus vielen verschiedenen Perspektive kennen, nach ihrer Meinung! Pass auf: Geisteswissenschaftlerinnen haben es nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt! Wenn du ein Jahr mit dem Studium kämpfst, frag dich, ob es das richtige für dich ist! Aber welche Eltern machen ihrem Kind Mut, Physik zu studieren, wenn die Vier im Zeugnis nicht mehr wegzudenken ist?

Leider wird nicht erwähnt, dass die Wahl zum Philosophie- oder Germanistikstudium nicht viel mit der Berufswahl zutun hat, dass es Menschen gibt, die ihre Begabungen kennen, sich aber trotzdem nicht entscheiden können, dass das erste Jahr im Studium häufig nicht für den zukünftigen Beruf repräsentativ ist – letzteres gilt zum Beispiel für den traditionellen Humanmedizinstudiengang, dessen ersten Jahre alles andere als berufsnah sind. Das heißt: Es ist nicht immer richtig, die Studienwahl zu hinterfragen, wenn man noch nach einem Jahr kämpft – bis zur ersten ärztlichen Prüfung ist der Lernkampf Tagesgeschäft. Als letztes muss man sich fragen, warum vereinfacht zweigeteilt wird: Studium vs. Lehre. Manch ein/e MaschinenbauerIn geht vor Theorie an der Universität unter, fühlt sich aber an der Fachhochschule bestens aufgehoben. Manch ein/e Student/in hat keine Lust, jeden Tag an der Universität abzuhängen und studiert dual. Manch ein Lehrling der Mechatronik fehlt es an Theorie und beginnt ein Studium an der Fachhochschule. Es ist traurig, dass das Interview sich auf ein Niveau begibt, dass von den selten hilfreichen Ratgebern beherrscht wird, und die Gesprächspartner es nicht bemerken. – Christopher Fritzsche


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo und zu „Das Schweigen“ von Evelyn Finger et al.

Man wird sehen, wie groß die Scham, wie ernst die verkündeten Entschuldigungen und Konsequenzen der katholischen Kirche zu nehmen sind. Der unbeholfene Umgang mit jedweder Sexualität, das Nichterlebenkönnen und -dürfen eines grundsätzlich zentralen menschlichen Bedürfnisses, das in der Pflicht zum Zölibat und der Negation von Homo-, Bi- und Transsexualität in vielen Fällen einen geradezu gewaltsamen Widerspruch findet, sind doktrinär tief verwurzelt. Das zeigen die zögerlichen, fragmentarischen Aufarbeitungsversuche, das zeigen mitunter Erklärungsansätze, die Erkenntnisse und Verständigungen der Aufklärung ignorieren.

So machen in der Tat nicht nur all die bekannten (und unbekannten) Missbrauchsfälle sowie die bislang bedenklich marginale Zuweisung von tatsächlicher Verantwortung tief beklommen, sondern eben auch die dies begründenden subversiven Strukturen der katholischen Kirche, die laut Aussage von Thomas Sternberg, Präsident des ZdK, nach wie vor Bestand haben. Es ist also noch ein sehr langer Weg hin zu transparenter Kommunikation, gepredigter Moral und versprochener Ethik; es ist noch ein sehr langer Weg um und für alle Menschen, die vom Glauben trotz Kirche zurückfinden wollen zur friedvollen, unverbrüchlichen Einheit von Glaube und Kirche. Nicht zuletzt wider die bisherige kriminelle Solidarität unter Teilen des Klerus, der uns lange, viel zu lange, Glaube und glauben machen konnte und ohne Strafbewehrung machen „durfte“, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Ich habe heute wieder einmal meine Blase verlassen – und Die Zeit aufgeschlagen. Die Zeit ist nicht mein Blatt, ich finde sie etwas einseitig und tendenziös, aber: audiatur et altera pars. Die Debatte um Filterblasen beschäftigt auch mich, und so habe ich den Artikel „Lob der Blase“ durchgelesen. Resultat: Blankes Entsetzen. Es mag noch einleuchten, dass gesellschaftliche Gruppen, die nichts voneinander wissen, zu einem friedlicheren Miteinander in Parallelgesellschaften fähig sind – leben und leben lassen. Dafür aber zu fordern, dass das Debattieren im Netz über die Grenzen des eigenen Meinungsradius hinaus zu beenden sei, ist doch ein geradezu abenteuerlicher Gedanke, der ganz gefährlich in der Nähe zum Meinungsdiktat angesiedelt ist. Dazu nur soviel: In Österreich ist die rechtspopulistische Regierungspartei FPÖ gerade dabei, genau diese Forderung nach Trennung unterschiedlicher Meinungsgruppen durchzusetzen. Fremdmeinungen werden auf FPÖ-Seiten in den Sozialen Netzwerken blockiert, „alternative“ Nachrichtendienste wie unzensuriert.at aufgebaut und nun – weil die Kontrolle über die eigene Blase nicht mehr zu genügen scheint – zum Angriff auf den unabhängigen Journalismus und den staatlichen ORF geblasen.

Soll ich mich nun abwenden von „Lob der Blase“ und den Autor einen guten Mann sein lassen? Ich meine nein, denn ich bin anders als der Autor der Überzeugung, dass das Debattieren über Meinungsgrenzen hinweg nicht zu mehr Unverständnis, sondern wenn nicht schon zu Verständnis, so doch zumindest zu einem Abwägen und Einordnen der eigenen Meinung in Bezug auf andere Meinungen beiträgt. Diese Fähigkeit zur Relativierung der eigenen Position halte ich für ein hohes Gut gerade in einer Zeit, in der sich Meinungen radikalisieren. Und deshalb sage ich: Das Tor zur Hölle des Meinungsaustausches in den sozialen und sonstigen Netzwerken ist aufgestoßen, und es ist gut so. Es wäre naiv, sich in die Zeit davor zurückzuwünschen. Vielmehr verraten die derzeitigen Hass- und sonstigen Gefühlsausbrüche in den diversen Netz-Debatten, dass wir es bis dato nicht ausreichend erlernt haben, über Meinungsgrenzen hinweg in einer Sprache zu argumentieren, die auch dem Gegenüber seine Würde lässt. Was früher vielleicht nicht notwendig war, weil man sich einfach aus dem Weg gehen konnte, ist heute Notwendigkeit geworden: zivilisiertes Verhalten gegenüber Andersdenkenden. Das sollten wir lernen, unsere demokratische Kultur wird es uns danken. – Fabian Wallmüller


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Mit diesem großartigen Artikel hat Jens Jessen den Nagel auf den Kopf getroffen. Große Erwartungen gab es, dass das Internet zu einem Mehr an Demokratie und Partizipation führen werde. Dies ist wohl eingetreten, aber: das Negative verkauft sich besser als das Positive, das Reisserische besser als das Leise. So ist es wirklich an der Zeit, sich auf alte Tugenden wie Distanz und Diskretion zu besinnen und darauf, dass ständig online sein Stress bedeutet; Selbstbestimmung aber selbst zu steuern, wann man an was teilnimmt. – Dr. Heinz Rauch


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Sehr kluger Artikel. Ich bin begeistert. Diesen Artikel sollte man in Schulen und an Unis besprechen. – Manfred Zimmer


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Ich frage mich, auf Grund welcher Leistungen Sie dieser Kanzlerin das Attribut „groß“ verleihen. Die einzige herausragende Fähigkeit, die ich in 13 Jahren anerkennen konnte, ist wie sie immer wieder ihre politischen Gegner unaufgeregt beseitigt hat. Ich muss zugeben, in den ersten Jahren habe ich dies bewundert. Sie hat die SPD und die FDP nachhaltig entmannt, Gleiches gilt für die Grünen, bei der CSU ist sie fast am Ziel. Und innerparteiliche Konkurrenten hat sie samt und sonders verdrängt (Beispiele Kohl, Koch, Merz) oder auf für diese ungeeignete Posten entsorgt (Beispiele Wulff, Oettinger, von der Leyen). Mit welcher Unmenschlichkeit dies zum Teil verbunden (Kohl) war, kam erst später ein wenig an die Öffentlichkeit. Im Ergebnis gibt in der CDU/CSU keinen überzeugenden Nachfolger, in der SPD, bei der FDP und den Grünen erst recht nicht. Das alleine wäre nicht zu beklagen, wenn nach 13 Jahren nicht so viel in Trümmern läge. Ich bin der festen Überzeugung, die politische Polarisierung in Deutschland und in Europa ist eine direkte Folge ihrer „alternativlosen“ herzlosen Politik.

Das griechische Volk ist entrechtet und verarmt, Osteuropa geht der Demokratie verloren, der Euro wird mit ungedeckten Schecks (Aufkauf von Ramschanleihen durch die EZB, allein der deutsche Steuerzahler haftet für 1000 Milliarden €!) am Leben erhalten, die private Altersvorsorge von Millionen Menschen wurde geplündert, die Energiewende (Kosten 300 Milliarden € ist kläglich gescheitert), der Ausbau der Stromnetze hinkt um viele Jahre den Erfordernissen hinterher, bei der Digitalisierung hat Deutschland den Anschluss verloren, die Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse geht in die Millionen, Millionen von Vollzeitbeschäftigten droht Altersarmut, immer mehr Kinder leben in Armut, die Autoindustrie ist auf Grund falscher politischer Signale in einer Sackgasse, zentrale europäische Verkehrsprojekte werden nicht umgesetzt (Bahnanschlüsse Brennerbasistunnel, Gotthard-Tunnel), in der Landwirtschaft sind wir inmitten einer ökologischen Katastrophe (Trinkwasser, Insektensterben), die Bundeswehr kann trotz eines wahnwitzig hohen Verteidigungsetats von 42,9 Mrd€ nicht einmal einen selbstverursachten Moorbrand löschen, geschweige denn unser Land verteidigen, … Sie werden sicherlich zur Verteidigung der Kanzlerin viele Verantwortliche benennen können, die dieses oder jenes Desaster verursacht haben. Aber die Kanzlerin hat die Richtlinienkompetenz und genau diese Funktion hat sie 13 Jahre nicht ausgeübt. Es ging immer nur um den Machterhalt. – Rainer Funke


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Jens Jessen schlägt im Interesse des sozialen Friedens vor, das große Gespräch mit allen im Internet zu beenden, Parallelgemeinschaften aus dem Wege zu gehen und sich im eigenen Milieu abzuschotten, damit aus dem Gespräch kein Gemetzel wird. Es liegt in der Logik dieses Vorschlags, dass er gar nicht an den beklagten „Internetpöbel“ gerichtet sein kann, sondern nur an das eigene Milieu, also etwa die Zeit-Leser. Es wäre schade, wenn diese in Zukunft bei allen wichtigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen – etwa über das Klima, Flüchtlinge oder die Me-too-Debatte – unter sich blieben. Sinnvoller wäre ein Appell an alle Milieus, das Gespräch mit allen zu suchen, sich dabei aber menschenwürdiger Umgangsformen zu bedienen. – Friedrich Thimme


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Ich bin Grundschullehrerin und stellvertretende Schulleiterin der 59. Grundschule „Jürgen Reichen“ in Dresden. Wir sind eine große staatliche Grundschule, in der über 400 Kinder lernen und die – wie oben zu lesen ist – nach dem Begründer der Methode „Lesen durch Schreiben“ benannt ist. Seit nunmehr 27 Jahren wird in unserer Schule ausschließlich diese Leselernmethode verwendet – und unsere Kinder beenden die Grundschulzeit zu 85-90 Prozent als

– kompetente Rechtschreiber mit altersgemäß normal entwickelter Rechtschreibfähigkeit
– kompetente Leser, die Bücher weit über das Altersniveau hinausgehend lesen und verstehen
– kompetente Textschreiber, die gut formulieren und sich sprachlich anschaulich ausdrücken können
– und nicht zuletzt als Kinder, die gern lernen, immer noch freudig zur Schule kommen und Lernanstrengungen in aller Regel nicht scheuen

Dies liegt möglicherweise daran, dass wir die Methode „Lesen durch Schreiben“ kompetent und in REINFORM (neuerdings viel zitiert) anwenden und das in ihr liegende Potential auch nach dem Erwerb der Lesefähigkeit umfassend nutzen. Nun bedeutet „Reinform“ leider nicht das, was im Moment durch die Presse gejagt wird und von verschiedenen Wissenschaftlern (Germanistik, Bildung, Psychologie…) unterstützt wird.

