17. Januar 2019 – Ausgabe 4

Leserbrief zu „Elixier der Menschwerdung“ von Urs Willmann

Danke für den guten Artikel. Er wäre noch besser, wenn Sie Herrn Josef H. Reichholf erwähnt hätten, der in seinem Buch „Warum die Menschen sesshaft wurden“ (Fischer Verlag, 2008) bereits alles beschrieben hat, was in ihrem Artikel steht. – Jürgen Rennerich


Leserbrief zu „Nein, danke, ich bin satt“ von Elisabeth Raether

Mit einem Gewicht von 72 kg bei einer Koerpergroesse vom 1.68m gehoere ich zu den Uebergewichtigen, die lhre Ansicht nach zu viel essen und damit zur Nahrunsgmittelueberproduktion beitragen. Nach meinen Notizen der letzten zwei Monate esse ich hochgerechnet auf ein Jahr ca. 30kg Fleisch, Wurst und Gefluegel und ca. 15 kg mageren Kaese. Ein 250g Stueck Butter reicht in unserem 2-Personen Haushalt ca. 2 Wochen, ein Glas Quark ca. 1 Woche. Ich habe in den letzten 10 Jahren einmal ein nicht verdorbenes Lebensmittel weggeworfen, eine angebrocheneTafel 99%ige Schokolade, die auch unverdorben m.E. ungeniessbar war. Ich kaufe meine Lebensmittel bis auf Pralinen im Bioladen und ich bemuehe mich auswaerts (z.B. Kantine) vegetarisch oder vegan zu essen. Ich bemuehe mich regionale und saisonale Produkte zu kaufen, bin allerdings nicht bereit auf Apfelsinen oder Tee zu verzichten.

Dass Sie nur aus meinem Uebergewicht so weitgehende Schluesse auf mein Essgewohnheiten ziehen, dass Sie Menschen wie mich als zu gierig und damit als wesentliche VerursacherInnen der Nahrunsgmittelueberproduktion identifizeren, empfinde ich als so naiv und populistisch, dass es mich wundert Ihren Beitrag in der Zeit zu finden. Wer beim Fleisch nur den feinen Rinderbraten oder die magere Putenbrust isst, bleibt vielleicht schlanker. Rinder und Puten produzieren aber nicht nur Braten und Brueste und Wurst ist bekannt als Resteverwertung. Wenn es also um Vermeidung der Nahrunsgmittelueberproduktion geht sollte auch darauf geachtet werden z.B. moeglichst alle Teile eines Tieres zu verwerten. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Nein, danke, ich bin satt“ von Elisabeth Raether

Gerade im Zug mit einer Ausgabe der Zeit sitzend kann ich nur sagen, dass wir Kommentare wie „Nein, danke, ich bin satt“ von Elisabeth Raether häufiger zu lesen bekommen sollten. Auf der Titelseite, kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Wir leben in einer Kultur des Wohlstands und obwohl wir könnten, heißt das nicht, dass wir immer müssen. Wenn Genuss zur Routine wird ist es kein Genuss mehr. Und hierbei geht es ja nicht um ein wenig mehr Gold auf den Hüften, sondern um reale die Menschheit betreffende Umweltprobleme. Diese werden sicherlich nicht vom Einzelnen gelöst, sondern ihnen muss politisch entgegengesteuert werden. Aber die Aufklärung der breiten Bevölkerung ist ein erster Schritt in eben genau diese Richtung: eine nachhaltige Zukunft. – Lukas Burkel


Leserbrief zu „Nein, danke, ich bin satt“ von Elisabeth Raether

Sie bringen in Ihrem Artikel die Überproduktion von Lebensmitteln mit dem Übergewicht der Leute in Verbindung bzw. stellen dar, dass die Gier beim Essen die Überproduktion bedingt. Wie kommen Sie zu dieser Annahme? Nicht lange ist es her, dass in der ZEIT von der hohen Rate der Lebensmittel gesprochen wurde, die gleich wieder in die Tonne wandern, damit aber möglichst immer die Regale gefüllt sind im Supermarkt und beim Bäcker. Das sind viel höhere Mengen als das Bisschen, das gespart wird, wenn die „bösen“ Übergewichtigen weniger essen würden. – – Ein/e Leser/in


Leserbrief zum Titelthema „Zum Wohl“ von Stefanie Kara

Bei all diesem Gerede über Alkoholkonsum und seine Folgen scheint es eine Maxime zu geben, die nicht hinterfragt wird: das möglichst lange Leben. Da sollte man sich schon mal die Sinnfrage stellen: Ist das unser Ziel, möglichst alt zu werden, wobei man dies nur erreicht, wenn man sich viel von dem verbietet, was Freude bereitet und das Leben lebenswerter macht? Was fange ich an mit dem halben Jahr, das ich länger lebe? Wie sieht es dann aus mit meiner Lebensqualität? Oder kommt es vielleicht nicht so sehr auf die Länge, sondern auf die Qualität an? Früher oder später stellt sich doch jeder die Frage: „Was habe ich gemacht aus meinem Leben?“ Ich stelle es mir nicht so erhebend vor, wenn die Antwort lautet: „Ich habe ein hohes Alter erreicht, indem ich Verzicht geübt habe.“ – Gerhard Lambertz


Leserbrief zu „Nein, danke, ich bin satt“ von Elisabeth Raether

Der Beitrag stellt eine ursächliche Beziehung her zwischen Übergewicht und allem, was in der Landwirtschaft gerade so schief läuft. Ganz klar ist der Autorin: Wenn eine einzelne Gruppe die Hauptschuld daran trägt, dann doch wohl diejenigen Menschen, denen man den Konsum von Nahrung am meisten ansieht, die Übergwichtigen. Woran denken Sie, wenn Sie einen dicken Menschen sehen? Eben. Die sind alle zu doof, um sich richtig zu ernähren und zu unbeherrscht, um sich beim Essen zu beschränken, nicht wahr? Manchmal sind die Zusammenhänge so einfach! – Ja, es gibt zu viele Übergewichtige in Deutschland. Ich kenne aber keinen einzigen, der sich über seine Körperfülle freut. Den meisten dürfte auch klar sein, dass Übergewicht dadurch zustande kommt, dass man dauerhaft mehr Energie aufnimmt als man verbraucht und dass ein Normalgewicht nur durch eine negative Energiebilanz zu erreichen ist. So kann man es in jeder beliebigen Frauenzeitschrift nachlesen, alle Wochen wieder. (Natürlich anders formuliert.) Warum nur sind dann immer noch so viele Menschen zu dick? Nun, zum einen gibt es nicht die eine Ursache, sondern viele. Zum anderen sind viele Ursachen noch nicht hinreichend erforscht, bzw. es gibt keine ausreichend wirksamen Therapien. Offenbar sind jedoch Vorgänge im Körper am Werk, die sich der bewussten Kontrolle entziehen – ob das den Propheten der Selbstoptimierung nun gefällt oder nicht.

Unser aller Kaufentscheidungen beeinflussen mit, wie mit Umwelt und Tieren umgegangen wird, nicht nur die der Übergewichtigen. Neulich ist mir übrigens zu Ohren gekommen, dass es auch schlanke Menschen geben soll, die täglich Fleisch essen und denen egal ist, wo es herkommt, hauptsache, es schmeckt und ist billig. Wer hätte das gedacht? Es bringt niemandem etwas, wenn nun eine Bevölkerungsgruppe als Sündenbock ausgemacht wird, die ohnehin schon schwer zu tragen hat, nicht nur an sich selbst, sondern auch an der Verachtung anderer. Als Anregung zum Nachdenken möchte ich abschließend Art. 1 Abs. 1 Satz 1 des Grundgesetzes zitieren: „ Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ – Sabine Fischer


Leserbrief zu „Wohlstand neu verdienen“ von Uwe Jean Heuser

Das Zeitalter der Genügsamkeit ist angebrochen. Wir brauchen keine Angst vor fehlendem Wachstum zu haben – wir brauchen nicht noch mehr Essen, nicht noch mehr Dinge, keine größeren Häuser. Wir brauchen eher weniger davon, und mehr Zeit um Menschen zu sein! Wir wollen uns nicht „Wohlstand neu verdienen“, in Zukunft geht es um anderes: wer sind wir Menschen? Was ist uns wirklich wichtig? Was wollen wir auf der Erde schaffen? Dem Autor geht es um etwas ganz anderes, z.B. Sozialleistungen zu hinterfragen und Unternehmen zu stärken, er sagt harte Zeiten voraus, was ich nicht nachvollziehen kann – wenn wir alle wieder genügsamer werden. – Sarah Brückner


Leserbrief zu „»Den Kohleausstieg wollen Sie doch auch, oder?«“ von Christiane Grefe und Petra Pinzler

Gerade habe ich das Streitgespräch zwischen Ihnen und Frau Baerbock in der heutigen Ausgabe der ZEIT gelesen. Inhaltlich, das schiebe ich direkt vorweg, kann ich insgesamt die Position, die Frau Baerbock einnimmt, unterstützen.
Was mir nun unter den Fingern brennt, das ich mit Ihnen teilen möchte, betrifft das Thema Mobilität. Zusammengefasst plädiert Frau Baerbock für weniger Autos, um nicht Verbrenner 1-zu-1 durch E-Fahrzeuge auszutauschen. Sie sagen, Sie wollen den Menschen ihre aktuelle Lebensweise (im Zusammenhang verstehe ich: ein eigenes Auto fahren) auch künftig so weit wie möglich ermöglichen, individuelle Mobilität erhalten. Hier möchte ich aus meiner Lebenswirklichkeit widersprechen oder zumindest erheblich einschränken. Meine Wahl zur individuellen Mobilität liegt darin, möglichst viele Wege zu Fuß, meist mit Geschwisterkinderwagen mit knapp 80 cm Breite, zu bewältigen. Für mich hat das neben positiven Umwelt- und Vorbildaspekten auch schlicht überragenden praktischen Nutzen. Täglich steuere ich so den Kindergarten meiner beiden großen an, der direkt neben einer Grundschule liegt. Und täglich fällt mir auf, dass die Wahl der individuellen Mobilität vieler anderer Eltern meine eigene Mobilität erheblich einschränkt. Häufig muss ich mit Kinderwagen auf die Straße ausweichen, weil Fahrzeuge auf dem Gehweg parken und diesen für meinen Kinderwagen blockieren. Meine große Tochter (5) setzt ihren Weg natürlich auf dem Gehweg fort. Dies beides zwischen ein- und ausparkenden Fahrzeuge und sich öffnenden Türen empfinde ich als gefährliche, für mich nur schwer, für meine Tochter überhaupt nicht zu überschauende Situation. Und hier nun frage ich mich, warum individuelle Mobilität mit einem eigenen PKW gleichzusetzen sein soll, warum dem Auto im Zweifelsfall mehr Fläche zugesprochen wird. Individuelle Mobilität kann auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erfolgen. Die Umgebung zu gestalten, dass breitere Fuß- und Radwege, abgetrennt von Straßen für Kraftfahrzeuge, entstehen, dafür vielleicht Parkplätze oder Spuren verwendet werden, beschränkt den Einzelnen nicht in seiner Freiheit, sein Verkehrsmittel zu wählen. Es macht es aber vielleicht angenehmer, das Auto stehen zu lassen, anstatt, wie heute üblich, die Nutzung des Wagens zu belohnen. Hier sehe ich eine gute Möglichkeit, durch eine öffentliche und politische Interessenabwägung auch die individuelle Interessenabwägung zu beeinflussen. – Christina Zindel


