14. Juni 2018 – Ausgabe 25

Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Offenbar hilft es Redakteuren der ZEIT, ab und zu mit realen Menschen mit realen Befürchtungen und Problemen zu sprechen (s. „Hinter der Geschichte“). Als ich die Rolle der Medien (und der ZEIT) in einem Brief an Herrn Sußebach kritisierte, bekam ich als Antwort: „Ihr [sic!] Kritik an der ZEIT im Speziellen und an den Medien im Allgemeinen teile ich hingegen nicht.“ Ich habe ihm heute empfohlen, Ihren Artikel zu lesen. (Das musste ich einfach loswerden) Ihr Artikel ist noch viel zu milde. Auch wenn man mit dem Begriff „Staatsversagen“ vorsichtig umgehen soll, frage ich mich wie das z.Z. in den Medien (ja: Es wird berichtet) diskutierte Versagen bezeichnen soll: Lehrermangel (Grundschulen, Berlin: „Von 3000 freien Lehrerstellen für das kommende Schuljahr sind erst 1750 besetzt, wie man nun hört.“ Quelle: FAZ .), Dieselbetrug (Regierung wird von EU verklagt, DUH verklagt Städte und sucht Spenden von Privatpersonen um die Einhaltung von Gesetzen durchzusetzen: Das ist Versagen des Staates), Infrastruktur verkommt, etc.. Das ist ein eklatantes Versagen des Staates. Darf man „Staatsversagen“ sagen? Mein Gedächtnis als Bürger ist bekanntlich notorisch schlecht, ich habe ja auch kein Pressearchiv zu meiner Verfügung. Aber ich habe eine kleine Liste von Versagen zusammengestellt, die Sie natürlich leicht erweitern können. Ich füge diese Listen unten an, da ich diesen Leserbrief als Mail schicke und nicht weiß, ob Sie Anhänge durchlassen. Sie haben recht, es ist viel zu tun. Die Medien als Wächter der Demokratie müssen sich aus der Umarmung der Politik befreien und „radikal realistische“ Gedanken in die Debatte einbringen. – Norbert Bolz


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Ist es der Mord, der etwas ändern muss? Der Mord ändert nichts! Es sind Menschen, die Änderungen herbeiführen; jeder einzelne; jede Organisation wie Politik, Medien, Parteien, Glaubensgemeinschaften etc. Jeder einzelne ist Ursache und Wirkung zugleich. Daraus folgt, dass jede Änderung bei dem beginnt, der die Frage stellt. Ihre Frage legt den Schluss nahe, dass der Mord, also die Tat bei anderen etwas ändern soll? oder was soll sich inhaltlich ändern? Ein wichtiger Schritt ist dann getan, wenn jeder sich die Frage stellt. Ich mir; Sie sich; die Zeit sich; die Medien sich! Gesten wurde in ZDF History über Skandale in der Bundesrepublik berichtet. Unter anderem wurde in der Causa Kachelmann das Landgericht in Mannheim gescholten. Nahezu unbeachtet blieb die Tatsache, dass in den Medien während des Prozesses eine beispiellose Vorverurteilung stattfand. Kachelmann wäre bestraft gewesen, wenn er vorzeitig aus der Untersuchungshaft entlassen worden wäre. Aber die Medien kritisieren das Urteil, ohne die eigenen Fehler zu erwähnen. Auch in der Sache des Mordes klingen die „Anklagen“ bereits an das Ohr! Die Behörden wussten Bescheid etc. Hier wird inzident eine stärkere Überwachung gefordert, um danach den Überwachungsstaat zu kritisieren. Selbstkritik ist hier weder spürbar, noch erkennbar. Es wird täterzentriert spekuliert; wie rasch die „Auslieferung“ des Täters in die BRD erfolgte, was auf die Leistung der Bundeswehr bei den Peschmerga zurückzuführen ist. Wer denkt an die Hinterbliebenen, die ebenso wie die Tochter Opfer geworden sind? Diese Seite zu beleuchten ist wichtig. Es ließen sich weitere Einzelfälle nennen, die der Kategorie Justizskandal zugeordnet werden können.  Exemplarisch sei an den Fall Wöhr erinnert, der im Rahmen seiner Haftentschädigung für Kost und Logie Abzüge hinnehmen musste und den Verdienst noch zu versteuern hatte. Er war tatverdächtig und wurde zum Opfer. Für mich ist es geboten den Angehörigen der ermordeten Susanna beizustehen und soweit möglich Trost zu spenden. Das ist vorrangig, bevor in einer orientierungslosen Gesellschaft Rachegefühle gefördert werden. Damit zusammen hängt die Frage, welchen Zweck Strafe verfolgt. Wie ist es möglich, dass die Gesellschaft ich wieder auf das Thema Konsens besinnt und wo hat Polarisierung, die insbesondere von den Medien so gerne verfolgt wird ihre Grenzen. Sind nicht Sendungen wie hart aber fair ein Instrument zur Förderung des Populismus?  Wo liegen die Grenzen medialer Berichterstattung? Kann eine Gesellschaft leben, auch wenn nicht täglich eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird? Ich meine ja. Manchmal denke ich an bestimmte Regeln, die zu Zeiten der Bonner Republik galten und die so schlecht nicht waren. – U. Cronmüller


Leserbrief zu „Hoffnung, immerhin“ von Matthias Nass

Woher nehmen Sie Ihre Hoffnung? Denn es war doch ein zugleich makabres und lächerliches Schauspiel: Der „Anführer der freien Welt“ adelt den Anführer eines brutalen Regimes, welches sein Volk hungern lässt und die Menschen- rechte mit Füßen tritt, düpiert seine Verbündeten, vor allem Japan und Südkorea, und rühmt sich auch noch, ein großartiger „deal maker“ zu sein, obgleich er doch für seine Aufwertung des kleinen Raketenmannes so gut wie nichts als Gegenleistung erhalten hat außer einer kümmerlichen Show mit vielen bunten Bildern. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Genau so ist es. Die SPD ist schon lange jenseits jeder Realität und befasst sich entweder mit sich selbst, mit irgendeinem Teilzeit-Kleinklein, auf das die Republik sicher nicht gewartet hat, oder verwechselt die Bundeswehr mit dem THW. Und die Merkel-CDU duckt sich vor allem weg. Entweder die deutsche Politik bekommt endlich den Hintern hoch, oder die Leute wählen entweder nicht mehr oder AfD. Das wäre schlimm, aber was ist die Alternative? – Dr. Susanne Brückner


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Ich danke Ihnen, dass Sie den Mut haben, endlich einmal Tacheles zu reden/schreiben!!! Sie lüften Schleier und hoffentlich geht es so weiter, denn unsere gefühlte Normalität ist, wie Sie richtig erwähnen „Extremismus der Normalität“.  Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen, um möglicherweise „zehn Probleme auf einmal zu lösen“: Es gibt ein Curriculum, das sich mit der Wirklichkeit des Menschen beschäftigt, eine neue Weltordnung entwirft, Hoffnung für die Zukunft macht… Es ist ein Programm, das seit Jahrzehnten weltweit angeboten, angewandt und permanent optimiert wird. Es hat Einfluss auf die persönliche Ebene, indem es „den innteren Schweinehund bekämpft und den besseren Engel unserer selbst“ anregt, es prägt heute schon Nachbarschaften weltweit und es wird organisiert über gut strukturierte Institutionen. Die Kurse werden in allen größeren Städten und Gemeinden der Welt kostenfrei angeboten. Nun, wenn sie neugierig geworden sind: Wenden Sie sich doch einfach an Ihre Bahai-Gemeinde vor Ort oder an www.bahai.de bzw. www.bahai.org. – Marion Claus


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Ich bin immer wieder aufs Neue irritiert, wenn ich lese oder höre, dass nicht der Täter Schuld trägt, sondern immer andere. Wie so häufig, auch in diesem Fall die Polizei. Wird die Polizei allerdings tätig, dann heißt es, hier werden Menschenrechte mit Füßen getreten. Ich fände es gut, wenn man zur Vernunft und zur Wahrheit zurückfinden könnte. Warum die Dinge nicht beim Namen nennen, ist das die Angst vor der AfD? Diesen Leuten spielt man in die Hände, in dem die Diskussion verweigert wird. – Hartmut Nickel


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Schon die Einleitung “Die Behörden hätten erkennen können” lässt ahnen, wohin der Artikel über dieses schreckliche Ereignis führen wird. Und leider bleibt es auch dabei. Ich habe beim Lesen mehr und mehr den Eindruck gewonnen, der Tod der jungen Frau ist bis auf die unmittelbare Tat von den deutschen Behörden zu verantworten. Kein Wort von der übermäßigen, plötzlich anfallenden Überlastung der Behörden, von möglicherweise ungerechtfertigter Einreise usw.. Nein, die Verantwortung liegt bei Politik und Verwaltung, die nicht genug Richter, Sicherheitsbeamte und Sozialarbeiter in wenigen Monaten bereitstellen. Für diese blauäugige Sichtweise muss man vermutlich wohlbestellter ZEIT-Redakteur sein. Und ich habe mich gefragt, wie die Reaktion Ihrer Redakteure ausgefallen wäre, wenn z. B. kein Einspruch gegen die Ablehnung des Asylbescheids möglich gewesen wäre, denn der Asylgrund wird immerhin selbst von Ihren Redakteuren für mehr als vage bezeichnet. Vermutlich voller Empörung über mangelnde rechtsstaatliche Betreuung. Fällt Ihren Redakteuren die Absurdität der Situation gar nicht auf?  Die  geflüchtete Familie, die hier aufgrund der heimischen Verhältnisse Asyl beantragt hat, “flüchtet” angesichts der Tat zurück in die Region, die Anlass  ihres Asylantrags war und hat ausreichend finanzielle Mittel, um für acht Personen spontan Tickets für Flüge nach Istanbul und noch weiter zu bezahlen. Ein wenig mehr Distanz bitte, ehe so etwas gedruckt wird! – Gerd Hauth


Leserbrief zu „Das machen jetzt alle“ von Francesco Giammarco

Besser: Smartphone abschalten (nur 1 Griff!!!), liegen lassen, ausgehen und in die Augen deiner Freundin schauen. Da siehst du mehr als auf deinem phone insgesamt. – Roland Fischer


Leserbrief zu „Hoffnung, immerhin“ von Matthias Nass

Ziemlich seltsame Freunde; ein Tag in Singapur mit Kim & Trump; „holly-bollywood-strange“! Alles vage, alles gegen null? Der erste Schritt aufeinander zu, der wurde (un)einfach gewagt; und wer wagt, der soll auch gewinnen (vielleicht)! Das Traumpaar der Insel Sentosa, hat sich wieder getrennt, der Anfang einer wunderbaren Fernbeziehung! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Putins Freunde sollt ihr sein“ von Alice Bota

Die „ganze Fußballwelt“, die tanzt vom 14. Juni bis zum 15. Juli 2018 in Rußland, ganz lupenrein, nach Putin´s Pfeife. Der „Antifußballfan“, hat sich in dieser Zeit „mucksmäuschenstill“ zu verhalten, doch die Medien werden ihn trotzalledem ständig am Laufenden, zur WM 2018, halten! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Was dieses entsetzliche Verbrechen unter vielem so verstörend erscheinen lässt , und was wohl auch einen Großteil der Menschen so wütend macht , ist die Tatsache das die Staatsgewalt und ihn erster Linie die Politik nicht ihn der Lage ist aus geschehenen katastrophalen Versäumnissen die Konsequenzen zu ziehen. Es trägt sich doch jedem sofort der Terroranschlag von Berlin am Breitscheidplatz ins Gedächtnis auch damals ein Mann der über einen langen Zeitraum beobachtet wurde , der mehrmals aktenkundig wurde und niemand hat konsequent und zeitgerecht reagiert. Was wurde nicht ales über diese Versäumnisse danach diskutiert und jetzt stehen wir wieder fassungslos vor ähnlichem nicht tun können oder wollen. Das ist neben dem schrecklichen Tod diese jungen Mädchens die zweite große Katastrophe mit möglicherweise weitreichenden Folgen für Deutschland. – Mayrhofer Herbert


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Sie schreiben, dass dieser Artikel ein interaktives Projekt und das Ergebnis zahlreicher Vorträge war. Hm? Und dennoch finde ich all Ihre Gedanken dort wieder, die Sie auch vorher ständig zu Papier gebracht haben. Entweder haben Sie sehr viel Bestätigung erhalten oder  die Überzeugungen sitzen sehr fest. Ein Rendezvous mit der Wirklichkeit – und zwar der der anderen: das wäre wirklich hilfreich. Und damit meine ich nicht die AfD. Sie schreiben von den Städten und für die Städte – dort waren Sie ja auch unterwegs. Der größte Teil der Menschen lebt in Deutschland aber im ländlichen Bereich. Das ist der Bereich, Herr Ulrich, der offenbar für Sie definiert wird mit Gülleausbringung, Schweinezucht und verbotener Hühnerhaltung. Das ist aber auch der Bereich, in dem sich die verschiedensten Vogelarten in den Gärten tummeln, Insekten noch reichlich vorhanden sind und sich vor allem in den letzten Wochen Hunderte von Bienen in blühenden Bäumen unterwegs waren. Ich habe tatsächlich Aufnahmen davon gemacht, als Trost und Beweis, wenn der ökologische Alarmismus mir mal wieder gestrichen auf den Keks geht. Ich bin sicher, es geht auch mindestens eine Nummer kleiner – und dabei genauso effektiv, und das nenne ich realistisch. Wenn die Städte noch wohnlicher werden sollen, dann kann der irre Verkehr auf den Autobahnen und auf den Landstraßen ja gerne noch zunehmen – oder? Unsere Autobahnen stehen inzwischen voll mit der Lagerhaltung von ganz Europa. Aber das tangiert Sie ja weniger in Ihrer Sorge um die Wohnlichkeit in Städten. Mich tangiert das schon: ich bin beruflich viel mit dem Auto unterwegs, Bahn und Flugzeug sind dabei selten möglich. Ich nehme mal an, das kennen Sie eher nicht. Das zur Wirklichkeit der anderen. Ich bin sehr für symmetrische Lösungen. Davon kann aber keine Rede sein, wenn die Lösungen zumindest zum Teil so einseitig beschrieben werden wie in Ihrem Artikel. – Lisa Werle


Leserbrief zu „Klappe halten?“ von Martin Machowecz

Mein Kompliment für den Autor für seine Darstellung. Ich habe den Eindruck, dass die aufgeregten Debatten um die Flüchtlingsfrage immer mehr zu einem Kampf zweier Lager werden. Schwarz-Weiß Muster wohin man schaut. Wenn man nicht 100% in dem einen Lager ist, muss man wohl in dem anderen sein. Dabei liegt zwischen „Offene Grenzen für alle“, wie kürzlich von den Linken gefordert und „Keinen hereinlassen“, wie von der AFD gefordert, ein breites Spektrum. Viele Grautöne statt einer einfachen Schwarz-Weiß Welt. Auch wenn es manchen nicht gefällt, die AFD im Bundestag zu sehen, finde ich es doch gut, dass die Diskussion, die in der Bevölkerung stattgefunden hat und stattfindet, jetzt auch im Bundestag zu hören ist. Die AFD Abgeordenten sind vom Volk gewählt und sollten deshalb respektiert werden, solange sie sich an die Regeln halten. Das erwarte ich, obwohl ich diese Partei nicht mag und nicht wähle. – Raimund Helbrich