„Reinform“ bedeutet (unter anderem), dass VOM ERSTEN SCHULTAG AN KORRIGIERT WIRD. Ich habe die letzten 14 Jahre seines Lebens eng mit Jürgen Reichen zusammen gearbeitet und nach seinem Tod im Jahr 2009 mit einer Kollegin seine bundesweiten Seminare zur Leselernmethode „Lesen durch Schreiben“ weitergeführt. Es ist schlicht nicht wahr, dass nicht korrigiert werden darf. Wir fragen uns immer verzweifelter, wer diese Verleumdung – und nichts anderes ist es – in die Welt gesetzt hat. Wenn wir die Verschriftungsergebnisse unserer Kinder nicht korrigieren würden (wobei wir uns eng an die Schreibentwicklungstabelle von u.a. Prof. Brügelmann halten), würden unsere Kinder auch keine Rechtschreibung lernen. Sie als Wissenschaftlerin (und Ihre Kollegen von der Uni Bonn übrigens auch) müssten doch eigentlich einen Nachweis erbringen, dass Jürgen Reichen gesagt bzw. geschrieben hat, dass „korrigieren verboten“ ist. Wo soll denn das stehen???? Er hat es nie gesagt.

Im Hinblick auf die in seinen Augen falsche Priorität der Rechtschreibung vor Semantik, Wortschatz und Grammatik hat Jürgen Reichen gegen den „Rechtschreibwahn“ an deutschen Schulen polemisiert. Korrigiert wurde bei ihm jedoch immer, vom ersten Schultag an (ich wiederhole mich). Wer sein für Lesen durch Schreiben entwickeltes Computerprogramm anschaut, wird feststellen, welche geniale Form der Rechtschreibkontrolle dort eingebaut ist. Ab 2009 haben wir in den Seminaren, die in den folgenden Jahren noch einmal von schätzungsweise 800 GrundschullehrerInnen aus dem ganzen Bundesgebiet besucht wurden, ein ganzes Teilseminar durchgeführt, dass zeigte, wie man von Beginn an richtig und konsequent korrigiert.

Dieses Kind, das Sie im Zeit-Artikel anführen und das dort „Jakob“ heißt, war entweder in einer Schule mit einer Lehrerin, die die Methode völlig inkompetent angewandt hat – oder er hat ganz anders gelernt. Der Begriff „Lesen durch Schreiben“ wird auf vielerlei Weise missbräuchlich verwendet. Ich habe für verschiedene Zeitungen letzte Woche bereits einen längeren Aufsatz zum Thema geschrieben. Diesen hänge ich hier an. Vielleicht interessiert es Sie. Ansonsten – Sie sind eingeladen, jederzeit unsere Schule zu besuchen. Leider wird bei diesem Thema offenbar immer auf Schulen zurückgegriffen, die NICHT nach Reichen arbeiten aber behaupten, es zu tun. – Katrin Quosdorf


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Die fast grenzenlose Toleranz ist das eigentliche Übel in unserem Staat. Das wollen die Politiker und auch Medien nicht kapieren. Der Ausdruck in den elektronischen Medien ist das Ergebnis. Der Bürger fühlt sich durch den Souverän nicht mehr vertreten. Er mutet den Bürgern eine Einwanderung zu, die kein Mensch mehr verstehen kann. Und das alles ohne Rücksprache mit den Bürgern. Das soll Demokratie sein. Da lobe ich den ungarischen Präsidenten, der gesagt hat: „Die Bürger hätten mich zum Teufel gejagt, wenn ich anders entschieden hätte. Ungarn hat uns Deutschen 1990 in der Flüchtlingsfrage DDR-Bürger sehr geholfen. Für mich verhält sich Ungarn demokratischer als unsere Regierung. Verstanden haben das nur die Bayern. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Rechtsstaat unter Druck“ von Andreas Vosskuhle

Viele Köche verderben den Brei
Herrn Vosskuhle gebührt großer Dank, dass er den Juristentag in Leipzig dazu genutzt hat, seinen Vortrag Rechtsstaat und Demokratie zu widmen. Und es ist der Zeit dafür zu danken, dass sie diesen Vortrag abgedruckt hat, um seine Gedanken einem breiteren Publikum vorzustellen. Der Situationsbeschreibung und der Analyse der sich daraus ergebenden Gefahren, die Herr Vosskuhle liefert, ist uneingeschränkt zuzustimmen. Seine Schlussfolgerungen sind jedoch vom Kopf auf die Füße zu stellen:

  1. Der Rechtsstaat leidet unter der Vielzahl der Gesetzgeber auf europäischer Ebene, im Bund, in den Ländern und auf kommunaler Ebene. Es ist unverzichtbar, darüber nachzudenken, ob diese Vielfalt und die überbordende Produktivität aller Ebenen für die Funktion unseres Rechtsstaates tatsächlich erforderlich ist. Ich habe als gutes Beispiel für die Begrenzung der gesetzgeberischen Vielfalt das Gültigkeitsverzeichnis 1995 für Baden-Württemberg aufgehoben. Es geht auf das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Landesrechts vom 12. Februar 1980 zurück, in dessen § 1 es heißt: „Die Gesetze, die am 1. Januar 1980 in Baden-Württemberg als Landesrecht gegolten haben und nicht in der Anlage zu diesem Gesetz aufgeführt sind, werden aufgehoben.“ Für Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften galt Entsprechendes.
  2. Der Detailgrad moderner Gesetze übersteigt oft nicht nur den guten Willen der Bürger sondern auch den der Fachleute. Ein gutes Beispiel ist die europäische Datenschutzgrundverordnung. Sie ist notwendig, gut gemeint schießt aber zugleich über das Ziel hinaus. Als Schriftführer eines Vereins mit knapp 40 Mitgliedern hatte ich in der Zeit vor dem 25. Mai 2018 in derselben Weise wie Amazon oder Facebook alle Hände voll zu tun, Datenschutzgrundsätze und Datenschutzerklärungen für die Mitglieder und die Freunde des Vereins vorzubereiten.
  3. Nicht nur die Justiz sondern auch die staatlichen und kommunalen Behörden sind mit dem Vollzug der Gesetzesflut überfordert, zumal Regierungen landauf landab in den vergangenen Jahrzehnten Personal insbesondere in diesem Bereich abgebaut haben, um ihre Haushalte zu entlasten. Dies führt zu Missbrauch und fehlender Gleichbehandlung.
  4. Erst wenn den zuvor genannten Entwicklungen Einhalt geboten worden ist, werden Pressemitteilungen und lesbare Zusammenfassung gerichtlicher und vielleicht auch behördlicher Entscheidungen die Akzeptanz des Rechtsstaates wieder erhöhen. Die Bürger erwarten Taten und keine Erklärungen. – Hans-Jochen Lueckefett

Leserbrief zu „»Die BRD ist doch ein großer Kurort«“ von Peter Sloterdijk

Am 19. April 2013 bin ich 65 geworden. Was hat wohl Peter Sloterdijk damals ins Tagebuch geschrieben? Der Eintrag des Verfassers zeigt ein armseliges Dampfkochtopfgeplauder, benützt, um seinen Unsinn (nehmt alles nur in allem) publikumswirksam zu verpacken. Es scheint, was man unter heutigen Bedingungen einen Philosophen nennt, ist ein wortverliebt über Gott und die Welt Redender, der damit aber zuerst sich selber meint. Die Schlagzeile „Die Jagd ist zu Ende, Boston jubelt“ ist natürlich eine blinde Verallgemeinerung, die sicher auch vielen Bostonern sonst wo vorbeiging. Sloterdijks entsprechend unbedarfte Schlagzeile „Die BRD ist doch ein großer Kurort“ will ich aber nicht zu einem Angriff auf die ZEIT und ihr Millionen-Leser-Kollektiv hochrechnen. – Roman Rucker


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Bildungspolitiker sollten nicht nur Erkenntnisse der Wissenschaft stärker berücksichtigen sondern ebenso die konkreten Erfahrungen und Bedürfnisse der Schulpraktiker, der Lehrer, Schüler und auch der Eltern. Sicherlich würden sie dann Bewährtes länger bewahren und mit Reformen zurückhaltender umgehen, somit den Betroffenen mehr Zeit lassen für die Erreichung der eigentlichen Ziele, für den Unterricht, die Bildung, die Erziehung und den Austausch untereinander. Ich denke dabei vor allem an die Vermittlung sicherer Grundfertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen, an grundlegende für erfolgreiches Weiterlernen erforderliche Lerninhalte und nicht zuletzt an positive Strukturen im Schulsystem. So kann man sich viel Geld, Zeit und Nerven und erst recht manche Leistungseinbußen ersparen , wenn Praxiserfahrungen und ebenso Studienergebnisse ernster genommen und beabsichtigten Reformen vorgeschaltet werden. Das „Schreiben nach Gehör“, G8, die Inklusion ohne die notwendigen Voraussetzungen und Integration von Migranten oft ohne Deutschkenntnisse in normale Regelklassen sind nur einige Beispiele dafür. – Gabriele Gottbrath


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Sie schreiben unter dem Titelthema „Machtverlust“ den Untertitel „Wie eine große Kanzlerin…“ Diese Einschätzung der Leistung der Kanzlerin Merkel kann ich nicht nachvollziehen. Welche Kriterien führten dazu, die Kanzlerin als „groß“ zu bezeichnen? Angesichts der vielen Versäumnisse und Kehrtwenden während der Kanzlerschaft gibt es keinen Anlass dazu:

– Führungsschwäche gegenüber dem kleinsten Koalitionspartner, der CSU (z. B. PKW-Maut, Abstimmung über Glyphosat in der EU, Betreuungsgeld)
– über Jahre verschleppte Regelung des KFZ-Abgasskandals
– Schlingerkurs beim Atomausstieg (zuerst Wiedereinstieg in die Atomenergie, dann Ausstieg aus Angst vor Machtverlust)
– Verfehlung der Klimaziele und Bremsen auf EU-Ebene
– Umgang mit der NSA-Affäre
– Die Energiewende kommt kaum voran, hat aber lt. aktueller Untersuchung des Rechnungshofes bereits einen dreistelligen Milliardenbetrag verschlungen
– Digitalisierung ungenügend umgesetzt
– Kehrtwende bei der Flüchtlingsfrage verbunden mit menschenverachtender Politik gegenüber Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrinken bzw. in Lagern unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt sind, anstatt für eine nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Ländern zur Bekämpfung von Fluchtursachen zu sorgen.
– leichtfertige Zusage einer Erhöhung des Wehretats auf 2% in der Nato, anstatt eine Kehrtwende bei der Rüstungsspirale einzuleiten (beispielsweise durch Verzicht auf Kampfdrohnen); der Wehretat wurde in den letzten 18 Jahren um mehr als 20% erhöht.
– inkonsequente Eingrenzung der Rüstungsexporte (beispielsweise Genehmigung von Rüstungsexporten nach Saudi Arabien, das in den Jemen-Krieg verwickelt ist
– Weigerung, dem internationalen Atomwaffen-Verbotsvertrag beizutreten.