Leserbrief zu „Das wird nicht vierzehn!“ von Stefan Schmitt

Bald sechzigjährig, habe ich etwa 85 Prozent meiner Lebensspanne, darunter die vergangenen 22 Jahre, in Häusern gewohnt, die im Straßenverlauf mit der vermeintlichen Unglückszahl 13 nummeriert waren. Das ist Zufall, nicht Schicksal. Rückblickend stelle ich in dankbarer Demut fest, dass ich sowohl persönlich und in meiner wunderbaren Familie als auch beruflich mit Erfüllung, Freude und Erfolg reich gesegnet wurde. Natürlich blieb auch ich von Schmerz, Scheitern und Schiffbrüchen nicht verschont. Indes lag, sofern es für mich dreizehn schlug, die Ursache in vielen Fällen bei mir selbst, in einigen bei anderen Personen. Gewiss aber trugen weder Aliens noch Erdstrahlen, weder Voodoo-Flüche noch Hausnummern die Schuld daran. – Michael Thumser


Leserbrief zu „Wohlstand neu verdienen“ von Uwe Jean Heuser

Ihr Autor Uwe Jean Heuser ist einer der wenigen Autoren, die bestimmte Fehlleistungen richtig beurteilen können. Die Menschen die Werte schaffen, werden von der Politik aber auch von den Medien schon zu lange falsch beurteilt. Das sind nämlich keine Ausbeuter sondern die Erzeuger von weniger Armut. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wohlstand neu verdienen“ von Uwe Jean Heuser

Dder Artikel hat bei mir Widerspruch ausgelöst, insbesondere was die Begründung betrifft. Nichts gegen die Senkung der Unternehmenssteuer, aber der Wegfall des Soli als Teil der Einkommensteuer geht doch am Thema Stärkung der Unternehmen vorbei. Der Wegfall des Soli würde doch. wie die eingangs genannte Grafik sehr deutlich zeigt, die bekannte Einkommenschere vergrößern, da er die persönlichen Einkommen der Topverdiener am stärksten begünstigt. Selbst wenn man die in der Grafik dargestellte Freigrenze von 44 € bis 935 € im Jahr bei einem zu versteuernden Einkommen von 15.000 € bis 61.000 € nicht einführt, ist immer noch eine gewisse Steuergerechtigkeit (auch ohne die aus meiner Sicht notwendige Erhöhung des derzeitigen Spitzensteuersatzes) gegeben, da die Höhe des Soli sich ja auf die progressiven Einkommensteuersätze bezieht. Natürlich will jeder möglichst wenig Steuern zahlen. Letzten Endes aber kommt es darauf an was der Staat mit dem Betrag von 21,7 Milliarden macht bzw. machen kann. Darüber lässt sich diskutieren. – Dietrich Schneider


Leserbrief zu „Über Meinungen und Wahrheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Lügenpresse steht schon seit vielen Jahren auf dem Meinungsindex. Alles nur Populismus wie man von den Beschuldigen ließt und hört. Das wird auch den Rechten verpasst. Wenn ich meinen Heimatsender, der WDR, höre, habe ich oft den Eindruck, ich höre die Parteizentrale der SPD oder Grüne. Es ist bewundernswert das trotzdem die Konservativen immer noch die meisten Stimmen bekommen. Was sagt uns das eigentlich? – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Frau, die es kann“ von Kerstin Kohlenberg

Ihre Redaktion veröffentlicht wiederum einen Beitrag, der nur auf Vermutungen aufgebaut ist. Das wäre ungefähr so als würden sie Frau Nahles als kommende Bundeskanzlerin sehen. Das amüsiert bestimmt Donald Trump. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „»Die Bundeswehr ist nie allein unterwegs«“ von Marc Brost und Peter Dausend

Die Verteidigungsministerin spricht von Freiheit. Ich kann keine Freiheit in Deutschland erkennen. Ich sehe nur Angst und Schrecken bei vielen Menschen. Im dunkeln werden die Häuser verrammelt. Mord und Totschlag ist jede Woche in Deutschland zu Hause. Wo ich wohne gehören Einbrüche zum Leben. Die Politiker wissen gar nicht mehr wovon sie reden. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „»Den Kohleausstieg wollen Sie doch auch, oder?«“ von Christiane Grefe und Petra Pinzler

Ich werde wütend wenn ich lesen und sehen muß wie fresch und einfälltig die Grünen sind. Eine Verhinderungspartei, die aus ihrer Protesthaltung nie hinaus gekommen ist. Die den meisten Menschen das Leben schwer machen und zig Leichen im Keller haben. Der Aufwind dieser Partei hat nur mit der Bildung zu tun, die die Grünen in NRW gegen die Wand gefahren haben. Die sind dafür verantwortlich das große Teile unserer Bürger verblödet worden sind. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Insel der Verlierer“ von Matthias Krupa

Als Großbrexitanien im Sommer 2016 das Referendum abhielt war die Wahlbeteiligung mit nur 72,2 % nicht besonders groß gewesen, vermutlich weil besonders die Jugend einen Austritt aus der EU für unmöglich hielt. Schon auf Grund der geringen Wahlbeteiligung und des knappen Ergebnisses für den Brexit von nur 51,9 % war sofort nach dem Referendum die Aufregung besonders bei der Jugend groß. Wenn sich die Alten gegen die Jungen trotzdem noch durchsetzen sollten und wie geschildert ein Auseinanderbrechen droht, sind ja nur noch zwei kleine Brexitanien übrig. Was machen wir mit denen in der EU? – Walter Blischke


Leserbrief zu „Endlos Lernen“ von Maximilian Probst

Vielen Dank für Ihren anregenden Artikel, dem ich in mehrfach zustimme:
– Der Begriff Lebenslanges Lernen ist wirklich nicht sonderlich attraktiv und erweckt negative Assoziationen rund um lebenslänglich. Ja, danke!
– Lebenslanges Lernen muss mehr sein als nur eine (resiliente) ökonomistische Anpassung an widrigste Verhältnisse. Ja, danke!
– Wir brauchen mehr Zeit zum Lernen im Erwachsenenalter. Ja, danke!
Dabei sein und nebenbei – auch informelles Lernen oder Lernen en passant genannt – sind ganz wichtige Lernformen im Erwachsenenalter. Ja, danke!

Dies aber als die Weltrettungsformel zu präsentieren, ist dann aber doch etwas arg schlicht gedacht und führt nicht weiter. Warum? Erstens haben nicht alle wie Sie oder ich das Privileg in der eigenen Arbeit leicht lernen zu dürfen und die Arbeitszeit mit strukturierten Recherchen zu verbringen. Der Kassierer, die Busfahrerin oder der Lieferdienstfahrer haben bei ihrer Arbeit dieses Privileg oft kaum. Der im letzten Jahr verstorbene Bildungsforscher Baethge nannte das mal in einer Studie „Der ungleiche Kampf um das Lebenslange Lernen“. Zweitens haben wir aktuell das Problem, dass alle Milieus in den jeweiligen Echokammern in der Umweltinitiative, am Stammtisch der Sportwagenfahrer oder in separaten Internetblogs sitzen. Dabei bestärkt man sich nebenbei mit vorgefassten Meinungen und oft Halbwissen nur gegenseitig und kaum etwas wird gelernt. Alles außerhalb der eigenen Echokammer wird nebenbei ausgeblendet oder man ist schnell dabei andere übel zu beschimpfen. Dabei und Nebenbei verändert sich so wenig.

Insofern braucht es schon auch für Erwachsene mehr als einmal arrangierte, animierende, didaktisierte Lern- und Begegnungsräume mit kompetenten, die Echokammern irritierenden Inputs von fähigen Dozentinnen oder Moderatoren, die mit Kontroversen und Debatten in einer Gruppe professionell umzugehen wissen. Übrigens feiern u.a. die Volkshochschulen in Deutschland dieses Jahr 100 Jahre Bestehen. Vielleicht schauen Sie mal rein oder befassen Sie sich mit dem Jubiläum, ob es nicht doch auch solche und andere spezielle Orte der Erwachsenenbildung braucht? Dass diese viel besser gefördert sowie sichtbarer gemacht werden müssten, damit man mal ganz anders aus seinem Milieu und seinen Echokammern rauskommt statt ihrer Idee eines neuen Pannen-Museums? Warum nehmen Sie nicht wertschätzend das wahr, was es schon gibt? Die Weiterbildungsforschung gibt genügend Auskunft darüber, wie wichtig solche non-formalen Bildungsorte sind, die über die Grenzen des von ihnen gehypten informellen Lernens hinausweisen und man so im gelingenden Fall lernt, sein bisheriges Verhalten wirklich zu ändern. Dass dies vielleicht noch zu selten passiert und warum das so ist, ist eine neue Geschichte über die wir uns auch gerne mal unterhalten könnten. – Prof. Dr. Bernd Käpplinger


Leserbrief zu „»Männer haben Spaß daran«“ von Tina Hildebrandt und Robert Pausch

Männer sind doch irgendwie sehr eigenartige Geschöpfe; immer geldgierig, machthungrig und sie haben ständig „Sex im Kopf“. Dummerweise glauben sie ständig die Nummer 1, in allen Lebenslagen“ zu sein, diese dummen, kleinen, kleinkarierten Mamasöhnchen! – Riggi Schwarz


Leserbrief zum Titelthema „Zum Wohl“ von Stefanie Kara

Der erhobene Zeigefinger – schon wieder?
Zugegeben, ich gelte als Alkoholiker zumindest gemäß einer strengen Definition. Ich genieße fast jeden Abend vorm Schlafen 1/8 Liter trockenen Rotwein, höre dazu klassische Musik und lasse den Tag Revue passieren. Diese halbe Stunde genieße ich und will sie zusammen mit dem Gläschen Wein nicht missen. Außerdem galt gerade Rotwein in geringen Mengen der Gesundheit durchaus zuträglich. Aber nun auch hier der „erhobene Zeigefinger“, alles reine Mär, jeder Tropfen Alkohol schadet und sollte doch bitte vermieden werden. OK, man kann eine Risikoabschätzung machen und damit zum Ergebnis kommen, dass die Gefahr eher gering ist. Aber es bleibt dabei, Feiern ohne Alkohol gehört in gewissen städtischen, grün bis links denkenden Kreisen zunehmend zum guten Ton.

