14. März 2019 – Ausgabe 12

Leserbrief zu „Namenstief“ von GRN

Weshalb tragen die Tiefdruckgebiete in diesem Jahr so biedermeierliche Namen wie Eberhard, Franz und Gebhard und heißen nicht Kevin? Vielleicht liegt es daran, dass sich die „Kevins“ die 257 Euro, die es kostet, um Namenspate eines Tiefdruckgebietes zu werden, (noch) nicht leisten können. Denn bei aller Häme über die Träger altmodischer Namen, sollte man nicht vergessen, dass es gerade die mittelalten Bürger sind, die unser Land mit ihren Steuern am Laufen halten. Bis die „Kevins“ so weit sind, wird wohl noch einige Zeit vergehen. – Michael Pfeiffer


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Fridays for Future ist Notwehr!
§ 32 Strafgesetzbuch
(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Die Klimapolitik der Bundesregierung fällt als rechtswidriger Angriff unter Absatz (2), die Schulstreiks unter Absatz (1). Es ist also völlig unbedeutend, dass Teile der altersstarrsinngen Politiker*innengemeinschaft die Schulstreiks verurteilen; die Schüler*innen handeln in Notwehr. Aufruf an die Schüler*innen: Wehrt Euch, bitte macht weiter! – Frank Brust


Leserbrief zu „Ein Land hängt in der Luft“ von Jochen Bittner

Ich kann das ganze Chaos nur so verstehen – sie wollen keinen geordneten Ausstieg – sie wollen auch keinen ungeordneten Ausstieg – sie wollen in der EU bleiben und das ist gut so. – Erich Holzner


Leserbrief zu „Im Zweifel für den Zweifel“ von Sophie Passmann im ZEIT Magazin

Danke!!!Stärke ist Unsicherheit auszuhalten. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Behindert Wirecard Ermittlungen?“ von Ingo Malcher

Im heutigen Artikel zu Wirecard steht folgendes: „Außerdem versuche das Unternehmen „die Ausübung polizeilicher Arbeit zu ersticken“. Das geht aus Unterlagen der Staatsanwaltschaft hervor, die der Wochenzeitung DIE ZEIT vorliegen.“
Frage: Liegen Ihnen (DIE ZEIT) wirklich Unterlagen der Staatsanwaltschaft vor oder beziehen Sie sich auf Informationen anderer Journalisten (FT oder ähnliches)? Falls IHNEN die Informationen vorliegen, wäre ich Ihnen für eine entsprechende Weiterleitung oder Kommentierung sehr verbunden. – Sascha Prengel


Leserbrief zu „Über Schubladendenken“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Sie kritisieren das „Schubladendenken“ und übersehen dabei geflissentlich, dass Sie sich seit Langem in vielen Ihrer Glossen als ganz ausgeprägter Schubladendenker präsentieren. Sobald etwas nach gender, political correctness, feministisch, alternativ, grün etc. auch nur riecht, sehen Sie rot und schlagen erbarmungslos drauf. (Man fragt sich besorgt, worüber Sie wohl schreiben würden, wenn dieser schier unerschöpfliche Quell an Themen doch einmal versiegen sollte. Nur noch über sich selber, Ihren Hund oder Ihren Sohn?) So behaupten Sie z. B. schlankweg, dass „rechts“ immer böse und „links“ immer gut heiße – offenbar halten Sie den Mikrokosmos um Frau Wagenknecht und Herrn Kühnert für die ganze Welt und lesen selber nicht die bürgerlichen Zeitungen, in denen Sie Ihre Glossen veröffentlichen. In Ihren eigenen Worten: Sie greifen zu einer der größten Diskriminierungen überhaupt, indem Sie Ihre Leserinnen und Leser für blöd halten. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Klimademonstrationen der Schüler/innen ernst nehmen
Die Demonstrationen von Schülerinnen und Schüler haben ihre Berechtigung wenn man die Prognosen beim Klimawandel und bei der Entwicklung der Naturkatastrophen sieht. Fakt ist, dass es nach wie vor keine bindenden Beschlüsse auf der Weltebene gibt, viele Fragen bei den Klimakonferenzen noch nicht gelöst wurden und selbst in Deutschland bei der Minderung von Treibhausgasen seit gut 10 Jahren nichts mehr passiert. Die Schülerproteste sollten also ernst genommen werden, denn schließlich geht es um die Zukunft dieser Jugendlichen. Als Eltern und Großeltern sind wir ebenso gefordert. Warum also nicht einmal eine Familienklimakonferenz einberufen und eigene mögliche Maßnahmen umsetzen? Da wären 10 Punkte

01. Bestandsaufnahme der eigenen Klimabilanz
02. Bei welchem Stromanbieter beziehen wir Strom? Man kann sich eigentlich nicht gleichzeitig für den Erhalt des Hambacher Forstes aussprechen und dann Braunkohlestrom einkaufen. Hier wäre ein Wechsel zu einem Stromanbieter der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien anbietet und vielleicht auch noch den Ausbau der erneuerbaren Energien fördert die logische Konsequenz.
03. Beim Verkehrsbereich sollte geprüft werden, ob man z.B. überhaupt 2 Autos braucht, wie viel Sprit sie verbrauchen und welche Möglichkeiten bestehen mehr das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Langfristig sollte man auf E-Mobilität umsteigen.
04. Beim Urlaub werden oft alle Vorsätze über den Haufen geworfen. Flugreisen schmälern dabei besonders die Klimabilanz und sollten einfach gestrichen werden.
05. Beim Einkaufsverhalten möglichst auf BIO-Produkte aus der Region zugreifen und auch Restaurants aufsuchen, die ihre Produkte bei regionalen Anbietern einkaufen.
06. Den Fleischkonsum reduzieren und kein Fleisch mehr aus der Massentierhaltung kaufen. Dabei geht es auch darum die Abholzung des Tropenwaldes für den Anbau von GEN-Soja zu stoppen.
07. Die Stromfresser im eigenen Haushalt aufspüren, Standby-Anlagen konsequent abschalten. Große Stromfresser sind hier u.a. Wärmepumpen und Wäschetrockner
08. Überlegen, ob man nicht durch eine Mitgliedschaft Umweltorganisationen unterstützt, die lokal und überregional aktiv sind. Möglichst auch hier selbst mit Kindern aktiv werden.
09. Überprüfung der Parteien die man auf Kommunaler-, Landes-, Bundes- und Europaebene wählt auf ihre Klimakonzepte und was sie in der Vergangenheit getan haben. Das Wahlverhalten ist auch ein Signal an alle Parteien etwas zu tun.
10. Sich regelmäßig über die Entwicklung beim Klima und seine Folgen informieren und diese Informationen im Freundes- und Bekanntenkreis weiter geben.
Dieser 10-Punkteplan ist ein Ansatzpunkt und kann sicher auch noch erweitert werden. – Willi Hennebrüder


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Ein Bravo! für Ihren pointierten Artikel „Alt und unklug“ über die Schülerproteste von „Fridays for Future“. Mehrmals habe ich gelacht, weil Sie die unfassbare Behäbigkeit unserer „Gerontokratie“ wunderbar entlarven. Wie ich durch Zufall im Rahmen einer Vorlesung über die sogenannten „68er“ herausgefunden habe, haben Sie sich mit deren Rezeption ja auch eingehender befasst. Man kann die Jahreszahl von damals undifferenziert idealisieren, aber wenn eines bleibt, dann doch das Verständnis, dass unsere Geschichte „machbar“ ist und nicht einfach über uns hereinbricht. Wir haben es in der Hand! Bleiben Sie weiter kritisch und lassen Sie die „Herausrede-Königin“ Julia Klöckner weiterhin nicht einfach vom Haken. – Julia Molina


Leserbrief zu „Im Zweifel für den Zweifel“ von Sophie Passmann im ZEIT Magazin

GANZ WUNDERBAR, IHR ARTIKEL. GANZ OHNE ZWEIFEL. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen. – Dr. med. Hans Neugebauer


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Als erstes möchte ich Ihnen herzlichst zu Ihrer Schuhgröße gratulieren, die dürfte Sie ja von fast jeder Kochverpflichtung befreien. Nur schade, dass die meisten Männer immer noch größere Füße haben als Sie. Ich könnte jetzt so weiter machen, aber genau diese Art von respektloser Auseinandersetzung, die sich leider im öffentlichen Diskurs sehr breitgemacht hat, finde ich bedauernswert und traurig. Erstaunt bin ich über Ihre Interpretation von Feminismus, der sich gewisser weiblicher Tatsachen zu entledigen sucht, die ihm nicht passen und sich so dem männlichen Ideal angleicht. Ich bin mir nicht sicher ob uns als Frauen damit geholfen ist unsere Natur dahingehend zu manipulieren, ein fast ‚männliches‘ Leben führen zu können. Ist der Mann doch immer noch das Maß aller Dinge? Ich dachte diese Zeit hätten wir längst hinter uns gelassen. Anstatt uns aus Abhängigkeiten zu befreien, propagieren Sie neue. Sie erwähnen das Interesse der Firma o.b. daran, uns weiterhin bluten zu sehen. Wenn ich Ihrer Argumentation folgen würde, müsste ich feststellen, dass auch die Hersteller von Toilettenpapier ein großes Interesse daran haben, dass wir weiterhin von Ausscheidungen zweierlei Art geplagt werden. Das beide davon profitieren, uns einen Dienst zu erweisen ohne in unsere Biologie einzugreifen, finde ich vollkommen in Ordnung.

Leider lassen Sie jedoch die Tatsache, dass große Pharmafirmen ein nicht geringes finanzielles Interesse daran haben uns ihre Ovulationshemmer zu verkaufen, komplett unter den Tisch fallen. Ob diese uns damit jedoch auch immer einen guten Dienst erweisen, finde ich ebenfalls sehr fragwürdig. Ein Teil meines Verständnisses von Feminismus besteht zudem in der Annahme und dem Wunsch, dass jede Frau sich endlich frei und eigenständig für die Dinge entscheiden kann die sie für sich als gut und richtig erachtet, ohne dabei von anderen Menschen, bewusst beeinflusst, verurteilt, verachtet oder lächerlich gemacht zu werden. Der Tonalität Ihres Textes nach zu urteilen, sind wir in diesem Punkt leider unterschiedlicher Meinung, was ich sehr bedauerlich finde. Dabei stimme ich Ihnen in einigen Punkten durchaus zu, würde mir jedoch im Großen und Ganzen eine wertfreiere und kritischere Auseinandersetzung mit diesem, für uns Frauen, doch sehr zentralen Thema wünschen. – Birgit Riemann-Chudy


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Kerstin Bund

Herzlichen Dank für Ihren Artikel. Kurz zu meinem Erfahrungshorizont. Meine Kinder sind ungefähr in ihrem Alter, ich war fünf Jahre Hausmann, habe damals mein Beamtentum als Lehrer gekündigt und bin mit oder trotz vier Kindern neue Wege gegangen und beschäftige mich natürlich auch mit den Grundfragen des Lebens also auch mit Mann und Frau und was ich noch für die Zukunft meiner Kinder und Enkel tun kann. Leider liegen unsere Probleme auch wenn es die Feministinnen anders sehen nicht an dem Konflikt zwischen Mann und Frau, sie liegen leider im:

  • Mangel an Achtsamkeit
  • Mangel an Behutsamkeit
  • Mangel an Achtung
  • Mangel an Selbstführung
  • Mangel an Herzenstakt
  • Mangel an Feinfühligkeit

Sich bemühen um Milde, Verständnis, Bescheidenheit, Frohsinn, Freundschaft wären eine Grundlage für gedeihliche Zusammenarbeit und mehr Sinn in der Gesellschaft. – Hans Joachim Hühner


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Einen Meinungsbeitrag gilt es zu respektieren. Auch ist es mutig sich eines Themas anzunehmen, das (noch) nicht unbedingt mit der Familie am Kaffeetisch besprochen wird. Dennoch muss ich der Autorin eine gewisse argumentative Schwäche bescheinigen. Zunächst ist es Humbug, dass Frauen nicht wissen, dass sie nicht bluten müssen. An meiner Schule war schon in den frühen 2000ern das „Pille durch nehmen“ gängige Praxis unter den Frischmenstruierenden. Weiterhin ist die Menstruationstasse kein Lifestyle-Produkt. Da sollte man vielleicht nicht nur mit einer offenbar experimentierfreudigen Bekannten drüber sprechen. (Wobei es durchaus lobenswert ist, sich für den eigenen Körper zu interessieren). Die Menstruationstasse spart Geld und Ressourcen und ist im Vergleich zum Tampon, der sämtliche Scheidenflüssigkeit aufsaugt und durch die Schnur zusätzlich zum Keimfaktor wird, gesundheitlich von Vorteil. Weiterhin hat schlichtweg nicht jede Frau Bock, sich mit Verhütungsmittelchen verschiedenster Art rumzuschlagen. Viele haben bewusst die hormonelle Verhütung abgesetzt und fühlen sich nun besser. So auch ich – zum Beispiel keine Stimmungsschwankungen mehr (und das obwohl ich wunderbar regelmäßig menstruiere). Die wenigsten werden nun ums Feuer tanzen und ihre Periode beweihräuchern. Dennoch ist der offene Umgang, den das Thema mittlerweile erfährt – offenbar ja auch durch die Autorin selbst – ein Gewinn für die Gesellschaft. Denn, auch wenn es der Autorin glücklicherweise erspart geblieben zu sein scheint, ist das Thema doch auch heute noch allzu oft mit Scham und teilweise Ekel verbunden. Ich will mich aber nicht vor meinem Körper ekeln. Und ich will vor allem nicht, dass meine Nichten und spätere Töchter sich vor sich selbst ekeln und sich schämen. Ja, ich blute. Ja, manchmal geht was daneben. Und? Männer ejakulieren, Frauen bluten. Jeder schwitzt, pinkelt und macht sein großes Geschäft: Sollen dagegen auch Pillchen erfunden werden? Ein Manifest gegen die Periode ist undifferenzierter, rückschrittlicher Unsinn. – Nathalie Rippich


Leserbrief zu „Flammkuchen“ von Michael Allmaier

Danke für Ihren Appetit machenden Artikel über den Flammkuchen. Er erinnerte mich an den Essgenuss auf der Fahrt in die Vogesen. Eine kleine Anmerkung: auch im Elsass gilt, sofern Hoch-)Deutsch geschrieben wird: ich backe, ich backte, ich habe gebacken. „buk“ wird großgeschrieben und mit g und ist ein Teil des Schiffs; mit Backen hat „buk“ nichts gemein. Trotz „bug“ läuft´s mir im Munde zusammen, wenn ich an das Elsass denke. Danke nochmals! – Hanno Lülwes


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Es ist unumstritten das die Politik aber auch Jeder in seinem Verhalten etwas für die Umwelt und damit für den Klimaschutz leisten muss.Aber genau so kritisch muss das Auftreten von Greta Thunberg gesehen werden. Die 16-jährige Schülerin aus Schweden und die demonstrierenden Schüler in Deutschland sollten dabei mal über ihren Tellerrand hinaus schauen, ehe sie die ältere Generation für die verfehlte Klimapolitik und die daraus resultierenden Umweltschäden verantwortlich machen. Viele der jungen Demonstranten sind bestimmt behütet zu Hause aufgewachsen und mindestens einmal im Jahr mit den Eltern in den Urlaub geflogen oder gefahren. Haben sie dabei über den Verbrauch des schädlichen Kerosins bei Flug nachgedacht. Oder wie viele der Schule schwänzenden Schüler werden von Vati oder Mutti mit dem Auto zur Schule gefahren. Alle diese Kritiker einschließlich der Greta sollten auch einmal darüber nach denken, wenn sie das nächste Smartphone kaufen, zur Herstellung werden bis 900 Liter Wasser benötigt. Für eine Jeans sind es bis 800 Liter und ein T-Shirt 3.900 Liter. Auch sollten die Rebellen beim verzehr von Erdnüssen und deren Produkte daran denken, dass für den Anbau von 1 kg Erdnüsse und deren Produkte 2.780 Liter Wasser benötigt werden. Greta und die demonstrierenden Schüler sollten aufzeigen was sie selbst zum Umweltschutz betragen wollen, denn es geht nur miteinander. – Lothar Schumann


Leserbrief zu „Sie können es einfach nicht lassen“ von Thomas Assheuer

Sie schreiben doch selber, Juncker und Soros seien Vertreter der kosmopolitischen Elite, vertreten also zu Orban diametral entgegengesetze politische Positionen. Soros setzt seit Jahrzehnten sein immenses Vermögen zur Förderung seiner politischen Vorstellungen ein. Orban hat also mehr als genug Gründe, seinen Landsmann Soros nicht zu mögen. Sie schreiben über Orban: „Seinen Landsmann George Soros mag er auch nicht. Soros ist Jude.“ Sie „schlussfolgern“ daraus, die Anti-Juncker/Soros-Plakte und die europäische Rechte, als deren Repräsentant Sie Orban ansehen, seine antisemitisch. Sie begründen mit keinem Wort, warum Ihrer Ansicht nach Orban Soros nicht mag, weil er Jude ist. Warum sind die Plakate antisemitsich? Weil darauf ein Jude abgebildet ist? Daraus würde folgen, dass man einen Jude nicht mehr kritisieren darf, weil er Jude ist, auch eine Art von krasser Diskriminierung. Sie weiten Ihre falsche Schlussfolgerung noch aus, indem Sie von Orban auf die gesamte europäische Rechte schließen. Auch das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein. Dieser Abschnitt Ihres Artikels ist eine üble Unterstellung. Man kann das mit Fug und Recht auch als Hetze gegen Orban und die politische Strömung, die er vertritt, bezeichnen. Warum nur entwerten Sie mit Ihrer krassen Entgleisung Ihren Artikel und Ihre Person? Vielleicht ist ja Orban antisemitisch. Ich erlaube mir darüber kein Urteil. Allerdings sind mir keine entsprechende Fakten bekannt. Wenn Sie das behaupten, dann müssen Sie entsprechende Fakten nennen. – Reiner Felkel


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Dass die beiden interviewten Eltern meist im Plural antworten, wenn diese von ihrer Generation sprechen und den Versäumnissen im persönlichen Klimaschutz, kränkt all diejenigen, die nicht so untätig oder blind waren. Obwohl im gleichen Alter und auch Vater, gab es bei mir (wie bei einigen anderen auch) eine ganz andere Wahrnehmung und Entwicklung in der Vergangenheit. 1992 hörte ich von meinem Biologielehrer in der Oberstufe zum ersten Mal vom Klimawandel, dass Treibhausgase nicht filterbar sind und besser gar nicht erst ausgestoßen werden sollten und dachte, du musst selber etwas tun. Kurz nach dem Abitur erbte ich das Auto meiner Großmutter und tauschte es gegen ein kleines Elektroauto ein. Seitdem verwende ich für lange Strecken den Zug und habe nur einmal eine (Flugzeug-) Ausnahme gemacht. Um auch beruflich etwas zu ändern, drehten wir schließlich 2012 (und gegen viele Widerstände) einen annähernd klimaneutralen Film: I Want to Run. Und verrückt mit dem Zug nach Bukarest zu fahren? Zu meiner Schwiegermutter in Bukarest nehmen wir immer den Nachtzug. Es stimmt, manche haben sehr lange die Augen vor den Gefahren der Klimakrise geschlossen gehalten, wie offensichtlich Ihre beiden interviewten Eltern. Dass diese nun nichts besseres wissen als ihr persönliches Verhalten zu verallgemeinern, diskreditiert alle, die sich anders verhalten haben. – Dipl.-Ing. Achim Michael Hasenberg


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Laut einem Gutachten aus Stuttgart können Eltern (und deren Kinder) jetzt gegen Unterichtsausfall klagen. (s. Stuttgarter Zeitung v. 14.3. ) Was läuft da schief? Die Kiddies (wahrscheinlich wollen das auch ihre Eltern) wollen Montags gar nicht zur Schule. Vielleicht hätten die Wissenschaftler ein anderes Gutachten erstellen sollen. Ist Schulbesuch nötig, wenn es einen übergeordneten Grund gibt, der dagegen spricht? Den Erhalt unserer Umwelt zum Beispiel. Und Dienstags demonstrieren sie gegen die Ungerechtigkeit der Welt. Mittwochs vielleicht für den Sozialismus. Gute Ansätze gibts reichlich. Für Bernd Ulrich ist Greta Thunberg schon eine Heldin. Darunter geht es schon gar nicht mehr. Die Bundesregierung und alle Deutschen sollten schnell anfangen die richtige Umweltpolitik zu machen. Nein, besser sofort. Stante pede. Spätere Generationen werden die protestierenden Schüler und natürlich die Heilige Greta als Weltenretter feiern. Vergesst Jesus. ( wer war das übrigens? Das haben wir in der Schule nicht gehabt. :-) Wahrscheinlich gibt’s den Feiertag der “ grünen Greta“ oder den der “ demonstrierenden Schüler“. Vom Wissenschaftler, der dieses Gutachten verfasst hat, wird niemand mehr sprechen. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

In der Stadt Voerde am Niederrhein haben wir die Diskussion zur Hindenburgstraße schon hinter uns. Voerde ist eine traditionelle Hochburg linker Richtung. Anno 2013 wollte der Rat (SPD 15 Sitze, CDU 15 Sitze, Grüne 4, WGV 3, FDP 3, LINKE 2 Sitze) mit seiner linken Mehrheit (alle Parteien bis auf CDU und FDP) eine Umbenennung der Hindenburgstraße durchsetzen. Aus der Bürgerschaft gab es hiergegen Widerstand und „manipulierte Bürger“ (wie es eine Initiative für die Umbenennung nannte) erzwangen einen Bürgerentscheid. Ergebnis: 9.685 abgegebene gültige Stimmen. 8.966 Stimmen gegen eine Umbenennung, 719 für eine Umbenennung. Damit wurde das nötige Quorum um 2.860 stimmen überschritten und der Bürgerentscheid gegen die Umbenennung war erfolgreich. Ein ähnliches Ergebnis wie in Darmstadt und Garmisch. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner und zu „Großer Zapfenstreich“ von Jörg Kramer

  1. wie Sie dem Thema des Dossiers derart breiten Raum einräumen konnten, ist mir ein absolutes Rätsel und ein Zeichen für unseren abgehobenen Wohlstand bzw. fast schon gedanken- bis wahllose Befassung. Ich muß mich trotz bestem Bemühen um höfliche Kommentierung den Aussagen der Sylter bzw. „Dörfler“ sinngemäß anschließen: „Haben Sie wirklich nichts Wichtigeres im Themenköcher oder im Sinn?“ „Haben Sie noch alle sieben Sinne beieinander?“ Sie können doch bei nahezu jeder Person der Zeitgeschichte auch schwarze Momente in deren Lebenslauf entdecken und diese für so wichtig halten, daß diese Person herabgewürdigt wird. Ich kann Hindenburg gewiß nichts abgewinnen, aber lassen Sie doch um Gottes Willen dessen Namen als Straßenbezeichnung bestehen, und wer darüber reden mag, braucht noch lange nicht Ihre Beachtung finden. Wollen wir jetzt ersnthaft damit anfangen, alle Straßennamen mit Personenbezeichnungen auf den Prüfstand eines Index zu stellen??? Wie lange darf das dauern? Muß es noch in dieser Legislaturperiode erledigt sein, weil wir keine anderen Probleme haben? Wieviel darf es kosten, die Neubeschlußfassung und Neubeschilderung, Briefkopfänderung etc. pp? Wollen Sie sich ernsthaft einreihen in die Phalanx derer, die sich an Jedem und Allem stören, puritanisch oder calvinistisch oder einfach erbsenzählerisch streng, mit dem Fallbeil des Obermoralisten zum Zwecke der Einhaltung vermeintlicher oder tatsächlicher political correctness? Wie es vor einigen Jahren schon mit der (Um-)Gestaltung der Ampelmännchen gefordert wurde zur Dokumentation wirklicher Emanzipation der Frauen – noch ohne Widerhall bei den jetzt so genannten Diversen? Wie es jetzt mit der Kritik an Frau AKK mit ihrer Faschingsrede in Stockach geschah – auch in Ihrem Blatt, furchtbar! Herr Gabriel hat das Notwendige dazu gesagt – die Medien und Oppositonspolitiker als selbsternannte Humorpolizei! Oder die Umschreibung der Substantive nach neutralen Geschlechtsmerkmalen, die Lokomotivführenden z. B. mit Stern und sonstwas. Auf welchem Stern befinden wir uns eigentlich? Und ist Herr Berbner schon so abgehoben und bereit für diesen Themenmist? Man braucht doch weder ein Nazi zu sein noch ein Frauenhasser oder Diversenfeind, um diese Themen am besten dort zu belassen, wo sie hingehören, in der …kiste.
  2. Hervorragend dagegen der „Zapfenstreich“, in dem Herr Kramer mit Recht die eigene Gilde und Berufskritiker im Fußball vor allem auf´s Korn nimmt. Besser geht´s kaum. Jede höherrangige Führungskraft ist doch heute hierzulande ein ganz „armes Schwein“, weil sie viele Entscheidungen treffen muß, die sie nicht begründen kann oder gar darf, weil es ins Persönliche ginge oder die Außenwelt aus Gründen der Diskretion aus anderen Gründen nichts angeht. So ist die Situation halt auch beim Bundestrainer. Bei Personalentscheidungen in Unternehmen wird gemeinhin Stillschweigen vereinbart. Warum nicht bei Entscheidungen des Bundestrainers? Die Kanzlerin bzw. ein Kanzler kann heute nicht einmal mehr selbst das politische Mitarbeiter-Personal aussuchen, von den unteren Rängen und im engsten Kreis einmal abgesehen, ohne gleich die Koalition auf´s Spiel zu setzen. – Rolf Heeger

Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Greta Thunberg und ihren jugendlichen Nacheiferern ist es zu verdanken, dass klimatische Ignoranzpolitik endlich an den Pranger gestellt wird. In 2011 forderte der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen im Gutachten „Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation“ drastische politische Maßnahmen und wurde vom Umweltminister Röttgen und Wissenschaftsministerin Schavan – belächelt. Die groß angekündigte Energiewende ist zur Worthülse verkommen, denn insbesondere in den Sektoren Mobilität, Nutztemperatur wurden kaum Klimagasreduktionen erzielt, und im Elektrizitätssektor droht wegen Vernachlässigung von Speicherkomponenten und dringend benötigtem Netzausbau großflächiger Blackout. – Hans-Ulrich Oberländer


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Wenn Jugendliche auch mal für das Klima demonstrieren gehen, statt in den Unterricht, dann sollte man/frau sie ungestraft demonstrieren lassen; dann solte auch die Schulleitung mal ein Auge zudrücken können. Da sage noch einer, dass die Jugend nur „onlinefixiert“ ist! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Auf den ersten Blick sollten die Kommunen historisch kontaminierte Namen für Straßen und Plätze ändern. Auf einen zweiten Blick, einem mehr politisch-historischen Blick, wäre es ein Fehler, so auf- und abzuräumen. Denn befördert würde eine akute verhängnisvolle Tendenz, Geschichte zu vergessen und Geschichtslosigkeit zu fördern. Die kritisierten Straßennamen, auch der Name Hindenburgs, sollten im kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft bleiben und an die Tiefpunkte und problematischen Weichenstellungen erinnern. Denn sie tragen ein klein wenig dazu bei, über die Gefährdungen von Rechtsstaat, Freiheit und Demokratie nachzudenken. Zu den Straßennamen gehört auf jeden Fall ein informierendes Täfelchen. – Lothar Wiese


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Soll hier eine Art Kollektivschuld bestimmter Jahrgänge für den Klimawandel konstruiert werden? Allein durch die Zugehörigkeit zu „der Generation, die uns die Klimakrise eingebrockt hat“? Auch wenn jemand kein Auto hat, keine Flugreisen unternimmt und auch sonst auf kleinem Fußabdruck lebt? Die vielen alltäglichen Entscheidungen hatten und haben Folgen, die sich fortlaufend summieren – das ist keine Frage des Lebensalters. Die Klima-Demonstranten machen zu Recht auf die Dringlichkeit von Veränderungen aufmerksam – das geschärfte Bewußtsein sollte sich aber nicht nur in Forderungen, sondern im eigenen Alltag zeigen. Eine Äußerung wie: „Dann kann es jedem von uns passieren, dass wir am Ende auch mit einem Zweitwagen und dem jährlichen Urlaubsflug dastehen.“ zeigt da wenig Entschlossenheit zur Konsequenz und wenig Vertrauen in die eigene Generation. Die „klimapolitischen Maßnahmen“ sollen es richten. Da wäre etwa die gezielte Verteuerung vom Primärenergie – und sogleich taucht die Frage auf: „Was ist mit den ärmeren Menschen, die sich teurere Benzinpreise nicht leisten können?“ Wenn aus Gerechtigkeitsgründen dann spezielle Ausgleichzahlungen eingeführt würden, damit nicht nur Wohlhabende, sondern auch Geringverdiener weiterhin Autos haben und fahren können, dann entfiele die verbrauchssenkende Wirkung höherer Kosten und es bliebe, wie bisher, bei der persönlichen Gewissensentscheidung. Vor der steht allerdings heute schon jeder, nicht nur freitags. – Bettina Ziegler


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Anna Mayrs Plädoyer gegen die Menstruation steht in ironischem Kontrast zum Titelbild der Literaturbeilage der ZEIT dieser Woche: Während auf letzterem eine sich in Rückenlage räkelnde Frau ungeniert den Blick auf ihre unrasierten Achseln freigibt und diese somit zum feministischen Statement wider den gesellschaftlich oktroyierten Zwang zum haarlosen weiblichen Körper heraufhebt, spricht sich Frau Mayr just für eine weitere Entfernung an eben diesem Körper aus – das medikamentös herbeigeführte Ausbleiben der Regelblutung. Dass sie selbst die Rückversicherung über die gesundheitliche Unbedenklichkeit einer solchen Praxis von einem Mann erhalten hat („Ich fragte meinen Arzt noch einmal, ob das gesund sein könne. ‚Sicher‘, sagte er, ‚keine Frau muss heutzutage bluten'“) entbehrt ebenfalls nicht einer gewissen Ironie im Kontext des feministischen Diskurses – abgesehen davon, dass eine solche Trivialisierung des gesundheitlichen Risikos, das die hormonelle Verhütung in sich birgt, im besten Falle irritiert. Insgesamt bleibt nach der Lektüre des Artikels das diffuse Gefühl, das hier jemand bei einer Widerrede gegen das – zugegebenermaßen – befremdliche Zelebrieren einer biologischen weiblichen Gegebenheit über das Ziel hinausgeschossen ist. Statt Verklärung macht sich Mayr somit der Verteufelung schuldig – und einer fehlerhaften Faktenlage: Mayer führt Stress, Schlafmangel und Erkältungssymptome an, wenn sie „beweisen“ will, dass die Regelblutung nicht als Wächter eines kranken Systems fungiert. In diesem Punkt möchte ich klar widersprechen! Die Banalität der von ihr aufgelisteten körperlichen Stressoren dürften ihr sicherlich selbst bewusst gewesen sein, weshalb der wohlwollende Leser ihr ein solches Vorgehen als bewusste Polemik auslegen darf – oder aber weniger wohlwollend als journalistisch unlauter.

Auch ich selbst habe gerne das Klagelied über diese ach so lästigen fünf Tage im Monat angestimmt: Bis sich das Ausbleiben meiner Regelblutung eben doch als sehr hilfreicher Warnruf entpuppt hat, der mir die operative Entfernung eines gutartigen Hirntumors erspart hat. Entnervt von der gängigen kontrazeptiven Praxis, dass Frau die Pille nimmt, setzte ich selbige mit Anfang 20 ab. Zunächst freute ich mich sogar darüber, dass meine Regelblutung nicht sofort wieder einsetzte (apropos Ironie!). Nach einem halben Jahr ging ich der Ursache dafür dennoch nach und wie sich herausstellte, war mein Prolaktinwert stark erhöht, da sich ein gutartiger Tumor an meiner Hirnanhangdrüse gebildet hatte. Die Pille hatte dieses Problem erfolgreich überdeckt – und ich hatte schlichtweg das Glück, selbige früh genug abgesetzt zu haben. Denn ansonsten wäre es mir so ergangen wie vielen Männern, bei denen sich ein solcher Tumor bildet und die sich des gesundheitlichen Problems oft erst bewusst werden, wenn es zu Gesichtsfeldausfällen kommt, weil der Tumor schon so stark gewachsen ist, dass er auf den Sehnerv drückt – da sie eben nicht „bluten müssen“. Dank eines medikamentös unbeeinflussten Zyklus konnte ich der Sache glücklicherweise früh genug nachgehen, sodass – im Unterschied zur generellen medikamentösen Unterdrückung der Regelblutung, zu der Mayr aufruft – eine medizinisch sinnvolle medikamentöse Therapie eingeleitet werden und der Tumor zum Schrumpfen gebracht werden konnte. Und ansonsten möchte ich gerne einfach noch einen Praxistipp loswerden: Wen der blutige Finger auf dreckigen öffentlichen Toiletten stört, bediene sich doch einfach in solchen Fällen eines Tampons mit Applikator – oder noch einfacher: der guten alten Binde. Aber die Idee kommt einem vielleicht erst mit Schuhgröße 42. Die habe ich zum Glück. – Dr. Eva Dolo


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

“sine ira et studio” hätte dem Plädoyer gut getan. Ein recht pauschaler Vorwurf des Attentismus in der Umweltpolitik. Beispiel: Kohleausstieg. Immerhin, muss man sagen. Der späte Termin mag unsportlich oder gar gräuslich sein. Mir ist aber nicht erinnerlich, dass die “Zeit” gegen den überhasteten Atomausstieg opponiert hätte oder die Versetzung der Prioritäten ( erst Kohle, dann Atom ). Beides wäre klimaförderlich gewesen. Gewiss: die Jugend steht überwiegend für eine offensive Umweltpolitik. Das passiert aber heute. Die These, der zentrale Generationenkonflikt entflamme bei der Klimafrage, weist in die Zukunft und kann eigentlich nur unterschreiben, wer kinderlos ist. Wenn unsere Sozialsysteme in 20 oder 30 Jahren wegen der demographischen Defizite zu bersten drohen, mutet die CO² Frage doch wie ein Luxusproblem an. Viele werden dann wegen unserer heutigen Indolenz den Kopf schütteln. – Christoph Schönberger


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

1.Kein ernstzunehmender Wissenschaftler (nicht einmal der, der das 2 Grad-Ziel „erfunden“ hat) glaubt daran, dass die Welt auch nur annähernd die im Pariser Abkommen genannten Ziele erreichen wird (wenn man sie wirklich als verpflichtend ansieht, was allerdings wohl nur von uns so weltweit gesehen wird). Das sei, so sagt er, auch nicht sein Ziel gewesen, sondern es ging ihm um die Sensibilisierung der Weltbevölkerung. Das Ziel ist m.E. erreicht. Natürlich hat Deutschland dabei am meisten getrickst, weil Basis für die Berechnung das Jahr 1990 ist, wo -allerdings aus wirtschaftlichen Gründen- die alten DDR-Stinker (soviel zum Thema Sozialismus und Umwelt) geschlossen wurden.
2. Dabei haben die Schüler von heute viel näherliegende und sie in den nächsten 20 Jahren in ihrer Existenz treffende Probleme. Davon sei hier nur eines genannt:
– Die Bevölkerungsexplosion geht weltweit weiter. Die Verteilungskämpfe werden wesentlich härter für uns werden und wir alle wissen nicht, wie wir diesem Thema begegnen sollen. Dies kann m.E. nur mit Verzicht und großer Innovationskraft passieren (2 Eigenschaften, die heute nicht gerade den Deutschen zugeschrieben werden; die halten sich lieber aus allem raus).
– Auch bei uns haben wir eine Bevölkerungsexplosion, weil wir alle immer älter werden. Die heute und in den nächsten 20 Jahren 60 Jahre alt werden, können von der jungen Generation gar nicht mehr im bisherigen Umfang versorgt werden. Es werden die Zeiten kommen, wo Oma und Opa wieder bei den Jungen wohnen werden, weil kein Staat (auch nicht bei noch so hohen Reichensteuern) in der Lage sein wird, die Betreuung und Versorgung der alten Menschen trotz hoher Rentenzahlungen der Jungen zu garantieren. Wollen wir das oder was sind die Alternativen? Unsere heutige Antwort ist die Einführung der Mütterrente, der Respektrente und der Frührente und die Einstellung von Geflüchteten als legale oder illegale Altenpfleger.
3. Während nach menschlichem Ermessen die heutige Schülergeneration von den Klimaveränderungen nur marginal betroffen sein wird (wenn es anders wäre und man die Folgen wüßte, müßte man doch z.B. jetzt anfangen, die Häuser sturmsicher zu machen und die Deiche zu erhöhen). Dagegen sind die Auswirkungen der Bevölkerungsexplosion schon da und die heutigen Eltern sollten schon einmal einen Altersplatz bei ihren Kindern einfordern.
4. Eine Demonstration muss m.E. auch ernsthaft sein. Wenn sie immer Freitagvormittag ist, verliert sie allein schon dadurch an Glaubwürdigkeit, weil sie Schülern und Lehrern ein verlängertes Wochenende bzw die 4-Tage-Woche schenkt. Denn demonstrieren ist immer noch (zum Glück) Privatsache und nicht staatlich verordnet.Warum nicht am Samstagvormittag, wenn auch die, die am Freitag noch arbeiten, mitmachen können? Dann würden auch nur die mitmachen, denen das Thema ein wirkliches Anliegen ist. – Günther Schubert


Leserbrief zu „Vom Stolz, Arbeiter zu sein“ von Robert Mueller-Stahl und Robert Pausch

Schön, dass sich die ZEIT sich des in Deutschland wenig bekannten britischen Historikers E.P. Thompson annimmt. Und den Autoren ist zuzustimmen: Identität ist tatsächlich kein Begriff, auf den die politische Rechte ein Monopol hätte. Auf eine kleine Unstimmigkeit gilt es allerdings, aufmerksam zu machen. Die Autoren meinen, Thompson hätte nicht die wirtschaftlich-politischen Umbrüche der Industrialisierung, sondern die kulturell-politische Selbstorganisation für die Entstehung der Arbeiterklasse in England verantwortlich gemacht. Diese Entgegensetzung lässt sich so nicht bei Thompson finden – vielmehr spielt sein Buchtitel bewusst mit zwei Lesarten des ‚making‘: Die Arbeiterklasse wird gemacht, und sie macht sich selbst, ist also Objekt und Subjekt eines historischen Prozesses. Diese Ambivalenz ist im Deutschen schwer in der bei Buchtiteln gebotenen Kürze zu realisieren und musste einer subjektlosen ‚Entstehung‘ weichen. – Prof. Dr. Markus Promberger


Leserbrief zu „Deutsch und frei“ von Frank-Walter Steinmeier

Es ist höchst erfreulich, dass der erste Mann im Staate mit Verve dafür plädiert, den Erinnerungsorten deutscher Demokratie- und Freiheitsgeschichte größere Aufmerksamkeit zuzusprechen und insbesondere die physischen Orte – wie die Frankfurter Paulskirche oder das Hambacher Schloss – von rein musealen zu zivilgesellschaftlichen Lern- und Erlebnisorten weiterzuentwickeln. Antworten auf die drängende Frage, wie in Zukunft gerade die deutschen demokratischen Traditionen und ihre Vorbilder auch für Millionen von in Deutschland lebende Menschen aus nicht-europäischen Herkunftsländern anschlussfähig und bedeutungstragend werden könnten, bleibt der Artikel bedauerlicherweise schuldig. – Florian Hellberg


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Ob wir das noch erleben, dass „Hindenburgschilder“ aus dem deutschen Straßenbild verschwinden? Ich komme aus Coburg, der Stadt mit dem ersten NSDAP-Bürgermeister, der Stadt des Hitlerbesuches 1923, damals Schlägereien SA gegen Coburger Kommunisten. Hier gibt es heute noch eine Hindenburg Straße, wie in hunderten deutschen Städten und Dörfern. Hierher stammt auch der NS- Widerstandskämpfer Georg Hansen. Kürzlich wurde hier in Coburg abgestimmt: weiter „Hindenburgstraße“ , oder statt dessen „Hansen-Straße“. 80% waren für den Verbleib „Hindenburg-Straße“. Es ist flächendeckend so, wie Sie es beschreiben: bequeme Lethargie, behäbiges Abwarten, nur keine Veränderung liebgewordener Gewohnheiten, Aussitzen störender Diskussionen – das ist das Motto der 80 Prozent. Gibt es irgendwann eine „Wende“? Vielen Dank für Ihren alle Seiten beleuchtenden Bericht, lieber Herr Berbner. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Bernd Ulrich muss gedankt werden für die klaren Worte an die Politik und die berechtigte Parteinahme für den Schulstreik Fridays for Future. Hoffentlich lesen unsere Politiker DIE ZEIT! Schon in den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es z.B. in Göttingen eine starke Schülerinnen- und Schülerumweltbewegung, die sich für die Klimarettung durch Aufklärung und Aktionen einsetzte. Man durfte schon mal mit dem damaligen Umweltminister Prof. Töpfer sprechen. Alles folgenlos! Echten Umweltschutz hat es in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten nie gegeben. Der Bevölkerung wurde mit der Mülltrennung, Abgasnormen, Windräder usw. vorgegaukelt, wir seien die wahren Umweltschützer. Eine glatte Lüge, die leicht zu entlarven ist, wenn man den wahren ökologischen Fußabdruck Deutschlands betrachtet. Und das Perfide an der Sache ist, die „organisierte Gerontokratie“ weiß um diese Lüge. – Wolf Lübcke


Leserbrief zu „Großer Zapfenstreich“ von Jörg Kramer

Man versetze sich doch einmal in die Position von Löw: Wenn er (und vermutlich mit ihm seine engsten Mitarbeiter) zu der Einsicht kommt, dass Boateng, Hummels und Müller einem Neuaufbau der Nationalmannschaft im Wege stehen (möglicherweise nicht nur aus spielerischen/sportlichen Gründen, sondern vielleicht auch wegen der Machtposition, die sie auf Grund ihrer Anciennität, ihrer früheren Erfolge und ihrer Clubzugehörigkeit einnehmen) – was soll er dann tun? In Verhandlungen mit ihnen und ihrem Management eintreten? Ihren Partnerinnen Blumen schicken? Ein Symposium unter Betei- ligung des Präsidiums von Bayern München abhalten? Er hat – ausnahmsweise einmal – richtig und konsequent gehandelt. Die Wehleidigkeit der drei verhätschelten Multimillionäre ist fehl am Platze. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Die Demonstrationen zeigen, dass die lange bekannten Warnungen der Wissenschaftler nun auch bei den Jugendlichen angekommen sind und ihnen Sorge um ihre Zukunft machen. Es bringt uns jedoch nicht weiter, bei irgendjemanden die Schuld dafür zu suchen. Vielmehr wäre es nötig, eine gute Ausbildung zu machen, vielleicht sogar Naturwissenschaften zu studieren um dann selbst Ideen zu entwickeln, bei der Umsetzung guter Ideen aktiv mitzuhelfen und verantwortlich das eigene Verhalten überdenken. Eigentlich müsste die Jugend nicht hysterisch werden, denn alles, was man zum Überleben erfinden müsste, ist bereits erfunden worden. Die Sonne, ein Wasserstoff-Fusionsreaktor liefert für die nächsten 4-5 Milliarden Jahre ausreichend Energie auf die Erde. Die Menschheit wird höchstens 10-15 Prozent der eingestrahlten Energie für ihre Zwecke benötigen. Thermo- oder Photovoltaik-Kraftwerke wandeln die eingestrahlte Energie in elektrische Energie um und damit können wir im Grunde alles machen, was wir brauchen: durch Elektrolyse von Wasser Wasserstoff und durch Destillation von Meerwasser Süßwasser . Mit Wasserstoff kann man Brennstoffzellen betreiben oder zusammen mit CO2 aus der Luft Methan oder Benzin synthetisieren. Was wir nicht so ohne weiteres vermehren können, ist die Landfläche, also müssten wir den Zuwachs der menschlichen Populationen unbedingt limitieren, die chinesische Ein-kind-politik war ein idealer Ansatz, der fortgeführt werden sollte und auf die gesamte Welt ausgedehnt werden müsste. Die menschliche Fruchtbarkeit gefährdet nicht nur Pflanzen- und Tierwelt, sie gefährdet auch den Fortbestand der menschlichen Rasse. Wenn dies auf freiwilliger Basis nicht erreichbar ist, würde leider nur Zwangssterilisation der Männer nach dem ersten Kind helfen.