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Was bezweckt die Chefredaktion der ZEIT mit dem alarmistischen Aufmacher-Titel “Ein Mord, der etwas ändern muss”? Der Dossier-Text selbst ist solide recherchiert , er benennt auch die behördlichen Versäumnisse , die dazu führten, dass Ali B. diese furchtbare Tat vor seiner Abschiebung begehen konnte. Der Text hat die Überschrift “Liebe Susanna, es tut mir sehr leid” und ist sachlich geschrieben. Und vor allem: er gibt selbst keine Auskunft darüber, was sich ändern müsse, sondern schildert, was versäumt wurde. Dass dies in Zukunft nach aller Möglichkeit verhindert werden muss, wissen alle Verantwortlichen selbst, sie bedürfen dazu nicht eines Aufmachers in der ZEIT. Was also meinen Sie nun ganz konkret mit “etwas” ? Was genau ist an diesem Mord , der als Tat schon schrecklich genug ist, so furchtbar , dass er “etwas” ändern muss. Es klingt , mit Verlaub, nach AfD-Sprech. Oder wie eine Blaupause für die heutigen (Stand: 14.6. abends) schweren Auseinandersetzungen zwischen CDU und CSU, nach dem Motto “Wenn die Liberalen da oben in Hamburg schon eskalieren, dann wir erst recht, Horst.” Wobei ich mir nicht sicher bin, dass Alexander Dobrindt zu den regelmäßigen Lesern der ZEIT gehört. Es geht -in der selben Ausgabe der ZEIT- auch anders: Bernd Ulrich schreibt in seinem hochanregenden, wie immer glänzend geschriebenen Stück “Wie radikal ist realistisch?”: “….. Das jedoch würde auch den Medien wieder mehr Glaubwürdigkeit und Kraft verleihen. Nicht zuletzt würde es politische Glutkerne neben der Flüchtlingspolitik entstehen lassen, was für diese Demokratie überlebenswichtig ist. Denn die Fixierung auf die Flüchtlinge wird diese Gesellschaft allein niemals beruhigen, es gibt da einfach keine perfekte Lösung , und die fast ausschließliche Beschäftigung mit dem Thema erschafft selbst genau die Beunruhigung stets neu, die sie doch heilen soll.” Ich wäre dankbar, wenn die ZEIT dem Alarmismus von AfD und CSU auch weiterhin nicht nachgäbe, sondern die Texte ihres eigenen Stellvertretenden Chefredakteurs nicht nur läse sondern auch beherzigte. – Ulrich Matthes


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Ihr Titelthema hat in der Aufmachung und im dazugehörigen Artikel Bildzeitungscharakter. Wenn ich solche Artikel lesen möchte, würde die Bildzeitung ein Bruchteil kaufen und mich würde die Art des  Artikels nicht wundern. Bisher hatte ich noch gehofft, daß die Zeit mehr Niveau hat. Traurig, daß die “ Zeit“ sich zu solch einer reißerischen Art und Weise hinreißen läßt. Was wollen Sie damit bezwecken? – B. Dohr


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Bernd Ulrich ist, zum wiederholten Male, der einzige im Team der ZEIT, der sich traut die Krise der westlichen Politik und besonders das Wegducken der deutschen Volksvertreter klar zu benennen. Die Dringlichkeit der Krise die sich aus den drei Hauptfaktoren Ökologie (Artensterben + Klimawandel), umgekehrte Globalisierung (Verlust der Vormachtstellung des Westens) und entfesselter Finanzkapitalismus ergibt ist wirklich nur noch mit extrem kräftezehrenden Verdrängungsleistungen möglich, und siehe da: die GroKo geht darin vollkommen auf. Das Publikum ist dankbar, dass die Politik so tut, als könnten wir immer so weitermachen, als wäre es noch das 20. Jahrhundert, wo alles irgendwie eine Ordnung zu haben schien. Die U.S. Amerikanische Punkband „Dead Kennedys“ sang schon Anfang der 80er Jahre „Give me Covenience or give me Death“ Wenn wir unseren Wunsch nach Bequemlichkeit nicht langsam radikal hinterfragen wird das mit dem Tod sich vielleicht schneller realisieren als uns lieb sein kann. Wenn die liberale Demokratie sich nicht abgeschafft sehen will, muss Sie endlich anfangen die Probleme nicht nur beim Namen zu nennen, sondern auch die radikalen Lösungen auf den Tisch zu bringen, die beim zweiten Betrachten vielleicht nicht radikal sondern realistisch sind. Dirk Jachimsky


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Dieser schreckliche Mord hätte nur verhindert werden können, wenn Ali Bashar rechtzeitig abgeschoben worden wäre. Leider ist dies nicht erfolgt. Die Polizei hat scheinbar spät mit ihren Ermittlungen begonnen. Aber Hand aufs Herz. Wäre es denn anders verlaufen, wenn es ein deutscher Staatsbürger gewesen wäre? Ich denke nicht! Der Rechtsstaat ist also mehr denn je gefordert, dafür zu sorgen, dass die Gerichte schneller, sehr viel schneller arbeiten und entscheiden können. Und dass unsere hochgeschätzten Polizisten mehr und stärker sensibilisiert werden. Es ist leider so, dass neben den 999.999 ins Land gekommenen Flüchtlingen auch 1 gekommen ist, der nichts Gutes im Schilde führt. Nur wie sollen unsere Behörden diesen denn zweifelsfrei finden. Das ist doch unmöglich. Genauso wenig, wie wir es im übrigen über unsere eigenen Landsleute sagen können. Auch in Deutschland gibt es unter sehr vielen Menschen, die nur Gutes planen schwarze Schafe. Ich möchte nichts beschönigen oder verteidigen. Sondern nur sagen, dass das Verhindern von Straftaten, bevor sie geschehen, eine sehr sehr schwierige Aufgabe ist. Und eine große Bürde, die auf den Schultern unserer Polizisten und unserer Behörden lastet. – Yves Pulst


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Sie sprechen mit Ihrem Artikel die fundamentalen Probleme von Politik und Medien in der Bundesrepublik Deutschland an, die durch Globalisierung und Bevölkerungsexplosion entstehen. Diese großen Herausforderungen stellen sich natürlich vor allem den Politikern, die sich in bisher ungewohnten neuen Kraftfeldern wiederfinden. Da sich nach unserem westlichen Demokratieverständnis die Leitlinien der Politik aber aus unser aller Mitte ergeben sollten und wir als Wähler auf die Auswahl der handelnden Politiker tatsächlich Einfluss haben, wie sich bei uns und in vielen anderen Ländern nicht gerade zu unser aller Freude herausgestellt hat, wäre es hilfreich, Gefühle, Meinungen und Handlungsmotive der gesamten Bevölkerung zu untersuchen, nicht nur ihr Resultat auf der Ebene der handelnden Politik. Aus meiner Sicht erleben wir in den westlichen Ländern gerade einen gewaltigen und noch dazu rasanten kulturellen Paradigmenwechsel, der teilweise kurzfristige Gründe hat (das von Ihnen genannte Auslaufen der Kolonialzeit und der westlichen Überlegenheit), der aber auch auf unserer Entwicklungsgeschichte unter den Einflüssen des klassischen Altertums und des christlichen Glaubens bis hin zur Aufklärung basiert. Ich würde es daher begrüßen, wenn Sie durch einen kompetenten Autor diese grundlegende Entwicklung einmal nachzeichnen ließen. Was ich damit meine, möchte ich Ihnen mit einigen früher einmal zusammengestellten Gedanken im Anhang dieser Mail etwas erläutern. – Hans J. Schulz


Leserbrief zu „Abschalten?“ von Sandra Maischberger

Frau Maischberger scheint gar nicht das Problem verstanden zu haben. Mir geht es jedenfalls so. Ich gebe gern zu, daß ich die politischen Talkshows schon seit vielen Monaten nicht mehr geguckt habe. Die Art und Weise wie Frau Maischberger die Diskussionen führt hat mich vertrieben. Natürlich war auch der  Umgang der Gäste (Politiker) für mich befremdlich. Jeder gibt seine Ansichten kund und das war’s. Kein Zoff mehr wie zu Zeiten von Wehner oder Strauß. Na ja, ob das so gut war? Mich stört vielmehr Ihr Verhalten gegenüber den Gästen. Sie lässt keinen Ausreden, sie funkt ständig dazwischen. Sie ignoriert Gäste deren politische Einstellung ihr nicht gefallen. Das sind für mich vorwiegend die Gründe warum ich an solchen Sendungen kein Interesse mehr habe. Frau Illner verhält sich ähnlich. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Ihr Artikel ist irgendwie lustig. Gut analysiert, wo der Hase im wesentlichen im Pfeffer liegt, aber bloß keinen Millimeter der (eigenen?) Position aufgeben, die in die Bredouille hinein geführt hat und nicht mehr heraus kommt. Wie gesagt: lustig aber nicht erheiternd. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Der Realismus ist der Politik verloren gegangen – und zwar deshalb, weil die Politiker uns Bürgern nichts zutrauen. Die Politik schreckt vor Zumutungen zurück, bedient vielmehr eine den Bürgern unterstellte permanente Gier. Der Umgang der Politik mit den Bürgern erinnert an ein Zitat von Heinrich Zille: „Jeder schließt von sich auf andere und vergisst, dass es auch anständige Menschen gibt.“ Und da die Politik den Bürgern nichts zutraut, trauen auch die Bürger der Politik nichts mehr zu. Einige Beispiele führt Bernd Ulrich auf – ich möchte weitere nennen: Im Bereich Wohnungsknappheit wird tabuisiert, dass ein wesentlicher Grund des Wohnungsmangels darin liegt, dass der Wohnraum pro Kopf in den letzten Jahrzehnten immer weiter gestiegen ist. Nicht einmal die Grünen trauen sich, dies als Problem zu thematisieren. Man müsste ja dazu aufrufen, sich bei der Wohnungsgröße zu bescheiden und – horrible dictu! – im Fall einer Veränderung der Lebensverhältnisse (z.B. durch Auszug der Kinder oder Tod des Partners) den Umzug in eine kleinere Wohnung in rwgung zu ziehen. Oder bei der Bekämpfung von Fluchtursachen. Hier wird die Fluchtursache Nr.1 konsequent verschwiegen. Das ist nämlich die exorbitante Geburtenrate in vielen der Hauptherkunftsländer. Wenn im Niger eine Frau im Durchschnitt 11 Geburten hat – dagegen kann keine Hilfe „anentwickeln“ – das Wirtschaftswachstum wird hinter diesem Bevölkerungswachstum immer zurückbleiben müssen. Radikal kommt von „radix“ – Wurzel. Nur radikale Politik ist geeignet, Probleme bei der Wurzel zu packen! – Holger App


Leserbrief zu „Was ist los in Lateinamerika?“ von Thomas Fischermann und Anton Hallmann

Die werden langsam vernünftig. Das ist los! Die großen Versprechen der Sozialisten werden dann oft umgesetzt. Irgendwas muss ja geliefert werden. Wenn das Geld dann dafür nicht mehr reicht, werden weiter Schulden gemacht und wenn die Inflation zu hoch wird platzt der Luftbalon und alles versinkt in Armut. Das ist der Kreislauf der Sozialisten. So läuft das seit Jahrhunderten und keiner wird daraus klug – auch nicht die Wissenschaft. Alle scheinen die richtigen Rezepte zu haben, aber nur wenige Wissenschaftler verfügen über einen gesunden Menschenverstand. – Gunter Knauer


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Zu dem Bericht fallen mir spontan zwei Anmerkungen ein:
1. Darf es sein, dass ein Gast, der sich derart unangemessen aufführt, nicht einfach rausgeschmissen werden kann? Hier muss meiner Meinung im Gesetz ein Unterschied zwischen einem Staatsbürger und einem Gast gemacht werden!
2. Seit Jahren ist zu lesen, wie schwierig es sei, Abschiebungen durchzuführen, da notwendige Papiere fehlen. Der Fall zeigt, wie leicht es für einen Migranten ist, die notwendigen Papiere zu beschaffen, wenn es ihm wichtig ist! Hoffentlich ist dieses Märchen damit endlich aus der Welt. Man braucht sich bei soviel Schwäche nicht wundern, dass viele Migranten keinerlei Respekt vor deutschen Behörden haben. – Rainer Funke


Leserbrief zu „Abschalten?“ von Sandra Maischberger

Diskussion muss weitergehn, da haben Sie recht. Aber. Ich meine, die Kritik an Ihrer Talkshow kommt daher: Sie und Ihre Talk-KollegInnen haben es viele Monate lang zugelassen, dass ein Thema in den Vordergrund geschoben wurde, dessen Behandlung keines der konkreten Probleme der Bevölkerung löst. Sie wissen sicher, was Framing ist. Eine Talkmasterin sollte durchschauen, wenn ein Gast einen Rahmen setzt und sollte diesen Gast daran hindern, die gesamte Sendung in diesem Rahmen einzusperren. Das ist schwierig, denn natürlich haben Sie ein Interesse an zugespitzten Äußerungen und lebhaften Diskussionen, sonst wird es langweilig. Natürlich möchten Sie am nächsten Tag Schlagzeilen zu Ihrer Talkshow haben, das kann man verstehen. Sie könnten es einmal damit probieren, ein solches Framing in einer frühen Phase der Talkshow zu entlarven. Den TN und dem Publikum bewusst machen, wie ihr Denken manipuliert zu werden droht. Und die Diskussion dann auf eins der wirklich brennenden Themen zurückführen, die mit weniger Aufwand (nämlich innerstaatlich) gelöst werden könnten: Die Wohnungsnot, die Abstiegsangst, die Sorge, durch Kinder arm zu werden, oder auch eins der brennenden Umweltthemen. Diese Themen berühren wirklich unsere Existenz, diese Ängste sind berechtigt. Mindestens so wie die Angst vorm schwarzen Mann, die gerade wieder umgeht. – Claudia Stursberg


Leserbrief zu „Hoffnung, immerhin“ von Matthias Nass

Wie Sie wissen lebe ich auch in Singapur. Ich war natürlich in Singapur und habe mir das alles angeschaut und mit verschieden Journalisten aus dem Ausland im Hotel gesprochen. Durchweg positive Einschätzung und auch hohes Lob für Trump. Kein Politiker vor ihm hat mit einem Erzfeind ein solches Treffen vereinbaren können. Ich persönlich bin ebenso begeistert, auch über das gesamte Klima der Verständigung in Singapur. Kaum in Deutschland angekommen muß ich mich wieder über die Medien aufregen. Ihre Zeitung nehme ich davon aus. Unterm Strich haben Sie das auch positiv bewertet. Meine Begeisterung kennt kaum Grenzen. Für mich war es ein Jahrhundertereignis was in die Geschichte eingehen wird. Was sonst so berichtet wird, ist an Peinlichkeit und Unwahrheit kaum zu übertreffen. Wenn im Radio (WDR) behauptet wird: Trump hat nur für den Papierkorb Vereinbarungen getroffen (sinngemäß), dann ist das für mich gewollt falsch. Wie gewohnt in Deutschland wird besonders von den elektronischen Medien moralisiert und skandalisiert. Das ist der Journalismus in Deutschland. Und die seriösen Journalisten müssen darunter leiden. Ein Scheißland ist das geworden. – Gunter Knauer