Im Moment erscheint der „erhobene Zeigefinger“ immer öfters. Fleisch essen geht gar nicht, am besten gleich vegan und kaum Süßes. Gerade in Schokolade steckt Palmöl, für das Regenwald geopfert wird. Das eigene Auto ist sowieso undenkbar, warum nicht öffentlicher Verkehr und wenn es unbedingt sein muss ist Carsharing die passable Lösung. Amazon? Kommt nicht in Frage und für WhatsApp gibt es ebenfalls „korrektere“ Alternativen. Und Plastik, das sollte man in jeder Hinsicht vermeiden, sogar die gute Outdoorkleidung ist verdächtig. Sicherlich ist es in vielen Bereichen richtig und dringend notwendig Umzudenken. Aber dieser „erhobene Zeigefinger“ woher kommt der? Ist Askese inzwischen das angesagte Maß der Dinge? Nur komisch, dass Flugreisen kaum diskutiert werden, obwohl doch hinlänglich deren Umweltschädlichkeit bekannt sein dürfte. – Martin Fehrle


Leserbrief zu „Insel der Verlierer“ von Matthias Krupa

Verlierer waren die Inselbewohner nie. In keinem Krieg wurden sie von ihren Feinden bezwungen. Sie werden auch nach dem Brexit nicht zu Verlierern werden, aber die EU-Länder auf dem Festland. Sie verlieren Großbritannien als einen der maßgeblichsten und bedeutendsten EU-Partner. Der Verlust ist himmelschreiend. Was aber machen die Festlandbewohner, sprich DIE ZEIT? prophezeit dem Königreich „gespentische Selbstversunkenheit, Zerrissenheit, Leerlauf, Regierungsunfähigkeit, Ohnmacht, Separatismus, Zerfall und Nationalismus“. Das Horrorszenario soll wohl die Knie der Insulaner erzittern und weich werden lassen. Die Deutschen wußten schon und wissen immer alles besser, allen voran die Kanzlerin. Ist es ein Wunder, wenn sich die Briten von permanter Bevormundung und Machtdemonstration des einstmaligen Verliererlandes Deutschland gedemütigt fühlen? Natürlich sind wir wieder einmal diejenigen, die den größten Wohlstand in Europa und der Welt wie eine Monstranz vor uns hertragen: schaut auf uns, Verlierer, die tüchtigen Deutschen. Nun stellt man den Verlust auch noch als einen Gewinn hin: „Nicht Großbritannien, sondern die EU ist heute stärker und geeinter als zuvor.“ Da ist sie wieder, die alte Hybris, die Stärke, die in Wahrheit Schwäche bedeutet. Schwächer wird die EU nach dem Brexit, die Einheit bröckelt – und weitere Mitglieder werden wanken, wenn sie erst einmal sehen, dass Großbritannien nicht im Chaos, Separatismus und Nationalismus versinkt. Wenn sie sehen, dass das Land wirtschaftlich trotzdem gut dasteht und seine Zukunft selbstbewußt in die Hände zu nehmen versteht. Der Neid auf dieses wunderbare Inselland mit seinen Eigenwilligkeiten und Besonderheiten treibt absonderliche Blüten. – Axel Spellenberg


Leserbrief zu „Nein, danke, ich bin satt“ von Elisabeth Raether

Ich gebe zu, Ihre Haltung überrascht mich. Ein hoher Prozentsatz unseres, in Massentierhaltung produzierten, Fleisches geht ins Ausland. Massentierhaltung und die damit einhergehende Umweltbelastung sollte doch wohl nicht vom Verbraucher gesteuert werden müssen. Wofür haben wir eine Regierung, wenn immer der Einzelne die Verantwortung für das Große übernehmen soll. Die Verbraucher werden in unserem Land in den Konsum getrieben, nicht nur der Überfluss an Lebensmittel ist erschreckend. Kleidung, Dekoartikel, Verpackungsmaterial, seit der Dieselkrise, Autos……ist für all das der Verbraucher verantwortlich. Unsere Wirtschaft braucht doch angeblich diesen Massenkonsum. Ich wäre absolut glücklich, gäbe es endlich ein Subventionieren von Biolandwirtschaft, von kleinen Betrieben, von Verzicht auf Dünger, Plastik, Zucker in Lebensmittel. Neben einem Anspruch auf Selbstoptimierung sollte endlich der Gesetzgeber für die Menschen , die Tiere und damit für die Umwelt handeln und nicht länger für die Interessen derer, denen es nur um Profit geht. – Christiane Lilje


Leserbrief zu „Wohlstand neu verdienen“ von Uwe Jean Heuser

Ohne Ihre fachliche Kompetenz anzweifeln zu wollen, aber mit dem Vorschlag, der „Wirtschaft“ wieder einmal einen Bonus zukommen zu lassen, damit sie „freudig investiere“, liegen Sie nach meinem Dafürhalten nicht richtig. Zuwendungen haben da bisher eher selten zu den erhofften Maßnahmen geführt, vielmehr haben sie meist bloß die Rendite der Eigentümer gestärkt. Ich empfehle zum Kennenlernen einer der Ihren wohl entgegen gesetzten Meinung die Lektüre von „Gekaufte Zeit“ (Wolfgang Streeck, ISBN 978-3-518-29733-9). – Günther Lettau


Leserbrief zu „Elixier der Menschwerdung“ von Urs Willmann

Bei der Lektüre dieses sehr spannenden Artikels ist mir ein verwegener Gedanke gekommen. Könnte es sein, dass es bei der verbotenen Frucht, die Adam und Eva aasen, bildlich vielleicht auch einfach um eine vergorene Frucht gehandelt haben könnte. Die listige Schlange hatte ja verraten, “ dass euch sobald ihr davon esst, die Augen aufgehen, und ihr wie Gott sein werdet“. jedenfalls eine verblüffend neue Sichtweise auf diesen uralten Text. Was sagen die Bibelgelehrten hierzu? – Josef Vogt


Leserbrief zum Titelthema „Zum Wohl“ von Stefanie Kara

Ich habe gerade mit großem Interesse und Genuss den Artikel „Zum Wohl?“ in der aktuellen Zeit gelesen, und konnte mir beim Reflektieren der dort aufgelisteten Fakten ein sehr gutes subjektives Bild über das Risiko/Nutzen-Verhältnis meines persönlichen Alkoholkonsums machen. Anschließend kam mir die Idee von einem gleich aufgebauten Artikel nur über das Thema Rauchen (vorallem gelegentliches Rauchen) oder gar eine Serie über sämtliche gängige Genuss- und oder Suchtmittel wie beispielsweise Koffein, Zucker aber auch Cannabis und ähnliches. Ich persönlich würde eine solche Serie sehr gerne lesen und ich denke das Thema interessiert im Allgemeinen sehr viele Menschen, da es jeden irgendwo betrifft. – David T. Schöll


Leserbrief zu „Das große Beschweigen“ von Adam Soboczynski

Houellebecq’s Leser wissen, dass dieser französische Dichter politisch total unkorrekt ist und auch absolut amoralisch. Und lesen ihn gerne. Das moralisches Verdikt der ZEIT-Rezensenten erscheint deshalb als moralische Selbstvergewisserung der Journalisten. – Manfred Kremer


Leserbrief zu „Holz ist besser als Gips“ von Christine Lemke-Matwey

Zu den Erkenntnissen des Jonas Kaufmann bleibt nur festzustellen:
– Auch der große Saal der “wunderbaren “Laeiszhalle” hat keine Holzverkleidung
– In der “wunderbaren” Laeiszhalle sang Herr Kaufmann vor einigen Jahren mit Lautsprecher-Unterstützung sein Programm “Du bist die Welt für mich”, wohl aus Sorge, vom Orchester zugedeckt zu werden.
Also steht fest, dass Herr Kaufmann sich den akustischen Gegebenheiten in der Elbphilharmonie anzupassen hat. Eine Drehbühne nur für sich sollte dabei kein Problem sein, dann aber mit Rückspiegel wegen der Sichtkontakte auf den Dirigenten und das Orchester. Geeigneter wäre allerdings, die Plätze hinter dem Orchester nicht zu verkaufen, was ja auch in der Elbphilharmonie üblich ist, wenn Musik mit Filmbegleitung angeboten wird. Der Veranstalter wird gerne geringere Einnahmen und der Künstler eine entsprechend geringere Gage hinnehmen und sich über ein dankbares Publikum freuen. – Dieter Karsten


Leserbrief zu „Die haben da nichts zu suchen“ von Joachim Bessing

Ich bin selbst späte Mama und natürlich ist es nicht ganz einfach, sich an einen neuen Alltag zu gewöhnen, wo man doch solange selbst bestimmen konnte. Ich finde aber sehr wohl, dass Kinder nebst ihren zugehörigen Eltern Platz in einem Cafe oder Restaurant haben dürfen. Aber ich kenne es auch aus eigener Erfahrung, aus ebendiesen verwiesen zu werden, weil die betagte Generation nun in Ruhe speisen möchte. Ich habe selten so viele Anfeindungen erlebt nur aufgrund der Tatsache, dass ich mit zum Teil mehreren Kindern z.B. in einem Museum bin und sie eben nicht flüstern oder ich sie mit dem Fahrrad begleite: Und regelmäßig werde ich unfreundlich darauf aufmerksam gemacht, dass ich nicht auf dem Bürgersteig fahren darf. Dabei darf man Kinder bis zum 8.Lebensjahr auf ebendiesem begleiten. Auch im Bus sind die Kinderwagenplätze schon von älteren Menschen besetzt, die häufig sehr ungern Platz machen. Neulich schrie eine Frau, die gerade Tauben gefüttert hat meinen zweijährigen Sohn an, weil er auf diese Tauben zugelaufen ist. Dabei ist Taubenfüttern verboten. Das erschreckt mich und ich habe das Gefühl, wir sind nirgendwo willkommen. Kindgerechte Konzepte sind selten im öffentlichen Raum, das gilt übrigens nicht nur für Kleinkinder. Auch Schulen beschäftigen sich mit dem Thema. – Anja Lange


Leserbrief zu „Das große Beschweigen“ von Adam Soboczynski

Danke an Iris Radisch und Adam Soboczynski: sie haben den Michel Houellebecq dort verortet, wo er hingehört. Er ist für mich ein degenerierter, emotional verwarloster und moralisch verkommer frauenfeindlicher Mensch mit einem großen Schreibtalent. Die Verehrung, die er genießt kommt mir vor wie eine groteske Projektion von je eigenen geheimen ungelebten Anteilen politisch korrekter Kritiker. – Alfred Preuß


Leserbrief zu „Nein, danke, ich bin satt“ von Elisabeth Raether und zu „Zum Wohl“ von Stefanie Kara und zu „Mehr Fahrverbote in Sicht“ von Dietmar H. Lamparter

Warum eigentlich kein Fettverbot, kein Alkoholverbot, kein Rauchverbot?
Drei Artikel in der Zeit, die klare Ansagen machen: Wir sind zu fett („Nein danke, ich bin satt“). Wir trinken zu viel („Die Wahrheit im Wein“). Und wir produzieren zu viel Feinstaub („Mehr Fahrverbote in Sicht“) Dazu noch das Anti-Raucher-Zeit Magazin aus der Vorwoche! Über allen Beiträgen schwebt der erhobene Zeigefinger mit dem Hinweis, dass wir uns selbst ganz allmählich umbringen. Und dass man uns daher vor uns selbst beschützen muss. Wenn auch nicht konsequent. Denn nur eine einziger Artikel macht schon in der Überschrift klar, was die Folge unseres schädlichen Lebenswandels sein wird: „Mehr Fahrverbote wegen Feinstaub.“ Ich frage mich, warum niemand eine Null-Promille-Grenze für Autofahrer fordert oder gar ein generelles Alkoholverbot? Vermutlich kommen durch den Alkohol-„Genuss“ direkt und indirekt mehr Menschen um als durch Feinstaub. Beim Übergewicht das gleiche Problem: es wird an die eigene Vernunft appelliert, ein Verbot der Massentierhaltung oder eine deutliche Kennzeichnung von Lebensmitteln ist nicht in Sicht. Also auch kein Fett-Verbot.