Wenn wir furchtbar stolz darauf sind, dass wir die Kernkraftwerke abschalten, müssen wir uns fragen, ob wir dabei in der Reihenfolge nicht etwas falsch gemacht haben. Kernkraft setzt kein CO2 frei. Die richtige Reihenfolge des Abschaltens wäre gewesen, erst Braunkohle, dann Steinkohle, dann Öl und dann erst die Kernkraft. Nur es nutzt gar nichts darüber zu reden, man hätte schon lange von staatlicher Seite Sonnenkraftwerke aufbauen müssen. Damit auf die alten Stromkonzerne zu warten, dürfte eine Fehlplanung sein, die wollen erste einmal noch die Braunkohle aus der Erde holen und verkaufen. Wir wissen heute, dass auf der Erde mehrere aktive Supervulkane existieren. Wenn einer davon hochgehen sollte, ist es mit der erwarteten Klimaerwärmung am Ende, dann steht uns eine Eiszeit bevor mit entsprechenden Ernteausfällen. Dann ginge das ganze Demonstrieren in die falsche Richtung. Hoffen wir, dass wir damit zu unsere Lebenszeit verschont bleiben. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Habe gerade das Generationen-Gespräch gelesen und mit Erschrecken festgestellt: Alle haben (wie immer) irgendwie recht. Die Menschheit wird bis an ihr, wohl bitteres Ende immer mit der gleichen Frage gequält werden: “warum habt ihr damals nicht…?“. Das gilt für globale bis hin zu familiären Problemen. Einfach die Klassiker der Weltliteratur lesen. Klingt komisch? Ist aber so. – Michael Hauck


Leserbrief zu „Im Zweifel für den Zweifel“ von Sophie Passmann im ZEIT Magazin

Danke für den Text von Sophie Passmann. Für mich war es das Hohe Lied auf den Selbstzweifel: der auch als Quelle für Menschlichkeit und konstruktives, kreatives Potential verstanden werden kann. – Hanna Himken


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Die siebengescheiten 68er, die mit hundertfünfzigprozentiger Gewissheit wussten, wie sich ihre Eltern weiland hätten verhalten müssen und was also gut gewesen wäre für die Welt, fahren heute 3-Tonnen-V8-SUVs und lassen sich die Sonnenkollektoren auf den Dächern ihrer energiefressenden Einfamilienhäuser von der Allgemeinheit bezahlen. Man fährt und wohnt halt gern komfortabel gegen die Klimakatastrophe an. Die heute gegen die Kohlenutzung demonstrierenden Schüler aus den Reihenhaus-Siedlungen des Mittelstandes haben noch nie ein Stück Kohle in der Hand gehalten, geschweige denn Briketts aus dem Keller heraufgeholt und damit die Kachelöfen ihrer Mietswohnung geheizt. Hybris, Bigotterie und Ahnungslosigkeit sind das Trio, das die Menschheit seit Urzeiten begleitet, wenn Urteile über die Vergangenheit gefällt und Forderungen an die Zukunft formuliert werden. Jede angemahnte grundlegende Verhaltensänderung wird daran scheitern. Kluge Politik weiß das, und auch der moderne Journalismus sollte, anstatt einen neuen Generationenkonflikt zu beschwören, dies in sein Urteilsvermögen einfließen lassen. Die von Ihnen so gelobten Jungen von heute, die so vehement über die vorgeblich unklugen Alten herziehen, werden sich in 50 Jahren das Gleiche anhören müssen, und dies wird, an den Randbedingungen und Unwägbarkeiten des realen Lebens gemessen, aufgrund der Naivität der Weltsicht und der Illusion der propagierten Erlösungsgedanken genauso unzutreffend sein wie heute. – Matthias Wagner


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Mit Freude habe ich gelesen, daß Sie in Ihrem Dossier über den problematischen Umgang mit den vielen Hindenburgstraßen auch bei uns in Bad Tölz waren und positive Worte über den hiesigen Informationsweg finden. Schade, daß Sie offensichtlich keinen Kontakt zuir Stadtverwaltung gesucht haben. Wir wären Ihnen sehr gerne mit Auskünften zur Entstehung dieses großen Projekts – die Stadt hat sich das immerhin 70.000,- € kosten lassen; die eingesetzte Arbeitsgruppe hat zwei Jahre daran gearbeitet – zur Verfügung gestanden. Der Informationsweg Hindenburgstraße findet sich auch im Internet, und zwar unter http://infoweg-hindenburgstrasse.de/. – Dr. Christof Botzenhart


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Es ist einfach nicht zu fassen – da sitzen zwei zerknirschte Eltern auf der Anklagebank vor drei jugendlichen Richtern, die in ihrem Leben noch nichts geleistet haben, als den Lebenstandard ihrer Eltern zu genießen. In der ganzen Diskussion ist nur die Rede davon, was die armen Angeklagten in ihrem Leben falsch gemacht haben, auf was sie in Zukunft verzichten sollen und wollen („Papa, fühlst du dich schuldig“) Kein Wort davon, auf was denn die Damen und Herren „Richter“ verzichten wollen. Bezeichnend hier das Bekenntnis der Tochter Luna, sie käme ohne den Zweitwagen ihrer Mutter nicht in die Schule. Ja, gibt es denn keinen Bus (zu früh?) oder zumindest das Fahrrad (zu anstrengend?). Wir sind doch früher auch die 10 km ins Gymnasium geradelt, wenn wir den Zug verpasst hatten. Bemitleidenswert auch, die Aussage, man könne ja mit der Bahn nach Amsterdam fahren. Mein Freund und ich sind als Unterprimaner mit dem Rad nach England gefahren, um eine Brieffreundin zu besuchen.

Nein, liebe Schulschwänzer, von anderen ohne wirkliches Konzept etwas fordern ohne selbst zu geben, ist wenig glaubwürdig. Natürlich ist es das Recht der Jugend sich zu egagieren, doch unser Philosophielehrer hat von uns immer „Beziehliches Denken“ gefordert, das heißt, einen Gedanken bis zu Ende zu denken und dann auch dafüreinzustehen. „Atomkraft nein danke“ – einverstanden. Kein Kohlestrom – einverstanden. Keine Autos – einverstanden. Keine Industrie – einverstanden Das zieht man durch, wenn man Deutschland in ein Naturschutzgebiet verwandeln will. Schade nur, dass China, Indien, Russland, Japan und die USA wohl nicht mitziehen werden Dieser Artikel in der ZEIT ist unterirdisch und dem Niveau Ihrer Zeitung nicht würdig. – Uwe Martensen


Leserbrief zu „Unterwegs in weinroter Pracht“ von Andreas Bernard

Ach, der Autor hat mir aus der Seele gesprochen, vielen Dank für diese treffende „Reisebeschreibung“ ! Wenn ich aus unserem Küchenfenster schaue, sehe ich derzeit (wegen Umleitung) die tschechischen EC’s mit ihren anheimelnden Speisewagen vorbeifahren, da bekommt man richtig Lust, in diesen Speisewagen einzusteigen, ein schönes Pils trinken, die Atmosphäre genießen… Schade, dass dieses Stück Kultur in den deutschen Bahnen der Vergangenheit angehört. – Imke Winter


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Der Aufstand der jungen Menschen ist der vielleicht letzte Schrei Gottes, seine Schöpfung als solche wahr zu nehmen oder zumindest dankbar zu sein, was die Erde schenkt und endlich in die Würdigung dessen durch die Tat zu kommen. Kindlich ist nicht mit einem Auto schleudernd durch den Schlamm zu fahren oder elektrisch mit Hochgeschwindigkeit durch den Wald. – Hans Joachim Hühner


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Kerstin Bund

Sollten Männer, die sich mehr als vorgeschrieben um ihre Kinder kümmern, finanziell belohnt werden? Die zentrale Frage heißt hier doch: wer profitiert von so einer Regelung? Profitieren die Kinder von so einem geänderten Unterhaltsrecht? Sollten Männer finanziell motiviert werden, sich (vorgeblich) mehr um ihre Kinder zu kümmern? Nützt das den Kindern? Ich beantworte diese Fragen mit Nein. Alleine wenn man postuliert, dass jedweder Kontakt zum 2. Elternteil dem Kind von Nutzen ist, kann man diese Fragen bejahen. Dann ist jede erkaufte Minute ein Gewinn. Aber so ist es nicht. Neben der Tatsache, dass es in der Eltern-Kind-Beziehung v.a. Um Qualität, nicht Quantität geht, müssen Kinder sowieso damit umgehen lernen, dass die Zeiten mit den Eltern nun nach der Trennung anders und manchmal auch rar sind. Das ist nicht schön, aber nicht zu ändern . Daneben gibt es durchaus nicht wenige Eltern, die ihren Kindern schaden, man muss nur einmal den Blick in die Schulen und Kinderpsychiatrien wenden. Das heißt für mich, dass das Kümmern ums Kind durchaus altruistisch motiviert sein darf ( so wie das bei vielen Müttern ist), das nützt den Kindern sicher mehr, als eine „Bezahlung“ der Väter für ihr Engagement. Ich bin der Meinung, dass sonst falsche Anreize geschaffen werden. Und die Zeit mit dem Kind, die ich so gewinne, ist doch mit Geld gar nicht zu bezahlen! Solange Alleinerziehende immer noch so sehr von Armut ( zusammen mit ihren Kindern) bedroht sind, kann man guten Gewissens doch diesen finanziellen Spielraum nicht noch mehr einschränken. Damit ist den Kindern sicher nicht gedient. Dazu bekommen wieder einmal die Frauen, die einen beträchtlichen Teil ihres Lebens (politisch gewollt) den Kindern und deren Erziehung opfern, einen Fußtritt.

Der Kindesunterhalt bietet ja auch für die Mütter die Sicherheit, dass sie aus einer schlechten, vielleicht krankmachenden Beziehung ausbrechen können, zusammen mit ihren Kindern. Das gibt es noch gar nicht so lange. Und diese Form der Unabhängigkeit gehört solange zur Emanzipation, solange Frauen und Männer die Arbeit für Kind und Haushalt nicht paritätisch aufteilen. Wenn sich diese Grundlage (politisch unterstützt) ändert, dann muss selbstverständlich auch das Unterhalts- und Umgangsrecht angeglichen werden. Frankreich und Schweden sind diesem paritätischen Modell sicherlich schon sehr nahe. Deutschland ist noch meilenweit entfernt, auch durch die Weichenstellung in der Politik. Hier wird also meiner Meinung nach das Pferd von hinten aufgezäumt, und das nützt leider ausschließlich den Vätern. Gleichzeitig schadet es den sowieso in der Mehrzahl überlasteten Müttern und Kindern. Denn auch Kinder tragen eine große Last der Trennung. Die Armut der Mütter zu vergrößern (denn darauf läuft es ohne echte Gleichberechtigung, wo Mann und Frau gleich viel arbeiten und gleich viel verdienen, heraus)kann dabei doch nicht im Sinne der Kinder sein. – Dr. Stefanie Renz


Leserbrief zu „Deutsch und frei“ von Frank-Walter Steinmeier

Denkmalschutz und -pflege sind, das lässt der Öffentlichrechtler Steinmeier leider unerwähnt, in erster Linie Ländersache – und die Lage der Nationaldenkmäler nicht besonders prekär, weder an der Frankfurter Paulskirche noch in Neustadt a. d. Weinstraße. Wenn man dort das Hambacher Schloss besucht, wird man am gläsernen Schaukasten der ausgestellten Originalfahne von 1832 mit einem Hinweisschild darauf aufmerksam gemacht, dass diese sich im Privatbesitz befindet. Wer Schwarz-Rot-Gold abfotografiere, werde juristisch verfolgt. Steinmeier beginnt sein Plädoyer für mehr demokratische Folklore im Land mit dem Satz: „Die Zukunft ist offen“. Ich bitte darum, diese Zukunft nicht zur Stunde der demokratischen Patrioten zu erklären. Demokratisch können wir auch ohne die Fahne sein, die sonst in Schrebergärten oder während Sportgroßereignissen an Pkws weht. Dann kann Schwarz-Rot-Gold ein Erbstück hinter Glas bleiben. – Maximilian Wedekind


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

„Lieber ein Mitläufer im Hitlerdeutschland, als ein Mitfahrer im Autodeutschland“ – so habe ich meinen Großvater (1909) 1985 gegenüber meinen Eltern (1940) verteidigt und sie zugleich in die Pflicht genommen. Seitdem habe ich all meine Entscheidungen konsequent der Ökologiefrage unterworfen: Wohnen und Arbeit, Mobilität und Essen, so wie Investitionen – im Großen, wie im Detail. Meine Eltern haben mich besser verstanden, als meine Kinder, die bereits jetzt einen größeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen haben als ich, meine Eltern und Großeltern zusammen. Es wird höchste Zeit für mehr systemisches Bewusstsein, aber es wird immer naiv sein große Lösungen in Politik und Technologie zu suchen, wenn nicht die Bereitschaft des Einzelnen geweckt ist. Hier sehe ich die große Hoffnung der F4F initiative.

Diese Naivität von Politikern und Aktivisten wird im Interview gut vorgeführt. So ultramobil, wie Luisa selbstverständlich ist (Interview 15.März WDR), so automobil wurden meine Eltern, als Fahrradparkplätze zu Autoparkplätzen wurden. Heute herrscht noch mehr Wohlstand bei uns – und mithin immer weniger Glaube an die Schöpfung und Verantwortung dafür. Meine Bewegung mit 16 hieß übrigens MEOM (mutor et orbis mecum (lat.): Ich verändere mich und die Welt sich mit mir) und dazu stehe ich. Das ist ein gutes Gefühl! – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „»Stellen Sie sich vor, man würde erlauben, Hunde betäubungslos zu kastrieren«“ von Merlind Theile

Ein hervorragender, sehr informativer Beitrag! Vielen Dank, dass Sie das heikle Thema ‚Massentierhaltung: Strafvereitelung exzessiver Tierquälereien‘ aufgreifen und von einem ausgewiesenen Experten kommentieren lassen. – Prof. Dr. Thomas Cirsovius


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

„Gut gebrüllt, Ulrich“ könnte man sagen, immerhin versucht Herr Ulrich ausgewogen zu sein und eine Mitte zu finden zwischen „Einlullen“ und „Maßregeln“. Was er nicht schafft ist die tatsächliche Situation unseres Lebensalltags bewusst zu machen. Am Ende wird dann der Schwarze Peter einfach wieder der Politik zugeschoben. Diese Haltung ist nur minimal mehr zielführend als das was der den beiden Extrempositionen vorgeworfen hat. Es mag zwar stimmen, dass die Überheblichkeit mit der von Seiten der Politik auf die Proteste reagiert wird niemanden weiterbringt, aber ich halte sie in gewissem Maß auch für repräsentativ für die Bevölkerung. Mit Mitte zwanzig habe ich zwar noch nicht alles gesehen, aber ein Muster begegnet mir immer wieder: Der Ruf nach Veränderung: „Es muss endlich was getan werden“. Bei vielen schwingt dann unbewusst mit „aber nicht von mir“. Ich lese jeden Tag Artikel, die fordern, dass sich beim Klimaschutz etwas tun muss. Zuletzt befeuert durch die Fridays for Future Bewegung, aber auch schon davor. Diesen stehen Artikel gegenüber wie z.B. diese beiden:

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wenn man sich die Forderungen darin anschaut stellt man fest, dass sie eine Tragweite haben, die eher einer Revolution gleichkommen. Um sie umzusetzen müsste sich unser Lebensalltag massiv und radikal ändern: Schluss mit Individualverkehr, Schluss mit Fleischkonsum, Schluss mit Reisen als Hobby und Flüge für 30€, Schluss mit Avocado-Mango-Smoothies und Schluss mit „schönen Landschaften“ ohne Windräder oder neuer Stromtrassen. Wer Veränderung will muss zunächst die Bereitschaft dafür herstellen. Die sehe ich nicht gegeben. „Not in my backyard“ ist nur ein Aspekt davon. Einen anderen findet man auch häufig direkt in den Leserkommentaren, dass etwa ein Umstieg auf ÖPNV abgelehnt wird z.B. weil es in den Bahnen nicht komfortabel genug ist. Aber auch extremere Fälle bei denen ein Umstieg dann die Verlängerung des Arbeitsweges um mehrere Stunden bedeutet, teilweise nicht möglich ist. Oder wenn ein Elektroauto noch lange nicht so günstig und einfach ist wie ein Verbrenner. Die Änderungen die Notwendig sind, um die Klimaziele zu erreichen sind schmerzhaft und erfordern sowohl einen Verzicht auf Lebensqualität als auch riesige Investitionen in unsere Infrastruktur. Wie aber soll das funktionieren, wenn viele schon aus reiner Bequemlichkeit nicht dazu bereit sind? Mit so massiven Einschnitten würden wir auch hier sehr bald gelbe Warnwesten sehen. Die Bereitschaft für „radikale Maßnahmen“ beschränkt sich dann doch auf eine kleine Minderheit, allein schon in Deutschland. Nun sind wir aber auch nicht allein auf diesem Planeten und dort sieht es nicht unbedingt besser aus.

So lange die Bereitschaft für die notwendigen Maßnahmen nicht gegeben ist, sind unsere Klimaziele zum Scheitern verurteilt und es kann noch so viel protestiert werden, ändern wird sich nicht genug. Notwendig, wirtschaftlich und sozialverträglich stehen sich hier unvereinbar gegenüber. Dass man nicht alles haben kann sehen wir aber nicht gerne ein. Eine Lösung habe ich leider selbst noch nicht, aber es wäre schon ein Fortschritt, wenn die Diskussion über diese Zielkonflikte nicht so häufig einseitig sondern ganzheitlich geführt wird. – Alexander Weiner


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Dem Superhype, den die Medien entfesselt haben ,kann man leider nicht entgehen. Es geht um eine 16 Jährige Schwedin ,die auf Pippi Langstrumpf getrimmt,zum Schulstreik aufruft:des Klimas wegens. In fast allen zivilisierten Ländern der Welt (und wer möchte schon als unzivilisiert gelten) herrscht Schulpficht. So auch in Hamburg,wo es besagter Jungschwedin mühelos gelang, den Rathausmarkt mit grossen Teilen der Hamburger Schülerschaft zu füllen, während der Unterrichtszeit.Gegen das Gesetz, aber die Behörden sahen hilflos zu. Aber da liegt nicht das Problem.Auch nicht,wie viele Schüler wirklich wegen des Klimas kamen oder einfach nur Mal chillen wollten einer guten Sache wegen.Das Problem ist, wenn Menschen wie die Jungschwedin wirklich mal einen Zipfel echter Macht ergattern könnten,dann würden sich aus deren Reihen die schlimmsten Reaktionäre rekrutieren. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Es war überfällig, daß die Fortexistenz zahlreicher Hindenburg-Gedenkorte in unserem Land zum Thema wird. Dabei ist Hindenburg auch jenseits der Hitler-Ernennung keine ambivalente Gestalt – von dem „guten General von 1915“ kann keine Rede sein. Der Weltkrieg war ein verbrecherisches Völkergemetzel; obwohl die Militärführung seit Ende `14 wußte, daß er nicht zu gewinnen war, hetzten Hindenburg & Co weiter eine ganze Generation junger Deutscher in sinnlose Grabenkämpfe um ein paar Meter Drahtverhau. Unter seiner Ägide wurde Giftgas eingesetzt und gerade an „seiner“ Ostfront grauenvolle Kriegsverbrechen begangen; die von ihm wider besseres Wissen personifizierte „Dolchstoßlegende“ diente als Speerspitze gegen die Weimarer Demokratie. Daß Menschen an schätzbaren Traditionen festhalten, ist löblich; Hindenburg aber ist eine der großen Täterfiguren der neueren deutschen Geschichte! Daß er zudem persönlich kein Held, sondern ein lust- und verantwortungsloser Truppenführer war, sollte auch patriotisch denkende Verehrer ins Grübeln bringen. – Dr. Anselm Hartinger


Leserbrief zur GRAFIK: ALPINSPORT „Der Skizirkus“ von Christina Gransow und Tin Fischer

Die Grafik ALPINSPORT zeigt ein einziges Detail, was in alpineLandschaft gehören könnte. Den oben rechts skizzierten Vulkan, der vor sich hinfaucht und die Atmosphere verpestet. Der darf das. Erdmutter Gaea in ihre Weisheit,hat ihm das erlaubt.Für den Rest der Grafi k habe ich kein Verständnis. Wenn sich die Ski-Fans unbedingt die Knochen brechen wollen, dann sollen sie.Aber dabei werden auch Lawinen losgetreten.Also ein STOP dem Skizirkus. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Klimaschutz – Verzicht ist angesagt – der fällt aber schwer, leider
Viele Jahre ist bekannt, dass dringend etwas getan werden muss um das Klima zu schützen, seit vielen Jahren passiert aber viel zu wenig. Immer deutlicher wird, dass es nicht ohne Verzicht geht. Das wird auch in der ZEIT jedoch eher selten angesprochen. Die SchülerInnen thematisieren das nun unüberhörbar, gerade deshalb sind ihre Proteste sicherlich unbeliebt. Natürlich – Verzicht ist unangenehm und für viele Branchen bedeutet Verzicht Entzug der wirtschaftlichen Grundlage, etwa für den Tourismus und die Gastronomie in Skigebieten. Glücklicherweise gibt es Bereiche, in denen Verzicht möglich wäre, ohne allzu unangenehme Auswirkungen. Warum nicht endlich ein Tempolimit, 120 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen. Wir dürften noch fahren und würden dennoch nicht viel länger unterwegs sein, aber deutlich weniger Treibstoff verbrauchen. Und warum braucht jeder Weihnachtsmarkt immer größere Eislaufbahnen? Es gibt viele Möglichkeiten, zu verzichten, ohne dass das allzu große Einschränkungen bedeuten würde! – Martin Fehrle


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Vielen Dank für dies Dossier! Eigentlich wäre eine – vielleicht auch kürzere Fassung egal zu welchem Hindenburg-Gedenktag, zu welcher Buchveröffentlichung oder Protestaktion zum Thema – angesichts des alten und neuen Widerwillens, sich mit der eigenen Geschichte ergebnisoffen auseinanderzusetzen – viel früher nötig gewesen, besonders dringlich nach Wolfram Pytas sorgfältiger Recherche von 2007. Die heutigen Probleme bei Straßen- und sonstigen Umbenennungen wären um so geringer, je früher es eine wirkliche Aufarbeitung der NS-Zeit gegeben hätte und nicht das genaue Gegenteil mit Hilfe der Glorifizierung von Mythen – in welchem Interesse auch immer. Die vorbildliche, aber aufwendige Lösung dieses Problems in Bad Tölz wird nicht überall übernommen werden können. Auf jeden Fall sollte Ihr Artikel Anlass geben, die Diskussion darüber bundesweit am Leben zu erhalten und nach weiteren sinnvollen Möglichkeiten beim Namensgebungsproblem zu suchen, z.B. auch die, den Bekanntheitsgrad des Namens zu nutzen und auf eine Umbenennung nicht nur im praktischen Interesse der Anwohner zu verzichten, zugleich aber – wie das schon andernorts getan wird – das Straßenschild mit Zusatzinformationen an gut sichtbarer Stelle zu versehen, wobei auch der Hinweis auf ein Icon möglich wäre, das von allen, die ein entsprechendes Handy besitzen, für weitere Auskünfte gescannt werden kann. – Eckhard Heumann


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Sie widmen einen langen Artikel Leuten, die Probleme mit Hindenburg haben? Diese Leute haben alle ein schwaches Verständnis der Weimarer Verfassung, der ersten Deutschen Demokratie. Nach dieser Verfasung hat der Reichspräsident ( hier also Hindenburg) die Aufgabe, den Führer der gewählten stärksten Fraktion ( hier also Hitler) zum Reichskanzler zu ernennen. So einfach war das! So ist das mit der Demokratie, manchmal gibt es dann schlechte Entwicklungen. Manche haben damit ein Problem? Sie sollten sich sachkundig machen. Ein Schwachsinn ist das einfach. Halbwissen regiert, und die ZEIT gibt denen noch ein Sprachrohr! Ich bin ein wenig entsetzt, ehrlich!. – Gunnar Freitag


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Wie 1212: SALVE PEREGRINATIO PUERORUM!Prof. Dr. H.-J. Hinz


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Ich kann eigentlich nicht glauben, dass „die Zeit“ zwei ganze Seiten dafür verwendet über Menstruation und blutverschmierte Unterhosen zu philosophieren. Mein Gott, wie krank ist diese Welt und vor allem welche Probleme werden hier hochgebauscht? „Böses But“ – sind Sie alle noch bei Sinnen? Frau Mayr, raten Sie tatsächlich uns Frauen die Pille zu nehmen und Spiralen einzusetzen, nur damit sich in unserem Körper keine von der Natur aus vorgesehenen Prozesse abspielen? Ihre Art von Feminismus ist mir unheimlich. Eigentlich geben Sie uns mit Ihrem Artikel zu verstehen, dass Sie mit Ihrem Körper als Frau irgendwie nicht zurecht zu kommen scheinen, oder aber dass Sie im Leben als Frau auf irgendeine Art und Weise benachteiligt wurden oder werden. Ich persönlich arbeite in einer männerdominierten Welt und habe mich nie benachteiligt oder diskriminiert gefühlt. Das hängt aber nicht damit zusammen, dass ich keine Menstruation habe, sondern wohl eher mit meiner inneren Haltung . So hat Natur auch nichts mit „Verklärung“ zu tun und dass Sie eine „Geburt“ und „Links-rechts-Schwäche“ sozusagen in einem Atemzug erwähnen, dass empfinde ich nun wieder als abwertend und diskriminierend. Ich selber habe vier Kinder und empfinde es als Ehre und Geschenk diese Kinder von Anfang an erleben zu dürfen. Mal ganz ehrlich, mehr meiner Zeit möchte ich nicht verschwenden, auch wenn es noch viel zu sagen gäbe. Ich als Frau kann Ihnen jedoch versichern, wegen solcher Artikel kaufe ich die Zeit nicht und dieser Artikel hat mir sogar förmlich die Lust am Weiterlesen der aktuellen Ausgabe genommen. – K. Mentzingen


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Gut, dass DIE ZEIT die Auseinandersetzungen um die Ehrung des furchtbaren Militaristen und Hitler-Verehrers Hindenburg aufgreift. Es geht dabei ja um wesentlich mehr als die Änderung von Straßennamen und Visitenkarten und den Umgang mit Denkmälern. Entsprechend der Kontrollratsdirektive 30 der Alliierten mussten als militaristischen und nazistischen Straßennamen und Denkmäler entfernt werden. Das geschah in vielen Städten – außer dort, wo der braune Sumpf besonders tief war und bis heute nicht trocken gelegt ist. So auch in Dietramszell, wo der Hitler-Steigbügelhalter und Dolchstoßlegendär Hindenburg mit seinem Militärkumpan Schilcher in dessen Wäldern herumballerte. Für seine Nazi-Kumpanei wurde ehrenhalber ein überdimensionaler Hindenburg-Bronze-Schädel, gefertigt von dem Nazi-Bildhauer Thorak, 1939 in einem großen NS-Spektakel an der Schlossmauer angebracht. Bezeichnend für den „verknöcherten“ Schilcher-Nachfahren und die Dietramszeller Hindenburg-Schützer ist die dumpfe Leugnung der Geschichte und ihr Bad im braunen „Glänzen“ des Thorak-Hindenburg-Bronzeschädels. Dass er dafür groß in der ZEIT abgebildet wird ist, ein wenig verwunderlich. Ebenso, dass seine Beschimpfungen der Künstler, die Hand anlegten und den Schädel vom Podest herunterholten, wörtlich zitiert und – mit oder ohne Anführungszeichen – kolportiert werden. Die Dietramszeller Hindenburgschützer fanden es sehr spaßig, bei ihrer Faschingsgaudi einen Galgen aufzurichten, einen Aktionskünstler symbolisch aufzuhängen und eine Tafel mit der sehr lustigen Drohung „Aktionskünstler Obacht gem“ anzubringen. Da waren sie alle dabei, die Bürgermeisterin, der Trachtenverein, Gemeinderäte und andere Hindenburg-Freunderln. Vielleicht auch der Schilcher, der den Schädel (der ihm nicht gehört und den er als „Büste“ bezeichnet) wieder öffentlich aufstellen und einbetonieren will. Natürlich hat in alter Tradition niemand was gesehen, gewusst oder getan. Und so konnte der Staatsanwalt sehr schnell den lustigen Henker nicht finden, in dem braun glänzenden Dorf Dietramszell. Wie schrieb Tucholsky? Reisende, meidet Bayern! Sollte das vielleicht besser heißen: Reisende meidet Dietramszell? Falsch, es gab auch ein paar wenige, die froh waren, dass der Hindenburg demontiert wurde. Aber die trauten sich entweder nicht, das offen zu sagen, oder sie wurden weggeekelt. Demokratie ist da noch sehr entwickelbar – im leidenden Hindenburgszell. Die HindenburgSchützer werden den Hindenburg nicht mehr an die Klosterwand bringen können, weil sein Kopf ihnen gar nicht gehört sondern den Salesianerinnen, und die ihn auch nicht direkt als anbetungswürdig erkennen. Also, ab damit ins Museum für bayerische Geschichte! – Paul Blauhorn


Leserbrief zu „Vom Stolz, Arbeiter zu sein“ von Robert Mueller-Stahl und Robert Pausch

Zunächst mein Dank an die Autoren Robert Mueller- Stahl und Robert Pausch für den inhaltlich in vieler Hinsicht aufklärenden Artikel. Aus eigener Erfahrung bin ich vermutlich einer der gar nicht so wenigen ehemaligen Arbeitnehmer, die stolz auf ihre geleistete Arbeit waren und sind. Bei mir hatte das zunächst weniger mit Klassenbewusstsein, eher mit Prägung aus sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen zu tun, mein Vater zeit seines Lebens Arbeiter, meine Mutter zuerst Hausfrau später auch beruftstätig. Fast ausnahmslos alle Verwandten und Freunde meiner Eltern in der gleichen Situation, wenig Einkommen, ständig rechnen um auszukommen. Anläßlich jeder Familienfeier oder Treffen mit Freunden wurde politisiert, immer mit der Betonung ohne uns Arbeiter geht Nichts, der Unternehmer allein kann für sich nichts erwirtschaften. An zweiter Stelle stand immer das Ziel besser Leben zu wollen, und der Arbeiterklasse zu entkommen. Das Mittel dazu war Arbeit und später die Aneignung von mehr Bildung. Mir hat Beides geholfen den Aufstieg in die untere Mittelklasse zu schaffen. Allerdings, hat mich stets Kritik aus der angestammten Klasse begleitet, Weiterbildung bereits neben der Berufsschule, man wolle sich wohl erheben über die Kollegen klang es mir entgegen, einmal Arbeiter immer Arbeiter so oder ähnlich. Dennoch viele Kollegen und Kolleginnen hatten sich auf die Fahne geschrieben gute Arbeit zu leisten und sich weiterzubilden, die Arbeit stand aber immer im Fordergrund. Das hat lange funktioniert, auch bei mir, mit fünfzehn die erste Arbeit, mit ende zwanzig der erste Weiterbildungsabschluss und im laufe der Jahre der langsame Aufstieg in die untere Mittelklasse, ein so manches Mal schwieriges Unterfangen, ohne akademischen Abschluss wurde man von den Mittelklasseinhabern als nicht gleichwertig betrachtet. Also wieder gute Arbeit machen und immer so weiter. Dennoch geht es mir heute , obwohl nach fünfzig Jahren Arbeit mittlerweile verrentet ,so, mich gut und stolz zu fühlen ob der ganzen Arbeit. Auch nach langen Jahren bin ich der Arbeiterklasse nicht entwachsen, die Arbeit ist es gewesen, die mir den Aufstieg ermöglicht hat. Zudem ist es immer noch so, dass die wertschöpfenden Tätigkeiten von Arbeitern ausgeführt werden, keine noch so gute Unternehmensplanung oder Arbeitsanweisungen können die manuelle oder geistige Arbeit ersetzen. Ob nun Automation, Robotik oder künstliche Intelligenz, werden im weitesten Sinne von Arbeitern entwickelt. Unser Erfahrungswissen wird nach wie vor durch die Arbeit an den Dingen gewonnen. Ich wünsche mir das Klassenbewusstsein zurück, ohne Arbeiter geht Nichts. – Gerhard Siemsen


Leserbrief zu „Sie können es einfach nicht lassen“ von Thomas Assheuer

Welch starke Sartre-Worte:“Nach dem Holocaust ist Antiseminismus keine Meinung mehr,sondern ein Verbrechen.“!! Ganz richtig,endlich werden im Feuilleton auch die Linken Ideen und alle interlektuell verwahrlosten Bedarfsgemeinschaften zur Durchsetzung partikularer Interessen in der Politik die Rote Karte aufgezeigt und sich der Anstiftung zu Hass und Gewalt mutig entgegengestellt.Bravo für diesen Gesinnungswandel bei der ZEIT.Es war wohl auch Zeit dafür.Denn das sind für mich die eigentlichen „Meinungs-Terroristen“,die an sogenannten „Befreiungsfronten“ ihr verbales Unwesen treiben können.Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrechte stehen heutzutage auf dem Spiel und müssen täglich verteidigt werden.Alle Freund-Feind-Denker links und rechts dulden ausdrücklich antisemitische Ressentements zur Mobilisierung von Hass und Gewalt.Damit wird „Judenhass “ zum Framing für Terror-Ideologien genutzt. Das zeigt mir auch,das diese Art der Manipulations-Technik bloß ein Verpackungsschwindel darstellt.Leider fällt unsere freie und rechtsbewußte Presse durch gut gemeinte offene Berichterstattung noch immer darauf herein.(Aufmerksamkeits-Hascherei von Wichtigtuern) Daher sind Kritik an der äußeren Verpackung allein bloß eine Überbewertung alter klassischer Judenhass-Klischees.Nur ein vergeblicher Versuch,Begriffe(hier Antisemitismus)in der Sprachanwendung nun auch bei der Linken Bewegung anzuklagen .Was vorher nur als Kern-Botschaft bei der radikalen Rechten identifiziert wurde.Das ist ein Fortschritt in der Lagebeurteilung.Aber das langt nicht,indem Sie nur beteuern die Schuld oder Unwürdigkeit liegt auch bei Links-/Rechts-Interlektuellen ,die dem Verdacht gegen Juden stets nur neue Nahrung geben.Damit stellen Sie das als alleiniges Merkmal interlektueller Verwahrlosung rhetorisch bloß zur Debatte.Das kommt für mich einer Verharmlosung gleich.Gerade dieser Verharmlosung tritt Sartre mit seinen starken Worten doch entgegen.

Für mich bleibt die Frage offen.Braucht man denn heutzutage überhaupt noch ein Antisemitisches Profil als Feindbild ? Martin Luther hat vor 5oo Jahren bereits mit „Judenhass“ u.a. seine Glaubens-Reform zu begründen versucht.Die Linken sind in meinen Augen bloß Wiederholungs-Täter und Nachahmer. Also das ist nichts Neues unter der Sonne.Warum also diese weitere Verharmlosung mit:“Sie können es einfach nicht lassen“-(ein Rechtfertigungs -Versuch ?) Ist es nicht ebenso eine Schande,diesen Wort-Vergiftern ,immer noch eine Meinungs-Plattform für ihren Unsinn zu überlassen? Lieber Thomas Assheuer,für mich ist und bleibt Satire eine verbale Kunstform:Um einem anderen so auf die Füße zu treten,dass er es zwar bemerkt,aber nicht gleich moralisch empört aufzuschreien braucht ,um sein eignes Gewissen rein zu halten. – Lothar Hantel


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Der Artikel wird böses Blut machen von Leuten, welche die Autorin in den tiefsten Abgrund der Hölle wünschen. Aus was für biologischen und/oder ideologischen Vorwände auch immer.Ich aber kann der Autorin nur voll zustimmen.Nun mal ehrlich Männer, wer von euch möchte denn, dass einmal im Monat was aus ihm herausfließt, ungewollt und unter Unwohlsein ? Allerdings bleibt eine Frage.Wo bleibt der Nachwuchs? Denn die Ideen und Vorstellungen der Autorin konsequent und strikt befolgt und angewendest, auf dem ganzen Planeten,würde diesen bald von der Menschheit befreien. Es sei denn,wie schon von Aldous Huxley beschrieben, man züchtet Nachwuchs Kolben oder Kunstwiegen. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Deutsch und frei“ von Frank-Walter Steinmeier

Zu den von Ihnen in Ihrem höchst dankenswerten Artikel nicht erwähnten Freiheitskämpfern von 1848/49 gehört auch der 1826 in Potsdam geborene Student Maximilian Dortu; er wurde am 31.7.1849 auf dem damals noch benutzten Friedhof des kleinen Freiburger Stadtteils Wiehre, der heute an der Ecke der Dreikönig-/Erwinstraße liegt, standrechtlich-preußisch erschossen. Seine Mutter hatte 1860 der Stadt Freiburg 1000 Gulden für ein kleines Mausoleum und dessen ewige Pflege vermacht. Daran hält sich die Stadt auch heute noch. Leider wurde der Friedhof aber 1923 geschlossen und ist daher in einem obsoleten Zustand: Er wird als Spielplatz benutzt. Der Friedhof ist als ehemalige Begräbnisstätte eines kleinen Stadtteils nur etwa ein Zehntel so groß wie der Berliner Dorotheenstädtische Friedhof. Trotzdem finde ich, dass er nicht als Kinderspielplatz entfremdet werden sollte, zumal außer dem Dortu-Mausoleum weitere Grabstätten noch erhalten sind. Er könnte doch den Alten Friedhof an der Karlstr. als kleinen Alter Friedhof ergänzen. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Dies ist der erste Leserbrief meines nicht mehr ganz jungen Lebens. Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, Ihnen und insbesondere dem Autor, Bernd Ulrich, für diesen Artikel zu danken. Ich hoffe, dass sich die kommende Generation nicht einschüchtern lässt und Freitag für Freitag zu Hunderttausenden auf die Straßen strömt. Großartig fände ich es, wenn sich demnächst auch noch die Generation der Großeltern in großer Zahl mitmachen und unterstützen würde. Da wäre ich dabei! Machen Sie alle weiter so! – B. Altinger


Leserbrief zu „»Stellen Sie sich vor, man würde erlauben, Hunde betäubungslos zu kastrieren«“ von Merlind Theile

Unser Müll wird exportiert, unsere Waffen sowieso, warum soll ausgerechnet Tierquälerei nicht exportierfähig sein? – Wolfgang Burkhardt


Leserbrief zu „LAUFENDE ERMITTLUNGEN (12)“ von Andreas Bernard im ZEIT Magazin

Ach, Andreas Bernard. Wer benutzt die Garderobenhaken an den Innentüren öffentlicher Toiletten? Die weibliche Hälfte der Menschheit, deren Kleidung selten mit Taschen ausgestattet ist und die, überwiegend hygienebewusster als die andere Hälfte, hier keine Tasche auf den Fußboden stellen würde. Sie bevölkern Ihre Phantasiebilder offenbar eher mit der anderen Menschheitshälfte… – Dr. Marlene Müller


Leserbrief zu „Über Schubladendenken“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Herrn Martenstein sei zum Trost gesagt: wir alten weis(s)en Männer sind eine aussterbende Spezies! In ein paar Jahren werden sich Feministinnen und linksgrüne Meinungsmainstreamler wohl oder übel ein neues Feindbild suchen müssen – und fündig werden: es wird allerdings um Nuancen dunkler ausfallen! In seinem Windschatten können wir dann, inzwischen zur unantastbaren Minderheit geschrumpft, ungestört der Hygge frönen! Bis es aber so weit kommt, empfehle ich: Lotuseffekt oder Fels in der Brandung – je nach Heftigkeit der geistarmen verbalen Giftspritzattacken! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Nein, Herr Ulrich, diese Kinder krakelen im Auftrag. Auftraggeber sind Eltern, Lehrer und unbelehrbare Politiker. Das kindliche Gemüt , altersgerecht entwickelt, erkennt noch nicht, es ahmt nach oder ist aufmüpfig. Zu verurteilen sind daher nicht diese schwenzenden Schüler. Die Alten verunsichern ihren Nachwuchs, indem sie ihm eine Falschdeutung von Naturereignissen einbläuen: Menschgemachte Katastrophen. Zur Erklärung soviel: Störende Naturereignisse sind nur für uns, den Menschen mitunter katastrophal. Für einen sich im Orbit drehenden und bewegenden Wasserplaneten mit Atmosphäre sind das unausbleibliche Vogänge. Diese Vorgänge haben sich uns noch nicht erschlossen und bieten damit manchem Scharlatan genügend Munition, um seine Mitmenschen zu ängstigen. Parteien und Universitäten werden von diesen Sch. bevölkert und profitieren von reichlicher Förderung aus Steuern – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Sie können es einfach nicht lassen“ von Thomas Assheuer

Vielen Dank für Ihren Artikel, den ich mit großem Interesse und mit Gewinn gelesen habe. – Konrad Denoke


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Dem ehemaligen Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg die Ehrung mit Straßennamen, -plätzen oder Dämmen zu entziehen mit der Begründung seiner angeblich „nationalsozialistischen Verstrickung“ – so heißt es in diesen Fällen oft – geht an den historischen Tatsachen vorbei. Zuallererst: Paul von Hindenburg ist Lichtjahre von moralischen Kategorien entfernt zum Jahrhundertverbrecher Adolf Hitler! Auch wenn es immer wieder behauptet wird, wird es nicht richtiger: Hindenburg war mitnichten der „Wegbereiter Hitlers“! Die Ereignisse im Frühjahr 1933 sind nur vor dem Hintergrund der zunehmend chaotischen Zustände gegen Ende der Weimarer Republik verständlich, so dass ein Perspektivwechsel hinsichtlich der Rolle Hindenburgs am Vorabend der „Machtergreifung“ Hitlers durchaus hilfreich sein könnte: Der Reichspräsident, der im Jahr zuvor (1932) gegen Hitler (!) mit eindrucksvoller Mehrheit der demokratischen Parteien wiedergewählt worden war, erwies sich gleichsam als letztes „Bollwerk“ der Weimarer Verfassung gegenüber den immer aggressiver auftretenden Nationalsozialisten. Da diese aus den Reichstagswahlen im März 1933 als stärkste Partei hervorgegangen waren, versuchte Hindenburg mit mehreren Verordnungen gegenzusteuern, die letztlich aber nur den Nazis in die Hände spielten. Erst mit dem Tod Hindenburgs 1934 kam ein dadurch endgültig „entfesselter“ Adolf Hitler ungehemmt zu totaler Macht.

Die letztlich auch vor Hindenburg nicht Halt machenden Weimarer „Zwangsverhältnisse“ mit ihrem unheilvollen Ausgang dokumentieren sich ebenso in der Absetzung eines weiteren demokratischen „Bollwerks“ jener Jahre gegen die Nationalsozialisten: Der langjährige preußische SPD-Ministerpräsident Otto Braun („Roter Zar von Preußen“) wurde im Zuge des sogenannten „Preußenschlags“ 1932 entmachtet. Braun – von Hindenburg trotz gegensätzlicher politischer Anschauungen hoch respektiert – und sein Berliner Polizeivizepräsident Bernhard Weiß (der jüdischer Herkunft war) versuchten bis zuletzt mit den Rechtsmitteln des preußischen Staates die braune Flut einzudämmen. Braun und Weiß gelang glücklich die Flucht ins Exil. Das Ende für Deutschland kennen wir. Daher resümiert der britische Historiker Christopher Clark in seinem brillanten „Preußen“-Buch auch folgerichtig, dass der häufig zu Unrecht gescholtene preußische Staat schließlich an „Deutschland“ zugrunde ging und nicht umgekehrt Deutschland an Preußen!