Diese Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Von einer großen Kanzlerschaft erwarte ich Visionen und klare Zielsetzungen, deren Umsetzung auch nachgehalten wird. Dazu gehört ein deutliches Eintreten für den Erhalt der Umwelt (Klima, Insekten, Vermeidung von Müll/Plastik) und gerechte Lebensbedingungen nicht nur im eigenen Land sondern auch und insbesondere im globalen Süden. Wegweisende neue Initiativen sind erforderlich für eine aktive weltweite Friedenspolitik zur Erhöhung der Sicherheit, was ein grundsätzliches Umdenken voraussetzt. Es würde der ZEIT gut anstehen, wenn die Leistung der Kanzlerin etwas kritischer durchleuchtet werden würde. – Dieter Stöckle


Leserbrief zu „Das Schweigen“ von Evelyn Finger et al.

Dass die schlimmen Vergehen der katholischen Kirche publik gemacht werden müssen, bezweifelt niemand. Aber müssen Sie , meine geliebte Zeit, das in dieser aufreißerischen Form tun? Die junge Frau im Mittelpunkt, die sich beklagt, dass sie “ keine Bücher lesen, nur beten, sich in häßlichen langen Röcken und hochgeschlossenen Blusen verstecken“ müsse- ja was hat sie, die Einser-Abiturientin, von einem Kloster erwartet, Kriminalromane und Designer Kleider? Zusammen mit den schönen Fotos fehlt nur der Schlusssatz: …and they lived happily ever after. Geht es noch primitiver? Ich bin sehr enttäuscht! – Katharina Göggel


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Gut, wenn dem Wegwerfen von Lebensmitteln Einhalt geboten wird. Und was sollen „optische Makel“ bei Äpfeln, Möhren, Zwiebel, Kartoffeln und wahrscheinlich noch anderen Sorten denn sein? Ich empfinde standardisierte Formen solcher Obst- und Gemüsesorten eher als Makel, entziehen sie uns doch die Freude an der Entdeckung von und am Spiel mit Unterschieden, Assoziationen und skurilen Geschichten. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

„Der Machtverlust“…Vor der Abfassung der gewollt beschädigenden, der Realität nicht entsprechenden, Beiträge zum Thema: „Der Machtverlust“ hätten die Meinungs-MACHENDEN Autoren besser den Beitrag auf Seite 35: „Medien als Miesmacher. Die Journalisten zeichnen die Welt düsterer, als sie ist“ verinnerlichen sollen! – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Ihr Artikel hinterlässt mich ärgerlich und ratlos. In diesem suggerieren Sie, dass in vielen Bundesländern an vielen Schulen noch Schreibenlernen ohne Korrektur vermittelt wird: „Weder Lehrer noch Eltern sollen die Texte der Kinder korrigieren…So jedenfalls argumentieren Befürworter der reformpädagogischen Methode, die seit Beginn des Jahrhunderts in den Grundschulen vieler Bundesländer eingesetzt wird.“ Dieses als gängige Praxis an vielen Schulen darzustellen, entspricht nicht den Tatsachen. Wie in fast allen Debatten liegt die Lösung weder im einen (nur nach Fibel lernen) noch im anderen Extrem (unkorrigiert Schreiben), sondern in einer klugen Mischung je nach Lernziel, Kind und Lernstand.

Eine differenzierte, den jeweiligen Zielen des Lerninhaltes entsprechende Lern- und Lehrpraxis ist notwendig, damit Schülerinnen und Schüler schreib- und wortmächtig werden und sich sowohl rechtschriftlich richtig als auch differenziert der geschriebenen Sprache bedienen können. Dazu gehört das frühe Bewußtsein, dass es eine „richtige“ Rechtschreibung gibt, und auch die Erfahrung, wie wirkungsmächtig Schrift sein kann, die eigene Gedanken ausdrückt. Ihr Artikel verunsichert Eltern, weil er die Praxis falsch darstellt, das hilft an der Basis wenig, weder den Kindern noch den Eltern noch den Lehrern. Wieder mal wurde eine Chance vertan, die komplexe Anforderung differenziert darzustellen, wie es Kindern erfolgreich gelingen kann, sich schriftlich gut und richtig ausdrücken zu lernen. Stattdessen polarisieren Sie weiter, wie schade! – Tina Köhn


Leserbrief zu „»Die BRD ist doch ein großer Kurort«“ von Peter Sloterdijk

So fühlen sich viele arabische und afrikanische Bürger – könnte man auch sagen. Deutschland und seine Wissenschaftler, die ihren Hintern in den vielen Talk Shows wundreiben. Meinungspapageien und Überzeugungsverräter füllen das Nachmittags- und Abendprogramm der Fernsehanstalten. Franz-Josef Strauß nannte die Journalisten Wegelagerer und Wichtigtuer. Philosoph Peter Sloterdijk ist einer der Wenigen, der seinen Hintern nicht wundreiben möchte. Eine Folge seiner Rundreise zeigt auf wie es um die Politik und den Medien tatsächlich bestellt ist. Nebensächlichkeiten werden aufgepumpt zu Großereignissen. Ein Dampfkochtopf ist das Ereignis des Jahres. Die Nicht-Europäer, wie Sloterdijk schreibt, haben längst erkannt wie der moralisch sensible Europäer instrumentalisiert werden kann. „Man klopft an jede Tür, hinter der man einen Geber vermutet.“ Armseliges Deutschland. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Dann ist ja alles klar Herr Spiewak. Weg mit dem schlechten Gewissen, das uns die Medien täglich machen. Wir sollten immer das Große und Ganze im Auge haben und uns anhand weltweiter Statistiken das Positive suchen. Dumm nur, dass den Menschen, die heute noch unter sklavenähnlichen Verhältnissen z.B. die Infrastruktur in Katar für die Fußballweltmeisterschaft 2022 bauen, oder in Sotschi die diesjährigen Spiele möglich gemacht haben, nicht zu vergessen die fleißigen Arbeiterinnen, die in Asien unsere preiswerte Bekleidung herstellen, der Blick auf das Große und Ganze wenig hilft satt zu werden und ein menschenwürdiges Leben zu führen. Auch beim Thema Bildung hilft uns Herrn Pinkers weltweite statistische Aussage nicht recht weiter, wenn in unserem Land immer mehr Eltern, Industrie-, Handwerksbetriebe und Universitäten zu Recht eine nicht zukunftsfähige Bildung unserer Kinder beklagen, die oft in heruntergekommenen Schulgebäuden durch immer mehr ‚Seiteneinsteiger-Lehrkräfte’ ohne pädagogische Ausbildung beschult werden. Also alles in allem ganz nett was Herr Pinkert mit seinem neuen Buch verbreitet, es wird sich sicherlich auch gut verkaufen lassen. Leider hilft es konkret vor Ort bei keinem anstehenden Problem so richtig weiter. Ich bin davon überzeugt, dass nur durch klare, mutige Entscheidungen unserer gewählten Politiker zu den anstehenden Themen Klima, Bildung, Zukunft der Arbeit, Digitalisierung etc., sich unser schlechtes Gewissen beheben lässt und eine positive Sicht in die Zukunft ermöglicht. Fordern wir sie auf! – H.-J. Standtke


Leserbrief zu „Härte und Haltung“ von Can Dündar

Es ist schon schlimm genug, daß die „Zeit“ einen Hassprediger, wie der Autor Can Dündar, Raum zur Verfügung stellt, um seinen Hass auf Erdogàn weiter zu spinnen. Erdogàn wurde wieder, wie bei seinem ersten Besuch in Köln,wie ein König gefeiert. Der WDR tönte vor seinem Besuch: „Die höchste Sicherheitsstufe sei organisiert, weiträumige Absperrung, tausende Protestaktionen sind zu erwarten etc. etc. Nach dem Besuch sprachen sie dann von Hunderten. Ich war in Köln. Die Wirklichkeit: Keine Hundert, keine Polizeiaktionen. Die haben stattdessen abgebaut und sind abgezogen. Dagegen gab es Hunderte von Türken die ihn bejubelt haben. Das ist ein typischer Fall für die verlogene Bände in den Medien. Warum die Bürger immer mehr die Nase voll von unserer Politik und den Medien haben, ist doch kein Wunder. Scheinheilig wie sie sind, fragen sie ständig, woher kommt die Unzufriedenheit der Bürger. Genanntes Beispiel von vielen anderen sind die Ursache. Wo leben sie denn eigentlich. Was muß denn noch alles passieren ehe sie die Wirklichkeit abbilden. Frau Merkel ist in Wirklichkeit die Inkarnation des Bösen. Sie reden ständig von Demokratie. Wo ist sie denn? Ich sehe keine. Ich sehe nur eine Alleinherrscherin, die unseren Staat stàndig konterkariert. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Leeres Land“ von Gunther Schnabl

Bringen Sie doch bitte mal eine kleine Karikatur, wie in Leipzig viele, so jedenfalls könnte man nach der ZEIT-Lektüre meinen, an ihren Fingern lutschen und/oder an den Nägeln knabbern… 😉 Am Ende der 2. Spalte heißt es irrtümlich: „Viele in der Stadt leben von der Hand im Mund.“ – Hans-Albrecht Kühne


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Den Artikel von Martin Spiewak finde ich großartig und ich fände es schön, wenn seine Anregungen häufiger berücksichtigt würden. – Hans-Peter Kilz