Immerhin, beim Rauchen hat man es geschafft, den Tabak aus Restaurants und öffentlichen Einrichtungen zu verbannen. (Rauchverbot!) Im Auto allerdings, darf jeder qualmen, auch wenn die Kinder auf dem Rücksitz mitfahren. Wo bleibt das Rauchverbot im Auto? Mit dem Handy darf ich als Fahrer ja auch nicht hantieren… Mir kommt der Verdacht, dass die Politik und ihre eilfertigen Vorreiter (Deutsche Umwelthilfe etc.) den Weg des geringsten Widerstandes gehen: Wo ein (willkürlicher) Grenzwert, zum Beispiel 40 Mikrogramm Feinstaub, besteht, kann ich Verbote zur Einhaltung erlassen. Wo nicht, kann man leider nichts machen. Man möchte ja kein Spielverderber sein. Ein oder zwei Gläser Wein werden ja auch beim Diplomaten-Empfang gerne getrunken. Und zum Rauchen gehen Politiker auf den Balkon, um sich medienwirksam dem Volk zu zeigen.

Dazu passt dann auch noch der Artikel auf Seite 6 „Wie geht es dem Klima?“, in dem CO2 als Klimakiller Nummer Eins beschrieben wird. Diesel-PKW stoßen zwar deutlich weniger CO2 aus, als Benziner, nun ist diese Technik aber leider politisch beerdigt worden (Mehr Fahrverbote!), nachdem sie zuvor politisch gefördert worden war (Weniger Steuer auf Dieselkraftstoff). Das Ganze ist jetzt etwas kompliziert und ich habe verschiedene Gefahren für Leib und Leben in einen Topf geworfen. Aber warum eigentlich nicht? Wer mit seinen Sorgen um das Wohl der Menschheit und des Wahlvolks ernst genommen werden möchte, sollte konsequent sein und nicht länger mit zweierlei Maß messen. Das hilft enorm bei der Glaubwürdigkeit… – Thomas Meichle


Leserbrief zu „Ins Zeitlose entrückt“ von Hanno Rauterberg und zu „Über Meinungen und Wahrheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Die Kritik Hanno Rauterbergs am Bauhaus ist eine treffsichere Anschauung zu Martensteins Glosse über den Haltungsjournalismus. Die Epochenwende des Bauhauses muß man doch aus der Zeit heraus verstehen und nicht mit linksliberalen Zeitgeist des 21. Jahrhunderts. – Ulrich Bott


Leserbrief zu „Der Mythos von den Billigjobs“ von Josef Joffe

Zu Ihrer schlüssigen Analyse mein hausgemachter Senf: Handel suchte nach Struktur – Wissenschaft forschte – Bevölkerung folgte. So forschte Wissenschaft forscher – Handel fand Struktur – Bevölkerung folgte. Nun tönt es aus den Tiefen einer Furche, die längst zum Stollen für eine Bevölkerung wurde: “ Mehr Licht!“. Wird Wissenschaft ein weiteres Flutlicht finanziert, sättigt das gleichzeitig die Gier einer Bevölkerung nach weiterem Verstand. Derweil nötig allerdings neueste Forschung, die deutlich höhere Erdöl-Ressourcen belegt, menschliche Naturen zu weiteren, kriegerischen Erkenntnissen. Odre: Kämpfen bis in den Sport, Babypause nur mit Handwäsche. Der Fußboden wurde gescheuert und nicht „gekärchert“. Die Brötchen werden auch bei Schnee mit dem Fahrrad geholt (, denn Österreicher lieben Spikes). Den Weihnachtsbaum besucht die Familie jedes Jahr im Freigehege – natürlich zu Fuß. – Michael Reisner


Leserbrief zu „Über Meinungen und Wahrheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Danke lieber Harald Martenstein. Ich bin letztlich fast durchgedreht als in einem Artikel der Zeit Mr. Relotius als Genie und Dichtergott bezeichnet wurde, und das war, so wie ich es gelesen habe, nicht im geringsten ironisch gemeint. Nun bin ich, dank ihres Beitrags, wieder ein bißchen weniger aufgedreht und runter getunt. – Ellen El Malki


Leserbrief zu „Wohlstand neu verdienen“ von Uwe Jean Heuser

„Ja, was denn nun?“, fragt sich Uwe Jean Heuser und plädiert dafür, den „Soli für alle zu streichen“, „sich wieder auf die zu konzentrieren, die Werte schaffen – Arbeitnehmer wie Unternehmen.“ Und dann hofft er, dass die Unternehmen wieder mehr investieren und die Arbeitnehmer mehr konsumieren, alles soll dem Wachstum dienen. Vorher hätte er mal in DIE Zeit vom 19.12.2018 gucken sollen, dann wäre ihm sein Optimismus im Hinblick auf die segensreichen Wirkungen der Abschaffung des „Soli für alle“ vielleicht nicht so leicht gefallen. Bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 1.000.000 € ergäbe das nämlich eine Ersparnis von 23.846 €, bei 300.000 € käme man auf 6.521 € Ersparnis und bei 100.000 € zu versteuerndem Einkommen sind das gerade mal 1.836 € im Jahr (die Zahlen stammen aus dem Finanzministerium). Welcher Arbeitnehmer (-innen werden es weniger sein) mit derartigen Einkommenshöhen würde bei einer solchen Ersparnis eigentlich signifikant mehr konsumieren? Würde sich damit nicht eher der eigene „Sparstrumpf“ füllen lassen, auf welche Weise auch immer? Die Investitionssummen von Unternehmen würden sich angesichts der zu erzielenden Ersparnisse auch kaum signifikant erhöhen. Aber Heuser geht es eher darum, „ein gutes Signal“ zu setzen, um Streicheleinheiten für die geschundene Seele der Besserverdienenden, würde ich nicht nur polemisch formulieren. Dem Staat aber würden 11,5 Mrd. € an Einnahmen fehlen, wenn die Bundesregierung nicht nur die im Koalitionsvertrag niedergelegten Pläne verfolgen, sondern den „Soli für alle“ jetzt abschaffen würde, wie Heuser es sich wünscht. Diese Milliarden könnte der Staat dann aber auch nicht investieren, wie Heuser es ebenfalls fordert, womit sich seine ganze Argumentation in den Schwanz beißt, wie die sprichwörtliche Katze. Und: Auch die verantwortliche Redaktionsleitung sollte mal auf die Konsistenz der wirtschaftspolitischen Argumentation der Zeitung achten. – Roswitha Ristau


Leserbrief zu „Holz ist besser als Gips“ von Christine Lemke-Matwey

Nichts gegen eine kleine – und doch teure – Drehbühne für die Elbphilharmonie. Aber mir scheint, dass seriösen Künstlern wie Jonas Kaufmann billiger und wirksamer geholfen werden kann: durch eine sehr präsente, ausreichend große und im Bedarfsfall sofort eingreifende Saalaufsicht. Hat die während des Krachs etwa geschlafen? Nach meinen persönlichen Erfahrungen gibt es, leider, in den Theater-, Konzert und sonstigen Vortragssälen eine zunehmende Anzahl von Leuten, die sich dem Anlass entsprechend nicht zu benehmen weiß. Oft sind es gepflegte, gut gekleidete Touristen jeder Provenienz, denen wenig oder gar nichts an dem künstlerischen Vortrag liegt, für den sie eine teure Karte ergattert haben. Sie gleichen den finanziell gut ausgestatteten Dumpfbacken, die nach Rom, Paris oder, ja, Berlin kommen und einen knüppeldicken „Guide“ mit den besten Shopping- und Restaurant-Adressen der jeweiligen Stadt herumtragen. Ich sage es ganz deutlich: Plebs im Anzug oder mit Prada-Clutch und passenden High-Heels. Solche Leute sind nicht nur ein 1a-Ärgerniss für vortragende Künstler, die sich konzentrieren wollen und müssen. Sondern auch für Vorstellungsbesucher, denen es um die Kunstvorführung geht – und nur darum. Sie leisten sich Karten (die sie sich oft und „eigentlich“ gar nicht leisten können!), um dann während der Vorstellung von Leuten gestört zu werden, die 1. nicht still sitzen können 2. während der Vorstellung mit ihrem Handy „unauffällig“ herumspielen, ständig etwas ihrem Begleiter zuflüstern müssen oder, best of prolls, in den Saal mitgebrachte Flaschen und Gläser herumbugsieren, umkippen – und dann erschrocken über die verärgerten Gesichter ringsum tun. Für solche, immer häufigeren Störungen sollte ein seriöses Pubkilum eigentlich das Geld für die Eintrittskarte zurückerstattet bekommen! Also: Her mit der Saalaufsicht. Wer sich die Elphi und andere Tempel der Hochkultur leisten kann, der kann sich auch Personal leisten, das „uneigentliches“ Publikum so schnell wie möglich an seinem Sitzplatz aufsucht und klar stellt: Absolute Ruhe – oder sofort raus! – Annette Schorn-Maaswinkel


Leserbrief zu „Die haben da nichts zu suchen“ von Joachim Bessing

Dieser Artikel hat mir sehr aus dem Herzen gesprochen. Hier wurde thematisiert, was sich kaum jemand mehr auszusprechen traut oder wenn doch, als Sanktion Kinderfeindlichkeit in Kauf nehmen zu müssen. Viele Lieblingscafés werden am Wochenende von lärmenden Familien in Beschlag genommen. Die Eltern sind mit sich beschäftigt, während der Nachwuchs das Interieur auseinander nimmt oder die Tische abräumt. Neulich war ich selbst Teil eines solchen Treffens. Während der Sprössling mit dem Essen herummanschte und das Lokal zusammenschrie, blieb die nebenbei erziehungsberechtigte Großstadtmutti völlig unberührt, während mich die „tödlichen“ Blicke der anderen Gäste trafen, nach dem Motto „der Vater könnte ja auch mal was sagen“… Hier blieb ich wiederum völlig cool, weil ich eher gezwungenermaßen Teil dieser illustren Runde geworden war. Wiederholung allerdings ausgeschlossen. Warum trefft ihr euch nicht zu Hause? Da hätten auch die Kinder was davon… – Chris Dasch