Hindenburg wiederum hat aus seiner monarchistischen Gesinnung nie einen Hehl gemacht und dennoch der Weimarer Republik – die ihn schon früher als Reichspräsidenten wollte – in zwei Amtszeiten treu gedient. Das war für ihn mit seiner Auffassung von preußischem Pflichtbewusstsein eine Selbstverständlichkeit. Eine Hindenburg zugeschriebene „Selbstinszenierung“, die seiner konservativ-preußisch-protestantischen Lebenshaltung kaum entsprochen haben dürfte, war wohl eher eine zunehmende Inszenierung von außen, die der durch die Weltkriegsniederlage sowie den als zerstörerisch empfundenen Versailler Vertrag in großen Teilen zutiefst verunsicherten Gesellschaft als ordnender und stabilisierender Rahmen sehr willkommen war. Wenn es Hindenburg letztendlich auch nicht unterbunden hat: ist das schon diskreditierend? Was sollen wir denn dann heute von unseren – Verzeihung! – „mediengeilen“ Politikern diesseits und jenseits(!) des Atlantiks halten? Wenn die Rolle Hindenburgs als „Wegbereiter“ Hitlers also sehr differenziert gesehen werden muss, so wirkt es etwas unbedarft, wenn sich jetzt – bald 90 Jahre später! – Kommunen und Aktivisten dazu aufraffen, Hindenburgplätze und -straßen umzubenennen oder auch Ehrenbürgerschaften abzuerkennen. Das hätte dann konsequenterweise schon ab 1945 geschehen müssen … – Rainer Manertz


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Ihre Beiträge zum „Aufstand der Jugend“ sind das Beste, das ich bisher zu diesem Thema gelesen habe. Vielen Dank dafür. Ich finde es wunderbar, dass Schüler und Studenten für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Fridays for Future ist eine beherzte, ermutigende Aktion, zumal an diesem Freitag, dem 15. März 2019, wenn weltweit 1600 Kundgebungen in 105 Ländern abgehalten werden: ein Hoffnungsschimmer, ein verzweifelter Lichtstrahl in eine dunkle Zukunft, die wir Alten und die Älteren total vermasselt haben. Es ist gut, dass die Jungen, die die Folgen des Treibhausgas-Desasters wie ein zweite, ganz und gar unbiblische Sintflut treffen wird, den Politikern, die es mehrheitlich immer noch nicht begriffen haben oder nicht begreifen wollen, die richtigen Handlungsanweisungen vor Augen und Verstand führen. Das Allerwenigste, was wir für unsere Kinder und Enkel tun können, ist, sie an rasch anzustrebenden basisdemokratischen Entscheidungen über die Zukunft des Planeten vor dem geltenden Wahlalter teilnehmen zu lassen. Im übrigen bin ich dafür, dass Greta Thunberg mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird.
P.S.: Es gibt auch jüngere Alte wie Christian Lindner, der den Schülern das Wissen beim Thema Klima abspricht. Das ist noch dämlicher als der Vorwurf, die Schüler beteiligten sich nur deshalb an den Demos, um die Schule zu schwänzen. – Dr. Ludwig Engstler


Leserbrief zu „Über Schubladendenken“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Anlässlich der neusten Martenstein-Kollumne: Fast ausnahmslos drehen sich die Stücke im Kreis des ‚wird man doch mal sagen dürfen‘ , Provokationen und Halbwahrheiten. Nichts Neues, immer wieder das selbe in grün. Ich kann damit nichts anfangen. Es geht mir nicht um den Widerspruch zu meinen Haltungen, es ist ungenau argumentiert und flach. Aber das ist nur meine Meinung. – Ulrich Krieger


Leserbrief zu „Die Fabriken von morgen“ von Michael Frenzel

Abgesehen davon, daß der Text nur marginal zur Überschrift paßt, enthält der Artikel grosso modo viele Selbstverständlichkeiten (um nicht zu sagen Banalitäten) der bundesrepublikanischen Wirtschaftspolitik. Außer der Empfehlung, die Agrarsubventionen der EU in Höhe von 40 % des Hauhalts zu reduzieren, finde ich nicht einen konkreten Vorschlag, wie die neue Wirtschaftspoltik „freundlich“ und die entsprechende Gestaltung der Industrie 4.0 zu realisieren sei. Also: Viel Skelett ohne Fleisch. – Heinz-Dieter Busch


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Danke für diesen (überfälligen) luciden Leitartikel! Mit allem Recht protestieren die Schüler gegen eine Politik des Hinhaltens beim Umwelt- und Klimaschutz Sie wollen die Politiker „zum Jagen tragen“. Nach dem lateinischen Motto. ‚Tua res agitur‘ begehren sie auf gegen eine Generation, die durch Zögern und Nichthandeln der jungen Generation eine marode Umwelt hinterlässt. In den Schulen fordern wir die Schüler zu gesellschaftlichem Engagement auf. Wir können nicht mit bürokratischen Mitteln (Schulverweise u.ä. mehr) darauf reagieren, wenn sie das Ernst nehmen und aus der ‚Trockenübung‘ zu realistischen Aktionen übergehen. Die (nicht) handelnden Politiker sollten dem Respekt statt Herablassung entgegen bringen! – Hedda Guhr


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Kompliment für den bemerkenswert ausgewognen, wenn auch sehr ausführlichen Beitrag zum Vermächtnis Paul von Hindenburgs. Erkennbar war der Reichspräsident der Weimarer Republik ein Bonvivant, Egozentriker und Militarist. Fest verankert in der Tradition des Kaiserreichs. So waren sie eben, die preußischen Hohenzollern und ihre gesamte Entourage, gipfelnd im unseligen Kaisertum Wilhelms des Zweiten. Als Generalfeldmarschall und Chef der obersten Heeresleitung seit Sommer 1916 Stichwort Verdun – ist der selbsternannte Sieger von Tannenberg wesentlich mitverantwortlich für das massenhafte Sterben deutscher Soldaten an der Westfront. Die verbliebenen Verwundeten prägten lange das Straßenbild deutscher Städte nach dem verlorenen Weltkrieg. Die als Schmach propagierte Niederlage, manch verzerrte Dolchstoßlegende, der demütigende Friedensvertrag von Versailles und die Weltwirtschaftskrise 1929 dürften den Reichspräsidenten Hindenburg in der Folge gefügig gemacht haben. Dem dämonischen Blendwerk des böhmischen Gefreiten und seiner anfangs der dreißiger Jahre zahlenmäßig rasch wachsenden Bewegung wusste das greise Staatsoberhaupt offenkundig nichts mehr entgegen zu setzen. Millionen Deutsche bekannten sich als Nazis.

Die andere, für uns heute relevante Seite: Wo anfangen und aufhören mit einer letztlich geschichtsverlogenen Bilderstürmerei? Hindenburg ist nicht der einzige fehlgeleiteter Prominenter deutscher oder europäischer Geschichte, nach denen Straßen und Erinnerungsstätten benannt sind. In Berlin wird man nicht ernsthaft die Dahlemer Pacelliallee umbenennen wollen. Obwohl die Untätigkeit des späteren Papstes Pius XII. gegenüber dem Holocaust als überaus bedenklich erscheint. Ehre und Gewissen werden heute offen diskutiert. Ein großer Fortschritt moderner Demokratien gegenüber nicht mehr zeitgemäß autoritärer Herrschaft. – Jochen Freihold


Leserbrief zu „»Stellen Sie sich vor, man würde erlauben, Hunde betäubungslos zu kastrieren«“ von Merlind Theile

Sie entlockten dem landwirtschaftlich unerfahrenen, ja nahezu naiven, Herrn Bülte Antworten, über die ein Naturkenner, also auch ein Landwirt, nur den Kopf schütteln kann. Ein Strafrechtler sollte informiert sein. Ich -Diplomgraringenieur -will das am Beispiel der Tiertötungen im Stall erklären. Beispiel Ferkeltötung: Unsere Muttertiere (Sauen) können in der Regel nur maximal 14 Ferkel säugen, da ihr Gesänge nur 14, manchmal 16 Zitzen hat. Sauen bringen mitunter mehr als 20 Ferkel in einer Geburt zur Welt. Die Erfahrung sagt auch, dass Ferkel mit einem Geburtsgewicht unter 1,0 kg keine Überlebenschance haben. In der freien Natur verhungern diese Tiere. Das Töten durch Genickbruch ist schmerzfrei und in der Stallpraxis praktikabel. Muskelzuckungen post mortem sind gefühlsfreie Bewegungen.

Dasselbe gilt für Küken, die der Züchter als nicht überlebenfähig erkennt: Verwachsungen, Mehrbeinigkeit, Unterentwicklung usw. Städter, die keine Ahnung vom landwirtschaftlichen Alltag haben, sollten mehr Zurückhaltung pflegen, wenn sie sich ein Urteil über unbekannte Vorgänge erlauben. Recherchieren Sie emotionslos, und vermeiden Sie Vermenschlichung ! Vergleichen Sie die erbarmungslosen Tötungsmethoden der freien Natur (Wildhunde und Hyänen fressen ihre Opfer vom Bauch einwärts, wobei der Lebenskampf bis zu einer halben Stunde dauern kann) mit denen unserer Tierproduktion. Der Mensch bemüht sich, die Grausamkeit der Natur zu überwinden. Denken Sie eher über religiös motivierte, quälende Schlachtmethoden nach, die wir gleichgültig dulden. – Dipl.agr.Ing. W. Eckardt


Leserbrief zu „Die Wutmacher“ von Christian Fuchs und Paul Middelhoff

dieser kleine verein ,,ein prozent,, schüchtert politische gegner ein, verübt gewalttaten und legt bei chaostagen wie dem in hamburg 2017 halbe stadtteile in schutt und asche. oder wie war das doch nochmal? bin gespannt, wann endlich in der ZEIT ein artikel über die friedlichen machenschaften der harmlosen ,,antifa,, erscheint…anscheinend nicht der schreibe wert, oder?. – Winfried Wolf


Leserbrief zu „Zieht euch bloß warm an!“ von Ulrike Gastmann

Bitte stellen Sie in absehbarer Zeit die Kolumne ‚Ruf des Ostens‘ von Ulrike Gastmann ein. Sie ist sicherlich eine unheimlich nette Frau, ich teile wahrscheinlich sogar viele ihrer gesellschaftlichen und politischen Ansichten. Ich frage mich aber jede Woche, ob der Artikel nicht auch genauso in jeder x-beliebigen Frauenzeitschrift gedruckt werden könnte, und empfinde Ihren moralaposteligen Tonfall und das pastorale Heile-Welt-Gesülze ohne Erkenntnisgewinn zunehmend schwer erträglich. Den Platz kann man sinnvoller füllen, und man sollte meinen, dass der Osten mehr zu rufen hat als Loblieder auf frierende Konsumfrauen. – Anika May


Leserbrief zu „Deutsch und frei“ von Frank-Walter Steinmeier

Die Zukunft ist offen. So beginnt der Bundespräsident, wenn er sich mahnend für einen neuen bundesweiten Feiertag zum Gedenken an unsere Demokratiegeschichte ausspricht, die – so endeter – mehr als freundliches Desinteresse verdiene. Sie brauche Neugier, Herzblut und, ja, auch finanzielle Mittel. Mit freundlichem Interesse skizziert der Bundespräsident eine Reihe von Gedenkbausteinen, die für unsere Demokratie stehen können sollen. Wir müssten, immer wieder aufs Neue, für die Demokratie arbeiten, für sie streiten. In diesem Sinne hier einige Anmerkungen.

  • Der Bundespräsident spricht neutral von Erinnerungskultur, wo er doch erinnerungspolitisch unterwegs ist. Von dem Willen getragen, eine positiveTraditionslinie für unsere Demokratie zu bauen, wird sein Plädoyer eigentümlich blutleerer, gerade auch angesichts unserer blutigen Vergangenheit. Mit dem Topos „Verbrechen des Zweiten Weltkrieg“ führt der Bundespräsident ein unbestimmtes Übersubjekt ein, unter dem eine deutsche Demokratie-Traditionslinie bruchlos durchlaufen kann, auch wenn er zugesteht, dass unsere Demokratiegeschichte nicht als geradlinige Erfolgsgeschichte erzählt werden kann. Die Brüche in der deutschen Geschichte mit Brüchen in der französischen Geschichte zu relativieren, zeigt den angestrebten erinnerungspolitischen Paradigmenwechsel an. Spätestens in der Logik des „18. März“ und dem Akzent auf das „Feiern“ geht der Aspekt, dass unsere Demokratie auf Schuld gebaut ist, aber unter. Der 8. Mai wird übrigens europaweit als Tag der Befreiung gefeiert.
  • Wo Nationalisten unsere nationalen Symbole immer fester in eine antidemokratisch ausgerichtete Perspektive einweben, ist eine kraftvolle Gegenbewegung unbedingt nötig. Es ist die Aufgabe des Bundespräsidenten, hier eindeutig Farbe zu bekennen. Der erinnerungspolitische Preis für Stolz und Zuversicht ist allerdings zu hoch, wenn eine zu weitmaschig gestrickte Geschichtsbetrachtung den „Fliegenschiss“ überwiegend durchfallen lässt und geschichtsrevisionistische Bestrebungen dieser Nationalisten ungewollt bestätigt. Die Mahnung des Bundespräsidenten verliert ihre Kraft, wenn sie sich dem Narrativ der Nationalisten annähert, um in der Konkurrenz um die Sehnsüchte nach bruchlos heiler Welt und Identität erfolgreich mitspielen zu können.
  • Zwischen Zukunft und Vergangenheit bleibt die Gegenwart in dem Artikel des Bundespräsidenten eigentümlich ungreifbar. Wir leben in Zeiten von Veränderung und Ungewissheit und verfallen in lähmenden Pessimismus – so der Bundespräsident. Helfen könne eine positiv ausgerichtete Erinnerungskultur. An Lern- und Erlebnisorten sollten wir uns durch lebendige Erinnerung an unsere Demokratie-Tradition in Zuversicht üben. Ob das gegen die sprudelnde Quelle fehlender Zuversicht, nämlich unsere von Lähmung befallene Regierung, hilft? Erfreulich, wenn der Bundespräsident sich an anderer Stelle als Schirmherr auf die Seite der Schüler stellt, die an „Fridays for Future“ sich nicht mit der gestaltlosen Offenheit der Zukunft in der Regie der Machtversessenheit und Machtvergessenheit unserer Regierung zufriedengeben wollen.
  • Wo unserer Regierung z.B. in der Klimapolitik und den korrespondierenden Politikfeldern Verkehr und Landwirtschaft so nachhaltig hinter den faktisch gegebenen Handlungspunkt zurückfällt, müsste der Bundespräsident allerdings die politischen Verantwortungsträger ermahnen, endlich tätig zu werden. Denn – so sagt er selbst – wir müssen, immer wieder aufs Neue, für die Demokratie arbeiten – mit Herzblut. Das sollte doch wohl auch für unserer Regierungsvertreter gelten. Von ungebremster Zuversicht getragene Spaßpolitiker wie Andreas Scheuer, die mit Benzin in den Adern und mit Vorsatz möglichst weit hinter den Punkt zurückfallen, der zum politischen Handeln führen müsste, arbeiten nicht wirklich im übertragenen demokratischen Amt. Schüler müssten bei einer derartigen Leistungsverweigerung und Störung des Lernfortschritts nicht nur damit rechnen, sitzen zu bleiben, sondern der Schule verwiesen zu werden. Statt einer geglätteten Deutschstunde und der Mahnung zur Zuversicht wäre eine deutliche Abmahnung nötig. – Reinhard Koine

Leserbrief zu „Sie können es einfach nicht lassen“ von Thomas Assheuer

Der Autor sollte einmal über seinen deutschen Tellerrand schauen. Es gibt über 300 Millionen Araber, sprich Semiten. Ich selbst habe jüdisches Blut und habe lange im Iraq und im Nahen Osten gelebt und bin kein radikaler Linker. Nahezu alle 300 Millionen Araber sind anti-zionistisch, aber ich habe keinen einzigen Araber kennengelernt, der anti-jüdisch war. Ganz im Gegenteil. Man muss also sehr wohl zwischen anti-zionistisch (gegen Israel, bzw. die israelische Siedlungspolitik), anti-semitisch (gegen Araber und Juden) und judenfeindlich (gegen Juden) differenzieren. Der Autor sagt, dies sei eine Illusion, die es nicht gibt und nicht geben kann. Woher kommt diese Denkblockade? Auch die „politisch korrekten“ deutschen Gutmenschen und Frau Merkel etc. wollen das nicht verstehen. – Jerg Wohnhas


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Es gab ja zwei sehr unterschiedliche Begründungen für Hindenburg-Benennungen. Die vor 1933 , welche als Huldigung Hindenburgs als Ersatzkaiser dienten. Dieses Motiv könnte man als folkloristisch-nostalgisch auch heute noch so einigermaßen ertragen. Nach 1933 jedoch gab es diverse Hindenburg-Benennungen aus expliziter Dankbarkeit dafür, dass Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannt hat. Es kommt schon sehr auf das Datum der Benennung an. Alles nach 1933 ist reine Begeisterung für den aufkeimenden Nationalsozialismus und gehört natürlich revidiert. – Olaf Kleinelanghorst


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Hurra, wir ändern Straßennamen und retten das deutsche Ansehen in der Welt! Ist das wirklich so einfach? Waren wir mit der „Banalität des Bösen“ und der „Unfähigkeit zu trauern“ nicht schon mal weiter? Wie gerne hätten die Hohenzollern den Parteichef einer „Sozialistischen Deutschen Arbeiter Partei“ – mit nur 33,1 % der Stimmen weit entfernt von einer parlamentarischen Mehrheit – ins Kanzelamt gehoben; nun musste dies (widerwillig) der „Ersatzkaiser“ besorgen. Es muss ihn viel Überwindung gekostet haben, dem mit Frack und Zylinder aus dem Kostümverleih verkleideten „Böhmischen Gefreiten“ die Hand zu reichen. Aber er tat es! Hat Hindenburg damit genau so viel Schuld auf sich geladen wie Theodor Heuss, der – ebenso widerwillig – am 23.03.1933 für das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat? Der Weg in die deutsche Katastrophe begann hier: Die Reichsregierung erhielt die alleinige Gesetzgebung. Sie durfte sogar von der Verfassung abweichen. Der Reichstag schaltete sich selbst aus. Erst mit dieser Aufhebung der Gewaltenteilung wurde Hitlers Weg zur alleinigen Macht geebnet. Jeder hätte sehen können, was dies zur Folge haben würde. Aber die Deutschen haben es ganz überwiegend nicht gesehen. Diese Schuld bleibt. Daran ändern auch „Schildbürgerstreiche“ nichts. Damit müssen wir auch in 100 Jahren noch leben. Aber es ist natürlich jedem Narren überlassen, nun alle öffentlichen Theodor-Heuss-Namensnennungen zu tilgen. Schließlich war er es, der Hitler mit zur Macht verholfen hat! Und schließlich hat er wie Bismarck, Hindenburg und Jesus zu viel Alkohol getrunken! Das kann man dem vegetarischen Abstinenzler jedenfalls nicht nachsagen. – Klaus Höwekamp


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Kerstin Bund

„Wechselmodell“ feministische Erfindung? Väter mühen sich um mehr Erziehungsverantwortung für ihre Kinder, übernehmen die halbe Betreuung und zuweilen gern auch mehr, halten der getrennt lebenden Mutter den Rücken frei für mehr berufliche Entfaltung und Sicherung ihres Einkommens – und Feministinnen laufen Sturm dagegen, unter ihnen viele Politikerinnen. Hier läuft etwas gründlich schief. Nein, es geht nicht um Alleinerziehende und deren großen Unterstützungsbedarf, denn wer nur zu 50-70 Prozent betreuen muss, ist nicht allein erziehend. Die weitaus meisten getrennt lebenden Eltern sind heute gemeinsam erziehend mit Anteilen von je 30-70 Prozent. Dieses sogenannte Wechselmodell ermöglicht jedem Elternteil die Vereinbarung von Familien- und Berufsarbeit, also optimalen Bindungserhalt für Kinder gepaart mit neuen Karrierechancen für die Mütter. Somit ist das geforderte neue gesetzliche „Leitbild Wechselmodell“ eigentlich eine feministische Erfindung – die Politik hat es nur noch nicht gemerkt. – Johannes Zink


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Unsere Jugend hat den Ernst der Lage schon lange erkannt, und wir Erwachsenen fahren weiterhin mit dem SUV spazieren, als wäre nichts Ernstes geschehen! – – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Worte allein retten diesen Tiger nicht“ von Fritz Habekuss

Danke dafür, dass nach einem mit Vorwürfen überhäuften Anfang des Artikels, eine differenzierte Darstellung des Dilemmas folgt. Ich habe großen Respekt vor WWF und der Arbeit dieser Organisation in rund 100 Ländern. Ich denke, den meisten Menschen hier im schönen Deutschland ist nicht andeutungsweise bewusst, was in der Mehrzahl der Länder dieser Welt Realität ist. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Wenn es ein Thema in der ZEIT nicht braucht, dann den Vorschlag zur generellen Abschaffung der Monatsblutung der Frau durch permanenten künstlichen Hormonbeschuss. Beschuss reimt sich auf Stuss. – Charlotte Bossinger


Leserbrief zu „Draußen vor der Tür“ von Evelyn Finger

Vatikan: “ Wir müssen jetzt unser ganzes Handeln ändern…“ Ich habe da einen konkreten Vorschlag an die deutschen Bischöfe – sie tragen alle prächtige Silberkreuze und schwere goldene Ringe, wie kürzlich bei der Bischofskonferenz zu sehen war -: ihre Kreuze in Holzkreuze zu tauschen und die Ringe abzulegen. Beides zu „versilbern“ explizit für die Mißbrauchsopfer der Kirche. Das ist Demut. – Charlotte Bossinger


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

In der Natur ist es übrigens so vorgesehen, dass geschlechtsreife Frauen (Frauen, die ihre Periode haben) entweder schwanger sind oder stillen. (Das natürliche Abstillalter eines Kindes liegt zwischen drei und fünf Jahren.) Beides führt dazu, dass die Frau keine Monatsblutung hat. Ich selbst genieße es, seit nun zwei Jahren keine Monatsblutung mehr gehabt zu haben auf Grund von Schwangerschaft und Stillzeit. Das ist in der Tat sehr angenehm. Und doch freue ich mich darauf, dass die Monatsblutung irgendwann wieder einsetzten wird, sodass ich dann zur gegebenen Zeit ein zweites Kind zeugen kann. Dafür ist die Monatsblutung recht praktisch, denn es bedeutet, dass ich fruchtbar bin. Es scheint, als ob diese Zusammenhänge vielen Frauen fremd sind bzw. einfach nicht in ihr Lebensmodell passen. Was sagt das über uns aus? Sind wir nicht mehr eine Art unter vielen Arten auf diesem Planeten, sondern etwas anderes? – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Es ist eben nicht einhellig wissenschaftlich erwiesen das der Klimawandel anthropogen ist. Diejenigen Wissenschaftler die andere Erkenntnisse veröffentlichen werden halt anschließend geächtet und mundtot gemacht. Sie bekommen keine Forschungsgelder mehr,werden kaum noch in der Öffentlichkeit ( Fernsehen ) gehört, da nicht eingeladen und werden diffamiert. Es findet überhaupt kein Diskurs dazu mehr statt. Das ganze trägt mehr religiöse Züge als Fakten. Was wir brauchen ist eine neue Renaissance und keine blinden Eiferer die dadurch falsche Politik erzeugen. Klimawandel hat es schon immer gegeben. – Peter Knappmann


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Bravo Bernd Ulrich! Ich habe den Artikel für unsere Enkel kopiert. Er soll ihnen Ansporn sein, die Dinge zu hinterfragen und die Verantwortlichen an ihre Verantwortung für das Ganze zu erinnern. Was wir im Augenblick erleben ist vornehmlich kurzfristige Interessenpolitik im Hinblick auf die eigene Klientel mit einer Kanzlerin, die offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, daran etwas zu ändern. – Klaus Grieshaber


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Die Demos „Fridays For Future“ unserer KInder sind wunderbar !. Sie kümmern sich um ihre gefährdete Zukunft und Lebenswelt, die wir als Eltern, schon gar als Großeltern und die Politiker, mit verschuldet haben, aber so nicht mehr erleben werden – diese Haltung habe ich seit Jahren und sage es auch. Schon als KInd nervte ich die Erwachsenen mit meinen „Warum -Fragen.“ KInder, Demos allein reichen nicht, was heute gefragt ist – sind die unbequemen Fragen der Sesamstraße an uns Vorbilder (Eltern, Großeltern, aber auch das persönliche Umfeld): „wer , wie was, wieso, wehshalb, warum ? , nicht vergangenheitsorientiert, denn Vergangenheit ist nicht gestaltbar, aus ihr können wir höchstens lernen – haben wir aber nicht !!!. Die richtigen Fragen heißen: Was macht ihr heute ? und ganz viel „Sesamstraße“ !!! , nicht nur an eure Vorbilder, sonder vorallem an Poltiker, Lehrer usw., aber auch an eure Freunde und euch selber, z.B.:

– Warum fahrt ihr mit dem Auto, dazu – völlig überdimensionierte, wo es möglich und gesünder ist zu laufen, Fahrrad zu fahren oder den ÖVNV zu nutzen ?
– Warum kauft ihr immer noch mit Platsiktüten plastikverpackte Artikel ein, warum erzeugt ihr so viel Müll ?
– Warum fliegt ihr so viel durch unsere Welt ?
– Warum muß es immer unbedingt die neueste Handyversion sein, die durch Produktion und Abfall die Umwelt belastet ?
– Warum müssen es immer die neuesten, saisonalen und extrem viel Abfall erzeugenden Modeklamotten sein ? ……….usw.
Ich lasse es bei den Fragen, ihr kennt noch viel mehr, bessere und wichtigere……. Und: Fragen, Appelle und Forderungen bedürfen einer klaren Adresse. Allgemeine Formulierungen helfen nur denen, die glauben und hoffen, der Andere sei gemeint !!! Wer dann aufheult, zeigt an, dass ihr den Richtigen getroffen habt. Viel Erfolg bei der Sesamstraße im Alltag – Georg Maus


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Es ist für uns Erwachsene beschämend, dass nicht wir, sondern unsere Kinder für den Schutz der Umwelt auf die Straße gehen. Wir haben uns abgefunden, dass sich der Zustand auf diesem Gebiet von Jahr zu Jahr verschlechtert und keine Wende von den gegenwärtigen Aktivitäten zu erwarten ist. Der Zustand der Umwelt hat auf vielen Gebieten katastrophale Formen angenommen. Um die Kinder von der Straße in die Schule zu holen müssen wir in Verantwortung für ihre Zukunft die Sache voll in die Hand nehmen, um den Umweltschutz radikal durchzusetzen.
Die Anmerkung von Herrn Günter Jauch in seiner letzten Sendung“ Wer wird Millionär“: „ich als Schüler hätte auch an jeder Demo teilgenommen, anstatt am Unterricht teilzunehmen“. ist eine zynische Abwertung der Aktion der Kinder. Es wäre zweckmäßig von der MOZ, uns als Erwachsene mit den vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnissen klar zu machen, wie ernst die Situation auf dem Gebiet der Umwelt ist. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Mit voller Wucht“ von Daniel Erk

Hervorragend, welchen Raum in der ZEIT das Gespräch mit Eltern und Schülern sowie „Mit voller Wucht“ von Daniel Erk einnehmen darf! Vielleicht rücken diese Themen demnächst in das Buch Politik auf; denn mit Ausbildung hat dieses Thema nur für die Vetreter der Schulschwänzproblematik etwas zu tun. Es ist ein hoch politisches Thema, das nicht nur von Erstklässlern, die im TV gern in den Vordergrund gestellt werden, sondern von der gesamten Generation der Schüler und Studenten sowie vielen Älteren vertreten wird. Luisa Neubauer wird von Daniel Erk zitiert: „Wir wollen dafür sorgen, dass Parteien, die auf die Klimakrise keine Antwort haben, keine Wahl mehr gewinnen.“ Hat jetzt noch jemand Fragen, warum noch von Politikverdrossenheit geredet wird? Vielleicht gründet Luisa Neubauer eine Partei – dann wäre ich sofort dabei. – Hans Jürgen Hahn


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Kerstin Bund

Vielen Dank für den Artikel, zumal er von einer Frau verfasst wurde. Allerdings unterliegen auch Sie der irrigen Annahme, dass Feministinnen für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen kämpften. Sie setzen sich für eine Besserstellung der Frau (zumindest verglichen mit dem gegenwärtigen Standpunkt) ein. Das mag zuweilen ähnliche Ziele verfolgen, führt aber zwangsläufig auch zu besonderen Unterschieden- wie bei der aufgezeigten Problematik. Daher Danke ich besonders für Ihre Erinnerung daran, dass zwei voneinander unabhängige Ungerechtigkeiten nicht miteinander verglichen werden sollten, ohne dabei die jeweilige Skandaltracht zu reduzieren. Die Aufregung über Franziska Giffeys Vorstoß untermauert wieder einmal, dass sich Frauenrechtlerinnen eben nicht primär um eine reine Gleichstellung bemühen. Und wann immer eine Frauenrechtlerin zur Gleichstellungsbeauftragten wird, schadet es nicht gelegentlich das Handeln kritisch zu betrachten.

Da nun schon zwei Ungerechtigkeiten angesprochen wurden hätte ich noch eine weitere: bei der Bundeswehr wurden einst sogenannte „Frauenbeauftragte“ eingeführt. Als man sich des Spannungsfelds bewusst wurde (und nachdem sich einige Männer beschwerten) benannte man das Aufgabengebiet um zu „Gleichstellungsbeauftragte“, damit sich nun auch Männer bei Problemen in diesem Feld dahin wenden dürfen. Aber dennoch haben bis heute Männer für dieses Amt bei diesem Dienstherren weder ein aktives noch ein passives Stimmrecht. Ich bin gespannt wann hier die ersten Forderungen nach Gleichstellung oder sogar nach Parität kommen. – Andreas Gehrke


Leserbrief zu „Enttäuscht und erleichtert“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

Es ist schon erstaunlich, wie Sarah Wagenknechts Rückzug von der Fraktionsspitze der Linken von den beiden Autoren analysiert wird. Man stelle sich vor, der Rücktritt eines Politikers und die Probleme seiner Partei würden mit seinen Krawattenmustern und dem dicken Bauch begründet werden. Im Artikel auf Seite 2 über eine Frau, die lange Jahre das Aushängeschild der Linkspartei war, geht es jetzt um Ohrringe und Pelzkragen. Da, wo sie punktet, in Sachen des intellektuellen Verstandes und der Analysefähigkeit, wird ihr – wiederum ein überkommen geglaubtes Frauenklischee – mangelnde Gefühlswärme vorgeworfen. Nicht Sarah Wagenknechts Sozialismus, sondern die Autoren der ZEIT sind von gestern. Dass diese Zeitung im übrigen fortwährend einen Nachruf auf die derzeit regierende Bundeskanzlerin propagiert, kaum dass sie im Amt war, ist respektlos. Egal welcher Couleur Politiker sind, die meisten machen eine harte Arbeit, in Zeiten der Shitstorms auch für stabile Persönlichkeiten nicht leicht. Die ZEIT könnte endlich Vorbild werden für einen fairen Umgang mit Politikern und Politikerinnen, die auch Menschen sind. – Désirée Wittkowski


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Mit einigem Erstaunen habe ich in DER ZEIT von dieser Woche Ihr Plädoyer gegen die Menstruation zur Kenntnis genommen. Als post-menstruelle Leserin, die genau doppelt so alt ist, wie Sie, gehöre ich vielleicht nicht mehr zu Ihrer Zielgruppe. Dennoch kann ich als Mutter zweier teenage-Töchter nur kopfschüttelnd mein Befremden äußern. Wer sagt Ihnen denn, dass Ihre persönliche Ablehnung Ihrer Menstruation (ihres Körpers mit seinen Funktionen) eine solche Wichtigkeit hat, dass dieses Thema gleich 2 Seiten in der ZEIT ZUM ENTDECKEN füllen muss? Sie sind m.E. schlecht beraten, einen solchen Artikel zu veröffentlichen, außer Sie liebäugeln mit dem Skandal? Oder sollte ich es Ihrer Jugend zuschreiben, die ja bekanntlich gerne mal über das Ziel hinaus schießt? Aber dass Ihre Kolleg*innen in der Redaktionsrunde keine Einwände hatten, das finde ich mehr als bemerkenswert. Haben wir derzeit nicht wichtigere Probleme als unsere „Unpässlichkeit“, wie es gaaanz früher einmal hieß? Ihr feministischer Duktus passt m.E. nicht zu ihren Argumenten. Nur weil es medizinisch möglich ist, muss ich meine Menstruation nicht unterdrücken! Wie leichtfertig Sie sich über die Nebenwirkungen von Hormonpräparaten hinwegsetzen, mit dem Ruf nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit, dass grenzt m.E. an Naivität.

Eine Freundin meiner älteren Tochter kämpfte mit 16 Jahren nach einer leichtfertigen Pillenverschreibung mit einer lebensbedrohlichen Thrombose, deren Folgen sie ihr Leben lang begleiten werden: lebenslange Einnahme von Blutverdünner, vom lästigen Tragen von Kompressionsstrumpfhosen mal abgesehen. Ihre moralische Kategorie BÖSES BLUT, scheint mir auch etwas zu schrill, genauso wie das provokante Foto des blutverschmierten Fingers. Daraus spricht m.E. Ekel, der vom gelben Hintergrund noch verstärkt wird. Ihre Beweggründe, Ihre Menstruation abschaffen zu wollen, scheinen mir eine sehr persönliche Entscheidung, mit der Sie leben müssen/ wollen, eine Mitteilung an die Leserschaft DER ZEIT scheint mir aber mehr als unangebracht. Dass Sie die Frauen, die Ihre Natürlichkeit jetzt wieder feiern zugleich regelrecht verunglimpfen, ist auch wieder so ein typisches Frauenthema. Wir sollten zusammenhalten, statt uns gegenseitig nieder zu machen! Schon in der Kita erlebe ich Mütter, die ihre 3-jährigen Töchter als Zicken titulieren, die dann als Teenies ihre „Tage“ dazu nutzen tageweise der Schule und dem Sportunterricht fern zu bleiben, die dann wiederum die Zielscheibe von chauvinistischen und sexistischen Äußerungen werden. Ich denke, Sie haben der Gleichberechtigung in guter Absicht einen Bärendienst erwiesen. Als Mutter zweier Töchter, die eine Bilderbuchgeburt erlebt und eine Notoperation bei der Geburt nur mit viel Glück überlebt hat, die zudem mit 43 gegen den Brustkrebs gekämpft hat und heute als geheilt gilt, kann ich Ihnen nur sagen: unser Blut ist unser Lebenselexier und die Abschaffung der Menstruation eine Option, die möglichst viele Frauen ablehnen sollten.

Geht es dabei auch um etwas mehr Bequemlichkeit? Beim Sport, beim Feiern … Geht alles auch mit! Mit einem guten Körpergefühl sind die möglichen Beschwerden auch oft nur halb so schlimm. Jammern ist keine gute Alternative und auch keine Lösung für Ihr vermeintliches Problem – es (die Menstruation) einfach wegzudoktern aber auch nicht! Und das nur mal nebenbei: bei unsere älter werdenden Gesellschaft befinden sich z.Z. vermutlich mehr Frauen in der Menopause bzw. im Klimakterium als Ihnen das bewusst ist, d.h. ein Großteil der weiblichen Leserschaft DER ZEIT hat gar keine – wie auch immer gearteten Probleme mit der Blutung! Dafür aber andere Beschwerden mit dem Klimakterium, die z.T. auch mit Hormonen weggedoktert werden. Sie können sich also auf noch mehr Hormone gefasst machen, wenn diese Ihnen lieb und teuer sind – inklusive Nebenwirkungen! Vielleicht denken Sie beim Schreiben eines ähnlichen Artikels nächstes Mal erst einmal an Ihre Mutter, Großmutter oder Ihre Freund*innen und eventuell hat sich Ihr Drang, etwas dazu zu schreiben dann schon verflüchtigt. – Christiane Hansel


Leserbrief zu „Verloren in der Servicewüste“ von Jens Tönnesmann

Als mir die Telekom vor einem Jahr per Änderungskündigung ihr „Netz der Zukunft“ aufzwingen wollte, sah ich mit Mißfallen, daß nicht nur die monatliche Grundgebühr steigen sollte (wegen größerer Übertragungsgeschwindigkeit, die ich nicht benötige), sondern auch noch eine neue 24-monatige Mindestlaufzeit gelten sollte (weil man ja neue Leistungen erbringe). Außerdem sollte der Vertrag sich wieder automatisch um ganze Jahre verlängern. Für die Kombination aus Festnetz+Internet Flatrate habe ich damals nur Angebote langen Mindestlaufzeiten plus derartigen automatischen Verlängerungen gefunden.

Bei Festnetz und Mobiltelefonie und auch bei Energieversorgern besteht nur eingeschränkter Wettbewerb. Damit an der Stelle wirklich wieder Wettbewerb aufkommt, muß das Konditionenkartell durch den Gesetzgeber zerschlagen werden: Nicht nur durch eine höchstzulässige Mindestlaufzeit von z.B. 6 Monaten, wie sie der VZBZ fordert, sondern auch durch Verbot von automatischen Verlängerungsklauseln um Zeiträume größer als ein Monat! Und für verzögerte oder mißlungene Portierung von Telefonanschlüssen muß es außerdem einen pauschalen Mindest–Schadensersatz geben, damit der Mißbrauch zur Wettbewerbsbeschränkung an der Stelle endlich unterbleibt. – Adalbert Hanßen


Leserbrief zu „Unterwegs in weinroter Pracht“ von Andreas Bernard

Ihr Artikel passte gut zu der Dokumentation über den ORIENT EXPRESS und andere Luxuszüge in a r t e am 16.03. von 20,15 > 21,40 h – Hartmut Wagener


Leserbrief zu „»Diese Sache ist wirklich verrückt!«“ von Marc Brost und Mark Schieritz

Eigentlich wollte ich gleich eine Zweizeiler loswerden nachdem ich, vergnügt losprustend, diesen Artikel heute am frühen Abend gelesen hatte. Ein Blick in das lustig-herausfordernde Gesicht dieses jungen blonden, bärtigen, bebrillten H i s t o r i k e r s Hat die Lust, da nachzukarteln, erhöht. D e r war also auch in Davos beim Weltwirtschaftsforum. Ober er da Greta Thunberg getroffen hat ? D e r hat sich auch getraut, die dort versammelten Milliardäre zu versammeln. Alle Forderungen, die er in dem Artikel stellt an Staat und Wirtschaft, – sind eingängig und so neu auch wieder nicht. Es sagt nur keiner laut dort, wo die Schalthebel bedient werden. Er immerhin hat’s getan. Daß da einer einmal diesen Widersinn ausspricht und aufzeigt, daß die Wirtschaftsbosse zu Tränen gerührt einen Film von David Attenborough über den (erbärmlichen) Zustand des Planeten anschauen, während Draußen vor der Tür 1500 Privatjets stehen… – Beate Schwärzler


Leserbrief zu „»Stellen Sie sich vor, man würde erlauben, Hunde betäubungslos zu kastrieren«“ von Merlind Theile

Wie gut zu lesen was Jens Bülte in seinem Interview sagt. Ich bin Tierärztin -nur nicht in einem Amt tätig -aber unfassbar irritiert wenn ich höre und lese wie feige sich Kollegen meines Berufstandes verhalten wenn es um Einhaltung von Tierschutz ģeht. Entweder sind sie feig oder träge oder einfach desinteressiert – und gerade Amtstierärzte könnten einen grossen Einfluss auf Einhaltung und Durchführung der Gesetze erzwingen. Ich schäme mich für diese Kollegen die in meinen Augen ihren Beruf verfehlt haben.! – Isabell Colloredo Mannsfeld


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Es ist vielleicht vermessen sich als Mann überhaupt zu dem Thema zu äußern. Ich wage dennoch ein paar Zeilen. Ihr Beitrag lieferte eine für bestimmt sehr viele Menschen neue Sicht auf das Thema Menstruation und regt damit zum Nachdenken udn Diskutieren an. Das finde ich gut. Ich habe ihn allerdings nur etwa zur Hälfte gelesen, weil er mir zu aggressiv war. Vielleicht lassen nicht die Erfinder der Pille sondern die Hersteller die Frauen weiter bluten – auch im übertragenen Sinne. Es handelt sich um einen großen Markt. Würden alle Frauen Ihrem Rat folgen, hätten die Hersteller von Binden und Tampons ein Problem. Auch, wenn ich als Mann nicht wirklich nachvollziehen kann, wie es sich anfühlt die Regel zu haben, bleibt für mich ein Fakt als indirekte Frage: Immer, wenn wir vom Weg der Natur abweichen, entsteht ein Schaden, sei es an der Gesundheit oder an der Umwelt. – Iman Schwäbe


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Da ist er wieder, der unerträglich-überhebliche deutsche Missionsdrang: Nur wir wissen, was für alle anderen gut ist. Sicher, Hindenburg war Militarist und Monarchist, wie viele andere damals auch, und damit Kind seiner Zeit. Das ist ihm nicht vorzuwerfen. Wie weit hätte er in die Zukunft sehen müssen, um seine Entscheidungen abzuschätzen? Jetzt, aus heutiger Sicht, ist es absolut keine Kunst, ein Urteil darüber zu sprechen. Auch Peter Friedl, Angelika Schröder und Andreas Tietze sind Kinder ihrer Zeit. Der Fehler, der immer wieder gemacht wird, ist, dass Vorgänge und Entscheidungen aus früheren Zeiten mit Maßstäben und Erkenntnissen von heute gemessen werden. Damit tut man den Menschen Unrecht. Auch wir haben den Anspruch, dass unser Verhalten heute in einigen Jahren mit heutigen Maßstäben gemessen wird, und nicht mit den Maßstäben der Zukunft. – Martin Loser


Leserbrief zu „Enttäuscht und erleichtert“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

Angela Merkel, will als Kanzlerin, nur noch bis zum Herbst 2021 durchhalten, Ulrich Maly, will als Nürnberger OB, nur noch bis zum März 2020 tun und machen, und Sahra Wagenknecht, die will ihren Fraktionsvorsitz am liebsten gleich an den Nagel hängen! Alle werfen ihre Handtücher in den Ring, alle haben ihre Schuldigkeit, mehr oder weniger (nicht) getan. Ob diesem Trio irgendein Hahn hinterher krähen sollte, das ist dann auch schon ganz schnurzpiepegal! – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Der Artikel hat an mir gezerrt, tut es noch. Ich bin 67 Jahre alt; mit 13 die erste Periode, mit 50 war ich durch. Meine erste Blutung wurde in meiner Familie fast gefeiert; „ jetzt bist Du eine richtige Frau“ sagte mein Vater. In all den Jahren: heftige Schmerzen, noch heftigere Stimmungsschwankungen, diverse Pillen – und Spiralenunverträglichkeiten – schlimmer waren nur die Pillen-freien Phasen, wenn die Periode ausblieb und die Angst vor ungewollter Schwangerschaft wuchs. Dennoch hab ich das Bluten immer als Teil meines Frau-Seins empfunden, als zu mir gehörend, fühlte mich in seiner regelmäßigen Wiederkehr in die rhythmischen Abläufe der Natur eingebunden. Und lese diesen Artikel und denke: wäre das schön, wenn uns Frauen dies alles erspart bliebe! Der Artikel zerrt weiter, aber das schadet ja nicht ! – Marlene Derendorf


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Ich möchte mich sehr für Ihren Artikel „ Alt und unklug“ zum Thema Klimaschutz in der Ausgabe vom 14.3.19 bedanken. Mit relativ wenigen Worten haben Sie die Problematik so zutreffend beschrieben, wie ich es nie zuvor in irgendeiner Zeitung lesen konnte. Chapeau ! – Gerhard Krohmer


Leserbrief zu „»Stellen Sie sich vor, man würde erlauben, Hunde betäubungslos zu kastrieren«“ von Merlind Theile

Der Mensch unterscheidet zwischen den Tieren, die er liebt, die er deshalb auch nicht verspeißen würde, und den Tieren, die er lieber verspeißt, und die er deshalb nicht lieb haben kann. So ist er halt der denkende Mensch, eben voll und ganz menschlich, und manchmal, da „menschelt“ es gar gewaltig mit ihm durch, dem hunde- und katzenliebenden Menschen. Der Mensch sieht sich selbst (meist) als Tierschützer, der trotzdem liebend gerne (meist) nur Billigfleisch verspeißt. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Liebe junge Generation, ihr kommt euch ohnmächtig vor und kritisiert eine Lebensweise, die ihr bereits selbst übernommenen habt ohne es gemerkt zu haben. Ihr lässt euch in die Schulen fahren, „weil es nicht anders geht“. Ihr tragt Markenklamotten und habt meist neuere Handys als eure Eltern, damit ihr in der Schule auch den passenden Status habt. Vielleicht durftet ihr noch nie wählen, aber ihr habt auf die Gesellschaft einen größeren Einfluss als ihr denkt. Jugendliches Aussehen und Verhalten wird von der älteren Gerneration als Ideal angesehen und übernommen. Indirekt bestimmt ihr schon lange was „in“ ist und was zum nächsten großen Trend wird. Deshalb fangt bei euren Entscheidungen an, kauft nachhaltige Produkte und fahrt wieder mit öffentliche Verkehrsmitteln oder dem Rad. Vor allem aber nutzt das Gehör, dass ihr durch die Demonstrationen erhalten habt und macht konkrete Lösungsvorschläge. Hinterfragt ob Gewinnmaximierung nicht durch ethische Ziele, die dem Allgemeinwohl dienen, ersetzt werden müssten. Es ist sinnvoll durch Demonstrationen zu zeigen, dass man mit einer Situation nicht einverstanden ist, aber wichtiger ist es, Alternativen aufzuzeigen. Einigt euch auf Ziele, überlegt welche Änderungen dazu notwendig sind, welche Folgen sie haben und stellt diese dann zur Diskussion. Die Älteren helfen euch bestimmt mit ihrer Lebenserfahrung dabei. – Sebastian Mühlbach


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Da haben wir Deutschen uns mal hübsch durch die letzten hundert Jahre eine Menge Feindbilder gebastelt. Erst waren es die Juden, dann die Italiener, dann die Türken, dann alles andere im umliegenden nicht deutschsprachigen Ausland. Die Penner (ach ja, heute heißen sie wohlwollend Obdachlose) nicht zu vergessen. Dann – ooooh ganz gefährlich – die Flüchtlinge incl. Wirtschaftsflüchtlinge und die Bundeskanzlerin. Und alle, die eine andere Religion haben. Natürlich. Alles bös, alles gefährlich.