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Ihr Beitrag ist aller ehrenwert. Alles was Sie geschrieben haben findet meine Zustimmung. All das habe ich der „Zeit“ schon mehrere Male durch Leserbriefe wissen lassen, veröffentlicht wurde keiner. Es wird immer auf die vielen Leserbriefe hingewiesen. Ich vermute viel mehr, daß das die Redaktion auch wenig interessiert. Schön daß Sie dafür eingesprungen sind… Ich habe selbst 3 Kinder und war eine zeitlang im Elternbeirat einer Realschule in Düsseldorf. Ich nehme es vorweg: Verheerende Zustände! Diktate wurden verboten. Auf Rechtschreibung legte man keinen Wert. Die ganze Palette der naturwissenschaftlichen Fächer sind vernachlässigt worden. Dauernd viel der Unterricht aus. Die Lehrerinnen sind fast turnusmäßig krank gewesen. Autorität wurde durch Antiautorität ersetzt. Ihr frühere Präsident Dieter Lenzen hatte das im Handelsblatt schon 2002 beklagt. Wirklich gelernt haben unsere Kinder erst nachmittags in den Nachhilfestunden. Was eigentlich die Lehranstalten zu erledigen hätten, wird durch private Personen übernommen. Viele Eltern haben sich verweigert. Denn die meisten Eltern waren aus dem selben Holz geschnitzt. Zu ihrer Zeit herrschten die gleichen Zustände. Ich stand mit meiner Kritik bei den Elternabenden völlig auf verlorenen Posten. Ich hatte keine Lust mehr mir diese lebensfremden Ansichten anzuhören. Die Schüler sind außerdem zu Versuchskarnickel dekretiert worden. Wesentliches wurde ohnehin nicht geändert. Ich brauche Sie nicht aufzuklären, Sie wissen das die Bildung Ländersache ist. In Bayern wird es ganz anders sein. Dort wurde die Autorität nicht aufgehoben. Die Pisastudien haben das auch zum Ausdruck gebracht. Professor Lenzen hat immer gesagt: „Ohne Autorität kann man eine Lehranstalt nicht vernünftig unterrichten.“ Das Argument der Rektorin, das hätte ich bald vergessen, war: Die Schüler sollten selbst herausfinden wie was geschrieben oder gerechnet wird. Das Zauberwort war die „Selbstfindung“. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Führen und Teilen“ von Marc Brost und zum Titelthema „Machtverlust“

Zweifellos eine interessante Anregung, die Marc Brost, Leiter des Hauptstadtbüros der ZEIT, in seinem Beitrag „Führen und Teilen“ der Kanzlerin gibt, nämlich Niederlegen des Parteivorsitzes. Nicht erst seit den Chemnitzer Ereignissen, dem dilettantischen Management der Ablösung von Maaßen und der Wahlniederlage von Fraktionschef Kauder gibt es vielseits geäußerte Zweifel an ihrer Führungskompetenz. Für sie, die jahrelang als „mächtigste Frau der Welt“ apostrophiert wurde, ist es verständlicherweise schwer, zunehmende Leistungsdefizite einzugestehen und freiwillig entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Noch ist es Zeit, diese Schwelle ohne gravierenden Ansehensverlust zu überschreiten. Sie sollte dem Rat von Marc Brost folgen: Rückzug auf Raten, ohne Streit und wohlgeordnet, denn absolut ist dies ohnehin unausweichlich. – Hans Anhoeck


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Ein interessanter Artikel, der eigentlich beispielhaft den Zeitgeist wiedergibt : Hans Rosling beschreibt dieses Phänomen ausführlich in seinem im April erschienen Buch „FACTFULNESS“ bestens. Da geben Wissenschaftler der Universität Bonn die Ergebnisse eines ihrer Forschungsprojekte auf einem Kongress Mitte September in Frankfurt am Main bekannt und schulpolitisch „Betroffene“ reagieren fast hysterisch . Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes fordert sogar sofort ein Verbot einer Leselernmethode, die seit Jahrzehnten in den verschiedensten Mischformen in ALLEN Bundesländern angewendet wurde und wird . Aber, was soll das Getöse ?

  1. Es hat immer schon unterschiedliche Rechtschreibleistungen von Schülern gegeben , egal, nach welcher Methode das Erstlesen und das Erstschreiben unterrichtet wurde und wird.
    2. 45 % der „Reichenschüler“ sind nicht schlechter als „Fibelschüler“ .
    3. Die Studie wurde in NRW durchgeführt, ist dort der Anteil der Migrantenschüler in den Grundschulen nicht höher als z.B. in Bayern ?
    4. Warum machen auch „Fibelschüler“ Fehler ?
    5. Was hat es auf sich, dass so viele Schüler beider Methoden keine Fehler machen ? – DAS wäre doch die wichtigste Erkenntnis !
    6. Woran liegt es, dass sowohl bei der Fibelmethode als auch bei der Reichenmethode so viele Schüler versagen ?

Ich kann mir jetzt eine kleinen Seitenhieb auf die Politik nicht verkneifen . Ihre Zeitung stammt aus Hamburg, ich bin geborener Niederbayer …CSU gestählt . Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes , Herr Meidinger, ist Direktor des Robert-Koch-Gymnasiums Deggendorf / Niederbayern . An dieser Schule unterrichtete , vor seiner Zeit, für kurze Zeit ein Herr Bernd Sibler ein paar Unterrichtsstunden . Er hatte vom Freistaat Bayern keine Stelle im Staatsdienst erhalten, da seine Staatsnoten als Gymnasiallehrer nicht den damaligen Anforderungen genügten. Herr Bernd Sibler ist der derzeitige KULTUSMINISTER in Bayern !!!! – Volkmar Kreuzer


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

1000 Dank für Ihren Artikel. Die Fixierung aufs Negative ist genau das, was mir das regelmäßige Lesen von „Zeit“, „Spiegel“ und „Süddeutsche“ (die Aufzählung kann man fortsetzen) schwer macht. Ich schätze die Arbeit der „Zeit“-Redaktion ungeheuer und würde mich sehr freuen, wenn Ihre Gedanken dauerhaft aufgegriffen würden.

Was ich mir darüber hinaus von der „Zeit“ wünschen würde: Die Klarheit der Darstellung immer weiter steigern. Und den frei werdenden Platz nutzen, um zukunftsweisende Konzepte und frische Ideen vorzustellen. Feststellen, was ist, und schauen, wo es hingehen kann. In BEIDE Richtungen. Wie fest hängt das Damokles-Schwert? Bestimmt nicht nur an einem Rosshaar ;-) – Thomas Mechelke


Leserbrief zu „Das große Desinteresse“ von Nina Kolleck

Zum wiederholten Male lese ich (auf Wahlplakaten oder auch in Spiegel oder Zeit) den Satz: Kinder lernen „Schreiben nach Gehör“. Hier liegt ein grundlegendes Missverständnis vor. Es gibt in der deutschen Bildungslandschaft keine Methode, die Schreiben nach Gehör lehrt. Hier wird ein großer Trugschluss im Artikel von Fr. Kolleck offenbar. Kinder lernen an manchen deutschen Grundschulen „LESEN durch Schreiben“.

Welchen Wert sollen erfahrene Lehrer, oder auch informierte Bildungspolitiker Studien beimessen, die, wie die Bonner Studie, von falschen Fragestellungen ausgehen? Untersucht wurde ein Methode, die es gar nicht gibt. Gemeint war eine in der Unterrichtspraxis sehr bewährte Leselern-Methode, die jedoch vielfach aus Unkenntnis oder Angst vor der Meinung halbgebildeter Laien nur in Teilen und deshalb unzureichend angewendet wird.

Die zitierte Studie ist daher vergleichbar mit der Untersuchung zur Wirkungsweise eines Medikaments nach falscher Einnahme. Negative Ergebnisse diskreditieren zunächst einmal nicht das Medikament, sondern die Anwendung. Ich unterrichte seit über 20 Jahren an einer Grundschule „Lesen durch Schreiben“ nach Dr. Jürgen Reichen und bedaure sehr, dass diese überaus erfolgreiche Methode oft missverstanden, oder gar zur Zielscheibe von reißerischen, meistens uninformierten Polemiken wird. „Lesen durch Schreiben“ ist, wie der Name besagt, ein Leselehrgang. Sobald ein Kind lesen kann (meist nach 3 bis 6 Monaten), steht es jedem Lehrer/jeder Lehrerin frei mit dem Rechtschreibunterricht zu beginnen. Dies hat auch Dr. Reichen nicht „verboten“, wenngleich er meines Wissens selbst keinen Rechtschreib- und Grammatikunterricht mit den Kindern durchführte.

Dass die Kinder bei „Lesen durch Schreiben“ die Lautfolge eines Wortes abhören und aufschreiben ist das Vehikel zum Lesenlernen. Sie prägen sich ihre „falsch“ geschriebenen Wörter nicht ein, da sie noch nicht lesen können. Meist kommen sie zur Lehrerin, um sich vorlesen zu lassen, was sie geschrieben haben. Da steht anfangs TLFN für Telefon – ein Durchgangsstadium. Die Vokale zu hören ist eine besondere Schwierigkeit, weil viele Kinder seitens Eltern und Großeltern das ABC mit den Buchstabennamen gelernt haben („Be“, statt nur der Laut „B“ ohne angehängtes „e“). Um die Vokale zu finden, hilft es den Kindern, früh mit dem Silbenschwingen zu beginnen. Später folgen im optimalen Fall nachhaltige Strategien zur Rechtschreibschulung nach der FRESCH-Methode (Freiburger Rechtschreibschule). Leider wird die Rechtschreibung vielerorts noch immer über das Auswendiglernen von Lernwörtern gelehrt. Lernwörter werden also für das nächste Diktat gelernt und sind nach kurzer Zeit wieder vergessen. Untersucht werden sollten also unbedingt einmal die angewandten Methoden zum Thema „Richtig Schreiben“. In diesem Zusammenhang wären zudem aussagekräftige Untersuchungen zum Einfluss von Rechtschreibprogrammen, wie sie in der digitalen Texteingabe fast ausschließlich zur Anwendung kommen, auf die Rechtschreibkompetenz der oft jugendlichen Anwender wünschenswert. Fr. Kolleck schreibt, ihr Beispielschüler lese gerne. Das ist der Effekt von „Lesen durch Schreiben“! Diese Methode produziert Blitzleser, die gerne und viel lesen und nebenbei – da sie in Aufsätzen weiterhin munter „drauflosschreiben“ – auch enorm sprachmächtige und ideenreiche kleine SchriftstellerInnen, die kein Wort fürchten, weil sie es vielleicht nicht richtig aufschreiben können. Viele meiner SchülerInnen gewannen bereits Schreibwettbewerbe mit ihren einfallsreichen, wortgewandten Geschichten.