Leserbrief zu „Nazis, Drogen, Grandhotels“ von Antonia Baum

In Zeiten des aufgebauschten „Antisemitismus“-Vorwurfs provoziert A. Baums Verriss des Würger-Romans eine Replique. Sie schreibt zwar in ihren eigenen Werken selbst narzistisch drauflos als „kluge Demagogin“, wie sie selbst einmal rezensiert wurde. Kann selbst krass und massenkompa-tibel geil schreiben (…dann wäre es sogar drin, einmal einem Juden zu erklären, wie schlimm dieser Holokaust war). Das merkt man auch dieser scharfsinnigen Analyse an: Ein deutscher Autor ..in einem deutschen Verlag…erschafft eine Figur (des Ich-Erzählers), die die Handlungen einer Jüdin beurteilt, die mit den Nazis kollaboriert. Hier kann man ihr zustimmen. Was aber die Figur der „Stella“ angeht, hat sie etwas Wesentliches übersehen: die hinter deren Verhalten stehende Gewissensqual eines überlebenswilligen Menschen. Viel zu wenig und gedankenlos wird ja die Verzweiflung der sog. Judenräte in den Kzs thematisiert, ihre Mitleidenden für den nächsten Transport in den Tod bereitzustellen, als die wohl perfideste Herrschaftsmethode der Nazis – selten bis gar nicht, sei es in Spielfilm-Reportagen oder in Romanform. In Zeiten der großen Vereinfacher wie diesen gibt hier der Roman mehr her als ihre Renzension. – Hans-Jürgen Hahn


Leserbrief zu „Schwein sein“ von GRN

„Meister Isegrim“ hat in Deutschland leider die „Arschkarte“ gezogen. Die Wildschweine dagegen, die haben „Schwein gehabt“ mit einem überproportionalem „Sauwohl-Fühl-Faktor“, suhlen sie sich durch den Schlamm! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Nein, danke, ich bin satt“ von Elisabeth Raether

Die „Grüne Fressmeile“ in Berlin hat wieder geöffnet; und alle „fressen“ sich wieder übersatt! Egal ob dafür Nutztiere gequält worden sind, egal ob dafür die Urwälder gerodet wurden, egal ob sich die Ozeane aufheizen, und ganz egal, ob die Gletscher, der Nord- und auch der Südpol abtauen, und auch schon ganz egal, ob Grönland noch grüner geworden ist! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Über Meinungen und Wahrheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

… übrigens Tom Kummers erfundene Interviews fand ich klasse ( ihn persönlich sowieso ) Spätestens als er berichtete das Sharon Stone Pfefferminzpastillen auf ihrem Bett verteilt, bevor sie Liebhaber empfängt, wußte ich da phantasiert jemand. Andere Zeiten und Promi Klatsch (damals Frau im Spiegel, Bunte, Gala) , das er das in ein seriöses Magazin transferierte, und sich Hollywood nicht im geringsten dafür interessierte, Chapeau, positiv subversiv ( falls es sowas gibt ). Lieber Herr Martenstein, jetzt reichst aber mit meinem Mitteilungsdrang. – Ellen El Malki


Leserbrief zu „Strahlendes Experiment“ von Florian Schumann

Die Forderung vieler Wissenschaftler und Mediziner, 5G-Mobilfunk auszusetzen, bis Gesundheitsschäden ernsthaft ausgeschlossen werden können, hat ihre guten Gründe: Sie bezieht sich auf bereits vorliegende Versuche und Studien, deren Lektüre durchaus Anlass zur Besorgnis gibt. So warnt Joel Moskowitz, Direktor am Berkeley Center for Family and Community Health der Universität von Kali­for­nien: „Der Einsatz der 5G-Technologie ist ein gewaltiges Experiment für die Gesundheit aller Arten.“ Und in Deutschland befürchtet Medizinprofessor Karl Hecht von der Berliner Charité: „Die thermi­schen Wirkungen dieses Systems bewirken ein sanftes Vergrillen des Lebens auf der Erde. Mensch, Tiere, Pflanzen. Es ist eine Erwärmung der Hülle der mit 5G-Funknetzen be­stückten Erde zu erwarten“ (zitiert in meiner Broschüre „Die digitale Fortschrittsfalle“, 2018). Der 5G-Hype in unserer Gesellschaft sollte endlich einer Besonnenheit weichen, die Vorsorge-Politik wieder stärker macht, so dass künftig gilt: Bedenken first, Digitalisierung second. – Prof. Dr. Werner Thiede


Leserbrief zum Titelthema „Zum Wohl“ von Stefanie Kara

Im Gespräch mit Ulrich John fehlt schlicht die Frage an den „Gesundheitsforscher“, wie er sich erklärt, dass die Menschen noch nie so alt wurden wie heute. Denn diese Tatsache entkräftet seine Ausführungen stark. – Dr. Uwe Roske


Leserbrief zu „Privatsache“ von Nina Schedlmayr

Da werden die schon vom Brexit geplagten Engländer sicherlich nicht amused sein, wenn ihnen nun auch noch einer ihrer bedeutendsten lebenden Künstler genommen wird. David Hockney lebt zwar zeitweise in Kalifornien, ist aber in Yorkshire geboren und immer noch Engländer (u.U. mit doppelter Staatsbürgerschaft). Bitte lassen Sie den Briten ihre Ikonen, damit sie nicht nur aus der Vergangenheit leben müssen – ein bisschen mehr Recherche Ihrerseits hätte da sicherlich geholfen, wenn David Hockneys Englishness nicht sowieso schon bekannt gewesen sein sollte. – Günter Daubenmerkl


Leserbrief zu „Das große Beschweigen“ von Adam Soboczynski

Haben Sie Dank für Ihre Houellebecq-Rezension. In Frankreich nervte es mich schon immer, wieder einen seiner unsäglich seichten und verqueren Romane verfilmt und in den Kinos beworben vorzufinden. Mir kommt es so vor, als sei sein Interesse trotz all des vernebelnden pseudopolitischen, tarnungssozialkritischen Traras auf nur ein einziges Thema beschränkt. In einer Besprechung zu „Die Möglichkeit einer Insel“ (Julia Encke, aktulisiert am 28.5.2007) wird er aus seinem Buch zitiert mit: „Ein Dutzend kleiner Flittchen zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren stand hüftwackelnd vor einer der Treppen, die auf das Podium führten, und japste vor Ungeduld.“ Womöglich ist es nicht mehr und nicht weniger; und vielleicht noch, dass er unaufhaltsam immer älter wird. – Bettina Oehmen


Leserbrief zu „Mehr Fahrverbote in Sicht“ von Dietmar H. Lamparter

Der Bericht von Herrn Lamparter ist mehr als enttäuschend da er aus meiner Sicht jegliche Objektivität vermissen läßt. Ersten wird daß CAR Institut als einziger „unabhängiger Messdienst“ zu einer Beurteilung des überaus wichtigen Themas als ein Manifest des solchen zitiert.Das UBA wird als unfähig gescholten. Es wird absolut nicht erwähnt wie genau diese Messwerte von CAR berechnet worden, direkt neben einem Kreuzungspunkt einer stark frequentierten Ampel, vielleicht noch direkt neben der Straße auf 150 cm Höhe ohne Luftcirculation? Auch der Grenzwert von 40 Mikrogramm NÖ 2 m2 Luft ist kein Wissenschaftlich erwiesner Wert, er wurde von der EU festgelegt ohne vorangegangenen verlässlichen“ unabhängiger“ Studien. Dieses Thema ist viel zu wichtig als in in einer halbseiten, einseitig recherschierten Sicht dem Leser als Tatsachenreport zu präsentieren. – Frank Patrick Plessow


Leserbrief zu „Insel der Verlierer“ von Matthias Krupa

Man muss sich das traditionelle Großbritannien als das verwöhnte Einzelkind auf der Weltbühne vorstellen. Stets bekam es, was es wollte. Sei es wegen seiner abgesicherten Herkunft und bester Ausbildung an höchstrangigen Universitäten, sei es durch eigene Tapferkeit über die Jahrhunderte. Die sichere Insellage verhinderte fremde Eroberer. Die Ursprünge westlicher Demokratie, das erfolgreichste Weltreich der Geschichte, die älteste Monarchie, die domininierende Weltsprache, den Nullmeridian von Zeit und Datum, die bahnbrechenden Erfindungen von Industrialisierung, Fußball und der Popmusik bis hin zu den Vereinten Nationen und einem zu einigenden Europa, alles rechnet man sich eigener Überlegenheit im Lauf der Geschichte zu. Wenn’s denn einmal knapp werden sollte, sind da ja noch die reichen, starken Verwandten jenseits des Atlantiks und die Gemeinschaft der 53 Staaten des Commonwealth. Das diese alle längst erwachsen sind und ihre eigenen Interessen verfolgen, wird gerne aus dem Bewusstsein verdrängt. Georg Friedrich Händel? War doch ein Engländer. Der späte Londoner Karl Marx – mit dessen Visionen hat man es nicht so im merkantil ausgerichteten Großbritannien. Gemeinsame Regeln sollten stets von Großbritannien vorgegeben sein. „Rule Britannia“ steht im britischen und voran dem Bewusstsein über allem. Wie die eingefahrene Klassengesellschaft. Migration und Toleranz? Solange es den vorrangig eigenen Interessen dient.