Aber jetzt endlich weiß man, wer der wahre Feind ist: Kinder und Jugendliche. Nein, nicht solche Jugendliche, die saufend und schlägernd unterwegs sind und natürlich erst recht nicht die You Tuber, die sich alle wie ein Ei dem anderen gleichen und in ihrer unglaublichen Selbstverliebtheit und Selbstdarstellung täglich mit kiloweise Schminke zugekleistert zeigen, was sie eben im Drogeriemarkt eingekauft haben. Nein, es sind die Kinder und Jugendliche, die erkannt haben, dass es nicht 5 vor 12 ist, sondern wenige Sekunden vor 12 ist. Die Angst vor der Zukunft haben, die sehen, wie diese Welt zugrunde geht, wie die Natur, Tiere und auch Menschen ausgebeutet und zerstört werden. Und nein, nicht weil einer seinen Müll nach dem Grillen nicht mitnimmt, sondern weil durch dieses System, durch diese Wirtschaftspolitik, die Industrie und die Überproduktion die Menschheit sich selber zerstört. Ist uns Erwachsenen ja egal. In 30 Jahren sind wir ja selber schon unter der Erde, also nach uns die Sintflut. Hat man nicht immer gekräht, dass Kinder unsere Zukunft sind? Und genau dies trifft das erste mal zu. Und jetzt sind sie plötzlich Rotzgören? Eine Generation, die Angst hat. Angst um ihre Zukunft, Angst um ihr Leben. Das geht natürlich nicht. Die sollen die Klappe halten, Ihr Kaugummipapier mitnehmen und gefälligst artig in ihrer Freizeit demonstrieren, so dass es niemanden stört. Und überhaupt soll sich auch nichts ändern, alles ist gut so. Revolutionen habe noch nie etwas gebracht in der Weltgeschichte. Brav bleiben, angepasst bleiben, sich artig wie die Lämmer zur Schlachtbank führen lassen. – Eva Windisch


Leserbrief zu „Enttäuscht und erleichtert“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

Sahra Wagenknecht mag zweifellos über hervorragende intellektuelle und rhetorische Fähigkeiten verfügen, eine Teamplayerin war sie bislang nicht. Das ist nolens volens zu Lasten des politischen Erfolges ihrer Partei gegangen. Denn für eine manifeste kapital- und wachstumskritische Ausrichtung gibt es in Deutschland keine gemeinschaftlich geschlossene Mehrheit. Ihr Rückzug vom Fraktionsvorsitz kann also für Die Linke durchaus eine Chance auf eine breitere Profilierung und Relevanz in der Bundespolitik bedeuten. Insbesondere Katja Kipping und Dietmar Bartsch traue ich zu, soziale Politik zukunfts- und mehrheitsfähig zu gestalten; Bedarf dafür besteht unbestreitbar. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Heimat. Was bedeutet sie heute?“ von Bruno Latour und Mark Lilla

Heimat, heute, in beiden Artikeln ebenso wortreich wie kompliziert beschrieben: ist sie nicht nur noch ein sentimentaler Begriff von gestern? Das Haus meiner Großeltern, in dem ich meine Kindheit verbrachte – längst verkauft! Nachbarn und Jugendfreunde – gestorben oder in alle Himmelsrichtungen verstreut! Die einsame alte Eiche, zu der ich wohl mehr als tausendmal gegangen bin – vor, während, nach der Mauer – um mir, dem Beispiel meines Großvaters folgend, durch den Griff in ihre tief eingerissene Borke „Kraft“ zu holen! In ihrer Nähe stehen jetzt Häuser, so, wie sie überall im Land gebaut werden. Jahr für Jahr begegne ich dort immer mehr Menschen, die meinen heimatlichen Dialekt nicht mehr sprechen (können). Und doch, auch wenn ich den kleinen Ort schon vor über 6 Jahrzehnten verlassen mußte: solange die alte Eiche noch steht, an deren einzigartiger Silhouette mein Blick bei jedem Wiederkommen zuerst hängen bleibt, von der schon große Teile der rissigen Borke abgefallen sind und viele tote Äste in den Himmel ragen – solange bleibt dieses unscheinbare Fleckchen Erde meine Heimat! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu JAZZ von Ulrich Stock et al.

Dieser Bericht über gegenwärtigen Jazz spricht mir aus dem Herzen. Ich lebe als kubanischer Musiker seit 8 Jahren in Deutschland. Mit vielen guten Erfahrungen mit Musikern und dem Publikum. Was mir immer fremd blieb ist der entsetzliche Ernst, mit dem hier oft Jazz gespielt wird. Die geringe Freude am Improvisieren, die stereotype Fokussierung auf us-amerikanischen Jazz und die Kreativität tötende Noten-Fixierung. Das liegt auch an den Jazzclubs, Veranstaltern und Produzenten, die sich nicht wundern dürfen, dass ihr Publikum Ü70 ist. Sie sind für Jazz aus Afrika, Lateinamerika, Asien selten offen. Ich kämpfe oft gegen das Klischee, dass afrokubanische Musik nur Salsa ist. Obwohl etwa bei Latin Jazz immer viele junge Leute kommen und Spaß haben. Schon oft wurde ich mit der Aussage blockiert: „Das ist Unterhaltungsmusik“. Bei Festivals dürfen wir Kubaner die Salsanacht spielen, aber nicht auf die Jazzbühne. In Kuba bedeutet Musik pure Lebensfreude. Wenn mich Veranstalter ablehnen, weil ich beim Jazzen und mit dem Publikum so viel Spaß habe, verstehe ich diese Welt nicht. Dann suche ich Trost bei Irakere, jungen Talenten wie diesem Fidel aus Frankreich mit Que Vola! oder meinem Onkel Mongo Santamaria, der mir beigebracht hat: Musik ist ein offenes Haus und Balsam für die Seele. – Roberto Santamaria


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Wenn Haarausfall, Migräne und Depression als erstrebenswerter erachtet werden, als 1 Tag im Monat Bauchkrämpfe, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Nach 6 Monaten Hormonspirale glich mein Gesicht einem Streuselkuchen und ich hatte die Hälfte meiner Haare verloren. Auf ein solches Teil zu schwören und es in einem mehr als halbseitigen Artikel zu propagieren, halte ich für fahrlässig und gefährlich. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich nicht so viele Leserinnen hierdurch beeinflussen lassen.
P.S. Die Mentruationstasse erzeugt nicht solche Krankheiten, wie durch OBs hervorgerufen werden. Ich bemängele die stark einseitige Darstellung dieses Artikels. – Carolin Bernhard


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Seit Jahren lese ich gerne die Zeit und freue mich auch über die eine oder andere extrem verfasste Zeile, einfach weil sie so schön die Emotionen zum Kochen bringt. Meist zeigt Ihr jedoch Eure Professionalität und Objektivität, indem Ihr einen gegenteiligen Artikel auf die nächste Seite setzt. Umso irritierender, dass Ihr dem Artikel über das „Böse Blut“ eine solche Plattform gebt (2. Seiten in Zeiten wirklich wichtiger Themenkomplexe) ohne diesen professionell einzurahmen, zumindest einen wissenschaftlich fundierten, medizinischen oder gesellschaftlichen Stadtpunkt gegenüberstellt. Schade.

Liebe Frau Mayr, einen biologischen Vorgang, ohne den die Menschheit aussterben würde! und seine kulturellen Erscheinungen, einen „..Betrug an einem Feminismus, der das Hirn der Frau von ihrer Gebärmutter trennen will“ zu nennen, zeigt leider nicht nur ein absolut missverstandenes Bild von Feminismus, sondern auch das Schuhgröße 41 einen Mangel an Intelligenz nicht wettmacht. Wenn Sie Ihre Gedanken aus Minderwertigkeitskomplexen (die hoffentlich nicht aufgrund Ihres Geschlechts zurück zu führen sind – denn dann wäre Ihre Bezeichnung „Feministin“ noch irritierender) schon nicht für sich behalten können, schreiben Sie in Zukunft bitte wenigstens nicht in einer Wir-Form. „Wenn wir von der weiblichen Natur sprechen, dann meine wir in Wahrheit immer das Leiden der Frau an sich selbst“. Schreiben sie zukünftig von sich. In der Einzahl. Schade ist es über den Begriff des „Feminismus“ anhand solch eines Artikel sprechen zu müssen. Es erscheint mir als Beleidigung für alle Frauen, die den Begriff geprägt, erkämpft, diskutiert und bearbeitete haben. Das was Sie beleidigender Weise der Lyrikerin Rupi Kaur wünschen: sich ihre Arbeit erspart zu haben, wünsche ich Ihnen bei diesem Artikel auch von Herzen. – Julia Chiquerille


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Zweifellos ist die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler – zu einem Zeitpunkt als die NSDAP ihren Höhepunkt überschritten hatte – Hindenburgs größte historische Schuld (Schuld ohne Anführungszeichen). Er hatte jedoch schon früher große politische Schuld auf sich geladen. Hindenburg gehörte seit 1916 als Chef der obersten Heeresleitung zu denen, die das alte Kaiser-Deutschland bis Ende 1918 militärisch und auch wirtschaftlich in die Katastrophe führte. Dann aber warfen sie die Abwicklung ihrer verantwortungslosen Politik den demokratischen Politikern der neuen Republik vor die Füße. Es ist die Schuld von Hindenburg und Konsorten, dass sie die Verantwortung für die Niederlage im ersten Weltkrieg nicht übernommen haben und stattdessen mit der Dolchstoßlegende die neue demokratische Republik diskreditierten. Mit Ehre und Verantwortung hat dies nichts zu tun. Hätte Hindenburg 1918 den Waffenstillstand unterzeichnet – was seine Pflicht gewesen wäre – wäre er nie Reichspräsident geworden. Er war 1914 ein Hochstapler, 1918 ein verantwortungsloser Feigling und 1933 derjenige der den Massenmörder an die Macht brachte – reicht das nicht? In Ihrem Beitrag wird Herr Florian von Schilcher zitiert: „Der war ja kein Kindermörder“. Dies ist falsch, er war ein „Kindermörder“. Er ist verantwortlich für den Tot von Hundertausenden von jungen Männern, (oft erst 17), die er in sinnlose Schlachten befahl. Er war als Chef der OHL auch verantwortlich für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg Deutschlands. In diesem wurden tausende von Zivilisten (auch Frauen und Kinder) ermordet. Sprachlos machen einen Bewohner/innen betroffenen Straßen, denen alle historischen Tatsachen gleichgültig zu sein scheinen. Sie wollen nur ihren gewohnten Straßennamen behalten. Interessant wäre zu erfahren, wie viele auch eine Hitlerstraße behalten würden, nur damit sie keine neuen Visitenkarten bestellen müssen. – Gerhard Ludwig


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Weniger der Psychiater, die Hausfrau oder der Dieselfahrer sind dafür verantwortlich, dass noch immer nicht das Geringste gegen die Klimaveränderung unternommen und stattdessen weiterhin Augenwischerei betrieben wird. Haupttriebfeder der Entwicklung sind offensichtlich global herrschende Konzerne und ihre korrupten Komplizen in der Politik – hierzulande bspw. Christian Schmidt, Merkel/Altmaier oder Scheuer/Dobrindt/Ramsauer. Sie stehen für ein Wirtschaftssystem, das maschinengleich einen primitiven Materialismus ins Werk setzt, der sich seit der Neuzeit und insbesondere während der Nachkriegszeit wie ein Verhängnis in das kollektive Bewusstsein eingebrannt hat und gleichermaßen Umwelt und Seelen zerstört. Die Generation 70+ – himmelweit von der Weisheit entwickelter Kulturen entfernt – pflegt dementsprechend eine ostentative Ignoranz, die ihresgleichen sucht: Nach uns die Sintflut – l’homme machine. Ein weiteres Wachstum dieser alles andere als nachhaltigen und durchweg verlogenen Wirtschaft hätte längst mit allen Mitteln verhindert werden müssen. Nun ist es zu spät. Babylon is calling again. – Dr. André Hempel


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Das Plädoyer von Anna Mayr grenzt an Geschmacklosigkeit. Schon das Foto ist eklig. Das ist Klatschblattniveau. Es stellt sich mir die Frage, wen interessieret der Inhalt wirklich? Mangelte es dem Verantwortlichen für diese Rubrik an einem sinnvollen bzw. niveauvolleren Beitrag? – Erika Lemmel


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Mich ärgert kolossal, wieviel Zeit, Kraft und Ausdauer hier in einem unproduktiven wir-gegen-euch-Gerangel verbraten wird. Leider heizt die Gesprächsführung der Interviewer dieses sinnlose Gegeneinander auch noch an – und das wohlgemerkt innerhalb einer Gruppe, in der alle Beteiligten dazu beitragen wollen, die Klimakrise in den Griff zu bekommen. Wem hilft das? Für mich ist das ist Energieverschwendung in Reinkultur, denn mit haarsträubenden Pauschalisierungen und daraus abgeleiteten Schuldzuweisungen auf der einen Seite sowie mit hilflosen Rechtfertigungs- und Selbstzerfleischungsreflexen auf der anderen wird nicht der geringste Beitrag zur Lösung der Klimakrise geleistet – im Gegenteil!

Anstatt sich gegenseitig in destruktiven Querelen gegeneinander aufzureiben, wäre es erheblich sinnvoller, sich gemeinsam darauf zu konzentrieren, konstruktive Lösungsansätze zu entwickeln, realisierbare Einflussmöglichkeiten auf Politik und Gesellschaft auszuloten, möglichst viele von denjenigen, die die Klimakrise ignorieren oder gar leugnen, ins Boot zu bekommen – und selber als leuchtendes Beispiel tatkräftig voranzugehen. Den guten Willen dazu habe ich in dem Gespräch vermisst. Der einzige, der zumindest ansatzweise einen konstruktiven Beitrag in diese Richtung geleistet hat, war Jan Puls. Bezeichnenderweise wurde darauf enttäuschend wenig eingegangen, sondern gleich wieder die Schuldkeule ausgepackt. Ich wünsche mir mehr Konzentration auf gemeinsame Ziele und mehr gegenseitigen Respekt füreinander. Denn wenn wir SO weitermachen, verlieren wir den Kampf um den Klimawandel! – Uwe Heiser


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Endlich! Endlich auch in einer großen Wochenzeitung ein guter Artikel zum Thema belastete Straßennamen, hier insbesondere Hindenburg. Das hat mich deswegen so erfreut, weil auch in unserem Ort Hilchenbach noch eine solche Straße existiert. Hier hat Göring 1933 als preußischer Innenminister dafür gesorgt, dass Hindenburg durch eine öffentliche Straße geehrt wurde. Als Innenminister Preussens stand Göring auch der Polizei vor, dessen Hoheit es war, öffentliche Plätze/Straßen zu benennen. Meist wurden topografische Besonderheiten genutzt, jedoch mit Aufkommen der Nazis wurde der öffentliche Raum hemmungslos für Propaganda genutzt. Auch eine Hitler-Straße wurde in Hilchenbach zeitgleich installiert. Nun gab es direkt nach dem Krieg eine Direktive durch die Alliierten, genau diese Straßen wieder umzubenennen, aber hier in Hilchenbach hat der damalige CDU Bürgermeister Büttner diese Direktive ignoriert. Der Hauptausschuss 1947 meinte nicht, dass die Stadtverordnetenversammlung „ sich damit befasse müsse“.Ebenso gab es in NRW 1947 einen expliziten Erlass des Innenministers, den Namen Hindenburg aus dem öffentlichen Raum zu streichen. Nach dem verlorenen Krieg 1918 stand Hindenburg auf der Entente-Liste der auszuliefernden Personen. Zu Recht: hat er doch den erstmaligen völkerrechtswidrigen Einsatz von Giftgas in Ypern zu verantworten. Schon sein Wirken im 1. WK lässt jede weitere öffentliche Ehrung auf Straßenschildern nicht zu. Der sinnlose Stellungskrieg, das Ausbluten der heimischen Bevölkerung durch das Hindenburg-Programm, die Verbrannte-Erde-Strategie besonders in Frankreich reichen schon, um jedes Schild abzuhängen. Sein weiteres Handeln in der Weimarer Republik mit den Notstandsgesetzen, der rückwirkenden Einführung der Todesstrafe für van der Lubbe, dem Zulassen des SA-Terrors, dem Hinnehmen der Röhm-Morde zeigen, dass er nicht nur eine beliebige Schachfigur im Spiel war, sondern aktiv den Fachismus hofiert und gefördert hat. Auch pikant: durch die Ernennung Hitlers vermied er einen Untersuchungsausschuss, der sich mit der Spende von Großindustriellen (Gut Neudeck) an Hindenburg beschäftigen sollte. Schleicher hätte diesen einberufen.

Nun haben wir letztes Jahr als Linken-Fraktion eine Bürgereingabe aufgegriffen (die eine Umbenennung besagter Straße zum Gegenstand hatte) und daraus einen Antrag formuliert, der im örtliche Hauptausschuss behandelt wurde. Ziel war es, die Hindenburgstraße umzubenennen in Gerti-Holländer-Weg. Dies war die letzte Jüdin im Ort, bevor sie 1943 deportiert wurde und der Polizist Hilchenbach als „judenrein“ verkündete. Ich selbst war im örtlichen Archiv, habe Verdun und seine Gedenkstätten besucht und den Antrag im Ausschuss vorgetragen. Leider erfolglos. Auch der inhaltliche Austausch im Ausschuss über Hindenburg blieb meist oberflächlich. Ein SPD-Mann fragte eher, warum ich nicht einfach zum Volkstrauertrag komme. Scheinbar ist das die Eingangspforte, um in einen tiefergehenden Diskurs mit ihm über Hindenburg zu kommen. Hindenburgs gemeinsamen Wahlkampf mit Hitler 1933 kommentierte er jedenfalls nicht. Der Mythos, den Pyta so intensiv in seiner Biografie beschreibt, lebt heute bei vielen noch weiter. Ebenso die Mär vom „alten, verwirrten Greis“. Dabei widerlegen die neuen Forschungen das und es macht nachdenklich, wenn man sieht, wie heute sich noch manche berufen fühlen, Hindenburgs Ruf tadellos zu halten. Oder aber sein Handeln verurteilen, sich aber scheuen, konsequent diese faschistischen Ehrungen zurück zu nehmen. Da es hier im Ort schon zwei Bürgereingaben dazu gab, hat der Hauptausschuss beim ersten Mal beschlossen, ein erklärendes Schildchen anbringen zu lassen, was quasi zur Aufklärung beitragen soll. Wenn ich die im Artikel erwähnte Vorgehensweise von Bad Tölz damit vergleiche, ist der hiesige Versuch jedoch eher beschämend. Der Beschluss 2012 bei der ersten Bürgereingabe zur Umbenennung lautete wie folgt: “

Dabei macht der Hauptausschuss deutlich, dass die Beibehaltung des Namens nicht mit einer fortwährenden Ehrung der Person Hindenburg gleichzusetzen ist. Die Mitglieder sind sich der Fehler und Versäumnisse Hindenburgs vollauf bewusst. Hindenburgs Handeln und seine damit einhergehende Verantwortung ist hoffentlich noch lange Thema und ich war erfreut, dass es bundesweit Menschen gibt, die sich gegen weitere Ehrungen wehren. Mir ist auch unverständlich, wie der Hauptausschuss damals einerseits sich der „Versäumnisse bewußt sein kann“ und andrerseits lediglich versucht, Görings Ehrung abzuschmälern, was aber m.E. nicht in der Kompetenz eines Ausschusses liegt. Eine Ehrung ist eine Ehrung-und durch Göring wird sie besonders unerträglich und brutal.Gefehlt hat mir in dem Zeit- Artikel die Kontrollratsdirektive der Alliierten von 1945, die solche militärischen und nationalsozialistischen Ehrungen als falsch bewertet und zur Beseitigung dieser befehligt hat. Welche politischen Gremien haben denn da in der Nachkriegszeit die Hand schützend drüber gehalten und warum? Es war viele Jahre Zeit, diese Direktive umzusetzen und doch gab und gibt es immer noch Politiker, die quasi am liebsten dieses Thema totschweigen möchten. Auch ich habe im Vorfeld unseres Antrages abwertende Äußerungen dazu hören müssen. Irgendwie lieber nicht dran rühren-an dieser braunen Soße. Dabei können wir doch alle nur Lernen von diesem Kapitel: Demokratie ist schützenswert und Hindenburg hat die junge Republik belastet und letztlich verraten, um seinen Traum einer Volksgemeinschaft zu erfüllen. Erst war er verantwortlich für Millionen Tote, später dann für die Aushöhlung der Demokratie. Sein Name gehört ersetzt durch mutige Menschen, die im humanistischen-demokratischen Sinne unsere Gesellschaft weitergebracht, die sich für Frieden,Dialog und Mitmenschlichkeit eingesetzt haben-oder die Opfer eben jener dunklen Zeit waren. Gute Alternativen finden sich in jedem Ort. – Katrin Fey


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

An die Generation 50+ :
Ich kann das ewige Gemecker über die Klimastreiks nicht mehr hören, statt sich an die eigene Nase zu fassen und für einen Moment der Selbstkritik innezuhalten, hagelt es Beschimpfungen von allen Seiten. Wer denkt bei Fridays For Future geht es nur darum die Schule oder die Uni zu schwänzen der hat es immer noch nicht begriffen. Deutschland sollte stolz auf seine Jugend sein, das es geschafft hat junge mündige Bürger*innen zu erziehen, die sich politisch engagieren. Davon lebt eine Demokratie! Und politisch sind sie wirklich. Es wird eine andere Verkehrs, Agrar- und Kohlepolitik gefordert. Bei der jungen Generation gibt es die meisten Vegetarier*innen und Veganer*innen. Wir sind nicht die fleischessende, SUV-fahrende Generation die gerne am verlängerten Wochenende eine Kreuzfahrt macht. Mir scheint hier liegt ein klarer Fall von Realitätsverlust vor. Wie kann es sein dass nur die Jüngsten wirklich verstehen was der Klimawandel bedeutet und was er für Auswirkungen hat? Eins und eins zusammen zu zählen ist doch nun wirklich nicht so schwer, dafür muss man auch freitags in den letzten beiden Stunden nicht in die Schule. Dass sich gefühlt alle über 30 darüber so dermaßen aufregen, kann nur heißen dass wir einen Nerv getroffen haben. Die ach so liebe junge Generation ist doch nicht so angepasst und stellt Politik, Wirtschaft und vor allem alle Verflechtungen dazwischen mächtig in Frage und zeigt mit dem Finger auf die Unfähigkeit der Regierung nicht nur Ankündigungen zu machen sondern auch endlich mal zu Handeln und auf die Ignoranz der älteren Generation.

Wie kann man es verantworten das Leben von Millionen Menschen und Tierarten aufs Spiel zu setzen nur damit hier alles genauso bleibt wie es immer war? Damit macht man sich doch selbst nur was vor. Wie kann man so unsolidarisch und inhuman sein, dass es einen einfach nicht interessiert, das Menschen überall auf der Welt ihre Existenzgrundlage verlieren, sie verhungern oder durch Naturkatastrophen sterben? Wer braucht schon Klimaziele… Aber wehe diese Menschen wollen dann hier Asyl beantragen, dann ist wieder die Hölle los und alle zetern. Es nervt einfach. Die Geschichte wird uns Recht geben aber so weit will ich es nicht kommen lassen. Wenn die Regierung meint, es sei besser die Grenzwerte für Feinstaub zu erhöhen, statt nachhaltig etwas an der Verkehrspolitik zu ändern, zeigt es nur, wie sehr so eine Bewegung benötigt wird. Und ja, der Kohleausstieg geht viel zu langsam voran. Die Politiker*innen als angebliche Expert*innen tun viel zu wenig und das auch noch viel zu langsam. Anstatt auf wirkliche Profis, die Wissenschaftler*innen zu hören, diskutieren sie über die Folgen von Feinstaub oder Glyphosat. Das Schöne an der Wissenschaft und an Fakten ist ja, dass sie trotzdem stimmen auch wenn ihr nicht daran glaubt.

Wenn Kramp-Karrenbauer dann noch sagt, dass wir mal mit Gelassenheit über den Klimawandel reden sollen und diesen nicht zu einer der wichtigsten Fragen Deutschlands machen sollten, macht mich das fassungslos. Wie kann eure Generation es wagen, den Klimawandel als Nichtigkeit abzutun und uns damit jegliche Lebensgrundlage zu nehmen? Warum diskutiert die Generation 50+ nur unter sich? Wo bleibt da denn die Gerechtigkeit? So eine kann nicht Kanzlerin. Hier geht es nicht um einzelne Karrieren sondern um den Fortbestand unserer Welt und letztendlich der Menschheit. Wir haben einfach keine Zeit mehr, dank jahrelangem Nichtstun. Mit Verlaub, alle Kritiker der Fridays For Future Bewegung werden den Klimawandel nicht miterleben oder zumindest nur in den Anfängen. Wir schon und unsere Kinder erst Recht. Wie kann es ein, dass wir die einzigen sind, die handeln? Es scheint als hätten alle anderen längst die Hoffnung verloren, ihnen fällt nichts anderes ein außer ein stumpfes ‚‚weiter so‘‘. Aber eine Gesellschaft lebt davon sich auch mal umzusehen und die Scheuklappen abzulegen. Vielleicht bin ich eine Idealistin aber das ist mir tausendmal lieber als unkritisch und völlig apathisch der Menschheit dabei zuzusehen, wie sie ihr eigenes Grab schaufelt. Nach uns die Sintflut scheint das neue Motto zu sein.

Ich wünsche mir mehr Mut für neue Ideen und das man sich auch mal gegenseitig zuhört und zwar auf Augenhöhe. Wieso wird einer ganzen Generation die Ernsthaftigkeit abgesprochen, warum werden wir für verrückt erklärt, obwohl ihr es seid die blind vor Alternativen immer weiter auf den Abgrund zu rennen. Redet doch mal mit uns, statt ständig über uns! Warum werden unsere Ängste und Sorgen nicht ernst genommen? Hört auf diesen Streik auszusitzen sondern handelt endlich und stellt euch eurer Verantwortung! Als repräsentative Volksvertreter*innen ist es euer Job alle in diesem Land zu vertreten, auch die die bisher nicht wählen können. Wir sind die Zukunft. In den nächsten Jahren werden wir dann wählen aber dann ganz sicher nicht die Personen, die uns statt vernünftige Diskussionen und Lösungsansätzen anzubieten nur das Unwort ‚‚Schulschwänzer‘‘ entgegen schmeißen und ohne es wenigstens zu gendern. – Hannah Büker


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Ohne die Arbeit und die Erkenntnisse ihrer Vorgängergenerationen, die sie so gnadenlos kritisieren, würden diese Kücken nicht mal wissen, was Klima ist. – Dr.-Ing. Efstratios Rigos


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Es ist keine Frage des Alters sich über sich selbst und über globale Fragen Gedanken zu machen und es ist auch gut seine Meinung auf die Straße zu tragen ! Es macht nur keinen Sinn den Fortschritt den Ihr in vollem Masse genießt an zu pranger n ! Wir sind die , denen ihr vorwerft nichts getan zu haben , wir können dem Interview der Zeit nicht zu stimmen . Es ist nicht die Schuld bei der Eltern – Generation zu suchen, sondern an dem technischen Fortschritt , der nicht auf Umweltschonung und Ressourcen aufgebaut wurde sondern auf Konsum , koste es was es wolle ! Unsere Eltern und auch wir sind zur Bescheidenheit erzogen worden geworden ,was man sich nicht selbst ERARBEITET HATTE , hatte man einfach nicht !!! Die Kleidungsstücke (Anziehsachen) wurden nicht billig gekauft und lagen dann im Schrank , sondern wurden von dem Älteren an den nächst Kleineren weiter gegeben , z. B. so haben eine Hose 5-6 Kinder abgetragen ,auch wenn zum Ende diese mehrfach repariert werden musste . So wurde die Hose zum Schluss selbst als Flicken Stoff eingesetzt . Es war auch unüblich das Kinder über einem Alter von 2 Jahren noch Windeln um den Hintern trugen , das Trainieren aufs Töpfchen zugehen brauchte Zeit ! Es erzeugte aber nicht Unmengen von Plaste – Müll . Es fängt also schon bei den einfachsten Dingen an, seinen Beitrag zu leisten .

Man konnte zu den Zeiten ( z.B. 1986) mit dem Sohn noch auf der Straße Rollerfahren üben ,die Straßen waren nicht mit massenhaft Autos zugeparkt !!! Wenn man wo hin Fahren wollte , musste man mit dem Rad oder mit der Bahnfahren ( Straßenbahn oder Bus ) und dann eben Laufen , und nicht in Plaste -Schuhen die in Ländern hergestellt werden , wo die Arbeiter einen Hungerlohn verdienen ! Heute bekommt man auf den Hinweis an Kinder , die durch die Grünanlagen latschen und sich ohne Rücksicht Bewegen von deren Eltern zu hören „ das sind Kinder die dürfen das „ !!! Nein dürfen „ Die „ nicht !! Wir möchten an dieser Stelle sagen : Erziehung die die Eltern versäumt haben , ist das was die Kinder ihren Eltern vorwerfen können !! Und der Politik kann vorgeworfen werden , nicht gegen die Überproduktion von kurzlebigen billigen Produkten vorzugehen , und so der Vergeudung von Ressourcen der Industrie freien Lauf zulassen ! Eine Globale Aufklärung der Kinder würde helfen !!!!!! nicht nur mit einem Fingerzeig ! und Schuldzuweisung an die Eltern , uns hat es 1989 auf die Straße getrieben weil wir mit dem Mangel an Wissen welches uns vorenthalten wurde nicht einverstanden waren ,wenn die Wahrheit über die globalen Geschehen nur soweit an die Öffentlichkeit gelangen wie es der herrschenden Regierung gerade passt , ist es logisch ein nicht ausreichendes Wissen zu besitzen !!Es sind also alle gefragt zur Aufklärung bei zu tragen !!!! Ein Artikel wird in dieser Form diesem großen Problem, an dem wir alle Arbeiten müssen, nicht gerecht und ist unnötig. Es wird Stimmung gegen Ältere gemacht! Wir fühlen uns nicht schuldig, weil wir immer versuchen den Problemen die im Leben auftreten gerecht zu werden. – Beate Pluta & Rolf Geyer


Leserbrief zu „Angstbeißerei“ von Fritz Habekuss

FÜTTERN VON WÖLFEN VERBOTEN; SCHAFE BLEIBEN IN DEN STÄLLEN!
Wie gehe ich mit dem Unbekannten um, wenn mir gerade das Unbekannte, wie der Wolf, Angst einflößt. Umbringen scheint auch keine richtige Lösung zu sein. Deutschland wäre zwar wieder wolffrei, aber sicher auch bald ein sehr menschenfreies Land! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Angstbeißerei“ von Fritz Habekuss

Alter Wein in neuen Schläuchen kann ich nur sagen. Die selben falschen Aussagen zum Wolf werden gebetsmühlenartig wiederholt, wodurch sie nicht wahrer werden. Der Wolf flieht vor dem Menschen nicht. Er tut dies nur wenn er mit diesem schlechte Erfahrungen macht, was er in Deutschland nicht tut. Daher ist er fast täglich in Ortschaften zu sehen, bewegt sich ohne Angst neben landwirtschaftlichen Maschinen her. Er macht vor angeleinten Hunden kein Halt, selbst wenn der Besitzer diesen versucht abzuwehren. Den so bedrängten Hundehalter drohen dann auch noch Strafen, zumindest aber ein Prozess, nur weil er seinen Vierbeiner retten will. Der Wolf genießt fast einen höheren Schutz als die Menschen, von denen sehr wohl einige in letzter Zeit zu Schaden gekommen sind, auch wenn das sorgsam verborgen wird. Ob der Erhaltungszustand beim Wolf gut oder weniger gut ist, ist Auslegungssache. Hier streiten sich Umweltverbände mit Wissenschaftlern, die sich darüber gar nicht einig sind, wie uns immer versucht wird, einzureden. Wölfe vermehren sich sehr schnell, 30% pro Jahr. Zudem scheinen ein großer Teil unserer Wölfe Mischlinge zu sein. In der letzen Phase der Auflösung der Sovjetunion wurde Wolfsmischlinge,diein großer Zahl zu militärischen Zwecken gezüchtet worden waren, frei gelassen. Das Ergebnis lässt sich an den Spuren ablesen. Das könnte auch eine Erklärung für die fehlende Scheu vor den Menschen sein.

Zahlen, der vom „Wolf“ gerissener Nutztiere mit denen der geschlachteten Tier zu vergleichen, ist schlicht unsinnig. Es geht um den Schaden für den einzelnen Züchter/Landwirt, wie zum Beispiel in Bad Wildbad, wo ein Halter in einer Nacht vierzig Schafe verlor. Der Rest dieser Herde war dermaßen traumatisiert, dass diese letztlich geschlachtet werden musste. Auch der Landschaft kann der Wolf schaden. Es gibt Flächen, die offen gehalten werden sollen oder müssen, etwa Deiche oder auch Tourismusregionen (Mittelgebirge). Steillagen lassen sich nicht zäunen, oder nur mit erheblichem Aufwand, den die Wolfsbefürworter sicherlich nicht übernehmen werden. Ohnehin ist schon mehrfach nachgewiesen worden, dass Zäune nur wenig Schutz bieten, es sei denn, sie sind fast 2m hoch. Hundehaltern sei gesagt, dass das Gassigehen in der Nähe einer Schafherde mit Schutzhund nicht zu empfehlen ist. Sicherlich kann dem Wolf ein Existenzrecht nicht abgesprochen werden. Ob das allerdings auch in einem so dicht besiedelten Land, wie Deutschland sein muss? Man bedenke, dass es in unserer seit Jahrtausenden bewirtschafteten Landschaft keine Natur im eigentlichen Sinne des Wortes mehr gibt. Jeder Quadratmeter ist bepflanzt, bepflaster, bebaut oder anderweitig vom Menschen genutzt. Da kann von Naturraum keine Rede mehr sein.

Dass im Umfeld wieder angesiedelter (z.B. Biber) oder zurückkehrender Tiere Konflikte entstehen, steht außer Frage. Es gibt eben Menschen, die auf dem Land wirtschaften, auf dem diese dann leben. Aber es geht hier sicherlich nicht um Kontrollverlust der Gesellschaft. Dass es für diese Tiere Mehrheiten gibt, ist auch klar. Die Frage ist nur wo? Auf dem Land, bei den Betroffenen bestimmt nicht. Eher schon in den Städten, wo man ein romantisierendes Bild des Landlebens pflegt. – Borwin Herzog


Leserbrief zu „Notizen aus dem Alltag“ von Andreas Bernard im ZEIT Magazin

Notiz zur Notiz Nr. 23: Warum war es mir äußerst zuwider die Notiz zuende zu lesen? – Claus Schüßler


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Ich verfolge und unterstütze die Fridays for Future-Bewegung seit Wochen aus erster Hand. An der Alternativ-Schule, an der ich als Lehrerin arbeite, erlebe mit großer Freude, wie eine bislang eher modellhafte Herangehensweise an diese Thematik endlich einmal lebensnahe Auswirkungen hat. Die Schülergeneration, die in den letzten Jahren in zahlreichen Schulen durch Projekte, Aufklärung und z.Z. auch wirksame Nachhaltigkeitskonzepte für den Umweltschutz und den Ressourcenerhalt sensibilisiert wurde, geht jetzt auf die Straße. Sie fordert für die weltweiten Belange das ein, was sie im kleinen Rahmen z.T. bereits erfahren und leben dürfen. Ich habe daher das Interview mit den Aktivisten und deren Eltern mit etwas gemischten Gefühlen gelesen. Der Vorwurf der Schüler, seit den Protesten der 70er und 80er Jahre sei nichts passiert und man hätte „prokrastiniert und die Probleme, die unangenehm waren völlig ignoriert“ kommt meiner Meinung nach recht undifferenziert daher. Er ignoriert nämlich seinerseits, dass u.a. im Bereich Erziehung und Bildung seit vielen Jahren viele Menschen hauptamtlich und ehrenamtlich mit viel Engagement dabei sind, diese Themen ins Bewußtsein von jungen Menschen zu bringen und auch die Eltern dafür zu gewinnen. Die Anzahl der Organisationen weltweit ist riesig. Und Bezug nehmend auf den ZEIT Artikel „Gute Nachrichten 2018“ möchte ich folgende positiven Errungenschaften der letzten Jahre anführen:

Die Menge des Angebots an ökologischen und fair gehandelten Produkten hat sich dank Erfindergeist und risikobereitschaft vieler Fachleute und auch Laien seit den 70er Jahren vervielfacht, die Möglichkeiten zu recyclen und Müll zu vermeiden haben sich verbessert, es gibt viel mehr stromsparende Geräte und emissionsärmere Autos als noch vor 20 Jahren, Atomkraft und Kohle sind als Stromerzeuger nicht mehr salonfähig und der Segen von Permakultur und ökologischer Landwirtschaft setzt sich immer mehr in den Köpfen der Landwirte und Agrar-Politiker fest. Auch dies ist der Verdienst von Menschen der Generation, die in dem Interview als ignorant dargestellt wird. Davon, dass „Umweltschutz für die älteren Generation irgendwann langweilig“ wurde kann also nicht pauschal die Rede sein. Insofern möchte ich bei aller Achtung vor dem Engagement der Schüler davor warnen, eine Generation pauschal anzuklagen und damit den Einsatz und die Erfolge unzähliger Aktivisten und Pioniere, die inzwischen jenseits der 50 und älter sind zu unterschlagen. Das permanente Bohren und Sägen der vieler Menschen der Generationen +30 hat die verkrusteten Strukturen brüchig und mürbe gemacht und erlaubt unseren Kindern nun, die Dämme zu brechen, ohne dass sie mit Strafen und Sanktionen rechnen müssen. Um das möglich zu machen musste ersteinmal eine Erwachsenengeneration heranreifen, die sich ihrerseits von den geduldeten Misständen ihrer kriegstraumatisierten Elterngeneration distanziert und sich mit viel persönlichem Einsatz aktiv dagegen aufgelehnt hat. Es liegt alles noch nicht so sehr weit in der Vergangenheit.

Die Empörung darüber, dass trotz allem Wissen und aller Aktionen in den letzten 30 Jahren auf den hohen Ebenen in Wirtschaft und Politik nichts wirklich Bahnbrechendes passiert ist, ja im Gegenteil immer seltsamere Entscheidungen getroffen werden, brodelt nicht nur bei den Schülern. Dafür ist leider ein anderer Teil der ältern Generation verantwortlich, der jetzt zu recht vorgeführt wird. Der Erhalt eines guten und „enkeltauglichen“ Lebensstandards für unsere Kinder kostet dank absurder Immobilienpolitik immer mehr Kraft und und Ressourcen, die man lieber anders einsetzen würde und die nachhaltige Erziehung zu Umweltbewusstsein in pädagogischen Einrichtungen aber auch zuhause ist zuweilen eine nervenaufreibende Herausforderung. Insofern sind wir in diesen Zeiten alle Teil einer Art Tsunami-Welle, die sich seit vielen Jahren aufbaut und ausnahmsweise einmal positive Auswirkungen haben könnte. Wenn wir voneinander profitieren wollen bringt es niemandem etwas, wenn man sich Vorwürfe macht, oder selbstmitleidig meint, man müsste ein „Scheißgefühl“ haben. Das klingt ja gleich wieder nach Kopfeinziehen und nichts tun. Aus der Komfortzone müssen wir jedoch alle jetzt raus und uns drüber klar werden, auf was wir evtl. verzichten wollen. Wenn Google seine Server, die in Finnland mit Seewasser gekühlt werden, abschaltet und der gute alte Brockhaus wieder aus dem Keller geholt werden muss wird´s spannend…. – Uli Schneider


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Eine Regierung hat Politik für die Bürger zu machen. Das tut sie leider nur sehr selten. Ihr Autor Bernd Ullrich versucht die Leser wieder zu manipulieren. Die jungen Demonstranten werden von den Grünen dirigiert. Das scheint der Autor nicht zu wissen. Die Schüler sind gar nicht in der Lage die Umwelt richtig einzuschätzen, weil sie von den Grünen verdummt worden sind. In NRW sind sie deswegen abgewählt worden. Alt und unklug ist eine bösartige Unterstellung. Er scheint eher von sich auszugehen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Zum Thema Strassennamen (aktuell Hindenburg) noch eine Bemerkung zur Benennung aller möglichen öffentlichen Gebäude in Hamburg nach Helmut Schmidt: das erinnert ja auch an die Hindenburg-Begeisterung nach dem ersten Weltkrieg. Ich hätte es schon sehr viel passender gefunden, wenn das Pressehaus nach der Gräfin Dönhoff benannt worden wäre und nicht nach HSch. Einen kleinen Fussgängersteg nach Dönhoff zu benennen ist schon ziemlich peinlich. Da fehlte sicher das Augenmaß. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Ein gespenstisches Gespräch. Vor DIESER Jugend habe ich: Angst. Ich mische mich deshalb mal sarkastisch in das Gespräch ein…
– Sagt mal Kinder, so wie ihr aufgewachsen seid, fühlt ihr euch schuldig?
– Hey Alter, nee, was soll die Frage? Das wart doch IHR! WIR wollten das alles nicht! Wir haben ein gutes Gefühl, Freitagsdemo ist echt cool!
– Wisst ihr noch, wie ihr euch in unserer ersten Wohnung immer über das Plumpsklo beschwert habt?
– Hää, wann soll das denn gewesen sein? Vor 200 Jahren?
– Im Winter habt ihr ständig gemault: Das Klo ist saukalt, da friert einem ja der Arsch ab…
– Hey Alter, kann nicht sein, du irrst dich, mein Arsch ist noch dran.
– Man hätte ja ein bißchen mehr heizen können, aber Briketts hochholen war nicht gerade euer Hit…
– Wir waren schon damals gegen die Nutzung fossiler Brennstoffe. Und damit das ein für alle Mal klar ist: IHR habt die Kohlen angezündet, und WIR mussten schon damals die Asche zum Mülleimer bringen! Raffst du rein gar nichts? Schon damals mussten wir die Folgen eurer Unvernunft ausbaden!
– Hattet ihr euch denn nicht gefreut, als unser Häuschen im Grünen endlich fertig war?
– Komm‘ mir bloß nicht damit! Immer dieses scheiß Rasenmähen! Nicht mal Ökostrom, kein Mädel wollte mehr mit mir was zu tun haben. Das mit dem Haus hättest du uns echt ersparen können!
– Campen mit dem Auto in Italien, war doch immer ganz nett…
– Vergiss es, wollten wir nie mit. Hinterm Brenner nur noch Quasselstrippen.
– Dafür könnt ihr jetzt ganz passabel Italienisch!
– Und, nützt’s was? Wir protestieren auf Englisch und Deutsch, nicht auf Italienisch!
– Die Abi-Fahrt nach Ägypten…
– Oh Mann, war das heiß dort, die reinste Klimakatastrophe! Überall Methan-furzende Kamele mit Touristen drauf, da muss ja das Klima vor die Hunde gehen! Ich werd‘ meine Kinder zum Abi in die Antarktis schicken, ist nicht so klimaschädlich. Pinguine furzen nicht.
– Mutti hatte euch früher nach der Spätschicht immer mit dem Auto vom Sport abgeholt…
– Wär‘ gar nicht nötig gewesen, die 25 Kilometer wär‘ ich lieber gelaufen, ist eh‘ gesünder.
– Ihr konntet früh meistens eine halbe Stunde länger schlafen, weil es so gut zu meiner Arbeitszeit passte und wir zusammen mit dem Auto…
– Alter, noch nix davon gehört? Zuviel Schlaf ist ungesund, leide ich heute noch drunter! Du fängst an mich zu langweilen, gäähn…
– Aber ihr erinnert euch sicher noch, wie wir an einem Tag gleich vier Betriebe wegen eurer Bewerbung abklappern mussten, damals hatten wir Gott sei Dank schon den Fiat Panda…
– Ja, war echt Scheiße, die Karre…dieses Rumgeholpere den ganzen Tag, ich konnt‘ am Abend nicht mehr gerade gehen! Sag mal, Alter, hattest du da wirklich nicht mehr Kohle für uns locker? Der Michi, der is‘ mit’m A8 vorgefahren und hat seine Stelle sofort gekriegt…
– Ok, ich seh’s ein, wird so wohl nix. Aber trotzdem nochmal meine Frage: Fühlt ihr euch schuldig? Müsstet ihr nicht auch ein wenig über euer eigenes, bisheriges Leben nachdenken?
– Oh Mann, jetzt haben wir uns so schön bei euch eingerichtet, und du stellst so ’ne blöde Frage. Was soll das? Du stiehlst mir bloß die Zeit. Ich muss zur Demo!
Ja, was soll das? Ist doch alles ganz klar, wer schuld ist. Oder? – Matthias Wagner


Leserbrief zu „Frauen“ von Evelyn Finger

Würde sich der letzte Satz der Zeitgeist-Kolumne von Evelyn Finger: „Passt auf, was ihr glaubt!“ allgemeiner Beachtung erfreuen, ließen sich viele aktuelle Konflikte gütlich und in gegenseitigem Einverständnis lösen. Glaube darf und soll eben nicht zum Trick werden, mit dem man versucht, sich unangreifbar zu machen. Folglich ist Religionsfreiheit auch nur dann berechtigt, wenn ihre Themen sich nicht auf eine abgehobene, als Transzendenz tarnende, verklärte Reinheitsphantasie beziehen, sondern auf dem Boden irdischer Gegebenheiten bleiben. Glaube sollte hinterfragt und in gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen gesehen werden. Aber leider ist man bei der Darstellung des Religiösen oft zu schnell bei der Statistik: Woran Millionen oder Milliarden Menschen glauben, kann doch wohl nicht falsch sein. Doch, kann es, zumindest in einzelnen Aspekten. Deshalb ist der Aufruf: „Passt auf, was ihr glaubt!“ von höchst aktueller Brisanz. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Verloren in der Servicewüste“ von Jens Tönnesmann

Ihr Autor spricht von Wüste. Recht hat er! Obwohl ich die Handygesellschaft verfluche, weil sie zur Dumm- und Krankheit beiträgt. Das liegt aber nur an unseren gesellschaftlichen Umgang mit diesem Gerät, das rund um die Uhr für jeden Blödsinn herhalten muß. Das gehört angeprangert. Abgesehen von der schlechten Infrastruktur der Anbieter. Ihr Autor sollte eine Reise nach Rußland antreten und sich davon überzeugen wie vorbildlich das Netz aufgebaut ist. Und die Preise sind ausserdem moderat. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Nur zwei Fakten und einen Ratschlag an die jungen Leute:.