Hilfreich wäre doch, zu untersuchen, welcher Art die Schreibaufgaben waren, bei denen die beschriebenen SchülerInnen die Lust am Schreiben verloren. Und zudem wäre es sinnvoll, herauszufinden, welche Aufgaben sie zum Schreiben motivieren? Dr. Jürgen Reichen, das erinnert gewiss jeder, der ihn persönlich kennenlernen und mit ihm arbeiten durfte, war einer jener großen Denker und Visionäre, an welchen es generell und insbesondere seit PISA in unserer Bildungslandschaft mangelt. Aus vielen Gesprächen mit LehrerInnen die sich in der LdS-Methode versucht haben, hat sich mir ein anderes Bild gezeigt, warum LehrerInnen mit „Lesen durch Schreiben“ scheitern:

Die wenigsten LehrerInnen wurden selbst länger in der Methode von Dr. Reichen selbst oder seinem Fachpersonal geschult. Selbst auf Fortbildungen, die sich LdS aufs Programm geschrieben haben, wussten die Dozenten/innen kaum, wie die Methode tatsächlich anzuwenden ist, bzw. hatten selbst keinerlei Praxiserfahrung damit. Den größten Schrecken verbreitete die Anweisung mit den Kindern nicht lesen zu üben. Im Gegenteil: Auf manchen Fortbildungen wurde sogar empfohlen, lesen zu üben und die Methode mit den althergebrachten zu mischen. Doch genau dann scheitert „Lesen durch Schreiben“. Nach Reichen (und von der Gehirnforschung bestätigt) ist das Lesenlernen ein unbewusster Prozess – ähnlich dem Spracherwerb eines Kleinkindes (ausführlich nachzulesen im Buch „Hannah hat Kino im Kopf“ von Dr. Jürgen Reichen). Unterbreche und störe ich diesen Prozess durch Leseübungen und Rechtschreibdrill, kann meist nur noch durch mühsames Üben das Lesen gelernt werden. Hierbei „produziere“ ich jedoch meist Kinder, die nicht besonders flüssig und gerne lesen – und noch weniger gerne schreiben. Dr. Reichen hat selbst erwachsene Analphabeten, welche in mehreren gängigen Kursen scheiterten, in kurzer Zeit zu LeserInnen gemacht. Solch ein Lebenswerk sollte nicht immer wieder und wieder diffamiert werden.

Im Übrigen beinhaltet Frau Kollecks Artikel weitere Argumentationslinien, die vielleicht erklären können, weshalb die Botschaften aus dem akademischen Elfenbeinturm in der Praxis oft verhallen:

Das erwähnte „prominente“ Beispiel der Verkürzung der gymnasialen Oberstufe war ein absehbares Desaster, weil deren Einführung sich weniger an pädagogischen Erkenntnissen oder gar am Wohl der Kinder und Jugendlichen orientierte, sondern eher an Forderungen der Wirtschaft und Politik nach jüngeren Berufseinsteigern. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sollten denn hier umgesetzt worden sein? Oder wurden etwa die Warnungen aus der Wissenschaft nicht gehört? Frau Kollecks Artikel legt nahe, dass das Scheitern dem pädagogischen Personal anzulasten ist, dem sich angeblich Sinn und Logik von Reformen nicht erschließen. Vielleicht ist es aber auch so, und damit ein Teil des beklagten Missverständnisses zwischen Praxis und Wissenschaft, dass die Menschen, die pädagogische Steinbrucharbeit leisten und sich als Anwälte der Kinder und Jugendlichen verstehen einfach nicht genug Gehör finden. – Judith Z.


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Diese Regierung – ein Desaster
Schon ihr Zustandekommen verstieß gegen alle Regeln eines vernünftigen demokratischen Prozesses. Man brauchte fast ein halbes Jahr, um ein Konstrukt zu bilden, das nur internem Kalkül folgte; die einen – zuvörderst die Kanzlerin – wollen die zerbröckelnde Macht in jeder Konstellation erhalten, die sogenannte Schwester wartet ab, da erstere auf sie angewiesen ist, und der Dritte lässt sich gegen seinen eigentlichen Willen und unter Auslassung der eigenen Erfahrung reinloben. Seitdem streitet man sich. Vor allem die Bayern betreiben vordergründig eigennützige Politik bis hin zur Balsamierung des persönlichen Egos ihres Vorsitzenden. Die Kanzlerin macht alles, um zu halten, was nicht haltenswert ist, und versagt in ihrer Richtungskompetenz völlig. Der reingelobte Partner thematisiert ein paar technische Verbesserungen ohne jedoch ein eigenes Profil zu entwickeln. Einig sind sich alle nur in ihrer Angst vor der neuen rechten Kraft, indem sie alles von dort Kommende ablehnen, vergessen jedoch, dass gegen rechts nur mit progressiven Ideen und Maßnahmen, also Visionen (trotz Schmidt) ein Gegengewicht aufzubauen wäre. Und der erbärmliche bayrische Weg einer Rechtsüberholung ist kontraproduktiv.

Um unsere Demokratie zu erhalten und zu stärken, müssen die neuen Bedingungen mit mehr Parteien und dem Zusammenbruch der Volksparteien zu neuen Kräftebildungen führen, die sich nicht an Schuldzuweisungen, sondern an Zielen orientieren. Da mag vieles möglich sein, von der Minderheitsregierung bis zu außergewöhnlichen Koalitionen. Das braucht Mut, aber alle im Bundestag vertretenen Parteien sind demokratisch legitimiert, repräsentieren den Willen des Volkes, und nur diesen gilt es umzusetzen. Und in diesem Zusammenhang sind alte Zöpfe wie Union, die längst aus jeder Form geraten sind, endlich abzuschneiden. Wir brauchen eine neue mutige visionäre Politik, die Welt hat sich gewandelt, wandeln wir uns auch! – Wolfgang Clausmeyer


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Ein hochinteressanter Artikel! Man kann eine Demokratie also auch dadurch ruinieren, dass man (fast) nur über die Schattenseiten berichtet. Da freue ich mich schon auf die vielen aufbauenden Artikel, die in Zukunft in der ZEIT erscheinen werden. Die menschengemachte Klimakatastrophe sollte aber trotzdem nicht verniedlicht werden! Und wie bringt man z. B. BILD oder Fakebook dazu, die ganze Wahrheit und nicht vor allem Gruseliges zu schreiben / zu verbreiten? – Ulrich Willmes


Leserbrief zu „Mann, ey! Frau, ey!“ von Charlotte Parnack und Francesco Giammarco

Der Artikel ist hervorragend gelungen, wie ich finde. Man muss das gar nicht oberschlau kommentieren oder einzelne Aussagen daraus destillieren wollen – im Verlauf des Textes werden ganz wunderbar jede Menge Aspekte der Problematik, die im täglichen Leben zutage kommen, aufgezeigt. – Ekkehard Meister


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Herzlichen Dank für den interessanten Artikel. Ich würde mich freuen, häufiger vergleichbare Artikel bei Ihnen zu lesen. DIE ZEIT wäre aus meiner Sicht die am besten geeignete deutsche Zeitung, um ein Netzwerk deutscher Zeitungen zu gründen, die sich öffentlich zum lösungsorientierten Journalismus bekennen (und ihn auch online praktizieren). Ihr Einsatz in dieser Sache kann «in Zeiten wie diesen» m. E. nicht groß genug sein. Für Ihren verlässlichen, qualitativ hochwertigen Beitrag zu gesellschaftlichen Debatten möchte ich Ihnen (als treue Leserin seit Jahrzehnten) sehr herzlich danken. – Cilia Tovar


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Wieder ein hervorragender Artikel von Ihnen! Sie könnten sogar noch bissiger gegenüber Ihrer eigenen Branche sein, denn nicht selten setzen die Medien im Verbund mit der Politik eine Spirale in Gang, die weit über das Ziel hinausschießt und den Weg zu pragamtischen Lösungen verstellt. Ich denke da an den auch von Ihnen angesprochenen Dieselwahnsinn (in der ZEIT ja durch mehrere Artikel belegt, dass vieles sogar falsch dargestellt wird; trotzdem rast der Zug ungebremst weiter), die Causa Maaßen/Chemnitz und die jenseits des Rechts ablaufende #MeToo – Debatte.

Was mir ergänzend als Pessimismusgrund erscheint: viele Menschen wären in der Lage, pragmatische Lösungswege für Probleme in ihrem direkten Umfeld aufzuzeigen, sehen sich aber in der Situation, vollständig ignoriert zu werden (das ist der günstige Fall; heute artet das nicht selten in Beschimpfung aus) und zum Teil kontraproduktive Befehle von Leuten zu bekommen, die selbst keinerlei direkten Kontakt zur gelebten Realität haben. Der größere Zusammenhang erweist sich dabei ebenfalls oft nur als Ausrede. Es besser machen zu können oder zu wollen, es aber nicht zu dürfen, schürt schon einen gewissen Pessimismus. Vielleicht geht es Ihnen ja manchmal ähnlich. Wenn, wie Sie schreiben, die Medien offener und breiter über Fakten und Wege berichten wollen statt schnell in die aufmerksamkeitswirksamere Hysteriespirale zu verfallen, ist das schon ein guter Weg. Warten wir’s ab! – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Herr di Lorenzo hat völlig Recht z.B. mit den Forderungen und Gedanken : „… Glaubwürdigkeit der Kirche nur … maximale Tranzparenz …“ sowie „… Mindestens 3677 Kindern und Jugendlichen gehörte in der kath. Kirche die Hölle… seit 1946…“. (Also etwa 51 Kinder/Jugendliche pro Jahr). —– Es bleiben mir jedoch Fragen offen : Warum der wird der Atikel „Glauben und Leiden“ auf Seite 1 abgedruckt ? Gibt es derzeit nichts Wichtigeres ? Ist die Überschrift sachlich ? — Ein echter gläubiger Katholik leidet nicht, denn Religion ist unantastbar. Die Kirche dagegen besteht nur aus Menschen. Aus anständigen Menschen und Verbrechern im heiligen Mäntelchen. Jeder weiß das. Wie in fast allen Lebensbereichen. Herr di Lorenzo kritisiert nur. Keine Lösungsvorschläge. Meine Gedanken : Das Zölibat ist unnatürlich. Priester sollten sich entscheiden können zwischen Zölibat und Nicht-Zölibat. Wer sich für das Zölibat entscheidet, der müsste z.B. alle 3 Jahre zum Nicht-Zölibat wechseln können. — „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“ (Charles Darwin). – Volker Freiesleben


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Die verheerenden Auswirkungen unbeschränkter Kommunikation hat schon Douglas Adams mit seinem „Babelfisch“ beschrieben, der „mehr und blutigere Kriege“ verursachte „als sonst jemand in der ganzen Geschichte der Schöpfung“. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zum Titelthema „Machtverlust“

Eine wirksame Maßnahme gegen den drohenden Machtverlust und das „nicht-loslassen-können“ wäre der geregelte Machtentzug durch eine Begrenzung der Amtszeit auf zwei Legislaturperioden. Demokratie lebt vom Wechsel. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

Ich stimme mit dem Autor überein: der Kirche mangelt es in Fragen der Sexualität – der zentralen Vorbedingung familiären Lebens – an Allem. Um eine Haltung für die Zukunft entwickeln zu können, ist zunächst Wahrhaftigkeit als Vorbedingung der Glaubwürdigkeit erforderlich. Ich bin heute 63 J alt und habe bis zum Abitur an einer Klosterschule sehr ernsthaft erwogen, katholischer Prieserte zu werden. Als Arzt habe ich lange an christlichen Krankenhäuser gearbeitet. Als Vater zweier erwachsener Söhne erwarte ich: daß die Enkel in einer katholischen Pfarrei vertrauten Umgang mit ihrem Pfarrer haben können, ohne daß ich Mißbrauch befürchten muss. Daß ein Priester, der vor einer Trauung mit dem Paar ein sehr privates Gespräch führt, nicht als Neutrum auftritt. Und daß ich das private Leben des Pfarrers, der mir eine Beichte abnehmen will, so gut kenne wie das des Nachbarn.

