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12. September 2019 – Ausgabe 38

 

Leserbriefe zu „Darf man SUV fahren?“ von Manuel Barth und Harald Welzer

Die SUV sind an allem schuld, jawoll . Verantwortlich für die Waldvernichtung sind übr die Zeitungen , die so viel Papier verbrauchen . Aber nur die Grossen wie BILD , FAZ , Stern, WELT , SPIEGEL etc . Die tausenden kleinen nicht . – Haun

 

Ein SUV ist einfach nur ein Auto, dessen Proportionen die einfacher gestrickten Menschen ansprechen: aussen recht protzig, innen schön gepuckt. Wer das als Fahrzeugkategorie betrachtet, geht schon wieder dem Marketinggeschwätz der Autoindustrie auf den Leim. Ebenso blauäugig erscheint mir die Hoffnung auf irgendeine Tätigkeit des Gesetzgebers: leider verschwinden in Deutschland noch nicht einmal Fahrzeuge mit mittelbar gefälschten Zulassungen von der Strasse. – Franz-Manfred Schüngel

 

Den Amerikanern ihre Waffen: der (fast) freie Verkauf; Werbung, Waffenlobby, Geprotze, symbolträchtiges Ersatz-Ich und männliche Potenz; dann die uneingeschränkte Anwendung, weil der Amerikaner das ja darf und kann….. Die Deutschen haben ihre Autos! Dann siehe oben! Das Auto bei uns ist schon lange kein Fortbewegungsmittel mehr. Die Amis reduzieren ihre Bevölkerung durch Waffengebrauch – die Deutschen durch den Gebrauch von Autos! Leider gibt es die Opfer immer auf der falschen Seite. – Wilhelm Stauch-Becker

 

Es tut mir Leid, aber das ging voll in die Hose. Herr Barth betont ausdrücklich, dass ein SUV nicht das selbe ist wie ein Geländewagen. Herr Welzer schreibt ausdrücklich über Geländewagen. Ganz offensichtlich schreiben die beiden Herren also über unterschiedliche Themen. Und die Redaktion hat es nicht gemerkt und die Texte gegenüber gestellt, als gehörten sie zu einem Thema. Wie Herr Barth betont gibt es viele Menschen, die nicht wissen, was ein SUV ist. Leider erklärt er auch nicht, was er darunter versteht. Vielleicht dachte er die Redaktion käme ihrer Aufklärungspflicht nach (In der Spalte UNBESTRITTEN hätte das gut reingepasst). Ist sie aber nicht.

Auch ich gehöre zu den Menschen, die sich unter den drei Buchstaben nichts Konkretes vorstellen können. Irgendeine Art Auto halt. So blieb es mir schon im Betrag von Frau Raether unklar, welche Verbindung es zwischen einem Porsche und einem SUV gibt. Durch diese nicht geschlossenen Wissenslücken blieben alle drei Texte für mich nur eingeschränkt verständlich. Eine Frage noch. Wo ist der Zusammenhang zwischen dem Bild auf Seite 8 und den beiden Texten? Im Vertrieb habe ich gelernt, dass man NIE Abkürzungen, Fachbegriffe und Fremdwörter benutzen soll, da man immer damit rechnen muss, dass die Leser bzw. Zuhörer sie nicht verstehen. – Iman Schwäbe

 

Die beiden Plädoyers sind so geschrieben, als ob die Kontrahenten unterschiedliche Fragen behandeln würden. Herr Barth bezieht die Frage auf sich selbst (obwohl ja in der Frage „man“ steht, also auf Allgemeingültigkeit abgezielt ist) und auf sein eigenes kleines SUV. Herr Welzel spricht dagegen nur von den allergrößten Fahrzeugen und denkt an die ganze Menschheit im 21. Jahrhundert. Wäre es nicht sinnvoll, man würde zuerst zusammen mit dem Fragesteller die Frage klären, bevor jeder seine Streitschrift in Worte fasst?

Was der Beitrag trotzdem zeigt, ist die Kluft zwischen den Befürwortern und den Gegnern neuer Gesetze gegen den menschengemachten Klimawandel. Wie oft hört man Aussagen wie die von Herrn Barth, dass aus der Frage eine moralische Arroganz spreche. Mit dieser Haltung werden alle Fragen, die Werte und Regeln betreffen, die in einer Gesellschaft allgemein anerkannt sind, also die Moral betreffen, von vornherein als unzulässig erklärt. Somit spielt es keine Rolle, ob andere Menschen es richtig und gut finden, wie ich mich verhalte. Bei meinen Entscheidungen kommt es zuerst auf mein persönliches Wohlbefinden, meine Selbstverwirklichung, mein Streben nach gesellschaftlichem Aufstieg, meine Gewinnmaximierung an. So wie es das Leistungsprinzip des Marktes verlangt.

Diese Denkweise kann man jetzt Herrn Barth nicht vorwerfen, aber viele Menschen haben sie über ständige Berieselung mit Werbesprüchen und Business-Slogans eingeübt. Die fortschreitende Vereinzelung des Menschen fördert seine Bereitschaft zu dem Konkurrenzdenken, das die Marktwirtschaft benötigt, aber ein gemeinsames, einheitliches Vorgehen gegen den Klimawandel verhindert. Meine persönliche Antwort auf die Frage, ob man SUV fahren darf, ist: Jeder Bürger sollte vor dem Kauf eines Autos, egal ob SUV oder eine andere Karosserieform, darüber nachdenken, welche Folgen seine Entscheidung für die Gemeinschaft hat, auch für zukünftige Generationen. Und die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft sollten sich darum kümmern, dass aus einer Entscheidung des Bürgers zugunsten der Gemeinschaft kein persönlicher Nachteil erwächst. – Andreas Matt

 

Im Vergleich zu herkömmlichen PKW mögen manche SUV nicht viel mehr Sprit verbrauchen. Doch dieser Vergleich führt nicht weit. Relevanter ist: Fahrzeuge mit zwei Tonnen Masse und einer miserablen Aerodynamik werden nach den Gesetzen der Physik immer mehr Sprit verbrauchen und immer mehr Emissionen ausstoßen als notwendig. Die Effizienzgewinne moderner Motoren werden durch Gewicht und Geometrie von SUV schlicht aufgefressen. DAS ist der zentrale Kritikpunkt. – Markus Koppenborg

 

Was ich bei Ihrer Auflistung unter ,unstrittig‘ vermisst habe, ist beim Platzbedarf die nicht zu unterschätzende Höhe von verschiedenen SUVs. Diese haben neben den genannten Parkplatzabmessungen häufig auch ein Höhenproblem bei einer Tiefgaragennutzung oder generell bei Garagennutzung. Da kann schon mal ein SUV bei der Abfahrt über die Rampe oder beim Einparken stecken bleiben. Bei Standard-Garagenabmessungen kann’s auch in der Höhe zu Problemen kommen – peter krieger

 

Herr Welzer hat offensichtlich den Kasten links neben seinem Artikel nicht zur Kenntnis genommen, sonst wäre sein von keinerlei Sachkenntnis getrübtes Pamphlet nicht zu erklären. Danach liegt der Durchschnittsverbrauch eines SUV auf 100km um 0,6 Liter höher als der eines Normalautos. Das sind 10% mehr als ebendieses verbraucht. Der Platzbedarf ist kleiner als der eines VW Passat, den man durchaus zum Durchschnitt rechnen kann und im Fall des BMW X1 unwesentlich größer als der eines VW Polo, den man wohl eher zu den Kleinwagen rechnen muß. Das macht den vorletzten Absatz seines Artikels zu ignoranzbedingtem Schwachsinn und den unverblümten Haß, der aus dem letzten Absatz spricht völlig unverständlich. Neid kann ja eigentlich nicht die Ursache sein. Zur Klarstellung: ich selbst habe überhaupt kein Auto und lebe auf dem Dorf mit schlechtem ÖPNV Anschluß. Wenn ich einmal ins Theater gehe, bin ich also auf ein Taxi angewiesen, um nach Hause zu kommen (ca. 40 €). Das macht einen Theaterbesuch unbezahlbar. Ich bin 78 Jahre alt und habe erhebliche Probleme mit den niedrigen Sitzen der Normalautos (Ein- und Ausstieg). Solche Menschen kommen bei Herrn Welzer offenbar nicht vor. Glücklicherweise hat meine Frau einen VW Touran, in den ich problemlos ein- und aussteigen kann. Der wird aber von Herrn Welzer, weil Verbrauch und Ausmaße sich nicht nennenswert von denen eines SUV unterscheiden,vermutlich ebenfalls mit seinem Haß verfolgt. So ideologisch verblendet sollte jemand, der einen Professorentitel sein Eigen nennt, aber eigentlich nicht sein. Was also treibt ihn? – Fritz Kronberg

 

Darf man noch SUV fahren? Die Frage sollte heißen: Darf man noch Auto fahren?
Es ist gut, dass der schreckliche Unfall in der Berliner Invalidenstraße die Diskussion um SUVs anheizt. Keine Frage, als Fahrradfahrerin in Berlin sind sie auch mein Feindbild Nummer 1 im Stadtverkehr. Wie mickrig klein und schutzlos fühlt man sich neben diesen riesigen Autos, wenn sie sich wie so oft dem Fahrradstreifen bedrohlich nähern oder auf diesem parken. Aber wenn man so durch Berlin radelt, die Abgase der motorisierten Fahrzeuge einatmend, sind es nicht die SUVs alleine, es sind genauso alle anderen Autos von denen es in dieser Stadt viel zu viele gibt. Der Klimawandel ist keine Neuigkeit, die Welt „brennt“, die Luftverschmutzung, der Stau, die unnötigen und sinnlosen Unfälle, der tägliche Kampf um Raum in einer Stadt, die für den Autoverkehr ausgelegt ist, nicht für Menschen. Das ist alles nicht neu und trotzdem gibt es nur winzige, kaum wahrnehmbare Veränderungen in eine klimafreundlichere Richtung. Warum gab es die Umweltprämie (Abwrackprämie)? Warum gibt es Steuerbegünstigungen für Elektroautos? Warum werden Autos immer noch gefördert? Warum bekomme ich eigentlich keine Prämie, weil ich KEIN Auto besitze? – Sophia Schmidt-Hieber

 

Darf man noch SUV fahren? Da regt mich schon die Frage auf…
…denn sie impliziert ja schon, dass das etwas Schlechtes ist. Aber als Streit-Thema eignet es sich natürlich hervorragend. Schade nur, dass der „Nein“-Vertreter sich nicht lange mit Fakten aufhält; stattdessen trieft der Artikel nur so vor Selbstgerechtigkeit und Polemik. Ich stelle mir gerade einen Opel Mokka oder einen VW T-Roc als „Kampfwagen gegen das Weltklima“ vor… Da frage ich mich schon, was der Professor lehrt: Populismus vielleicht?

Aber um mal ins Detail zu gehen: Die von ihm beschimpfte Autokategorie „Stadtgeländewagen“ gibt es nicht. Es gibt Geländewagen, die man im Gelände sicher gut gebrauchen kann und in der Stadt weniger, das ist wahr. Und dann gibt es noch SUVs, das sind im Grunde Kompaktwagen, die höhergelegt sind. Wofür es lt. dem Professor, der ja scheinbar alles weiß und für jeden Mensch spricht, keinen einzigen rationalen Grund gibt. Ich wüsste schon mehrere, die der Pro-Autor auch teilweise nennt. Die meisten SUV-Käufer in Deutschland sind über 50 Jahre alt, und haben in dem Alter nicht selten Rückenprobleme. Das mag bei Professoren anders sein, das geht vielleicht nicht so auf den Rücken. Auch sind viele SUV-Fahrerinnen Frauen; vielleicht sollte der Herr Professor mal versuchen, in seinen geliebten Austin Mini einen Kindersitz samt Kind unterzubringen – spätestens danach hat er dann auch Rückenprobleme. Dann kommen wir doch nochmal auf die angeblichen Eigenschaften von SUVs: „schwer, durstig, unpraktisch groß und über alle Maßen angeberisch“. Hm, auf eine Mercedes S-Klasse, eine 7er BMW-Limousine, einen Audi A8 oder einen Porsche Panamera scheint das nicht zuzutreffen, nein, nur der SUV ist das Böse in Form eines Autos, schon klar. Dass die meisten SUVs heute von der Fläche kaum größer sind als ein Golf, wenn überhaupt, nur einfach höher, ist ja dabei uninteressant. Auch dass sie dementsprechend nicht mehr Sprit verbrauchen als andere; mein Mazda CX5 verbraucht je nachdem wie schnell ich ihn fahre, zwischen 6 und 6,5 Liter auf 100km. Davor bin ich (BMW) Mini gefahren, der hat mehr verbraucht.

Aber wen interessieren schon solche Fakten? Damit wäre ja auch schon das angebliche Parkproblem erledigt, also ich komme problemlos in die Garage und auch in die meisten Parkhäuser (wobei es natürlich auch Parkhäuser gibt, die ausschließlich für Austin Minis gebaut worden zu sein scheinen, aber die kann man ja meiden). Aber am bedenklichsten finde ich die Schlussfolgerung des Autors, etwas, für das es (angeblich) keinen rationalen Grund gibt, einfach verbieten zu dürfen. Hm. Dann werden wohl als nächstes Haustiere verboten (Blindenhunde natürlich ausgenommen), Lenkdrachen, Schnittblumen und Weihnachten sowieso. Schöne neue Welt. – Gabriele Seibt

 

Ich finde die Serie „Streit“ eine gute Idee, weil ich so etwas auch für sehr wichtig halte. Bei diesem Artikel bin ich aber der Meinung, dass die falsche Frage gestellt wurde.Viel besser fände ich die Frage, ob man überhaupt Auto fahren darf, oder zumindest ob man das Autofahren in Innenstädten nicht verbieten sollte. – Gerhard Großelohmann

 

In der aktuellen Ausgabe sind in der Graphik unter Platzbedarf zwei SUV Modelle dargestellt. Warum – und das finde ich wirklich sehr verdächtig – stellen Sie die kleinsten SUV Modelle der Hersteller Porsche und BMW dar??? Anstatt BWM X6, X7 oder Porsche Cayenne, Audi Q7 oä..?? Das sind doch die Autos um die es hier gehen sollte, die wirklich niemand braucht. Wenn Sie neutral sein wollten, hätten Sie zumindest eine Art Druchschnittsgröße der aktuell zugelassenen SUV in Deutschland berechnen können. Haben Sie aber nicht. Diese Darstellung verzerrt total die Fakten und suggeriert, dass SUVs gar nicht so groß sind. Das ist schlicht falsch! Gleiches gilt für den Spritverbrauch: Sie beschriften den Verbrauch von SUV mit 6,2 l/100 km – Bezieht sich das auf das Beispiel von Manuel Barth? Oder auf den Druchschnitt der 28 % Autos in Deutschland, die SUV sind? Könnten Sie mir eine Quelle nennen, die bestätigt, dass 6,2 l/km der Durchschnittsverbrauch aller zugelassenen SUV in Deutschland ist? Das ist so vollkommend irreführend!

Das Ganze noch unter den Titel „Unstrittig“. Tut mir Leid, das ist wirklich hart. Ich dachte, die ZEIT bringt keine Fake-News. Sie wollen mit dem Buch „STREIT“ eigentlich eine Diskussionsplattform bieten und verfälschen die Fakten! Entweder sie wollen es sich mit ihren gut bezahlenden Werbeauftraggebern nicht verscherzen, oder Sie wurden direkt von der Automobilindustrie bezahlt, eine derart irreführende Grafik zu drucken, und schlicht irreführende Zahlen zuveröffentlichen. Oder wollen Sie es sich mit einem Teil ihrer Leser nicht verscherzen?

Warum tun Sie das? Das schadet ihrer Seriösität! Das ist nicht die journalistische Qualität, die ich von der ZEIT erwarte. Ich würde mich über eine Stellungnahme sehr freuen. – Johannes Röder

 

Die beiden Autoren schreiben von zwei Welten, zwei sehr verschiedenen Autowelten. Manuel Barth fährt wohl einen Personenwagen der unteren Mittelklasse (einen BMW X1?). Sein Fahrzeug hat fast nichts gemein mit den Stadtpanzern, von denen Harald Welzer schreibt. Bei Barths Wagen hat sich der Konstrukteur nur eine, und zwar die beste SUV-Idee ausgeliehen: Die praktische Form, aus der sich der hohe Einstieg und der Überblick, der große Innenraum, der große Kofferraum ergeben. Und das bei bescheidenen Außenmaßen. Er hat zur Ersparnis nur Vorderradantrieb, sicher auch eine für heutige Verhältnisse mäßige Motorisierung (kaum mehr als 100 kW?). JA, Herr Barth bezeichnet sich zu Recht als Öko. NEIN, die Kampfwagen, die Harald Welzer beschreibt, kann man nicht mehr dulden. Man sollte nur versuchen, die beiden Autowelten auch sprachlich zu unterscheiden. – Dr.-Ing. Hanspeter Harries

 

Der Beitrag von Manuel Barth macht deutlich, wie verschwommen und deshalb unbrauchbar der Begriff „SUV“ ist. Dessen Wagen verbraucht ja schätzungsweise halb so viel Sprit wie ein Porsche-SUV. Und auch den kann man nicht einfach verbieten. Was die Politik machen kann: Grenzwerte für den CO²-Ausstoß festlegen und diese Grenzwerte kontinuierlich herabsetzen. Und zwar nicht bezogen auf den „Flottenverbrauch“, sondern auf jede einzelne Marke eines Konzerns.