  1. Fakten: Treibhausgasemissionen (THG) der Welt 2016 rund 46 Mrd. t „CO2-Äquivalent“
Deutschland (0,9 Mrd. t THG) Welt (46 Mrd. t THG)
Kohlendioxid CO2 88,2 % 81,2 %
Methan CH4 6,0 % 10,6 %
Lachgas           N2O 4,2 % 5,5 %
FKWs und andere 1,7 % 2,5 %

Es gibt somit mehr THG als nur CO2. Die drei größten Emittenten von CO2 sind China (12,5 Mrd. t), USA (6,3 Mrd. t), Indien (3,0 Mrd. t). Deutschland mit 0,9 Mrd. t hat in der Vergangenheit seine CO2-Emissionen (und THG) reduziert, anders als die meisten Länder.

Was geschieht, wenn China und Indien wie seit einigen Jahren weiter erheblich zusätzliche Kohlekraftwerke bauen und den USA die ganze Politik nicht passt?

  1. Die Menschheit stieg seit Napoleons Zeiten von etwa 1 Mrd. auf heute über 7,5 Mrd. Ab 2060 werden 10 Mrd. prognostiziert. Auch diese Menschen „pflügen“ die Erde zum Über­leben um, was dramatisch schlecht für das Klima ist. Siehe „Changed land use“ in COP, Marrakesch, 2001. Wo ist eine Welt-Geburtenkontroll-Politik? Bei 15 Mrd. wird es unlösbar?
  2. Das riesige bisher für großtechnische Umsetzung ungelöste Problem der Stromerzeugung ist die mangelnde Speicherbarkeit sehr großer Strommengen, z.B. indirekt durch Wasserstoff-Techni­ken. Die pfiffigsten Köpfe werden dringend benötigt, um die naturwissenschaftlichen Grundlagen für eine derartige Technik für etwa 4 – 5 Mrd. kWh/Woche in Deutschland zu entwickeln. Studieren Sie Mathematik, Physik und Chemie, andere Natur- und Ingenieurwissenschaf­ten, damit dieser immer noch bestehende Mangel bald behoben wird. Nur das hilft effektiv!

Ansonsten passiert bei „Dunkelflaute“, also Abendstunden (Photovoltaik = 0) und fast Windstille wie zuletzt im Januar 2019 (viel Stunden Windstrom unter 1.000 MW £ 2 % der installierten Leistung von 55 GW) der länger anhaltende Black-Out. Es wäre politisch sehr naiv anzunehmen, dass dann die bisher „so großartig geplante Energie­wende“ von den Bürgern weiter unterstützt würde. Man kann auch ganz andere Sorgen vor der dann möglichen Reaktion haben (in beiderlei Bedeutung des Wortes)!

Datenquelle: BNetzA, Programm SMARD. Umrechnung der ¼-stündl. Werte in Leistung Mega-Watt durch Multiplikation der erzeugten Arbeit/Viertelstunde (MWh) mit VIER.

Anmerkung: In einem Artikel vom März 1977 habe ich zusammen mit einem Ingenieur (Rolf Bauerschmidt) auf die grundsätzlichen Mög­lichkeiten der „Energienutzung“ für die Menschheit hingewiesen, samt den jeweiligen Vor- und Nachteilen. Obwohl dieser Artikel bewusst in einer eher politisch und anwendungsorientierten Zeitschrift erschien, hat er nur bei bestimmten relevanten Menschen eine Resonanz ausgelöst, u.a. bei der BI Lüchow-Dannenberg (damals geplantes Endlager für Atommüll) und bei einem wichtigen Mitarbeiter an der DGB-Spitze (Damals waren die Gewerkschaften noch sehr wichtig in der Politik, wenn auch keineswegs „grün“.): Rolf Bauerschmidt und Wolfgang Ströbele, Strategien einer alternativen Energiepolitik, WSI-Mitteilungen, März 1977; wie­­der abgedruckt in: M. Krüper (Hrsg.): Energiepolitik: Kontroversen – Perspektiven, BUND-Ver­lag, 1977. Danach wurde ich Umwelt- und Ressourcenökonom und auch für etwa 30 Jahre einer der führenden deutschen Energieökonomen. Als solcher arbeitete ich auch als Berater für den WAR (wissenschaftl. Arbeitskreis Regulierung) bei der BNetzA und für zahlreiche Projekte und Politik.

ERFAHRUNG: Das Problem der Politik in den letzten 15 Jahren ist eine starrsinnige „Beratungsresistenz“ bei „unangenehmen Themen. Empfehlung (1) oben zur großtechnischen Speicherung von Stromerzeugungs­potential gab es schon vor 2012: Als die erste Anlage 2013/14 (Vattenfall) große Problem aufzeigte, passierte ……. erst einmal nichts.

EWE und Thyssengas+TenneT+Gasunie arbeiten derzeit an zwei neuen Anlagen im 100 MW-Bereich, die 2023 in den Probebetrieb gehen sollen: Sehr spät und sehr klein! – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Bernd Ulrich hat uns mit seinem unnachgiebigen für das Klima eintretenden Journalismus wieder mal drauf gestoßen. Recht hat er. Wenn die Politik so weiter macht, wird es nichts werden mit der Vermeidung einer radikalen Klimaveränderung. Nur leider wird es auch mit Greta Thunberg nichts werden, sind doch noch weltweit weitere 1400 Kohlekraftwerke in Planung oder Bau und wächst doch die Erdbevölkerung täglich um 230.000 Menschen. „Fridays for Future“ müsste schon in USA, China und Indien Gehör finden und bald wohl auch in Afrika. Um der Jugend eine Stimme zu geben, wäre eine Änderung des Wahlgesetzes hilfreich: 3 Stimmen für alle unter 30, 2 Stimmen für 30 bis 60 und nur eine Stimme für über 60jährige (wie ich). – Dr. Heinrich Hülsheger


Leserbrief zu „Auch hier kann man therapieren“ von Stefanie Kara

Ich habe mich sehr gefreut, einen Artikel zum Thema Psychiatrie in der Zeit zu finden. Ihrem Artikel entnehme ich, dass Sie, wie viele andere auch, davon ausgehen, dass „die Psychiatrie“ der Teil ist, der in Beton gegossen ist, nämlich die Krankenhäuser. Alles andere wird leider immer noch als komplementär bezeichnet. Seit Veröffentlichung des Berichts der Psychiatrie-Enquete 1975 versuchen wir in Deutschland über diverse Reformen einen Umbau des Systems zu erwirken. Das Schlagwort ist: ambulant vor stationär. Alle, die mit diesem Thema befasst sind, wollen das „eigentlich“ umsetzen. Alle wollen angeblich die Zuhause-Behandlung. Nun ist unser Gesundheitssystem aber derart kompliziert organisiert und finanziert, dass wir nicht, wie es uns z.B. die Holländer vorgemacht haben, einfach Bereiche zusammenfassen und stationäre Betten zugunsten vorrangig ambulanter Versorgung transformieren können. Alle beteiligten Kostenträger blockieren wirkliche Reformschritte und befürchten Budgetausweitungen. Alle beteiligten Leistungserbringer, egal ob stationär oder ambulant, blockieren wirkliche Reformschritte und befürchten Kürzungen. Warum sollte ein Krankenhaus auch auf Betten zugunsten ambulanter Versorgung verzichten? Das geschieht nicht. Das belegte Bett ist lukrativer. Daher werden immer noch Bettenzahlen erhöht, ambulante Bereiche (finanziert aus der Sozialkasse) weiter ausgebaut. Alles bunt nebeneinander. Das alles kostet irrsinnig viel und wird immer teurer. Darum befördern aber auch Krankenkassen nicht bestehende gesetzliche ambulante Regelversorgungsangebote wie die Ambulante Psychiatrische Pflege (APP) und die Soziotherapie. Diese könnten heute bereits einen großen Teil an Menschen mit einer psychischen Erkrankung in der eigenen Lebenswelt in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzt*innen, den Ambulanzen und den Krankenhäusern versorgen. Das beweisen wir dort, wo es solche Angebote gibt. Da aber ambulante psychiatrische Versorgung nicht dazu beitragen kann, dass stationäre Kapazitäten abgebaut werden, verhindern Krankenkassen flächendeckend diese Leistungen. Die Politik hat hier versäumt, dafür zu sorgen, die Krankenkassen zu verpflichten, diese Angebote so zu finanzieren, dass diese Leistung wirtschaftlich zu erbringen möglich ist. Die Folge ist, dass diese gesetzlichen Regelversorgungsleistungen so gut wie nicht in der psychiatrischen Versorgung vorkommen. Ein Skandal.

Es gibt Schnittmengen der Bereiche. Aber immer noch – und dass 40 Jahre nach der Psychiatrie Enquete! – werden erkrankte Menschen nicht nahtlos und wie aus einer Hand begleitet. Es gilt den stationären Bereich als den eigentlich komplementären Bereich zu etablieren und Betten zu reduzieren. Es gilt dafür zu sorgen, dass „Zentren seelischer Gesundheit“ in den Quartieren geschaffen werden, in denen alle Akteure zusammenarbeiten, es keine institutionellen Hürden mehr gibt und die Menschen, ob erkrankt oder als Angehörige, wohnortnah Beratung und (sofortige) bedarfsgerechte Hilfe erhalten. Es muss zu kostenträgerübergreifenden Budgets kommen und die Leistungserbringer sich in gemeindepsychiatrische Verbünde zusammenschließen. Es ist notwendig, dass Politik beschließt, dass Betten abzubauen sind, dass das damit frei werdende Geld in den Aufbau ambulanter Strukturen fließen muss. Geld ist genug im System. Und, wir sind der Meinung, dass es damit gelänge, die Kosten in den Griff zu bekommen. Alle beruflich Tätigen, die jetzt in den unterschiedlichsten Institutionen beschäftigt sind, wären wahrscheinlich sogar ausreichend für eine gute Versorgung. Warum die Politik so hasenfüßig unterwegs ist, kann nur durch „hervorragende“ Lobbyarbeit und der Angst, bei der Umsetzung wirklicher Reformschritte nicht wiedergewählt zu werden, erklärt werden. Dass das auf Kosten unzähliger Menschen mit einer psychischen Erkrankung geht, scheint dabei vollkommen Nebensächlich. – Helmut Thiede


Leserbrief zu „Behindert Wirecard Ermittlungen?“ von Ingo Malcher

Ihr Autor schreibt unter anderem: „Wirecard ist an einer schnelle Aufklärung interessiert und kooperiere mit den Behörden“. Das kann ich dieser Firma nur raten. Ich lebe auch in Singapur. Auch die Rechtsprechung ist mir weitgehend bekannt. Wenn Wirecard Faxen macht, dann kriegen die in Asien kein Bein mehr auf die Erde. Singapur ist in Asien der Vorzeigestaat. Selbst China richtet sich nach deren politischen und wirtschaftlichen Vorgaben. „Wirtschaft so viel wie möglich, Politik so wenig wie machbar“. Ich bin nicht nur geschäftlich dort tätig sondern wohne in Singapur fast ausschließlich. Seit dem ich in Deutschland festgestellt habe, daß die Sicherheitslage dramatisch abgenommen hat und ein freies Leben kaum noch möglich ist. In Singapur dagegen, einer der wohlhabenden Staaten auf unserem Planeten, habe ich das Paradies gefunden. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Kerstin Bund

Der Vorstoß von Familienministerin Franziska Giffey geschiedene Väter stärker zu entlasten, mutet auf den ersten Blick gerecht an, schafft aber tatsächlich Spielraum für mehr Ungerechtigkeit. Beliebigkeit und Unsicherheit hat bereits die schwammige Reform zum Ehegattenunterhalt gebracht. Konnte die Ehefrau und Mutter bei Scheidung vor 2008 sicher davon ausgehen mit lebenslangem Unterhalt versorgt zu sein, so riskiert sie heute existentielle Not, wenn sie wegen Kindererziehung beruflich aussetzt oder kürzer tritt. Die Frage, ob jetzt im Einzelfall doch noch Unterhalt gezahlt werden muss, in welcher Höhe, und wie lange läßt selbst Anwälte, angesichts des dünnen rechtlichen Rahmens, ratlos zurück. Verlässliche Zahlen im Scheidungsfall bietet bisher nur die Düsseldorfer Tabelle, welche je nach Einkommen die Höhe des Kindesunterhaltes festlegt. Werden diese Zahlen nun durch mehr oder weniger Betreuungsanteil des Vaters aufgeweicht, dann verkommt das Scheidungsrecht immer mehr zum Roulette Spiel.

Die Mutter könnte sich etwas einfallen lassen, um dem Vater das Umgangsrecht zu verweigern. Der Kindesunterhalt bliebe ihr somit in voller Höhe erhalten, und der Vater hätte erstmal das Nachsehen. Der Vater könnte, um Unterhalt zu sparen, das Kind bei sich zu Hause „parken“, obwohl er die Zeit nicht dort, sondern im Büro verbringt. Vor allem, wie soll diese Regelung in der Praxis umgesetzt werden? Reicht tatsächlich schon das Kinderzimmer beim Vater, um den Unterhalt entsprechend zu kürzen? Und wenn ja, um wieviel? Oder muss das Kind eine bestimmte Anzahl von Tagen verlässlich vom Vater betreut werden, damit er Unterhalt spart? Und soll die meist schlechter verdienende Mutter das Kinderzimmer untervermieten, um die Fixkosten aufzufangen, während das Kind beim Vater ist? Darf sie trotz gekürzten Unterhalts die Hobbies für das Kind finanzieren?— Dieser Vorstoß von Familienministerin Giffey ist nicht durchdacht, sorgt für mehr Ungereimtheiten und Streit-Potenzial, als dass er Klarheit schafft. – U. Hansen-Andresen


Leserbrief zu „Heimat. Was bedeutet sie heute?“ von Bruno Latour und Mark Lilla

Die beiden Autoren Bruno Latour und Mark Lilla, die über den Begriff Heimat streiten, haben das Grundproblem nicht begriffen oder wollen es nicht begreifen. Mir ist bei einem kürzlich gehaltenen Vortrag von Ulrich von Weizäcker wieder einmal bewusst geworden, dass das übermäßige Wachstum der Menschheit unweigerlich zur weitgehenden Zerstörung des schönen Planeten Erde und damit der jeweiligen Heimat führen wird. Alle Anstrengungen zur Erhaltung der Natur laufen ins Leere, wenn die Menschenproduktion weiter so anhält. Die aktuellen Kriege sind nichts weiter als Kämpfe um Ressourcen, seien es Nahrungsmittel, Wasser, Rohstoffe oder Bildung, ungeachtet der Machtspiele und Religionskonflikte. Menschen wandern aus, weil sie bessere Lebensbedingungen, suchen. Sie geben ihre Heimat auf ohne zu wissen, ob sie eine neue finden werden. Die Bewohner der aufnehmenden Länder verlieren ihre Heimat, weil sie plötzlich das Gefühl haben, in einem fremden kulturellen Umfeld zu leben mit Einflüssen, die aus dem Mittelalter stammen (Ehrenmorde, Beschneidung, Schächtung, ausgerottete Krankheiten et.). Von der Politik wird das Thema tabuisiert. Die westlichen Staaten haben Angst als Kolonialisten zu erscheinen. Die geradezu explodierenden Entwicklungsländer nutzen ihr Bevölkerungswachstum zur Erpressung der entwickelten Staaten. Besserung ist nicht in Sicht. – Hans Spichalsky


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Bei der vielfältigen Charakterisierung Hindenburgs fehlt eine wichtige Facette. Als 1918 nach der schweren deutschen Niederlage an der Westfront klar war, dass ein Waffenstillstand unvermeidlich ist, wäre es vorrangige Pflicht, ja, Ehrensache, der Obersten Heeresleitung gewesen, ihn zu unterzeichnen und damit die Verantwortung für das militärische Desaster zu übernehmen. Doch statt ihrer stand dem Oberbefehlshaber der Alliierten, Foch, Marschall von Frankreich, ein Staatssekretär ohne Portefeuille, Matthias Erzberger, im Wald von Compiègne gegenüber. Offensichtlich feige scheute sich Hindenburg, diesen demütigenden Akt zu vollziehen. – Dr. Eugen Schmid


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Wieso müssen? Wir dürfen!!! Und das als Zeichen dafür, dass wir gesunde Frauen sind! Ich finde es zum Fremdschämen peinlich, dass eine Frau ihr Frausein in einer solchen Weise abqualifiziert! – Ingrid Dormann


Leserbrief zu „Großer Zapfenstreich“ von Jörg Kramer

Joachim Löw und die Liebe zu seiner Noch-Ehe-Frau, und die Liebe zum Fußball! Löw ist ein Fußballweltmeister-Trainer und der Hüter eines Sackes gefüllt mit „super-schwer-reichen“ Mimosen, auch als Profi-Fußball-Spieler bestens bekannt! – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „»Ihr Auto wurde gehackt! Zahlen Sie!! Oder Ihre Bremsen versagen!!!« Die neue Bedrohung?“ von Anja Reiter

„Derzeit sterben weltweit Hunderttausende Menschen pro Jahr, weil sie betrunken oder übermüdet hinter dem Steuer sitzen“, sagt der Maschinenethiker Matthias Uhl von der Hochschule für Politik in München, und er fügt hinzu, dass autonomes Fahren die menschliche Fehlbarkeit als Risikofaktor ausschalten oder zumindest verringern könne. – Das war wohl ernst gemeint, daraus lässt sich aber schließen, dass künftig die Betrunkenen und Übermüdeten oder sonst Fahruntüchtigen in ihr Auto steigen, das Ziel womöglich per Knopfdruck eingeben, und autonom dorthin gefahren werden. Dies wird als eine humane Absicht verkauft, obwohl es eher in „Moderne Zeiten“ von Charlie Chaplin passen würde. Im Übrigen dürften derartige Autos, wenn es sie überhaupt einmal gibt, für die Hunderttausenden kaum erschwinglich sein, sondern nur von denen, die sowieso Oberklasse fahren. – Dr. Harald Boehme


Leserbrief zu „Der Habgierige“ von Karoline Kuhla-Freitag

Vielleicht stehen des Nachts beim Schein der Kerze, ein Donald Trump oder auch der Dagobert Duck, Onkel von Donald Duck (beide ihres Zeichens Zeichentrickenten) auf. Kontrolle ist dann doch viel besser. Wer einmal bunkert, der könnte auch öffers bunkern, der könnte auch dem „Bunker-Habgier-Adel“ angehören. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „»Stellen Sie sich vor, man würde erlauben, Hunde betäubungslos zu kastrieren«“ von Merlind Theile

Das Interview mit Herrn Bülte erzeugt in Teilen ein sehr verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Die Verlängerung der Frist für die betäubungslose Kastration war notwendig, weil einfach keine praxistauglichen Verfahren zur Verfügung standen. Anders in den Niederlanden und in Dänemark, wo die Landwirte mit örtlicher Betäubung arbeiten können. Übrigens mästen die deutschen Landwirte schon seit Jahren soviel Eber, wie der Markt aufnimmt. Zum Thema Kastenstände muss man wissen, dass nach aktueller Rechtslage die Sauen zwar bis zu ca. 3,5 Monate im Jahr eingesperrt werden dürfen, jedoch diese Zeit sich in etwa fünf Phasen aufteilt. Das ist in der Säugezeit, um ein Erdrücken der Ferkel zu minimieren und Sie müssten mal den Angriff einer Sau beobachten, die frisch geferkelt hat. Außerdem sperrt man die Tiere zu Beginn der Trächtigkeit für zwei Wochen ein, um Schäden durch Rangordnungskämpfe zu vermeiden. Dazu kommt, dass Kastenstände so konstruiert sind, dass die Schweine die Beine unten zur Seite ausstrecken können, sonst könnte kein Ferkel säugen. In der Zeit, in der die Tiere in der Gruppe gehalten werden, kann man beobachten, dass sie sich gerne zum Schlafen dicht zusammenlegen, es sei denn, die Umgebungstemperatur ist zu hoch. – Franz Georg Große Böckmann


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Ich habe selten – wahrscheinlich noch nie – einen derart überflüssigen und peinlichen Artikel gelesen. Der Tenor passt in die gegenwärtig zu erlebende Perfektionierungswelle. Der Zeitgeist der Selbstoptimierung nimmt absurde Ausmaße an, nicht nur in der Schönheitschirugie inclusive Schamlippenkorrektur und Penisvergrößrung – jetzt soll es sozusagen auch an eine Zurichtung gehen, die als Entlastung und verheißungsvolle Befreiung getarnt daherkommt, nie mehr bluten. Für die Autorin gilt offensichtlich, dass der Mensch infrage gestellt wird und nicht die Umstände, die er sich selbst geschaffen hat. Sie erkennt nicht, dass sie sich als ein Opfer der Biologie stilisieren möchte, sich jedoch mit jedem ihrer Worte selbst als ein williges Lamm inszeniert, dass freiwillig der Schlachtbank der Äußerlichkeiten, der „Alles ist machbar“ Ideologie entgegenstrebt, unreflektiert, nicht willens oder fähig, Konsequenzen in den Blick zu nehmen und so die eigene Körperlichkeit preisgeben möchte. Was spricht denn dagegen sich blutend ein zwei Tage zurück zu ziehen und Ruhe und Gelassenheit zu üben, sich Umstände zu schaffen, die angenehm und gesundheitsfördernd sind, sich und den eigenen Körper als eine Gegebenheit annehmen und lieben zulernen?

Sind diese körperfeindlichen Wertehaltungen, die sich inzwischen vermehrt Selbstverständnis zu verschaffen suchen nicht Ausdruck einer wahnhaften Ablehnung der eigenen Körperlichkeit und ihrer Entäußerungen und enden sie nicht in Störungsbildern, die manchmal sogar tödlich enden? Der gesellschaftlich konditionierte Umgang mit der monatlichen Blutung, die patriarchale Zuschreibung angeblicher Unreinheit durch Menstruationsblut, die kulturelle Ausgrenzung von Frauen, die bluten, sind Zumutungen für jede Frau und jedes weibliche Wesen, die jedoch etwas aussagen über unsere gesellschaftliche Realität. Diese zu hinterfragen, fällt der Autorin nicht ein, statt desssen lese ich naive Verharmlosung in bezug auf die wissenschaftlich erwiesenen gesundheitsschädlichen Folgen der Antibabypille und weiteren Unfug, auf den jetzt weiter einzugehen ich mich weigere, weil ich mich kopfschüttelnd frage, ob sie zuviel Hormone gelutscht hat. Ich werde meine Zeit nicht mit so schlecht recherchierten Artikeln vergeuden und tendenziöser, allein einem vermeintlichenen Mainstream verpflichteter unkritischer Berichterstattung, die leider gar nichts vom Feminismus verstanden hat. Statt dessen: mein Blut zu spüren, das Pulsieren, die Lebendigkeit, die Körperlichkeit, die Sinnesfreude, die ganze Palette, mal angenehm, mal schmerzhaft, so wie das Leben! – Susanne Krug


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Verkörpert der Feminismus im Jahr 2019, dass die Frau zu etwas stilisiert wird, weil sie es aus praktischen Gründen sein soll? Ein Instrument, das zu funktionieren hat? Oder bedeute es, die Frau in ihrem gesamten Dasein endlich (!) zu akzeptieren und zu respektieren?! Ergo, auch ihre regelmäßige Blutung als einen ganz selbstverständlich Teil der weiblichen Körperlichkeit zu begreifen? Die Emanzipation der Frau – die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit, die Erlangung der Selbstständigkeit – gerade darauf stützen zu wollen, die Frau in die nächste Abhängigkeit zu stürzen, ist absurd. Möchte ich mich wirklich über die Einnahme oder Einsetzung von Hormonpräparaten definieren? Ist es Sinn und Zweck den Fehler wieder bei der insofern <<intakten>> Frau zu suchen? Oder besteht nach reiflicher Überlegung nicht doch die winzige Möglichkeit, dass eben jene, die die Frau als blutende Unreinheit diffamieren – wie leider auch die Autorin – zur Raison aufgerufen sind? Die Autorin nimmt sich selbst und all jene, die sie versucht zu erreichen, die Möglichkeit ihr Frauen-Dasein zu erleben. Eine Frau, die unter hormoneller Substitution steht, erfährt keinen Eisprung. 10, 15, 20 Jahre gehen ins Land, ohne, dass der weibliche Körper den natürlichsten aller Vorgänge durchlebt: Den Eisprung. Im Schoß der Menschheit herrscht Grabesstille. Und das in vielen Fällen bereits bei jungen Mädchen. Bemerkenswert, wenn man meint, dies sei ein erstrebenswerter Zustand. Männer hingegen dürfen feucht fröhlich und vorbei an jeder Diskussion weiter ihr Fruchtbarkeitsserum – Sperma, Ejakulat, genauer: die Flüssigkeit, die sich aus tendenziell nicht-emanzipatorischen Gründen ganz häufig auf dem Gesicht einer Frau wiederfindet – verteilen. Gab es jemals schon mal die ernsthafte Bestrebung dagegen eine Pille zu entwickeln? Ich hoffe, in der nächsten Ausgabe wird das hier provozierte Missverständnis mit einem Augenzwickern aufgelöst. Anderenfalls könnte man den Artikel auch gleich in der Rubrik „Wirtschaft“ veröffentlichen. Denn die einzigen nachhaltigen Vorteilsnehmer sind die Pharmakonzerne. Na Glückwunsch! – Stella Tönnessen


Leserbrief zu „Regie aus der Ferne“ von Florian Zinnecker

Die Oper Nabucco ist beeindruckend und auch bedrückend. Ich möchte hier meine Wertschätzung gegenüber dem Initiator Kirill Serebrennikow ausdrücken. Seine inszenatorische Arbeit ist hervorragend. Mein Respekt gilt, vor allem, auch den Flüchtlingen auf der Bühne. Die politischen Aussagen treffen zu. Besonders in unserer heutigen rechtslastigen Zeit, der Wiedererstarkung von Machtgruppierungen und des Nationalismus ist es wichtig Aufklärung zu betreiben. In Bezug auf die Machtgruppierungen trifft das auch auf die Arbeitgeber zu und solange wir keine Solidarität zeigen wird alles beim alten bleiben. Der Text des Gefangenenchors betrifft im übertragenen Sinne uns alle. Ich hoffe, dass Nabucco noch länger aufgeführt wird und, dass damit auf Tournee gegangen wird. – Gisela Neussert


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Wie großartig – endlich sagt es mal jemand (anderes als ich)! Seit Jahren gehe ich als selbsternannte Menstruationsgegnerin durch die Welt, ernte von meinen Gynäkologinnen dafür eher Zuspruch, das Auf-und-Ab der Hormonzufuhr sei gar nicht so wünschenswert und die Pillenpause ohnehin reine Willkür. Wenn ich die frohe Botschaft aber in die Welt trage, finden andere menstruierende Menschen das eher befremdlich, teils weil sie sich aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen mit ihrer Periode so gut verstehen (aber dann doch nicht gleich jeden Monat?!?), vor allem aber auch, weil sich eine tiefe Skepsis gegenüber hormonellen Verhütungsmitteln breit gemacht hat, besonders gegenüber der Pille. Auch Menschen, die keine spürbaren Nachteile beim Pille-Einnehmen haben, finden es plötzlich hip, sie abzusetzen. Davon möchte ich niemanden abhalten, mir selbst scheint die viele negative Pillen-Publicity etwas weit gegangen zu sein – ich jedenfalls liebe meine Pille, habe durch sie keine erkennbaren körperlichen oder psychischen Probleme und werde sie für keinen noch so naturverbundenen Trend hergeben!

Ergänzend zu Ihrem Artikel habe ich jedoch auch eine schlechte Nachricht: Das mit dem Nicht-Bluten-Müssen ist leider nur die halbe Wahrheit. Die gut zehn Jahre, in denen ich die Pille nun „durchnehme“, hat es kein einziges Mal länger als drei Monate funktioniert. Dann kommt es zu Schmierblutungen, die nur durch eine Pillenpause beendet werden können. Ggf. kann ich eine Weile zwei Pillen pro Tag nehmen (Empfehlung meiner Ärztinnen), irgendwann lässt es sich aber nicht mehr aufhalten, keine*r weiß, warum eigentlich). Dass sich überhaupt keine Schleimhaut mehr aufbaut, ist wunderbar für Sie, trifft aber leider nicht auf alle zu. Deshalb bleibe ich auch bei der Pille und steige nicht etwa auf die eigentlich praktischere Spirale um, denn auch diese kann mir keine Periodenfreiheitsgarantie geben und mit der Pille kann ich immerhin flexibel reagieren. Im Übrigen bin ich ein großer Fan des Menstruationsbechers! Da ich unfreiwillig nicht ganz menstruationsfrei bin, habe ich vor einigen Jahren eher aus ökologischen Gründen damit angefangen und finde heute, dass er mit Abstand das beste Utensil für diese beknackte Zeit ist. Mit keinem einzigen Anderen kann ich zumindest phasenweise so gut vergessen, „meine Tage“ überhaupt zu haben. Und das ist ja mein oberstes Ziel. Ich hoffe, Sie verzeihen mir, falls meine Ausführungen etwas explizit waren. Ich möchte aber die Gelegenheit unbedingt nutzen, meine vielen eigenen Erfahrungen zu dem Thema zu teilen, da diese so abweichen von Ihren. Und wie sie ja so treffend feststellen, redet ja sonst kaum jemand über die Angelegenheit und die eigentlich zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Gerade deshalb schien mir ein Austausch wichtig – von Menstruationsgegnerin zu Menstruationsgegnerin! – Noelle O’Brien-Coker


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Die Klimaveränderung ist für mich offensichtlich und diese Wahrnehmung wird durch die Wissenschaft sehr glaubwürdig unterstützt. Dass diese Veränderung menschengemacht ist, ist extrem wahrscheinlich. Die streikenden Schüler und Schülerinnen haben also meine absolute Sympathie. Trotzdem gibt es zwei Argumente für die Sanktion der Freitagsproteste, von denen eines eigentlich schon ausreichend ist.
1. Der Termin ist ja gerade so gewählt, dass er maximale Aufmerksamkeit gewährleistet und den Protesten ein besonderes Gewicht verleihen soll, das ist gut. Wenn aber die Sanktionen ausbleiben, ist es bestenfalls nicht mehr als eine normale Demonstration.
2. Wer auch immer über mögliche Sanktionen entscheidet, entscheidet auch über „gute“ und „schlechte“ Demonstrationen und verletzt damit die Neutralitätspflicht. Wie soll das weitergehen? Entscheidet dann die jeweilige Schule, der Regierungspräsident oder die Landesregierung, ob es richtig oder falsch, gut oder schlecht ist, während der Unterrichtszeit für oder gegen Etwas zu demonstrieren?
Die nicht besuchten Unterrichtsstunden müssen also genau so als unentschuldigt gewertet werden, wie bei jedem anderen Grund und die Konsequenzen müssen auch die gleichen sein. Also liebe Schülerinnen und Schüler: Demonstriert weiter, aber nehmt auch die Konsequenzen in Kauf. Oder: Setzt euren Sonnabend dafür ein! – Wolfgang Gehrich


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Wir sind enttäuscht. »Amateure, Marionetten, Anfänger, Laien« – so werden wir Schülerinnen und Schüler bezeichnet. Doch sprechen wir gemeinsam ein ernstes gesellschaftspolitisches Thema, den Klimawandel, an. Unsere Forderung ist glasklar und alle haben sie verstanden: die Welt braucht stärkere Maßnahmen gegen den Klimawandel, und zwar jetzt. Wenn man uns fragt ist nur Aufmerksamkeit generieren schon lange nicht mehr Ziel der Schülerproteste – sondern viel mehr die Entwicklung einer konsequenteren Kilmapolitik seitens der Bundesregierung. »Mutig, engagiert, kreativ, jung, informiert« – so würden wir uns selbst beschreiben. Danke, dass Sie die #fridaysforfuture-Bewegung angesprochen haben. – Noah Triller und Yussef Hussain


Leserbrief zu „Der Habgierige“ von Karoline Kuhla-Freitag

Mit Freude habe ich den Artikel von Karoline Kuhle-Freitag über das wenig bekannte Rembrandt-Bild in der Berliner Gemäldegalerie gelesen und mich dabei immer wieder in das abgebildete Gemälde begeben, eine Antwort auf die von der Autorin gestellte Frage suchend: Wer steht nachts auf, um im Kerzenschein eine Münze zu betrachten und warum? Dass wir hier nicht den reichen Bauern aus dem Lukasevangelium vor uns haben: d’accord! Die Deutung, es handle sich bei dem sympathischen Alten um einen vom Gelde besessenen Habgierigen, „der seinen Reichtum bunkert“, kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Ich sehe einen Altertumswissenschaftler und Münzsammler vor mir (einen frühen Kollegen unserer verehrten Sibylle Mertens-Schaaffhausen – und nicht von Donald Duck), der mit zärtlichem Interesse einen Gegenstand seiner Forschung betrachtet. Die „Rechnungsbücher, Wechsel- und Schuldscheine“ sind meines Erachtens Folianten mit gelehrten Schriften und gebündelte Manuskripte. Ja, so ist das nun einmal bei guten Kunstwerken: sie sind offen für verschiedene Deutungen. Mein Vorschlag: Wäre es nicht ein reizvolles neues „Format“, wenn die ZEIT (ich denke dabei an „Z“) wenig bekannte und interpretierte Kunstwerke abbildete und unterschiedliche Auffassungen der Leser dazu abdruckte? – Ludwig Engstler-Barocco


Leserbrief zu „Die Wutmacher“ von Christian Fuchs und Paul Middelhoff

Das liest sich nicht schlecht. Es ist überfällig, daß die Rechten die Politik der Linken konterkariert. Und das auf eine kluge Art und Weise. Es kommt nicht auf die Masse an, um seinen populistischen Unmut unter die Leute zu bringen. In der Sache liegt die Qualität. Und die gefällt mir sehr gut. Deswegen muß nicht die Demokratie aufgegeben werden, was ohnehin, bis auf die Nazispinner, keiner will. Sie muß aber reformiert werden. Die öffentliche Sicherheit, Recht und Ordnung ist in Deutschland verloren gegangen, das kann ja wohl ernsthaft keiner wollen. Die Flüchtlingspolitik ist und war ein Jahrhundertfehler. Ein vernünftiger Mensch stellt das auch nicht infrage. Die Integration von Muslimen ist ebenso ein Kardinalfehler. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Auch hier kann man therapieren“ von Stefanie Kara

Da haben Sie sich was eingebrockt mit Ihrem Artikel in der letzten ZEIT ! Ich werde Sie bombardieren mit Leserbriefen. Bombardieren werde ich Sie mit meiner Wut. Immer hübsch einzeln verpackt jedes Detail. Und wenn’s nicht ganz das Thema d i e s e s Artikels trifft – sei‘s drum. Weil – da betrachte ich mich inzwischen als Profi: Weil ein grundlegender Wandel in so ziemlich j e d e r Beziehung nötig ist. In der Psychiatrie meine ich natürlich.. Am Beginn meiner erneuten Gefangenschaft, Herbst/Winter 2015/2016 haben wir noch miteinander telefoniert. Damals war mein Denken, gerade erst der Knechtung durch Chemie entronnen, noch etwas sprunghaft und ungeordnet. Es braucht halt alles seine Zeit. Auch Entwöhnungen aller Art. Noch bin ich der Gefahr, mich zu verwirren, nicht ganz Entronnen. Drum: Immer hübsch eins nach dem anderen. Darf ich Ihnen ein paar Päckchen, die ich seit Langem mit mir trage, vererben? Sie werden dann schon sehen… Erster Geschichte: November 1982: Völliger Zusammenbruch aus guten Gründen. 3 Tage später zum – neuen und unbekannten – Hausarzt mit Magenproblemen. Sofort zum Facharzt überwiesen. Dort um Vermittlung einer Analyse gebeten. Weil sie das letzte Mittel schien. Sofort und ohne Zögern ablehnende Antwort. Gibt’s nicht. Geht nicht. Also: Labern. Der Herr Doktor Psychiater, so etwa mitteljung, kam mir, mit verschränkten Armen hinter dem Schreibtisch in Sicherheit gebracht: Kam mir bald s p ö t t i s c h, m o k a n t, gar f r o z z e l n d. Daß ich monatelang, Sommer wie Winter, nur mit einer Jacke um die Schultern gelegt oder einer großen Stola, im Wartezimmer saß bzw. mich überhaupt auf die Straße traute, so schutzlos preisgegeben —- war ihm das denn wirklich nicht aufgefallen ? Geholfen haben/hat damals weder dieser Arzt noch die Familie, sondern meine Mitbewohnerinnen und…. Menschen, die sahen, erkannten und handelten. Meist ohne viel Worte. Und, ich muß es sagen: Das waren oft Ausländer. Südländer vor allem. Wenn ich zuhause so gar keinen Bissen runterkriegen konnte, ging ich essen. Damals gab es auf der anderen Seite der Kieler Straße, kurz vor der Volksparkstraße, in einem großen Gebäude im ersten Stock ein italienisches Restaurant: Ich betrat, ganz weggetreten, das Lokal. Einer dieser jüngeren gewandten italienischen Kellner kam auf mich zu, geleitete mich zu einem freien Tisch. Ein kurzer prüfender Blick hatte ihm genügt. Bestellung, Getränke- und Essens-Service, Rechnung, Bezahlen, alles gesammelt und ohne ein überflüssiges Wort. Nach dem Essen, während ich so verloren dasaß, kam, unaufgefordert der Kellner, stellte ein kleines gefülltes Glas vor mich hin. Ein kurzer, erst fragender, dann prüfender Blick als Antwort auf mein Nicken: Ein Blick, in dem Vieles war, außer schalem Mitleid: „Ich weiß, ich seh’s ja. Da, nehmen Sie. Das wird Ihnen gut tun“. Das etwa sagte der kurze Blick. Im Glas war ein Likör, weich und brennend, und so, wie er serviert wurde, hilfreich und genau das Richtige in dem Moment. Damit mir aber nun nicht Inländerfeindlichkeit nachgesagt werden kann, noch ein anderes Erlebnis aus dieser GrauZeit. Nennen wir‘s „Stuttgart 84“: Es wird wohl schon im Jahre 1984 gewesen sein, als ich mich traute, mal wieder einen Besuch zu machen bei weiter ent-Fernter Verwandtschaft. Ich fuhr von Hamburg nach Tübingen. Mit der Bundesbahn. Stuttgart Hauptbahnhof umsteigen. Eine Stunde Aufenthalt. Im Bahnhof gab es eine Wirtschaft. Da ging ich rein. Große hölzerne Tische, alles eher ländlich, aber gemütlich und zur Einkehr ladend. An einem großen runden Tisch saß nur eine Frau. Eine kräftige, robuste, gestandene Württebergerin. Auf eine Blick erkennbar, daß sie hierhin gehörte, in diese Gegend. Ich setzte mich dazu an diesen Tisch. Nein, nicht neben sie, nicht daneben, b l o ß nicht z u viel Nähe, das hätte ich damals Nicht verpackt. Versunken trank ich meinen Kaffee. Nahm sonst nichts wahr. Auf einmal eine Stimme, die Stimme der Dame gegenüber: „Ei saget se mal, gucket se immer so traurig ?“ Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe oder ob ich überhaupt etwas geantwortet habe. Aber irgendwie… tat es in diesem Moment gut, so o w a h rgenommen zu werden. Von einer gestandenen Frau, die selber sicher nicht zimperlich war. Das war „Stuttgart 84“. Als in der vorletzten „Anstalt“ das Thema „Stuttgart 21“ behandelt wurde, – da mußte ich an dieses 35 Jahre zurück Liegende Erlebnis denken. Ich weiß nicht, wie es heute aussieht auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Diese Wirtschaft, wo Menschen sich begegnen Konnten, – die wird es wohl nicht mehr geben. Ich hatte „Stuttgart 21“ aus den Augen verloren. Diese Sendung mit Max Uthoff und Claus von Wagner vor ein paar Wochen Hat mir alles wieder sehr grausam in Erinnerung gebracht. Fassungslos war ich. Fassungslos. (Und die, die d a s verbrochen haben, – die laufen noch frei rum ? Und werden gut bezahlt nach wie vor ?) (Und i i ich ?) (Das krasse Gegenteil. Dabei habe und hatte ich nichts verbrochen:) Aber das, sehr geehrte Frau Kara, dieses Thema gehört wohl in ein anderes Ressort der ZEIT. Was ich mit diesem ersten Päckchen, das ich nun an Sie losgeworden bin, im Grunde nur sagen wollte, ich psychiatriegeschädigte, ist, daß in der Psychiatrie, so wie i c h sie erlebt habe, die einfache zugewandte Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Die einfache, zugewandte Menschlichkeit, die mit wenigen Worten, mit einer Geste, immer aber mit Hinwendung Ein zerbrochenes Rückgrat wieder ein wenig stärken und aufrichten kann, die Zuwendung, die einfache, die Selbstheilungskräfte in Gang setzen und einem den Glauben an die Menschheit wieder geben kann. Was da alles vertan wird in der Psychiatrie statt dessen – davon ein andermal. – Beate Schwärzler


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Super was ihr Freitags so macht, aber- vergiss es: Die meisten Erwachsenen(Männer) haben keinen Bock auf Auto, Fernreisen, 7x/Woche Fleisch, XL-Konsum, Stress und das Verschleudern von Geld und Ressourcen zu verzichten. Wozu auch? Nach Jahrzehnten des Easy Erdöl/Atom Luxus bekommen wir unseren Hintern einfach nicht mehr hoch. Weil wir keine Lust dazu haben, wir sind faul und bequem, haben die besseren Ausreden und sind wenig an der Zukunft interessiert. Was also Freitags machen? Weitermachen! Brüllen! Widerstehen! – Christof Endl


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Geschichtsbewusstsein entsteht nicht durch die Beseitigung des Alten, sondern eher durch die Errichtung von Neuem neben dem Alten! Durch Kontrapunkte. Das gilt auch für Straßennamen. Die Umbenennung von Straßen, die nach belasteten Ikonen benannt sind, fördert das Vergessen. Es werden keine Alternativen zu dem von dem von den Hindenburgs bestimmten Geschichtsverlauf sichtbar. Im Falle des nach der SPD-Ikone Kopf benannten Platz vor dem Landtag in Hannover hätte man besser den Namen belassen – und v-a-vis vom Namensschild jüdische Grabsteine platziert. In Erinnerung daran, dass Kopf im Laufe seiner Karriere jüdische Grabsteine vertickt hatte, und so auf wunderbare Weise deutlich machend, um welchen Preis Kopf &Co. den Lauf unserer Geschichte bestimmt haben. – Klaus E. Margraf


Leserbrief zu „»Diese Sache ist wirklich verrückt!«“ von Marc Brost und Mark Schieritz, zu „Auch hier kann man therapieren“ von Stefanie Kara und zu „»Wir arbeiten oft mit Mitteln von gestern«“ von Stefanie Kara

Was Herr Bregman in diesem Interview zum Ausdruck bringt, spricht mir aus der Seele. Ich habe mir ergänzend zu dem Interview auch Videos von ihm bei You Tube angesehen und finde seine Gedanken zu dem bedingungslosen Grundeinkommen und zum Begriff der Arbeit absolut überlegenswert. Dies gilt auch besonders für Menschen mit einer Behinderung. Zum Beispiel könnten viele, die unter einer psychischen Erkrankung leiden, durchaus wertvolle Beiträge für die Gesellschaft leisten, wenn nicht die ganze Energie durch umständliche Antragsverfahren und Wanderungen durch den bürokratischen Dschungel gebunden würde. Zu der stigmatisierenden Krankheit und der heute im Alltag noch weithin nicht umgesetzten Inklusion, kommt dann auch noch die Armut mit ihren schlimmen Folgen. So kann man nicht gesund werden und auch keinen produktiven Beitrag für die Gesellschaft leisten. Ich finde auch, dass höhere Steuern für die Reichen kommen müssen und man eine Verbesserung der Situation benachteiligter Menschen nicht der Wohltätigkeit der Reichen überlassen darf. – Monika Bröder


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Ich bin 65Jahre alt und habe Kinder und Enkelkinder. Mit 14 Jahren habe ich gegen die Notstandsgesetze demonstriert, danach gegen den Vietnamkrieg. Mit 17 Jahren habe ich im Englischunterricht das Wort„ Pollution“ Umweltverschmutzung, zum ersten Mal gehört. Dies zu einer Zeit, als für unsere Generation Autofahren, ein altes Auto haben, Freiheit und die „Welt erobern“ bedeutete. Mit kleinen Kindern haben mein Mann und ich die Tschernobyl-Katastrophe mit den fallout-Auswirkungen versucht zu überstehen. Wir habenversucht umweltbewusst zu leben und sind dem Glauben aufgesessen, dass viele Leute an vielen Orten etwas verändern können , wenn sie sich bewusst verhalten dann kann die ökologische Katastrophe verhindert werden …In der Zwischenzeit bin ich sehr wütend und ohnmächtig, wenn das Pariser Klimaabkommen scheitert, wenn weiter Kohle abgebaut wird, weiter der Straßenbau mehr favorisiert wird als die Umstellung der Güter auf die Bahn. Es gibt in der Zwischenzeit keine Partei mehr, die meine Interessen vertritt. Aus Verzweiflung habe ich in den letzten Jahren Die Grünen gewählt, wohl wissend, dass sie sich und ihr Programm ganz häufig verraten und einknicken und sich an die anderen Parteien anpassen. Ich bin sehr froh, dass die Schüler auf die Straße gehen.