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Nachdem ich meinen ersten Schock über das Titelblatt überwunden und versuchte, mich an das vorurteilsfreie  Lesen des Artikels zu machen, fiel mir auf, dass Sie fünf Autoren  benennen, darunter ein Name, der zweifelsfrei nicht-deutsche Wurzeln hat. Der Gedanke, der mir durch den Kopf ging, war: Sie wollen nicht, dass der Autor persönlich angegangen werden kann und verteilen die Last auf 10 Schultern, zur Entlastung halten Sie einen Nicht-EU-Ausländer als Schutzschild hoch. Als ich mich in den Artikel vertiefte, fiel mir des Weiteren auf: ein Stil, der mich schon in den Ausgaben der vergangenen Monate gestört hat: alle Personen und Situationen werden mit dramatischen Attributen versehen, um den Leser zu fesseln und Spannung zu erzeugen: Das raue Milieu von Teenagern, die in der Innenstadt usw. , Deutschland ist wund gerieben (?), ein Verbrechen wie das von Wiesbaden zeichnet das Zerrbild mordlüsterner Fremder, die von einem angeblich wehrlosen deutschen Rechtsstaat angeblich nicht zu stoppen seien… Ich will das nicht alles aufzählen, aber wer den Artikel gelesen hat, der weiß, dass es in diesem Bild-Zeitungsstil weitergeht und eine unklare Angststimmung erzeugt wird, die einen in der Annahme, dass alle abgelehnten Asylbewerber Verbrecher sind, bestärken soll. Leider weiß ich aus zahllosen Stellungnahmen, die ich geschrieben habe, dass das nicht der Fall ist und dass viele Aussagen der Flüchtlinge angezweifelt werden von Menschen, die keine Ahnung haben, welche Verhältnisse in den Heimatländern herrschen. Der von Ihnen veröffentlichte Artikel suggeriert, dass alle Gründe , die als unplausibel zurückgewiesen werden, so offensichtlich falsch sind wie die, die Sie beschreiben. Ohne Zweifel hätte man Ali Baschar früher überprüfen und in ein Integrationsprogramm aufnehmen sollen, solange er noch nicht abgeschoben werden kann. Da gebe ich Ihnen und allen andern, die das fordern, Recht. Es ist gewaltfördernd, wenn viele junge unbeschäftigte Menschen ohne Perspektive sich selbst überlassen werden. Das hat sicher inzwischen der Letzte schon als richtig erkannt. Und wenn er nicht integriert werden kann, weil er das ablehnt oder wenn es andere Gründe gibt, die gegen eine Integration sprechen, zum Beispiel keine Gründe, die einen Asylantrag rechtfertigen, dann sollte er wieder abgeschoben werden. Aber ich kenne sehr viele Menschen, die tatsächliche Fluchtgründe haben, deren ganze Familie traumatisiert ist und die es verdient haben, dass Ihnen hier ein faires Verfahren eröffnet wird und die trotzdem keine Aufenthaltserlaubnis erhalten, weil ihre realen Fluchtgründe nicht anerkannt werden. Und diesen Menschen muss man die Möglichkeit geben, ein juristisches Vefahren vor dem Verwaltungsgericht einzuleiten, weil die Entscheidung des BAMF in solchen Fällen überprüft werden muss. Wollen wir im Ernst unser Rechtssystem ändern und beschleunigte Verfahren ohne gründliche Prüfung einführen? Wollen wir ein zwei-Klassen-Rechtssystem? Ich für meinen Teil will das nicht. Und ich hatte auch bis vor der Lektüre des Artikels noch die Überzeugung, dass zumindest die überwiegende Mehrheit der ZEIT-Leser das ebenso sieht, weil sie weiß, dass das die Grundlage unseres Rechtsstaates bildet, der für Menschen in aller Welt so attraktiv ist, dass sie bei uns leben wollen (Ein Teil will das bestimmt auch wegen der Sozialleistungen und dem Lebensstil oder weil sie in ihrer Heimat aufgrund von Straftaten verfolgt werden- das weiß ich auch.). Bei aller Angst vor Fremden, die aus psychologischer Sicht nachvollziehbar ist und die auch der Grund dafür ist, dass wir bei Ereignissen, die diese dem Menschen ureigene und früher sein Überleben sichernde Angst bestätigen, muss man sich doch im Klaren sein, dass auch der Wunsch nach schnellen Lösungen genau dieser Angst entspringt und dass der beste Umgang mit Angst nicht der ist, der genauso agiert, wie die Angst diktiert, sondern einer, der mit Verstand, mit Sachverstand und mit gesundem Menschenverstand gefunden wird. Ein Artikel wie dieses blutrünstige und sogar das Opfer diffamierende Pamphlet ( ich zitiere: „…Susannas Clique… an der Autobahnbrücke… Mädchen in Jogginghosen und Spaghettitops), das Sie veröffentlicht haben, wird diesem Wunsch sicher nicht gerecht. – Dr. Sonja Jochem-Gawehn


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Zu ihrem neuesten Dossier (Nr.25) „Liebe Susanna, es tut mir sehr leid“ habe ich folgende Anmerkung und auch Frage: Sie schreiben in dem ersten Absatz, dass Susanna „Weg von der Schule, in der sie gemobbt wird, hin zu ihrer Clique“ wollte. Woher haben Sie dieses Information? Ich unterrichte an dieser guten Schule, an der Integrierten Gesamtschule in Mainz-Bretzenheim, und diese Tatsache, wie sie es formuliert haben (gemobbt wird), ist mir nicht bekannt. Jugendliche benutzen heute das Wort „mobben“ für jede Gegenwehr, die sie erhalten. So sollte man sehr vorsichtig bei diesen Äußerungen sein. Durch ihre Formulierung wird auf meine Schule ein schlechtes Licht geworfen. Haben Sie mit Lehrern/Lehrerinnen oder der Schulleitung gesprochen? Die Probleme der Jugendlichen sind heute sehr vielfältig, und oft werden sie allein gelassen. Wir versuchen an unserer Schule mit unserer ganzen Kraft auf sie positiv einzuwirken. Dies wird aber durch ihre Formulierung unterschlagen. – Annette Kröhler


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Zunächst einmal: Vielen Dank für den Druck des grandiose Essay Ihres Autors Bernd Ulrich in der aktuellen ZEIT. Es wirft nicht nur die wesentlichen Fragen auf welche wir uns derzeit stellen müssen, sondern bemüht sich zugleich um tragfähige Antworten. Journalismus dieser Art ist selten (so mein subjekitver Eindruck) und die Arbeit alleine deshalb schon den Kauf der akutellen Ausgabe ihrer Zeitung wert. Umso irritierender ist es jedoch, dass die Titelseite derselben Ausgabe ähnlich reiserischen Töne anstimmt wie die Ihrer Kollegen von Stern & Co. Ohne die Brisanz und Tragik des „Falls Susanna“ in Abrede stellen zu wollen stellt sich durchaus die Frage, weshalb man dieses Thema auf der Titelseite platzieren muss – und so offensichtlich die gerade aufgekochende und völlig irrationale Hysterie befeuert. Um es klar zu machen: es geht nicht daraum, dass die Verfehlungen in dieser Tragödie nicht aufgearbeitet werden müssen, es geht allein um die Platzierung des Themas. Denn es ist wie Ihr Autor Ulrich meiner Meinung nach absolut zutreffend schreibt: “ (…) die Fixierung auf die Flüchtlinge wird diese Gesellschaft niemals beruhigen (…) und die fast ausschließliche Beschäftigung mit dem Thema erschaft genau die Beunruhigung neu, die sie doch heilen soll.“ Fraglich ist also, weshalb Sie also nicht gleich die Ideen von Herrn Ulrich aufgreifen und folglich die Probleme „symmetrisch“ zu ihrer Dringlichkeit erörtern – ergo ein Essay von derartiger Schlagkraft auf der Titelseite ankündigen, statt eines tragischen, aber leider in ähnlicher Art vielfach vorkommenden Mordes an einer Minderjährigen (der in Anbetracht der Eintönigkeit der Titelseiten dt. Printmedien dieser Woche augenscheinlich eine gute Möglicheit darstellt das grausame Einzelschicksal eines Mädchens mit dem „Topseller“ Flüchtlingskrise zu verbinden). Auch wenn derartige Überlegungen für die Auswahl des Titelthemas bei der ZEIT vielleicht (und hoffentlich)  keine Rolle gespielt haben – es ensteht zumindest ein unangenehmer Eindruck. Deswegen meine Bitte: Räumen sie den reißerischen Themen unserer Zeit nicht mehr Platz ein als nötig und überlassen sie diese Aufgabe Ihren Kollegen von Stern, BILD und Focus. Bewerben sie auf der Titelseite doch lieber solche wunderbaren Arbeiten wie das Essay von Herrn Ulrich. – Jan Schriever


Leserbrief zu „Leitungswasser trinken“ von Petra Pinzler

Ich bin entsetzt, wie man es zulassen kann, daß jemand ohne jegliche Fachkenntnis und offenbar ohne jegliche Recherche derartigen Blödsinn kommunizieren darf. Auch in der Rubrik Meinung sollte es meiner Meinung nach nicht sein, daß ohne Ihre Recherche derartiger Blödsinn die Leserschaft findet, die es ungefiltert glaubt. Es liegt nahe, das die Autorin entweder der DUH oder der Mehrwegfraktion angehört, lediglich die Unkenntnis des Berichtes lässt es nicht vermuten. Zu den Fakten: „Wasser aus Plastikflaschen ist nicht gesünder. Ganz im Gegenteil.“ Diese Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage, denn sie impliziert, daß Wasser aus Plastikflaschen schädlicher ist als z.B. aus dem Hahn. Es ist von Instituten wie Ökotest/Stiftung Warentest klar nachgewiesen, daß das Trinken von Mineralwasser aus PET Flaschen völlig unbedenklich ist, genauso unbedenklich, wenn der Endverbraucher Wasser aus dem Hahn trinkt, wenn er sich vorher beim zuständgien Träger entsprechend informiert hat. Das Beispiel Vittel (Frankreich) wird später genutzt, um ebenfalls auf die Mißstände in Deutschland aufmerksam zu machen. Spätestens hier wird klar, daß die Autorin sich in keinster Weise mit dem Thema beschäftigt hat und mir spätestens dort klar war, entsprechend  aufzuklären. Vorab: Die weltweite Politik Nestles ist in keinster Weise zu akzeptieren, weder in Frankreich noch in anderen Ländern. Hier hat die Aufklärung der vergangenen Monate gezeigt, daß sich mittlerweile viele Wassertrinker (Gottseidank!!!) bewusst umorientieren und anderes Wasser trinken. Hier hat ein Prozeß bei den Endverbrauchern stattgefunden, die berechtigter Weise fragen, warum Wasser z.B. auch aus Italien über die Alpen nach Deutschland importiert werden muss. Ökologisch völliger Wahnsinn! In Deutschland wird die Entnahme von Wasser genau kontrolliert und genau darauf geachtet, daß entsprechend nicht mehr entnommen wird, als durch die Natur wieder zugeführt, im Gegenteil.  Spätestens mit der falschen Behauptung „Sondern vor allem um die Plastikflaschen…..am Ende landen sie auf dem Müll und werden kaum recycelt“ hört der Spaß auf. 98,5% der PET Flaschen in Deutschland werden wieder verwertet, entweder recycelt oder landen z.B. in der Faserindustrie, mitnichten auf dem Müll. Gerade hier in Deutschland haben wir eine Insellösung durch das Pfandsystem, das vorbildlich ist für alle anderen Länder. Die Plastikflaschen landen nachweislich nicht in der Natur, sondern, wie oben beschrieben, werden wiederverwertet. Wer etwas anderes behauptet, sagt schlichtweg die Unwahrheit. Im Übrigen: Wieso wird hier nur die Plastikflasche erwähnt und nicht die Glasflaschen?  Das IFEU Institut in Heidelberg hat in Studien belegt, das die Plastikflaschen ökologisch vergleichbar sind im Vergleich zu Mehrweggebinde Glas. Die sehr starke Mehrweglobby (DUH etc.) schafft es aber, mit völlig überzogenen Umläufen der Mehrwegflaschen den Endverbrauchern zu suggerieren, Glas ist besser und klären nicht entsprechend auf. Eine weitere Behauptung „…andere Forscher haben sogar Mikroplastik gefunden“ ist insofern irreführend gegenüber dem Leser, da er es mit der sehr aktuellen Diskussion Mikroplastik im Meer und deren Folgen in Verbindung bringt. Dieses Thema ist auch sehr sehr wichtig und sollte uns auch sehr sehr intensiv beschäftigen. Aber Plastikflaschen aus Deutschland haben mit dem Thema nichts zu tun!!! Plastikflaschen aus Deutschland sind nicht in unseren Meeren, da sie, wie oben beschrieben, verwertet werden. Desweiteren gibt es in Plastikflaschen kein Mikroplastik. Das Trinken von Wasser aus Plastikflaschen ist völlig unbedenklich, wie auch die Stiftung Warentest bestätigt. Fazit: Jeder Endverbraucher sollte für sich entscheiden, welches Wasser er trinkt. Er kann mit ruhigem Gewissen in Deutschland produziertes Wasser in PET Flaschen trinken, genauso wie aus Glasflaschen oder aus dem Hahn. Die einseitig falsche Information, nur noch Wasser aus dem Hahn zu trinken, ist die einzige Lösung, ist aus den genannten Gründen  völlig abwegig. Ich würde mir wünschen, daß Sie diesen Bericht entsprechend als Meinung abbilden, denn das Thema Umwelt geht uns alle an, daher auch die Bitte, aufzuklären und nicht einseitig (falsch) zu argumentieren. – Mario Geske


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

„Die Politik der kleinen Schritte verliert den Bezug zur Realität der großen Probleme.“ Bernd Ulrich insistiert auf beunruhigenden Wahrheiten. Er formuliert brillant. Er zeigt Mut. Seine Leser kann er erreichen. Politik und Medien leider nicht. – Friedrich Thimme


Leserbrief zu „Ist das noch Religion, Herr Beck?“ von Christine Brinck

„Religionspolitik“-? Meint das „Seelenverwaltung“? Noch vor ein paar Jahrzehnten war es eine Binsenweisheit, dass Politik und Religion nicht zwei Abteilungen ein und derselben Verwaltung, sondern zwei Dimensionen ein und desselben Menschseins darstellen. Nicht umsonst unterschied man seit der Antike zwischen der politischen und der spirituellen Dimension einer Kultur. Die Religion zu einer politischen Sachfrage zu machen, ist eine Errungenschaft unserer ach so modernen Moderne. Jede Objektivierung und Politisierung nimmt dieser Dimension diejenige innere Mitte, aus der heraus sie einzig Sinn macht. Religion ist keine Meinungsfrage, sondern Brücke zwischen unserer inneren und äußeren Ordnung. Dass nun auch Atheisten ihre eigene Nische in der „Abteilung Religion“(!) bekommen sollen, ist kennzeichnend für den Orientierungsverlust in dieser anthropologischen Herausforderung, vor der wir nicht als politische, sondern als kulturelle Gemeinschaft stehen. – Karlheinz Gernbacher


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Für diesen fulminanten Artikel gebührt Bernd Ulrich und der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ höchster Respekt! Leider fürchte ich, dass die vielen richtigen Anregungen, die dieser Beitrag enthält, auf einen Boden treffen, dessen Fruchtbarkeit inzwischen gen Null tendiert. Der Boden ist ausgelaugt durch die schier unglaubliche Komplexität, mit der sich Politiker, aber auch die Presse, die Verbände, die Kirchen etc. täglich konfrontiert sehen. Was alle diese „Stakeholder“ neben den Erkenntnissen aus o.g. Artikel dringend benötigen, ist ein interdisziplinär und international angelegtes Instrumentarium für Folgenanalyse. Am besten für jeden einsehbar. Wenn der Dschungel der Komplexität und der Abhängigkeiten sich auch nur einigermaßen lichtet, wird Durchblick, auch im Alltag, wieder möglich. – Joachim Müntzel