Übrigens, diese Riesenfahrzeuge, genannt SUVs, sind in meinen Augen vor allem eins: lächerlich. Mich erinnert diese Tendenz, durch immer größere Fahrzeuge das eigene Prestige zu erhöhen, an Mephistos Argument: „Wenn ich sechs Hengste zahlen kann, / Sind ihre Kräfte nicht die meine? / Ich renne zu und bin ein rechter Mann. / Als hätt‘ ich vierundzwanzig Beine.“ (Faust I, Studierzimmer). Hier ist der Übergang vom Haben zum Sein unübertrefflich zur Anschauung gebracht. – Paul Humann

 

Bisher ging ich davon aus, von der Zeit ausgewogen informiert zu werden. Wenn es um die neue verkehrstechnische Modedroge SUV geht, scheint das nicht mehr zu gelten. Betrachtet man den Infokasten, der die beiden Beiträge mit Fakten illustriert, wird man den Verdacht nicht los, dass die Fans der großen Autos in der Redaktion am Start waren. Bei der Darstellung des Verbrauchs suggerieren Sie, dass die SUV mit Benzin fahren. Geschätzt 90 Prozent dieser Autos besitzen aber einen Dieselmotor. Der angegebene Durschnittsverbrauch von 6,2 Litern ist für einen Diesel dann auch alles andere als sparsam, der Vergleich mit dem Verbrauch eines nicht näher definierten „Durchschnittsautos“, das angeblich 5,6 Liter Benzin verbraucht, hat wohl allenfalls das Ziel, den Leser zu vernebeln.

Besser wird es auch nicht, wenn Sie der Leserschaft nahe bringen, dass ein Porsche Macan mit 4,7 Meter Länge kürzer als ein VW Passat ist und somit kein Parkraumproblem darstellt. Dass ein SUV von der Dimension eines BMW X7 satte 5,20 Meter lang ist, und somit nicht mehr auf einen regulären 5-Meter-Parkplatz passt, verschweigen sie. Präsentiert wird uns das Ganze unter der Überschrift „Unstrittig“. Die geschätzte Zeit – plötzlich ein publizistischer Erfüllungsgehilfe der Autoindustrie? Hoffen wir mal, dass das nur ein einmaliger Fehltritt ins tendenziöse Meinungsmacher-Fach war. – Michael Stürm

 

Die angegebenen Verbrauchswerte der unterschiedlichen KFZ Typen stammen offensichtlich von den Herstellern. Wie jeder Fahrer aus Erfahrung weiss, kann man diesen Werten genauso trauen wie den Abgaswerten der Diesel Hersteller. – Peter Pielmeier

 

Ich bin spät dran mit meinem Leserbrief. Aber den Artikel von Welzer will ich nicht unwidersprochen lassen. Er ist typisch für den Diskurs in unserer Gesellschaft. Mit solchen Texten werden Sie dem untertitelten Anspruch Ihrer Rubrik nicht gerecht.
Bestandteil eines Streits über gesellschaftliche Positionen sollte u.a. sein, von der eigenen Meinung abweichende Argumente zur Kenntnis zu nehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Ich habe nicht den Eindruck, daß sich Herr Welzer den Pro-Artikel angesehen hat, bevor er seinen Beitrag formulierte. Er geht in keiner Weise darauf ein. U.a. ignoriert er völlig, dass es das SUV nicht gibt, sondern eine große Zahl davon etwas höhergelegte Mittel- und Klein-Pkw`s sind. Aber dieses Faktum passt einfach nicht zu seinem Text. Der Artikel ist oberflächlich, substanzlos, aber sehr meinungsstark – wie auch die Bücher von Welzer. – Herbert Kreis

 

Meine Meinung ist zugegebenerweise von einer gewissen Affinität zu Autos geprägt. Vielleicht liegt es daran, daß ich in einem Land mit einer weltweit anerkannten Automobilindustrie aufgewachsen bin. Kindisch. Aber im meiner Jugend spielten Jungen noch mit Autos. SUV JA oder NEIN. Zwei Meinungen, die Eine (Ja) informativ unaufgeregt, die Andere (Nein) ideologisch durchwachsen und provokant , für mich nicht objektiv. Der erste Ansatz der Beurteilung ist eine Verallgemeinerung. 3 bis 4 % der SUV’s sind wirklich groß und schwer, der Verbrauch ist trotzdem noch moderat. Der Rest der SUV’s, 930.000, der im ersten Halbjahr 2019 Zugelassenen , ist absolut mit dem Rest der Neuwagen vergleichbar. Der durchschnittliche höhere Mehrverbrauch liegt bei 0.6 Liter. Es sind schlicht und ergreifend technisch hochwertige und praktische Autos. Eskapismus ist für eine Kaufentscheidung nicht ersichtlich. Diese Oberklasse Autos, so nennt man sie bisher, gab es schon immer. Die alte Mercedes S Klasse 500 Mercedes wog mindestens 2,5 t und verbrauchte das zwei bis dreifache der heutigen „schweren Karren“.

Eine Historikerkommision 2500 würde fiktiv zuersteinmal ihr Unverständnis über die „Straßenkreuzer“, so nannten wir Jugendlichen die amerikanischen Autos früher, mit ihren 5 Liter Hubraum äußern. Diese wirklich spritfressenden Autos, z. B. Pickups, werden auch heute noch von den Amerikaner geliebt. Unsere Autokultur ist eine andere. Wer mit dem SUV, klein, mittel oder groß eine Grundsatzdisskusion über Resorsenverbrauch oder Verkehrspolitik führen will, nutzt diesen nur als Mittel zum Zweck. Eine Grundsatzdisskusion, allerdings ohne unverschämt, überhebliche Begriffe wie Psychopathologie des Alltagslebens, wie am Schluß gelesen, kann man führen. – Walter Schroiff

 

Mit ungewöhnlicher Aggressivität werden derzeit in unserem Land angeblich umweltschädliche Erscheinungsformen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. Akteure sind neben den üblichen sog. Umweltschutzverbänden und den Grünen auch private, selbst ernannte Umwelt- Bedenkenträger und -Romantiker mit z.T. naiven und sachlich nicht zu rechtfertigenden Forderungen an die Gesellschaft. Auffallend ist hierbei ein in jeder Hinsicht erschreckender Mangel an Fachwissen und Sachkenntnis. Man kann auch sagen: Je oberflächlicher die Sachkenntnis umso lauter das Geschrei und abstruser die Forderungen. Drei Beispiele sollen dies verdeutlichen:
1) Die Treibjagd gegen SUV- Fahrzeuge und ihre Besitzer
Hier bringen die Öko- Bedenkenträger einiges durcheinander: Das Kraftfahrt Bundesamt (KBA) unterscheidet jedoch zwischen SUV’s und (schweren) Geländewagen. Die SUV’s , um die es hier geht, basieren prinzipiell auf den üblichen Fahrzeugklassen Klein-, Kompakt- und Mittelklassewagen und sind quasi höher gelegte Kombi’s. Treibstoffverbrauch und Schadstoffemissionen sind somit vergleichbar mit den „normalen“ Fahrzeugklassen. Die Unfallhäufigkeit der SUV’s liegt lt. KBA im unauffälligen Bereich, also unterhalb ihres Zulassungsanteils von z.Z. 6,7%. Wozu also die ganze Aufregung bis hin zu selbst verfassten, an die Scheibe geklemmten schriftlichen Verwarnungen der Öko- Aktivisten?
2) Die Kampagne gegen Kreuzfahrtschiffe
Bemängelt wird, dass Kreuzfahrtschiffe (noch), wie alle anderen Schiffe auch, mit Schweröl betrieben werden, was zu erheblichen Schadstoffemissionen führt. Ignoriert wird jedoch die Tatsache, das alle auf der Welt befindlichen Kreuzfahrtschiffe einen Anteil von gerade einmal 0,333% an der gesamten Welthandelsflotte haben. Ist das ein wirkungsvoller Ansatz, das Weltklima zu retten?
3) Die Forderung, Inlandsflüge in Deutschland zu verbieten
Bei allem berechtigten Bestreben, die CO2- Emissionen in Deutschland zu verringern, muss auch hier nach einem wirksamen Ansatz gesucht werden, d.h., man hat sich zuerst auf die Hauptverursacher zu konzentrieren. Die Inlandsflüge sind dies definitiv nicht, denn lt. einer Studie des Bundesumweltamtes sind Inlandsflüge nur zu knapp 0,3% an der gesamten CO2- Emission in Deutschland beteiligt. Immerhin, die Forderung der Grünen nach einem Inlandsflugverbot bestätigt ihr zweifelhaftes Image als Grüne Verbotspartei.

Mein Vorschlag: Etwas mehr Recherche, Sachlichkeit und Objektivität bevor man unbescholtene Mitbürger zu Unrecht stigmatisiert! Oder kann es sein, dass das Bekämpfen von erarbeiteter Lebensqualität weniger mit Umweltschutz sondern etwas mehr mit der latenten Neiddebatte in Deutschland zu tun hat? Hoffentlich nicht! – Michael Deil

 

Interessiert laß ich Ihrem Artikel über Herrn Barth und seinen SUV. Die dort aufgeführten Verbrauchsdaten brachten mich allerdings stocken. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Verbrauch eines SUVs so niedrig ist. Da verbrauchte mein Peugeot 103 mit Dachbox mehr. Ich nahm mir also die Liste der Top-10 der SUVs vom Manager-Magazin, darunter Modelle, die ich nicht als SUV eingeordnet hätte. Hierzu suchte ich die Verbrauchsdaten unter spritmonitor.de. Und schon taten sich Fragen auf: Vergleichen Sie den Diesel- oder den Benzinverbrauch? Und nehmen Sie den Minimalwert? Ich kam zumindest bei meiner Top-10-Liste auf einen durchschnittlichen Benzinverbrauch von 8,7 Litern; über 2 Liter mehr als der von Ihnen genannte. Ihre sehr gut gemeinte Statistik dient als Argumentationsbasis für SUV-Fahrer wie den eines Audi Q7: „SUVs verbrauchen ja gar nicht so viel!“ (Audi Q7, 15,43 l/100km Benzin resp. 11,11 l/100km Diesel Durchschnitt!).

Aber das sind Zahlenspielereien. Herr Barth spricht von kleinen SUVs. Der Unmut der Stadtbevölkerung richtet sich nicht gegen Dacia-Sandero-Stepway-Fahrer, sondern gegen solche eines Porsche Cayenne. Und sicher soll auch keine Fahrzeugkategorie verboten werden. Die wird ohnehin von Herstellern frei vergeben. Aber man muss Fahrzeuge aus den Städten fernhalten können, die zu groß für die Infrastrukturen sind. Ich sehe täglich, wie sich Pajeros an Tucsons vorbeirangieren um vor einem Amarok auf den Gehweg auszuweichen. Und hier muss es möglich sein, Höchstmaße festzulegen. Größere Fahrzeuge bedürfen einer Sondergenehmigung. Und auch der Benzinverbrauch sollten Höchstwerte nicht überschreiten dürfen. Der Durchschnittsverbrauch von SUVs dieser Art liegt laut spritmonitor.de bei 14,21 Litern Benzin (Beipspiel: Range Rover von Land Rover verbraucht 16,81 Liter/100km Durchschnitt!).

Und wenn Sie mir noch einen Kommentar zu Herrn Scheuer und seiner Angst vor Verboten erlauben: Als ich ein idealistischer Halbstarker war, hing ich der politischen Utopie des Anarchismus an. Ich bin sehr erstaunt, dass gerade die CDU die Anarchitische Revolution ausruft und Verboten den Kampf ansagt. Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft wagen: Das Halten an roten Ampeln wird zukünftig über Anreize geregelt. Jeder der anhält, darf sich sich einen KFZ-Steuer-Rabattcoupon vom Ampelpfahl pflücken. Baugenehmigungen sind freundliche Empfehlungen, es wäre dufte, würden hängende Lasten doppelt gesichert und ich bekomme für jeden Mitmenschen, den ich nicht verprügel, eine Prämie vom Staat. Das klingt reizvoll und könnte so eine Art bedingungsloses Grundeinkommen schaffen. Die CDU/CSU sind die echten Revoluzzer: Atomausstieg, Homoehe und jetzt den Anarchismus. – Martin Kruckenberg

 

So sehr ich eine pro-contra-Darstellung grundsätzlich schätze, hier läuft sie in´s Leere. Welches Autos letztlich den Verkehr in der Stadt dominieren, kann Fußgängern und Fahrradfahrern fast egal sein. Wir brauchen kein SUV-Verbot sondern neue Ideen für autolose Mobilität in der Stadt. Und davon gibt´s schon ganz schön viele. – Dr. Christian Voll

 

In Ihrem Artikel wird der Platzbedarf bezüglich Breite bei dem SUV BMW X1 mit 1,8 m gleich groß angegeben wie der von einem VW Polo, nämlich 1,8 m. Da das unglaubwürdig klingt, habe ich nachgeforscht: Polo beansprucht nur 1,682 m Platz in der Breite! Spiegel kommen übrigens jeweils noch dazu. – Josephine Riemann

 

Irgendwann, da wird der Tag kommen, dann gibt es auch einen „SUV“ auf Rezept, sogar zuzahlungsfrei, falls folgende Indikationen zusammenkommen sollten: „Chronische Gelenk- und Rückenschmerzen“ gepaart mit einem mittelschweren „Dachschaden“! – Riggi Schwarz

 

In den Artikeln zum Thema ist die These vertreten, dass ein Unfall mit einem SUV für einen Fußgänger oder Fahrradfahrer nicht schlimmer wäre als mit einem anderen Auto. Dies verwundert mich, da ich meine, schon vor Jahren gelesen zu haben, dass Unfallforscher der Meinung seien, dass die Bauweise dieser Wagen durch die höher sitzende Stoßstange und Motorhaube im Ernstfall zu stärkeren Verletzungen führen würde.

Doch dies ist nur ein Grund, die Verbreitung der Wagen kritisch zusehen. Es geht auch gar nicht darum, ob der Wagen genau soviel Kraftstoff verbraucht wie ein ähnlicher Kombi. Da es in jedem Fall um den Verbrauch von Rohstoffen geht und der Energieverbrauch für die Fortbewegung so gering wie möglich sein sollte, darf ein Wagen eben nicht unnötig schwer sein. Ansonsten braucht er sinnlos Benzin, Diesel oder Strom (der ja auch erzeugt und in einer nicht unproblematischen Batterie gespeichert werden muss). Also müssen Steuern, aber auch Gewichtsobergrenzen dafür sorgen, dass Effizienzsteigerungen auch dem geringeren CO2-Ausstoß zugute kommen und nicht in den Transport von schwerere Karosserien, elektronischem Zusatzequipment und Ähnlichem fliessen. Sonst wird die nächste Generation transportable Umkleidekabinen bieten, aber leider noch genau soviel ausstossen, wie ein Wagen vor 10 Jahren… – Heike Lehmann

 

Was Sie als Redaktion betrifft, bin ich ein wenig fassungslos, dass Sie in dieser Causa die persönlichen Befindlichkeiten und Erfahrungen eines „höher gelegten“ Golffahrers als Argument gelten lassen für die angebliche Notwendigkeit, in Städten Autos zu fahren, die man auch als Panzer titulieren kann. Mir hat mal so ein Gerät meine E-Klasse ruiniert, der hatte gerade mal eine Schramme an der Stoßstange und ein verbogenes Nummernschild. Aber darum geht es nicht, ich stelle an die Redaktion der ZEIT den Anspruch, sachorientiert zu berichten. Dies ist Ihnen hier nicht mal ansatzweise gelungen. – Hendrik Takes

 

In der Ausgabe in der es um die SUVs ging hätte ich wieder gehofft gehabt, die Zeit würde eine tiefer gehende Debatte anstoßen. Die Aufmerksamkeit hatte mich ohnehin verwundert, ob das daran lag, dass der schwere Unfall in Berlin war? Letztes Jahr starben über 3200 Menschen im Verkehr.
Um zum Punkt zu kommen: Ich hätte mir einen Streit gewünscht, der über Definitionen und Gefühlen gegenüber SUVs hinausgeht. Wir haben in Zukunft eine Gestaltung eines gesamten Verkehrs vor uns, im Grund geht es um Mobilität. Das verdichtet sich nicht in einem SUV-Unfall, sodass sich dieser meiner Meinung nach als Einstieg eignet, aber nicht die Komplexität einer Verkehrswende erfasst. Vielleicht lieferte der Fall Denkanstöße für Verkehr in der Großstadt. Aber ich traue Ihnen mehr zu als das. Mehr traue ich Ihnen auch bei den Kolumnisten zu. Wenn ich Poschardt lesen will, kann ich das bei Welt und Twitter. Frau Reschke sehe ich im Öffentlich-Rechtlichen. Gäbe es keine meinungsstarken Autoren, die weniger präsent sind und neue Perspektiven liefern können? – Julian Mertens

 

Wieder tolle Artikel, die ich mit großem Interesse gelesen habe, „STREIT“ finde ich prima! Die Artikel haben mir bestätigt: man sollte besser auf einfaches SUV-Bashing (das mir spontan gefühlsmäßig fast zu gut gefällt!) vermeiden, weil es halt nun mal keine einfachen Antworten für komplexe Problemstellungen gibt und weil die Auto-Fans und -Lobbyisten immer Ansatzpunkte zur Verharmlosung finden. Ich finde es auch sehr gut, dass der „fliegende Porsche“ nicht SUV genannt wurde. Erlauben Sie mir einen anderen Blickwinkel (nicht nur) auf das Thema SUV, ganz ohne diesen Begriff?
– Großes Gewicht führt zu Mehrverbrauch (=CO2) und ist Verschwendung von Ressourcen.
– Übermotorisierung führt zu Mehrverbrauch (=CO2), das gilt aber fast für alle derzeitigen Autos! Ohne PS- und Beschleunigungs-Wahn und noch leichter mit einem Tempolimit auf Autobahnen könnte man Autos auf sparsamen Umgang mit den Ressourcen optimieren und damit wahnsinnig viel einsparen, z.B. auch Lärm und Feinstaub durch Reifenabrieb. Wenn ein Auto mit verschiedenen Motoren angeboten wird, ist (ich meine ausnahmslos) der Schwächste der Sparsamste.
– Unnötige Größe führt zu mehr Gewicht, unnötigem Flächenverbrauch und mehr Luftwiderstand (gilt z.B. auch für einen VW-Bus).
– Den bessere Überblick in großen Autos gibt’s nur, solange die Anderen kleinere Autos haben. Will man diesen Vorteil auf Dauer genießen, führt das zu einem endlosen Wettrüsten.
– Ähnlich ist es mit der zweifellos vorhandenen größeren Sicherheit in einem schweren Auto. Die bezahlt der leichte Unfallgegner vielleicht mit seinem Leben. – Dr. Werner Zoller

 

Finde es sehr gut, dass sie Initiative zur Förderung der Streit Kultur fördern! Bitte weiter machen… Bin aber immer wieder enttäuscht und beinahe schockiert von den Berichten von z.B. ihrer Mitarbeiterin Elisabeth Raether, die offenbar nichts mehr liebt als die Dummheit unserer Gesellschaft zu entlarven ohne dabei lebensfrohe Alternativen anzubieten. Schade. Eigentlich traurig. Sogar destruktiv aus meiner Sicht.. Außerdem der ständige Werbe-BlaBla für Kreuzfahrten, SUVs usw. ist für mich kaum erträglich! Bitte machen sie endlich Schluss damit!! Zynismus und Geschäftemacherei sollten endlich- einer konstruktiven , freudig, lustvoll kritischen Haltung- weichen. Oder?? – Claudius Merz

 

Auf die Rubrik „Streit“ habe ich mich gefreut, ebenso über das Thema „Darf man SUV fahren“. Leider finde ich nur zwei Artikel zum Thema, die nichts miteinander zu tun haben. Wo bleibt da der Streit, der Austausch von Argumenten? Die Artikel selbst sind nach meinem Empfinden eher schwach.