Gemeinsam haben wir die Wut und die Ohnmacht gegen die Übermacht der wirtschaftlichen Interessen. Ich verstehe ihre Anklagen. Ich möchte es jedoch differenziert wissen. Ich möchte nicht in einen Topf geworfen werden, mit denen, die seit 50 Jahren, trotz der ersten Studie des „Club Of Rome“ die Stellschrauben gedreht haben, für die Ausdünnung des öffentlichen Nahverkehrs und die enormen Stilllegungen von Schienennetzen in den ländlichen Gebieten. Was nützte mein Engagement? Gegen die Autolobby kommen meine Ideen nicht an. Meine Versuche wurden systematisch sowohl aus wirtschaftlichen, als auch aus politischen Machtmotiven unterdrückt . Was nützt es, wenn ich ein kleines Auto fahre, wenn mein Nachbar mit seinem Diesel SUV-Panzer weiter fahren darf, weiler es sicher und schick findet und weil die Autolobby immer gewinnt. Was nützt es, wenn die Tourismusbranche ihre Urlaubsziele nicht auf Nachhaltigkeit hin entwickelt ?Es gibt so sehr viele Beispiele, in denen die Bemühungen für Nachhaltigkeit einfach außer Kraft gesetzt werden. Ich wünsche mir in den Diskussionen eine vertiefende Differenzierung. Wo gehe ich hin ,mit all der Ohnmacht, die ich verspüre? Ich werde vielleicht noch 20Jahre leben. Meinen Kindern und Enkelkindern gegenüber fühle ich mich manchmal schuldig und beschämt und gleichzeitig weiß ich, dass ich so vieles versucht habe und darin ohnmächtig gemacht wurde

Ich wollte es anders und ich bin ein Teil von denen, die die Zerstörung mit verursachen. Und ich befürchte, dass es vielen Erwachsenen in Europa ähnlich geht .Ich sehe den Zustrom zu den rechten Parteien auch als einen Ausdruck ohnmächtiger Wut, um diesen Protest zum Ausdruck zu bringen. Das füllt die rechten Parteien . Und das ist ganz sicher nicht das was ich eigentlich wünsche. Ich wünsche mir Politiker, die auf die Studien des „Club of Rom“ hören und auf den Protest der vielen Wissenschaftler, die die Proteste der Schüler bekräftigen und Politiker, die die Bewegung ernstnehmen. – Angelika Pannen-Burchartz


Leserbrief zu „Unterwegs in weinroter Pracht“ von Andreas Bernard

Seit Anfang des Jahres pendele ich aus Berlin mit dem Prag-Express zur Arbeit – und ich kann Ihre Begeisterung über frisch gezapftes Bier, Serviettenknödel und den exzellenten Service an Bord nur teilen. Allerdings: bei der Stelle wo Sie sich das Fehlen von nervigen „Agenturmenschen“ freuen, musste ich lachen. Und Sie enttäuschen: Optimist ist eine internationale Kreativagentur und fast immer sind Berliner Kollegen an Bord. Der einfache Grund warum Ihnen unsere Meetingdetails erspart bleiben: mit vollem Mund lässt sich so schlecht reden. Vielleicht ein Konzept für mehr Harmonie im ICE zwischen Hamburg und Berlin? Nachahmenswert wäre übrigens auch das blitzschnelle und unbegrenzt nutzbare Zug-WLAN, sobald der Zug die tschechische Grenze überschritten hat.
p.s. Haben sie schon mal den warmen Apfelstrudel mit Vanillesoße probiert? – Peter Stephen Blass


Leserbrief zu „Angstbeißerei“ von Fritz Habekuss

Erst kommt der Hund, dann der Syrer, die ganz große Liebe aber gebührt dem Wolf! Leider lebt Sigmund Freud nicht mehr, der könnte uns vielleicht die psychischen Hintergründe hinter diesem seltsamen deutschen Geist erklären. Die Wolfsliebe in Hamburg, in der sich bislang kein Rudel hat sehen lassen. Wer dagegen tote Schafe sieht, vom Wolf blutrünstig, im Blutrausch zu Tode gebissen, sieht das ein wenig anders aus. Der deutsche Fritz sollte vielleicht mal eine Reportage aus der Herde schreiben, nicht einfach falsche oder schwachsinnige Argumente runternudeln: In Europa hat der Wolf seit Jahrzehnten keinen Menschen mehr angefallen? Bitte nachfragen in den Karpaten, falls die noch zu Europa zählen. Eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes? Der Wolf spielt eine entscheidende Rolle im Ökosystem?? Die Ökologie braucht vielleicht mehr Insekten, sie sollte endlich die große Versöhnung mit der Landwirtschaft hinkriegen, der Wolf ist dabei so überflüssig wie ein Kropf. Die Schäfer sind praktisch einverstanden? Was bleibt ihnen denn übrig, wenn die grünen Medien landauf landab den Wolf feiern. Immerhin notiert Herr Habekuss auch eine richtige Zahl: 1600 Nutztiere wurden im vergangenen Jahr von Wölfen gerissen, insgesamt gab es 472 Attacken. Damit sollte alles gesagt sein, aber für die ZEIT offenbar nur eine Lappalie. Den Leuten vom Land bleibt da die Spucke weg… – Dr. Rudi Holzberger


Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Ich wollte Ihnen meinen Dank für die tolle Foto-Serie „Wer bist Du?“ über den kleinen Friedrich sagen. Es ist jede Woche am Donnerstag in der Früh die erste Seite, die ich im Magazin aufschlage. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Die Wutmacher“ von Christian Fuchs und Paul Middelhoff

Es ist typisch für die Strategie Rechtsradikaler: Nach der Bereitschaft der Allgemeinheit in Bezug auf Umgang und Erfahrungen mit Flüchtlingen wird erst gar nicht eingegangen, die größte Teil der Bürger wird ignoriert, statt dessen wird von vorn herein von der „jetzt sehr dramatischen Lage“ schwadroniert. Man setzt auf eine sich selbst erfüllende Prophezeiung mit dem Effekt, dass Leute, die einfache, griffige Hau-ruck-Lösungen für komplexe Herausforderungen bevorzugen, in ihren Ängsten vor Abweichungen von ihren selektiven Wahrnehmungsmustern bestätigt werden. Natürlich geht es nicht darum, jeden einzelnen Flüchtling unkritisch als hilfsbedürftiges Opfer der Zustände seines jeweiligen Herkunftslandes zu sehen, aber Pauschalisierungen bestätigen nur die eigene interessengeleitete Rechthaberei, sie sind in keinem Fall zielführend. Konfliktlösungen lassen sich mit markantem Sprücheklopfen nicht erreichen. Insofern finde ich die Überschrift des Artikels „Die Wutmacher“ zutreffend. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

hr geht auch für meine Söhne (0 und 2 Jahre alt) mit auf die Straße. Bitte macht weiterhin massiv Druck auf die Politik, bleibt fordernd und findet deutliche Worte. Wir unterstützen euch dabei! Ich hoffe so sehr, dass dadurch endlich im Großen die Klimapolitik gemacht wird, die wir so dringend brauchen, damit auch meine Kinder und Enkel noch in einer annähernd lebenswerten Welt aufwachsen können. Danke dass ihr euch angreifbar, streitbar, sichtbar einsetzt! Wir brauchen dringend einen drastischen Politikwechsel mit Verboten, Schließungen, Besteuerungen- alles was geht! Die berechtigte Forderung nach politischem Eingreifen darf uns aber nicht davon abhalten, schon JETZT unser eigenes Verhalten zu ändern! Genauso wie es irrsinnig wäre, wenn Greta Thunberg zu jeder Medienanfrage mit dem Flugzeug anreiste- so wertvoll ihre Worte auch sein mögen.

Wir werden also auch ohne die ganz persönliche Ökoroutine nicht auskommen. Natürlich könnte auch hier entschlossene Politik klimafreundliches Verhalten selbstverständlicher (und im Vergleich zur klimafeindlichen Alternative günstiger) machen. Die Entscheidungen treffen aber ja trotzdem noch wir. Schluss mit anderen Prioritäten und Ausreden! Und genau an dem Punkt habt ihr absolut recht: Gerade wenn die erste Arbeitsstelle beginnt, man in das Abenteuer Familie startet, „sich etwas aufbaut“, ist die „Ökofalle“ ganz weit geöffnet. An diesem Punkt im Leben stellt man einige Weichen, die manche mit der Zeit für selbstverständlich halten. Der bequeme Lebensstil mit (Zweit-)Auto, Flugreisen, Kompensationskonsum ist endlich bezahlbar und man will sich ja auch etwas gönnen nach der langen Studentenzeit, nicht schlechter vor anderen Familien dastehen etc. Wir selbst sind keine absolute Öko-Vorzeige-Familie, und doch machen wir vieles radikal anders: Wir haben kein Auto und fliegen nicht Flugzeug. Wir wohnen zu viert auf 53 m². Wir ernähren uns meist regional-saisonal und kaufen so viel wie möglich nicht oder gebraucht.

Das tun wir auch für unsere Kinder. Ja, es schränkt uns massiv ein, dieser Lebensstil! Die Möglichkeiten beim Wohnen, Wahl von Arbeitsstätte und Freizeitaktivitäten sind beschränkt, alles kostet mehr Zeit. [Beim Zeitfaktor setzt übrigens unsere „Initiative für Zeitverschwendung und Muße zur Rettung der Menschheit IZMM.org“ an. Grundidee: Wer mehr Zeit hat bzw. sie sich bewusst nimmt, trifft klügere und potentiell klimafreundlichere Entscheidungen] Es ist an der Zeit, allen Eltern zuzurufen: Wenn ihr eure Kinder liebt, dann ändert euer Verhalten. Zustimmung ist schön und gut, liebe „Parents for Future“ – aber ziemlich einfach. Radikales Handeln dagegen ist schwieriger, tut weh, schränkt ein. „Die Kinder sollen es einmal besser haben, mit Kindern aufs Land ziehen, den Kindern die Welt zeigen, ohne Auto kommen wir da doch gar nicht hin blabla“ – wie lächerlich sich das anhört, sollte die Klimakatastrophe so eintreten, wie es gegenwärtig aussieht. Wir möchten Mut machen! Z.B. auf unserer SmallFeetPrint- Tour dieses Jahr- zu Fuß als Familie quer durch Deutschland. Ja, es geht und ist ein schönes Leben als Familie. Einschränkung der Möglichkeiten durch Verzicht auf Auto, Dinge, Flugreisen, große Wohnung oder teures Haus kann auch Befreiung sein! Und durch einen genügsameren (klimafreundlicheren) Lebensstil können fixe Ausgaben sinken, man muss weniger arbeiten und hat dadurch mehr Zeit… Ich halte mein 4 Monate altes Baby im Arm während ich dies schreibe und es macht mich traurig und wütend in welcher Welt er wahrscheinlich wird leben müssen. Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern. Aber JETZT, heute, morgen und am Wochenende, im Sommer und in den nächsten Jahren können wir andere Entscheidungen treffen, als bislang. Und dadurch wenigstens ein Stück der Zukunft der Menschheit retten. – Hannah Patalong


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Die Schüler Demo zeigt auf, was wir nicht wollen: Umweltverschmutzung, CO², hohe Energiekosten und vieles mehr. Dabei scheint niemand klar zu sein, welcher Weg der richtige ist und was RICHTIG getan werden kann! Nur durch Sonnenkraftwerke mit Wärmespeichern ist es möglich, die Energiekosten zu reduzieren und absolut umweltfreundlich Energie zu produzieren! Diese Wärme kann konstant Tag und Nacht zur Herstellung von Strom verwendet werden! Energie aus Windkraft wird direkt in Strom gewandelt, der sich nicht speichern lässt, weil es keine Speicher in der erforderlichen Größe gibt. Es kann nicht kontinuierlich Energie geliefert werden (keine Grundlastfähigkeit). Aus diesem Grund muss Energie von außen vorrätig gehalten werden. Windkraft bedingt den Bau von Braunkohlekraftwerken. Laut Tageschau24 haben wir bereits 300.000 Windkraftanlagen, für die mind. 60 Braunkohle Kraftwerke vorgehalten werden müssen. Folgerichtig ist Photovoltaik auch keine Lösung! Eine neue Linse mit Brennlinie wurde jetzt als Sonnenkollektor entwickelt, die viermal preiswerter als die bekannten Spiegelkollektoren ist und die Sonnenstrahlen fünfmal effektiver in Wärme umwandelt. Salztanks speichern die Wärme und gewährleisten so die Grundlastfähigkeit. Diese Lösung ist der Richtige Weg. Wir machen jetzt darauf aufmerksam und unsere Forderung ist, diesen Weg endlich zu gehen! Watch: youtube Tretec 22 https://www.youtube.com/watch?v=uGmbcHZLlC4Bernd de Castro


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Lasst uns unbedingt über Menstruation reden! Mit neuen und eigenen Begriffen. Dazu leistet Ihr Artikel einen wichtigen Beitrag, indem Sie auf die Möglichkeit einer hormonell unterdrückten Menstruation hinweisen. Aber leider wählen Sie die falschen Waffen: Sie entmündigen. Feminismus fordert Selbstbestimmung. Selbstbestimmung heißt, dass die Verhütung nicht selbstverständlich Frauensache ist. Insbesondere wegen der starken Nebenwirkungen hormoneller Verhütung: Die Pille tötet die Libido. Heißt Selbstbestimmung, die Lust an Sex aufzugeben, damit man ihn haben kann? Hormonelle Verhütung führt außerdem oft zu Depressionen. All das spielen Sie leichtfertig herunter. Eine o.b.-Broschüre bereitet Ihnen Sorge, aber nicht die Pharmaindustrie und die Gynäkolog*innen, die noch immer zu wenig über die Risiken hormoneller Verhütung aufklären?

Es geht dabei auch nicht darum, „bedingungslos alles großartig zu finden, was der weibliche Körper macht“. Es geht darum, den weiblichen Körper als unseren Körper anzunehmen, damit wir endlich scham- und angstfrei über die Menstruation reden können. Und im zweiten Schritt dann darüber, wie wir mit ihr leben wollen. Das wird erschwert, wenn andere Frauen eine Wahl als die einzig selbstbestimmte und feministische (!) vorschreiben wollen. Was ist mit all den (zahlreichen) Frauen, die bei der Menstruation keine starken Schmerzen haben und nicht unter der Hormonglocke leben wollen? Die dabei eine freie, eigene Entscheidung treffen, ohne „vorgeschobener Natur“ als „Erklärung“? Die sich darin gegenseitig unterstützen, indem sie endlich offen Erfahrungen teilen? Der Artikel zerschlägt für ein schmissiges Dossier, was wir uns mühsam und mutig an Diskurs erarbeitet haben. Und er ist anmaßend darin, dabei das Frauen-“Wir“ zu benutzen. – Eva Bredler


Leserbrief zu „Die Angst vorm Fliegen“ von Ingo Malcher und Claas Tatje

In dem im Betreff genannten Artikel wird eine Untersuchung der Universität München zur menschlichen Fehlerrate erwähnt. Können Sie mir dazu nähere Informationen zukommen lassen, beispielsweise ob es Publikationen zu dieser Untersuchung gibt? – Tobias Riegg


Leserbrief zu „»Diese Sache ist wirklich verrückt!«“ von Marc Brost und Mark Schieritz

warum ist keiner ihrer herren brost und schieritz auf die idee gekommen, herrn bregmann mit der steuerpolitik des niederländischen staates -ansiedlung von konzernen/konzernzentralen etc. in nl zum niedrigststeuersatz- zu konfrontieren?! – eva priller


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Dem Verfasser des Artikels möchte ich entgegenhalten: Nicht Hindenburg hat Hitler an die Macht gebracht, das deutsche Volk wars (mittels Wahl) – vielleicht unter Beteiligung der Vorfahren der Darmstädter und Sylter Aktivisten. Das können diese nicht kompensieren, indem sie den Namen „Hindenburg“ wegmachen. Wie sähe es denn heute aus, falls die AfD irgenwann einmal stärkste Fraktion werden sollte: wird der Bundespräsident sie dann ignorieren? Und zwar selbst dann, wenn anderweitige Versuche zur Regierungsbildung gescheitert sind und für eine AfD-Kandidatin/einen AfD-Kandidaten eine Mehrheit zu erwarten ist? – Ode van Hove


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Das Streitgespräch von Ihnen geleitet, hat mir nicht nur sehr gut gefallen, – sondern es wies auch auf die meines Erachtens wichtigen Änderungen, – die bei jeden Einzelnen von uns, – zu mehr Nachdenklichkeit sowie paralell zu Verhaltensänderungen führen müssen! Ob der Einzelne Mensch als eigentlich „vernunftbegabtes Wesen“, – die Sorgen und Ängste der jungen Menschen bereit ist, – zu teilen,- ist eine andere Frage. Ich, – inzwischen zu den Senioren zählend, – finde es gut und richtig,- dass die jungen Leute an einem Freitag, – wo sie sonst eigentlich Schulunterrricht hätten, – auf die Strasse gehen,- um zu demonstrieren. Somit provozieren sie und verleihen der Sache mehr Nachdruck! Dass sich diverse Politiker zu Wort meldeten, – mit z.T sehr unterschiedlichen Argumenten, halte ich für nicht glücklich! Sie signalisieren damit, – dass sie die jungen Menschrn nicht Ernst nehmen! Auch die Regierungen der jeweils vergangenen Koalitionen müssen sich die Kritik gefallen lassen, – nicht schon früher gegengesteuert zu haben! Sehr deutlich werden die Unterschiede in der Bevölkerung,- wenn es z.B.um eigene Ernährungsgewohnheiten – und um das damit verbunde Tierwohl geht! Dazu gehören auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf unseren Autobahnen in Deutschland! Und zu guter Letzt,- der dringende und sehr gut ausgebaute Nahverkehr, – damit zukünftig Alternativen geschaffen werden können! Es hätte sich längst etwas ändern müssen ,- im Bewusstsein der Menschen, – und in den politischen Entscheidungen! Der Druck, – den die jungen Menschen ausüben können, – für einen bewussteren Umgang mit unserer Umwelt, – darf nicht enden, – und wir sollten froh sein, – dass die Debatte durch die jungen Schüler in Gang kommt, – und uns als ä l t e r e Generation beteiligen! Hoffen wir, – dass es gelingt, Änderungen herbeizuführen! – Marion Detzler


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Greta wird aufgrund Ihres IQ´s wahrscheinlich trotz Vier-Tage-Woche kein Problem mit ihrem Schulabschluss haben. Die „Durchschnitts-Kinder“ auch nicht? Hut ab! Ich bin begeistert vom Engagement der jungen Leute! Da sich der Protest meines Wissens weniger gegen die Schule als eher gegen Politik und Wirtschaft richtet, böte sich jedoch eher der Samstag oder zumindest der Freitagnachmittag zum Demonstrieren an. – Martina Laukamp


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Liebe Jugend, ihr schwänzt die Schule für den Klimaschutz, ihr schwänzt um euer Leben! Jede dieser geschwänzten Stunden ist mehr wert als viele, viele in der Schule abgesessene Stunden. Würdet ihr nicht einige Schulstunden schwänzen, kein Hahn würde nach eurem wichtigen Anliegen krähen. Der Klimawandel allerdings ist nur eine der Folgen des größten, des wahrlich existenziellen Problems der Menschheit, ihrer Überbevölkerung! Liebe Jugend, entreißt endlich den ignoranten und verantwortungslosen, den bornierten wie senilen Verantwortlichen in Medien, Politik und Religionen ihre Macht! Sie sind schuldhaft im Begriff, eure Zukunft zu zerstören. Sie wissen, dass die Gnade der frühen Geburt sie davor bewahrt, die Folgen ihres Treibens selbst tragen zu müssen. Kein Wort fällt zum wichtigsten – zum allerwichtigsten (!) – Thema der Menschheit: Überbevölkerung und Geburtenkontrolle. Der historisch beispiellose Zustand unserer Welt erfordert drastischen Klartext. Die Katastrophe aus Bevölkerungsexplosion, Raubbau und Naturzerstörung, Klimawandel, Verarmung, unwiderstehlicher Massenmigration, Nationalismus, Rassismus und Terror, der Kampf um Wasser und Brot bahnt sich an. In wenigen Jahrzehnten sind zwei Drittel aller Wildtiere von der Erde verschwunden. Gleichzeitig findet ein Züchten, Mästen, Schlachten und Fressen „seelenloser“ Nutztiere statt, das in Art und Ausmaß an Barbarei und Herzlosigkeit nicht zu überbieten ist. Auch Europa ist angesichts seiner weltweit agierenden Naturzerstörungsmaschinerie in nicht verantwortbarer Weise überbevölkert.

Liebe Jugend, ich empfehle euch dringend, nicht nur für das Klima, sondern auch und besonders für weltweite Geburtenkontrolle zu kämpfen! Ohne sofortige offensive, mit allem Nachdruck (!), mit allem intellektuellen und materiellen Aufwand geführte effektive globale Bekämpfung der Überbevölkerung steht das nächste für die Menschheit – für euch! – existenzbedrohende „reinigende Gewitter“ unentrinnbar bevor. Eine bedrängte verzweifelnd marodierende Menschenmasse in kriminellem Chaos und devastierter Natur, gepaart mit modernster Kriegstechnologie, wird ihm eine neue Dimension verleihen. … Und über all die klugen Worte in den Medien, den Kirchen und Parlamenten, über alle Völker-, Asyl- und Menschenrechte, über alle eure Bemühungen um Humanität und Umwelt, über alle technischen und wirtschaftlichen Errungenschaften, über alle Schulbildung, über alle eure für das Klima geschwänzten Schulstunden wird der Sturm der Geschichte hinwegbrausen. – Dr. Hans Renner


Leserbrief zu „Ein Lob des Profis“ von Peter Dausend

„Vielleicht müssen wir anders denken. Nicht die Profis ranlassen – sondern die FDP“ – danke, Peter Dausend, das hat wohl auch nun Christian Lindner verstanden; er ist jedoch nur die Spitze eines Eisberges der VerKRAMPften auf politischer (aber auch wirtschaftlicher) Ebene. Ich habe in meinem ganzen Leben nie für möglich gehalten, daß Bescheuertsein zu solcher Blüte kommen kann. – Hanna Leinemann


Leserbrief zu „»Stellen Sie sich vor, man würde erlauben, Hunde betäubungslos zu kastrieren«“ von Merlind Theile

Lassen Sie die Menschen weiterhin den Schmerz fühlen. Erlauben Sie nicht, dass Ignoranten, dass diejenigen, die unreflektiert jegliche tierische Produkte in sich hineinschaufeln, weiterhin die Augen verschließen angesichts unbequemer Wahrheiten. Angesichts Animazids, wie ich die kaltblütige Tierindustrie gerne bezeichne. Schreiben Sie bitte weiterhin Artikel wie diese. In jeder Ausgabe. Aber farbig. Ohne nette Bildchen von Schwarz-Weiß-Gefleckten oder Weimeranern, sondern mit Fotos, welche die Wirklichkeit abbilden. Erst dann, wenn auch der stumpfste Mensch den unsäglichen Schmerz nachfühlen muss, wird sich etwas ändern. Ich weiß es deshalb, weil ich im Rahmen des Ethikunterrichts aufkläre und versuche, Empathie gegenüber all der zahllosen, ausgebeuteten Lebewesen anzubahnen. Und jedes Jahr aufs Neue gibt es zwei, drei junge Menschen, die etwas davon mitnehmen, die eine neue Einstellung dem Fleisch und den verlorenen Leben dahinter entwickeln. Bitte helfen Sie mir weiterhin dabei. – Janin Barthelmeß


Leserbrief zu „Sie können es einfach nicht lassen“ von Thomas Assheuer

Der Satz: „Eine Linke, die dem Verdacht gegen Juden Nahrung gibt, ist intellektuell verwahrlost“, schreibt ihr Autor. Besser kann man es nicht sagen. Ich kannte Herrn Spiegel ganz gut. Der hat mir schon vor vielen Jahren gesagt: „Judenhass wird es immer geben, auch in Deutschland. Damit müssen wir Juden leben“. So scheint es zu sein und die Politik hat dazu beigetragen. Das ist die traurige Wahrheit. Die gern gesehenen Muslime haben den Hass wieder neu entfacht. Das sagt bloss keiner. Als Ersatz müssen die Rechten herhalten. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Ihre Ausführungen lassen erkennen, welche Bedeutung die Person des Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls zumindest einmal besaß und bis heute, bis zum Jahre 2019 besitzt, so dass es vor diesem Hintergrund allein einer breiten Diskussion bedarf, um die Situation zu klären, falls es überhaupt notwendig ist., Dass eine Person der deutschen Geschichte Fehler, vielleicht sogar einen gravieren Fehler begangen hat, steht außer Zweifel, dass es deshalb zu einer Damnatio memoriae kommen muss, bezweifle ich, da Irrtümer und Fehler zu Personen der Geschichte gehören. Es ist zumindest bezeichnend, dass dass die Bundesrepublik Deutschland 70 Jahre benötigte, um einen Fehler als so gravierend einzuordnen, dass er dazu nötigen soll, die Geschichte umzuschreiben. Zumindest in der Initiative von Herrn Andreas Tietze sehe ich leider einer fatale Parallele zu einem Vorgang, der sich in der Stadt Ahrweiler in der NS-Zeit zugetragen hat. Eine hiesige Schule, die den Namen Calvarienberg – nach der Kreuzigungsstätte Jesu in Jerusalem – trug und trägt,. war für das Nazi-Regime zu christlich geprägt, wurde deshalb im Jahre 1940 in „Ahrbergschule“, also ganz unverfänglich umbenannt, so dass also keiner mehr hätte daran Anstoß nehmen können. Bereits nach fünf Jahren erfolgte die Rückbenennung. Ich erkenne nur eine strukturelle Parallele, den vielleicht historisch anstößigen Namen „Hindenburgdamm“ auf einmal durch die nichtssagende Bezeichnung „Sylt-Damm“ zu ersetzen. – Dr. Hans Kuhn


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Bernd Ulrich beweist einmal mehr, dass er entweder keine Ahnung hat oder schlimmer noch haben will. Er sollte beginnen, seine Arbeit als Journalist zu machen anstatt besserwisserisch mit „grüner“ Rezeptur nur allein die Regierung zu kritisieren. Dies ist zwar richtig, weil die Bundesregierung auf dem besten Wege ist, beim Erreichen der Klimaziele gegenüber anderen Staaten deutlich zurückzufallen und zu versagen. Aber Herr Ulrich sollte sich zur Beförderung der sachlichen Diskussion auch mit anderen Alternativen zur Rettung des Weltklimas und damit der globalen Zukunft auseinandersetzen. So bringt es die Welt kein Stück voran, Herrn Lindner zu kritisieren, nur, weil dieser fordert, die Innovationskraft der Fachleute mehr einzubeziehen. Herr Ulrich darf in diesem Zusammenhang natürlich nicht verschweigen, dass die höhere Bepreisung des Kohlendioxidausstoßes und die Einbeziehung von mehr Sektoren, z.B. dem Verkehr und dem Gebäudebestand, in den CO²-Emissionszertifikatehandel die Grundlage dafür sind. Nur wenn die Kosten für den Kohlendioxidausstoß mittels CO²-Steuer und mehr Bereichen, für die Emissionszertifikate notwendig werden, drastisch steigen, werden Wirtschaft und Ingenieure innovativer und die Menschen verändern zudem ihr Verhalten. Dass die Regierung dies nicht energisch vorantreibt, Teile der Opposition dies aber vehement fordern, gehört auch zur Diskussion, die Herr Ulrich nur unzureichend beschreibt. – Stefan Goronczy


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Danke für diese Zusammenfassung des derzeitigen Generationenkonflikts, – trotz des brandernsten Themas, ich traue mich kaum, `s zu sagen, sprachlich sehr ergötzlich und die überaltete Ordnung kräftig aufmischend. Ich habe mich, ich muß es nochmal sagen, prächtig amüsiert bei der Lektüre über die Bilder, die Sie schufen. (Spalte 2, Absatz 1): Heute müssen Verhaltensänderungen der Menschen hinzukommen. (Spalte 2, Absatz 2): Was nämlich die Bundesregierung gerade tut beziehungsweise unterläßt, ist ein ausgemachter politischer Skandal. Vor vier Jahren hat diese Koalition den Pariser Vertrag unterschrieben, der nicht weniger bedeutet als eine mittlere Revolution unserer Lebens- und Produktionsweise. Dies jedoch wurde der Bevölkerung verschwiegen. ….. Sehr geehrter Herr Bernd Ulrich, diese mittlere Revolution, von der Sie sprechen, – damit habe ich schon mal, so für mich, angefangen, als i c h jung war. 20 eben. Vor fast 50 Jahren. Ich bin, selber eine, n i c h t m i t den 68ern marschiert, sondern mehr daneben, still beobachtend, was passiert. Nicht verführbar durch Ideologien. Wollte nicht a l l e s Kaputtschlagen, was die Eltern mühsam aufgebaut hatten. Ändern nur, wo nötig.

W o l t e glauben, daß es Sinn macht, nichts unnötig zu verschwenden. Und daß die Energie, die ich l a u f e n d aufwende, die eigene, immer noch die billigste und schonendste ist. Gerne würde ich aufschreiben, wie erfüllt, glücklich, zufrieden und durchaus lustvoll so ein Leben sein kann. Mit Z e i t. Ja, mit DER auch. Mit Z e i t, die uns die Hyperaktivisten und Superschnellen klauen. Immer noch mehr. Wollemer sie uns zurückholen? Ich bin dabei. Ich wünsche Ihnen viele junge und jung gebliebene und veränderungswillige Leser. – Beate Schwärzler


Leserbrief zu „Notizen aus dem Alltag“ von Andreas Bernard im ZEIT Magazin

Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge, die in der Menge schwergewichtiger Texte unterzugehen drohen, aber dann doch plötzlich dazwischen aufblinken. So eine der Notizen aus dem Alltag aus dem Zeitmagazin vom 14. März 2019. Hier schrieb der Autor – und ein Autor muss es sein, wie die nachfolgenden Überlegungen belegen werden –, dass er sich keinen Reim darauf machen kann, weshalb es in öffentlichen Toiletten Kleiderhaken in den einzelnen Kabinen gäbe und dass wohl niemand die je benutze. Da könnte sich der Autor gewaltig irren. Denn: Wo deponiert Frau ihre Handtasche, wenn sie sich aufs Klo setzt? Sicher nicht auf den Knien und ganz gewiss nicht auf dem Boden – die Hygiene, der Dreck!; sie hängt die Tasche an den Kleiderhaken, und wo es keinen gibt, wird er schmerzlich vermisst. Da Männer gewöhnlich keine Handtaschen mit sich herumtragen, entzieht sich ihnen die Bedeutung – und Unverzichtbarkeit! – dieses Hakens. Obwohl – mann kann auch einen Rucksack daran aufhängen, um ihn nicht auf den Boden stellen zu müssen oder ihn unbequemerweise am Rücken baumeln zu haben beim grossen Geschäft. Aber ob dies von Seiten der Männer als Notwendigkeit gesehen wird, entzieht sich wiederum meiner Kenntnis. – Ruth Michel Richter


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Bevor die Jungen allzuviel Hoffnung in „die da oben“ setzen, könnten und sollten sie noch schnell die ganz alten und gar nicht so unklugen Mitbürger fragen, ob man und wie man mit ganz wenig von vielem (Wohnraum, Strom, Heizung, Flugreisen, Kleidung z. B.) auskommen kann. Bitte melden, am liebsten freitags nach der Schule. – Helmut Kämpf


Leserbrief zu „5000 Euro fürs Rückenfreihalten“ von Antonia Baum

Der Gedanke, dass das Gebären von Kindern „zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Nachteil“ ausschlagen könnte, ist weder meiner Mutter (Jg. 1910) noch meiner Frau (Jg. 1939) gekommen. Er ist wohl neueren Datums. – Helmut Kämpf


Leserbrief zu „Heimat. Was bedeutet sie heute?“ von Bruno Latour und Mark Lilla

In dem Text von Bruno Latour spürt man die Suche nach einer greifbaren, wenn nicht gar handfesten Erklärung des Begriffes Heimat und ich stimme ihm zu, wenn er feststellt, dass uns die Globalisierung genauso wenig weiterhilft wie der Nationalismus. Der Glaube an unsere gemeinsame schöne Erde als Heimat aller Menschen hat längst seine Unschuld verloren, wenn wir betrachten, wie wir die Ressourcen unseres Planeten und die Bevölkerung der ärmeren Länder ausbeuten. Die Verortung von Heimat an die Nation zu koppeln, verbietet uns eindeutig unsere NS-Vergangenheit. Dieses Terrain ist für jeden humanistischen Geist vermint. Obwohl es im wohlhabenden Bürgertum der westlichen Industriestaaten en vogue ist, kosmopolit zu sein, ist der Gedanke der globalen Heimat ist zu abstrakt, als dass wir uns damit wohlfühlen könnten.

Denn bei dem Begriff Heimat geht es ums Fühlen, was der Autor leider unerwähnt lässt. Im Gegensatz zu Territorium ist Heimat mit Emotionen verbunden und mehr als der Ort, an dem ich meinen Lebensunterhalt verdiene, mit meiner Frau ins Kino gehe und meine Kinder zur Schule schicke. Das Wort ist verbunden mit einem konkreten Ort, der uns mit unserer eigenen Vergangenheit verbindet. Aber er ist mehr als nur Nostalgie, weil er unsere Herkunft, unsere Sozialisation, ja unsere Vita in sich trägt. Und so schließt Heimat auch, wenn nicht gar zuallererst, Menschen mit ein, die uns großgezogen, begleitet haben, uns Familie und Freunde waren und – wenn wir Glück haben – noch sind. – Winfried Thamm


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Die Beiträge zum Thema „Fridays for Future“ im Teil Chancen wie überhaupt die ganze Berichterstattung darüber in den Medien lösen bei mir, inmitten eines Meeres Berliner Trostlosigkeit, einen neuen Optimismus aus, den ich (75) auf meine alten Tage nicht mehr für möglich gehalten hätte und der meinen Blick auf die junge Generation in ein neues Licht rückt. Ich bin total begeistert von diesem Engagement, das ja durch die Regelverletzung des Schuleschwänzens, und das über Kontinentgrenzen hinweg, überhaupt erst die notwendige Aufmerksamkeit erzwingt. Was für ein Lichtblick! Und wie erbärmlich dagegen die provozierende Ignoranz, die schäbige Arroganz, das ostentative Desinteresse unserer grauen Politikerkaste von ganz rechts bis in Teile der SPD hinein (von Umweltverbrechern wie Trump oder Bolzano ganz zu schweigen). Ich kann den jungen Leuten nur wünschen: lasst nicht nach, macht Druck, je mehr desto besser, entlarvft die bräsige Gerontokratie, deren Interesse am Gemeinwohl und an eurer Zukunft, sofern sie über so etwas überhaupt verfügt, genau bis zum Ende der Legislaturperiode reicht. Wahlrecht ab 16, besser noch ab 14! Vielleicht ist es ja doch noch nicht zu spät. – Gebhard Boddin


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Gleich vorweg: Ich fühle mich nicht schuldig. Jetzt hetzt man die Töchter und Söhne gegen ihre Eltern auf. Was ist das bloss für eine Gesellschaft geworden. Die Partei der Grünen animieren jetzt zum Schulschwänzen auf, weil sie auf die Straße zu gehen haben um gegen die Versäumnisse im Klimaschutz zu protestieren. Die Grünen sind dafür verantwortlich, daß sie die Bildung gegen die Wand gefahren hat. Ich habe das alles hautnah erlebt. Das sind die ersten Menschen die in die Zukunft sehen können. Das sich das Klima verändert hat bestreitet kaum ein Mensch. Mehr aber auch nicht. In Singapur weiß man das auch. Nur dort geht keiner auf die Straße. Und Jugendliche gleich gar nicht. Weil die das am wenigsten richtig einschätzen können – sagen die Politiker. Wie ich meine, eine vernünftige Einstellung. In Deutschland wird von bestimmten Politikern und Pädagogen Gehirnwäsche betrieben. Das alles hat Methode. Das kenne ich alles aus der ehemaligen DDR, die das mit dem Kommunismus vorgeführt haben. Wir wissen alle was daraus geworden ist. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Draußen vor der Tür“ von Evelyn Finger

„Jumping the Shark“ ist eine Redewendung, die den Zeitpunkt beschreibt, zu dem eine Fernsehserie ihren Höhepunkt überschritten hat, ins Groteske kippt und die Zuschauer das Interesse verlieren. Ich habe große Hoffnung, dass nach der endlosen Serie von Verbrechen, die die Kirche im Laufe der Geschichte begangen hat, sie nun mit der „Missbrauchsdebatte“ endgültig über den Hai gesprungen ist. – Margot Neuser


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Ich habe eben einen Artikel in der Ausgabe vom 14. März gelesen: „Niemand hat uns gesagt, dass wir nicht bluten müssen. Nicht unsere Mütter, nicht unsere Ärztinnen, nicht unsere Lehrerinnen“. Ist er ein ernst zu nehmender Text oder als Scherz gemeint? Wenn der Artikel keine Ironie ist, war es absolut störend zu lesen und ich war sprachlos danach. – Fruzsina Ficze


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Herr Ulrich benennt konsequent und mit beeindruckender Prägnanz die eigentlichen Prioritäten. Die empörte Selbstverteidigung ansonsten untätiger Eliten ist nahezu lächerlich gegenüber der erheblich gefährdeten Lebensgrundlage künftiger Generationen. Herr Lindner wird als (hoffentlich) letzte Bastion der Ignoranz, Frau Merkel als ebenso verständnisvolle wie hilflose Staatsmutter entlarvt. Wer die demonstrierenden Jugendlichen im Geiste zur neuen Spielart einer aufstrebenden Ökodiktatur degradiert, dem kann man nur wünschen, dass er am Ende vor sich selbst geschützt wird. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Leider sagt Bernd Ulrich nicht, welchen „einfachen“ Schalter die Regierung umlegen sollte, um in Deutschland einen schlimmeren Generationenkonflikt als die 68iger Revolte zu vermeiden. Auch von den demonstrierenden Schülerinnen und Schülern habe ich bislang außer unrealistischer Forderungen, wie etwa nach sofortiger Abschaltung der Kohlekraftwerke keine gesellschafts- und wirtschaftspolitisch konsensfähigen Vorschläge vernommen. Dabei erscheint ihr Blick völlig verstellt auf das, was gerade insoweit vor allem in den osteuropäischen Ländern und Asien passiert bzw. nicht passiert (analog des unvermindert weitergehenden Betriebs von Kernkraftwerken) und unsere diesbezüglichen Klimarettungsmaßnahmen deshalb weltweit betrachtet mehr oder weniger unwirksam werden lassen. Dazu gehört u. a. auch die Tatsache, dass die weiter wachsende Anzahl der Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge als auf absehbare Zeit größte „Klimakiller“ die Touristenströme in alle Winkel der Erde befördern werden. Ganz zu schweigen von den Umweltverhältnissen in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Alles in allem gibt es eben keine vermeintlich kurzfristig seligmachenden Rezepte. Deshalb zeugt auch das „Schule schwänzen“ meines Erachtens nicht von „Reife“, sondern ist im Hinblick auf die weltweit gesehen mehr als schwierige Gesamtproblematik keineswegs lösungsorientiert. Im übrigen vermag ich unserer „klugen“ Jugend nicht per se ein „umweltbewusstes“ Verhalten bescheinigen. – Dieter Kempf


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Paul von Hindenburg war ein demokratisch gewählter Reichspräsident der Weimarer Republik. Eine fortdauernde Ehrung mag umstritten sein, nachdem Wolfram Pyta die Zwiespältigkeit seines Charakters mittels seiner gründlichen historischen Recherchen treffend erforscht haben mag. Dennoch bleibt ein Unbehagen, wenn in bilderstürmischer Manier Straßennamen geändert werden sollen, weil aus heutiger -aufgeklärter- Sicht bestimmte Personen nicht mehr einer Ehrung würdig sind und ihre frühere Ehrung nur aus dem historischen Kontext erklärt werden kann. Die Verfahrensweise wie Bad Tölz dieser Problematik begegnet ist, erscheint mir vorbildhaft ! Historisch erklärbare, jedoch überkommene Straßennamen sollten daher erhalten bleiben und stattdessen mit aufklärerischen Zusatzschildern versehen werden. Nur so kann auch an die Fehler in unserer deutschen Geschichte wirksam erinnert und einer Geschichtsvergessenheit sinnvoll begegnet werden. – Dieter Peschke


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Die Aberkennung von Straßennamen historischer Persönlichkeiten, hier Hindenburg, aufgrund neuerer Erkenntnisse halte ich unter Berücksichtigung des historischen Abstands für unangemessen. Nach dem Ende der Nazizeit und der Stalin-Ära war es vielleicht richtig, Adolf-Hitler-Straßen und Stalinalleen unverzüglich umzubenennen, um Zeichen aktueller politischer Neubesinnung zu setzen. 1990 war man klugerweise nicht so radikal, sämtliche Namen aus der DDR sofort zu tilgen. Das Urteil über lange verstorbene Personen wie Hindenburg wird aber immer wieder Veränderungen erfahren. So hat man Martin Luther jahrhundertelang verehrt, bis man vor 30 Jahren seinen Antijudaismus „entdeckte“ – dennoch hat noch niemand Anstoß genommen an den zahllosen Martin-Luther-Straßen. Wenn wir konsequent alle historischen Schattenseiten aus den Straßenbildern verbannen wollten, müssten wir Ernst Moritz Arndt, Gustav II. Adolf, Ernst Thälmann, Friedrich den Großen, Alexander, aber auch Heilige wie Michael und Petrus/Peter und viele andere, wahrscheinlich die meisten Herrscher alter Zeiten wieder entehren. Am besten, wir beschränkten uns bei Straßenbenennungen dann auf harmlose Vögel, Blumen und geografische Begriffe. Es steckt auch hinter diesem vermeintlichen Gerechtigkeitskampf ein ganzes Stück Selbstüberhebung. Wie wird das Urteil unserer Enkel über uns ausfallen, und welche Namen werden dann geehrt und verworfen werden? Historische Persönlichkeiten sind meist weder Engel noch Teufel. Wir ehren sie wegen bestimmter positiver Leistungen und wissen dabei auch um ihre Schwächen und Irrtümer. Straßen, die nach ihnen benannt sind, sagen etwas aus über den Geist der damaligen Benennungszeit, mithin über unsere Geschichte, die wir nicht löschen können. – Dr. Arndt Haubold


Leserbrief zu „Gar nicht so smarte Assistenten“ von Harro Albrecht

Kann Künstliche Intelligenz von ihrem Wesen her überhaupt jemals die Fähigkeit entwickeln, die Richtigkeit ihrer Entscheidung in Zweifel zu ziehen? Kann sie außer ,,Ja‘‘ oder ,,Nein‘‘ auch ,,ich weiß es nicht, aber …‘‘ antworten? – Raimund Poppinga


Leserbrief zu „Drohbrief vom Botschafter“ von Holger Stark

Schon wieder ein Artikel zum Aufbau des 5G-Netzes mit Huawei-Komponenten. Mit einem Konkurrenten erreicht man das selbe technische Niveau erst ein bis zwei Jahre später? O Gottogottogott! Das würde ja bedeuten dass die Milchkannen … Aber Spass beiseite. Seltsam ist doch, dass in einem Hochtechnologie-Land wie Deutschland eine Alternative kaum je erwähnt wird: selber bauen! Wo man schon führend ist, lässt man sich die Karten regelmäßig aus der Hand nehmen: Windräder: vom amerikanischen Geheimdienst geklaut. Solarzellen: Markt durch Staats-Dumping von den Chinesen aufgerollt. Stahlwerke und Industrieroboter: Firmen werden von den Chinesen einfach gekauft. Kommunikationstechnologie: siehe Artikel in dieser und der letzten Zeit. Die Politik reagiert, außer im aktuellen Fall überhaupt nicht. Um den freien Markt zu schützen. Oder aber: weil man so nix tun muss. – Frank Hrebabetzky


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Es geht um Kinder und es geht um Klimaschutz; zwei für die gesamte Gesellschaft höchst essentielle, gar nicht zu überschätzende Kategorien, die im Allgemeinen wie im Besonderen über eine sehr große Schnittmenge verfügen. Demgegenüber bringen sich aufgrund der anhaltenden Klima-Demos zunehmend Gerontokraten (rhetorisch) in Stellung, die sich an der fehlenden Lebenserfahrung und vermeintlich eingeschränkten Perspektive der jungen Menschen stoßen. Oder, wenn das nicht langt, an den erwachsenen Einflüsterern, die, freilich ideologisch motiviert, von Realpolitik und Umwelt keine Ahnung haben. Die zum Teil sehr gehässige Kritik an Greta Thunberg und Co. scheint dabei leider einmal mehr den Einstein’schen Zynismus zu belegen, dass „die Majorität der Dummheit (und Unweisheit) unüberwindbar und für alle Zeiten gesichert ist.“ Meine Hoffnung für die Zukunft lautet gleichwohl: Jung und altklug anstatt alt und unklug. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Zu dem Artikel zwei Anmerkungen:1.:noch nie wurden Spiralen-zumindest in Deutschland-mit einem Metallstab eingesetzt ! Der Applikator besteht schon immer aus flexiblem Plastik. Die Hormonspirale ist auch nicht -wie hier dargestellt-ein Garant für Blutungs-und Beschwerdefreiheit. 2.:Schon immer werden Frauen mit Periodenbeschwerden oder Endometriose im hormonalen Langzyklus behandelt. Also ein ‚alter Hut‘. Insgesamt schlecht recherchiert .Man hätte ja auch mal eine Frauenärztin/-Arzt fragen können. – Dr. E.Jäger


Leserbrief zu „Im Zug der Zeit“ von Kerstin Kohlenberg

Zu dem Artikel habe ich einige Anmerkungen. Da wird gegen Ende des Artikels die Frage gestellt, wie denn die Gesprächspartner von Frau Kohlenberg den Sozialismus in der früheren DDR sehen.