Wie nun herauskommen aus der selbst verursacht verfahrenen Situation des Brexit kurz vor Torschluss? Eigentlich hate das Referendum die hausgemachten Probleme von Arm und Reich, Stadt und Land, Jung und Alt, gut und weniger gut Ausgebildeten, Briten und Zuwanderern, Briten und Schotten im Blick gehabt. Die wenig kommunikative und kompromissfähige Premierministerin hält sich momentan wie ihre erbitterten Widersacher in Volk, Parlament und Regierung so wie auch gegenüber Brüssel an den typisch britischen Grundsatz des keep calm und carry on. Bis ganz kurz vor Austrittsdatum des 29. März. Denn wer sich vorzeitig bewegt, könnte nach solcher Lesart eventuell verlieren. Die Iren könnten so zum Zünglein an der Waage werden. Doch das ist technisch eine europäische Erfindung. Eines zeigt die akut britische, wie internationale Entwicklung bis in die USA auch: Das Mehrheitswahlrecht hat in heterogenen modernen Gesellschaften mit ihren vielfältigen Interessen längst ausgedient. Nur Koalitionen sind noch tragfähig. National wie international, in autoritären, wie demokratisch verfassten Staaten. – Jochen Freihold


Leserbrief zu „Ins Zeitlose entrückt“ von Hanno Rauterberg

Mythos Bauhaus
Endlich einmal ein kritischer Artikel zur „ Bauhaus-Verherrlichung“ ! Ich bin immer wieder verwundert, über den überschwänglichen Beifall zur abstrakten, seelenlosen Bauhaus-Architektur. Klobige Beton- Kuben werden wie Schuhkartons über-oder neben einander gestapelt, mit dem Endergebnis der uniformen, menschenverachtenden Plattenbauten in Ost und West . Gedenkwürdiger wäre heute, dem oft verpönten Jugendstil den wichtigeren Stellenwert beizumessen. Dieser verkörperte bereits 20 Jahre vor dem Bauhaus einen umfassenden Lebens- und Kunststil, der Phantasie, Traum und Ästhetik im Menschen ansprach. Besucher unserer heutigen Einheits-Städte interessieren nicht die verglasten, modernen Straßenfronten, sondern unsere historisch- liebenswerten Innenstädte, mit ihren alten Kirchen und Marktplätzen. – Olaf Reisson


Leserbrief zu „Lauter falsche Exzentriker“ von Fintan O’Toole

Der wunderbar feine Strich, mit dem Fintan O’Toole die Abgeordneten Jacob Rees-Mogg und Boris Johnson porträtiert, lässt deutsche Leser nicht klar genug erkennen, wie gefährlich diese Ultra-Brexiteers sind. Rees-Mogg verbirgt hinter seiner Höflichkeit reaktionäre Positionen, die er in fast allen gesellschaftlichen Fragen mit religiösem Eifer vertritt. Er ist gegen die gleichgeschlechtlich Ehe und gegen jegliche Abtreibung, selbst bei Vergewaltigung oder Inzest. Er widersetzt sich jeder Erhöhung der Sozialleistungen, auch für Behinderte, und tritt für strengere Einwanderungs- und Asylgesetze ein. Und natürlich leugnet er den Klimawandel. Früher als viele andere hat er auf Donald Trump gesetzt und enge Kontakte zu Trumps Ideologen Steve Bannon unterhalten.

Johnson hat die Regierung von Theresa May nur verlassen, weil er glaubte, dass es seiner Karriere eher nützen würde, die innerparteiliche Opposition anzuführen, als sich als Minister um die Interessen seines Landes zu kümmern. Hinterher kann er sagen, dass die Brexit-Revolution gescheitert ist, weil die Trennung von der EU nicht radikal genug war, während das konservative Establishment das Beste aus einer Politik zu machen versucht, von der jeder weiß, dass sie nur bestehende Probleme verschärft und neue schafft. Allerdings haben die konservativen Revolutionäre, die die ‚einfachen Leute‘ verführt haben, für den Brexit zu stimmen, alles unternommen, um sich und ihre Familien vor dem Leid zu schützen, das der Brexit – in welcher Form auch immer – mit sich bringen wird: rechtzeitig haben sie ihre Investmentfonds nach Irland verlagert, deutsche Pässe für ihre Kinder beantragt oder genug Geld als Hetzblatt-Kolumnist verdient. – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Die haben da nichts zu suchen“ von Joachim Bessing

Ich habe überlegt, ob ich mir überhaupt die Zeit nehmen soll, mich zu diesem, meiner Ansicht nach diskriminierenden Artikel zu äußern, zumal ich nicht mal zur dargestellten Zielgruppe gehöre und ich mich deshalb auch nicht persönlich ärgern müsste. Ich habe mich entschieden, es doch zu tun, weil es mich erschrocken hat, dass diese lose Sammlung von oberflächlichen Erfahrungen eines Mannes, aufgehübscht mit einigen hässlichen Adjektiven und jeder Menge Vorurteilen, tatsächlich abgedruckt wird. Wo kommen wir hin, wenn Eltern mit ihren Kindern in Cafés, also in Einrichtungen des öffentlichen Raumes, nicht mehr willkommen sind? Dann bleiben die Eltern brav mit den Kindern Zuhause oder auf eingegrenzten Spielplätzen, die Alten in ihren Heimen und die Flüchtlinge in ihren Unterkünften? Was ist das für ein Denken, dass jegliche Empathie oder auch Toleranz vermissen lässt? Dann habe ich mich noch gefragt, Herr Bessing, welche Bedürfnisse es denn sind, die von einem Cafébesuch erwartungsgemäß gestillt werden sollten? In Ruhe und ungestört lesen? Das scheint wie auch der Rest des Artikels eine sehr persönliche und enge Sichtweise auf die Welt. – Dr. Magdalena Maack


Leserbrief zu „Über Meinungen und Wahrheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ihre Kolumne habe ich mit Interesse gelesen. Sie war für mich eine Anregung zum Nachdenken über Meinungen, Gesinnungen, Parteilichkeit, Moral und über die Wahrheit. Bei meiner „Wanderung“ durch das Netz stieß ich auf Stefan Niggemeier und auf die taz . Sie treten als Alleswisser auf und ereifern sich über jeden, der ihr Allwissen nicht kommentarlos hinnimmt. Der Erstgenannte gerät geradezu ins „Keifern“, wenn Journalisten ihren Beruf ernst nehmen. Die taz stempelt jeden zum „Rebellen“ ab, der Zweifel an ihrer Allwissenheit hat und selbst zu denken beginnt. Die Folge sind dann Schubladendenken und Herabwürdigungen wie „Gesinnungsbademeister“ oder „eine Meinung zu allem zu haben“. Mit dieser Haltung (Parteilichkeit) nehmen sich Meinungsmacher selbst die Möglichkeit, eine Kolumne als Anregung zum unvoreingenommen Nachdenken über das Zeitgeschehen zu nutzen. Diese Meinungsmacher unterscheiden sich kaum von den Anhängern strenger Religionen, die alles Wissen für sich „gepachtet“ haben. Dort spielt sich das Denken ebenfalls nur in einem engen vorgegebenen Rahmen ab. Daher beglückwünsche ich Sie dazu, dass Sie sich das eigene Denken bewahren. Ich bin froh und zuversichtlich, dass es noch Medien gibt, die der Gedankenfreiheit gelegentlich einen Platz einräumen. – R. Schmolling


Leserbrief zu „Die gute Frau P.“ von Ulrike Gastmann

Bewußt oder unbewußt – egal, wie – haben Sie meine Anregung aufgegriffen, immer mal wieder einem Menschen mit Vorzeigecharakter und Vorbildfunktion in Ihrem „Ruf des Ostens“ ein Gesicht (und eine Stimme) zu geben! Diesmal der „guten Frau P.“, die rosarot hervorleuchtet aus der – völlig zu Unrecht von allzu vielen als erdfarben wahrgenommenen – Masse der Sächsinnen und Sachsen! Unter anderem fördert sie Kinder mit „Migrationshintergrund“. Hier hat Integration noch ihren ursprünglichen Sinn bewahrt: Hilfe bei der Eingliederung Einzelner oder einer (kleinen) Minderheit in eine Mehrheit. Wie aber fiele Ihre Reaktion aus, gesetzt den Fall, Frau P. wäre von einer sächsischen an eine Berliner- oder westdeutsche Schule versetzt worden, wäre jetzt Lehrerin in einer Klasse mit (nahezu) 100% aufmüpfigen (Achtung: Euphemismus!) Immigrantenkindern; wo, wenn überhaupt, nur noch paradoxe Integration möglich ist? Wenn es vielleicht aus ihr herausgesprudelt wäre: „Ohne mich! Macht eiern Dreck doch alleene! Ich will wieder zerick nach Sachsn“! Vielleicht wäre dann das Lächeln auf Ihrem Konterfei, das jede Ihrer Kolumnen ziert, schnell einer ernsten Miene mit hochgezogenen Augenbrauen gewichen? Oder aber, Frau P.s angeborenes sächsisches Pflichtbewußtsein hätte sie doch noch gepackt:“Ürschndeener muß es ja machen! Ürschndwann sin die – alle? – mal Deutschlands Zukumpft – oder?“ Fragen Sie sie doch mal! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Mehr Fahrverbote in Sicht“ von Dietmar H. Lamparter

Dieser Artikel ist schlecht recherchiert, eigentlich nur nachgeplappert! Ist Herrn Lamparter entgangen, daß das gesamte Verfahren um NOX, dessen Messung und dessen Wirkung äußerst zweifellaft ist ? Weder Messverfahren noch verbreitete Schadwirkungen sind glaubwürdig. Messtationen, korrekt positioniert, und die Beachtung der medizinwissenschaftlichen Erkenntnisse sollten den NOx-Spuk ganz schnell beenden. Stattdessen hantiert Herr Lamparter mit zweifelhaften Messergebnissen- ohne die inzwischen allbekannten Zweifel anzudeuten. Die Regierung ist doch schon in der Spur der Berichtigung: Nicht 40, sondern 50 mg sollen als fiktiver Grenzwert gelten, um das Diktat der EU zu umgehen. Mehr Fahrverbote sind wohl eher nicht in Sicht. Es sei denn, unsere Richterprominenz fällt weiterhin auf die ideologieverbrämten Argumente der DU herein. – Dipl.Ing. W. Eckardt


Leserbrief zu „Das große Beschweigen“ von Adam Soboczynski

Endlich mal jemand, der dieses völlig überbewertete Schriftsteller-A…..och ins „rechte“ Licht rückt. – Siegfried K. Runge


Leserbrief zu „Nazis, Drogen, Grandhotels“ von Antonia Baum

Leserbriefe schreibe ich sehr selten. Aus dem rezensierten Buch von Takis Würger kenne ich nur einige Passagen, so dass ich mich dem Chor der entsetzten Kritiker nicht anschliessen kann. Mir fehlt aber in allen Kritiken der Verweis auf das hervorragende Buch von Peter Wyden (vormals Peter Weidenreich), der Stella noch persönlich aus seiner Kindheit kannte und viele Jahre später auf Spurensuche nach ihr ging. Dieses Buch steht seit 25 Jahren in meinem Bücherregal und ist vielleicht der beste Beleg dafür, dass es eines weiteren Romanes nicht bedurfte. – Volker Stach


Leserbrief zu „Endlos Lernen“ von Maximilian Probst

Ihrem interessanten Artikel möchte ich grundsätzlich zustimmen, bis auf eine Sachfrage: Können Bäume. die wir pflanzen, das CO2 wieder aus der Atmosphäre herausfiltern? Das würde nur dann klimawirksam funktionieren, wenn man die herangewachsene Biomasse der Bäume dauerhaft dem Stoffkreislauf der Biosphäre entziehen würde. Wenn man die „reifen“ Bäume, die während des Wachstums CO2 gespeichert haben, dann der Natur überlässt, wird bei der Zersetzung das CO2 wieder frei und es war ein Null-Summen-Spiel. Selbst mittelfristig dürfte es mengenmäßig auch nichts nützen, nur Bäume zu pflanzen angesichts der großen Mengen fossiler Biomasse, die seit Beginn der Industrialisierung verbrannt worden sind. – Artur Behr


Leserbrief zu „Die guten Nachbarn“ von Georg Blume

56 Jahre Élysée-Vertrag 2019 ist das ideale Jubiläumsjahr für den Èlysée-Vertrag bzw. seine Erneuerung: 1963 und 2019 sind Jahre, die mit Wochentagen und Datum genau übereinstimmen. der 22. Januar 1963 und 2019 war bzw. ist ein Dienstag. das passt erst wieder 2030, in 11 Jahren. – Dr. Artur Behr


Leserbrief zu „Der Treuhänder“ von Manuel Daubenberger et al.