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Mal die Versäumnisse von Justiz und Polizei beiseite gelassen (um auch nicht in den Sumpf der Empörung zu tappen). Es fällt etwas ganz anderes auf: die mangelde Fürsorge der Gesellschaft. Warum fühlte Susanne sich gebullied? Wer half? Wer wurde darauf aufmerksam? Warum merken Behörden nicht, wenn ein Asylsuchender abgleitet? Es fehlt die Betreuung in Schule und Gesellschaft! Und warum? Weil an Personal gespart wird! Weil Lehrer, Sozialarbeiter und Betreuer nicht wichtig sind in der Gesellschaft. Genauso wie Pflegekräfte und Krankenbetreuer. Das dicke Gehalt der hippen Angestellten oder start-ups und die reibungslose Wirtschaft sind wichtiger. Wir als Gesellschaft kümmern uns nicht um die Jungen, die eben nicht aus tollen Verhältnissen kommen und nicht um die Alten, die ja nur eine Last sind. Der wirtschaftliche Erfolg im mittleren Alter ist alles. Das entschuldigt kein Verbrechen, aber eine Gesellschaft, die sich kümmert, kann auch Halt und Respekt vor dem Anderen und dem Gesetz vermitteln. – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Es wird eng“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Jeder Autofahren wusste schon immer, dass der Benzinverbrauch auf der Straße höher war als im Werbeprospekt seines Kfz angegeben. Und als normaler Mensch wusste er auch, dass hinten rauskommt was vorne getankt wird. Wieso kam niemand – vom ADAC-Experten bis zum Umweltschützer – auf die Idee die Abgase während der Straßenfahrt zu messen? Technisch war das immer möglich! Und dass das bis hin zur Schummelsoftware bei der Herstellern kein Thema war, kann ich leider irgendwie nachvollziehen. Denn ich war zeitweise im betreffenden Umfeld tätig. Der Horizont unseres Denkens und Forschens endete am Rollenprüfstand, was ja auch den Zulassungsvorschriften entsprach. Jedem hier war bekannt, dass bei der Messung getrickst wurde. Der Reifendruck wurde bis zum Platzen erhöht um den Rollwiderstand so gering wie möglich zu halten. Mit diesem Druck wäre jede Straßenfahrt lebensgefährlich. Die Teststandfahrer trugen wahre Meisterschaften aus, wer mit Hilfe von geschickter Kupplungs- und Gaspedalbedienung den geringsten Abgaswert bei vorgegebener Fahrkurve erzielte. Aber das alles war innerhalb unseres Horizontes normal, es ging darum, die gesetzlich vorgeschriebenen Werte einzuhalten. So kann ich mir gut vorstellen, wie es – durchaus mit gutem Gewissen – zur Entwicklung der Schummelsoftware kam. Interner Widerspruch (auch von mir damals) war nicht zu erwarten, enden demokratische Gepflogenheiten doch an jedem Werkstor. Und die Kunden? Wollten die wirklich wissen, was hinten rauskommt? Wohl eher nicht. Und wo war die Presse, wo die Wissenschaft? Es schien so eine Art Glaube an den Endsieg des Verbrennungsmotors zu herrschen, ein kollektives Tabu, welches immer noch wirkt. – Herbert Belzig


Leserbrief zu „Hoffnung, immerhin“ von Matthias Nass

Ihr wollt ein wiedervereinigtes Korea? Das bekommt ihr schneller als Euch vielleicht lieb ist, da Euch  soeben „Uncle Donald“ im Begriff ist zu verraten und zu verkaufen! Nun, gemeinsame Sicherheitsinteressen und Manöver wurden Kim schon auf dem Silbertablett als „Morgengabe“ serviert, der Abzug der 25000 US-Soldaten weil zu teuer und „America-first“ ist nur eine Frage der Zeit, quasi als Desert. Kim kann sich jetzt schon freuen; eine koreanische Halbinsel ohne Amerikaner war schon immer sein Wunsch. Das alles auch noch ohne nennenswerte Zugeständnisse auf dem atomaren Sektor, denn liebe Südkoreaner Kim ist alles, aber nicht blöd. Es ist also nach Abzug der Amerikaner nur eine Frage der Zeit bis zur Vietnamisierung Koreas. Sorry, liebe Südkoreaner, die Aussicht auf den Friedens-Nobelpreis hat auch den kleinsten Rest von Hirn von „Uncle Donald“ verdunsten lassen. – Axel Jeske


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Seit fast zehn Jahren lese ich die ZEIT und bin einen Politikteil auf hohem Niveau gewöhnt. Doch dieser Essay ist die brillanteste politische Analyse, die ich überhaupt je gelesen habe! Chapeau! Ich stimme Ihnen vollständig zu und wünsche mir, dass eine etwaige „linke Sammelbewegung“ daraus ihr Gründungsmanifest machte. Bis dahin könnten Sie so gut sein, diesen Artikel ihrer gesamten Redaktion nahezulegen. Die ZEIT ist schließlich selbst (auch mit dieser Ausgabe) seit Monaten auf einem enervierenden Hysteriekurs. Vielen Dank für die vielen hervorragenden politischen Artikel und ganz besonders für dieses Glanzstück. – Andreas Zinßer


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Mir wären viel radikalere Bezeichnungen des gegenwärtigen Regierungsstils eingefallen . Angesichts der Probleme ist Feigheit die Antwort . Auf allen Gebieten , sei es Ökologie , sei es Wirtschaftskriminalität (Abgasskandal) , sei es Pflege , sei es Bundeswehr . Krämerseelenhafte Reaktionen . Ein Jammer ! Danke für Ihren wunderbaren Artikel ! – Heidi Scharvogel


Leserbrief zu „Abschalten?“ von Sandra Maischberger

Man kann Frau Maischberger’s  gut begründetem Plädoyer für eine kontroverse, hitzige und spaltende Streitkultur in den talkshows kaum  widersprechen. Einen  grundsätzlicheren  Anlass für Kritik sehe ich eher in der Struktur dieser TV-Debatten :  Zu viele Gesprächsteilnehmer müssen in gedrängter Zeit vor Millionenpublikum zugespitzte Fragen prompt, flüssig, inhaltlich komprimiert und möglichst offensiv sich gegen den Vorredner abgrenzend  beantworten. In dieser temporeichen Ping-Pong-Atmosphäre bleibt kein Raum zum ruhigen, ungestörten Nach- und Überdenken  und entsteht keine Bereitschaft,  durch konzentriertes, wohlwollendes Hinhören den Beitrag des Meinungs-„Gegners“ zu würdigen, oder ihn gar weiter zu entwickeln. Dieses talkshow-Format ist m.E. kein überzeugendes Modell für einen inhaltlich vertiefenden und weiterführenden,  Meinungs-offenen Debattenstil.   Es bedient eher das Bedürfnis nach (talk“show“-) Effekten und Affekten, nach schnellen, griffigen, Antworten gemäß dem pro-oder-contra-Schema. „Falsche“ Fragen,  verehrte Frau Maischberger, gibt es m.E. nicht, wohl aber taktlose Fragen: wie z.B. Ihre öffentliche Frage an die Kanzlerin, ob sie am Wahltag 2017 die Kirche besucht habe. – Beate Reissberg


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Ich bin fest davon überzeugt, dass Deutschland ein merkbar besser funktionierendes Land wäre, wenn in den vergangenen 10 Jahren Menschen die Politik bestimmt hätten, die die Dinge so sehen wie Bernd Ulrich. DANKE für diesen Artikel. – Milena Grünewald


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Auf so eine Analyse habe ich schon lange gehofft und gewartet! Herrn Ulrich dringt bis zum Grund der Gründe vor und hat den Mut die Zusammenhänge schonungslos darzustellen. Dabei sind die von ihm und schon lange von Anderen (u.a. den „Ökologen von damals“) vorgeschlagenen Lösungen gar nicht radikal. Noch sind sie weitgehend im bestehenden politischen und wirtschaftlichen System umzusetzen, erfordern lediglich Anpassungen des Systems. Wenn wir, und damit meine ich Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, jedoch noch länger warten, wird die Radikalität der dann auf uns einwirkenden Umbrüche einen Systemwechsel erzwingen. Eine große Zahl der Menschen in Deutschland spürt das, viele können im Regionalen wie im Globalen sogar Ursachen und Wirkungen erkennen und beschreiben. Die Angst vor dem Nichthandeln ist bei Ihnen wesentlich größer als die Angst vor Veränderungen! Diese Menschen wünschen sich endlich angemessene Lösungen für die großen und kleinen Herausforderungen. Dabei ist es ihnen egal, ob das kleine Schritte oder radikale Veränderungen sind, angemessen sollen die Lösungen sein und erkennbar an den Sachzusammenhängen und nicht an Partikular- oder Lobbyinteressen ausgerichtet. Offene Debatten und ehrliche Erklärungen inklusive. Vielleicht wohnt die Mehrzahl dieser Menschen nicht in den Einfamilenhäusern der Wohnsiedlungen im Speckgürtel westdeutscher Großstädte mit SUV und Au Pair oder besitzen einen indsutriellen Schweinemastbetrieb. Diese Menschen repräsentieren aber auch nicht die Mehrheit der Wähler in Deutschland. Anscheinend aber eine Mehrheit der Politiker. – Edwin Jakob


Leserbrief zu „Klappe halten?“ von Martin Machowecz

Vielen Dank für Ihr Plädoyer für einen intelligenteren Umgang miteinander. Ich würde es begrüßen, wenn Sie noch einen Schritt weiter gehen würden, was aber im Moment noch nicht geht: Auseinandersetzung auf Sachebene und nicht nur über Parteikürzel. Weder hat die eine Seite ohne A immer Recht noch liegt die andere mit A immer falsch. Es ist aber noch ein weiter Weg bis dahin, wobei ich allerdings den Eindruck habe, die Seite ohne A mauert mehr als die andere. Ich bin übrigens derzeit AFD Wähler, und zwar aus guten Gründen. Danach kommt bei mir allerdings eher eine Tendenz zur Linken Wagenknechtscher Machart (auch mit guten Gründen). Aber Rechts und Links waren ja schon früher nicht so weit voneinander entfernt, wenn man an die Strasserbrüder in der NSDAP denkt – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Eigentlich ein wahrhaft aufrüttelnder Aufruf zu mutigem Handeln – und zum Verzicht! Fragt sich nur, wie viele Entscheider(innen), Journalist(inn)en, Verbraucher(innen) und Bürger(innen) sich tatsächlich aufrütteln lassen. – Ulrich Willmes


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Immer wieder vielen Dank für solche aufwändig recherchierten Artikel mit wichtiger Hintergrundinformation, die in vielen Medien zu oft fehlt. Was aber auch -und gerade- bei umfangreich recherchierten Artikeln zum Risiko wird, ist die Einschätzung der Rolle von einzelnen an einem Ereignis beteiligten Personen. Konkret möchte ich Sie fragen: haben Sie sich überlegt, was es bedeuten könnte für den 13 jährigen afghanischen Informanten, wenn Sie schreiben, ohne seine Information wäre „der Fall wohl nicht aufgeklärt worden. Womöglich wäre der Täter sogar für immer in den Weiten des Irak entkommen“? Ich denke der Artikel wäre auch ohne diese zugespitzte Formulierung sehr ausdrucksstark geblieben, auch die Rolle des 13-jährigen wäre wichtig geblieben, und ohne diese absolute Form wäre er weniger exponiert geworden. Auch dass Sie gerade den Titel seines Briefes als Titel Ihres Artikels gewählt haben, wirft noch ein stärkeres Scheinwerferlicht auf ihn. Wollten Sie ihn bewusst zum tragischen Helden stilisieren? Oder war da der Wunsch, dass er dadurch noch mehr von dem preisgibt, was er erlebt hat? Ich denke, die Gefahren für Menschen, die etwas -aus europäischer Sicht- Heldenhaftes tun und von begeisterten Journalisten dafür auf eine Art bejubelt werden, dass sie dadurch erkennbar, auffindbar und schutzlos werden, diese Gefahren werden von uns, die wir in relativer Sicherheit aufgewachsen sind, regelmässig naiv oder fahrlässig übersehen. – Nina Zhao-Seiler


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Hut ab vor Ihnen und Ihren vielen Gesprächspartnern für Ihren mutigen Versuch Politik (wieder?) näher an die Realität heran zu denken! Ich kann nur sagen: Ja, in diese Richtung muss es gehen. Ja, es gibt keine einfachen Lösungen, (so einfach gewöhnen wir uns z.B. das Auto wohl nicht ab), aber Politik muss dorthin, sie muss den direkten Blick auf reale aktuelle Probleme aushalten, ohne in „linke“ oder „rechte“ Panik zu geraten. Die unglaublich wichtige Realisierung, dass in jedem Fall, insbesondere bei grossen Problemen und deren Lösungen mit der Aufrechterhaltung der Institutionen des Staates als Gerüst stabilere Veränderungen möglich werden, als mit deren Zerreissung, sollten wir tief in unsere Überlegungen einsinken lassen. Radikal realistisch gefällt mir sehr gut. Es beinhaltet genau das was beim pragmatischen fehlt: das radikale. Ich wünsche diesem Diskussionsanstoss ein grosses, weit tragendes Echo! – Nina Zhao-Seiler


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Wir brauchen einen radikalen Bewusstseinswandel vom Haben zum Sein! Das heißt Abschied von überzüchteten materiellen Abhängigkeiten, Abschied von einer Wirtschaft, die Menschen krank und süchtig macht und ökologische, naturgebundene Systeme zerstört. Das heißt, Entwicklung neuer Wertigkeiten der Arbeitswelt, des Finanzwesens und der Verteilung des Mehrwerts. Die vermeintlichen Realisten werden einsehen müssen, wie traumtänzerisch ihre Ideologie ewigen wirtschaftlichen Wachstums ist, wodurch die Weltmärkte zum Teil nur aus Profitgier mit Konsumgütern überschwemmt werden. Die Wirklichkeit setzt andere Maßstäbe für das Überleben der Menschheit auf unserem Planeten und einem wirklichen Wohlstand. Wirkliche Lebensqualität baut auf Bildung, Kooperation- und Beziehungsfähigkeit, Vertrauen, gegenseitiges Wohlwollen und das damit verbundene geistige Erwachen. Materieller Reichtum steht nur im Dienste dieser Wirklichkeit und nicht umgekehrt! – Walter Moritz


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Bisweilen kommt es vor, wenn man Politiker im Fernsehen reden hört, dass man den Screen aufklappen, hindurchsteigen und ihn oder sie schütteln möchte. Man fühlt sich zwar einem politischen Lager verbunden und macht dort treu sein Kreuzchen und doch steht der Zweifel übermannshoch im Raum, ob es noch eine einzige Partei gibt, die die großen Überlegenslügen unserer Gesellschaft anfässt. Das Problem besteht -denke ich- nicht so sehr darin, dass die Parteien ihre Profile öffnen und nicht mehr so sehr in die gewohnten Schemata passen, sondern dass die großen, die Menschen bewegenden Themen nicht mehr vorkommen. Als Wähler und interessierter Mensch am Zeitgeschehen hört/liest/sieht man von Missständen, die einen selbst direkt betreffen oder -wenn nicht- einen doch irgendwie umtreiben. Aber wenn man Politiker reden hört, kommen diese nicht vor oder werden kleingeredet. Wenn man sich dieser ständigen Beschwichtigung bisweilen bewusst wird, spürt man die Verzweiflung, von der hierzulande ganze Parteien leben. – Johannes von Alten