Auszug aus dem Artikel:
„Wie sehen Exley und Trent zum Beispiel den Sozialismus in der früheren DDR? Machen sie einen Unterschied zur sozialen Marktwirtschaft Deutschlands? Exley antwortet mit einer ironischen Frage und beantwortet sie gleich selbst. „Warum war in der DDR noch mal alles schlecht? Klar! Weil dort alle eine gute Ausbildung hatten, eine Wohnung, einen Job und eine Krankenversicherung.“ Er macht eine Pause und fügt hinzu: „Ach ja, sie wurden alle vom Geheimdienst überwacht – aber ist das bei uns nicht auch so? Ocasio war noch nicht geboren, als die Mauer fiel, Trent gerade acht Jahre alt. Vielleicht leuchtet Exleys gnädiger Blick auf die DDR Trent deshalb ein. Eine Neuvermessung ist nie einfach. Wer jedoch derart falsche Perspektiven benutzt, riskiert vor allem eines: das Donald Trump Präsident bleibt. Das ist nicht das einzige Thema, mit dem die Linken den Demokraten schaden können….“

Anmerkungen:
Zunächst würde mich interessieren, wie alt die Autorin ist und worauf ihre „Perspektive“ auf die DDR basiert. Aus dem Kontext würde ich vermuten, dass sie diese, ihre Perspektive,dann auch für die einzig richtige hält. Herr Exley, nach Angabe im Artikel 49 Jahre alt, hat, zumindest aus der Ferne, bestimmte Informationen zur „real existierenden“ DDR bekommen können. Was da allerdings in den USA (oder wo auch immer er zu dieser Zeit gewesen sein mag) angekommen ist ….ganz falsch kann es jedenfalls nicht gewesen sein. Und dass er die Frage auf diese Weise beantwortet hat zeigt meiner Meinung nach doch auch, dass er das ganze sicher etwas differenzierter sieht. Das hätte ich von der Autorin, zumal in der „Zeit“, auch erwartet. Ihre Bewertung der im Grunde durchaus richtigen, vielleicht überhöht wiedergegebenen Tatsachen als „derart falsche Perspektiven“ geht für mich in Richtung „Framing“, wie es im Artikel „Über Schubladendenken“ von Harald Martenstein im ZEITmagazin kurz beschrieben wird. Und an diesem Bild, an diesen Assoziationen, wird schon seit der Wende fleißig gearbeitet. DDR = Unrechtsstaat = Stasi = Unterdrückung immer und überall = war eigentlich die Vorhölle auf Erden. Da soll auch kein einziger positiver Aspekt in Erinnerung bleiben.

Kurz zu meiner Person:
Ich bin Jahrgang 1957, geboren und aufgewachsen in Plauen, als Ältester von vier Geschwistern. Nach Abitur und zweijähriger Militärzeit habe ich an der KMU in Leipzig Physik studiert. Nach dem Studienabschluss 1982 als Diplom-Physiker war ich bis Ende 1989 als hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS in Berlin tätig. Ab 1990 war ich dann zunächst beim Kraftwerksanlagenbau in Berlin und danach im Kraftwerkssektor der Siemens AG in Erlangen als Ingenieur beschäftigt, die letzten 10 Jahre in einer fachlichen Führungsposition. Seit Mitte 2017 bin ich auf eigenen Wunsch im Vorruhestand. Ich habe vier Kinder, jetzt im Alter von Ende zwanzig bis Mitte dreißig.

Warum schreibe ich Ihnen das?
Im Juni 2018 besuchte ich die Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen (in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des MfS) um mal zu sehen, was heute dort (den meist jugendlichen Besuchern) so gezeigt wird. Mit Mitarbeitern der Gedenkstätte sprach ich dann auch über meine Tätigkeit bei der Abteilung M (Postkontrolle) und beim OTS (Operativ-Technischer Sektor) des MfS. Dort war ich hauptsächlich mit der Erkennung nachrichtendienstlich genutzter Postsendungen und dem Sichtbarmachen eventuell aufgebrachter Geheimschrift befasst. Daraufhin bat man mich, für das Zeitzeugenarchiv der Gedenkstätte ein Interview zu geben. Ich sagte zu und im Oktober 2018 fand dieses Interview dann auch statt. Am Ende des Interviews wurde ich gefragt, wie ich denn den heutigen Umgang mit der DDR und der Stasi bewerte. Ich sagte, dass ich den Umgang als nicht fair und als unausgewogen empfinde. Ich hatte da aus jüngerer Zeit hauptsächlich eine Ausstellung der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) in Erinnerung, die ich mir vor etwa drei Jahren in Erlangen angesehen hatte. Da nach der Wende viele Dinge, die die DDR und die Stasi betrafen, halb wahr bis falsch, zumindest aber tendenziös im Sinne der „Sieger“ (die ja die Geschichte schreiben) dargestellt wurden, habe ich mir jahrelang keine diesbezüglichen „Dokumentationen“ mehr angeschaut. Ich wollte mir diese unsägliche, einseitige „Berichterstattung“ einfach nicht mehr antun. Eine wohltuende Ausnahme war für mich der Artikel „Russland sei Dank“ von Christoph Dieckmann in der „ZEIT“ vom 2. Januar 2014.
In Nachbereitung des Interviews habe ich mir nun in den letzten Wochen doch wieder verschiedene Beiträge im Fernsehen (z.B. „Kindheit in Deutschland“, 3sat Anfang Dezember 2018) angesehen und auch „Die Zeit“ wieder öfter gelesen. Ich hatte gehofft, dass man fast dreißig Jahre nach der Wende fundierter mit dieser Thematik umgeht. Leider wurde meine bisherige Wahrnehmung aber nur noch verstärkt. Ich bin kein Wendeverlierer, zumindest nicht in materieller Hinsicht. Und ich wünsche mir die DDR, so wie sie war, auch nicht zurück, da ist einfach zu viel Scheiße passiert. Ich denke aber auch heute noch, dass die Ideen, die dem Sozialismus zugrunde liegen, die Basis für eine gerechtere Welt sein können. Naja, man wird ja sehen, wie das mit dem heutigen „Raubtierkapitalismus“ (Papst Franziskus im Schreiben „Evangelii Gaudium“, ca. 2013) so weitergehen wird.

In der „Zeit“ vom 19. Dezember 2018 erschien der Artikel „Unfrei, aber Industrienation“ von Jana Hensel mit dem Untertitel „Hubertus Knabe leitet nicht mehr die Stasi-Gedenkstätte – das ist eine Chance für einen neuen Blick auf die DDR“. Es setzt sich wohl doch langsam die Erkenntnis durch, dass die „Aufarbeitung“, wie sie bisher betrieben wurde, der Sache nicht, oder zumindest nicht ausreichend gerecht wurde und wird. Auch die Einbettung in die geschichtlichen, weltpolitischen Zusammenhänge sollten dabei eine größere Rolle spielen. Ich kann mich der Hoffnung auf eine Änderung hin zu einer differenzierteren Darstellung der DDR nur anschließen. – Uwe Held


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

„Warum bluten Frauen? Weil sie es verdient haben!“ Gehts noch? Solch üble Polemik habe ich lange nicht in der Zeit gelesen. Frauen, die aus unterschiedlichsten Gründen Hormone zur Verhütung nicht nehme können oder wollen, so zu verunglimpfen, ist ein starkes Stück. Dazu noch so einseitig ( unentgeltlich hoffe ich mal) für eine jahrzehntelange Hormontherapie (Pille ab 11!) zu werben und dabei die teils erheblichen Gesundheitsrisiken zu banalisieren, krönt diesen Artikel. – M. Pfeiffer


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Ich nehme den Artikel der Titelseite zum Anlass und will Ihnen diese Zeilen zu schreiben. Ich lese diese Zeitung nun seit 35 Jahren und beglückwünsche Sie alle zu Ihrem Beitrag zum objektiven und kritischen Journalismus. Ich will meine Worte so sorgfältig wie möglich wählen und vor allem Frage präzise und konstruktiv formulieren. Wie schon so oft in Ihrer Zeitung gelesen, war schon Titel und Einleitung von Alt und unklug sehr treffend. Ja die Jungen sollen mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht, friedlich auf die Problematik des CO2 Ausstosses hinweisen. An die Adresse der führenden Politiker. Die Politik, die Vertreter des Souverän, darf sich darauf besinnen und lernen, das schnell denn die Zeit wird knapp! An die Jugend, geht einen Schritt weiter und nehmt die Gerechtigkeit der Gesellschaft doch bitte mit auf. Hier sei nur das Schlagwort des Grundeinkommens genannt. Die Umsetzung, mit dem Willen zur Verbesserung der Lebensumstände vieler, machbar. Die Einflüsse daraus auf den Arbeitsmarkt kommen einer kleinen Revolution gleich, weg von der Gigantomanie zum Kleineren, der Druck auf unseriöse Arbeitgeber würde steigen (aber will das jemand), Stärkung der Regionalen Wirtschaft, die Diskussion um die benachteiligten Alleinerzieher/innen ist damit erledigt und noch viel-vieles mehr….

Nochmals zurück zur Umwelt und Energie, Eine Frage an die Politik: „Wer berät Sie und haben Sie sich schon mal kritisch gefragt ob Ihre Berater etwas zu weit weg von der Erkenntnis und zu nahe an der Industrie stehen? Diskutieren Sie doch mal in Richtung Energie auf Basis der Erkenntnisse des Quantenfeldes, über jene Entwicklungen die auf dem späteren Werk von Tesla, u. v. m., um in Deutschland zu bleiben, des Herrn Professor Turtur? ….Oder sagen Ihre Berater das ist dummes Zeugs? Ihre Klimapolitik ist derart im Hintertreffen, dass die Bundesregierung sogar vom BDI überholt wurde! Ich will ich noch ein meiner Fragen formulieren. Zu ein paar leidigen Themen… und meine beschiedenen Schlussfolgerunen und Vorschläge formulieren. Die Reaktionszeiten der Politik ist viel zu lange, das wissen wir und (unbewiesene) Vermutung richtet sich offensichtlich gegen den Souverän, Beispiel: Cumex Geschäfte (spät reagiert, Repressalien gegen Aufrechte Beamtinnen, Nachbesserungen die die entscheidenden Schlupflöcher offen ließen) oder der Dieselbetrug, dazu vielleicht wie ist das mit Benzin…..warum emittieren neue Benzin Autos eigentlich bis zu 1.500 Mrd. Partikel/km? Zum Großteil mit einer Grösse unter 2,5 Mikrometer und die kleineren Teilchen können die Blut Hirn Barriere überwinden.

Meine Fragen:
Die Unternehmen Besteuerung der Multinationalen Konzerne ist bis wann abzusehen?
Die Politik ist zu nahe dem Kapital, das wissen wir alle. Wie fühlt sich das eigentlich an, wenn ich meine Netzwerk Partner schütze auf Kosten derer die mich wählen? Wie schläft man da?
Der benötigte Paradigmenwechsel wir derzeit wo diskutiert und in die Bevölkerung getragen? Zudem eine Empfehlung, es ist an der Zeit eine öffentliche Diskussion über das Phänomen der Kognitiven Dissonanz zu führen?…. das ist hilfreich im Verstehen der eigenen Reaktionen. Wie denken Sie darüber?
Und zuletzt, wer braucht Regierende Minister, die auf let me entertain you, machen oder wie in Österreich, ebenso meisterhaft vorgeführt, Medienpräsenz auf Kosten der wirklich anzugehenden Themen und mit dem Preis der Spaltung der Bevölkerung auf ihrer Agenda ganz oben haben?

Ich halte es hier mit Plato der sehr lange die Eigenschaften von den Gestaltern der Gesellschaft diskutiert. Etwas verstaubt doch sehr interessant. Das oben stehende ist immer wieder diskutiert und besprochen, das ist mir klar. Ich bin Realist und handle im Rahmen meiner Möglichkeiten authentisch. Sie, als die Zeit besitzen die Möglichkeit die öffentliche Diskussion weiter zu tragen und den Jugendlichen eine Plattform zu bieten…..zwischen den Jungen und Vertretern der Politik (vielleicht noch mit einigen aufrechte Bürgern) einen Dialog einzufordern und diesem dringend benötigten Prozess zu unterstützen. Meine Gestellten Fragen sind aus meiner Vergangenheitserfahrung nicht „politisch korrekt“ oder täusche ich mich da? Ich selbst stehe selbstverständlich ebenso für Fragen und ein Gespräch zur Verfügung. – Bernhard Mennel


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Mich wunderte in Ihrer Anklageschrift, dass Sie, rückblickend auf 30 Jahre Versäumnisse , die Grünen so seltsam verschonen, die „wissend“ und in Regierungsverantwortung das Ruder nicht herumrissen. Warum benennen Sie dieses Versagen nicht deutlich, wo doch diese Partei heute mit „wir haben’s schon immer gewusst“ auf Stimmenfang geht? – Alois Lienhard


Leserbrief zu „Mirko Borsche steckt das alte Brot vom Bäcker in einen Toaster“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Ich bin generell eine begeisterte Zeit-Leserin und treue Abonnentin. Ich stehe auch der zunehmenden Aufmerksamkeit zu Lifestyle Themen nicht zwangsläufig kritisch gegenüber (wie beispielsweise viele zett-Artikel oder Rubriken wie „Teilchen“). Aber zu folgendem Artikel: „Mirko Borsche steckt das alte Brot vom Bäcker in einen Toaster“, möchte ich doch gerne einmal kritisches Feedback abgeben. Dieser Artikel hat meiner Meinung nach weder informativen Mehrwehrt, noch interessante sozio-politische oder philosophische Denkanstöße oder einen erkennbaren Unterhaltungswert. Zudem, und das finde ich noch viel schlimmer, wird völlig willkürliches product placement betrieben, dass mich nicht nur im Kontext dieses Artikels verärgert sondern insgesamt an der Glaubwürdigkeit von Zeit Online kratzt. Denn dieser Artikel wirkt auf mich wie ein gekauftes – aber nicht gekennzeichnetes – Advertorial. Ansonsten Daumen hoch für insgesamt tollen Journalismus! – Hannah Werner


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über die Auseinandersetzungen um die Hindenburg-Straßen gelesen. Hindenburg ist allerdings nur das bekannteste Beispiel für Konflikte um Namen, die mit der Zeit von 1933 – 1945 in Verbindung stehen, die immer wieder und meist zurecht in Kommunen aufkommen. Allerdings geht es dabei nicht in erster Linie um neue Visitenkarten oder Briefbögen, sondern um inhaltliche Auseinandersetzungen. Dabei ist mir bei Ihrem Artikel aufgefallen, dass Sie die wesentliche Beteiligung Hindenburgs an der verheerenden Niederlage des Ersten Weltkriegs und dem Untergang des Kaiserreichs ebensowenig thematisiert haben, wie seine verhängnisvolle Rolle bei der Verbreitung der Dolchstoßlegende in der Weimarer Republik. Hindenburg verhinderte im Ersten Weltkrieg alle Versuche, zu einem Verständigungsfrieden zu kommen und provozierte mit dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg den Kriegseintritt der USA, der ganz wesentlich zur Kriegsniederlage Deutschlands beitrug. Er hat die verspätete Demokratisierung des Kaiserreiches ebenso zu verantworten wie die überstürzte, weil viel zu spät erfolgte Bitte um einen Waffenstillstand. Erzberger unterschrieb am 11. November 1918 den Waffenstillstand in Compiegne erst als Hindenburg ihn ausdrücklich dazu aufforderte. Kurz zusammengefasst: Hindenburg hat nicht nur Hitler am 30. Januar 1933 ohne Not zum Reichskanzler ernannt und alle darauf folgenden Schritte zur Errichtung der NS-Diktatur unterstützt, sondern bereits 15 Jahre zuvor das Kaiserreich in den Untergang geführt und danach mit der Dolchstoßlegende seine eigene Verantwortung verschleiert. Welchen Grund gibt es also einen solchen Menschen, der Deutschland auf so verheerende Weise geschädigt hat, auch noch öffentlich zu würdigen? – Thomas Schnabel


Leserbrief zu „Sie können es einfach nicht lassen“ von Thomas Assheuer

Ihr Artikel trifft den Nagel genau auf den Kopf. Besser kann man die verlogene LINKE Europas nicht beschreiben. Dass diese mit den RECHTEN viele Gemeinsamkeiten teilt, ist ja kein Wunder. Wer finanziert diese ANTI-DEMOKRATEN denn? Putin weis schon, wem er Russlands Steuern – statt seinem Volk – zu Gute kommen lässt. Und wir bezahlen diesen EU – Hassern auch noch Gehälter in Brüssel. – Dieter Höcht


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Wir haben schon diverse Gleichstellungsdebatten geführt. Wie konnten wir so lange ignorieren, dass die nachfolgenden Generationen auch ein Recht auf Gleichstellung haben? – Philipp Eiden


Leserbrief zu „Verloren in der Servicewüste“ von Jens Tönnesmann

Es ist entsetzlich!
Seit einem dreiviertel Jahr versuche ich, als Bevollmächtigter für meinen Bruder aus einem angeblich mündlich gemachten Telefon- und Internet-Vertrag herauszukommen. Bei der Hotline läuft man ständig ins Leere und wird mit Standard-Antworten abgespeist, die keine Rechtsgültigkeit haben. Auf schriftliche Anfragen kommen selten Antworten, aber Mahnungen bekommen wir immer noch regelmäßig, und jetzt auch den Rechtsanwalt an den Hals. Wir haben uns inzwischen an die Verbraucherzentrale gewandt. Das Werben um Kunden am Telefon mit langfristiger Bindung ohne schriftliche Verträge muss endlich aufhören! – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Weshalb fällt eigentlich niemandem auf, dass es ohne Menstruationszyklus jene höchst lustvollen Zeiten um den Eisprung herum nicht gibt? Die Frauen besonders viel Spaß machen – und Männern auch? Die machen wir dann gleich auch mal weg, wie die Schamhaare, die genauso fies und unrein sind, wie diese schauerlichen Blutungen? Ist das vielleicht eine Art modifiziertes, neuerliches Kontrollieren der weiblichen Lust? Im Artikel wenig freundlich von einer Binde oder Slipeinlage grafisch garniert? Die „frauenbewegte Generation“ hatte übrigens noch keine Menstruationstassen, aber ein Diaphragma, das man nicht nur zum Verhüten, sondern auch während der Menstruation und dann auch beim Sex verwenden konnte.
Lesetipp: das „Hohelied Salomo“ , gepriesen als hocherotisch, in dem vom „gemischten Wein in der gerundeten Schale“ gesungen wird – symbolisch für das Sekret aus der Zeit um die Ovulation und dem Menstruationsblut, Schale für Muttermund, die Öffnung der Gebärmutter. Vielleicht war man im alten Testament ein wenig lust- und körperfreundlicher als die Autorin sich präsentiert? Einen Vorschlag hätte ich (Medizinerin, lange in der Gynäkologie tätig und zu Männergesundheit forschend) dann noch für saubere Slips beiderlei Geschlechts und trockene Laken: ein Mann möge doch bitte eine Pille für trockene Ejakulationen erfinden, sofern es gerade keinen Zeugungswunsch gibt, denn diese milchigen Ausschüttungen beim Sex, das braucht ja kein Mensch! Dieser Artikel strotzt übrigens nur so vor medizinischen Fehlern, dass ich ihn fast zum Anlass nehmen möchte, die ZEIT wieder zu kündigen (ich war 30 Jahre konstante Leserin) – mal ganz abgesehen von Inhalt… – Simone Widhalm


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Ich habe mich gerade sehr über den Artikel zur Menstruation geärgert. So sehr, dass ich auf diesem Weg schreibe. Ich möchte sagen: Die Menstruationstasse ist wenn Hype, dann zurecht gehypt. Sie vermeidet Müll und schafft ein besseres Scheidenmilieu als der Plastik-Kram der sonst nötig ist. Vor allem aber ist es absurd eine nicht krankhafte Körperfunktion abschaffen zu wollen. Mit Hormonen oder irgendeinem Medikament. Zumal für junge Mädchen! Was soll den so ein Appell bewirken? Dass Sie Frau Mayr, Ihre Menstruation nicht zur Freundin haben ist nachvollziehbar. Mein Stuhlgang ist auch nicht gerade mein Buddy. Deshalb kann ich ihn doch nicht einfach medikamentös abstellen !? Ich wäre erfreut auf dem Niveau nicht noch mehr in der Zeit lesen zu müssen… – Katharina Odebrecht


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Mit meinen 26 Jahren zähle ich mich noch zu der Generation, die gegenwärtig mit den Fridays for Future Demonstrationen auf sich aufmerksam macht und in letzter Zeit viel Zuspruch erfahren hat. An dieser Stelle möchte ich vehement den Ansichten und der Radikalität verschiedener Wortführer dieser Bewegung widersprechen und mich deutlich von dem Selbstbild der Aktivisten abgrenzen, die sich anmaßen, für eine ganze Generation einzustehen und zu sprechen. Die Blauäugigkeit, mit der die jugendlichen Gesprächsteilnehmer in Ihrem Artikel auf die Welt blicken, ist mir nahezu peinlich. Die Behauptung, Vernetzung wäre damals schon so einfach gewesen wie heute und somit eine schlechte Ausrede, warum damals keine Klimaschutzdemonstrationen des heutigen Ausmaßes stattgefunden haben, ist einfach falsch. Insbesondere Jakob Blasel argumentiert ausschließlich ideologisch, um nicht zu sagen populistisch. Er wirft der älteren Generation vor, lediglich im eigenen Interesse zu wählen. Nichts anderes ist das, was er macht. Lediglich seine Präferenzen unterscheiden sich von der besagten, älteren Generation.

Darüber hinaus wird im Laufe des Streitgesprächs deutlich, dass die Jugendlichen aus mindestens einigermaßen wohlsituierten Verhältnissen stammen. Dort ist es leichter, sich mit Themen wie Klimaschutz zu befassen. Dies ist unter anderem einer der Gründe, warum Staaten in Afrika oder Asien mitunter weiterhin Ressourcen ausbeuten, obwohl sie unmittelbar vom Klimawandel betroffen sein werden. Nicht ohne Grund gibt es eine starke Korrelation von Energiekonsum und Wirtschaftswachstum, insbesondere bei Entwicklungsländern. Nahezu fassungslos hat mich die Aussage von Herrn Blasel gemacht, in der er verdeutlicht, dass ihn kurzfristiges Wirtschaftswachstum nicht interessiere und das kurzfristige Denken ignorant sei. Als Masterstudent der VWL, wobei ich mich schwerpunktmäßig mit Wirtschaftspolitik und Energiewirtschaft auseinandersetze, liegt auch mir naturgemäß ein langfristiges Gleichgewicht am Herzen. Dass es bei der heutigen Diskussion jugendliche Aktivisten gibt, die eine florierende Wirtschaft nicht interessiert, zeugt von gänzlich fehlendem Verständnis wirtschaftlicher und somit auch politischer Zusammenhänge. Insbesondere bei einer derartigen Herausforderung wie dem Klimawandel ist es wichtig, möglichst viele Menschen „mitzunehmen“. Das funktioniert nicht, indem Ideologie als Antreiber und Moral als Werkzeug genutzt wird. Bei dieser besagten Blauäugigkeit der jugendlichen Gesprächsteilnehmer in Ihrem Artikel wundert es mich nicht, dass viele Ältere, der jüngeren Generation Kompetenzen absprechen und sich zu Aussagen verleiten lassen, dass der Klimawandel den Profis überlassen werden soll. – Dario Foese


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Bernd Ulrich schreibt, dass sich „die Verhaltensweisen der Menschen“ ändern müssen, um minimale Klimaziele zu erreichen. Anstatt der organisierten Gerontokratie“ den Vorwurf des Nichtstuns zu machen und von einem“ ausgemachten politischem Skandal“ zu sprechen, sollte sich der stellvertretende Chefredakteur der ZEIT, der wohl selbst dem Alter nach der “Gerontokratie“ angehört, selbst darüber im klaren sein, dass seine Zeitung auch ihre „Verhaltensweisen“ ändern muss, um nicht zum Klimawandel beizutragen, nämlich z.B. durch einen Stopp der Flut von Werbematerial (ZEIT SHOP) und der regelmäßigen Bewerbung von höchst klimaschädlichen Fernreisen und Kreuzfahrten, (ZEIT REISEN), an denen vermutlich der Anteil der TeilnehmerInnen aus der „Gerontokratie“ sehr hoch ist. Diese Inkonsequenz der ZEIT zwischen dem Schreiben von umweltfreundlichen Artikeln einerseits und dem umweltschädigenden Verhalten andererseits, könnte man auch als „ausgemachten Skandal“ bezeichnen, und hat mich übrigens veranlasst mein Abonnement zu kündigen. – Karl Wörle


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Warum machen Sie aus dem Klimathema ein Generationenthema als Aufreißer-Artikel? Wollen Sie einen völlig überflüssigen Generationenkonflikt herbeibeschwören, den Klimawandel können wir nur gemeinsam stoppen, wenn überhaupt …Warum vermitteln Sie nicht lieber Kontakte unter Menschen, die seit Jahrzehnten dasselbe Ziel in Sachen Klima verfolgen? – oft gegen hämische Bemerkungen der Umwelt – Gehört die „Zeit“ nicht mit zu den elitären Berichterstattern, die den sogenannten „Ökos“ nie auch nur das Mindeste zutrauten? Jahrzehntelang wurden einige Bundesbürger (sogenannte Ökos) belächelt, die sich den Kopf zermartert haben, was sie tun könnten, um den Klimawandel zu stoppen,

die 1. möglichst unverpackt einkaufen, möglichst mit wenig Umweltbelastung aus heimischen Anbaugebieten, möglichst niedrig energiesparend kochen, putzen, waschen, heizen,
die 2. möglichst nicht das Flugzeug benutzten,
3. den Erstwagen so oft es geht stehen lassen,
4. auf den Zweitwagen verzichten,
5. nahe Urlaubsziele wählen,
6. mit dem Zug fahren,
7. umweltverträgliche Kleidung bevorzugen,
8. Second-Hand-Artikel benutzen,
9. Rasenmäher verleihen,
10. nicht nur gegen Atomkraft auf die Straße gegangen sind,
11. sich in keiner der Parteien mehr aufgehoben fühlen, weil die zu lahmarschig sind und Lobbyisten nicht genug das Wasser abgraben …
12. … und dann haben manche das Rasen auf den Autobahnen nicht mitgemacht und sind für 120 Höchstgeschwindigkeit, au wei, Vorsicht, nicht zu laut … wenn da bei Ihnen Anhänger von 350-PS-Autos im Raum sind … die könnten sich angegriffen fühlen … weil man sie ihrer „Freiheit“ berauben wollte …

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen!!! Wir „bekloppten Ökos“ haben (meistens) durchgehalten, auch gegen fiesen Widerstand und unter Verzicht auf das Gefühl des sich Besser-Höher-Weiter-Fühlens im Stil von Luna aus dem Zeit-Artikel. („Ich glaube, es ist das erste Mal so, dass wir Kinder ein bisschen über euch Eltern stehen“.) Schade, niemand muss sich höher stellen. Wir haben nicht aufgehört, für uns höchst unangenehme Diskussionen zu führen und führen sie noch heute. Gegen das Gefühl der Machtlosigkeit tut es gut, die Jüngeren nun im Boot zu wissen. Ich bin gespannt, was wir gemeinsam mit Alt und Jung auf die Beine stellen und bitte Sie freundlich um Kontaktvermittlung zu Jakob, Luna und Leevke.Jutta Dunkel


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Ich habe Anna Mayrs Plädoyer „Böses Blut“ gelesen und finde, der Artikel enthält einige berechtigte Anregungen, hätte jedoch weniger einseitig sein können. Wie Mayr schreibt, wurden und werden Frauen stigmatisiert, weil man ihre Menstruation als giftig oder sündig betrachtet. Diese Aussage der Autorin ist leider wahr, doch genau die Akzeptanz der Periode, die Mayr kritisiert, kann meiner Meinung nach gegen diese Diskriminierung helfen. Es geht nicht darum, Menstruationsbeschwerden kleinzureden, Frauen zu zwingen, ihre Menstruation bedingungslos zu lieben, oder die Monatsblutung als einzige Eigenschaft der Frau zu feiern, sondern die Periode zu enttabuisieren. Es ist schade, dass Frauen mit einer positiven Einstellung zu ihrer Menstruation verurteilt werden. Manche wird sich eben dann frei fühlen, wenn sie nicht jahrelang Hormone nimmt, um ihre Blutung zu beenden. Jede Frau sollte selbst die Vor- und Nachteile von Hormonpräparaten abwägen. Natürlich kann es entlasten, nicht mehr Monat für Monat zu bluten, aber solche Verhütungsmittel bergen einige Nebenwirkungen, denen im Text leider kaum Bedeutung zugemessen wird. Trotzdem freut es mich, dass in Ihrer Zeitung auch dieses Thema diskutiert wird. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Die Umbenennung von Straßen ist ein weiteres linkes Tugendterrorprojekt und steht in direkter Verbindung mit Mao und Stalin. Es wird heute immer auf „rechts“ und „reaktionär“ herumgehauen, auch in Ihrer Zeitung. Aber mehr Tote gab es bei den Kommunisten. Die Sinnhaftigekit von Straßenumbenennungen ist dann plausibel, wenn es eindeutige Gründe gibt, jemandem die Ehrung abzuerkennen. Hitler, Himmler, Goebbels, Stalin, Trotzki und vergleichbare Verbrecher. Aber welche Grundlage gibt es für „normale“ historische Personen, um gut und böse zu unterscheiden? Hindenburg war ein alter Militär, ein erzkonservativer Adliger, hätte er sich einen Kommunisten als Reichskanzler wünschen sollen? War er tatsächlich an Verbrechen der Deutschen beteiligt? Welcher Deutsche hat eigentlich nicht in irgendeiner Weise in den Jahren 1933-45 Schuld auf sich geladen? Muss man bei der SS gewesen sein? Beim SD? Oder reicht es, ein arisiertes Geschäft übernommen oder eine Wohnungseinrichtung unter Wert erstanden zu haben? Wenn man eine Pfitznerstraße umbenennt, was ist dann mit dem viel größeren Antisemiten Richard Wagner, zu dessen Festspielen Jahr für Jahr die gesamte deutsche Prominenz bis hin zur Kanzlerin pilgert? Nicht zu vergessen, dass der Einfluss der Familie Wagner auf den Aufstieg Hitlers kaum zu überschätzen ist.

Thomas Mann hat in den Ansichten eines Unpolitischen seine Verachtung für die Demokratie klar zum Ausdruck gebracht. Erst später, nach seiner Vertreibung aus München und im Exil in den USA wurde er zum Demokraten und zum entschiedenen Gegner Hitlers. Was ist mit Lion Feuchtwanger? Soll man sich an ihn als Bestsellerautor und jüdischen Exilanten erinnern oder soll man ihn vergessen, weil er Stalin bewunderte und ein dauergeiler Frauenverachter war? Ist Günter Grass unser großer Nobelpreisträger oder ein SS-Scherge? Was ist mit Helmut Schmidt, dem politischen Gewissen der Nation, der auch mal als kleiner Wehrmachtsleutnant anfing. Über all die nach Wirtschaftsvertretern benannten Straßen muss man da viel weniger diskutieren, wenn diese Zwangsarbeiter beschäftigten. Und die Peinlichkeiten bei der Umbenennung von Kasernen, die zum Teil jetzt noch die Namen überzeugter Nazis und Kriegsverbrecher tragen, will ich nur erwähnen. Und nicht zuletzt: Sollte man nicht den Protestantismus verbieten, weil Martin Luther zweifelsfrei ein wüster Antisemit war?

In den USA wird um die Erinnerung an Robert E. Lee gerungen. Als Oberfehlshaber der Sezessionsarmee soll er aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt werden. Dabei war Lee ein von allen Zeitgenossen anerkannter Mann, der aus einer der ältesten Familien Virginias stammte und gegen die Sklaverei war. Er lehnte den Oberbefehl der Unionsarmme ab und entschied sich für den Süden, weil er nicht gegen seine Freunde und Nachbarn kämpfen wollte, nachdem Virginia sich für die Sache des Südens entschieden hatte. Sein Gegenüber Ulysses Grant, der später Präsident wurde, war ein Schlächter, der seine Männer ohne Rücksicht auf Verluste in die Schlachten schickte, ähnlich den Generälen im 1. Weltkrieg, und der seinem Adlatus William Sherman eine Kriegführung der verbrannten Erde bei dessen Feldzug durch die Südstaaten befahl. Welcher der beiden ist nun der moralisch bessere General? Davon abgesehen: Die amerikanische Verfassung wurde von Sklavenhaltern erdacht und formuliert. Die Verfassung bezieht sich auf den weißen Mann, nicht auf Frauen und nicht auf (schwarze) Sklaven. Die Hauptstadt der USA ist nach ihrem ersten Präsidenten benannt, einem Sklavenhalter. Sollte man nicht die Verfassung annullieren und die Hauptstadt Washington umbenennen?

Wir leben in einer Zeit, in der es nicht mehr um Bildung geht, sondern um Haltung. Die Haltung wird von einer linken Elite vorgegeben, die in klassisch stalinistischer Weise alle Andersdenkenden und Gegner vernichten will, und zwar bis zum vollkommenen Verschwinden. Das geht dann eben so weit, dass man Kevin Spacey aus Filmen herauspixelt. Und hier wird jeder, der anderer Meinung ist, an den Nazipranger gestellt, obwohl auch die überwiegende Mehrheit der Linken ihren Naziopa im Keller hat. Nur darüber muss man ja nicht reden. – Dr. David Wolff


Leserbrief zu „Der neue Ernstfall“ von Ijoma Mangold

Was wäre nur die EU ohne den UK-Brexit? Nur ein kleines, mickriges „EU-Kaff“, völlig bedeutungslos, und ganz ohne diese täglichen Schlagzeilen, einfach langweilig und trostlos öde! – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Verloren in der Servicewüste“ von Jens Tönnesmann

Seit 32 Tagen führe ich einen absurden Telefonverkehr und Mailwechsel mit Ihrem Leserservice, weil ich den komischen Einfall hatte, mein ZEIT-Abo von E-Paper wieder aufs teurere Printprodukt+Digitalabo umzustellen. Bevor ich meine ZEIT nach über drei Jahren aus Verzweiflung abbestelle, unternehme ich einen letzten Versuch, bei Ihnen jemanden zu finden, der diesem kafkaesken Vorgang zu einem sinnvollen Abschluss verhelfen kann. Falls sich also im Hause der ZEIT jemand dafür zuständig fühlt und sich das ‚mal anhören bzw. durchlesen mag, geben Sie mir bitte Bescheid. – Matthias Lang


Leserbrief zu „Olé, olé, olé, olé, Ba-len-cia-ga, olé“ von Jan Kawelke

Der „Fußball-Protzschal“ für den (kleinen) Fußballfan, der ist beileibe kein richtiges Schnäppchen, dafür darf sich der „Klein-Fan“, auch mal als „Fußball(fan)-Millionär“ fühlen, aber wie gesagt, nur ganz kurzfristig. Man/frau gönnt ich ja sonst nichts. Die „Unsinnskala“ der (Fußball) Menschheit, die ist nach oben hin, ganz weit offen, da geht noch so maches, aber hallo und ole! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zur GRAFIK: ALPINSPORT „Der Skizirkus“ von Christina Gransow und Tin Fischer

Solange die Berge noch stehen, und die Pisten nicht ganz zugepisst sind, dorthin lasset uns, ins Land des Kunstschnees, fahren. Mit dem Diesel-SUV, dem Diesel-Van oder Diesel-Pick-Up, oder gleich mit dem 50-Tonner-Diesel-Wohnmobil, hinein in den „Alpenweltler-Skizirkus“, genau dorthin, wo die Parkplätze zugeparkt sind, wie halt überal auf der Welt; wo auch das „In-der-Schlange-anstehen“ zünftig und oberurig ist; und genau dort, wo das „Apres-Ski-Fahr´n, gleich nach dem, in der „Frühstücks-Buffet-Ansteh-Schlange“ beginnt, einfach „Skiheil(ig)“! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Ihr phantastischer Artikel hat Begeisterungsstürme in mir wach gerufen, die ich leider nicht in Worte fassen kann. Vielen Dank für die Freude, lauten Lacher, gute Stimmung, die Sie durch Ihren scharfsinnigen, vielschichtigen und gelassenen Worte bescheren! – Delia Hentschel


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

„Bald sagt uns niemand mehr, WARUM wir bluten“… nicht unsere Mütter, nicht unsere Ärztinnen, nicht unsere Lehrerinnen“
Vor zwei Tagen kam eine Patientin zu mir in die Praxis. Sie begann mit 12 Jahren zu bluten und hörte mit 13 wieder auf. Weil die Blutung nicht regelmäßig war und teilweise schmerzhaft. Und weil sie ab zuvor meist mit unreiner Haut zu kämpfen hatte. Ihre Mutter-eine Feministin sagte ihr, sie MÜSSE nicht bluten und ging mit ihr zum Frauenarzt. Dort bekam sie die Pille verordnet, die sie durchgehend einnahm. Diese ließ die Blutung wieder stoppen und gab ihr ihre Freiheit zurück. Das ist 23 Jahre her. In der Zwischenzeit hat sie Abitur gemacht, studiert, eine gute Position in einem angesehen Unternehmen besetzt, geheiratet, sich mit Ihrem Mann ein Reihenhaus gekauft und ist viel gereist. Dahin wo sie wollte. Jetzt will sie nur eins: Ein Kind! Vor 2 Jahren wollte sie wieder anfangen zu bluten. Aber am besten nur einmal um danach auf Anhieb schwanger zu werden. Klappte aber nicht. Sie setzte die kleine bequeme Pille wieder ab und blutete kurz, aber danach kam keine weitere Blutung mehr. Schwanger war sie nicht. Nach drei Monaten suchte sie ihren Frauenarzt auf. Der gab ihr wieder eine kleine Pille für 14 Tage, die die Blutung auslösen sollte. Das tat sie auch, aber danach kam wieder keine weitere Blutung. Nach weiteren zwei Monaten suchte sie erneut ihren Frauenarzt auf. Dieser gab ihr diesmal eine andere Pille. Clomifen. Das soll die Eierstöcke stimulieren, damit diese nach 19 Jahren künstlichem Koma auf Befehl wieder „Eisprung“ machen. Taten sie aber nicht. Der Frauenarzt überwies sie daraufhin in ein Kinderwunsch-Zentrum. Dort bekam die Frau nun keine Pille mehr, sondern Spritzen. Um die Eierstöcke noch mehr zu stimulieren. Quasi der „Eimer Wasser“ für eingeschlafene Ovarien. Sie wollten aber dennoch nicht so recht.

Es dauerte fast zwei Monate, viele Arzttermine und sehr viele, immer höher dosierte Spritzen bis ein Eisprung ausgelöst werden konnte-mit einer anderen Spritze. Schwanger wurde die Patientin trotzdem nicht. Der Arzt des Kinderwunsch-Zentrums riet ihr daraufhin zu einer IVF. Das bedeutet: Noch viel mehr höher dosierte Spritzen, danach eine Operation, bei der Eizellen entnommen werden, die danach mit Spermien (die der Partner in einem kleine Nebenraum der Praxis „gewinnt“) in einem Reagenzglas zusammengebracht werden, damit sie sich dort treffen und eine Befruchtung stattfindet. Das taten sie auch. Der Frau ging es zu diesem Zeitpunkt leider garnicht mehr gut. Sie litt unter der Nebenwirkungen der hormonellen Stimulation, unter den vielen Untersuchungen, den Nachwirkungen der Operation und dem unerfüllten Wunsch nach einem Kind! Dem Mann ging es übrigens auch nicht mehr gut! 5 Tage später wurden der Frau 2 gut entwickelte Embryonen „zurück gegeben“.10 Tage später war der Schwangerschaftstest trotzdem negativ. Das ganze wiederholte sich in 12 Monaten noch zwei Mal. Nun ist die Frau am Ende…völlig Blutungsfrei! Aus der Freiheit von damals die Verzweiflung von Heute und die Angst vor der Einsamkeit von morgen geworden.

Was war passiert? Bisher konnte doch alles so wunderbar einfach und bequem geplant und kontrolliert werden? Vielleicht ist den Befürworterinnen dieser kleinen und einfachen Pille oder der Hormonspirale nicht bewusst, dass die darin enthaltenen künstlichen Gestagene nicht dem körpereigenen Östrogen und Progesteron entsprechen. Dass sie aber dennoch die dafür vorgesehenen Rezeptoren besetzen, so dass das Bisschen an restlichem Hormon, dass der Körper unter der Unterdrückung noch herstellt nicht wirken kann. Dass diese Rezeptoren manchmal auch besetzt bleiben, wenn die Pille wieder abgesetzt / die Spirale wieder gezogen wird, so dass der natürliche Zyklus nicht mehr einsetzt und manchmal sogar eine Stimulation (wie bei meiner Patientin) nicht anschlägt? „Low Responder“ nennt man das im reproduktionsmedinischen Fachchargon dann. Aber nicht nur Frauen mit Kinderwunsch leiden darunter. Viele, nein sehr viele Frauen suchen meine und andere Praxen auf, weil sie seit Einnahme der Pille/ dem Einsetzten der Hormonspirale unter massiven Hormonmangelerscheinungen wie Schlaflosigkeit, Schmerzzuständen, Leistungsminderung, depressiven Verstimmungen oder Schilddrüsenstörungen leiden. Aber davon wollen wir lieber nicht sprechen…oder?! Vielleicht ist den Menstruationsgegnerinnen auch nicht (mehr) bewusst, dass es sie ohne Menstruation nicht geben würde, weil ohne sie der Fortbestand der Menschheit nicht möglich ist? Ach nein, da hätte ich fast vergessen… wahre Feministinnen benötigen zur Fortpflanzung weder Mann noch Menstruation. War das nicht so? Genforschung und Reproduktionsmedizin werden es eventuell irgendwann möglich machen. Spätestens dann brauchen wir die „lästige“ Menstruation wirklich nicht mehr! Vielleicht gibt es dann auch bald eine Lösung für andere „lästige“ Körperfunktionen wie Harn-und Stuhldrang? Damit wir gar keine unangenehmen Toilettenbesuche mehr über uns ergehen lassen müssen die uns am Pizzaessen und Cocktail-Trinken am Strand hindern? Aber weshalb überhaupt noch essen? Dieser ständige Hunger, den könnten wir doch auch abschaffen, gibt es da noch keine Pillen? Oder wir könnten zumindest das Essen auf „schicke, ausgewogene Trinkmahlzeiten“ beschränken, die heutzutage bereits in den Zügen der Deutschen Bahn beworben werden. Dann brauchen wir auch nicht mehr einkaufen zu gehen, denn diese können wir uns bequem im Monats-Pack nach Hause liefern lassen. Und gibt es nicht bald eine Lösung gegen dieses lästige Schlafbedürfnis? Ohne dieses könnten wir noch 6-8 Stunden pro Tag mehr arbeiten, Social Media nutzen, Lifestyle und Selbstoptimierung betreiben. Damit wir uns noch weiter und immer weiter von unserer Natur und somit von uns selbst entfernen. Um einem Idealbild hinterher zu jagen, das zum Scheitern verurteilt ist. Aber kommen wir noch einmal zu unserer geliebten gehassten Menstruation zurück.