Die Argumente des Befürworters laufen ins Leere. Denn die meisten Menschen denken bei SUV an die Spritschlucker der Kategorie Audi Q7, Mercedes ML, BMW X3,5 + 6, Range Rover Sport, Porsche Cayenne etc. Deren Verbrauch liegt bei knapp 200% (oder sogar mehr) als die zitierten 6,2 l/100km. Für diese Monsterautos kann ich beim besten Willen kein logisches Argument finden. Die Argumente gegen die „Stadtgeländewagen“ sind lediglich polemisch, aber nicht fundiert. Wen interessiert es, was Historiker im Jahr 2500 über SUVs denken? Gibt es wirklich keine besseren Argumente gegen SUVs? Schade! Das ist noch Luft (die ohne die dicken SUVs besser wäre) für Verbesserung. – Peter Hangen

 

Sehr enttäuschend ist, dass auch Sie das Fahrzeugsegment „SUV“ im aktuellen Fall von Berlin wählen. Das ist ebenso unrichtig wie verharmlosend als auch verwirrend. Zu Recht ärgert sich Herr Barth als SUV-Fahrer darüber. Das in Berlin verunfallte Fahrzeug gehört dem Segment „Geländewagen“ an. Genau das sind die übergroßen Wagen, die in Städten nichts verloren haben. Das wissen auch die Nutzer, was sie aber offenbar nicht kümmert. Wäre schön, wenn die Zahlenangaben in der Rubrik „Unstrittig“ so wären. Laut KBA wurden im 2018 ca 630 TSD SUVs ( 18,3% ) und ca 303 TSD (8,7%) Geländewagen zugelassen, letztere haben auch weit mehr PS, verbrauchen deutlich mehr und passen nur dann auf einen Parkhausplatz, wenn daneben kleinere Fahrzeuge parken. – Werner Zahn


 

Leserbriefe zu „Und plötzlich flog der Porsche“ von Elisabeth Raether

Sie haben in ihrem aufwühlenden Artikel ein kleines Detail, eine Beobachtung erwähnt die absolut richtig ist und meiner Meinung einen tieferen Hintergrund hat . Nämlich das aggressive Gesicht , ich will es mal so nennen, der Autos von heute , nichts mehr von der Freundlichkeit , Ja dem oft lustigen „Gesicht „ von früher mal . Ich meine das dieses aggressive aussehen der Autos von heute ein Spiegel unserer Gesellschaft ist , nur der stärkere, rücksichtslosere kommt voran , Rücksichtnahme , Freundlichkeit gar liebliches aussehen?, völlig verpönt das wird meist milde belächelt der oder die weiß eben nicht wie man heute vorankommt . Und genau dieses denken, und leider oft genug handeln , wiederspiegeln die Autos heute mit ihrem aussehen . – Mayrhofer Herbert

 

Nichts beleuchtet die Absurdität der SUVs besser als der groteske Slogan eines großen Produzenten: „Sie jagen gern Abenteuer in der Großstadt?“ – sowie die Tatsache, dass dieser Slogan nach dem schrecklichen Unfall in Berlin ganz rasch zurückgezogen wurde. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Auch in Glückstadt an der Elbe, wo ich wohne, muss ich miterleben bzw. mir vorstellen, was passiert, wenn immer schnellere und schwerere Autos die Straßen beherrschen und wenn diese Geschosse auf Rädern „von der Fahrbahn abkommen“, wie es lapidar dann in Polizeiberichten heißt – vom täglichen Verkehrslärm vorm Haus bis zu Toten und Verletzten, wie jetzt wieder in der Hauptstadt – des einzigen EU-Staates ohne allgemeines Autobahn-Tempolimit, was aus meiner Sicht genauso den Erfordernissen unserer Zeit widerspricht wie diese SUV-Panzerkarossen, die nicht mal in Land- oder Forstwirtschaft nützlich sind. Auch ich will diese Tragödie an der Acker- und Invalidenstr. nicht für irgendwas instrumentalisieren, indem ich mit beiliegenden pdf-Anhängen Sie darauf hinweise, warum unser derzeitiger Rechtstaat nicht befähigt und nicht geeignet ist, hier präventiv tätig zu werden: Weder zählt in der geltenden BImSchV demnach Verkehrslärm wie Baustellenlärm noch interessiert die Staatsanwaltschaft hier die Einhaltung von Verkehrsregeln bevor es kracht.

Bitte ergreifen Sie im Namen Berlins eine Bundesratsinitiative, diese geltenden Gesetze vollzugswirksam entsprechend anzupassen, um das Lebensrecht von Fußgängern und Anwohnern i.S. Grundgesetz Art. 2 Abs. 2 und Art. 20 a GG wiederherzustellen, wie z.B. auch mit SUV-Fahrverboten und generell entsprechenden Tempolimits. Weil diese Themen hier in der örtlichen Kommunal- und Landespolitik in Schleswig-Holstein kein Gehör mehr finden, schicke ich Ihnen diese Mail, und möchte damit selbstverständlich auch meine Anteilnahme bekunden. Bitte teilen Sie mir mit, welche Konsequenzen Berlin aus dem SUV-Horrorcrash zieht. – Kai Meier

 

Gerade habe ich Ihren Beitrag gelesen, und kann Ihnen im Grunde nur zustimmen. Allerdings greifen Sie meiner Meinung nach zu kurz, das Auto ist nicht nur in Städten der dominante Herrscher der Straßen, sondern in allen Ortschaften! Auch bei uns wird gerast was das Zeug hält, der Weg zum Fußballplatz führt zb an unserem Haus vorbei (das letzte vor dem Ortsschild), zu Trainigs- und Spielzeiten lasse ich die Kinder nicht mehr an die Straße, da „fliegen“ die Fahrzeuge förmlich den Berg hinauf. Ebenso der land- und forstwirtschaftliche Verkehr, bei jedem Traktor, jedem Langholzlader (gerne von gestressten Subunternehmen) den ich vorbei rauschen höre, schicke ich Stoßgebete zum Himmel, dass die Kinder nicht erfasst werden… Wenn die Hühner am Straßenrand picken wird langsamer gefahren, bei spielenden Kindern rauscht man ungebremst vorbei. Wir haben unseren Bürgermeister schon mehrfach darauf angesprochen, und er wäre sofort bereit, innerorts Tempo 30 einzuführen – leider bekommt er das bisher nicht durch den Gemeinderat. Flächendeckend in allen Ortschaften 30 kmh, das sollte dringend eingeführt werden! Starten Sie doch eine Petition (-: – Anuschka Eberhardt

 

Vielen Dank für den bewegenden Artikel zum tragischen Autounfall in Berlin. Wenige Tage vor diesem Unfall lässt der größte deutsche Automobilkonzern an den Avus-Tribunen gegenüber dem Eingang zu Internationalen Funkausstellung riesige Plakate mit Werbung für einen großen SUV einer seiner Marken aufhängen. Neben dynamischen Bildern des Fahrzeugs der Leitspruch: „Own the City“ Ist es dieses Zusatzversprechen, nun auch noch den Raum besitzen zu können, den mein SUV gerade einnimmt, das so viele Käufer verführt, solche Fahrzeuge zu kaufen? Die Haltung: ‚mein Auto ist größer – ich habe mehr Rechte‘ beobachte ich als Radfahrer und Fußgängen jedenfalls öfter in solchen SUV’s als in anderen PKW’s. – Reinhard Groscurth

 

Seit es das Auto gibt, steht es für Prestige, Wohlstand und vor allem Freiheit. Und diese Idee wird durch die Werbung immer wieder neu beflügelt. Wenn wir ein neues, lebendiges Bild von Freiheit entwerfen und neben das unzerstörbare Autofreiheitsbild stellen wollen, sollten wir Sonntags unsere Autos stehen lassen und grundsätzlich einen autofreien Sonntag fordern und erstreiten . Wenn dann die Kinder in den Straßen spielen können, die Rentner in ihren Rollstühlen auf der Urabnstarße Rennen fahren können, der Zickenplatz nach Grillkohle duftet und der einzige Lärm in den Straßen menschliche Stimmen, Musik und Lachen sind und wir beim Lüften der Wohnung plötzlich gewahr werden, dass es auch in der Stadt Vögel gibt: dann wird eine andere Idee von Freiheit spürbar und dann kann ein neuer politischer Wille beflügelt werden, kreativ und kraftvoll ohne die Wucht fliegender Autos. – Peter Heydecke

 

Eins vorweg: Der Durchschnitts SUV verbraucht effektiv etwa 10 bis 15% mehr Sprit als der Durchschnittliche PKW auf deutschen Strassen, auch abhängig von der Fahrweise sicher weniger als mancher 5er oder 7er BMW, E-Klasse PKW, mancher Golf GTI oder der für Familien beliebte VW Bus. Die fahrzeugklasse für die Umweltprobleme verantwortlich zu machen ist Augenwischerei. Man beachte den Co2 Abdruck einer email, mehr noch sagen wir Facebooknachricht..

SUVs als gefährlich einzustufen geht völlig am Thema vorbei. Gefahr lauert immer von dem, der am Steuer sitzt, nicht vom Verkehrsmittel. Ich bin beruflich seit über 20 Jahren beschäftigt mit Untersuchungen zur Fahreignung bei Bus, Taxi und LKW Fahrern. Jeder achte hat ein unzureichendes Sehvermögen bzw eine unzureichende Brillenkorrektur, ca jeder 10. hat eine gefährlich schlecht eingestellte oder bisher unbekannte Zuckerkrankheit und geschätzt jeder 5. hat einen unzureichend behandelten oder bisher unbekannten Hypertonus. Die Zahl der Gelegenheitsepileptiker ist deshalb gering weil uns keine Untersuchungsmöglichkeiten gegeben sind, einen während der Untersuchung asymptomatischen Probanden , der die Erkrankung verschweigt, dingfest zu machen.

Und leider ist die Einsicht gerade bei aktenkundigen Epileptikern gering, sie wehren sich gegen für ALLE sinnvolle Fahrverbote mit allen Mitteln. Wenn ich von diesem Probandenkreis auf diejenigen Hochrechne, die als PKW Fahrer irgendwann in der Jugend mal einen Sehtest machen mussten zur Führerscheinprüfung und danach sagen wir bis zu 75 Jahre ohne weitere Kontrolle Auto fahren dürfen (nicht zu verwechseln mit KÖNNEN) wundere ich mich über die GERINGE Zahl an Unfällen, die passieren. Versuchen Sie mal, einem Dementen das Autofahren auszureden! Da kann es gar keine Krankheitseinsicht mehr geben, sehr zum Leidwesen oftmals der Angehörigen, die sich um des Familienfriedens nicht trauen, den übrigens für JEDERMANN offenen Weg zur Zulassungsstelle für eine Anzeige zu gehen. Bei Anfangsverdacht wird die Zulassungsstelle ein Gutachten verpflichtend in Auftrag geben – und wieder kommt die hohe zeit der Anwälte… Es ist hohe Zeit, regelmässige Gesundheitsuntersuchungen auch für PKW Fahrer einzuführen analog zu den LKW Führerscheinen mit Reaktionstest ab dem 60. Lebensjahr alle 5 Jahre. – Dr. med. Mathias Bieberbach

 

Der Streitpunkt ist für mich nicht, dass das SUV 0.6 Liter mehr an Benzin verbraucht, sondern dass es ein Gefahrenpotential für das nachfolgende Auto darstellt: Achten Sie mal auf ihre Aufmerksamkeitsspannung, wenn Sie hinter einem SUV fahren, durch dessen Scheiben Sie nicht durchsehen können! Man hat nämlich normalerweise den weiter vorausfahrenden Autoverkehr noch im Blick und reagiert, wenn bei jenem die Bremslichter aufleuchten. Das funktioniert hinter dem SUV nicht. Ich glaube der Statistik nicht, die behauptet, SUVs seien nicht öfter an Unfällen beteiligt als andere Pkw. Ich rate dringend dazu, diese Statistiken noch einmal unter die Lupe zu nehmen! – Martin Grau

 

Die dicken Brummer wären ja überhaupt kein Problem, wenn es nicht die Leute gäbe, die sie kaufen und sie – wie die meisten PKW-Fahrer – in unangemessen aggressiver Weise nutzen. Gerade in unserer auf Äußerlichkeiten bedachten Gesellschaft wird es immer mehr Menschen geben, die glauben, ihr defizitäres Sozialprestige mit „chromblitzendem Kühlergrill, mit breiten Schlappen und röhrendem Auspuff“ aufpolieren zu müssen. Und wer sich eine dieser Protzkisten nicht leisten kann, sucht nach anderen Lösungen. Wozu braucht z.B. ein armer Schlucker einen zähnefletschenden Kampfhund, der ihn steuerlich stärker belastet als ein Schoßhündchen? – Dr. Claus Doenecke

 

In Ihrer aktuellen Ausgabe behandeln Sie u.a. den SUV-Unfall in Berlin in einem einseitigen Artikel. Diese Aufmerksamkeit liegt für mich sehr an der Grenze zu Entrüstungs- und Verbaljounalismus. Diese Entwicklung beobachte ich seit einiger Zeit bei Ihnen- Aktualität ja, aber mit mehr Abstand ( ich lese Die Zeit seit Mitte der sechziger Jahre ). M.E. hätte der für mich passendere Artikel von U. Poschardt den traurigen Vorfall ausreichend und gut getroffen. – Ralf Rudorf

 

Mit der Verteufelung des SUV wird man der Gesamtproblematik – des unzumutbaren Zustands auf unseren Straßen – nicht gerecht. Seit Jahren stelle ich insgesamt ein verändertes Verständnis davon fest, was es heißt, sich im öffentlichen Raum zu bewegen. Ich beobachte, dass immer mehr Mitmenschen das Autofahren als einen performativen Akt verstehen, es also nicht als reines Fortbewegungsmittel nutzen, sondern um etwas darzustellen. Wenn ich diese Verhaltensweisen richtig interpretiere, dann geht es dabei um Demonstrationen vor allem von Stärke und Dominanz, insgesamt um eine auftrumpfende Haltung, die sich offenbar darin gefällt, auf Regeln und Konventionen zu pfeifen. Dass sich dies am ehesten in einer PS-starken Luxuskarosse bewerkstelligen lässt, leuchtet ein. SUV-Ausmaße sind dabei keineswegs die Regel. Dafür manipulierte Motoren, deren Lärmemissionen sich inzwischen ähnlich, wenn auch auf andere Weise, belastend auswirken wie der CO2-Ausstoß.

Wir bewegen uns auf unseren Straßen nicht mehr im Bewusstsein, Teil eines Ganzen zu sein, das nur so lange funktioniert, wie wir uns dessen bewusst sind. Sondern wir sprengen dieses Ganze durch regelwidriges und individuelle Instinkte durchsetzendes anarchisches Fahrverhalten auf. Damit droht der Straßenverkehr zum rechtsfreien Raum zu werden. Das ist, wie ich finde, ein gesamtgesellschaftliches Problem. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf. Wenn die Rechtsstaatlichkeit in unserem Lande nicht weiter in die Defensive geraten will, muss der Gesetzgeber auch ein kritisches Auge auf die Verhältnisse auf unseren Straßen werfen. Wer mit seinem Fahrstil andere Menschen nötigt und demütigt, ohne dass man sich dieser Übergriffe erwehren kann, handelt nicht nur unethisch, sondern auch fahrlässig und verantwortungslos. Denn er gefährdet Leib und Leben anderer Menschen. In derlei Situationen gerate ich täglich, ohne dass diese in einer Statistik auftauchten. – Uwe Rauschelbach

 

Ein Verbot von SUVs (in der Stadt!) wäre also „Bevormundung“? jeder soll sich frei entscheiden können und so ein Vehikel fahren, wenn er Spaß daran hat? Es gibt Leute, die Spaß daran haben, zu stehlen, um sich zu schießen, Tiere zu quälen, Kinder zu missbrauchen, andere umzubringen … – soll ihnen das erlaubt sein, nur damit sie sich nicht bevormundet fühlen? Diese Dinge sind zu Recht verboten, ohne Wenn und Aber, weil sie anderen Schaden zufügen.

Das tun SUVs doch auch! Vielleicht nicht immer absichtlich und aus bösem Willen, aber inzwischen ist hinreichend bekannt, wie sehr Autos der Gesundheit von Stadtbewohnern schaden und wie schwer die Unfälle mit den panzerartigen Großfahrzeugen sind. Sage keiner, er habe nichts gewusst! Die SUVs hießen früher mal „Geländewagen“, und in unwegsamem Gelände haben sie ihren Platz, auch auf dem Lande, im Wald, für Leute, die dort ihre Arbeit verrichten.