Wahrhaftigkeit von Seiten der Kirche erschöpft sich als0 nicht in der Aufarbeitung von Mißbrauch – die Mängel dieser Aufarbeitung sind beschrieben -, sondern ich möchte wissen: ist der Pfarrer heterosexuell oder homosexuell, lebt er oder lebte er in Partnerschaft mit einer anderen Person zusammen, hat er Kinder ? Ich möchte also soviel von ihm wissen, wie ich von jedem anderen wissen will, der mit mir über Fragen der familiären Lebensgestaltung spricht. Und damit sind wir bei einem anderen Kindermißbrauch und Mißbrauch von Frauen durch die katholische Kirche: der Verleugnung von Kindern und Müttern: welche Priester haben Kinder und wie kümmern sie sich persönlich um Ihre Kinder und Frauen ? Wie leben sie ihr familiäres Leben ? Praktizieren sie persönlich eine christliches Menschenbild in dieser besonderern Verantwortung ? Wahrhaftigkeit heißt also: die Priester sind aufgefordert, sich zu ihrer sexuellen Identität und Lebensweise zu bekennen. Die Institution Kirche muß aufhören, Zwang auf ihre Priester auszuüben.

Sonst werden wir unsere Enkel nicht mehr katholischen Priestern anvertrauen dürfen. Die Aufklärung der Mißbrauchsfälle reicht nicht. Ein abschließende Wort zur Pädophilie: eine schreckliche genetische Mißbildung. Man sollte ihnen helfen. Im vertrauten Umkreis mit Kindern und Jugendlichen haben Pädophile nichts zu suchen. – Dr. Clemens Drobig


Leserbrief zu „Das Prinzip der Prinzen“ von Ulrike Gastmann

Wie äusserte sich Sebastian Krumbiegel in einem Interview mit der Thüringer Allgemeinen „ ich habe ein paar politische Lieder geschrieben“ , aufgetreten ist er mit einem solchen zuletzt in Goslar anläßlich der Ehrung des neuen dortigen Ehrenbürgers Sigmar Gabriel ! Chapeau für das Eintreten der beiden gegen Rechtsradikalismus, manche Anmerkung gäbe es zum umtriebigen S. Gabriel zu machen, aber was mich doch etwas erstaunt hat ist die Sichtweise der Autorin, daß das politische Lied mehr oder minder aus dem Bewusstsein der Menschen in Deutschland verschwunden sei – Ausnahmen gäbe es vereinzelt wie etwa Tocotronic, Blumfeld oder/und Wir sind Helden – !

Nun sind die Prinzen in der Nachwendezeit nun nicht gerade als Musiker mit gesellschaftskritischen Texten bekannt, das musikalische Schaffen von Sebastian Krumbiegel beschränkt sich auch in musikalischer Hinsicht – s.o. – auch auf einige Lieder !

Die Nobelpreisverleihung in der Sparte Literatur an den knarzenden Bob Dylan als Zeichen für in wunderbare Zeilen gekleidetes Pazifistentum zu sehen, Ansichtssache, mir fehlen vielleicht auch altersbedingt die politischen Liedermacher – einige leben leider nicht mehr , andere wie etwa Hannes Wader haben sich von der Bühne zurückgezogen – aber er , Konstantin Wecker, mit Einschränkungen Reinhard Mey, der zu Unrecht auf „Über den Wolken“ reudziert wird, haben ein breites Spektrum an politisch oder auch gesellschaftskritisch einzuordnenden Liedern ! Lieder wie „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader, und das ( leider ) wieder brandaktuelle „Sage Nein“ von Konstantin Wecker, das Vermächtnis eines Franz Josef Degenhardt mit vielen engagierten Liedern -auch immer wieder gegen alte und neue Nazis, das steht/stand um es mit den Worten von Frau Gastmann zu sagen für eine Haltung und/oder Prinzipien !

Gewundert hat mich allerdings, daß ostdeutsche Künstler wie etwa Bettina Wegener, Wolf Biermann oder jetzt wieder in den Fokus gerückt Gerhard Gundermann von der Leipzigerin nicht erwähnt werden; gut Sebastian Krumbiegel lebt wie sie in Leipzig aber etwas weiter in Sachen politisches Lieder in deutscher Sprache zu schauen wäre m. E. schon angebracht gewesen und die Frage sei erlaubt wieviele Menschen kennen die Übersetzung der Songs von Bob Dylan, so sie pazifistisch sein sollten ? – Norbert Sandermann


Leserbrief zu „Wo die Gefahr lauert“ von Sonja Hartwig

Im Artikel sprechen Sie gegen Ende des Textes von einer Untersuchung im Auftrag des Familienministeriums. Danach hätten 5% der erwachsenen Internetnutzer sexuelle Online-Kontakte zu Minderjährigen, und davon 12% wiederum träfen sich offline mit den Minderjährigen. Ich war, gelinde gesagt, sprachlos, und zwar zum einen über die ja offenbar siebenstellige Zahl dieser Menschen. Zum anderen aber über die „staubtrockene“ Erwähnung einer solchen Untersuchung, die eine Menge Fragen aufwirft:

-wieviele erwachsene Nutzer gibt es denn eigentlich, und wie kommt diese Zahl zustande?
– was sind genau sexuelle Online-Kontakte und über welche websites oder website-Gruppen kommen sie zustande?
– Wie bitteschön sind die Forscher an diese Zahlen gekommen, sind das Hochrechnungen oder welche Basis gibt es dafür? Könnten Sie mir dazu etwas sagen?

Ich glaube, dass ich bei diesem Thema sensibel bin und es für verdammt wichtig halte, es immer wieder aufzuarbeiten, aber eine solche quasi beiläufige Erwähnung einer hochbrisanten Angelegenheit halte ich für schlecht und wenig hilfreich. – Elmar Schmitz


Leserbrief zu „Glauben und Leiden“ von Giovanni di Lorenzo

In seinem Artikel nimmt der Autor di Lorenzo Stellung zum Missbrauchskandal in der katholischen Kirche. Im zweiten Abschnitt führt er aus: „und zweitens beruft sich ein Turnverein nicht auf Jesus, von dem der Evangelist Lukas Folgendes überlieferte“. Es wird dann die biblische Szene geschildert, in der Jesus (in der Öffentlichkeit) zum Unmut der Jünger ein Kind mit einer körperlichen Berührung segnet, weil Kinder eben in ihrer Unversehrtheit, Abwesenheit von Ansehen, Sicherheit, Macht und Reichtum Botschaften des Evangeliums besonders verkörpern.

Den Kern der Botschaft des Evangeliums in diesem Text mit der Rechtfertigung von Verbrechen in Verbindung zu bringen halte ich für grob fahrlässig, unverantwortlich, reisserisch und abscheulich. Diese Meinung wird auch von mehreren Pfarrern in unserer evangelischen Gemeinde geteilt. – Dr. Hansotto Schwacke


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Das war ein kluger, positiver Beitrag. Helfen Sie doch mit, der menschlichen und der deutschen Psyche zumal entgegenzuwirken. Stets zieren die „front page“ zwei Themen. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und wählen zu jeder Negativschlagzeile mit entsprechendem Text eine Positive hinzu. Könnte ja evtl. Nachahmer finden. – Wolfgang Sixtus


Leserbrief zu „Rechtsstaat unter Druck“ von Andreas Vosskuhle

In seinem Essay beklagt der Präsident des Verassungsgerichts am Beispiel Ungarns und Polens den wachsenden Einfluss des Populismus und der Politik auf die Justiz. Zunächst meint dieser im positiven Sinne die „Meinung des Volkes“, ist aber im Zusammenhang mit dem Rechtsruck in Europa zu einem Negativum geworden. Damit hat er sicher recht, die Rechtsprechung muss als eine staatstragenden Säule unbedingt unabhängig bleiben, Eingriffe der Politik und Medien dürfen die Rechtssprechung nicht dominieren. Er schreibt: „Gerichtliche Entscheidungen müssen auch dann befolgt werden, wenn man sie für unzweckmäßig oder falsch hält“. Hier muss ich dem obersten Verfassungsrichter energisch widersprechen – Richter sind auch nur Menschen, nicht immer fehlerfrei. Sie leben nicht einem einem Elfenbeinturm der Justiz, sind der Öffentlichkeit durchaus verantwortlich, dürfen kritisiert werden und Urteile können revidiert werden. In den zehn Jahren Mitwirkung als Schöffe in der Jugendstrafkammer des Landgerichts Itzehoe wurden Fälle des Missbrauchs von Kindern und erzwungenen Prostitution von weiblichen Jugendlichen behandelt.

Ich habe bei der Urteilsfindung mit meiner Stimme immer darauf geachtet, dass neben dem Wohl der Opfer und oft sogar die Zukunftsper- pektive der Täter brücksichtigt wurden. Und ich habe in der Zeit gelernt, dass dem Gericht nicht nur Gesetze, sondern auch ein erheblicher Ermessungs -Spielraum zur Verfügung steht. Auch ist die Position des Schöffen ja geradezu auf den gesunden Menschenver- stand ausgelegt – Populismus im positiven Sinne. Wenn das hessische Oberverwaltungsgericht in Wiesbaden wegen der Stickoxyd-Belastung durch Dieselfahrzeuge die Sperrung der gesamten Frankfurter Innenstadt zum 1. Februar fordert und damit den öffentlichen und privaten Verkehr lahmlegt und damit genau ermessen kann, dass eine Besserung zu diesem Termin unmöglich ist, hat es diesen Falle – es gibt viele andere Fälle wie die Ausweisung des Sami A nach Tunesien – den Ermessungs-Spielraum wider besseren Wissens nicht genutzt. Meiner Meinung untersteht die Rechtsprechung auch hier der Verhältnismäßigkeit. Die Justiz sollte sehr wohl der Anklage (den Umweltschutz-Organisationen) als auch den betroffenen Opfern (den Autofahrern und Verkehrsbetrieben) dienen. Jawohl dienen, denn nach meinen Demo- kratieverständnis geht alle Gewalt vom Volke aus, die Politik muss sich zur Wahl stellen, die Justiz nicht. Herr Vosskuhle sollte an sich einmal prüfen, ob er selbst mit seinem Beitrag in einem Elfenbeinturm sitzt. – Uwe Martensen


Leserbrief zu „Mauern bis zum Fahrverbot“ von Claas Tatje

In der Bundesregierung hat sich eine neue Regierungsform des „Stoßlüftens“ etabliert. Um noch Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, werden die größten Streitthemen im Schnellverfahren stoßweise aus dem Weg geräumt. So auch beim „Diesel-Kompromiss“. Es ist ein fauler und zudem unverständlicher Kompromiss zu Lasten der Gesundheit, der Besitzer von Diesel-Fahrzeugen und der Steuerzahler. Die Opfer werden zur Kasse gebeten, während man die Täter aus der Autoindustrie weitgehend ungeschoren davon kommen lässt. Manager wie Martin Winterkorn und Rupert Stadler wird die weitere Entwicklung des durch sie verursachten Diesel-Skandals ohnehin kaum interessieren, zumal sie finanziell, wenn auch möglicherweise einige Jahre auf Staatskosten, ausgesorgt haben. Die neuen Angebote, Kaufprämien für den Umtausch in sauberere Autos und Motornachrüstungen, sollen auf einzelne besonders betroffene Städte mit hohen Grenzwertüberschreitungen bei der Luftbelastung mit Stickstoffdioxid beschränkt werden. Die Sorgen der Millionen von Pendlern in Deutschland finden bei diesem „Kompromiss“ kaum Beachtung. Denn ein Einpendler, der in einer der betroffenen Städte arbeitet, selbst jedoch in einer nicht belasteten Region lebt, muss für die erforderliche Nachrüstung finanziell selbst aufkommen.