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Ja das waere angebracht, aendert aber das leid der hinterbliebenen nicht. Ein solcher mord laest sich leider nicht verhindern. Denn hier hat die Familie der ermodeten es nicht geschaft dem kind waerme vertrauen fuersoge und das noetige selbstbewustheit innere staerke zu zeigen rechtzeitig zu vermitteln. Auch die schule hat es nicht geschaft dieses Opfer zu erkennen um es zu schuetzen. Es gibt sie immer und ueberal, die unerfahren aus zeruettenen famielien die sich gewalttaetter immer wieder aussuchen. Und hier hat es die geselschaft versäumt, jenen matschos zu vermittel das frauen hier selbst bestimmen wann und mit wem sie sex haben wollen. Das der statt eine mitverantwortung hat ist sicherlich klar. Hier ist die selbsverantwortung des maedchen, die die Gefahr rechtzeitig haette erkennen muessen.Denn zwischen leben und tot entscheiden oft nur wenige sekunden bruchteile. Oft ist es leider nur zufall oder glueck das ein opfer ueberlebt. Und eine gute Starke geselschaft hat die aufgabe sich der schwachen anzunehmen. Und von jenen die deutschald fuer ihr ueberleben als sstarken Partner der ihnen schutz bittet auch abcerlangem das sie sich am die hisigem gesetze halten und respektieren. Nicht der mord muss was aendern die geselschaft muss sich aendern und sich oefnen auf neu ankoemlige zu zu gehen und sie auf und an nehmen. – Christian Knaut


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Vielen Dank für das interessante Essay. Sie fordern radikalere Lösungen, da auch die Probleme radikaler sind. Der erwähnte Epochenwechsel, Klimawandel usw sind ohne Frage riesige Herausforderungen. Doch den meisten Deutschen geht es viel zu gut für eine radikalere Politik. Wer will schon radikale Veränderungen mit vollem Bauch? Und die Medien sollen radikalere Positionen beziehen? Schauen Sie in die Vergangenheit: laut Medien müssten die deutschen Wälder längst tot sein, die Flüsse vergiftet und vor jeder Stadt müsste sich ein Massengrab ausgelöst durch BSE befinden. Die Medien mit ihrer Sensationslust und Superlativen im Twitterformat besitzen nicht mehr die Glaubwürdigkeit, bei langfristigen Problemen ernst genommen zu werden. – Hartmut Börger


Leserbrief zu „Wir werden uns nicht zurückziehen“ von Fritz Habekuß

In dem Interview wird das zentrale ethische Problem angedeutet, aber nicht klar ausgesprochen: Dass es nämlich auf eine doppelte Moral hinausläuft, Versuche an Affen mit einer ausgeprägten Ähnlichkeit zum Menschen zu begründen, ohne diesen Tieren wenigstens ein ähnliches Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit einzuräumen. Das Argument, derartige Versuche seien infolge medizinischer Sachzwänge leider unumgänglich, greift zu kurz:  Mit ‚Sachzwängen‘ wurde in der Vergangenheit (und wird in einigen Regionen noch heute) auch die Kinderarbeit und unzählige Verletzungen der Menschenrechte verteidigt: Volkswirtschaft und Kriminalistik hätten leider keine Alternativen. Es fällt aber auf, dass gerade in Ländern, in denen Kinderarbeit verboten ist und die Menschenrechte geachtet werden, die Volkswirtschaft und die Verbrechensbekämpfung eher erfolgreicher sind als in denjenigen Regionen, wo man glaubt, auf moralisch zwielichtige Methoden nicht verzichten zu können. Die medizinische Wissenschaft sollte hieraus Konsequenz ziehen und z. B. die enormen Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen, um den Tierversuch durch technisch überlegene Methoden zu ersetzen. Der Medizin wird dies förderlich sein. – Prof. Dr. Thomas Cirsovius


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Fuchs Ulrich schreibt: “Darum kostet es …auch den Autor dieser Zeilen viel Kraft, sich aus dem Gelernten und Gelungenen zu lösen…” Es ist ihm aber mit dieser sehr genauen, reflektierten und intelligenten Studie hervorragend gelungen. Danke für diese erhellende Analyse! – Franziska Becher


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Mit Neugier und Interesse habe ich den Artikel zum Mord an der 14-jährigen Mainzer Schülerin aus der Zeit Nr. 25 gelesen. Sie recherchieren interessante Fakten und Hintergründe und rekonstruieren, soweit Ihnen möglich, den Tathergang. Aus meiner Sicht sehr lesenswert. Der Tenor des Artikels ist es aber, über den ich stolpere und der mich in meiner Beobachtung bestätigt, dass viele Journalisten an durchgehend objektiver Darstellung wenig Interesse haben und stattdessen bevorzugen, die Stimme einer regierungs-, ja geradezu deutschlandfeindlichen Kampagne zu sein. Im Artikel über Susannas Tod lese ich Unterstellungen, die mich ganz persönlich treffen, wenn da steht „Deutschland ist wund gerieben, die Gesellschaft polarisiert, der Diskurs vergiftet.“. Wenn Sie, liebe Autoren, die Stimmung in Deutschland so drastisch erleben, ist das das Eine. Für die Debatte förderlich ist es aber nicht, Ihre drastische Sicht auf die Lage der Allgemeinheit überzustülpen. Förderlicher wäre es, Ihrer Rolle als „4. Macht im Staat“ gerecht zu werden und die Wogen zu glätten, sachlich zu bleiben und populistische Rhetorik – denn nichts anderes sind diese Zeilen – zu vermeiden. Mit solchen Worten evozieren Sie vielmehr Zustände, die sich keiner wünscht und die ich so nicht feststellen kann. Dazu kommt, dass ich mich als Leser für dumm verkauft fühle. Die Wortwahl wirkt auf mich, als trauten Sie mir eine differenzierte Betrachtung der politischen und gesellschaftlichen Lage in Deutschland nicht zu. Dagegen steht, dass nicht nur Ihre Leser, sondern auch weniger bildungshungrige oder am Diskurs interessierten Menschen, denen es vielleicht schlicht an der Zeit für die Lektüre der „Zeit“ mangelt, fähig sind, neben schwarz und weiß auch Zwischentöne wahrzunehmen. Ich teile weder die Auffassung, dass „der Diskurs vergiftet“ sei, noch dass „Deutschland wund gerieben“ (eine regelrecht aufwiegelnde Rhetorik) noch „die Gesellschaft polarisiert“ sei. Sie schreiben uns dümmer, kleiner und aggressiver, als wir sind. Mich stört diese plakative, marktschreierische Ausdrucksweise. Immer wieder, auch in anderen Artikeln und anderen Zeitungen, stelle ich sie landesweit fest. Weiter schreiben Sie: „Und es stimmt ja, dass dieser Rechtsstaat damit überfordert war, eine Million Menschen zu mustern, zu verarzten und zu integrieren -…“ Später im Artikel steht: „Am Tag, als Susanna stirbt (das allein ist ein Euphemismus, sie wird brutal erdrosselt!, sterben wäre schön gewesen!), hat der deutsche Staat noch nicht einmal einen Termin festgesetzt, um sich mit Ali Bashars Zukunft zu beschäftigen.“ Was mich hier in meinem Anspruch an eine möglichst objektive Darstellung von Sachverhalten in einem Blatt wie Ihrem stört, ist die Verschiebung des eigentlichen Fokus‘ von einem brutalen Mord eines Einzeltäters an einem jungen Mädchen auf die Zuständigkeit des Staates für alle vom rechten Wege Abgekommenen, die wie von Schicksals Hand geleitet Ihrer Bestimmung als Mörder schlichtweg nicht mehr entkommen können, wenn Vater Staat ihnen nicht beispringt. Für mein Sprachgefühl schreit diese Art der Darstellung zum Himmel. Statt die Tat zunächst einfach mal in ihrer Brutalität, Unnötigkeit, Sinnlosigkeit und Endgültigkeit stehen zu lassen, streuen Sie in Abständen immer wieder ein, dass dieser brutale Mord nicht passieren hätte müssen, hätte nur der Staat richtig gehandelt. Aber wer ist denn hier der Staat ? Sind Sie das? Bin ich das? Ist das ein Wiesbadener Polizeibeamter? Heißt das aus Ihrer Sicht, dass man nun irgendwem in den verschiedenen von Ihnen aufgeführten Landesbehörden als verantwortlich für den Mord bezeichnen können soll? Wie anders soll ich all Ihre Hinweise verstehen? Denn wer bitte ist der „Rechtsstaat“ bzw. der deutsche Staat? Sie verwenden – rhetorisch geschickt – diese Synechdoche und lassen im Dunkeln, wen genau Sie beschuldigen. Sie verschieben damit die Wertigkeiten, nehmen – so meine Wahrnehmung – dem Mörder die Zuständigkeit, ja Verantwortung für sein Tun. Es war doch ganz offensichtlich der Beamte A oder der Polizist B, der hier nicht 1 und 1 zusammenzählen konnte und der Justiz Beine gemacht hat. So klingen Ihre Verweise auf das Versagen des Systems, das nun mal aus nichts anderem als Menschen wie Ihnen und mir besteht! Ich empfinde eine solche Darstellung als hilflose Beschuldigung eines Kollektivs, dessen konstituierende  Macht wir alle selber sind, und sie scheint mir genauso platt und unsachlich, wie man es einer gewissen Sorte von europäischen Parteien des konservativen Flügels vorwirft, die in den Medien als populistisch bezeichnet werden, als wäre dieser Begriff Ausdruck einer politischen Ausrichtung. Populistisch kann immer nur die Rhetorik sein und das ist zum Beispiel ein Satz wie: „Das Signal des Staates lautet: Du interessierst uns nicht sonderlich.“ bezogen auf die Fürsorgepflicht des Staates für Rechtsabtrünnige in unserem Lande. Im Märchenton folgt darauf der Satz „Und dann steht Ali Bashar an jenem Abend Ende Mai vor dem Burger King, als Susanna auf die Straße tritt.“ Und man hört förmlich die nicht hingeschriebenen aber mitgedachten Worte „und folgt dem ihm auferlegten Schicksal, das ihn heute Nacht zum Mörder machen wird.“  Und hier endet das Märchen und schuld ist der böse Wolf, genannt „Staat“. Mit dieser Art von Formulierungen manipulieren Sie Leser auf geschickte Weise, lullen Sie ein und nehmen Partei für einen brutalen Mörder ein. Eine ganz andere Frage stellt sich, wenn es darum geht, dass der Mord an Susanna hätte vermieden werden können. Hängt Ali Bashars Verbrechen ursächlich mit seinem Aufenthalt in Deutschland zusammen? Oder wäre er früher oder später auch anderswo zum Mörder geworden? Und wessen Verschulden wäre dies dann gewesen? Wäre es weniger tragisch gewesen? Man hätte sich mit Ali Bashars Zukunft beschäftigen sollen, schreiben Sie. Haben Sie persönlich, liebe Autoren, sich je für die persönliche Zukunft eines Geflüchteten interessiert oder damit beschäftigt? Falls ja, dann wissen Sie, was für eine umfassende Aufgabe das ist. Um einem geflüchteten jungen Mann in Deutschland zu einer stabilen Zukunft zu verhelfen, der dazu selbst wenig Einsatz zeigt, benötigt man viel Zeit und Kraft und kämpft an verschiedenen Fronten gegen Windmühlen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie als bei einem der besten Blätter Deutschlands engagierte Journalisten dafür Ihren Arbeitsumfang reduzieren würden. Dies ist aber bei all den Behörden- und Bittgängen, bei Übersetzungshilfe und Jobsuche erforderlich. Wie soll der Staat eine solche Betreuung gewährleisten, wenn der Betroffene wohlmöglich nicht mal willens ist? Und: Hat man Ali Bashar nicht oft genug klar gemacht, dass sein Verhalten so nicht akzeptabel und in unserer Gesellschaft unerwünscht ist. Wer ist jetzt eigentlich der Verbrecher? Die Angestellten der Ausländerbehörde? Die diensttuenden Polizisten, die ja immer den schwarzen Peter haben, ob sie Härte an den Tag legen oder Milde? Was sie auch tun, immer wird es in den Medien aufs Kritischste beurteilt. Welche Handhabe haben Sie denn eigentlich, die doch selbst ständig fürchten müssen, in brenzligen Situationen mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten? Die Gerichtsangestellten, die nun mal jeden Fall ernst nehmen und sachgemäß bearbeiten müssen? Die Gesetze dafür haben sicher nicht sie selbst gemacht. Und was hätte eine beschleunigte Bearbeitung des eingereichten Widerspruchs Bashars auf die Asylablehnung gebracht? Sie wissen doch selbst, dass er sicher nicht einer der wenigen gefährlichen Fälle gewesen wäre, die man direkt zu einem eigens organisierten Flugzeug gebracht und außer Landes geschafft hätte. So weit war es mit ihm ja noch nicht gekommen. Der Widerspruch Ali Bashars unter dem von Ihnen so bezeichneten Papierberg ist nur ein weiteres Beispiel der Verharmlosung eines gemeinen und niederträchtigen Mordes eines voll verantwortlichen Einzeltäters. Es widerspricht vollkommen meinem Rechtsverständnis, dass eine Zeitung mit Gewicht eine solche Tat nicht aufs Äußerste verurteilt und missbilligt, dass sie im Gegenteil durchgehend verharmlost und Schuld abschiebt. Sie bekennen sich in dieser verzweifelten Bagatellisierung zu einem primitiven, naiven Verhalten: der zwanghaften Suche nach einem Schuldigen. Wie in so vielen anderen Fällen der letzten Zeit, die die Medien beschäftigt haben,  ist die Suche nach einem Schuldigen das zentrale Thema. Es scheint geradezu selbstverständlich und unumstritten zu sein, dass es einen oder mehrere benennbare Schuldige gibt, egal um welchen Missstand es sich handelt. Diese Geste stößt mir als sensibel die Welt beobachtender und erfahrender Zeitgenosse sehr negativ auf. Schuld lädt nach der Definition auf sich, wer moralisch unsittlich handelt, und dies vorsätzlich. Niemand von den im Artikel genannten Zuständigen hat Ali Bashar dazu angehalten, ein Mädchen umzubringen. Und selbst wenn dies der Fall gewesen wäre, war er selbst Mensch genug, um zu wissen, dass dies eine Straftat ist und sowohl in seiner wie in unserer christlichen Religion und Gesellschaft aufs Tiefste verwerflich. Die Suche nach anderen Verantwortlichen für einen Mord als den Mörder selbst füllt seitenweise Berichte über Mordfälle und ist die Ausgeburt unseres von Sozialwissenschaften  geprägten Denkens, was zugegeben eine Errungenschaft unserer Zivilisation ist. Dass der Mörder aber mit Einschränkung auch einen Teil der Schuld an dem von ihm verübten Mord tragen könnte – entschuldigen Sie bitte die Ironie– wagt sich ja kaum ein Journalist öffentlich zu vermuten. Da muss doch mehr dahinter stecken, denken diese sich. So einfach wollen sie es nicht akzeptieren, dass Menschen böse sind. Das allerdings haben uns ach so toleranten, empathischen deutschen Gutmenschen alle einfachen Völker der Erde seit jeher und alle Religionen voraus, dass Mord geächtet und klar als moralisch verwerflich deklariert und geahndet wird. Uns über die Maßen Gerechten gelingt es auf wunderbare Weise den Mörder in die Sphäre der Unschuld zu erheben, da wir ihn in unserer sozialwissenschaftlichen Aufgeklärtheit und weltumspannenden Humanität vor allem und zuallererst als Opfer erkennen. Ich bitte Sie, die Suche nach der Schuld denen zu überlassen, die unser Rechtsstaat dafür ausbildet und prüft. Das Ziel von Journalismus sollte es nicht länger sein. – Julia Koukal