Wieviele dieser Autos, die in den Städten alles verstopfen, hat jemals etwas anderes als asphaltierte Straßen befahren? und wenn ja, zur Arbeit oder nur so zum Spaß? Bruno Bettelheim sagte im Bezug auf die Erziehung von Kindern: „Man kann alles verstehen, aber nicht alles tolerieren“. Das gilt wohl auch für die kleinen Geister, die ein dickes Auto brauchen, um sich groß zu fühlen. – Heide Itasse

 

Elisabeth Raether stellt die ebenso berechtigte wie dringende Frage: „Warum werden der Herrschaft des Auto in der Stadt keine Grenzen gesetzt“? Nicht nur in der Stadt, auch auf der Autobahn, wo rücksichtslose Raser mit Tempo 200 „ihre Freiheit ausleben“ und dabei Tote und Verletzte in Kauf nehmen. – Sven Herfurth

 

Fast jeder neue Mittelklassewagen hat ein Navigationssystem welches dem Bordcomputer die zulässige Höchstgeschwindigkeit mitteilt. Einen Tempolimiter gibt es ebenfalls. Warum werden die Autos nicht so programmiert, dass sie die gesetzlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten? Für Überholvorgänge könnte man eine gewisse Kulanz einräumen. Ach ja: Dann würden solche absurden SUV noch weniger Sinn machen. Der Automobilindustrie kann das nicht gefallen. Unser Staat ist aber in erster Linie dazu verpflichtet die Allgemeinheit zu schützen und die Polizei hätte eine Menge Zeit für andere Dinge. – Patrick Becher

 

Ihr Artikel mit ausgeprägtem SUV-bashing paßt tatsächlich in die Zeit(ZEIT), ist allerdings unvollständig und erklärungsbedürftig. Zunächst einmal werden SUVs gebaut und gekauft weil eine entsprechende Nachfrage da ist. Die meisten SUVs werden übrigens von Frauen und Müttern gesteuert, um damit die lieben Kleinen in die KITA/Schule – wenn möglich noch durch das Schul- oder Kitator hindurch – zu kutschieren, natürlich völlig egal ob vor der jeweiligen Einrichtung ein absolutes Halteverbot oder eine 30er Zone ist, völlig wurscht!! Man sitzt außerdem etwas höher, kann auf andere herabblicken,jawohl und sitzt nicht mit dem Hintern quasi auf der Straße. Auch das gehört zur Wahrheit und ja, sehr geehrte Frau Raether auch Frauen lieben das! Das kann man selbstverständlich beklagen bzw. kritisieren aber ändern wird es nichts.

Ein anderer Aspekt ist dagegen viel bedeutender. Sehr viele Zeitgenossen in unserer Gesellschaft haben mittlerweile das „Gegen“ zu Ihrem Lebensmodell erkoren. Wie Sie wissen vergeht kaum noch ein Tag, an dem nicht „Gegen“ etwas aufgerufen, geklagt, demonstriert….wird, ein unglaublicher Egoismus, Rücksichtslosigkeit, ja auch Gewalttätigkeit, Selbstmitleid, Selbstkritiklosigkeit usw… hat sich mit all ihren Folgen breit gemacht. Es gibt zu oft nur noch das ICH; es fehlt das WIR und natürlich das „Für“ oder noch besser das „PRO“, die Rücksichtnahme das Füreinander einstehen usw. Zählen Sie doch bitte mal auf 200m Länge Straße die aufgestellten Straßenschilder. Hier findet in der Tat eine Überregulierung statt, nur niemand ist in der Lage den Schilderwald zu durchforsten, der dann logischerweise von vielen ignoriert wird, da auch nicht kontrolliert wird wie Ihnen richtigerweise die Polizei mitteilte. Die Polizei würde sich morgens vor den Schulen/Kitas die Finger vor lauter Ticketschreiben wundschreiben. Der ganze oben beschriebene Egoismus, die Rücksichtslosigkeit usw. findet natürlich seit geraumer Zeit auch auf den Straßen statt.

Wer schert sich denn noch um ein Haltegebot an Zebrastreifen usw. Sie werden da heute auch mühelos von einem Kleinwagen „platt“ gemacht, wenn Sie nicht ganz schnell einen „Satz“ machen. Also schert man sich gleich generell um samtliche Regeln, ist also wie so viele „Gegen“, heizt mit 70 durch die 30er Zone mit dem Gefühl:“Hier bin ich Mensch, hier darf ich`s sein“ oder „Hier laß ich die Sau raus… Das ist also kein SUV-Problem sondern ein etwas tieferes Phänomen, was – siehe oben – Männlein und Weiblein gleichermaßen betrifft und keineswegs welches Auto man fährt. – Axel Jeske

 

Elisabeth Raethers Artikel wie auch ihr Auftritt am Sonntag bei Anne Will waren das Wichtigste, das mir in all der Flut von Aufsätzen, Diskussionen und Kommentaren zum Großthema „Klimakrise“ begegnet ist. Warum? Weil Frau Raether die Fragen stellt, die in der politischen Mainstreamdiskussion ängstlichst vermieden werden, nämlich: Wie wollen wir eigentlich zukünftig leben? Welche Werte sollen unser Leben steuern? Entsprechen die mit anscheinend unbegrenzten finanziellen Mitteln verzweifelt zu verteidigenden herrschenden Verhältnisse wirklich unseren tieferen Bedürfnissen? Sollten und können wir diese einfach so in die Zukunft fortschreiben – vielleicht mit veränderter Technik? Das Auto eignet sich für diese Diskussion als Beispiel.

Wäre der „fliegende Porsche“ elektrisch oder mit Wasserstoff betrieben gewesen, wäre der Unfall natürlich genauso schrecklich gewesen. Also lautet die relevante Frage, wie von Frau Raether gestellt: „Warum werden der Herrschaft des Autos in der Stadt keine Grenzen gesetzt?“ Und die Antwort hierauf finden wir nur, wenn wir in unser Inneres schauen, das kollektive oder herrschende Bewusstsein. Denn die Probleme, die wir in unserer äusseren Welt vorfinden, sind ein Spiegel der Probleme in unserer inneren Welt. Das Auto hat im herrschenden Bewusstsein hierzulande eine ähnliche Position wie die Feuerwaffen in den USA. Es repräsentiert Freiheit und Selbstbewusstsein. Und wir finden sehr ähnliche Denkstrukturen, wie sich deutlich in dem SUV-Trend zeigt: eine Grundwahrnehmung von Bedrohung (paradoxerweise auch durch die Klimakrise, zu der man ja durchaus beiträgt), gegen die man sich individuell wappnet, und eine tendenzielle Legitimation des Rechts des Stärkeren.

Dass solche archaischen Muster auf dem Grund auch unserer superkorrekten demokratisch-deutschen Denk- und Lebensweise zu finden sind, wird verbreitet tabuisiert. Es ist ein blinder Fleck in unserem Bewusstsein. Licht auf solche blinden Flecke zu lenken, birgt Risiken, kann Krisen auslösen. Es könnte sein, dass Business-as-Usual-alles-unter-Kontrolle-lasst-uns-nur-machen dann nicht mehr funktioniert. Weil deutlich wird, dass es keine einfachen, parolengeeigneten Antworten auf die großen Existenzfragen gibt. Und dass eine wirkliche Bewältigung von Problemen nicht mit dem gleichen Denken gelingt, das zur Entstehung der Probleme geführt hat. Zurecht sagte Frau Raether bei Anne Will zu Andreas Scheuer, er habe nicht den Mut zu den wirklich notwendigen Schritten. Aber in dieser Hinsicht unterscheidet sich Scheuer kaum vom Gros der Spieler in Politik und Medien. Ohne einen neuen, großen gesellschaftlichen Diskurs taumeln wir, (noch) mit Milliarden gepolstert, in eine Menschheitskatastrophe. Es braucht viele Stimmen wie Elisabeth Raether. – Rudolf Müller


 

Leserbriefe zu „Buhmann Boris“ von Jan Ross

Jan Ross schreibt in seinem Artikel „Buhmann Boris“: Die Abgeordneten von Labour und Liberaldemokraten „hatten dreimal die Gelegenheit, den Deal zu verabschieden, den Johnsons Vorgängerin Theresa May mit der EU ausgehandelt hatte“. Wenn ich mich recht erinnere, hatten auch Johnson und einige der Herrschaften, die jetzt in der ersten Reihe sitzen, die Gelegenheit. Sie hätten nur mit ihrer Regierung stimmen müssen, die unter May ja noch die Mehrheit hatte. Stattdessen haben sie nichts unversucht gelassen, den May-Deal zu hintertreiben und die Premierministerin aus dem Amt zu jagen. Und nun wirft Johnson die Tory-Abgeordneten, die gegen seine Regierung stimmen, eiskalt aus der Fraktion. Vielleicht war May einfach zu demokratisch für die zynischen Poshboys in ihrer Partei, die jetzt am Ruder sind. – Monika Baumüller

 

Was würde nicht alles schon den neuen Premier schon alles angedichtet. Ihr Autor hält sich da eher zurück. Ich verstehe auch einiges als ehemaliger Finanzmanager von Export-Import und das Große Ganze in der Wirtschaft. Boris ist, wie ich mir in London immer wieder habe sagen lassen; der Mann ist von besonderer Intelligenz, die ihr nicht alle folgen können. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß er sein Land ins offene Messer rennen läßt. In Deutschland gibt es wahrscheinlich zu viele politische Journalisten, die das gern sehen würden. Mir geht es in Deutschland ähnlich, weil ich die AfD als Gewinn für die Demokratie sehe. In meinem unmittelbaren Bekanntenkreis, besonders in Singapur, ist das Gegenteil der Fall. In Deutschland hat man die Bürger durch eine anständige Kopfwäsche auf Linie gebracht. – Gunter Knauer

 

Vor ein paar Monaten haben Sie ja schon in einem Artikel befunden, Boris Johnson werde einen guten Premier abgeben, was ich damals bereits für eine eklatante Fehleinschätzung nach all den Lügen, die er vor dem Referendum verbreitet hatte, hielt. Nun schlagen Sie wieder in die gleiche Kerbe und schlussfolgern entlang den Argumentationssträngen der konservativen Brexit-Hardliner, es sei eine Legende, dass der PM die Demokratie zugrunde richte, obwohl er schon 2016 damit systematisch begonnen hat und zusammen mit seinen Gefolgsleuten gerade Spaltung, Unversöhnlichkeit sowie Unfähigkeit zum Kompromiss in und zwischen den Parteien munter vorantreibt, wie bei den im Live-Stream auch in Deutschland übertragenen Debatten im Parlament gut zu verfolgen war.

Verantwortlich machen Sie hingegen die Legislative, die sich Ihrer Ansicht nach unverantwortlich in die Geschäfte der Exekutive einmischt. Ja, das ist staatsrechtlich sicher problematisch, aber wer sollte sonst alles Erdenkliche unternehmen, um das vorsätzlich angestrebte Schlimmste zu verhindern? Johnson sicher nicht, denn der betreibt es ja. Mein größter Respekt gilt den ausgeschlossenen konservativen Parlamentariern, die sich diesem Irrsinn verweigert haben – und dem schottischen obersten Gericht. Gespannt erwarte ich den Spruch des Londoner Gerichts, denn was passiert mit einem PM, der seine Königin belügt? – Jutta Schwarz

 

Die Einleitung zu diesem Artikel deutet die Implikationen der Thematik trefflich an. Es geht beim Brexit und dessen Umsetzung eben um weit mehr, als nur Großbritannien – und es geht um mehr, als man oberflächlich wahrnimmt. Ihre Meinung, Boris Johnsons Verhalten gefährde die Demokratie im Vereinigten Königreich nicht, kann ich auch daher nicht teilen. Mehrere Ihrer Argumente bedürfen einer tieferen Betrachtung: Sie schreiben, dass das Unterhaus nach Ablauf der Suspendierung Johnson jederzeit das Vertrauen entziehen kann, vergessen dabei aber zu sagen, was derzeit im Falle von Neuwahlen droht: der Einzug der Brexit-Partei ins Unterhaus, mit der die Tories dann koalieren würden. Denn alle anderen Parteien, von der kleinen DUP abgesehen, kämen dafür derzeit nicht infrage.

Das Neuwahlen unumgänglich wären, bei einem Vertrauensentzug, ist glaube ich Konsens. Denn es gibt derzeit keine Aussicht darauf, dass sich das Unterhaus auf einen Gegenkandidaten einigen kann. Daher sollte man das Misstrauensvotum m. M. n. nicht als eine Lösung darstellen, die die Problematik entschärfen könnte. Zweitens: dass Johnson derzeit die Unterstützung der Tories verliert, so wie Sie es als Möglichkeit anführen, ist unwahrscheinlich. Er ist aus der Torie-internen Auswahl doch erst vor kurzer Zeit als Sieger hervorgegangen, d.h. eine Mehrheit – und zwar die der sogenannten Brexiteers – bei den Tories unterstützen also seinen Kurs. Und er hat gerade erst dafür gesorgt, dass über 20 Torie-Abgeordnete, die von seiner Linie abwichen, ihre Sitze im Parlament entzogen bekamen. Da gibt es nur noch eine handvoll, die gegen ihn rebellieren könnten. Das reicht doch nicht, um ihn abzusetzen. Daher kann auch dieses Szenario m. M. n. nicht als Grund zur Beruhigung dienen. Kommen wir zu Ihrer brisantesten Aussage, die sich über zwei Absätze zieht. Sie schreiben, dass das Kernproblem die drei Jahre andauernde Debatte im Parlament ist, in der insbesondere der von May mit der EU ausgehandelte Deal dreimal abgelehnt wurde. Dass es dreimal der gleiche Deal war, lassen Sie das bewusst aus, das zu erwähnen? Richtig ist stattdessen, dass dieser eine Deal vom Unterhaus nicht akzeptiert wurde, unter anderem wegen dem Backstop. Das ist demokratisch legitim! Die Tories haben aber zwei Chancen verstreichen lassen, den Deal so zu gestalten, dass ihn eine Mehrheit im Parlament akzeptiert. Johnsons eigene Partei ist also dafür verantwortlich – nicht das Unterhaus als Ganzes.

An dieser Problematik verdeutlicht sich auch das stark antidemokratische Moment des Brexits. Ja, es ist richtig, knapp 52 % der Wähler stimmten für den Brexit. Über eine Million außerhalb von Großbritannien lebende Staatsbürger, potenziell fast alles Remainer, konnten wegen einer „Panne“ aber z. B. gar nicht an der Wahl teilnehmen. Ähnlich kann man argumentieren, dass vor allem die jungen Bevölkerungsschichten, die mehrheitlich gegen den Brexit sind, nicht mit abstimmen durften, obgleich sie der Brexit potenziell viel stärker als die älteren betrifft. Wir wollen auch nicht unerwähnt lassen, da wir über Demokratie sprechen, dass hier aufseiten der Leaver erwiesenermaßen Wahlmanipulation betrieben wurde, z. B. durch Falschaussagen und illegale Wahlkampfspenden. Unternehmen wie Cambridge Analytica, die in den USA Trump an die Macht halfen, mischten ebenfalls mit. Sie haben in Sozialen Medien bewusst Hetze gegen Ausländer geschürt und z. B. behauptet, dass, wenn Großbritannien in der EU bleibt, bald viele Tausende Türken ins Land kommen würden, wegen der angeblich bald bevorstehenden EU-Erweiterung. Man kann die Brexit-Entscheidung m. M. n. daher nicht demokratisch nennen. In keinem Fall ist es aber eine klare Entscheidung gewesen, so wie Sie schreiben. Und da 48 % der Wahlbeteiligten gegen den Brexit stimmten, hat die Exekutive eine Lösung zu finden, die beide Lager befriedigt. Das wäre dann demokratisch; einen Konsens zu finden, darum sollte es jetzt doch wohl gehen. Also, Brexit ja, aber einer, der die Interessen von dem sehr großen Anteil der Bevölkerung, der nicht austreten will, angemessen berücksichtigt. Das wiederum ist Aufgabe des Unterhauses – und nicht von Nigel Farage und all den anderen Stimmungsmachern.

Und ich finde, viele Mitglieder des britischen Unterhauses gaben und geben alles dafür, um für eine solche demokratischen Lösung zu kämpfen. Dafür gebührt ihnen Anerkennung. Es ist demnach nicht das Unterhaus, was undemokratisch handelt. Die Sturheit einer Mehrheit in der Torie-Partei war und ist es, die die demokratischen Kräfte des Landes auflaufen lässt – und sie öffentlich diskreditiert. Das sollten Sie nicht verharmlosen. Johnson handelt darüber hinaus antidemokratisch, wenn er sich der Debatte entzieht, das Parlament suspendiert, falsche Aussagen die EU-Mitgliedschaft betreffend tätigt, die Auswirkungen des Brexits verharmlost, kein zweites Referendum hinsichtlich eines Deals akzeptiert u.s.w. In diesem Kontext betrachte ich auch Ihre Beurteilung des Versuchs des Unterhauses, legislativ gegen die Autorität Johnsons vorzugehen, als oberflächlich. Die Opposition und sogar Mitglieder der Regierungspartei haben es über parteipolitische Gräben hinweg geschafft, sich erstens zu wehren und zweitens der autokratischen Vorgehensweise Johnsons und seines Beraters David Cummings etwas entgegenzusetzen.