Dieses vorgestellte Maßnahmenpaket ist ein weiteres Mahnmal für Politikversagen pur. Statt klar die verursachende Automobilhersteller in die Verantwortung zu nehmen, werden diese noch belohnt. Umtauschprämien und Rabatte für Käufer neuer Fahrzeuge sind eine reine Beihilfe für die Autoindustrie. Der Dieselkäufer bezahlt deren Betrug letztendlich doppelt. Der Autofahrer ist in diesem Land halt immer der Dumme. Kanzlerin Merkel hat vor kurzem die finanzielle Schonung der deutschen Autoindustrie mit dem Argument verteidigt, dass diese die finanziellen Mittel für die Entwicklung von neuen Antriebstechniken benötigen würden. Abgesehen davon, dass die Automobilfirmen ihre geistig-technischen Ressourcen in den vergangenen Jahren lieber in die Entwicklung von Schummeltechniken investiert haben: Glaubt die Kanzlerin ernsthaft daran, dass die Autos von morgen in Deutschland gebaut werden? Ich befürchte eher, dass unsere Automobilindustrie angesichts von vor Finanzkraft strotzenden Mega-Konkurrenten wie Google ihre Zukunft bereits verschlafen hat. Stoßlüften reicht bei dieser Bundesregierung nicht mehr aus. Der Schimmel, der sich innerhalb der vergangenen 13 Jahre gebildet hat, bedroht mittlerweile die Bausubstanz. Eine Generalsanierung erscheint unumgänglich. – Alfred Kastner


Leserbrief zu „Über Witze, Kritik und Empörung“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Wenn ich die ZEIT nicht abonniert hätte – ich würde die Zeitung allein wegen Ihrer Kommentare kaufen! Ihr Beitrag im ZEIT MAGAZIN zur Political Correctness im Umgang mit dem Islam bzw. der erhaltenen Kritik an Humor, Satire und Witz über den Islam ist leider so bitter notwendig wie die Offenlegung indirekter Bestätigung rechter Demonstranten in Sachsen durch ein Mitglied der Bundesregierung. Ich schreibe lieber halb verschlüsselt, um wen es sich handelt, gehe aber davon aus, dass Sie wissen, wen bzw. was ich meine. Mittlerweile befürchte ich, auch auf Grund von indirekten Drohungen in sozialen Netzwerken, dass wir uns in Deutschland einer Meinungskontrolle nähern, die dem Grundgesetzt Hohn spricht. Bitte gründen Sie eine Partei, die die Grundgedanken, auf denen unsere westeuropäische Gesellschaftsordnung seit 239 Jahren beruht, gerecht wird (Sie wissen natürlich, was ich meine, nenne es aber trotzdem, weil vielleicht bald auch nicht mehr erlaubt: „Liberté, Egalité, Fraternité“). Ich befürchte ernsthaft, dass diese, in historischen Dimensionen betrachtet, kurze Epoche sich ihrem Ende nähert. Und ich finde niemanden, der es öffentlich ähnlich sieht. Geschweige denn jemanden, der etwas dagegen tut. – Michael Berger


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Ich bin ehrlich überrascht, daß ausgerechnet der Hauptartikel des Wirtschaftsteils derart schlecht recherchiert und geschrieben ist. Das klingt jetzt hart – lassen Sie es mich daher an ein paar Anmerkungen festmachen.

  • Sie beklagen, daß Lebensmittel weggeworfen werden.
    Tatsächlich haben Sie als Quelle für die Aussage nur vage Schätzung. Am Ende des Artikels thematisieren Sie sogar das Fehlen von echten Zahlen. Zu Beginn nennen Sie ohne Quelle die Zahl „55 kg Lebensmittel“, die pro Einwohner jährlich weggeworfen werden. Sie gehen aber in keiner Weise darauf ein, wie diese Zahl ermittelt wurde (sind da die totgeborenen Kälber dabei? Ist dort der schorflige Apfel dabei, der gar nicht geerntet wurde? Sind da die im Supermarkt matschig gewordenen Tomaten dabei?) So eine Zahl für sich sagt doch gar nichts. Nehmen Sie einmal ein Kilo-Paket Zucker in die Hand! Werfen Sie persönlich wirklich Nahrungsmittel dieses Gewichts jede Woche in den Mülleimer? Ist es nicht plausibel, daß nicht ausschließlich die Einwohner Deutschlands diese Menge wegwerfen (wenn sie stimmt), sondern daß dabei auch die Ernte, Weiterverarbeitung und Handel beteiligt sind? Ganz ehrlich: Wenn ich mit solcher Verve eine Philippika schreibe, dann sollte ich schon sehr viel klarer herausstellen, ob das Problem in dieser Dimension überhaupt existiert!
  • Sie beklagen, daß Verbraucher zu viel einkaufen. Als Beweis führen Sie an, daß jeder Haushalt im Monat 225 € ausgibt. Sind 225 €/Monat nun zu viel oder gerade angemessen oder nicht eigentlich viel zu wenig? (Andere Artikel der ZEIT beklagen, daß Deutsche einen zu kleinen Teil ihres Haushaltseinkommens für Nahrungsmittel ausgeben.)
  • Von der weggeworfenen Menge seien 44 % Obst und Gemüse. Das mag so sein. Aber warum zitieren Sie das nach dem Satz „Gegessen wird längst nicht alles.“? Müßte da nicht eine Zahl kommen, wie „2 % der gekauften Lebensmittel werden nicht gegessen.“?
  • Die heute größeren Einkaufswägen seien schuld an zu viel gekauften Nahrungsmitteln. Wird denn heute tatsächlich eine größere Menge Nahrungsmittel (abzüglich Verpackung) gekauft, als 1960? Dazu nennen Sie keine Quelle. Daß Personen, die nur einmal die Woche zum Großeinkauf in ein Einkaufszentrum fahren, dort größere Einkaufswägen brauchen als früher, als man täglich zum Laden um die Ecke ging, ist einfach nur eine Binsenweisheit, die in keiner Weise beweisen kann, daß heute mehr eingekauft wird.
  • Nach dem Konsumenten-Bashing widmen Sie sich der Landwirtschaft, der Weiterverarbeitung und dem Handel, die laut WWF 60 % der Lebensmittel wegwerfen. Kurz vorher zitieren Sie eine Stuttgarter Studie wonach die Haushalte 61 % der Lebensmittel wegwerfen. Sollten Sie nicht diesen offensichtlichen Widerspruch thematisieren? Haben Sie eigentlich diese beiden Studien selbst gelesen? Sind beide gleich valide?
  • Sie beklagen, daß Kartoffeln kleiner als 3,5 cm am Acker bleiben. Ich pflanze selbst Kartoffeln in meinem Schrebergarten und ich ernte diese kleinen Kartoffeln auch nicht. Vielleicht können Sie mir einen Tipp geben: Aber was soll ich damit anfangen? Man kann sie kaum schälen, ohne sich zu verletzen. Am Ende sind sie so winzig, daß ihre Kochzeit viel kürzer wäre, als die der anderen Kartoffelstücke. Man bräuchte einen extra Topf für sie. Wenn also solche Kartoffeln zur Menge der Nahrungsmittel zählen, die weggeworfen werden, dann verringert das die Dramatik Ihres Problems aber enorm!
  • Sie haben einen Bauern interviewt, der es nicht verstanden hat, nicht-normgerechte Kartoffeln zu vermarkten. Sie schreiben, daß dieser Bauer diese Kartoffeln als „Ausschuß“ bezeichnet, das bedeutet landläufig: unterpflügen. Das ist allerdings untypisch. Üblicherweise vermarkten Bauern solche Kartoffeln durchaus – wenn auch zu günstigeren Preisen. Einige Absätze später schreiben Sie eigenartigerweise, daß dieser Bauer diese Kartoffeln dann doch nicht als Ausschuß betrachtet, sondern durchaus als Industriekartoffeln zu einem Drittel des Preises vermarktet. Hätten Sie in Ihrem Artikel diesen Widerspruch nicht beim Korrekturlesen bemerken können? Daß ein Hersteller jede Qualitätsabstufung seiner Produkte zum Maximalpreis absetzen möchte bleibt ihm unbenommen. Aber wenn Infineon Speicherchips mit Belichtungsfehlern und dadurch geringerem Speichervolumen in USB-Speichersticks vermarktet, dann würde das doch auch niemand als Verschwendung anprangern, oder?
  • Sie schreiben, daß ein Teil der Kartoffeln zu Püree verarbeitet wird und daher nicht auf dem Teller landet. Bemerken Sie den Widerspruch?
  • Wenn in den behaupteten Mengen „weggeworfener Lebensmittel“ allen Ernstes auch die Agrarprodukte enthalten sind, die zu Stärke, Kartoffelbrei etc. verarbeitet werden, dann zweifle ich aber sehr stark, daß es überhaupt ein nennenswertes Wegwerfproblem in Deutschland gibt.
  • Sie beklagen, daß Nahrungsmittel vorverarbeitet in den Laden kommen. In den Fabriken würde ja eine große Menge Energie verbraucht. Wenn eine Fabrik 100.000 kg vorfrittierte Aufback-Pommes-Frittes herstellt: Haben Sie einmal gegenübergestellt, welche Energiemenge 300.000 kleine Haushaltsfritteusen verbrauchen, wenn jeder selbst frittiert? Sie verraten nicht, welche Energiemenge einer Kartoffelfabrik Sie so beeindruckt hat – aber die bloße KWh-Zahl einer Fabrik besagt doch gar nichts! Sie müssen das doch in den Kontext der Alternative stellen.
  • Sie beklagen, daß im Handel durch den Transport CO2 entsteht. Das ist sicher so. Aber was hat das mit Ihrem Artikel zu tun? Ökobilanzen und CO2 haben doch mit der Menge weggeworfener Lebensmitteln wenig zu tun. Oder wollten Sie eigentlich argumentieren, daß man weniger produzieren und transportieren müßte, wenn man weniger wegwirft und somit für die tatsächlich verspeisten Lebensmittel weniger CO2 aufgewendet würde? Dann hätten Sie diesen Gedanken noch im Text unterbringen sollen. Er kommt nicht wirklich heraus. Abgesehen davon hätten Sie dann wirklich eine Studie dazu zitieren müssen. Denn bei Ökobilanzen schaut die Welt im Detail oft nicht so klar aus. (Ich erinnere nur an den ZEIT-Artikel vor ein paar Jahren, als der Geschäftsführer vom Basic-Bio-Markt vorgerechnet hat, daß es für die Umwelt besser sei, wenn eine Kartoffel durch halb Deutschland zum Zentrallager gefahren wird, um dann wieder zurück zum Laden neben dem Acker gefahren zu werden. Oder denken Sie an die Bruderhuhnkampagne, wo Biobauern mittlerweile beklagen, daß man der Umwelt keinen Gefallen tut, wenn man den Hahn einer Legehennenrasse aufzieht.)
  • Sie behaupten, daß Nudeln unbegrenzt haltbar seien. Das mag sein, wenn man nur die medizinische Unbedenklichkeit betrachtet. Machen Sie bitte den Selbstversuch und essen 3 Jahre alte Eiernudeln! Die schmecken wie Pappe. In Kriegszeiten würde ich es essen. Aber wenn mir nicht der Hungertod vor Augen steht, werde ich niemanden ein schlechtes Gewissen einreden, wenn er solche Nudeln als verdorben bezeichnet.
  • Mir fehlt auch völlig der Aspekt des notwendigen Verlustes von Nahrungsmitteln: Wenn ich Hackfleisch herstelle, dann muß ich die Verwolfer immer wieder reinigen – dabei fallen beachtliche Mengen zu vernichtenden Fleisches an. Aus Backmaschinen wird viel Mehl und Teig in der Reinigung gekratzt und gespritzt. Auf dem Transport und während der Lagerung im Laden verdirbt fast zwangsläufig ein (kleiner) Teil der Produkte. Grüne Stellen an Kartoffeln sollten dringend herausgeschnitten und weggeworfen werden. Für Wurzeln und Haut von Sellerie gibt es keine Verwendung – das kann man nur wegwerfen. Zusammengenommen sind das sicher große Mengen „Nahrungsmittel“. Aber dieser Verlust ist hinzunehmen und kaum vermeidbar. Denn natürlich wollen wir, daß unsere Nahrungsfabriken gereinigt werden. Wenn die vom Händler zu viel georderte Grillwurst im Kühlregal liegen bleibt, weil bei 2 Wochen Dauerregen keiner grillen will, dann soll die Wurst in den Müll. Sie stellen Nahrungsmittelverlust als per se schändlich und zu vermeiden hin – das ist er nicht immer. Da wäre ein wenig abwägende Gelassenheit und eine Analyse mit kühlem Kopf durchaus angebrachter.