Als wären diese Geschäfte neu. Warum wurden erst im letzten Jahr diese Geschäfte aufgedeckt, war die 4. Gewalt im Schlafmodus? Warum habe ich vor über 3 Jahren schon von diesen Geschäften gehört? Ich bin keine Journalistin, auch keine Wirtschaftsfachfrau und keine Politikerin. Über diesen Betrug im großen Stil habe ich mich aufgeregt im Gespräch mit Freunden und meinem Mann vor Jahren schon. Wer hat da seinen Job nicht richtig gemacht und warum? – Sabine Reiser


Leserbrief zu „Mehr Fahrverbote in Sicht“ von Dietmar H. Lamparter

Der gesamte Fahrverbotszirkus in Deutschland ist ein handfester Skandal, da er auf einem Grenzwert basiert der buchstäblich aus der Luft gegriffen wurde: Die Weltgesundheitsorganisation WHO „empfiehlt“ einen Grenzwert von 40 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Atemluft im Außenbereich, empfiehlt aber gleichzeitig einen Grenzwert von unfassbaren 950 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Atemluft für Menschen am Arbeitsplatz!! Tatsache ist, dass die 40 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Atemluft jeder medizinisch- wissenschaftlichen Grundlage entbehren (s. u.a. „Die Zeit“ Nr. 46 vom 08.11.2018). Namhafte Lungenfachärzte bezeichnen die 40 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Atemluft als schlicht „abstrus“, ebenso wie die von sog. Umweltverbänden in die Welt gesetzten Horrormeldungen über erfundene (empirisch berechnete) Todesfälle durch Stickoxide. Wie ist zu erklären, dass die EU wie auch die Bundesregierung zu dieser vorsätzlichen Panikmache und Volksverdummung schweigen? Die „Empfehlung“ von 40 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Atemluft ist bekanntlich EU- weit kritiklos übernommen worden und damit fatalerweise ein Richtwert für Gerichte, die über die (unwirksamen) Fahrverbote entscheiden müssen. Den US- Amerikanern, die in Fragen der Luftreinhaltung bekanntlich besonders strenge Gesetze vorweisen, haben einen Grenzwert von 100 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Atemluft festgelegt. Also: Sofortige Abschaffung des unsinnigen Grenzwertes! Die derzeit gemessenen Werte liegen in deutschen Städten zwischen 44 und 71 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Atemluft und das ist lt. Wissenschaft und Medizin gefahrlos für Menschen. Ganz nebenbei wären Gerichte und Polizei entlastet und Fahrer von älteren Diesel- Pkw bliebe das sinnlose Befahren von Alternativrouten erspart. – Dipl. Ing. Michael Deil


Leserbrief zu „Ins Zeitlose entrückt“ von Hanno Rauterberg

In unserer an Brüchen und Schuld so reichen Geschichte gibt es offenbar eine Sehnsucht nach klaren Linien, die bruchlos aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart hineinreichen. An dem Topos „Bauhaus“ als einem Projekt der Moderne, das vor 100 Jahren seinen Anfang nahm, lässt sich tatsächlich anknüpfen, ohne sumpfige geschichtsrevisionistische Schleichwege gehen zu müssen. Wo allerdings der erinnerungspolitische Mainstream diese Linien ins Universelle und Zeitlose entrückt, ist Entmystifizierung die Aufgabe eines aufklärerischen Journalismus. Die mutig spielverderbende Entzauberung der längst historisch gewordenen Bauhaustradition kommt dabei der ikonoklastischen Zumutung der ursprünglichen Bauhausgründer deutlich näher als unsere nach erhebenden und zugleich entlastenden Selbstbildern sich sehnende Gesellschaft. Als treibende Kraft eines Modernisierungsschubs verfolgte das historische Bauhaus das Ziel, Handwerk und Gestaltung aus den Bindungen an die Tradition herauszulösen und in der Formgebung Antworten auf der Höhe der damaligen Zeit zu entwickeln. Die zu gestaltenden Funktionen sollten aus dem Korsett der stilistischen Überformung befreit werden, die jeweiligen Inhalte ihren sachlichen Ausdruck finden. Die Kunstschule lotete dabei den gewonnenen Freiraum konzeptionell und experimentell neu aus. Ein Bruch mit der Tradition und ein radikaler Neubeginn!

Dieses historische Bauhaus taugt heute aber nur bedingt als Anknüpfungspunk für die Fragen unserer Zeit: Klima, Ökosysteme, Energie, Mobilität, Digitalisierung, Globalisierung, Migration. Zu sehr ist das Bauhaus mit der damaligen Zeit und den völlig überholten Menschen-, Gesellschafts- und Entwicklungsbildern verknüpft. Beispielsweise ist es aus heutiger Sicht inhuman, das Leben von Menschen kollektivistisch als Gesamtkunstwerk gestalten zu wollen und euphorisch an eine sich entfesselnde technische Entwicklung anzuschließen. Bauhausgeprägte Produkte – in ihrer Formensprache als zeitlos missverstanden – sind heute in unserer Lebenswelt selbst eklektische Versatzstücke und sollen den Schein von Modernität erzeugen. Eine legendenbildende Huldigung an die 20er Jahre und das Bauhaus verstellt den Blick auf die relevanten Fragen unserer Zeit. Erinnerungspolitik darf Politik nicht ersetzen, wo es global um nachhaltige und humane Überlebens- und Entwicklungsperspektiven geht. Wenn man heute vom Bauhaus etwas lernen möchte, dann dies: Mut zum Bruch und zum radikalen Neubeginn. – Reinhard Koine


Leserbrief zu „Über Meinungen und Wahrheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin, zu „Das große Beschweigen“ von Adam Soboczynski, zu „Nazis, Drogen, Grandhotels“ von Antonia Baum und zu „Wie kam es nur zu diesem Buch?“ Alexander Cammann

Ja, ich bin ein großer Fan von Harald Martenstein. Auch in der aktuellen Ausgabe des ZEIT-MAGAZIN trifft er wieder den Nagel auf den Kopf, wenn er den gerade angesagten Haltungsjournalismus als verbrämte Parteilichkeit im Sinne der vermeintlich politisch-korrekten Mehrheitsmeinung charakterisiert. Insbesondere gegenüber den „Rechten“, „zu denen man in der Regel alle zählt, die nicht jeder Dödel auf den ersten Blick als Linke erkennt“ (Martenstein). Mich würde interessieren, ob der Autor die Beiträge seiner Kollegen und Kolleginnen Adam Soboczynski, Antonia Baum oder Alexander Cammann gelesen hat, die zeitgleich im Feuilleton der ZEIT erschienen sind. Soboczynskis Verriss des neuen Romans von Michel Houellebecq („Serotonin“) versucht mittels der Gleichsetzung von Werk, Autorenbiografie sowie Interviewaussagen Houellebecq als „neurechten Denker“ zu brandmarken. Er wundert sich, dass der aktuelle Haltungsjournalismus das noch nicht erkannt hat und warnt davor, mit einer positiven Bewertung Houellebecqs werde rechtes Gedankengut salonfähig gemacht.

Baum und Cammann nehmen sich Takis Würgers Roman „Stella“ zur Brust. Während Baum unter Verweis auf die Biografie Würgers („Bestseller-Autor, SPIEGEL-Redakteur“!) eine Linie von seinem als effekthascherisch kritisierten Roman zu der aktuell in der Diskussion stehenden „Spielfilm-Reportage“ zieht, geht Cammann sogar so weit, daraus einen „Fall Hanser“ zu machen, mit kolportierten 150.000 Euro Vorschuss, die der Autor Würger erhalten haben soll (unerhört!).

Von Houellebecq habe ich alle Romane gelesen. Man muss schon sehr voreingenommen sein, um darin viel „rechtes“ Gedankengut zu erblicken. Houellebecq ist ein Zyniker und Kulturpessimist, der es – fast prophetisch – versteht, aktuelle Themen wie Sextourismus, Pädophilie, Islam, identitäre Bewegung oder den gängigen Konformismus (siehe Martenstein) literarisch zu verarbeiten, ohne vordergründig sich einem Lager zuordnen zu lassen. Ist es „neurechtes“ Denken, wenn er in „Serotonin“ den Widerstand der Bauern gegen industrialisierte Viehzucht, Milchquoten usw. thematisiert? Wenn er kritisiert, dass der globale Freihandel als abtstraktes Konzept fetischisiert wird, selbst von denen, die letztlich darunter leiden? Oder ist es vielleicht „neulinks“? Vielleicht ist Houellebecq einfach nur ein Schriftsteller, der provoziert, ein Enfant Terrible, der sich gegen eine Schwarzweiß-Einordnung nach den gängigen Schemata sträubt? Ihrem Rezensenten scheint dieser Gedanke offenbar unerträglich. Seine Kritik wird dem Werk in keiner Weise gerecht.  Ich finde, Literaturkritik, auch ätzende, ist ok, ja sogar gewünscht. Sie sollte jedoch nicht mit Gesinnungspolizei vermischt werden. – Dr. Alexander Schubert


Leserbrief zu „»Ich bin ausgebuht worden als Verräter. Das ist nicht schön«“ von Tina Hildebrandt und Stephan Lebert

Leider viele Worte und immer noch nicht das Dilemma verstanden. Der Unterschied zwischen den fast schon arroganten Funktionären der IG Metall und der in der gleichen Ausgabe im Nachruf für Susi Neumann beschriebenen praktischen Auswirkungen der Schröderschen Amtszeit auf die Arbeitssituationen vieler der heute Beschäftigten könnte nicht besser dargestellt werden: hier der weinerliche, unverstandene Ex-Minister, dort die durch einseitige Gesetzgebung verunsicherte Bevölkerung. Passend dazu auch die im gleichen Wirtschaftsteil ausgebreitete Thematik der Cum-Ex/Cum-Cum-Betrügereien, die auf die blauäugige Liberalisierung der Finanzmarktbeschränkungen durch die gleiche Regierung Schröder zurückzuführen ist. Nein, Herr Riester, die Zukunftswirkung der Regierung, in der Sie an führender Stelle mitgewirkt haben, war (leider) überaus nachhaltig und verdunkeln weiterhin das Bild der SPD. Ich kann Andrea Nahles schon verstehen, wenn sie auf ein weiteres Gespräch mit Ihnen verzichtet hat. – Dr. Hartwig Müller


Leserbrief zu „»Ich bin ausgebuht worden als Verräter. Das ist nicht schön«“ von Tina Hildebrandt und Stephan Lebert