Zuletzt möchte ich die ZEIT-Redaktion dazu anregen, einmal tiefergehend zu analysieren, wer den Brexit initiiert hat. Könnte Putin dahinter stecken? Immerhin scheinen reiche Milliardäre hinter der Finanzierung von Nigel Farage und UKIP, also einigen Hauptakteuren, zu stecken. Und Milliardäre könnten auf die Beteiligung des Erdölsektors hindeuten. Russland wiederum, das von der EU wirtschaftlich sanktioniert wird, spielt in diesem Bereich eine immer größere Rolle und hat also ein starkes Motiv, der EU Schaden zuzufügen. Was der Brexit eindeutig tut. Auch die USA könnten ein Interesse daran haben, die EU zumindest zu schwächen. Zuletzt wäre vielleicht auch ein Blick auf die Finanzindustrie im Hinblick auf mögliche Drahtzieher hilfreich. Fürchtet dieser volkswirtschaftlich für Großbritannien so fundamentale Sektor eine mögliche Regulierung durch die EU? Jacob Rees-Mogg stellt hier ja einen direkte Verbindung in diese Sphäre dar. Und David Cummings übrigens eine direkte nach Russland! Womit ich wieder bei der Aussage vom Anfang bin: Es geht beim Brexit um weit mehr, als man vielleicht denkt. – Benjamin Heinze

 

Letztendlich entscheidet sich Jan Ross in seinem Artikel nicht wirklich, ob Johnson eine Bedrohng für die Demokratie darstellt, wie eingangs behauptet. „Es ist wichtig (..) die Nerven zu behalten,“ schreibt er, und dass Groβbritannien nicht auf dem Weg zur Dikatur sei. „Nerven behalten“. Dieser Rat erinnert etwas an die fehlgeleitete Hysteriebehandlung von Frauen um das Jahr 1900. Wenn sich doch nur keiner zu sehr aufregte! Im letzten Absatz spricht Ross allerdings davon, dass das Risiko der Brexit-Poitik „enorm“ sein und der Konservativismus sich „in eine ressentimentgeladene nationalistische Rechte“ zu verwandeln drohe. Und die stellt keine Gefahr für die Demokratie dar? Hysterie nützt keinem, leichtfertige Beschwichtigungen jedoch genausowenig. Und übrigens: es mag für Deutsche nur ein sprachliches Detail sein, aber schockiert über das aktuelle Tagesgeschehen auf der Insel sind nicht nur viele englische Betrachter, sondern (und gerade) besonders viele britische. – Andrea Materlik

 

Ich hatte bisher eine hoher Meinung von der Zeit. Aber dieser Artikel hat mich erschüttert. Wie kann man den „Psychopathen“ Johnson und die Misere des englischen Brexit-Dramas so platt interpretieren. Das entspricht eigentlich nicht dem Stil der ZEIT – dachte ich wenigstens bisher. Kein Mensch, der die Vorgänge in England einigermaßen aufmerksam verfolgt und ein wenig das englische.Parlamentsystem kennt, erwartet, dass dieser Johnson zum Diktator wird. Dagegen steht die jahrhundertealte Demokratie in England mit Prozeduren, die man in Deutschland kaum nachvollziehen kann – aber zum Teil sehr wirksam sind, allerdings offensichtlich auch Probleme mit modernen Demagogen haben. Und dagegen steht der Dillettantismus des egozentrischen Elitezöglings Johnson und seines hoffentlich überschätzten Chefmanagers Cummings. Und niemand hält die Opposition im englischen Unterhaus, die es nicht geschafft hat, ein klare Position zum Austritt aus der EU zu beziehen, für mustergültige Demokraten. Auch sie hat überwiegend (der Labourchef bestimmt, aber keineswegs alle Abgeordneten) aus parteitaktischen Motiven gehandelt. Aber es gab – Gott sei Dank – auch andere: Die Abgeordneten der Konservativen, die trotz der Konsequenzen übergetreten oder letztlich mit der Opposition gestimmt haben, sind ihrer Verantwortung als Abgeordnete nachgekommen. Das englische System und seine merkwürdigen Traditionen (sie haben z.B. einen Premier, der nicht einmal vom Parlament gewählt wurde und deshalb eigentlich kein Mandat hat) hat sowohl die absurden Purzelbäume des Parlaments als auch dessen effektiven Widerstands bewirkt.

Die Brexit-Abstimmung geht auf die Unfähigkeit eines ehemaligen Premierministers zurück und wurde unter Rückgriff auf die angeblich glorreiche Vergangenheit des Königreichs und mit vielen populistischen Falschinformationen gewonnen. Die Forderung nach deren Wiederholung auf der Basis des Wissens von heute (für die Wähler) als undemokratisch zu bezeichnen, finde ich – vorsichtig ausgedrückt – merkwürdig. Die Wähler sollen also nicht auf der Basis des aktuellen Wissens entscheiden dürfen ? Warum gibt es eigentlich regelmäßig Parlamentsneuwahlen, wenn das Ergebnis einer Volksabstimmung ewigkeitswert haben soll ? Die Gefahr, die von einem Premier Johnson ausgeht, ist neben der „Verwandlung des traditionell eher entspannten britischen Konservatismus“ vor allem eine ganz andere: Das „Kasperle-Theater“ in London hat im Zeitalter der Demagogen über England hinaus eine verheerende Wirkung auf alle, die ohnehin ein Problem mit der Demokratie haben. Es beschädigt die Demokratie in England, demokratische Regeln werden lächerlich gemacht und die Königin als wichtige Institution in Großbritannien wird schwer beschädigt. Wer das alles nicht sieht, hat ein Problem – und das hat offensichtlich Jan Ross. Wer einen solchen Kommentar schreibt, sollte sich erst einmal mit dem Problem beschäftigen. Und England wird in Zukunft ein sehr unsicherer Faktor in der Weltpolitik sein. Dieser egozentrische Johnson fördert die Demagogen in Europa – das sieht sogar sein Bruder, aber nicht der Kommentator der ZEIT. Nicht nur angesichts der Entwicklungen in Amerika und China brauchen wir Europa. Zynisch könnte man sagen: Das einzig Gute ist, dass den Ländern in der EU vorgeführt wird, was es bedeutet, aus ihr auszutreten. Aber das sollte nicht das Fundament sein, auf dem Europa gebaut wird. – Jürgen Abshoff

 

Es ist Jan Ross zuzustimmen, dass manche Diktatur-Vergleiche mit Johnson überzogen sind, doch reproduziert sein Artikel einige von Johnsons Behauptungen zu unkritisch. Vor allem ist das Scheitern des Austrittsabkommens nicht in erster Linie dem Parlament oder der Labour-Partei anzulasten, sondern dem Widerstand der Hardcore-Brexiteers in der Konservativen Partei selbst, einschließlich Johnsons. Bei Labours Ablehnung einer Neuwahl ist außerdem zu bedenken, dass diese Johnson die Möglichkeit gäbe, durch die Festlegung des Wahltermins einen No-Deal Brexit am Parlament vorbei zu erzwingen – und Johnson lässt keinen Zweifel daran, dass er zu allem bereit ist. Das Grundproblem der britischen Politik liegt auch nicht daran, dass der Brexit noch immer nicht vollzogen ist. Die tiefere Ursache liegt in den phantastischen Erwartungen, die vor dem Referendum geschürt wurden, allen voran von Johnson selbst. Hierin liegt Johnsons eigentlicher Beitrag zur Unterminierung der britischen Demokratie: Er hat den Einzug des Post-Truth-Populismus in den Mainstream der britischen Politik angeführt. Auch seine neuesten Provokationen folgen wahrscheinlich dem Kalkül, die Gräben im Land zu vertiefen, um das Brexit-Lager an sich zu binden. Die neusten Umfragen deuten an, dass diese Strategie funktioniert. – Dr. Felix Römer

 

Schnell nach Luxemburg zum Mittagessen mit Jean-Claude Juncker düsen,
schnell vor laufenden Kameras die Hände schütteln,
schnell auf die UK-Insel zurückfliegen,
schnell am „Boris-Johnson-No-Deal-Brexit“ weiterstricken. – Klaus P. Jaworek

 

Von Boris Johnson weiß man inzwischen, dass er es mit Fakten und entgegengebrachtem Vertrauen, auch, was die Grundlegung der Brexit-Debatte betrifft, nicht besonders genau nimmt. Er täuscht an, er täuscht vor, wie zuletzt bei einem schlichtweg inhaltslosen Alibi-Treffen mit EU-Chef Juncker. Diese Art des politischen Umgangs ist weder diplomatisch noch demokratisch. Und sie ist leider durchaus dazu geeignet, eine Gefahr für die Demokratie darzustellen. Denn Unwahrheit und Misstrauen beschädigen die Basis einer liberalen Gesellschaft. – Matthias Bartsch


 

Leserbriefe zu „»Die Kunst ist, nicht zu sterben«“ von Giovanni di Lorenzo

Bewundernswert, was Sie aus Ihrem Gesprächspartner herausgekitzelt haben! Drei Aussagen von Reinhold Messner erscheinen mir besonders bemerkenswert. Erstens seine Aussage zum Glück: Iwan Bunin schrieb schon vor hundert Jahren, dass wir uns an Glück immer nur erinnern und es nicht erjagen können, und Anleitungen dazu nutzlos sind. Zweitens, die Frage nach der Wiedergeburt: Messners Antwort ist ebenso realistisch wie zeitgemäß. Ob der Tote nun von Geiern verspeist, im Grab verwest oder verbrannt wird, immer bleibt er ein Teil des Ganzen. Wenn sich die Religionsführer darauf verständigen könnten, gäbe es weniger Gegensätze und weniger Religionskriege. Und drittens die Überlebensfähigkeit des Menschen. Hier ist Messmers Antwort nicht ganz eindeutig. Hält er den Einzelnen für überlebensfähig in Familien- und Dorfgemeinschaften oder auch ohne diese? Sollte er Ersteres gemeint haben, wäre er selbst kein Vorbild. Vielleicht sind Heldentum und Familienleben doch nicht vereinbar. – Johannes Kettlack

 

In dem Kasten über Reinhold Messner: „1944 wird Messner als eines von neun Kindern eines Südtiroler Lehrers geboren …“ Wir schreiben das Jahr 2019 und wissen, dass Kinder von FRAUEN geboren werden. Unglaublich, dass die Mutter keine Erwähnung findet. – Ursula Eva Pellio

 

Mit einiger Bestürzung bin ich heute zu Beginn des Dossier Interviews mit Reinhold Messner auf den biographischen Eintrag „1944 wird Messner als eines von neun Kindern eines Südtiroler Lehrers geboren.“ gestoßen. Keine Rede von der Mutter, deren wohl nicht wegdiskutierbare Beteiligung wohl in alter Tradition der männlichen Geschichtsschreibung einfach ausgeblendet wird, oder war es Platzmangel der dazu führte?
PS am Rande: Gerade im Falle Reinhold Messners der in seinen biographischen Schriften vielerorts die Bedeutung seiner Mutter für seine persönliche aber auch bergsteigerische Entwicklung betont, verwundert dies umso mehr. – Daniel Zwangsleitner

 

Was Messner da als Wiedergeburt „im weitesten Sinne“ beschreibt, ist etwas anderes. Der zerhackte Leichnam wird per Assimilation Teil eines Dutzends Geier (wie er aufzuzählen vergisst) und über deren Kot Teil ungezählter Pflanzen, die wiederum pflanzenfressenden Organismen ihre Moleküle weitergeben – physiologische Prozesse, die jeder nachzuvollziehen versteht; doch das ist beileibe keine Wiedergeburt im Sinne des Wortes: nämlich als integre Persönlichkeit. Warum haben so wenige den Mut, ihren Unglauben ohne Ausflüchte auszudrücken? Den Glaubensbegriff „Wiedergeburt“ sollte niemand mit Wissensinhalten füllen, denn vom naturwissenschaftlichen Standpunkt her ist er gerade so unsinnig wie die Vorstellung der Auferstehung des Leibes (von Lazarus und Jesus berichtet), die nach 3 Tagen noch halbwegs angehen mag, später aber kaum mehr wünschbar sein kann.

Was Messner sich genaugenommen wünscht, ist ein direkter Übergang in andere Organismen, statt bei den in der EU erlauben Bestattungsformen erst einmal auf unabsehbare Zeit in anorganische Bodenschichten versenkt und so dem organischen Nahrungskreislauf entzogen zu werden; somit wählt er für sich anstelle von Ruhe Rastlosigkeit, wie es einem „Himmelsstürmer“ angemessen sein mag. – Frank Rutz

 

Hätte „Durchschnittsmensch“ Messner so um Mitte 40 mit seinen Kletter- und anderen Extremtouren aufgehört, dann hätte ich davor einen gewissen Respekt gehabt. So aber rüttelt er an den teilvergoldeten Stäben seiner diskursiven Befangenheiten und lässt gelegentliche Besucher sich dieses Schaupiel ansehen. Und, Herr Messner, was soll eigentlich ein „totaler Durchschnittsmensch“ sein? Neigen Sie zum Totalitarismus, vielleicht in der Phantasie? – Christoph Müller-Luckwald

 

Der Nanga Parbat wurde am 3 Juli 1957 im Alleingang und ohne Sauerstoff vom Innsbrucker Hermann Buhl zum ersten Mal bestiegen. – Karl Lubomirski

 

Da hat Giovanni di Lorenzo wohl doch nicht genau genug gelesen; sonst hätte er sich die Frage „Warum sind Sie nicht bei ihm (Günter Messner) geblieben,…“ sparen können: In mehreren seiner Bücher steht die Antwort, z.B. „Der nackte Berg“ (2002) auf den Seiten 224 ff. und 230. Auch die Frage nach der möglicherweise neuen Erfahrung des Aufgebens zeugt von unzureichender Vorbereitung des Interviewers: auch sie wurde mehrfach von R.M. in seinen Büchern beantwortet. Schade auch, dass der Aussage „Ich bin ein totaler Durchschnittsmensch“ nicht ernst- hafter widersprochen wurde. Dann wären die außergewöhnlichen mentalen Eigen- schaften dieses Ausnahmemenschen Reinhold Messner vielleicht herausgestellt worden, nämlich Ehrgeiz und Willen, Kreativität und Fleiß, Leidensbereitschaft und -fähigkeit über alle Maßen! Messners Aussagen zur Rolle von Mann und Frau in der Familie mögen unzeitgemäß sein, bedenkenswert sind sie allemal. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass R.M. den Kompromiss im Politischen für notwendig hält, im Privaten dazu offenbar nicht willens oder fähig ist. So hat er bedauerlicherweise nach meinem Wissen noch immer keinen Frieden mit ehemaligen Expeditionsmitgliedern von 1970 geschlossen, z.B. mit J.Winkler und G.Baur. Reinhold Messner – ein Mensch mit vielen Ecken und Kanten, der gleichwohl mit seiner bisherigen Lebensleistung zu den von mir bewundertsten Persönlichkeiten der Gegenwart zählt. – Helmut Techtmann

 

Reinhold Messner ist „nur“ ein Durchschnittsmensch (seine eigene Worte), der so ganz nebenbei alle „Achttausender“ bestiegen hat, der Wüsten durchquerte, und der einen Bekanntheitsgrad hier in Deutschland von (fast) 100% haben dürfte. Nun ist dieser bekannte „Average-Nobody“ einfach 75 Jahre alt. – Riggi Schwarz


 

Leserbriefe zu „VERTWITTERT“ von Ulf Poschardt

Es ist schön, dass Sie in diesen Zeiten eine breite Debatte fördern möchten und daher das Blatt für externe Stimmen öffnen. Aber wäre es nicht sinnvoll, hier Stimmen zu Wort kommen zu lassen, die sonst nicht oder selten gehört werden? Stattdessen bekommen Promi-Kollegen eine Plattform, zuvörderst der geschätzte Ulf Poschardt, ein Dampfplauderer vor dem Herrn, der noch dazu als WELT Chefredakteur über eine veritable eigene Verbreitungsmaschinerie verfügt. Und er darf sich über Themen auslassen, die ihn wieder einmal zum Ehrenvorsitzenden des exclusiven Porsche Owner Clubs qualifizieren. War das notwendig? Ich nehme die Antwort vorweg: Nein, das war es nicht. Vertane Chance, verschwendeter Platz. Schade. – Martin Krautter

 

Alle Achtung! Herr Poschardt zeigt Mitgefühl für die Toten und hat offenbar die Fähigkeit zu trauern. Jedenfalls beklagt er die Unfähigkeit zu trauern bei seinen Gegnern. Das hörte sich vor vier Jahren noch ganz anders an, im Zusammenhang mit dem tragischen Ende von Mutter und Tochter, die auf nächtlicher Autobahn von einem „Erlkönig“ „zur Strecke gebracht“ wurden. Damals schrieb er in Herrenreiter-Manier in einem Artikel über diejenigen, „die mit ihren armseligen Kisten schon heute auf der Überholspur auf Einhaltung der Richtgeschwindigkeit dringen…je mieser das Auto, umso mieser die Laune…“ (Th. Gsella, „Die Zeit“ 33 / 2017). Hat also der bekennende Porschefahrer Poschardt für sich die Empathie entdeckt? Oder dient sie ihm nur als Totschlagargument gegen die unglücklich argumentierenden SUV-Gegner? – Dr. F. Schulz

 

Thema verfehlt! oder Verharmlosung? Ich den Aufsatz von Elisabeth Raeter auf Seite 3 gelesen, wenn nicht, sollte er das dringend nachholen: Ob „Ekel“ für 680PS Monster der passende Ausdruck ist, sei dahin gestellt: der zittierte Tweet bringt lediglich zum Ausdruck, daß solche Maschinen nichts in Städten mit Fußgängern zu suchen haben. Ob es außer der Profitgier der Produzenten und dem Narzissmus der Fahrer irgendeinen nachvollziehbaren (vernünftigen) Grund für die Existenz solcher Fahrzeuge gibt, möchte ich stark bezweifeln! Ein Kleinwagen hätte auch bei einer „medizinischen Ursache“ definitiv einen kleineren Schaden angerichtet ( Physik: Masse und Beschleunigung!) – Karl Weiß

 

Sie verstecken sich heuchlerisch hinter der „Kaputtheit unserer Gesellschaft“, die Sie als Protagonist der WELT-Gruppe indes bestens kennen. Wie Sie aber, bitte, und die durch Sie repräsentierte Medien-Vereinigung grundsätzlich zum SUV-Wahn stehen , „…dass überhaupt (Personenkraftwagen) mit 680 PS produziert werden.“ – auf diese Frage hätte ich als Leser gern eine richtungsweisende Antwort von Ihnen gelesen. Einem Kolumnisten ist es m.E. durchaus zuzumuten, uns Lesern eine diesbezügliche Lebenshilfe zu vermitteln, statt sich auf verschwurbelte Art der Autoindustrie anzudienen. – Gernot Henseler

 

Ich finde es gut, ein Experiment mit der neuen Rubrik STREIT zu wagen. Wenn ich Giovanni di Lorenzo richtig verstanden habe, geht es darum, Meinungen auszutauschen, pointiert gegenüber zu stellen, Positionen infrage zu stellen, festgefahrene Meinungen aus der Reserve zu locken, einander mit Argumenten zu überzeugen und ins Gespräch zu kommen. Gut so. Aber warum lassen Sie dann Herrn Poschardt in dieser Weise vom Leder ziehen? Im ersten Absatz schon die erste Beleidigung („Abmahnverein“), danach wird es nicht besser. Bis in die letzte Zeile hinein hält er dieses Niveau. Herr Poschardt will hier ganz offensichtlich niemanden überzeugen sondern auf der entgegengesetzten Meinungsseite nur sprachloses Entsetzen verbreiten. Nicht auszuschließen, dass Leser aus seiner eigenen Meinungsblase entzückt waren. Aber ins Gespräch oder in einen Austausch kommt man mit dieser Brachialrhetorik nicht. – Hans-Ronald Niehus

 

Poschardt hätte seiner Kolumne deutlich mehr Durchschlagskraft verliehen, wenn er darin erwähnt hätte, dass er selbst Porsche-Fahrer ist und eben deshalb moralisch so aufdreht. Oder wäre das politisch nicht korrekt? – Thomas Stölting

 

Indem Sie sich Ulf Poschardt als regelmäßigen Kolumnisten an Land gezogen haben, beweisen Sie, dass es Ihnen mit der Streitkultur und extremen Gegensetzen ernst ist. War es nicht eben jener Herr Poschardt, der in einer Talkshow von einer Einschränkung seiner persönlichen (also Ich-bezogegen) Freiheit sprach, wenn ihm verboten würde, im Porsche mit über 200 km/h über die Autobahn zu rasen? (Und eine erhöhte Zahl von Unfalltoten billigend in Kauf zu nehmen? Mehr als 100 Unfalltote jährlich auf Autobahnen werden überhöhter Geschwindigkeit zugeschrieben).