Ganz sicher ist sie keine Schwäche, sondern eine Stärke der Frauen. Denn es ist eindeutig etwas, das Männer nicht und niemals leisten können werden. Ohne die es keinen Einzigen von ihnen gäbe… und auch keine Einzige Mentruations-Befürworterin oder -Gegnerin. Täglich kommen auch Frauen in meine und viele andere Praxen, die unter dem Druck, den ihnen der Feminismus auferlegt hat, leiden. Die gleichzeitig Karrierefrauen und Vorzeige-Mütter und -Hausfrauen und -Partnerinnen und -Geliebte und -Freundinnen sein sollen. Die mit 40 zwar alles erreicht haben, was sie sich vorgenommen haben, aber dafür ungebremst in den Burn-Out oder die Nebennierenerschöpfung gerannt sind? Sind die wahren Feministinnen von heute nicht also eigentlich DIE Frauen, die wieder zu ihrer Weiblichkeit stehen können? Die sich nicht an und mit Männern messen müssen, sondern es wieder zulassen, dass die Natur für die Geschlechter unterschiedliche Möglichkeiten durch unterschiedliche Voraussetzungen geschaffen hat? Dass wir uns mit diesen Unterschieden wunderbar ergänzen können? Dass wir die WAHL haben und auch einfach nur Frau sein dürfen, wenn wir das wollen? Und –Frau Mayr-Hand auf’s Herz: die Qual der Wahl habe wir als Frau doch so wieso… wenn nicht vor dem Regal mit den Hygieneartikeln, dann vor dem Regal mit den Schuhen … in Größe 41! – Elke Feuerhuber


Leserbrief zu „Im Zweifel für den Zweifel“ von Sophie Passmann im ZEIT Magazin

Ich finde Ihren Artikel keinesfalls dämlich, im Gegenteil, er diente mir eher als Anregung, über dieses wichtige Thema nachzudenken. Nachdem ich jedoch bei manchen Passagen des Artikels zu völlig anderen Erkenntnissen gelangt bin, möchte ich diese hier nicht verheimlichen. Sie halten Selbstzweifel für eines der besten Gefühle überhaupt. Ich habe da meine Zweifel, und um das zu erläutern, muss ich im gegebenen Rahmen etwas ausholen:
Martin Luther stellte die Weichen für eine neue Epoche, geprägt durch die protestantische Lebensauffassung mit allen Metamorphosen in den folgenden Jahrhunderten. Die protestantische Arbeitsethik überstand glänzend diese Entwicklungsstufen und passte optimal zur aufkommenden kapitalistischen Gesellschaftsstruktur, deren Basis unter anderem der Wettbewerb und die ständige Leistungsoptimierung in allen Lebensbereichen bildet. Folgerichtig begann in leistungsbewussten Familien bereits im Babyalter die Vorbereitung der Kinder auf den permanenten Wettbewerb im Leben. Diesen so glänzend vorbereiteten Leistungskindern wurde das Gefühl vermittelt, dass sie nur dann gut genug sind, Anerkennung und Zuwendung erfahren, wenn sie die von ihnen erwartete Leistung bringen. Damit die Leistungsbereitschaft der Kinder nicht nachlässt, müssen die Anforderungen ständig so erhöht werden, dass diese nur durch eine permanente Anstrengung erfüllt werden können. Selbstzweifel sind dadurch bei den meisten Leistungskindern eine ständige Begleitung bis ans Lebensende, wenn diese den Ausbruch aus diesem Laufrad nicht gefunden haben.

Sie schreiben, die Welt wäre ein besserer, vielleicht sogar ein erträglicher Ort, wenn es viel mehr Menschen mit Selbstzweifel gäbe. Sie haben natürlich Recht, wenn man als Vergleich die weltweit agierende politische und sonstige „Elite“ heranzieht. Hier stellt sich jedoch die Frage, wer den Durchmarsch dieser mediokren Geister bis in die höchsten politischen Ämter, bis zur Spitze von Konzernen, Forschungseinrichtungen, Universitäten oder Medienunternehmern ermöglichte? Sie ahnen es bereits, es waren durch Selbstzweifel geplagte Menschen, die anstatt ihre geistige Überlegenheit einzusetzen und den selbstzweifelfreien Machtmenschen Einhalt zu gebieten, sich mangels Selbstbewusstsein zurückzogen und den Weg nach oben den anderen überließen. Die mehr oder weniger ausgeprägten patriarchalen Strukturen weltweit prädestinieren vor allem Frauen, die Reihen der durch Selbstzweifel Geprägten zu mehren. Sie verkaufen sich in der Regel unter Wert und auch wenn sie es doch mal geschafft haben, hervorragende Leistungen im wissenschaftlichen oder kulturellen Bereich zu bringen, sind sie immer noch durch Selbstzweifel gehandicapt. So schildert die Wissenschaftsmoderatorin Thi Nguyen-Kim in der Zeitausgabe Nr. 11, dass bei einem Seminarwochenende mit lauter Frauen, die gerade ihre Doktorarbeiten schrieben, alle das Schaumschläger-Syndrom (englisch impostor syndrome) kannten und darunter litten.

Es beschreibt das Gefühl, man sei eine Hochstaplerin, eine Schaumschlägerin und man könnte jeden Augenblick auffliegen, da man den eigenen beruflichen Erfolg nicht wirklich verdient hätte. Glauben Sie, dass Selbstzweifel das Leben dieser Frauen bereichert hat? Sie behaupten, dass Menschen ohne Selbstzweifel an die eigene Großartigkeit glauben und eine existenzphilosophische Verweigerungshaltung zeigen. Das kann ich nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, aber mangels handfester Beispiele gehe ich mal von mir aus: Mir ist die Bedeutung der eigenen Person weitgehend egal, ich glaube, mich würde nicht einmal die Verleihung des Nobelpreises wegen irgendetwas – z.B. für die Analyse der Interferenzen eines Flugobjekts beim Kirschkernweitspuckwettbewerb – beeindrucken. Sie wäre mir sogar wegen der vielen Journalisten eher lästig, aber zum Glück droht mir diese Gefahr nicht. Ich zähle mich zu den sogenannten Seinskindern, die ohne jede Vorbedingung von ihren Eltern geliebt und umsorgt werden, also konnte ich als Kind die Welt von einer ruhigen Position mit stabilem emotionalen Hintergrund aus betrachten. Durch diese schwierigen Startbedingungen war es äußerst schwer, Selbstzweifel zu entwickeln, und mit diesem Manko musste ich zeitlebens zurechtkommen. Trotzdem wollte sich die existenzphilosophische Verweigerungshaltung nicht einstellen, denn mich interessierten sehr wohl die großen Fragen des Lebens, und von einem Philosophiestudium konnte mich nur die Perspektive einer Karriere als Taxifahrer abhalten. Nachdem die eine Hälfte von Einsteins Unendlichkeitsdefinition für den ständigen Auftritt von Komikern auf der Bühne des Lebens sorgt, ohne dass diese von ihrer Qualifikation wüssten, kann ich die humoristische Bereicherung des Alltags nicht außer Acht lassen. Ohne die eigene Person in irgendeine Beziehung zu den Protagonisten zu setzen, kann ich die unendliche Reihe der Alltagsanekdoten amüsiert verfolgen, wenn ich mich gerade nicht darüber ärgere. Wirklich hart mit mir ins Gericht würde ich erst dann gehen, wenn ich meine Frau oder mir sehr nahe stehende Personen unbeabsichtigt oder im Affekt seelisch verletzen würde.

Wenn wir nun die geschätzte Menge von Millionen von Stunden für Psychotherapien oder bei Selbstfindungskursen z.B. bei meditativem Kühehüten in Südtirol, Bewusstseinserweiterungen bei schamanistischen Ritualen oder bei der befreienden Benebelung des Geistes durch verschiedene Scharlatane, um nur einige zu nennen, betrachten, dann stellt sich die folgende Frage: Welch ein kreatives Potenzial ist der Gesellschaft dadurch verlorengegangen, dass die Betroffenen durch Selbstzweifel getrieben Nabelschau betrieben und nur um sich kreisten, anstatt ihre Energien in die Gestaltung ihrer Umwelt im Sinne einer humaneren, humorvolleren, empathischen und gerechteren Gesellschaft zu investieren. Sie schreiben, dass Selbstzweifel eines der wenigen ehrlichen Gefühle sei, die sich bewähren. Sind demnach ehrliche Gefühle so rar, dass sie per se die höchste Stufe auf einer Wertigkeitsskala einnehmen? Viele Anhänger von Donald Trump sind von ihm deshalb so begeistert, weil er ein ehrlicher Typ ist und durch seine Ausstrahlung dieses ehrliche Gefühl auf alle überträgt, die offen dafür sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie an diesem ehrlichen Gefühl partizipieren wollen.

Abschließend möchte ich meine Überlegungen im folgenden Satz subsumieren: Nachdem die sensiblere und intelligentere Minderheit der Gesellschaft ohnehin durch Selbstzweifel gehandicapt ist, sollten wir nicht unbedingt das Hohelied des Selbstzweifels singen, sondern eher den Weg aus dem ewigen Kreislauf des sich in Frage Stellens suchen, um gebundene Lebensenergien im Interesse aller Beteiligten zu befreien. Ach ja, man muss sich nicht ständig mit anderen vergleichen, denn es gibt immer Menschen, die in irgendeiner Disziplin besser sind als wir, z.B. bei Kirschkernweitspucken. Na und, ist das ein Anlass für Selbstzweifel? – Johann Braun


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Der Artikel von Anna Mayr, Jahrgang 1993, wie ich Ihrer Online -Seite entnahm, hat mein Blut in Wallung gebracht, denn sie verbreitet darin nicht nur gefährliche medizinische Empfehlungen, sondern schmäht eine großartige Erfindung der neueren Zeit: die Menstruationstasse. Im Durchschnitt verbraucht eine Frau während ihrer fruchtbaren Lebenszeit ungefähr 12.000 Binden oder Tampons. Da ist diese Tasse schon aus ökologischer Sicht ein Durchbruch. Dazu kommt folgender Aspekt: durch die Geburten unserer Kinder hat sich die Menstruation bei mir, wie auch bei vielen meiner Freundinnen und weiblichen Bekannten , so verstärkt, dass es sehr schwierig war, während der ersten Tage der Periode entspannt zu arbeiten, Sport zu treiben oder ( in Hotelbetten ) zu schlafen, denn stets fürchteten wir Blutflecken zu hinterlassen. Mit Ende 30 Inkontinenz- Binden tragen zu müssen, weil herkömmliche Größen oder gar Tampons den Blutfluss nicht bewältigen , war unangenehm , unpraktisch und sehr einschränkend. Mit der Tasse, die ganz einfach beim Toilettengang geleert werden kann, gibt es diese Probleme nicht mehr, denn sie hält dicht. Bluten ist nicht schön, aber es gehört zum Frau- Sein dazu.

Sollte Frau Mayr je Kinder haben wollen, sollte Sie die leichtfertige Einnahme von Hormonen überdenken und im Übrigen aufhören zu jammern. Frauen bluten und halten es aus und freuen sich, da es etwas gibt, was den Umgang damit erleichtert. Fertig. Dafür können in ihnen Kinder heranwachsen – das ist ein ziemlich guter Ausgleich. Feministin sein bedeutet doch nicht, die Natur in Frage zu stellen, Feministin sein heißt, das Frau – Sein mit allen Facetten zu leben und nichts zu verstecken. In diesem Sinne: hoch die Menstruationstassen und weg mit Frau Mayrs unqualifizierten und einseitigen Betrachtungen. – A. Krastel


Leserbrief zu „»Papa, fühlst du dich schuldig?« »Ja. Das ist ein Scheißgefühl.«“ von Moritz Aisslinger und Hannah Knuth

Papa, fühlst Du Dich schuldig?

Nein, denn:
Als Schüler wurde ich Mitglied bei Greenpeace und im regionalen Naturschutzverein. Als Student Ende der 80er Jahre wurde ich dafür belächelt, dass ich, um CO2 zu vermeiden, mit meinem alten Golf Diesel nie schneller als 80 fuhr. In den gesamtem 90er Jahren bin ich nur zweimal geflogen. In den Nullerjahren entschieden wir uns für die Sanierung eines Altbaus und für eine teure Brennwert-Gastherme, weil das klimafreundlicher ist; wir aßen unser Essen aus einer Biokiste, kauften und kaufen wenig Klamotten, ab und zu auch bei den teuren „Öko-Labels“, bezogen grünen Strom, ich arbeitete ehrenamtlich im Vorstand des Naturschutzvereins. Urlaubsreisen mit den Kindern gingen stets mit der Bahn oder wenn mit dem Auto (sparsamer Diesel) dann nicht weiter als 500km. Niemals würde ich eine Kreuzfahrt machen. Seit ein paar Jahren habe ich meinen Fleischverzehr halbiert. Vor einem Jahr haben wir den Zweitwagendiesel durch einen Stromer mit bewusst klein gewählten Akku ersetzt. Der Seifenspender durch ein Seifenstück ersetzt. Und nie anders als grün gewählt. Seit zwanzig Jahren versuche ich täglich meinen eigenen Kindern und den mir im Beruf anvertrauten zu erklären und vorzumachen, dass und wie man als Einzelner möglichst nachhaltig leben sollte. Das alles, obwohl ich mich für Autos, Flugzeuge und Steaks (medium) begeistern kann und es auch sehr gerne würde. Aber ich bin ja nicht blöd. Ich lese ja Zeitung, höre und sehe Nachrichten und bin so erzogen worden, dass ich mich möglichst so verhalte, wie ich es von anderen erwarte, so dass wir alle miteinander gut auskommen. Also werft mir nicht vor, ich hätte Schuld!

Und doch, ich fühle mich schuldig:
Ich hätte noch viel mehr tun können: Noch öfter oder nur mit dem Rad zur Arbeit fahren können. Eine Wärmepumpenheizung für das Haus einbauen, vegan werden, ausschließlich „Öko“-Waren kaufen, mehr an Greenpeace spenden, mich noch mehr ehrenamtlich einbringen, mich öffentlich politisch engagieren. Häufiger im Freundeskreis das Verhalten hinterfragen, wenn ein SUV angeschafft oder der Urlaub schon wieder per Flugzeug angetreten wurde.
Aber ich kann nicht alles. Ich bin nur ein Mensch. Ich brauche die Hilfe der Gemeinschaft, sprich die Gesetze des Staates. Seit der Aufklärung besteht der einzige Sinn und Auftrag eines Staates, von Regierungen, darin, dass sie Leben, Freiheit und die Möglichkeit zum Glücklichsein der von ihnen Regierten, also uns, schützen. Das schwören Minister und Kanzler bei Amtsantritt. Ich bedauere, ich fühle mich schuldig, dass ich die Regierenden all die Jahre nicht lautstark und ununterbrochen daran erinnert habe. Das ist mein größtes Versäumnis. Ich versuche, es besser zu machen. Ich bin schon an drei Freitagen mitmarschiert. Und wenn das nicht hilft, kaufe ich mir vielleicht eine grüne Weste und kette mich an den Zaun vom Kanzleramt. Und wenn das nicht hilft, …

P.S. Außerdem schreibe ich jetzt Leserbriefe, in denen ich mich darüber beklage, dass so ein aktuelles und ausnahmslos alle betreffende Thema wie die FridaysForFuture weit hinten in der Rubrik „Chancen“ plaziert wird und nicht im ersten Buch unter „Politik“. Daran zeigt sich, dass die Redaktion anscheinend Klimaschutz immer noch für nur ein Thema unter vielen hält. Auch eine Form von Schuld. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Die Meinungen zu den Freitagsdemos von Schülern gehen weit auseinander. Ich vertete den folgenden Standpunkt:
Es ist ein typischer Reflex, nur die Fehler im Handeln anderer zu sehen. Damit soll die eigene Bewegungslosigkeit beim Lösen von Problemen zu kaschiert werden. Ich finde die Schüler-Demos auf jeden Fall richtig gut! Die jungen Leute schwänzen in meinen Augen nicht. Sie tun nur das, was wir schon lange hätten tun müssen. Natürlich sind diese Jugendlichen keine perfekten Menschen und verhalten sich (noch??!) nicht wie Umwelt-Aktivisten. Schließlich haben wir (!) sie ja erzogen. Wir (!) fahren sie mit Elterntaxis in die Schulen. Wir (!) fliegen mir ihnen dauernd in den Urlaub. Wir (!) stellen ihnen täglich Fleich auf den Tisch. Wir (!) kaufen haufenweise Plastik. Trotzdem haben sie ein Bewußtsein, dass irgendetwas falsch läuft. Greta Thunberg sagt: „Ich will, dass ihr handelt wie in einer Krise. Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt!“. Dem ist nichts hinzuzufügen. – Achim Bothmann


Leserbrief zu „Heimat. Was bedeutet sie heute?“ von Bruno Latour und Mark Lilla

Mark Lilla hat Recht, dass Zusammenleben Grenzen braucht und die Republik dafür eine gute Form ist. Aber der Nationalstaat bietet dafür eine denkbar überschätzte Vorlage. Er ist mit allerlei Illusionen befrachtet, wie z.B. der der kulturellen Homogenität, und seine Grenzen werden meist zum Ausschließen verwendet. Wir benötigen ein ausgewogeneres Verhältnis verschiedener Zugehörigkeiten – Gemeinde, Region, Land, transnationale Gebiete – und wir brauchen andere Arten von Grenzen – solche, die das Äußere in einen Teil des Inneren verwandeln anstatt es auszuschließen. So sind zum Beispiel die Grenzen von Gemeinwesen im Hochland Südostasien beschaffen, wo ich forsche: Tore statt Mauern. – Guido Sprenger


Leserbrief zu „5000 Euro fürs Rückenfreihalten“ von Antonia Baum

Was die Fragwürdigkeit von Preisverleihungen angeht, haben wir wahrscheinlich die gleiche Meinung. Ihr Text lädt darüber hinaus zu einigen Bemerkungen ein: Der Finanzanalyst Eich weiß natürlich, wo und in was er investieren muß. Böse Bemerkung: Nachdem nicht jeder Mann eine solch renditeträchtige Ehefrau hat, ist seine Tendenz, ein Jahr Elternzeit zu machen, entsprechend geringer. Weiter: Die Frauen sichern ja nicht den Fortbestand der deutschen Nation mit 1,5 Kindern pro Frau, statistisch. Dazu wären 2,1 Kinder pro Frau notwendig. Daß es für alle Frauen wirtschaftlich von Nachteil war und ist, z.B. bei gut verdienendem Mann und ehelicher Zugewinngemeinschaft sich den Kindern zu widmen, darf hinterfragt werden. Ansonsten habe ich über Ihre Formulierung „Wenn eine Frau im Weltall abhängt, …“ richtig lachen müssen. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Seit vielen Jahren bekomme ich wöchentlich die ZEIT und die Rubrik „Entdecken“ gefällt mir immer besonders gut, da sie stets zum Nachdenken über aktuelle Themen anstößt. Diskurse sind wichtig für unsere Gesellschaft und dementsprechend hat der Artikel „Böses Blut“ von Anna Mayr auch einen guten Beitrag geleistet.
Allerdings –und jetzt kommt ein großes Veto- habe ich mich auch schon lange nicht mehr so sehr über einen Beitrag aufgeregt wie diesen. So sehr, dass ich diesen Leserbrief verfassen muss, denn ich halte diese Art von Meinungsmache für extrem gefährlich. Sprachlich ist der Artikel sehr pauschalisierend verfasst. Vielleicht wurde Anna Mayr nicht von ihrer Mutter, ihrer Ärztin oder ihrer Lehrerin aufgeklärt über das Aussetzen der Periode. Diese Schlagzeile kann man aber nicht allen Frauen dieser Welt überstülpen, das ist plakativ und Journalismus à la Bild-Zeitung. Meine Frauenärztin und auch die Frauenärzte meiner Freundinnen haben beim Verschreiben der Pille immer gesagt, dass man die Pille durchnehmen kann, um die Periode zu vermeiden. Im Zweifelsfall stehen solche Infos auch in der Packungsbeilage. Die Pille ist zweifelsohne eine wichtige Errungenschaft zur sexuellen Selbstbestimmung der Frau, eine generelle Verteufelung halte ich auch nicht für sinnvoll.

Aber das Problem unserer Gesellschaft ist aktuell ja nicht das Recht auf diese Selbstbestimmung, sondern eine bisher mangelhafte Aufklärung über all die Nebenwirkungen der Pille, die bedenkenlos breitflächig jedem jungen Mädchen verschrieben wird. Die Pharmaindustrie jubelt, aber Leidtragende sind die Frauen. Zum Glück gibt es nun endlich eine Debatte darüber! Anna Mayrs Artikel ist jedoch ein Faustschlag ins Gesicht gegenüber dieser lange überfälligen Debatte. Sie plädiert auf das Recht der Frau, auf die Periode zu verzichten. Aber ihre einzige Lösung ist künstliche Hormonbehandlung. Aktuell gibt es auch einen gefährlichen Trend des „Ausschaltens der Periode“ durch die „richtige Ernährung“, bei dem der Körper durch Mangelernährung so herunterfährt, dass er nicht mehr in der Lage ist einen natürlichen Zyklus auszuführen. So etwas zu propagieren ist gefährlich und DIESE Form des Umgangs mit dem weiblichen Körper hat so viel „mit natürlicher Weiblichkeit […] zu tun wie Silikonimplantate oder aufgespritzte Lippen.“ (Zitat). Das ist auf lange Sicht nicht gesund für Individuum und Gesellschaft. Ja, es gibt sehr viele Frauen, die große Schmerzen während ihrer Periode haben, die gerne auf das regelmäßige Bluten verzichten wollen und sich wünschten, das monatliche Übel würde ihr Leben nicht beeinflussen. Die Monatsblutung ist aber ein biologischer Fakt – Verdrängung oder künstliches Ausschalten ist hier genauso falsch wie bei jedem anderen Konflikt (dafür reicht ein Blick in die Menschheitsgeschichte oder in das Profil psychisch labiler Menschen).

Wir sollten feiern, dass so viel über den weiblichen Zyklus gesprochen wie vielleicht nie zuvor, weil nur das zu einer breiten Aufklärung in der Gesellschaft, zu Akzeptanz und einem gesunden Umgang mit einem natürlichen Phänomen führt. Warum ekeln sich Menschen vor gerade diesem Blut? Was ist falsch daran sich mal einen Tag Auszeit mit Wärmflasche im Bett zu gönnen (Erkältungen kommen ja auch immer ungefragt und dann, wenn der Körper einem sagt, das man Erholung braucht)? Und wieso sollte man von der weiblichen Blutung auf einen „vermeintlich schwachen“ Charakter der Frau schließen? Wer immer noch solche Schlüsse zieht, hat ganz offensichtlich selbst ein Problem, und jede Frau, die sich diese Argumente ernsthaft annimmt und ihre Lösung in der Vermeidung des Blutens sucht, hat ebenso eins. Außerdem: Müsste man nicht auf einen sehr starken Charakter schließen, wo eine Frau doch so starke Schmerzen – ganz zu Schweigen von den Anstrengungen einer Geburt – aushält?

Ich möchte noch mal betonen: Jede Frau hat das Recht auf einen selbstbestimmten Umgang mit ihrem Körper. Wenn sie hormonelle Präparate nehmen oder ihre Periode aussetzen möchte, darf sie das selbst entscheiden können. Es ist aber nicht in Ordnung so viele Frauen öffentlich anzuprangern, die einen anderen Weg gefunden haben mit ihrer Periode umzugehen (sei es freebleeding oder eine Menstruationstasse – die übrigens ein Segen ist gegenüber den mit Chemikalien versetzten Tampons!). Eine offene Auseinandersetzung mit dem monatlichen Blut sollte nicht als „Hype“ abgestempelt, sondern als Chance auf eine aufgeschlossenere Gesellschaft gesehen werden, damit in Zukunft nicht nur mehr Mütter, Ärztinnen und Lehrerinnen über das Bluten und Nicht-Bluten reden können, sondern auch Väter, Ärzte und Lehrer! – Nadja Leibelt


Leserbrief zu „Deutsch und frei“ von Frank-Walter Steinmeier

Der Aufruf des Bundespräsidenten für ein stärkeres Hervorheben demokratischer Traditionen in der deutschen Geschichte liefert Argumente für jene, die im Dossier dieser Ausgabe über den Umbenennungsstreit von Hindenburg-Straßen mit den Erneueren sympathisieren. Paul von Hindenburg, obwohl ebenfalls gewählter Präsident, war kein Demokrat und stand auf der Seite von „Schwarz-Weiß-Rot“ statt „Schwarz-Rot-Gold“. Sein Name wird immer verknüpft sein mit dem Beginn von Hitlers Diktatur. Robert Blum oder andere Akteure der Revolution von 1848 könnten im Sinne Frank Walter Steinmeiers alternative Namensgeber sein.

Er nennt sinnvolle Möglichkeiten, die beklagte Verengung deutscher Erinnerungskultur und –politik auf die im Nationalsozialismus und der DDR begangenen Verbrechen zu erweitern. Dabei mag er sich getrieben fühlen von Björn Höcke und Alexander Gauland, die an 1000 Jahre „erfolgreiche“ deutsche Geschichte anknüpfen wollen. Zwar haben Menschen- und Bürgerrechte, Parlamente und freie Wahlen keine so lange Tradition in der Bundesrepublik, doch Symbole wie die Paulskirche oder die Ereignisse des 18. März sind es wert, auch als Antwort auf nationalistische Parolen und Metaphern, einen höheren Rang im nationalen Bewusstsein zu erhalten. Gleiches gilt für die genannten Oppositionsbewegungen in der DDR. Dies den verantwortlichen Politikern und Museumsleuten ins Plichtenheft zu schreiben, verdient Anerkennung und Unterstützung. – Hendrik Heft


Leserbrief zu „Über Schubladendenken“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ihre Kolumne begeistert mich manchmal geradezu, der bis zum Brillanten geschliffenen Logik wegen. Diesmal bin ich aber von der „brauchbaren Übersetzung “ des Framing als Gehirnwäsche nicht nur enttäuscht. Die Verrohung der Sprache wird (noch…) nicht mit Gewalt „angewendet“ und Sie, wie wahrscheinlich auch kein anderer Mensch, wird sich freiwillig „gehirnwaschen“ laßen…oder?? Framing funktioniert seit der Antike!! Besonders erfolgreich zur Zeit durch die Barbarisierung der Sprache, um z.B. die Werte Menschlichkeit (Gutmensch), Wahrhaftigkeit (LÜgenpresse), Respekt und Würde (Asyltourismus) u.a. lächerlich zu machen. AFD-ler, Orban, Rechte Menschenverachter werden zufrieden Lächelnd Ihnen widersprechen: “ Neeeiiin, wir wenden keine Gehirnwäsche an, wir wollen niemandem Gewalt an tun, man wird das ja noch sagen dürfen…“. Die Provokation hat funktioniert also das Framing…! Offenbar auch bei Ihnen…?

Gegen die giftige Wirkung kann man sich nur aktiv durch denken und neu bewerten schützen. Ich bin enttäuscht, dass sie „Gehirnwäsche“ auch benutzt haben!! „Gehirnwäsche“ – Benutzer können nicht erkennen, dass ein Lehrbuch über Wahrnehmungsprozesse jedem Lernenden die Freiheit läßt diese zu nutzen oder auch nicht. Allerdngs ist es auch möglich, dass ich diesen Nutzern Unrecht tue!! Sie wollen vielleicht die Lerninhalte diskreditieren, damit Andere diese nicht auchinteressant finden und auch nutzen lernen wollen….!?!?? – Erhard Schneider


Leserbrief zu „Alt und unklug“ von Bernd Ulrich

Dieser Brief ist überfällig. Ich bin Abonnentin der Zeit seit ich glaube ich 18 bin. Seit etwa 25 Jahren. Manchmal komme ich wochenlang nicht dazu, sie wirklich zu lesen, manchmal arbeite ich sie von vorne bis hinten durch. Aber seit Jahren ist es so: Wenn ich einen Artikel lese, bei dem ich das Gefühl habe, er spricht mir aus der Seele, formuliert alles genau, wie ich es so dringend gerne lesen und selbst sagen möchte, dann schaue ich nach dem Autor und der sind eigentlich immer Sie. Ich danke Ihnen von Herzen dafür. Diesmal für den Artikel „Alt und unklug“. Parents for future! – Indra Häußler


Leserbrief zu „Nicht in unserem Namen!“ von Bastian Berbner

Weiß der Autor es nicht oder passt es nicht in das Bild, das er von Hindenburg zeichnen will, dass Deutschland schon 1932 einen Reichspräsidenten Hitler bekommen hätte, wenn sich der 84jährige Hindenburg nicht zur Kandidatur bereit gefunden hätte, um Hitler zu verhindern. – Dr. Schöler


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Das Schulmädchen Greta sagt: „Wenn unser Haus brennt, dann müssen wir es löschen.“ Und logisch folgert sie:“ Ich demonstriere so lange, bis meine Regierung die Klimaziele umsetzt.“ Eine schwedische Schülerin ist betroffen, klug und handelt konsequent. SchülerInnen in Deutschland erkennen diese Notwendigkeit des Handelns an und erleben, dass auch die gewählten PolitikerInnen ihres Landes die Klimaziele nicht umsetzen. Und sie erleben, dass wir Erwachsenen als Eltern und LehrerInnen ihnen ihre Zukunft „geklaut“ haben – unser Haus brennt. Als Lehrerin erlebe ich nach fast 40 Jahren Dienstzeit erstmals, dass SchülerInnen autonom politisch handeln. Ich bin mitverantwortlich für das Brennen des Hauses und meine SchülerInnen fordern das Löschen, sie schauen nicht weg, sie reden nicht von „Lügenpresse“, sie ziehen nicht ein Zeugnis ohne Fehlstundeneintrag vor.

Diese mutigen und klugen SchülerInnen machen mich froh, weil sie mir Hoffnung geben und mich anstecken. Ich stelle mich an ihre Seite und möchte ihnen den Rücken stärken. Und ich werde auch demonstrieren – für unsere Behausung auf dieser Erde.
PS: Nein, ich unterstelle nicht zuerst ein Schwänzen. Nein, ich fordere nicht zuerst ein klimagerechtes persönliches Handeln. Nein, ich vermehre nicht die Zahl der Bedenkenträger für den Erfolg von Demonstrationen. Und nein, ich trage keine Fehlstunden ein, sondern ich bleibe im Gespräch mit meinen SchülerInnen – über verantwortungsvolles Handeln. – Agnes Dziwior


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Warum ein Plädoyer gegen die Menstruation nicht ein Ratgeber zur hormonellen Kontrazeption sein sollte
Antwort auf den Artikel von Anna Mayr.
Menstruation als Reinigungsprozess- das mutet leicht wie dieses mittlerweile Instagram-taugliche Fasten a la Grüntee und Yoga Retreat auf Bali an. Auch ist ja die Menstruation durch die feministischen Bestrebungen nach Normalisierung und De-Pathologisierung der weiblichen Körperprozesse durchaus in die Fänge der medialen Ausschlachtung und Kapitalisierung geraten – Menstruationstassen, Kunst aus/ mit/ über Mens-Blut, Filme und Dokumentationen, Bücher und Ratgeber, Blut-Emojis, …

Das Menstruieren als Reinigung bezeichnet wird, ist leicht verständlich, wenn wir uns die physiologische Funktion ebenjener anschauen: jeden Monat reifen mehrere Eizellen im Eierstock heran, mehr oder minder zufällig wird dann ein sog. Oozyt auserwählt, der weiter dick und fett wird, währenddessen die anderen auf vorherigen Entwicklungsstufen zurückbleiben und damit dann später zugrunde gehen. Die Uterusschleimhaut wird parallel dazu dick und stark durchblutet, um viele Nährstoffe zu einem potenziell befruchteten Ei zu transportieren. Die Auserwählte macht sich bei einem Östrogenpeak nach ca. 12-16 Tagen auf den Weg vom Eierstock in den Eileiter- der sogenannte Eisprung – ein Sprung Richtung Befruchtung. In dieser Zeit besteht beim Zusammentreffen mit einem Spermium und Befruchtung die Möglichkeit auf eine Einnistung in der dicken Schleimhaut der Gebärmutter. Bei Befruchtung wird der Luteal-Hormonspiegel (v.a. das Lutealhormon Progesteron) aufrechterhalten, der Körper kriegt das eindeutige Signal „Schwangerschaft“ gemorst, und blutet nicht ab. Wenn jedoch keine Befruchtung stattfand, bleibt irgendwann die hohe Hormonkonzentration aus – der Körper weiß um die Nichtbefruchtung, und räumt somit auf und aus. Die Eizelle wird samt der flauschig dicken Schleimhaut der Gebärmutter ausgestoßen- durch hormonell bedingte Muskelkontraktionen, die tlw. sehr schmerzhaft sein können- und fängt dann durch Östrogene vermittelt erneut mit dem Aufbau der Schleimhaut an.

Also ja- die Gebärmutter reinigt ihre Schleimhaut quasi immer wieder aufs Neue, baut sie nach jedem Zyklus aufs Neue auf – damit sie bereit für eine neue potenzielle Befruchtung sein kann. Das muss Mensch nicht gut finden, um feministisch zu sein. Die Perzeption der Mens als einen Reinigungsakt kann, wie in Mayrs Artikel thematisiert, auch als revolutionäre Antithese zu der von patriarchalen Gesellschaften deklarierten „Unreinheit“ dieses Blutes verstanden werden. Gloria Steinem schrieb dazu schon ‘86 in ihrem fiktiven Essay „If men could menstruate“: [only men could be] Rabbis „Without a monthly purge of impurities, women are unclean“. Die Ontologie der Menstruation ist eine weibliche. Bluten gebe vielen Frauen das Gefühl, eine „echte Frau zu sein“. Dass Frauen*, die nicht menstruieren, egal aus welchen Gründen, weniger Frau* seien, ist eine lächerliche Annahme, da bin ich völlig d’akkord. Dass Hass auf die Mens eine Folge der heteronormativen, patriarchalen Gesellschaft ist, die kulturell eine negative Perzeption der weiblichen Geschlechtlichkeit und der Mens hat (in vielen wissenschaftlichen Studien übrigens eine Ursache für Menstruationsbeschwerden, es sei hier an PMS und PMDS erinnert), ist meiner Meinung nach aber sehr wohl ein wichtiges feministisches Thema, und ich würde per se nicht dazu aufrufen wollen, diesem Hass zu obliegen, sondern sich au contraire dagegen zu behaupten, und wenn die revolutionäre Konsequenz aus diesem Hass auch nicht die „Liebe“ zur Mens ist, so doch vielleicht die Annahme ebendieser.

Zu postulieren, dass alle Frauen, die doch ihre Tage hassen, die doch ganz klar nur leiden würden unter ihrer Mens, einfach eine hormonelle Kontrazeptionsmethode verwenden sollten, um nicht mehr zu bluten, ist wirklich eine absurde Konsequenz. Schnell ist vergessen, dass die in unserer westlichen Kultur als „normale“ Verhütungsmethode geltende Pille eben doch ein Medikament ist – mit vielen, nicht grade unbedenklichen Nebenwirkungen – gar nicht so selten, wie von manchen Pharmafirmen gerne behauptet. Blutgerinnsel, Lungengefäßverschlüsse, Brustkrebs unter bzw. in Folge von hormoneller Kontrazeption – ein Zusammenhang besteht hier ganz klar. Möchte ich mein Bein, meine Lunge, mein Leben riskieren, um nicht mehr zu bluten? Diese Abwägung möchte ich hier nur ansprechen – jede Frau, die hormonelle Verhütung erwägt oder betreibt, sollte sie wohl für sich selbst beantworten bzw. schon beantwortet haben.
Ein weiterer Punkt, der von Mayr übersehen wird, ist: ja, wir können die Pille durchgängig einnehmen, pharmakologisch gesehen gibt es keinen Grund, dies nicht zu tun. Wir sparen uns zwar pro Monat 7 Pillen, also pro 3 Monatspackung 21 Pillen – einen ganzen Blister – sicherlich ein finanzieller Unterschied – aber dadurch sinkt nicht die Rate der Nebenwirkungen. Auf Dauer eingenommen kommt es jedoch oftmals unter hormoneller Verhütung zu Zwischenblutungen – je nach Frau sehr unterschiedlichen Ausmaßes, von ein paar Tropfen in der Unterhose bis zu mehreren Tagen starken Abbluten – und die Pillenpause einmal im Monat ist ein sehr gutes Werkzeug, diese Abblutung zu antizipieren, zu kontrollieren. Die Pillenpause kann somit ein Werkzeug der Bemächtigung sein. Dass Sie zu einem Teil der Frauen gehört, die bei hormoneller Dauer-Verhütung gar nicht mehr Bluten, ist nicht selbstverständlich. Dass Sie deswegen anzunehmen scheint, es sei bei Allen Frauen so, scheint mir sogar unverständlich.

[Übrigens: die Praktik, die Pille nicht durchzunehmen, ist wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass sie, wie auch von Mayr erwähnt, im konservativ-christlichen Amerika der Fünfzigerjahre erfunden wurde. Da Sex als Vergnügungspraktik den Frauen* kulturell noch nicht wirklich skandalfrei zustand (die sog. sexuelle Befreiung der Frau* und die sexuelle Revolution kam ja erst in den 60er/70er – Jahren), durfte die Frau* folglich auch nicht gesellschaftlich total akzeptiert verhüten. Eine Frau*, die verhütete, galt eher als unrein, als umtriebig, als verrucht, dreckig und vielleicht sogar im negativen Sinne des Wortes hurig/ schlampig – jedenfalls nicht als „normal“. Das monatliche Abbluten führte also dazu, dass keine*r wusste, ob diese Frau* nun mit Pille verhütete oder nicht. Also erscheint das Durchnehmen der Pille neben den oben erwähnten ökonomischen – finanziellen Gründen auch den kulturellen Umstände geschuldet.]
Ja, Frau* hat die Entscheidung. Ja, alleinig die Möglichkeit über diese Entscheidung ist mehr zu thematisieren. Sie ist ein Abwägen zwischen Nebenwirkungen, Vorteilen, der Annahme des eigenen Körpers, der (berechtigten) Kritik zur Glorifizierung der Menstruation und der damit verbundenen Weiblichkeit*, der Frage, was Weiblichkeit* für eine Selbst bedeutet. Sie ist ein schmaler Grat zwischen Selbstbemächtigung und Erliegen in Patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Aber diese Entscheidung ist sicherlich nicht „Ich lass mir mal ein Stäbchen reinstecken, blute nicht mehr und dann ist Alles gut“. – Laura Wortmann


Leserbrief zu „Draußen vor der Tür“ von Evelyn Finger

Einfach alles „Nichtgut“ sein lassen, und Schluss machen, mit all der „Laberei“ und „Aberei“. Die Institution Katholische Kirche hat endgültig fertig; der Mantel des Schweigens liegt über allem, und die katholische Glaubwürdigkeit, die ist längst den Bach runtergeflossen. (Auch) der (katholische) Mensch, der kann und sollte weiterhin an Gott glauben, und die Katholische Kirche dabei, ganz außen vor lassen. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Kerstin Bund

Der Vorstoß von Bundesfamilienministerin kommt für mich als Vater von 3 Kindern jedenfalls zu spät: der Frust jahrelanger Diskriminierung und staatlicher Nichtanerkennung meiner Fürsorge für die Kinder bleibt. Auch diese Initiative ist nur halbherzig. Getrennt erziehende Eltern haben eine finanzielle Mehrbelastung, die steuerlich kaum berücksichtigt wird. Ich sehe nicht ein, warum ich trotz meiner finanziellen Verpflichtungen in Steuerklasse 1 eingruppiert bin. Seit Jahren fehlt unseren Gesetzgebern der Wille zu einer wirklich kinderbezogenen Steuerreform. – Dr. Xaver Scheuerer


Leserbrief zu „Heimat. Was bedeutet sie heute?“ von Bruno Latour und Mark Lilla

In den letzten Zeilen des Herrn Lilla tut sich genau sein Denkfehler auf: „…keine Demokratie, keine wirtschaftliche Gerechtigkeit in einem Zeitalter der Globalisierung“. Die aktuelle Situation zeigt leider Demokratien in den verschiedensten Nationalstaaten, die naturgemäß nur für sich selbst kämpfen. Damit kann keine globale Gerechtigkeit entstehen. Das ist ja genau das Dilemma, in dem sich unsere Parteien befinden: sie können alle kein globales Konzept anbieten, auch nicht die Linken (Proletarier aller Länder, vereinigt euch!). – Martin Grau


Leserbrief zu „Aufstand der Jugend“ von Moritz Aisslinger et al.

Vorerst sind die Proteste der „friday for future“ Schülerdemonstrationen über die mehrere anerkennende und eingehende Artikel in der aktuellen Zeitausgabe erschienen sind, sehr allgemein. Noch fehlen spezifische Vorschläge für konkrete Lösungen für dieses komplexe Problem. Dabei könnten und sollten die Erwachsenen diese Bewegung meiner Meinung nach unterstützen. Ich finde, es braucht eine Bestandsaufnahme und Bewertung der vielen verschiedenen Aspekte unserer Gewohnheiten, die zu einem Raubbau unserer Lebensgrundlagen führen. Dann sollte man in erster Linie diejenigen gravierend umweltbelastenden und wenig lebenswichtigen Gepflogenheiten wie zum Beispiel die stundenlange Silvesterböllerei und auch den Kreuzfahrttourismus ins Visier zu nehmen. Deren Abschaffung oder zumindest deutliche Einschränkung würde ziemlich viel Einsparung bringen. Für die Kreuzschifffahrt gibt es auch in der aktuellen Ausgabe Nr.12 -wie übrigens öfters –Werbung. In der Ausgabe Nr. 6 warb eine dreiseitige Anzeige für dieses, auch 2019 mit noch einmal 42. 488 mehr Betten und einem Wachstum von 7,5 %, boomende Gewerbe. Die Nachfrage ist also immer noch größer ist als das Angebot. Es wird dabei ein Paradies für Urlauber versprochen. Auf wessen Kosten? Darüber, dass auch die Arbeitsbedingungen miserabel sind haben Sie erst vor ein paar Wochen berichtet.

Eine solche Werbung zu schalten, finde ich für den Fall, dass Sie die Anliegen der Proteste der Jugendlichen gegen die Verursachung einer drohenden Klimakatastrophe ernst nehmen wollen, eher kontraproduktiv. Es hat sich zu viel Bequemlichkeit und Überfluss breitgemacht. Es zeigt sich immer offensichtlicher, dass sich der Traum von Schlaraffenland nicht ohne verheerende Nebenwirkungen und nachteilige Konsequenzen verwirklichen lässt. – Heidrun Schiller


Leserbrief zu „Sie können es einfach nicht lassen“ von Thomas Assheuer

Gegen die Art und Weise, wie zeitgenössischen Sozialismus-Theoretikern ein antisemitisches Ressentiment unterstellt wird, fordert geharnischten Widerspruch heraus. Wenn global agierende Großunternehmen ihrem Profit alle anderen Rücksichten unterwerfen (z. B. prekäre Lohnarbeit, Umweltschutz), werden sie von Sozialisten nicht deshalb kritisiert, weil sich dahinter eine jüdische Weltverschwörung verbirgt. Die Kapitalismuskritik ist systemisch motoviert: Bei Strafe des Gefeuertwerdens sind leitende Angestellte der international agierenden Konzerne der Gewinnmaximierung verpflichtet. Wenn in den Kommandozentralen dieser Firmen, insbesondere im Bereich der Finanzindustrie, besonders viele jüdische Personen zu finden sind, mag das historische und kulturelle Gründe haben, ist für das ökonomische Handeln jedoch völlig irrelevant. Man wirft Wissenschaftlern, die durch die hormonelle Ausstattung des männlichen Geschlechts eine höhere Gewaltbereitschaft bei Männern im Vergleich zu Frauen diagnostizieren, deswegen ja auch kein männerfeindliches Ressentiment vor.

Was als „linker Nationalismus“ bezeichnet wird, ist die politische Konsequenz aus der Unregulierbarkeit des global agierenden Kapitals. Gesetze werden nun mal in einzelnen Staaten erlassen und durchgesetzt. Deshalb gelingt in Deutschland noch einigermaßen die Aufrechterhaltung des sozialen Elements der Marktwirtschaft. Die internationale Einhegung des Kapitalismus gelingt dagegen nicht, siehe Finanztransaktionssteuer, Steuerfluchtmöglichkeiten oder Energiewende. Dass sich linke Politik am Elitebashing rechter Demagogen beteilige, ist in meinen Augen ein unhaltbarer Vorwurf. Unter dem Begriff Elite wird die akademische, kulturelle und politische Intelligenz eines Landes verstanden. Die weltanschaulichen Positionen dieser Elite sind breit gefächert. Sozialisten in dieser Elite haben keine Veranlassung, sich selbst zu bespucken. Es gibt in unserer Lobbykratie allerdings viele Mächtige, die dem Gemeinwohl keineswegs dienen, auch wenn einige von ihnen darauf einen Amtseid geleistet haben. Zwischen „denen da oben“ und Elite besteht ein himmelweiter Unterschied. – Viktor Rintelen


Leserbrief zu „Böses Blut“ von Anna Mayr

Dem Menschen im globalen Norden gebührt ein Leben ohne Blut und Schmerz. Täglich unser Soma. – Alix Kokula