Ein ehrliches und aufschlussreiches Interview! Besonders bemerkenswert, was Walter Riester zur „große(n) Herausforderung“ sagt. Deutschland hat eigentlich zwei Wirtschaftssysteme. Eines ist auf Gewinn im Sinne von Profit ausgerichtet, das andere soll Gewinn im Sinne von Humanität schaffen. Ersteres ist erfolgreich und begünstigt die Starken, letzteres leidet Not und lässt die Schwachen links liegen. Kinder, Kranke, Alte und Bedürftige könnten nach Riesters Auffassung durch einen „mit Steuern unterstützten Arbeitsmarkt“ die Bildung, die Gesundheitsversorgung, die Pflege und die Fürsorge erhalten, die der Würde Menschen gerecht würde. Gern hätte man von ihm erfahren, warum diese Umsteuerung nicht längst erfolgt ist. Kann es sein, dass die Wohlhabenden und die sie vertretenden Eliten, die auf gut funktionierende öffentliche Schulen, Krankenhäuser oder Pflegeheime gar nicht angewiesen sind, weil sie ihre Kinder auf Privatschulen im In- und Ausland schicken, bestausgestattete Kliniken ihrer Wahl im Angebot haben und in Residenzen mit reichlich Pflegepersonal ihren Lebensabend verbringen? Fehlt es der wirtschaftlichen Elite an der Einsicht und am Willen, etwas zu ändern, und den Volksvertretern die Risikobereitschaft und Unabhängigkeit, auf erworbene Privilegien zu verzichten? Die Betroffenen entscheiden nicht, und die Entscheider sind nicht betroffen – in Deutschland. In Frankreich wollen die Menschen in den gelben Westen das offenbar nicht länger hinnehmen. – Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Über Meinungen und Wahrheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Herr Martenstein sei allen Schreibenden der Zeit ans Herz gelegt. Er formuliert genau das, was mich immer mehr an der Zeit stört: Haltung statt Sachlichkeit. Trauen Sie ihren Lesern doch zu, eine eigene Haltung zu finden, statt sie mit Ihrer zu bevormunden. – Stefanie Rosken


Leserbrief zu „»Ich bin ausgebuht worden als Verräter. Das ist nicht schön«“ von Tina Hildebrandt und Stephan Lebert

Da redet ein typischer Apparatschik ständig um den heißen Brei herum, ohne klar Kante zu zeigen, geschweige denn eine Vision zu entwerfen. Den Interviewern gelingt es nicht, ihn aus der Reserve zu locken und ihn die Widersprüchlichkeiten im Sozialen (Rentenreform, Arbeitsmarkt, Arbeitszeit, Sozialhilfe usw.) deuten oder gar Lösungen für seine SPD entwerfen zu lassen, die wirklich über das hinausgehen, was vom jetzigen Führungspersonal diskutiert wird. Erschütternd seine Empfehlung an Schröder zu Clement: “Wenn Du der Meinung bist, das machen zu müssen, dann musst Du das machen“ und sich damit selbst abzusetzten. Wenn die SPD sich im Niedergang befindet, versteht man jetzt, warum. – Dr. Friedrich Koch


Leserbrief zu „»Ich war getrieben und gehetzt«“ von Lisa Nienhaus

Im Schlusssatz des Interviews drückt Michael Bohmeyer die Hoffnung aus, dass er mit seinem im Interview angesprochenen, demnächst erscheinenden Buch einen Rationalisten zum Nachdenken inspirieren könnte. Das Zitat in der Überschrift und das übergroße Bild sowie die Bildunterschrift stehen in keinem Verhältnis zur Botschaft des Beitrags. Sie stellen für mich sogar eine subtile Diffamierung der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens dar. Dass sich der Gründer eines Vereins, das diese Idee vorantreiben will, „am Strand von La Gomera vom Geldverteilen erholt“, weckt Assoziationen an „Florida-Rolf“ aus der Bildzeitung. Das liegt unterhalb des Niveaus, das ich von der ZEIT erwarte. – Dr. phil. Alfred Köth


Leserbrief zu „Abseits der Pisten“ von Lisbeth Schröder

Danke für das Thematisieren des gehobenen Leichtsinns. Was mir an Ihrem Artikel aber sauer aufstößt ist, dass nicht erwähnt wird, wie sehr diese Verrückten andere Menschen in Lebensgefahr bringen: die Bergretter. Dieser ganze technische Sicherheitsschnickschnack läuft darauf hinaus, dass sich eine Rettungsmannschaft gefälligst schnell in hochgefährliches Gebiet aufmachen soll, um ein paar Kindsköpfe zu retten. Das kommt mir übrigens ebenso merkwürdig vor wie die aufwendige seitenlange Berichterstattung von Frau Ceballos Betancourt über einen in Mexiko ermordeten Radler, der offenbar weder Sitten noch Gebräuche der befahrenen Region kannte und dabei umkam. Dass die Familie des jungen Mannes untröstlich ist, kann ich verstehen. Aber bei allem Bedauern: Wer sich in Gefahr bringt, riskiert darin umzukommen. Ob in den Alpen, auf See, im Dschungel oder in der Wüste, das Leben ist kein Computerspiel. – Arfa Margaretha


Leserbrief zu „Vom Opfer zum Täter und zurück“ von Judith E . Innerhofer

…es wird ein echtes Verbrechen an einem echten Menschen ausgebreitet, das man kaum verstehen kann, so grausam ist es. In diesem – wie auch in anderen Fällen – bleibt eine Frage ungefragt: Wie kann es sein, daß eine Frau ein Kind geboren hat, es „weggibt“ (das kann auch plausible Gründe haben), sich aber dann ein ganzes langes Leben nicht mehr für dieses Kind interessiert? Auch sie gehört bestraft, denn auch sie hätte, wenn auch in bescheidenem Umfang, zu einer Änderung zum Besseren im Leben dieses Kindes wenigstens einen Beitrag leisten können!! – Ingrid Schröter


Leserbrief zu „Was wir wissen“ und zu „Was wir nicht wissen“ von Stefan Schmitt

Es ist haarsträubend, was für miserable Artikel zum Thema „Wie geht es dem Klima?“ Sie uns mal wieder präsentieren, zumal noch im Politik-Teil der ZEIT, wo sie m. E. überhaupt nicht hingehören. Der Verfasser der beiden Artikel „Was wir wissen“ und „Was wir nicht wissen“, Stefan Schmitt, hält die Leserschaft der ZEIT offenbar für Schulkinder, denen man erklären muss, dass es Wetterstationen gibt und dass das Wort des Jahres 2018 Heißzeit heißt und dies was mit der Klimaforschung (Stichworte: Dürresommer, kritische Schwellen, Kipppunkte, Ostantarktis, Treibhauseffekt, usw.) zu tun hat. Wirres Zeug ohne Sinn und Verstand. Ich habe den Eindruck, der Artikelschreiber hat mal ein wenig über Klima gegoogelt und dann – ohne selbst auch nur ein bisschen vom Thema verstanden zu haben, außer dass der Mensch schon bald die Kontrolle über das Klima verlieren könnte (!) – diese zwei nutzlosen Artikel verfasst hat. Schuster bleib bei deinen Leisten, kann ich da nur sagen.

Es wird immer dieselbe, naive Logik vorgetragen. Der Klimawandel ist menschengemacht und führt, wenn wir nicht schnell handeln zur Klimakatastrophe. Über die konkreten Auswirkungen auf das Klima und unser Wetter streite man sich zwar noch, aber die von uns so geliebten Gletscher schmölzen alsbald ab, was den Meeresspiegel dramatisch anheben werde usw. usw, Ich habe noch in der Schule gelernt, dass vor nicht einmal 15.000 Jahren ganz Norddeutschland bis zum Harz hin vergletschert war und teilweise unter einer tausend Meter hohen Eisdecke lag. Ebenso war Süddeutschland bis weit ins bayerische Tiefland hinein vergletschert, wovon heute noch die für uns so schönen Voralpenseen zeugen. Ganz Deutschland war im Permafrost bei mittleren Temperaturen von -4 bis -8 Grad Celsius versunken. Diese letzte von abwechselnd mehreren Eiszeiten (die sog. Weichseleiszeit im Norden und die Würmeleiszeit im Süden) verschwand vor nicht einmal 10.000 Jahren schneller, als sie gekommen war und machte das Leben für Menschen hierzulande erst möglich. Und dies alles vom Menschen vollkommen unbeeinflusst!

Dummerweise nur, ist mit der noch immer anhaltenden Warmzeitperiode der Mensch aufgetaucht und hat mit seinen Erfindungen zur Energiegewinnung die CO2 Bilanz beeinflusst und greift damit in den natürlichen Klimawandel ein. Das ist das Problem, über dessen Auswirkungen die Wissenschaft noch erheblich im Unklaren ist, außer dass sich diese Beeinflussung des Klimas voraussichtlich eher ungünstig auf unsere Lebensverhältnisse auswirken werden. Dass sich aber das Klima der Erde – wie seit Urzeiten – weiter ändern wird, und zwar vorläufig weiter in Richtung wärmer und mit steigendem Meeresspiegel, lässt sich von uns nicht stoppen, lediglich (im günstigsten Fall) noch geringfügig korrigieren. Eine Klimakatastrophe droht unserem Planeten aber nicht, lediglich der Mensch wird sich mehr und mehr mit ungemütlichen Klima- und Wetterbedingungen arrangieren müssen – verursacht durch natürliche und menschengemachte Umstände. – Peter Breuninger


Leserbrief zu „»Ich bin ausgebuht worden als Verräter. Das ist nicht schön«“ von Tina Hildebrandt und Stephan Lebert

Nach diesen Vorschlägen von Walter Riester zur Lageverbesserung der SPD bin ich mir erst recht sicher, ihn und auch besonders Gerd Schröder, Franz Müntefering, Steinmeier und Eichel u.a., das er und diese Leute zu Recht als Verräter ausgebuht wurden. Alle die von ihm gemachten Vorschläge kommen nicht nur zu spät, sondern gehen weiterhin in die Richtung des Neoliberalismus, der die SPD in den Keller getrieben hat. Walter Riester hat wie die Anderen nach wie vor nichts begriffen. – Ingo Logemann


Leserbrief zu „»Männer haben Spaß daran«“ von Tina Hildebrandt und Robert Pausch

Ja, Männer haben Spaß daran .. z.B. an teuren Autos, zumindest als Modell. Zweifelsohne war Frau Haderthauer eine „weibliche Versprechung“ in der absolut männer- dominierten CSU. Und sie ist nicht dank der männer-dominierten Politik, sondern an den „bösartig-spielerischen“ Machenschaften ihres Mannes gescheitert. Fach-Kollegen, begutachtete Pateinten und Straftäter haben nach seinem Weggang aufgeatmet. Schade um Frau Haderthauer – mitgefangen – mit gehangen. Sie hätte früher „Nein“ sagen müssen , und das fällt eben vielen noch so begabten Frauen schwer. – Ursula Bastian