Und sind es nicht die Zeitungen des Springer- Konzerns, denen häufig vorgeworfen wird, mit Vorverurteilungen und „Empörungstreibjagden“ (Wortwahl Poschardt) Volkes Meinung Rechnung zu tragen bzw. zu beeinflussen? Ich kann wohl nicht erwarten,dass Sie Ihren neuen Kolumnisten gleich mit diesem Leserbrief „in die Pfanne hauen“. – Sven Herfurth


 

Leserbriefe zu „Gibt es uneigennützige Gefühle?“ von Eva Illouz und Matthieu Ricard

Es ist wohltuend, dass Ricard gegen Illouz aktuelle neurowissenschaftliche und anthropologische Forschung ins Feld führt. Dennoch muss man ihm (vielleicht im Sinne Illouz) zweierlei entgegenhalten:

1) Die Entsagung von tibetischen Mönchen konstituiert keine Gesellschaft; jene bleibt das Privileg weniger, die sich in ein Kloster Gleichgesinnter zurückziehen können, ohne sich um die anderen wirklich kümmen zu müssen. Erst Konkurrenz und das Empfinden von Mangel erzeugt Fortschritt in Gesellschaften, erst recht, wenn diese eine Größe überschritten haben, die Organisation und vieles mehr benötigen. Dass uns Menschen die Fähigkeit und Bereitschaft zur Kooperation von nicht-menschlichen Tieren unterscheidet, ist gegen Illouz anzumerken.

2) Ricards Rekurs auf Tomasello ist richtig, dennoch verfälschend. Tomasello erkannte bei Schimpasen rudimentäre Formen von Hilfsbereitschaft, die man kaum als Altruismus bezeichnen kann, ebenso solche rudimentäre Formen bei bereits knapp zweijährigen Kindern. Diese Hilfsbereitschaft ist kein Altruismus. Zudem betont Tomasello, dass menschliche Gruppen sehr wohl jene ausschließen, die sich als „Schmarotzer“ erweisen. Damit zeigt er, dass ein gewisses Maß an Reziprozität erwartet wird.

Wie auch immer haben beider Erklärung ihre Berechtigung, aber ebenso vereinfachen und spitzen sie zu, was im Grunde deutlich komplizierter ist. Aber das ist auch die Aufgabe von Sinn & Verstand. – Dr. Josef König

 

Interessante Debatte, deren Ausgang zugunsten der Position von Illouz gerade durch den Einwand von Ricard noch bestätigt wird: “Im Erleben ist selbstlose Liebe mit einem intensiven Gefühl der Fülle verbunden;…Die selbstlose Liebe, so könnte man sagen, ist die positivste aller positiven Emotionen.” Denn was ist eigennütziger, als etwas zu tun, um positive Emotionen erleben zu können? Es zeigt aber, dass der Weg dorthin auch ein gesellschaftlich sinnvollerer sein kann, als den Versprechungen der Spassgesellschaft oder eigenen Selbsterhöhung der Individualgesellschaft zu folgen. Es müssten sich somit nur die gesellschaftlichen Normen für den Weg zum eigenen Glück ändern, um die mächtige Triebfeder Eigennutz sozial verträglich nutzbar zu machen. – Christian Schneider

 

Beide Seiten berücksichtigten nicht ausreichend, dass der Mensch aus der Natur entspringt und deren Teil ist. Sowohl sogenanntes egoistisches Verhalten als auch sog. Altruismus basieren darauf, dass der Mensch aus Instinkt seinem Selbsterhaltungstrieb folgt. Das kann im einen Fall dazu führen, dass man Angestellte grob ausbeutet, im anderen Fall wie ein Buddhist bescheiden lebt und für andere da ist, was heißt: in einer Gemeinschaft akzeptiert und aufgehoben ist, welche das Überleben sichert. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, bleibt er angewiesen auf die Akzeptanz innerhalb seiner Gruppe. Kompliziert wird dies dadurch, dass es die individuelle Lerngeschichte ist, welche die Überzeugungen darüber prägt, was dem eigenen Überleben nützt. Dabei kann vieles schiefgehen, sodass jemand Dinge tut, die ihm schaden. Und selbst nicht weiß warum.

Ich halte die Frage für ungeheuer relevant, denn sie muss uns dabei leiten, wenn wir eine Welt gestalten wollen, in der faires Verhalten belohnt wird. Auf Moral lässt sich keine Gesellschaft gründen, wohl aber darauf, dass es letztendlich von Vorteil ist, wenn man halbwegs anständig durchs Leben geht. Und was das betrifft, haben wir viel zu verbessern. – Eva Gnaudschun

 

Beide Seiten berücksichtigen m. E. nicht ausreichend, dass der Mensch als Teil der Natur in erster Linie seinem Selbsterhaltungstrieb folgt, und zwar aus Instinkt. Ob das Verhalten aus moralischer Betrachtung egoistisch oder altruistisch ist, ist sekundär. Beides folgt dem instinktiven Selbst – und Arterhaltungstrieb. Als soziale Wesen sind wir angewiesen auf die Akzeptanz innerhalb einer Gruppe, wenn wir nicht zugrunde gehen wollen. Dabei entscheidet die individuelle und subjektiv verarbeitete Lebenserfahrung darüber, was dem Einzelnen als überlebenssichernd gilt, sei es die buddhistische Gemeinschaft oder die Mafia, sei es Hilfsbereitschaft oder Ausbeutertum. Der Mensch ist hier zwar durchaus in gewissen Grenzen frei, aber er wird sich mehrheitlich nie hehren Zielen verschreiben, es sei denn, das bringt ihm etwas. Dieses Thema ist ungeheuer wichtig, denn es kann uns helfen, eine Welt zu gestalten, in der faires Verhalten zunimmt, indem es belohnt wird. Auf Moral lässt sich keine friedensfähige Gesellschaft gründen, wohl aber darauf, dass es letztlich zum eigenen Vorteil ist, wenn man halbwegs anständig durchs Leben geht. Was das betrifft, haben wir einiges zu verbessern, solange noch allzu oft der Ehrliche der Dumme ist. Herzliche Grüße und vielen Dank für die vielen Anregungen, die ich der ZEIT verdanke, besonders auch aus den Kontroversen! – Dipl.Psych. Eva Gnaudschun

 

Gut, dass es neben Rede & Gegenrede noch die „Ergänzungsrede“ gibt. Während „Pro“ & „Contra“ zu Schwarz-Weiß-Malerei neigen, um jeweils ihre Seite zum Leuchten zu bringen, kann die Ergänzungsrede Brücken bauen und alle Farbabstufungen zwischen beiden Polen nutzen, um Gemeinsamkeiten zu entdecken. Im vorliegenden Fall kann ich sogar den wesentlichen Argumenten beider Artikel durchaus zuzustimmen und mich mit dem Vorschlag begnügen, lediglich ein paar Formulierungen zu überdenken: Wer sich z. B. auf die menschliche Natur beruft, kann nicht behaupten, dass sie zu „wahrer“ im Sinn von vollständiger „Selbstlosigkeit“ fähig ist, weil sie ja dann gerade das entscheidende Merkmal ihrer Existenz verlieren würde – ihr Selbst als personales Gegenüber, als Mitmensch, der Liebe und Mitgefühl schenken, aber eben auch verweigern kann. Alles andere wäre unmenschlich: Wenn mein Selbst nur „Natur“ wäre, müsste ich immer und von vornherein „mitfühlend und fürsorglich“ sein – einem Roboter gleich, der kein eigenes Selbst hat. Erst die Fähigkeit, uns die eigenen Motive im Hier und Jetzt unseres Handelns bewusst machen und uns selbst entscheiden zu können, hat uns zu einem spezifisch menschlichen sozialen Wesen werden lassen, das erkennen kann, ob und inwieweit es sein „Selbst“ als Inbegriff der eigenen Überlebensbedürfnisse schützen muss, um anderen bei ihren Bedürfnissen eine Hilfe sein zu können. Insofern ist menschliche Selbstlosigkeit in der Tat „kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, die menschliches Überleben allen Negativerfahrungen zum Trotz bislang jedenfalls ermöglicht hat. – Eckhard Heumann

 

 

zu „Gegenrede: Menschen sind von Natur aus mitfühlend und fürsorglich“ von Matthieu Ricard

Dem Beitrag stimme ich voll zu, vor allem seiner Kernaussage, dass all die zahllosen falschen Formen von Altruismus nichts daran ändern, dass es einen echten gibt – denn wie soll man etwas vortäuschen können, das es gar nicht gibt? Doch leider benutzt Herr Ricard fahrlässig einen tragischen Begriff: Selbstlosigkeit. Wer, bitte schön, möchte denn Gutes von jemandem erfahren, der kein eigenes Selbst hat? Ein solcher Mensch wäre ein Roboter, und wir leben ja heute tatsächlich in einer Zeit, in der sich der Mensch der KI annähert, sodass z.B. Altenpflege per Roboter immer mehr in den Bereich des Akzeptablen rückt. Ich nehme an, dass Ricards Altruismus Selbsthingabe meint. Wenn ein Mensch mir in seiner Not sein Selbst schenkt, kommt wahre Mitmenschlichkeit auf. – Horst Igel


 

Leserbriefe zu „Was hilft gegen den Hass? Eine härtere Justiz“ von Yascha Mounk

Ich habe Ihren Artikel gelesen. Ihrer Schlussfolgerung einer Notwendigkeit härterer und konsequenter Strafverfolgung kann ich mich gut anschließen. Dass Sie in Ihrer Belegkette dafür jeweils bei straffällig gewordenen Inländern ansetzen und die Notwendigkeit erst danach abgemildert auf Flüchtlinge und Migranten projizieren, halte ich für einen entscheidenden Fehler. Mit einer Vermischung von Ursache und Wirkung wird nie ein Problem anhaltend gelöst werden. Was mag Herrn Kim M. zu seiner Tat veranlasst haben. Unmotivierter Ausländerhass? Möglich! Oder das Wissen, dass deren krimineller Anteil gravierend über dem Durchschnitt liegt, dass der Staat die Kontrolle nur noch eingeschränkt wahrnimmt, dass wirklich spürbare Konsequenzen kaum vollzogen werden, dass die neuen Tätergruppen unbehelligt, unversehrt und unberechtigt massenhaft im Land geduldet werden. Dass also seine Sicherheit und die seiner Familie durch die geplante neue Nachbarschaft akut bedroht sein könnte. Vielleicht glaubte er, sich selbst schützen zu müssen, weil es niemand anders mehr tat. Vielleicht war das sein Motiv. Vielleicht wusste er um das Versagen von Staat und Justiz. Vielleicht war sein Handeln Wirkung, nicht Ursache. Böswillig könnten Sie mir jetzt Tatverharmlosung vorwerfen und mich mit dem gesamten Portfolio gegen Abweichler vom vorgegebenen Mainstream überziehen. Sie können aber auch mal kurz innehalten und über diesen Blickwinkel nachdenken. Ich habe das bei Ihrem Standpunkt auch getan.

Nein, ich befürworte keine Gewalt und schon gar keine extremistisch begründete. Ja, ich teile das Begehren nach konsequenter Strafverfolgung. Ich sehe aber die Notwendigkeit nicht nur bei schweren Straftaten, sondern bereits bei sogenannten Bagatellen. Die stehen in der Entwicklung oftmals ganz vorn und deren ausbleibende Konsequenzen schulen viele Straftäter für den weiteren Verlauf. Und da sind wir wieder beim Ursache- /Wirkungsprinzip. Ich will nicht wieder die Statistik bemühen und den Herkunftsanteil der Straftäter. Ich stelle mir immer vor, welche Wirkung es auf Täter wohl hat, wenn sie für ein Vergehen in Deutschland ausgeschimpft werden, für das ihnen im Heimatland und nach religiösem Recht vermutlich die Hand abgehackt würde. Ob sie das wohl für Milde halten oder für Schwäche und Dummheit. Ob sie daraus die Schlussfolgerung künftiger Rechtstreue ableiten oder die Freiheit ungesünder Taten. Und hier kommt als Metapher wieder Herr Kim M. ins Spiel, der das auch weiß. Ich hätte sogar einen Vorschlag, der härtere und entschlossenere Strafen ohne Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes ermöglicht und allem Vorgenannten vorbeugt, auch Herrn Kim M’s. Tat. Die illegale Einreise ist, da nicht legal, eine Straftat. Sie ist also grundsätzlich mit einer Strafandrohung belegbar. Diese kann für einen Zeitraum von beispielsweise fünf Jahren vom Vollzug ausgesetzt werden (für junge männliche Migranten vielleicht eher zehn Jahre). Kommt nichts hinzu, verjährt das. Kommt es jedoch zu Straftaten, addieren sich aktueller Strafrahmen und illegale Einreise. Das Risiko rigoroser Strafe und der Verlust des Aufenthaltstitels würden für die Täter steigen. Die Bereitschaft zu Straftaten und deren Anteil würde sinken. Der Staat würde sich wieder als rechtssicherer Hort erweisen. Legale Einwanderer wären nicht betroffen. Herr Kim M. würde nicht kriminell. – Gunter Baldauf

 

Herr Mounk spricht ein aktuelles Problem an. Bereits vor etwa zweihundert Jahren hat der französische Staatsmann Chauteaubriand zu diesem Thema festgestellt: Nicht die Gesetze bestimmen die Aufgaben, sondern die Aufgaben bestimmen die Gesetze!. In Diktaturen und Monarchien erleben wir die alltägliche Umkehrung dieses Grundsatzes. Dagegen ist es in der Demokratie schwierig, diese selbstverständliche Notwendigkeit zum Funktionieren einer Gesellschaft praktisch umzusetzen. Hier stehen zu Recht die Straftaten (Beleidigungen, Volksverhetzung, gefährliche Körperverletzung, Brandanschläge auf Unterkünfte) gegen Flüchtlinge im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses . Werden die gleichen Straftaten von Migranten, insbesondere von fundsmentalistischen Muslimen gegen Juden oder andere „Ungläubige“ begangen, ist die Berichterstattung über Hintergründe und Ursachen sehr zurückhaltend. Am Berliner Breitscheidplatz wird der Opfer des Terrors gedacht, kein Hinweis auf die Ideologie, die zu dieses Verbrechen anstiftete.