Lesen Sie doch unbedingt den Artikel „Was nicht in der Zeitung steht“ Ihres Kollegen Martin Spiewak in der selben Ausgabe der ZEIT! Und dann lesen Sie bitte noch einmal Ihren Artikel! – Ulrich Bähr


Leserbrief zu „Mauern bis zum Fahrverbot“ von Claas Tatje

Sie nennen es „Mauern „. Korrekt benannt wären sie Lügner, Betrüger usw, oder einfach Verbrecher. Auch unsere von Lobbyisten manipulierten und verschluderten Gesetze gäben es bei gutem Willen her, dass diese Köpfe nicht in der Zeitung, sondern auf Fahndungsplakaten stünden. Der Herr Prof. Dudenhöfer weiß sicher woher er evtl jetzt schon oder später mal sein Geld bekommt und schlägt gehorsamst vor, dass doch der Kfz-Steuerzahler, also der Geschädigte selbst für den Schaden aufkommen sollte. Schlau denkt er sicher, ist das. Es ist eine vortreffliche Gratis-Wahlwerbung für Populisten. Damit kommt sicher nichts besseres nach, aber es ist ganz offensichtlich der einzige Weg hin zu überfälligen gravierenden Veränderungen. Richtig wäre eine Wirtschaft mit Moral statt liberal. – Hans-J. Giller


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Ich danke Ihnen sehr für Ihren Artikel. „Endlich schreibt einer mal was Gutes!“, meinte meine Frau und ich stimme ihr vollkommen zu. Sie haben den „Bad-news-sells-Bann“ gebrochen, der auch zunehmend DIE ZEIT trifft. Dieser Negativtrend fällt mir schon lange am Inhalt Ihrer ansonsten hervorragend aufgemachten Wochenzeitung auf. . Hoffentlich beflügeln Sie mit Ihrem „Bann-Bruch“ auch andere Kolleg(inn)en! – Peter O. Chott


Leserbrief zu „Lob der Blase“ von Jens Jessen

Ich möchte mich ganz herzlich beim Herr Jessen, für seinen Artikel bedanken. Es war einer der vernünftigsten, ehrlichsten und somit auch besten Artikel, die ich in letzter Zeit lesen durfte. Da viel mir, als armer Student, das Bezahlen meines ZEIT-Abos dieses Jahr deutlich leichter – ich glaube sogar, es könnte sich gelohnt haben! – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Schmeckt doch noch!“ von Christiane Grefe, Marcus Rohwetter und Merlind Theile

Ihre hervorragende Beschreibung des Problems möchte ich ergänzen um eigene Beobachtungen und um ein paar Gedanken. Soweit in Privatgärten und auf Gemeinschaftsflächen noch Obstbäume vorhanden sind, vergammelt dort – insbesondere bei gutem Behang – viel Obst, da Mitmenschen, denen dies angeboten wird, oft ablehnen, da es nicht dem Obst im Supermarkt entspricht. Eier aus eigener Erzeugung werden misstrauisch beäugt, ob man sicher sei, dass nicht beim Öffnen des Eies ein Küken entgegenspringt. Milch wird von Schulkindern oft abgelehnt, wenn sie nicht wie H-Milch schmeckt. Etc. Wieweit haben sich viele Menschen von der „Ur-Produktion“, also der ursprünglichen Nahrungsproduktion entfernt. Auch den Bienen täten ein paar Obstbäume, Beerensträucher etc. in den Gärten/ Gartenanlagen gut.

Bei Reduktion des Nahrungsschwundes weltweit könnten mehr Menschen (in 30Jahren 9 Milliarden Menschen?) ernährt werden, ohne die Produktion entsprechend steigern zu müssen -oder man könnte insbesondere in den reicheren Ländern mehr ökologische Gesichtspunkte in der Produktion berücksichtigen. Bei einem Nichtverzehr von zum Beispiel einem Drittel des gewachsenen Gemüses verschlechtert sind unter anderem die Energiebilanz um 50%. Bei Überwindung der Wegwerfmentalität kämen wir dem Klimaziel ein ganzes Stück näher. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Ja! und nochmal Ja! Ihnen ist ein wirklich wichtiger Artikel gelungen! Was die Sache noch weit gefährlicher macht, erwähnen Sie kaum, ist aber fast täglich zu erfahren: Fragen: 1. Wer hat ein so existentielles Interesse an schlechten Nachrichten aus dem Ausland, dass er sie aktiv unterstützt und belohnt? Täglich erfahrbare Beispiele: + Die Krimkrise wurde zum milliardenschweren Geschäft für die Militär-Industrie aufgebläht. + Jede schlechte Nachricht aus dem Ausland kann als Ablenkung von Schwächen im eigenen Land benutzt werden. Wie können wir es erreichen, daß gute Nachrichten entsprechend finanziert und belohnt werden? Danke! – Heinrich Kochs


Leserbrief zu „Was nicht in der Zeitung steht“ von Martin Spiewak

Hurra es gibt es noch. Das POSITIVE!! Zwar versteckt unter WISSEN, aber ich habe es dennoch entdeckt und mit Behagen gelesen. Warum nicht mehr davon? – Dr. Peter Nikowitsch


Leserbrief zu „»Wir schaffen es nicht«“ von Georg Blume

Es schwingt immer mit, das das Bevölkerungswachstum nicht zu stoppen und ein unabwendbares ‚Schicksal‘ für den Afrika, Europa, den Planeten bedeutet. Wurde/wird von höherer Stelle die Dringlichkeit erkannt? Tatsächlich hört man wenig darüber, wie dem EInhalt geboten werden kann/könnte/wird. Welche Projekte gibt es, um das Bevölkerungswachstum zu stoppen? Von Seiten der afrikanischen Länder? Der europäischen Entwicklungshilfe? Der Kirchen? Man hört hierzu wenig. Liebe Zeit-Redaktion, bitte beleuchten Sie das Thema! Es gehört dringend auf’s Tablett, auch hinsichtlich Ressourcenverbrauch, regionaler Verteilungskonflikte usw. – Christina Brieger


Leserbrief zu „Über Witze, Kritik und Empörung“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Jeder darf so kritisch reagieren, wie er eben kritsch reagiren will und kann, ob als Christ, Jude oder Muslime. Betroffene Christen reagieren aber nur noch betroffen, wenn „katholischer Missbrauch“ im Spiele ist, oder war; noch! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Führen und Teilen“ von Marc Brost und zum Titelthema „Machtverlust“

Ich lese die Zeit , weil sie oft gut recherchierte Artikel bringt, die mir helfen, mir ein Bild von der Welt zu machen und meine Meinung und mein Urteil dazu zu finden. Um so mehr bin ich enttäuscht von den ersten Seiten der letzten Ausgabe, die in Bild und Text für mich nichts zu tun haben mit objektiver Berichterstattung, sondern die ich als Stimmungsmache empfinde. Sätze wie “ Aber nicht nur die Kanzlerin ist am Ende..“oder „In Würde abzutreten ist eine Kunst, die fast niemand beherrscht…“ gehören meiner Meinung nach in einen Kommentar, aber nicht in einen Leitartikel auf der ersten Seite einer Zeitung, die den Anspruch erhebt, profunde journalistische Arbeit zu leisten. Besonders die Fotos auf den Seiten 1 und 3 sind geeignet, die Gedanken und Gefühle des Betrachters massiv zu beeinflussen. Ich möchte aber von einer Zeitung nicht manipuliert, sondern aufgeklärt werden. Das ist mit den Artikeln auf Seite 1,2 und 3 gründlich misslungen. – Uta Ballnus


Leserbrief zu „Das Prinzip der Prinzen“ von Ulrike Gastmann

Ich möchte der guten Frau Gastmann einerseits recht geben, dass Politmusik zumindest im Mainstream Banalitäten weichen muss. Hingegen findet man, schaut man über den Tellerrand hinaus, gerade im Rock-/Gothic-und Metalbereich etliche Bands, die politisierte Musik produzieren. Hier seien ASP, Saltatio Mortis, Fjort oder Kreator zu nennen, allesamt deutsche bzw. deutschsprachige Künstler. – Alexander Planken