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Herr Ulrich hat hier meines Erachtens der Revolution das Wort geredet. Der Revolution im Denken, im Abkehren eingefahrener Wege, im Wagnis für das wirklich Andere/Neue – auch auf die gegebene Wahrscheinlichkeit des Scheiterns hin -, ist zu folgen! Und das spüren immer mehr. Hier wird zwar Deutschland exemplarisch angeführt; es lässt sich aber ohne Verrenkungen auf die westlich geprägten Gesellschaften, wenn nicht, mit leichtem Adaptierungsaufwand, global anwenden. Das Wissen um die Gefahren, die dem Beibehalten des Status quo immanent sind, ist vorhanden; die politische Symmetrie in der gebotenen Antwort darauf ist sofort und ohne ausweichende Haken zu schlagen, zu geben. Eine Aktionsanweisung Ulrichs, die ich hiermit dankenswerterweise nochmals eindrücklich unterstreichen möchte! – Wolfgang Sauer


Leserbrief zu „Klappe halten?“ von Martin Machowecz

Wenn Bürger unterschiedlicher politischer Meinung sich ungehemmt – da ohne direkten Widerhall – im Internet attackieren, dann kommt es irgendwann zum verbalen Bürgerkrieg! Immer wieder miteinander reden, zuhören, Argumente „hart aber fair“ austauschen: dann erst öffnen sich Augen und Ohren, manchmal sogar Herzen! Allerdings: gelegentlich muß man – ganz unaufgeregt (s. „Abschalten?“ gleiche DIE ZEIT) – den Brandstifter im Biedermann entlarven (damit sind keinesfalls nur Rechtsextreme gemeint, sondern Extremisten aller politischen und religiösen Schattierungen). Verantwortungsbewußte Politiker müssen hier Vorbild sein – indem sie zum Dialog mit allen politischen Strömungen einladen, ohne Vorbedingungen, ohne sich dabei jedoch des Vokabulars der äußersten Ränder zubedienen – indem sie sich endlich wieder auf ihren Amtseid besinnen: „…meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden…“ – indem sie stets die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und ihres politischen Handelns für die Zukunft Deutschlands im Blick haben – und die beginnt gewöhnlich erst nach dem Ende einer Legislaturperiode! – indem sie einfach dem alten (politischen) Leitspruch folgen: was auch immer du tust, tu es überlegt, und bedenke das Ende! Überzeugen durch kluges Handeln statt Ausgrenzen und Verurteilen mit unbedachten Worten! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Vielen Dank für Ihren Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeit. Ich bin sofort geneigt, Ihnen zuzustimmen. Die Dringlichkeit der Probleme der Welt (Armut, Hunger, Klimawandel, Kriege, der Zerfall der EU) ist nicht symmetrisch zu den Antworten, die die aktuelle Politik des Graduellen hervorbringt. Was mich aber umtreibt: Wer entscheidet denn, welches Problem wirklich ein dringliches ist? Und welches nur als solches von hysterischen Medien dargestellt wird? Beispiel Flüchtlinge: Wenn man die Medien verfolgt, scheint das dringlichste Problem in der Abschottung von weiteren Flüchtlingen zu liegen. Der gesunde Menschenverstand sagt einem aber, es liegt in der Integration der bereits hier angekommenen Flüchtlinge. In diesem Fall ist die Unterscheidung noch relativ einfach. Im Bereich Naturschutz, Landwirtschaft, den Sie ansprechen, wird es schon schwieriger. Ich selbst habe Agrarwissenschaft studiert, unterrichte junge Landwirte an einer Berufsschule und führe mit meinem Mann einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Aber wenn ich Ihre Zeitung aufschlage und mir die Beiträge zum Thema Landwirtschaft durchlese, wird mir immer mehr klar, wie wenig Fachwissen und laute Rhetorik nicht nur falsche sondern desaströse Folgen haben würden, wenn sie in der gleichen Radikalität beantwortet würden, in der sie medial gefordert werden. Ein Beispiel: Das Aufregerthema Glyphosat. Niemandem (auch nicht den Bienen) ist mit einem Verbot von Glyphosat geholfen, aber es lenkt den Blick weg von den Dingen, die wirklich Veränderung bedürfen. Die Herausforderung, eine wachsende Weltbevölkerung durch eine nachhaltige Landwirtschaft zu ernähren, verlangt gesunde, fruchtbare Böden mit intaktem Bodenleben. Weltweit und auch bei uns gibt es riesige Probleme, was Erosion angeht. Niemand spricht darüber. Der Pflug zerstört aber mehr Bodenleben und Humus als jedes Pflanzenschutzmittel. Pfluglos zu wirtschaften, erfordert (noch) einen sinnvollen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Hysterische Panik vor allem, das irgendwie „chemisch“ ist und ein blinder Heilsglaube, dass bio immer nachhaltiger sei, ist aber inzwischen so etwas wie eine nicht-hinterfragte Wahrheit, der die Mehrheit der Deutschen zustimmen würde, auch wenn wissenschaftliche Fakten etwas Gegenteiliges belegen. Radikale und populäre Antworten auf nicht ausreichend erforschte Sachfragen zu geben, könnte eben nicht nur zwei sondern auch 10 neue Probleme schaffen. Ich möchte Ihnen dennoch sagen, dass ich grundsätzlich größere Antworten auf die großen Probleme wünsche. Aber es sollte trotzdem Sachverstand bemüht werden, um die Größe des Problems und die Folgen der Lösung abzuschätzen. – Friederike Schierholz


Leserbrief zu „Klappe halten?“ von Martin Machowecz

Sie haben den Nagel auf dem Kopf getroffen. Was die Bürger aufregt ist der Journalismus der nicht schreibt was ist ( Lügenpresse ) sondern schreibt was er gerne hätte. Der Bürger wird für unfähig gehalten sich auf Basis von Fakten eine eigene Meinung zu bilden.Die Zeit und allen voran Giovanni di Lorenzo haben das schon vor einiger Zeit erkannt. Dafür ein großes Lob. – Peter Knappmann


Leserbrief zu „Der große Verlust“ von Tina Uebel

„Mc Carthy für alle. Man dachte, das wäre fern: Die befremdlich-skurrilen Berichte aus nordamerikanischen Universitäten über Tugendwächter der „political correctness“, deren Selbstzuschreibung zur Gruppe der „Guten“ das kollektive Niedermachen Dritter zu heiligem Zorn erhebt. Fern das. Dass das bisschen Aufklärung dabei unter die Räder kommt, durch Gefühlsschwall substituiert wird und sich dann auch noch als ebenjene Aufklärung ausgibt – all dies schien fern. Tina Uebel nimmt die Illusion und dafür sei ihr gedankt. Offenbar ist eine angstgeführte Zensorschere bereits in hiesigen Redaktionen und Lektoraten angelangt und reagiert im Sinne geistigen Blockwarttums, weil Mann & Frau es nicht nicht gut aushalten, mit ausgrenzenden Folgen einige der besten Freundschaften zu verlieren. Na ja – und Haltung kann geschäftsschädigend sein. Das kannten wir doch schon aus der Schule – aus Angst, nicht zu den Angesagten zu gehören, traten auch diejenigen recht bereitwillig mit zu, die sonst selbst Gefahr liefen, in Verschiss zu geraten. Bei Mc Carthy-Prozessen mitgemacht zu haben, galt in der historischen Rückschau bis eben als gar nicht schick. Auch nicht die Blockwart-Pose. Jetzt aber, social-media-geschützt, Mc Carthy für alle? Verführerisch.“ – Dr. Wolfgang Scholz


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Wenn man der Analyse von Herrn Ulrich zustimmt – und es spricht viel dafür – dann hat leider seine Erkenntis in die Redaktion noch wenig Eingang gefunden. Neben dem schwerpunktmäßigen Abarbeiten am Flüchtingsthema stört mich vor allem der Duktus der Artikel. Die Probleme werden als Beziehungsprobleme behandelt und sind weit entfernt von sachlicher Information/Auseinandersetzung. Beispiel das Diesel-Thema – es changiert zwischen Empörung, Schuldzuweisungen, Hilflosigkeit, aber ich habe noch keine Artikel gelesen, die über die Alternativen, d.h. nicht nur die technische Aufrüstung, wirklich ausführlich berichtet haben. Welche Alternativen stehen in welchem Zeitraum zur Verfügung, was verlangen sie von dem Einzelnen, den Unternehmen, der Gesellschaft. Mit ihrer Serie „mit eigener Hände Arbeit“ haben sie zumindest auf der individuellen Ebene einen Ansatz, der in die richtige Richtung geht. Nur leider findet sich davon auf der Makroebene nichts wieder. Und man fragt sich auch, warum der Beitrag von Herrn Münkler im Feuilleton erscheint und nicht im Politikteil. Es gibt viel zu verbessern. – Helmut Altenhhofen


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Ein tolle Analyse der politischen Situation! Ich bin nachhaltig begeistert. Ich habe es nun zum zweiten Mal gelesen und frage mich zum wiederholten Male: Was ist zu tun? Wie kann man/ ich zu einer Änderung beitragen? Ich finde es ehrenwert (und natürlich irgendwo in Ihrer Profession begründet), dass sie auf „die Medien“ zeigen und von Ihren Kolleginnen und Kollegen (und Ihnen selbst) eine Änderung erwarten. Die Zeit tut hier meines Erachtens schon überdurchschnittlich viel durch  das häufige Aufzeigen von Missständen. Könnte noch penetranter passieren, doch ginge dies vermutlich auf Kosten der Leserschaft. Diese wäre genervt und die Absatzzahlen sänken. Einer – wenn nicht gar der Hauptgrund – warum sich grundsätzlich nichts verändern wird: Wirtschaftliche Kennzahlen sind das höchste Gut unserer Gesellschaft geworden. Dort wo es um Wirtschaft geht spielt Moral keine Rolle mehr. Siehe das (komplette!) Fehlen moralischer Aspekte im Wirtschaftsteil von Zeitungen. Auch hier wieder sticht Die Zeit hervor. Dort tauchen solche überdurchschnittlich häufig auf. Könnte noch häufiger sein, doch ginge dies vermutlich auf Kosten …Es waren in jüngerer Vergangenheit einige Artikel in der Zeit zum Thema Massentierhaltung erschienen. In einem wurde von Veterinärmedizinern berichtet, denen es nicht gelang Missstände anzuprangern (geschweige denn zu ändern). Stattdessen verloren sie ihren Job bzw. wurden in den Orten ihrer Tätigkeit bedroht oder in Gaststätten nicht mehr bedient. Die Menschen, die so hasserfüllt auf die Veterinärmediziner reagierten sind offensichtlich getrieben von Ängsten. Ängste um Machtverlust. Ängste, im Ansehen der Mächtigen zu sinken. Die Mächtigen sind in dem Fall die, die wirtschaftliche Macht haben. Arbeitsplätze bieten und für Steuereinnahmen sorgen. Oder – und das halte ich bei Kommunalpolitik für noch ausschlaggebender – einfach ihre Gunst anbieten. Ihre Nähe. Die Nähe zu Macht und Ansehen. Es gibt leider nicht viele solcher Helden wie den Berliner Baudezernenten Schmidt, die dem die Stirn bieten. Und das gleiche passiert zum Beispiel in Köln (meiner Heimat) in der Verkehrspolitik. Hier ist man Lichtjahre davon entfernt Visionen einer fahrradfreundlichen Stadt auch nur zu entwickeln. Geschweige denn umzusetzen. Denn mit Fahrrädern ist kein Staat zu machen. Dieses geflügelte Wort „mit etwas Staat machen“ ist in seiner Bedeutung kaum zu unterschätzen. Die Mehrheit der Menschen will mit etwas Staat machen. Und das geht nunmal schlecht mit dem Fahrrad. Besser mit dem Auto. Noch besser mit einem teuren Auto. Mit einem schnellen Auto. Einem großen Auto.Der Geschäftsführer meiner Firma fährt einen BMW X6. Eines der größten und protzigesten Autos die es gibt. Damit kann man Staat machen. Und wenn der damit vorfährt muss man schon ein sehr geerdeter, vernünftiger, unkorrumpierbarer Mensch sein davon unbeeindruckt den moralischen Aspekten seines Handelns weiterhin den Vorrang zu geben. Psychologisch hat dies vermutlich viel mit Minderwertigeitskomplexen zu tun. Pädagogisch mit Vorbildern. Eltern, Lehrern, Vorbildern in Funk und Fernsehen. Neuerdings mit Influencern. Die Methoden der Werbung haben sich in den letzten Jahrzehnten dermaßen perfektioniert, dass wir sie zum größten Teil schon selbst verinnerlicht haben. Wir nehmen sie nicht mehr wahr. Wir suchen unser Glück im Konsum. In mehrfacher Hinsicht. Wir fühlen uns aufgewertet (s. „Staat machen“) wenn wir bestimmte, teure Produkte kaufen, wir fühlen uns glücklich, wenn wir die Milch mit dem Bild der glücklichen Kuh kaufen, wir fühlen uns moralisch gut, wenn wir das Bio oder Fair Trade Produkt kaufen. Wir sind zu solchen absoluten Konsumenten geworden, dass wir glauben, dass alles durch den Konsum geregelt wird. Die ganze Welt können wir durch Konsum (oder Konsumverzicht) verändern. Denn nur Konsum ist gut für die Wirtschaft und die Wirtschaft ist unser höchstes Gut. Der Zweck von Schulbildung ist heutzutage unverholen Nachwuchs für die Wirtschaft zu produzieren. Noch zu meiner Schulzeit wäre eine solche Aussage sehr verächtlich goutiert worden. Heutzutage ist dies Normalität. Wozu ist die Schule sonst da? Ein Bildungsideal, welches auch nur im Entferntesten dazu dienen könnte einen zufriedenen Menschen oder eine zufriedene Gesellschaft zu erzeugen, fernab von wirtschaftlichen Aspekten ist in nicht mehr greifbare Ferne gerückt. Da können die Experten noch so oft wiederholen, dass mehr Bewegung und mehr Kunst/ Musik für die Entwicklung von Kindern am Wichtigsten ist. Dass das Starren auf Bildschirme schädlich ist. Doch Kindern Blidschirme in die Hand zu drücken ist bequem. Dann sind sie still und beschäftigt. Man hat seine Ruhe um sich selbst mit dem Bildschirm beschäftigen zu können. Diesen Bereich (Bildung und Digitalisierung) haben Sie ein wenig außen vor gelassen in Ihrer Betrachtung. Das hätte wahrscheinlich auch den Rahmen gesprengt. Ich befürchte nur, dass diese Aspekte eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Implementierung von radikalen Lösungen spielt. Meines Erachtens sollten wir uns frühzeitig überlegen, welche Rolle die Erziehung unserer Kinder spielt hinsichtlich der Überlebenschancen der Menschheit. Da – wie oben ausgeführt – die gottähnliche überhöhung von wirtschaftlichen Aspekten bei allen (!) Entscheidungen bereits (spätestens) ab der Schulzeit beginnt, und ich gerade diese Denkweise für ursächlich für unsere Probleme ansehe, muss meines Erachtens ein langfristig orientiertes, visionäres Handeln dort seinen Ursprung nehmen. Es gilt die Bedeutung menschlicher Beziehung zu kultivieren. Die Entwicklung moralischer Werte zu fördern (Kinder habe häufig überraschend klare moralische Vorstellungen). Aber auch den Umgang mit korrumpierenden und manipulativen Kräften. Am Ende werden wir das Klima nur retten können durch Verzicht. Die Meeresverschmutzung kann auch nur durch Verzicht gerettet werden. Die Tierqual (und alle damit einhergehenden Umweltverschmutzungen) kann nur durch Verzicht beendet werden. Selbst der Nationalismus kann nur durch Verzicht geheilt werden. Am Ende ist da ganz schön viel Verzicht. Da kann man noch so viel von Gesundheit, Lärm, Schmutz usw reden (bzgl.Auto vs.  Radfahren). Das Auto ist bequemer und Sta(a)tussymbol. Wir sind einfach nicht dazu erzogen, dem Unbequemen und Schwachen dem Vorzug zu geben. Geschweige denn Verzicht zu üben. Wir sind zu Konsumenten erzogen worden. Nicht zu Asketen. – Mirko Strick