Es kommt nicht auf eine gegenseitige Aufrechnung der Straftaten an. Vielmehr sollten Ursachen und Hintergründe stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Es gibt genügend liberale, aufgeklärte Insider der Migranten- und Flüchtlingsszene, deren Wissen die Ursachen und Hintergründe dieser Straftaten beleuchten. Die Legislative und die Öffentlichkeit in Deutschland spricht jedoch leider nur mit den fundamentalistischen Islamverbänden. Toleranz bei Migranten geht soweit, dass selbst deren Intoleranz gegenüber der europäischen Kultur, ihren Regeln und Werten toleriert wird. Es wurde und wird immer noch versäumt, auf die unverzichtbaren Unterschiede im Klartext hinzuweisen. Sowohl in Sachen Rechtsextremismus als auch bezüglich des islamischen Fundamentalismus (Salafismus) genügt es nicht, dass man diese verurteilt. Aus meiner Sicht hilft nur die öffentliche Auseinandersetzung mit deren Weltsicht, die gegen das Grungesetz und gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen steht. Mit welchen Folgen die Opfer dieser Straftaten leben müssen, ist nicht Gegenstand des öffentlichen Interesses. – R. Schmolling

 

Beim Lesen dieses Beitrags fiel es mir wie Schuppen vor den Augen: Wie lange haben wir auf eine solche Darstellung dieses Themas gewartet? Die Fakten stimmen und trotz der emotionalen Hülle, die das Thema umgibt, ist der Beitrag ausgewogen. Es gehört ja heute schon Mut dazu, in diesem Zusammenhang sich auf das „Volksempfinden“ zu beziehen. Aber das trifft den Kern. Von diesem Autor würde ich gern öfter in der ZEIT lesen. – Lothar Kopp

 

Es ist richtig, was Mounk postuliert. Man fragt sich nur, warum sich seit Jahren in dieser Hinsicht nichts geändert hat. Der Staat ist disfunktional und leistet sich nach wie vor eine Kuscheljustiz. – M Pelc

 

Das einzig beruhigende an dem Artikel von Herrn Mounk ist, dass er seine eigene Meinung, in Deutschland herrsche eine zu große Strafmilde, bereits nach einem guten Drittel seines Artikels selbst ad absurdum führt. Wenn in Brasilien und den USA der Anteil an Gefängnisinsassen soviel höher als in Deutschland ist, dann sollte doch die Kriminalitätsrate dort deutlich niedriger sein als im scheinbar so strafmilden Deutschland. Die Statistik zeigt leider das Gegenteil. Herrn Mounk sein dringend empfohlen darüber nachzudenken, ob Straftäter ihre – vorsätzlich begangenen – Straftaten nicht doch in der Gewissheit begehen, eben nicht erwischt zu werden. Auch würde ich ihn gerne fragen ob es ihn von Mord abhält, dass er dafür lebenslänglich (d.h. mindestens 15 Jahre) ins Gefängnis ginge. Nach seiner im Artikel vertretenen Theorie müsste er wohl dann anfangen einen Mord in Betracht zu ziehen, wenn nur das Strafmaß nicht gar so hoch wäre, Es ist traurig, einen derart undifferenzierten Artikel unwidersprochen in der ZEIT lesen zu müssen. – Christian W. Degner

 

Der Artikel stellt einige interessante Thesen und Argumente dar, allerdings auch Fragen und Irritationen, so dass es einer Gegenrede bedarf. Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, dass die Maßstäbe eines Rechtstaates für alle gelten müssen und dieser seine Bürger dh. alle die innerhalb seiner Jurisdiktion leben, nicht enttäuschen darf. Und es gäbe in Deutschland eine Menge zu beklagen, was das Justizsystem, die Polizei und andere Institutionen des Rechtsstaates angeht. Diskriminierung bestimmter Gruppen, nicht nur von Ausländern, sondern auch und gerade über soziale Schichtungen hinweg. Eine Polizei, die ihr Handeln nicht genug reflektiert und Kritik von außen, wie jüngst meiner einer Studie zu Polizeigewalt von Bochumer Kollegen geschehen, pauschal ablehnt – zumindest, was die öffentlich vernehmbare Kritik angeht, die Zustimmung wird zumeist nicht gehört oder nur leise geäußert. Ein Staat der allzuoft auf dem rechten Auge blind ist, wie sie es auch in ihrem Beispiel anführen und anderes mehr. Ihre Kur, ihr Rezept zur Besserung sind härtere Strafen und das halte ich für falsch und aus wissenschaftlicher, kriminologischer Sicht für nicht haltbar. Folgende Punkte, ein wenig angelehnt an ihre Argumente, sind dabei wichtig zu beachten:

  • Ihre Vergleiche mit anderen Rechtssystemen: Die USA deutlich, aber auch andere europäische Länder haben mehr Gefängnisinsassen per 100.000 Einwohner. Wofür ist das ein Ausweis? Das mehr bestraft wird? Das besser und gerechter bestraft wird? Das deren Rechtssystem u.U. noch diskriminierender sind als das Deutsche? Oder aber auch, wenn schon mehr gestraft wird, dann müsste ein Blick auf die Kriminalitätsstatistiken (so problematisch diese sind) zeigen, dass es dort weniger an Kriminalität gibt. Das ist aber nicht unbedingt der Fall. Abgesehen davon dass die Kriminalitätsrate in fast allen westlichen Industrie-Ländern fällt, können härtere Strafen hier nicht als Argument taugen.
  • Sie fordern härtere Strafen, um den Rechtsstaat sichtbarer und verlässlicher zu machen. Keine schlechte Idee. Das würde aber auch bedeuten, dass härtere Strafen tatsächlich mehr sind als nur eine symbolische Geste für was Sie das „Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“ nennen. Dieses als Maßstab für Strafen zu nehmen halte ich für problematisch, weil es allzu leicht zur Beute von Populisten werden könnte, die schon heute bisweilen mal die Todesstrafe fordern für Verbrechen, die sich gegen jedes moralische Verständnis in der Bevölkerung wendet, u.a. Kindesmissbrauch, aber auch andere. Die hohe Mordrate in den USA bei gleichzeitigem Bestehen von extrem harten Strafen bis hin zur Todesstrafe ist dann ein Widerspruch, der zumindest Fragen aufwirft.
  • Ihr Plädoyer für härtere Strafen nimmt einfach kausal an, dass die Taten von den Strafen abhängig sind, ein Gemeinwesen also vor allem an Normen aus dem Strafgesetzbuch orientiert funktioniert. Das halte ich für zu kurz gesprungen und dafür gibt es keinerlei empirische Begründungen. Ein friedliches Miteinander orientiert sich nicht allein an Gesetzen und deren Sanktionsmacht, sondern auch an anderen Dimensionen von Gesellschaft. Interessant in diesem Zusammenhang ist z.B. eine Studie von Münchner Kollegen*, die vermutet, das es Zusammenhänge zwischen Waffengesetzen und Mordraten gibt. Auch hier sind es zwar Gesetze zu Regulierung des Waffenbesitzes, aber nicht Strafandrohungen, die für ein friedliches Zusammenleben entscheidend sein sollen.
    Für die Wirksamkeit von härteren Strafen für die Eindämmung von Straftaten gibt es keine oder nur sehr unklare Belege. Dass härtere Strafen bestimmte Gruppen von Menschen, oft denen, die suggeriert bekommen, dass könnte auch passieren bzw. deren moralischer Kompass durch bestimmte Taten extrem gestört ist, beruhigen, scheint nachvollziehbar. Aber auch hier fehlen empirische Belege, denn die Zusammenhänge sind doch zu vage, zu offen, zu viel abhängig von anderen Aspekten, als dass man dieses Verhältnis einfach isolieren könnte. Interessant ist, dass härtere Strafen ja oft von rechten Populisten gefordert werden – der Sie nicht sind – diese aber dann genauso oft kriminell sind, wie man an den Nazis, an den Pegida-Wortführern u.a. sehen kann.
  • Härtere Strafen für die von ihnen geschilderten Taten halten u.U. auch nicht von den Taten ab, da diese im Affekt geschehen, wie bei so vielen Beziehungstaten oder im Falle des angezündeten Hauses, es einfach dumm war. Letztlich sind es aber einzeln angeführte Beispiele, die einer weiteren Erkundung bedürften um sie als typische herauszustellen. Ja, der Bürger sieht immer nur den Einzelfall. Das sollte für die Justiz und noch mehr für die Politik nicht der Maßstab sein, Gesetze zu machen (ist es leider allzuoft aus populistischen Beweggründen) oder Strafen hoch oder runter zusetzen.
  • Schaut man sich die durchschnittliche Gefängnisbevölkerung an, in Deutschland, aber wohl auch in GB, Frankreich und den USA, so sitzt da kein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung. Fast nur Männer, oft mit wenig Bildung, oft aus schwierigen sozialen Verhältnissen (das ist bei einigen Delikten anders), mit wenig Chancen auf einen geordnetes, bürgerliches Leben. Strafen treffen also bestimmte Gruppen von Menschen mehr als andere, in den USA, wo Sie ja leben, sind es u.a. African-Americans und andere Nicht-Weiße oft aus sozial prekären Verhältnissen. Das hier das eine mit dem anderen zusammenhängt ist unübersehbar. Gefängnisse scheinen nicht der Ort zu sein, der zur Besserung führt, die Rückfallquoten sind zumindest ein Indikator dafür. Bessere Gefängnisse – oder etwas Besseres als Gefängnis? Das wäre für mich die entscheidenen Frage. Schafft die Strafe und der Knast den sozialen Frieden oder war er schon vor der Tat in Gefahr, dass bestimmte Menschen die Verbrechen verübten, für die sie nun Rechenschaft und Verantwortung übernehmen müssen.
    Nicht falsch verstehen: Ein schwere Kindheit rechtfertigt keine Vergewaltigung, keinen Mord oder sonstiges. Aber ein Blick darauf zeigt, das zum einen bestimmte Menschen eher sitzen als andere und das eine gesellschaftliche Schieflache unabhängig von der Höhe der Strafen existiert.

Respekt vor dem Rechtsstaat entsteht nicht durch die Höhe der Strafen, dieser Zusammenhang ist mir zu einfach. Der Respekt ist vielseitig, so wie der Rechtsstaat nicht nur aus den Strafgerichten und dem StGB besteht. Es gäbe noch mehr zu dem ganzen Komplex zu sagen, aber ich lasse es mal hierbei bewenden. Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören. Ich würde mich auch freuen, wenn diese Gegenrede irgendwo sichtbarer Teil der Debatte werden könnte… – Nils Zurawski


 

Leserbriefe zu „Haushalt: Welchen Preis hat die schwarze Null?“ von Mark Schieritz

Es ist schwer zu verstehen. Warum sollte bei Negativzinsen überhaupt jemand dem Deutschen Staat Geld leihen? Wegen der Sicherheit, weil Bargeld im Tresor auch Geld kostet, heisst es oft. Wofür nimmt der Staat nochmal Steuern ein? Für seine öffentlichen Aufgaben wie Daseinsvorsorge (Wasser, Strom, Wege, eben Infrastruktur), Schulen, und eben öffentliche Sicherheit. Wenn jemand dem Staat freiwillig Geld zum negativen Zins geben kann, dann braucht er es nicht für die täglichen Bedarf, als Anlage taugt es auch nur sehr bedingt. Warum soll der Staat das Geld dann überhaupt zurückzahlen? Er kann es in Form von Steuern, Gebühren oder Abgaben einfach eintreiben, es für die o.g. öffentlichen Aufgaben verwenden und alles ist in Butter. Die Diskussion läuft immer: Steuern runter – Wirtschaft rauf und dann? Schulden rauf? Wozu Schulden? Diese schränken nur die Handlungsoptionen der zukünftigen Generationen ein – sie sind eben genau das Gegenteil von einer zukunftsgerichteten Handlungsweise! – Sebastian Fontaine

 

Den höchsten Preis für eine Schuldenbremsenumgehungspolitik einhergehend mit teureren Krediten haben Sie noch gar nicht erwähnt. Abgesehen vom ökonomischen Unsinn kann man sich als Bürger nur hinters Licht geführt fühlen. Aber mit der AfD gibt es ja jetzt ein Ventil um seiner Wut Ausdruck zu verleihen. Werden CDU und SPD jemals begreifen, dass solche Tricksereien nur Wasser auf den Mühlen der Rechtspopulisten sein können? – Rüdiger Weigel

 

Den Banken ist es nicht erlaubt, ihre Bilanz zu fälschen aber der Bundesrepublik schon?! Denn nichts anderes versucht Peter Altmaier mit seiner Idee der Stiftung zur Finanzierung von Klimaschutzprojekten, weil diese Schulden nicht in der Schuldenstatistik erscheinen würden. Der Staat bekäme derzeit Kredite hinterhergeworfen und würde daran selbst noch verdienen, doch wird alles dem Ziel untergeordnet, der großen Koalition bloß nicht zu viel zuzumuten. Das ist alles andere als verantwortliche und vernünftige Politik. Gibt es denn keine juristische Grundlage, solches Vorgehen zu verhindern? – Mona Dann

 

Der Return von Mark Schieritz auf den Aufschlag von Lisa Nienhaus eine Nummer zuvor („Sind Schulden die Lösung?) war zu erwarten. Wer Schieritz über die Jahre hin kritisch begleitete, weiß, dass er sich sowohl mit der politischen „Schwarzen Null“ als auch mit der verfassungsrechtlichen „Schuldengrenze“ immer schwer getan hat. Unerbittlich steht er für ökonomisches Wachstum und, Kapazitäten der Bauwirtschaft hin oder her, für höhere Investitionen. Weitere Staatsschulden nimmt er dafür in Kauf, so wie auch die fortgesetzte. Ausbeutung und Versiegelung der Erde oder ein persönlicher Konsumverzicht nicht seine Welt sind. Einfacher gesagt: Die „Schwäbische Hausfrau“ ist ihm ein Graus. Das alles ist sein gutes Recht. Und doch wäre es nobel gewesen, hätte er sich auch mit den Argumenten seiner Kollegin Nienhaus auseinandergesetzt. – Dr. Eugen Schmid

 

Was verbindet die GROKO und den Finanzminister mit den australischen Aborigines? Beide haben keine Vorstellung von – und kein Wort für – Zukunft. – Dr. Ulrich Merkel

 

Die Grundsätzlichkeit der Schuldenbremse verfolgt unbestritten ein hehres Ziel. An dieser jedoch, sei und komme was wolle, festzuhalten bedeutet, (politisch) notwendige Maßnahmen abseits des Staatshaushaltes erheblich zu ignorieren. Infolgedessen kann „per Saldo“ vom Sparen mitnichten die Rede sein, wenn derweil etwa die Sanierung der öffentlichen Infrastruktur aufgeschoben und somit die Schlaglöcher wie die Schulden auf unseren Straßen immer größer werden. Im Gegenteil: Bei der derzeitigen Zins-, Markt- und Wirtschaftslage sollten staatliche Investitionen Vorfahrt haben. Schuldenbremse und schwarze Null – bei der anhaltenden Zinspolitik ohnehin eine rote – indes verfehlen ihren Sinn. – Matthias Bartsch


 

Leserbriefe zu „»Wir brauchen kein betreutes Denken!«“ von Anne Hähnig und Raoul Löbbert Borsutzki in der Regionalausgabe ZEIT IM OSTEN

Was, wir brauchen kein betreutes Denken? Einspruch! Das erfolgreichste, tiefgreifendste und nachhaltigste „Betreutes Denken“-Projekt der Nachwendezeit, initiiert, konzipiert und kontrolliert ausschließlich durch Westdeutsche ist die geistige Ostkolonisierung durch die AfD! Beginnend mit deren Vordenkern Jongen und Kubitschek über die Spitzenpolitiker Höcke, Kalbitz, Weidel, Meuthen, von Storch, Glaser, Gottschalk, Fohrmann, Kuhs bis zum Alt-Dresdener Gauland besteht das geistige und politische Führungspersonal der AfD nahezu ausnahmslos aus Westdeutschen. Diese Damen und Herren führen einen Gutteil der Ostdeutschen am ideologischen „Wir sind das Volk!“-Nasenring durch die Manege und lehren ihnen, was sie zu denken und zu „emotionalisieren“ haben. Beispiel Klimawandel. Sämtliche lokalen AfD-Politiker und –Wähler, mit denen ich darüber diskutierte, hielten sich höchst diszipliniert an die Voodoo-Klima-Vorgabe des AfD-Wahlprogramms. Tiefgründig oder gar wissenschaftlich beschäftigt mit diesem Thema hatte sich kein einziger. Und obwohl keiner meiner Gesprächspartner die Grundlagen des Treibhauseffekts verstand, glaubte jeder einzelne zu wissen, dass CO2 dabei bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielt. (Das wusste übrigens bereits vor 125 Jahren der Nobelpreisträger Arrhenius besser, als er den Effekt der anthropogenen CO2-Emission auf die globale Erwärmung quantifizierte.) Betreutes Denken hilft uns eben, die toxische Komplexität der Welt auszublenden, also her damit, ich bin süchtig darauf! – Alexander Rocholl

 

Ich finde es sehr löblich, dass Sie versuchen einen Teil der gesellschaftlichen Debatte in Ost und West, insbesondere jetzt nach den Landtagswahlen, abzubilden. Was mich allerdings irritiert: Wenn die Westdeutschen „ratlos“ sind, warum bitte wird der Diskurs lediglich in der Rubrik „Zeit im Osten“ gedruckt? Diese Rubrik ist mir seit ihrem Erscheinen im September 2013 ein Dorn im Auge. Ostdeutsche Themen zu behandeln, finde ich super. Diese in einem eigenen Ressort unterzubringen allerdings kontraproduktiv. Wenn medial beklagt wird, dass der Westen den Osten nicht verstehe, die Debatten dazu in einer überregionalen Wochenzeitung aber im Ost-Teil der Zeitung versteckt werden, trägt das eher zur allseits beklagten Spaltung der Gesellschaft anstatt zum gegenseitigen Verständnis bei. Der Osten muss den Ossis nicht erklärt werden. – Annett Nikolaisen

 

Beim Lesen dieses Beitrages habe ich mich wirklich gefragt, was er bezwecken soll. Hilft es dem Diskurs Ost-AfDler <-> West-Grünen gegenüber zu stellen? Ich habe leider den Eindruck, und das bestätigt sich beim Blick auf die zahlreichen Kommentare, dass es nur polarisiert und die Gräben vertieft. Statt (wohlmeinend interpretiert) das Ziel zu erreichen zwei politische Lager zum Diskurs zu bewegen, werden hier die GesprächspartnerInnen zu RepräsentantInnen der sich gegenüberstehenden Lager i.S.v. Ost vs. West. Das mag unsachlich klingen, aber das macht mich traurig und lässt mich etwas ratlos zurück. Ich hätte, gerade nach „Deutschland spricht“ mehr von Ihnen erwartet.