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Ich gratuliere zu der hervorragenden, scharfsinnigen Analyse der Situation „des Westens“, die Bernd Ulrich hier vorgelegt hat. Seine Schlussfolgerung, dass die bundesdeutsche Politik wegen des vorherrschenden Prinzips des Gradualismus Lösungsideen nicht oder in nur unzureichender Weise produzieren kann, ist richtig, wurde aber in der Presse nach meiner Beobachtung in dieser argumentativen Klarheit noch nicht präsentiert. Ansätze finden sich bei Vertretern der Politikwissenschaft, die jedoch einen weniger breiten Adressatenkreis erreichen. Es ist Besorgnis erregend, dass auch unsere Journalisten oftmals gewohnte Denkschablonen nicht verlassen können und somit eine breite gesellschaftliche Diskussion über Chancen zur Bewältigung der enormen Herausforderungen, denen sich Deutschland, Europa und „der Westen“ stellen müssen, gar nicht erst entstehen kann. Zu selten gelangen die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Beziehungsgeflechte, wie sie Bernd Ulrich zusammenhängend analysiert, in den Blick. Ulrich schreibt erwähnt in diesem Kontext die „Bubbles“, die den gesellschaftlichen Diskurs zu ersetzen scheinen. Leider liegt hier ein Schwachpunkt seiner Analyse, die an dieser Stelle weitergehen müsste: Die Wut, die Hysterie, die Schnelligkeit und die Unwahrheiten, die die Auseinandersetzungen in den (a)sozialen Medien kennzeichnen, sind weniger Symptome des Verlusts der normativen Kraft unserer Normalität, sondern diese Medien sind vielmehr den Ursachen unserer schwierig gewordenen Lage zuzurechnen. Sie sorgen mit für die Einbuße der Macht der Vernunft. Es steht zu befürchten, dass der digitale Ort der Auseinandersetzungen eben auch denkbare uns diskussionswürdige radikale Lösungen der radikalen Probleme unmöglich macht, indem die handelnde Politik von der Aggressionen „im Netz“ eingeschüchtert und eingegrenzt wird. – Klaus Keßler


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Der Mord an der 14jährigen Susanna F. ist in äußertem Maße brutal, für alle Beteiligten und Außenstehenden zutiefst schmerzlich. Wie jeder Mord es ist. Das Wiesbadener Verbrechen muss in dem geschilderten Kontext offen und konfliktfrei nach Innen zügig aufgeklärt werden. Zweifelsfrei Die Frage, die in mir bereits beim Lesen der Überschrift aufkam ist, ob das Dossier nicht hier einen unheilvollen, allgegenwärtigen Populismus bedient, wie ihn Bernd Ulrich in der selben Ausgabe in seinem hervorragenden Artikel „Wie radikal ist realistisch?“ u.a. für die Medien kritisch beleuchtete?! Der Täter hier ist EIN ‚Flüchtling‘. Wie wäre der Aufschrei gewesen, wenn es ein vorbestrafter Deutscher gewesen wäre, der sich ins Ausland abgesetzt hätte? So gerät die Flüchtlingsthematik wieder in den verstärkten Sog einer hektischen Ohnmacht der Politik bzw. wird Rechtsradikalen überlassen, die den Mord für sich instrumentalisieren, bis hin zu einer (gerügten) Schweigeminute im Bundestag. Richten wir den Blick auf unsere doch so scheinbar gewaltfreie Kultur und machen uns z.B. bewusst: Pro Jahr werden 12.000 (!) Fälle wegen sexuellem Kindermißbrauch verhandelt. Die Dunkelziffer liegt bei 100.000 (!) dito abscheulich zu nennenden Delikten. Min. 90% der Täter werden wohl deutsche Staatsangehörige sein, die bis in die höchsten gesellschaftlichen Schichten zu finden sind. Wo ist hier der Aufschrei zu hören und zu lesen? Wollen wir eine Grenze zwischen ausländischen und deutschen Straftätern ziehen und dabei vor allem das vehement verurteilten, was Ausländer, Flüchtlinge tun? Und dabei ablenken wollen, worum es wirklich geht, wenn es um die globale Integration von Menschen geht, deren Würde unantastbar ist?! Ich wünsche mir hier von der „ZEIT“ die Rolle des objektiv Mahnenden, mit einem achtsamen Augenmaß für die gesamtheitliche Wirklichkeit in unserer Gesellschaft. Dieses Dossier hatte es leider nicht. – Leonhard Schnorrenberg


Leserbrief zu „Da kocht was über“ von Matthias Geis und Tina Hildebrandt

Der christ-soziale Schwanz versucht mal wieder mit dem Hund zu wedeln. Die Bundeskanzlerin darf sich aber vom berliner Paladin des vor AfD-Angst schweißtriefenden bayerischen Landesfürsten nicht erpressen lassen. Kenia funktioniert auch ohne die 6-Prozent-Regionalpartei, vermutlich sogar besser. – Franz Ulrich Häusler


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

“ Wenn, wie im Artikel „Liebe Susanna, es tut mir sehr leid“, steht, „Deutschland wund gerieben ist, die Gesellschaft polarisiert wird und der Diskurs vergiftet“  und die „überwältigende Mehrheit der Flüchtlinge unauffällig ist“, weshalb bringt die „ZEIT“ dann auf der Titelseite mit  „Der Fall Susanna F.: Ein Mord, der etwas ändern muss“ einen Aufmacher im Bildzeitungsstil und polarisiert damit die Gesellschaft nur noch mehr?! – Monika und Dr. Valentin Reitmajer


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Ich möchte Bernd Ulrich herzlich für den Artikel „Wie radikal ist realistisch“ und dem Redaktionsteam für dessen Veröffentlichung danken! Der Artikel ist eine zutreffende Analyse der gegenwärtigen politischen, ökologischen und sozialen Situation. Unsere Politiker lenken seit Jahren aktiv von den realen Problemen ab und verhindern damit, dass längst überfällige Maßnahmen beschlossen und umgesetzt werden. Die Joker, auf die sie dabei setzen, sind Profit (Wirtschaft und Industrie) und Bequemlichkeit (der „innere Schweinehund“). Doch nur klare politische Programme und die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben werden uns retten! Bernd Ulrich weist auf einige dringend notwendige Veränderungen, wie die fahrrad- und fußgängergerechte Stadt, die Verdoppelung des pädagogoschen Personals, das Verbot von Einwegplastik, die Reduktion des Fleischkonsums, hin. Wir brauchen eine realistische Politik – jetzt! Bitte unterstützen und verstärken Sie diese Forderung mit denen Ihnen zur Verfügung stehenden journalistischen Mitteln weiter! – Doris Lösch


Leserbrief zu „Da kocht was über“ von Matthias Geis und Tina Hildebrandt

Merkel hat historisch vollkommen recht, wenn sie mit aller Kraft (Macht?) versucht, die Flüchtlingskrise europäisch zu lösen. Vermutlich vergeblich. Es war Merkel, die auf dem Höhepunkt der griechischen Euro-Krise meinte, das griechische Problem sei nichts im Verhältnis zu dem Thema Migration in Europa, das dem Kontinent bevorstehe (wohlgemerkt, schon vor 2015, als die Dämme brachen). Möglich, daß Merkel mit ihrem Satz, „Dann ist das nicht mein Land“, wenn man sich für humanitäre Hilfe entschuldigen müsse, ungewollt und etwas anders recht behalten wird, wenn sie im Streit mit der CSU in ihren eigenen CDU-Reihen den Rückhalt verliert, sagen muss: „Dann ist das nicht mehr meine Partei.“ 1975 titelte der „Spiegel“ übrigens: „Zerrissene Union“. Ein Jahr später kündigte Franz-Josef Strauß die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag mit der CDU auf, was er wenig später kleinmütig wieder zurücknahm. Geschichte wiederholt sich einmal als Tragödie und einmal als Farce. Sicher war es ein Fehler von Merkel, noch einmal zur Bundestagswahl zu kandidieren. Ich war dagegen, habe sie aber gewählt aus dem einfachen Grund: Eine Bundeskanzlerin mit humanitärer Grundhaltung und europäischer Gesinnung wählt man nicht ab. Und ich glaube auch, daß man sich eines Tages angesichts der seltsamsten Alternativfiguren auf deutscher und europäischer (und weltweiter) Ebene noch nach Angela Merkel zurücksehnen wird. – Wilfried Mommert


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Mit Ihrer jüngsten Titelschlagzeile „Ein Mord, der etwas ändern muss“ ist es Ihnen gelungen, auf primitive Weise Ressentiments zu schüren. Warum muss ausgerechnet dieser Mord etwas ändern? Weil ein Iraker ihn begangen hat? Dies legt Ihre Formulierung nahe. Und wenn ihn ein Deutscher begangen hätte? Müsste sich dann nichts ändern? Auch dies legt Ihre Titelwahl nahe, schließlich sind Morde in Deutschland kein „importiertes“ Problem – und häufig dennoch ein Politikum: Warum schaffen es beispielsweise die regelmäßigen Gewalttaten deutscher Männer gegenüber ihren (Ex)Partnerinnen nie auf das Titelblatt? Im Übrigen soll hier kein Tabu eingefordert werden. Es spricht nichts dagegen den Mord zu thematisieren – entscheidend ist, wie man das tut. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass eine sogenannte Qualitätszeitung versucht, auf der rechtspopulistischen Welle zu reiten – und sie somit weiter befördert. „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“ fragte die Zeit am 14.09.2017. Ja, warum eigentlich? – Christoph Müller


Leserbrief zu „Da kocht was über“ von Matthias Geis und Tina Hildebrandt

Fragen an den Innenmister. Wie  würde sich die innere Sicherheit des Landes verändern, wenn Asylsuchende an der deutschen Grenze zurückgewiesen werden? Wäre die Bundespolizei auch personell dieser Aufgabe überhaupt gewachsen? Gibt es dann mehr oder bessere Heimat? Und überhaupt gibt es keine anderen Probleme, denen sich die Regierung zuwenden muss – statt Energie in einem solchen Machtkampf zu verschleudern? Es nervt nur noch … – Bettina Koch


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Ein toller Artikel, der vieles auf den Punkt bringt, was in Deutschland schon seit geraumer Zeit im Argen liegt! Die Aussage, dass unsere Regierung nur graduell (zu vorsichtig, zu lasch und nur verwaltend) auf viele fundamentalen Probleme reagiert, fasst das Dilemma perfekt zusammen. Bernd Ulrich hat genau das ausformuliert, was mich seit einiger Zeit immer stärker an unseren Politikern und anderen Verantwortlichen zweifeln und verzweifeln lässt. – Ute Birrel


Leserbrief zu „Abschalten?“ von Sandra Maischberger

Was mich an Talkshows in letzter Zeit immer mehr ärgert, ist nicht der Streit, sondern die offenbar um sich greifende Unart der Gäste, dass der mit der kräftigsten Stimme und am häufigsten anderen Teilnehmenden ins Wort fallende und sich nicht dabei bremsen lassende Mensch die längsten Teile der Sendezeit bekommt. Wenn dann möglichst viele durcheinander reden, kann man als Zuhörer oft kaum etwas verstehen. Deshalb fordere ich, dass die Sendungen dadurch besser werden, dass die Moderierenden eine Möglichkeit bekommen, die Mikrofone der sich am unverschämtesten „vordrängelnden“ Gäste zeitweilig abzuschalten (statt der ganzen Sendung!). Dadurch würden die Sendungen kurzfristig verständlicher und vermutlich mittelfristig die Gäste weniger dreist. Damit wäre schon einiges zur Verbesserung derartiger Sendungen getan. – Helmut Mörchen


Leserbrief zu „Das Seil kann reißen, wenn man es zu straff spannt“ von Thomas Assheuer

Der Euro hat nicht nur Italien Schaden angerichtet. Die Politik verschweigt das alles. Tatsache ist: die Wirtschaft, besonders für die Gastronomie hat die Umstellung von DM auf Euro nie richtig stattgefunden. Damit war die Armut vorprogrammiert. Einige wenige Wissenschaftler haben ständig davor gewarnt. Die Politik hat die Warnungen nie Ernst genommen. Und das Volk hat es größtenteils hingenommen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Klappe halten?“ von Martin Machowecz

Die linken Intellektuellen (oder die, die sich dafür halten) erwarten von politisch anders Denkenden eine hundertprozentige Toleranz. Leider sind sie diesen Menschen, denen die Welt vielleicht inzwischen vielfältig und bunt genug ist, gegenüber völlig toleranzresistent. Kein Wunder, wenn unser Land immer gespaltener wird. – Linde Schütte


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Was sich momentan in der Weltpolitik tut, lässt sich wohl am besten poetisch beschreiben: Alles bebt inmitten der herrschenden Ruhe. Die Taktiken der von Bernd Ulrich als graduelle Politik bezeichneten Verschleierungstaktiken, diese Ruhe aufrecht zu erhalten, haben sich erschöpft. Demokratie ohne Verfügungsgewalt über die Ökonomie ist eben keine, die Wachstumsreligion frisst ihre Kinder, alle denken an der Untergang, alle glauben aber noch einen Platz im Rettungsboot ergattern zu können, wenn die Titanic sinkt. Jeder spürt, es geht so nicht weiter, die seismografischen Zeichen stehen auf Sturm, aber die Politik verweigert sich der Wirklichkeit. Wer Schweinefleisch zu 1,29 € pro Kilo essen möchte, den dritten Familienwagen erhalten will, der muss das eben mit der Waffe in der Hand gegen den Rest der Welt und zukünftige Generationen tun. Bleibt nur eine revolutionäre Devise von Gilbert Lecomte aus dem Jahre 1928 : „ Alles verneinen und nur noch den Abgrund empfinden.“ Von da an kann es bergauf gehen!! – Dieter Schöneborn


Leserbrief zu „Ist das noch Religion, Herr Beck?“ von Christine Brinck

Dazu passt ein Zitat des württembergischen Politikers und von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Eugen Bolz (1881-1945): „Politik ist nichts anderes als praktisch angewandte Religion.“ Aktuell sollte man ergänzen: Wenn weder Politik noch Religion als Exklusivmodelle verstanden werden, kann das sogar Denkanstöße für Säkulare  und „Glaubensfreie“ sein, wie Volker Beck sie nennt. Mit letzterem Begriff meint er wahrscheinlich die weder konfessionell noch religiös institutionell Gebundenen, denn glaubensfrei im Allgemeinen zu sein, geht eigentlich nicht. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Das Resümee ist eine völlige Überforderung aller Institutionen aus der massenhaften Einwanderung seit 2015. Dies bedeutet: Fr. Merkel, wir schaffen, das nicht! Unser Land und seine Menschen / Institutionen sind völlig überfordert. Und dies noch auf Jahre. Dieser Zustand verunsichert die Mehrheit der Menschen. Es ist auch völlig klar, dass es im politisch zersplitterten Europa kurzfristig keine europäische Lösung geben wird. Wir in Deutschland müssen insbesondere bei den nicht asylberechtigten konsequenter handeln. – Reinhard Hartmann


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Dass die Komplexität von Lösungsalternativen mit zunehmender Vielfalt und Interaktion der Probleme leicht zu Panikreaktionen führt, wird bei diesem Artikel überdeutlich. Dass  das geforderte radikalere Politikhandeln im Gegensatz zu der verschmähen Politik der kleinen Schritte das ohnehin vorhandene Chaos noch vergrößern würde, sollte auch einem erfahrenen Journalisten wie Bernd Ulrich klar sein. Graduelle Entwicklungen sind naturgegeben langsamer als revolutionäre, dafür aber berechenbarer.  Es ist weniger der „Schweinehund in uns“, der schnelle Lösungen erschwert, es ist die geschichtlich begründete Erfahrung, die uns vor radikalen gesellschaftspolitischen Lösungsversprechen warnt. Es wäre daher traurig, wenn jetzt auch der ZEIT-Laden durchdreht, anstatt angesichts der globaler und komplexer gewordenen Probleme einen kühlen Kopf zu bewahren und – wie man es von der ZEIT gewöhnt ist – anspruchsvolle Diagnosen unseres Zeitgeschehens zu präsentieren. – Dr. Klaus Matthes


Leserbrief zu „Glauben Sie wirklich, Mesut und İlkay seien unser wahres Problem?“ von Cathrin Gilbert

Ihr Interview mit DFB- Präsident Reinhard Grindel hat mich tiefgreifend verstört. Es macht mir als Leser Angst, in der ZEIT einem Ton und Stil zu begegnen, der völlig mißachtet, wofür diese Zeitung einsteht. Ich lese in einem Interview, in dem es um nicht viel geht und noch dazu mit einem Menschen, der sich persönlich gar nichts hat zuschulden kommen lassen, reihenweise „Fragen“ wie: „Sie … entziehen sich der Verantwortung“, „Haben Sie wirklich geglaubt…“, „Ist es denn zu viel verlangt, Haltung zu zeigen?“, „Ist es nicht endlich an der Zeit, zu bekennen…“, „Lügen Sie sich nicht selbst an…?“, „Schämen Sie sich nicht…?“ Das sind keine Fragen, es sind substanzlose Grenzverletzungen und Herabwürdigungen. In wutschäumenden Beiträgen vorurteilsbeladener Publizistik, vor allem im Internet, kann der erschrockene Leser heute einem solchen Ton begegnen. In der ZEIT hoffe ich, ein Gegengewicht zu finden: präzise, kenntnisreiche, intelligent und gut recherchierte Beiträge und Interviews bei Wahrung von Takt, Stil, Dialogfähigkeit und Würde. – Gerald Häfner


Leserbrief zu „Der große Verlust“ von Tina Uebel

Der realistische und sarkastische Artikel über die Auswirkungen der political correctness (oder was halt so dafür gehalten wird) aus der Sicht einer Schriftstellerin war für mich sehr aufschlussreich. Dass die (Selbst-) Zensur soweit ins belletristische reicht, war mir so noch gar nicht klar gewesen. Ich hatte bisher zwar die oft PC-diktierten Kritiken inkriminierter Romane wahrgenommen: von Telkamp bis Monika Maron, von der seit Jahrzehnten anhaltenden Kontroverse um den unter Nazi-Verdacht gestellten Martin Walser ganz zu schweigen, und dieser unflätige Franzose Hoellebeque bekommt ja im Feulleton auch sein Teil ab. Dass Schriftsteller aber durch Verlage und Lektoren heute im heutigen Deutschland mit derartig unverblümter Zensur durch Verlage bereits bei der Erstellung und Konzipierung eines Werkes konfrontiert werden, war mir so nicht bewusst. Das erinnert ja fatal an die Szenen zwischen Zensor und Autoren in Telkamps Dresden-Roman. Ich hatte eigentlich immer darauf vertraut, dass die Vielfältigkeit der Verlagslandschaft in Deutschland (und auch CH und A) derartiges verhindert. Das Gute an der Sache: ich bin auf Sie und Ihre Publikationen aufmerksam geworden, leider erst jetzt. Da ich selbst beruflich die meiste Zeit im Ausland verbringe (vorwiegend Afrika und Nahost), sind mir Ihre Themen als Reiseschriftstellerin -und auch die Schwierigkeit, vieles von dem Gesehenen und Erlebten zu vermitteln- geläufig und nachvollziehbar. Sie haben also einen Leser (bzw. follower) gewonnen. – Bernd Leber


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Gestatten Sie mir eine Ergänzung zu Ihrem o. g., sehr lesenswerten Artikel in der letzten ZEIT: Sie schreiben zum Dieselskandal, dass er in Wirklichkeit der Ausdruck des unbewältigten Konflikts zwischen Mobilität und Umwelt ist und nennen als Lösung dieses Konflikts “…. nicht Elektroauto, sondern ein fahrrad- und fußgängertaugliche Stadt.” Diese Antwort greift viel zu kurz! Es ist sicher möglich, die von den Menschen als hohes Gut beurteilte Mobilität im Einklang mit der Umwelt zu erhalten, wenn man nicht nur die Städte fahrrad- und fußgängertauglich macht, sondern den ÖPNV mit intelligenten Fahrzeugen (Obus, Elektrobus, Elektrotaxis) organisiert, den Lieferverkehr mit umweltfreundlichen Kleinlastern und einer intelligenten Organisation ähnlich dem ÖPNV vornimmt und schließlich den Fernverkehr für Güter und Personen verstärkt wieder auf die Schiene zurückbringt und den Personenverkehr in den Flächenländern durch ein engmaschigeres Netz öffentlicher Klein-Verkehrsmittel ermöglicht. Die für die verschiedenen Zwecke benötigten, technischen Mittel dafür sind längst vorhanden. Die Politik drückt sich aber davor, den notwendigen Ordnungsrahmen für die Umsetzung und die dazu passende Infrastruktur zu schaffen und macht sich damit in den Augen der Wähler immer unglaubwürdiger. – Peter Kayser


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Erst wollte ich Ihren Artikel gar nicht lesen („politische Mitte“, „Niedergang Merkel-Politik“, blabla — genau: Wen interessiert das?! *gähn*), aber dann erlaubte ich mir einen Sprung zum Ende hin und fand Ihre nicht gestellten Fragen in den geistigen Schonräumen („An die Umweltministerin“…). Da hatten Sie mich gepackt und ließen nicht mehr los. Ja! Ja! Ja! Weil alles so wurstig ist und wischi-waschi und keiner, der was entscheiden kann, das Wichtige richtig entscheidet — werde ich hier trotz aller Bequemlich- und Annehmlichkeiten (oder gerade deshalb?) immer trauriger, deprimierter und gesellschaftsrückzügiger. Nicht jeder ist dazu geboren, mit einem Protestschild in der Öffentlichkeit zu stehen. Bitte. Bitte, bitte tun Sie was! Gründen Sie die RRP, die Radikal Realistische Partei. Und erleben Sie einen ungeahnten Zustrom von Wählern, die plötzlich wieder wissen, wofür es sich einzustehen lohnt mit ihrer Stimme. – Beate Brüntrup


Leserbrief zum Titelthema „Ein Mord, der etwas ändern muss“ von Paul Middelhoff et. Al

Ich bin fast 85 Jahre alt, und das Lesem fällt mir schwer, aber das Thema Migration/Integration beschäftigt mich in den letzten Jahren immer mehr. Deshalb habe ich Ihr Dossier“ vom 06.2018 von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen. Ich mußte mich dazu zwingen. Je weiter ich im Text vorankam, um so mehr wuchs meine Enttäuschung – bis schließlich zu Zorn und Empörung. Schon der Aufmacher auf der Titelseite erschien zu reißerisch, er weckt aber immerhin ein wenig die Hoffnung auf eine sachliche Auseinandersetzung mit der schwerwiegenden Problematik. Was der Text dann bietet, ist an keiner Stelle auch nur entfernt eine Analyse der in vieler Hinsicht problematischen gegenwärtigen Situation und dessen, was sich ändern muß. Stattdessen bekommen wir nicht mehr als eine ans Melodramatische grenzende Schilderung der Ereignisse, die uns allen inzwischen aus anderen Quellen hinlänglich bekannt (gemacht worden) sind. Damit fördern Sie nur Emotionen, Ängste und Aggressionen und bedienen Vorurteile und Ressentiments. Das ist das Gegenteil von seriöser journalistischer Verantwortung – und das in der ZEIT! – Martin Hasselbring


Leserbrief zu „Da kocht was über“ von Matthias Geis und Tina Hildebrandt

Es geht nur zweitrangig um Angela Merkel ! Sie hat auch wie ihr Ziehvater Helmut Kohl viel fuer unser Land geleistet. Aber : Beide klebten an der Macht und haben beim Thema “ Zuwanderung “ auf voller Breite versagt. Kohl holte zigtausende Russland-Deutsche nach Deutschland , von denen etliche bis heute noch nicht integriert sind und unsere Kanzlerin oeffnete die Grenzen auch fuer Schein-Asylanten und an kriminelle Schleuser zahlende Mittelmeer-Bootsfahrer. Nein – es muss Schluss sein mit diesem Irrsinn ! Die CSU muss jetzt den naiven und meist auch nichtchristlichen CDU – lern ganz deutlich die Grenzen aufzeigen  ! – Erwin Chudaska


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Yeah! – Lassen Sie uns eine radikale Partei gründen. Ich bin dabei (und hätte da noch so einige Vorschläge).Aber wir müssen noch reden: Erstens über das Hauptargument der Mitte, dass alles „nicht geht weil es die Wirtschaft schwächt und Arbeitsplätze kostet und ohne starke Wirtschaft… Und zweitens dass ganz viel „nur global geht und die wollen ja alle nicht“ Und drittens, dass viele „Leute“ das glauben und deshalb keine radikale Partei wählen. Also hoffen wir, dass wir uns nicht in einer Selbsthilfegruppe gegen Depression wiederrinden! – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Einen großen Dank für den wundervollen und klugen Beitrag von Bernd Ulrich. Ich kam aus dem innerlichen Kopfnicken und Zustimmen gar nicht mehr heraus, stehe ich  doch meist angesichts dessen, was unsere derzeitige Regierung gerade produziert, nur noch fassungslos da.  Es entsteht der Eindruck als würden wir nicht gerade  vor der  riesengroßen Herausforderung stehen, unsere natürlichen  Lebensgrundlagen nicht völlig zu zerstören (Stichwort  Klimawandel, Artensterben), oder in unserer Gesellschaft wieder solidarisch  zu denken und zu handeln (Stichwort Pflegenotstand, Kinderarmut, Wohnungsnot etc.) Als gäbe es keine kommenden Generationen für die wir auch eine Verantwortung  haben. Lieber Herr Ulrich, falls Sie irgendwann vorhaben, als Bundeskanzler zu kandidieren, meine Stimme haben Sie! – Katja Freund


Leserbrief zu „Wie radikal ist realistisch?“ von Bernd Ulrich

Selten habe ich bei der Lektüre eines Ihrer Artikel so oft zustimmend genickt wie bei dem zu der Frage „Wie radikal ist realistisch?“ Große Anerkennung Ihres Muts zu schonungsloser Politik-, aber auch medialer Selbstkritik! Sie beschreiben die „graduellen“ Problemlösungsversuche der Politik der „Mitte“ als ein „Zuviel an Extremismus“, weil sie ein „Zuwenig an Radikalität“ darstellen. „Radikal“ heißt, den Blick auf die Wurzel eines Problems zu richten. Das aber tun Sie meiner Meinung nach nicht mit letzter Konsequenz. Sie decken die naturzerstörenden und inhumanen Auswirkungen der Globalisierung auf, verschweigen jedoch deren systemische Ursache, nämlich die ausschließliche Profitorientierung des kapitalistischen Wirtschaftens. Diese zentrale These sozialistischer Kapitalismuskritik gilt jenseits der „moralischen Erhabenheit“ des linken „Rechthabens“. Ein Blick in das Parteiprogramm der Linken und auch in Sahra Wagenknechts wegweisendes Buch „Reichtum ohne Gier“ lässt erkennen, dass hier keine Kritik an den Institutionen des Staates vorliegt, sondern deren demokratische Nutzung zur Förderung des Gemeinwohls. Radikaler Realismus geht nicht ohne Systemkritik und die „goldene (politische) Mitte“ erweist sich hin und wieder als extremistische Ideologie der Machterhaltung. – Viktor Rintelen


Leserbrief zu „Was ist los in Lateinamerika?“ von Thomas Fischermann und Anton Hallmann

Der Presse wird zunehmend vorgeworfen, einseitig die linke/liberale Weltsicht zu verbreiten. Der Artikel über Südamerika war ein Paradebeispiel dafür. Ich beziehe mich insbesondere auf den Teil über Brasilien, wo ich die letzten 20 Jahre gelebt habe. Dort haben also linke Regierungen in einer weltwirtschaftlich vorteilhaften Zeit für sozialen Ausgleich und Wirtschaftswachstum zugleich gesorgt, bis der Rohstoffboom vorbei war. Dann kam die aktuelle konservative Regierung ohne Wahlen durch ein Intrigenspiel an die Macht, und der linke Ex-Präsident Brasiliens wurde mit dünnen Beweisen wegen Korruption ins Gefängnis gesteckt. Die Konjunkturkrise hält auch unter der konservativen Regierung an. Wie wäre es denn mit folgender Erzählung: In einer wirtschaftlich vorteilhaften Zeit nützte die linke Regierung die Einnahmen nicht um durch Modernisierung der maroden Infrastruktur für schlechtere Zeiten vorzubauen, sondern bereicherte sich schamlos. Auch der Präsident, aus einer armen Arbeiterfamilie, stand nicht zurück, war aber klug genug, den neuen Reichtum unter seiner Familie zu verteilen um gegen eventuelle spätere Anklagen gewappnet zu sein. Die reiche Geld- und Wirtschaftselite tastete man nicht an, ließ sich das aber bezahlen. Der größte Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens warf einige Milliarden (!) US-$ ab. Man konnte also Sozialprogramme bezahlen; dies und die zusätzlich vor der 2. Wahlperiode zeitweilig ausgesetzten Verbrauchssteuern hatten den angestrebten Effekt. Als sich die Wirtschaftslage schließlich wieder normalisierte wurde die Mittelklasse zur Kasse gebeten, und die wachsende Unzufriedenheit für ein Impeachment genutzt. Tatsächlich ein Regierungswechsel ohne Wahl. Hört sich nur ganz anders an. – Frank Hrebabetzky