Darüberhinaus ist nicht zu vergessen das die AfD zB in BaWü, dem Bundesland des „grünen Gitarrenbauers“ bei der letzten Bundestagswahl 2-stellig wurde und das obwohl man dort „alles kann außer Hochdeutsch“, kaum irgendwo die Probleme von Landflucht, sozialem Abstieg und prekären Arbeitsverhältnissen geringer sind als dort, man 40 Jahre mehr Erfahrung mit Demokratie und pluraler Gesellschaft hat und sogar eine Phase mit 10%-NPD im Landtag hatte. Ich wäre Ihnen dankbar für eine Reaktion. – Marcus Welther

 

Ich weiß nicht wer Sie zu solchen Berichten lenkt. Nach 30 Jahren sollten wir doch zueinander finden und uns nicht durch die Presse spalten lassen. Die AFD spaltet nicht, Sie deckt nur so manch einen Wahnsinn auf. Das gefällt natürlich nicht jedem Politiker. Wenn ich nach Ausbildung und Weiterbildung heute für den Mindestlohn arbeiten muss, müßte der Politiker der in seinem Leben gar nicht`s auf die Reihe bekommen hat, doch eigentlich weniger bekommen. Sie als Presse müssten doch die Gerechtigkeit bewahren. Sie dürfen aber nicht… weil Sie Staatspresse sein müssen. Was nützen uns da die lieben Gesetzte von „Wir dürfen FREI sein“. Ich als Reporter wäre Frau von der Leyen sowas von auf den Versen und würde so lange berichten bis Sie Ihre gerechte Strafe bekommen hat. In diesem Land läuft schon lange vieles schief. Hätten wir Volksentscheide, würde Deutschland heute ein Vorzeigeland sein und Herr Gauland wäre noch in der CDU. Wir können nicht die ganze Welt retten zumal nicht mit einem Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Damit schaden wir bloß den Entwicklungsländer. Frau Merkel soll lieber aufhören Waffen zu verkaufen, für Kriege die keinen Sinn ergeben. Im übrigen genießt Frau Merkel Imunität und muss sich somit für nicht`s aber auch gar nicht`s rechtfertigen. – Petra Siebert

 

Der Artikel zu „Wir brauchen kein betreutes Denken“ hat mich ziemlich irritiert. Die Auswahl der Gesprächspartner_innen entspricht in gewisser Art und Weise schon sehr einem Klischee von Ost und West aus westdeutscher Sicht. Der Westen, vertreten von einer Grünen und einem zumindest ebenfalls anti-rassistischen Menschen, der Osten hingegen vertreten von einem AfDler (die im Übrigen immer noch nur von einer Minderheit im Osten gewählt wurde) und einer Person der Werteunion, also trotz aller vermeintlichen Gemäßigtheit weit rechts im Spektrum. Was an den Antworten und verwendeten Vokabeln dann auch deutlich wurde. Als Ostdeutscher erscheint mir das Interview fast ein wenig wie Satire: Der antirassistische Westen gegen den AfD-Osten.

Zweifellos gehört der anti-rassistische Westen und der AfD-Osten auch repräsentiert, beides gibt es zur Genüge. Das hier ist aber kein Streitgespräch, keine Nuance: es ist eher das Gegenüberstellen zweier Zerrbilder, die zumindest gut helfen dem westlichen Teil der Republik ein Überlegenheitsgefühl zu vermitteln. Das lässt mich ziemlich betrübt zurück. Und hinterlässt ein Gefühl von rhetorischer Modernisierung der Berichterstattung bei gleichzeitigem Verhaftetbleiben einer weitgehend westdeutschen (unhinterfragten) Perspektive. – Heiner Schulze


 

Leserbriefe zu „Gleicher geht’s nicht!“ von Andreas Sentker

Danke für diesen Beitrag. Nun endlich weiß ich, weshalb ich mich intuitiv immer gegen das Wort „Rasse“ in Zusammenhang mit Menschen gestemmt habe. Ich habe das nie verstanden – aber auch nicht den Mut gehabt, das zu äußern: „man“ redet(e) allenthalben so. Erschreckt hat mit der Hinweis auf Art. 3 GG. Mir ist das nie aufgefallen, das „man“ lässt auch schön grüßen. Hier sollte, gerade in diesen Zeiten, ein deutliches Signal gesetzt werden und umgehend dafür gesorgt werden, dass dieses Wort aus dem gesamten Gesetzestext verschwindet. Denn alsbald wird man feststellen können, dass es auch bei Hunden die unterschiedlichsten Weisen des Erscheinens gibt, aber eben auch keine Rassen. Genau wie bei Kühen, Schweinen etc. pp. – Volker Homann

 

Keine andere Ideologie hat so viel Leid über einen Teil der Menschheit gebracht wie diejenige von der Existenz unterschiedlicher Rassen. Und nun die wissenschaftlich belegte Gewissheit: es gibt keine menschlichen Rassen. Welch ein erlösender Befreiungsschlag! Möchte man meinen. Doch ich fürchte, gegen erkenntnisresistente, böswillige Dumpfbacken kämpft die Wahrheit auf verlorenem Boden. – Dr. Ludwig Engstler

 

„Eine gute Idee reicht nicht. Damit Neues entsteht, bedarf es auch eines Umfeldes, das die Entwicklung begünstigt.“ Diese richtige „Einsicht“ von Ulrich Schnabel (in seinem lesenswerten Beitrag „Was macht einen Einfall zum Erfolg?“) gilt in vollem Umfang auch für „böse“ Ideen: Jena mag der „Geburtsort der NS-Rassenideologie“ sein, der Geburtsort und die Geburtszeit der Rassenideologie liegt in einem „Umfeld“, das viel weiter zu fassen ist – räumlich und zeitlich. Daher kann die „Jenaer Erklärung“ vom 10.09.2019 nicht leisten, was sich der Jenaer Universitätspräsident von ihr verspricht: Weder hat in Jena „die unheilvolle biologische Begründung von Rassen ihren Anfang genommen“, noch wird sie dort „nun enden“. Aber dem Selbstwertgefühl der Stadt und seiner Universität tut diese Einschätzung unendlich wohl. Wäre es nicht besser gewesen, diesen Zusammenhang offen zu legen? Anstatt als „Realist“ später einzuräumen: „Wir sind uns dessen bewusst, dass eine bloße Streichung des Wortes >Rasse< aus dem Sprachgebrauch Rassismus nicht verhindern kann“? Ohne als „Wissenschaftler“ darüber aufzuklären, inwiefern jenes „Wir“ sich „dessen bewusst“ ist und ob bzw. wie sich Rassismus auf andere Art zumindest begrenzen lässt?

Gewiss wäre es hilfreich, das Wort „Rasse“ nun auch aus unserer Verfassung zu streichen, wie das schon andere EU-Staaten getan haben. (Sogar auf die Gefahr hin, das eine solche Maßnahme von interessierter Seite als Einschränkung der Meinungsfreiheit und Angriff auf unsere verfassungsmäßige Ordnung diffamiert werden könnte.) Dass sich Rassismus allein mit rationalen Argumenten „verhindern“ lässt, scheint doch auch der Jenaer Universitätspräsident zu bezweifeln. Die lange Geschichte menschlicher Sozialisation war von Anfang an eine Geschichte der Ab- und Ausgrenzung, um das eigene Überleben in Klein- wie später Großgruppen zu gewährleisten. Die Angst vor dem „Fremden“ ist daher tief in uns verankert. Hätte es aber das Prinzip egoistischer Konkurrenz – selbst im Namen einer sozialen Gruppe – in der Evolution allein gegeben, hätte sich der homo sapiens nicht entwickeln können. Erst Kooperation hat Evolution und damit uns möglich gemacht – in einem höchst komplexen und logisch widersprüchlichen Zusammenspiel mit dem Konkurrenzverhalten. Im Unterschied zu allen anderen Lebewesen können sich Menschen dies Zusammenspiel bewusst machen und sowohl abschwächen wie verstärken. In Zeiten knapper Resourcen erfinden sie gedankliche „Konstrukte“ oder „Ideologien“, von denen sie glauben, dass sie fürs eigene Überleben unerlässlich sind.

Als sich infolge wachsender Zunahme der Weltbevölkerung Nationalstaaten herausbildeten und sich zugleich der Wissenshorizont durch Entdeckungen und Erfindungen explosionsartig erweiterte, verloren die alten „absoluten“ Begründungen der Religionen, die nun auch und recht weltlich miteinander konkurrierten, an Glaubwürdigkeit. So begann menschliche Vernunft sie durch säkulare Konstrukte zu ersetzen. Unter anderem nach dem Vorbild unterschiedlicher Tierarten die Idee von ähnlich unterschiedlichen Menschenarten. Deren zunächst noch zeitgebunden religiöse „Erklärung“ (mit der biblischen Schöpfungsgeschichte und Gottes allmächtigem Willen) eignete sich hervorragend zur Ausbeutung, ja Unterjochung anderer Menschen nicht erst und nur in der Kolonialzeit. (Sogar noch zur Zeit der Aufklärung, wie das hier erwähnte Beispiel Voltaire zeigt.)

Wie sehr auch naturwissenschaftliche Begründungen 100 Jahre später von alten religiösen Vorstellungen abhängig waren, beweist Ernst Haeckel in Jena: Im Gegensatz zu Darwin, der die Unterschiede der „Arten“ verstehen will und dabei den „Schlüsselbegriff“ Variabilität verwendet, will Haeckel mit seiner Interpretation des Begriffs der „Evolution“, die er ganz im Sinne seiner Zeit (Deutschland auf dem Weg zur kolonialen Groß-, ja „Weltmacht“…) als „Fortschritt“ in nur eine Richtung versteht, jene „Ordnung“ wiederherstellen, die durch Darwins Entdeckung verloren gegangen war: die alte göttliche durch eine empirisch ermittelte „wissenschaftliche“, eine „quasi göttliche“, wie Andreas Sentker zu Recht schreibt, mit einem „Stammbaum“, der den Menschen weiterhin als „Krone der Schöpfung“ feierte. Diese Verfälschung darwinscher Erkenntnisse fiel auf fruchtbaren Boden und konnte sogar das Bildungsbürgertum im Land der Dichter und Denker überzeugen – vor allem nach dessen Demütigung durch einen selbstverschuldeten Krieg und seinen Folgen. Hätte es da nicht auch einer Entschuldigung für die Mitverantwortung deutscher Wissenschaftler bedurft? Hitler und alle seine Helfershelfer waren doch die mörderischen Vollstrecker angeblich wissenschaftlicher Erkenntnisse. Deshalb brauchen die neuen Erkenntnisse aufrichtiger Wissenschaft außer der rationalen „Gegenrede“ noch die engagierte „Ergänzungsrede“ zum Schutz vor unserer emotionalen Verführbarkeit im Umfeld einer „bösen“ Idee, die auch die frohe Titelbotschaft nicht einfach ausräumt. – Eckhard Heumann

 

Viele Menschen hatten bislang den Eindruck, dass man vor noch nicht allzulanger Zeit (und trotz der zunehmenden Migration auch heute noch) in der Mitte Afrikas überzufällig häufig sehr dunkelhäutige, krausgelockte Menschen antraf und in Nordeuropa eher hellhäutige, glattbehaarte. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die Jenaer Autoren dem widersprechen würden. Diesen phänomenologischen Unterschied zu leugnen oder ihn hinter der Interpretation genetischen Daten zu verbergen, scheint mir für das Problem des Rassismus nicht allzu hilfreich zu sein. Interessierte Laien werden sich nämlich auch weiterhin fragen, warum zwei dunkelhäutige, krausgelockte Eltern aus Zentralafrika aller Wahrscheinlichkeit nach ein dunkelhäutiges, krausgelocktes Kind miteinander haben werden, wenn die Gene ohnehin keine Rolle spielen? Sollte der Nachwuchs dann nicht mit ähnlicher Wahrscheinlichkeit hellhäutig und glattbehaart sein?

Viele Menschen werden das Gefühl haben, für dumm verkauft zu werden, wenn offensichtliche phänomenologische Unterschiede zwischen den Menschen unterschiedlicher Erdteile von einer (hoffentlich nicht erneut verhassten) universitären Elite mit zudem noch erhobenen Zeigefinger wegdiskutiert werden. Und auch ein stufenloser phänomenologischer Übergang zwischen zwei verschiedenen typologischen Erscheinungsbildern kann argumentativ schwerlich gegen das Bestehen dieser verschiedener phänomenologischer Typologien eingesetzt werden, impliziert doch schon das Wort „stufenlos“ 2 an sich abgrenzbare Zustände. Immerhin spricht diese Stufenlosigkeit aber schon einmal gegen die obligate Zuordnungsbarkeit eines jeden Menschen zu einer Rasse, wie dies von den übereifrigen kolonialen Ethnologen betrieben wurde. Im Kern muss es darum gehen, die geschichtlich oft so unseligen Assoziationen mit dem, was man jetzt nicht mehr Rasse nennen soll, zu löschen. Dies beinhaltet nicht weniger als die Aufgabe von historischen Privilegien, die nirgendwo eine ethische Begründung finden.

Wer z.B. einem Kind aus einem Dorf im Tschad dieselben CO2-Emissionsrechte einräumt wie einem Kind aus Europa, Arabien, China oder der USA, wer bis zur Realisierung dieser Forderung adäquate Ausgleichszahlungen fordert für das, was der reiche Norden dem armen Süden momentan antut, wer in diesem Rahmen sogar Verzicht auf eigenen Wohlstand in Kauf nimmt, der hat den Rassismus mit hoher Wahrscheinlichkeit überwunden. Das Wort „Rasse“ zu verbieten scheint mir bizarr und für dieses eigentliche Ziel nicht besonders hilfreich zu sein, sondern eher die Funktion eines Feigenblattes zu haben, das unsere Scham bedecken soll. – Dr. Christian Voll

 

Den Verfassern der Jenaer Erklärung vom 10.9.2019 muss auf mehreren Ebenen widersprochen werden.

  1. Die Verfasser behaupten, dass das Konzept der Rasse das Ergebnis von Rassismus sei und nicht dessen Voraussetzung. Das ist logisch problematisch. Ohne einen Begriff von Rasse kann man Lebewesen gar nicht in Rassen unterteilen. Und ohne Unterteilung kann man keine Gruppen als höher- oder minderwertig bewerten. Historisch ist der Begriff der Race laut Grimms Wörterbuch Mitte des 18. Jh. aus dem Französischen übernommen worden. Bezogen auf Menschen wurde er ursprünglich eher in einem sozialen Sinn verwendet. Kant definierte den Begriff biologisch und auch auf Menschen bezogen. Kant hat sich in der Tat mehrfach rassistisch geäußert. Sein Zeitgenosse, der Anthropologe J. F. Blumenbach dagegen benutzte den Begriff ebenfalls, lehnte Rassendiskriminierung aber vehement ab. Die Annahme der Existenz von Rassen führt so wenig zum Rassismus wie die Anerkennung der Biologie zum Biologismus, der Materie zum Materialismus oder des Geschlechts zum Sexismus führt.
  2. Die Verfasser behaupten, Ernst Haeckel habe sich für Variabilität nicht interessiert, da er kategorial gedacht habe. Er sei blind für Übergänge gewesen und habe Arten entdecken und einsortieren wollen. Das ist aber die Tätigkeit vieler Forscher von Linné über Darwin bis heute. Darwin schrieb über die Entstehung der Arten und auch über ihre Variation durch geschlechtliche Zuchtwahl. Der Gegensatz von Variabilität und Einordnung ist künstlich. Die Farben bilden ein Kontinuum. Dennoch gibt es Begriffe für die Grundfarben und die wichtigsten Mischfarben.
  3. Die Autoren behaupten völlig richtig, dass es unter den Milliarden Basenpaaren des menschlichen Genoms keinen fixierten Unterschied gibt, der z.B. Afrikaner von Nichtafrikanern trennt. Das hat aber niemand behauptet. Man könnte auch völlig korrekt behaupten, dass alle Lebewesen auf der Erde aus den gleichen Atomen bestehen, weshalb es keinen auf der atomaren Ebene fixierten Unterschied zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen gebe. Eine solche Aussage wäre völlig banal. Um im Genom Unterschiede feststellen zu können, muss man sich auf die Ebene der Gene begeben. Und da sind nicht nur das Geschlecht, sondern auch die Haut- und die Haarfarbe und in vielen Fällen auch immer noch die rassische Herkunft feststellbar, weil hunderte Millionen Menschen immer noch dort leben, wo ihre Vorfahren sich vor Jahrtausenden niedergelassen hatten und sich seit Jahrhunderten kaum mit Angehörigen anderer Rassen vermischt haben. Und damit sind die Voraussetzungen für die Entstehung von Rassen benannt: Langfristige Isolierung und Endogamie von Menschengruppen. Diese Voraussetzung erfüllen insbesondere Ostasiaten, Zentralafrikaner und Australier (Aboriginees), während in Europa, Nordafrika, Vorder- und Südasien schon seit Jahrtausenden, in Amerika seit Jahrhunderten intensive Rassenmischung stattgefunden hat. Seit vielen Jahren lösen sich alle Menschenrassen durch Migration und Tourismus zunehmend auf.
  4. Das Problem mit dem Rassismus ist nicht, dass es Rassen gab und zum Teil noch gibt, sondern dass er die Angehörigen der eigenen Rasse kollektiv als höherwertig und die Angehörigen anderer Rassen kollektiv als minderwertig betrachtet. Es geht um die pauschale Abwertung von Menschen als Mitgliedern eines imaginierten Kollektivs. Das zweite Problem ist das Gerede von Rassenreinheit, die angeblich ein natürlicher Trieb ist. Das Gegenteil ist richtig: An den Rändern ihrer Siedlungsgebiete haben sich die Angehörigen verschiedener Rassen immer vermischt. Auch die arabischen und die europäischen Sklavenhalter hatten Sex mit ihren afrikanischen Sklavinnen und haben so zur Rassenmischung beigetragen. Sie wollten nur nicht, dass ihre Frauen mit den männlichen Sklaven Sex haben. Hitler hat in „Mein Kampf“ die groteske These vom natürlichen Drang zur Rassenreinheit zu beweisen versucht, indem er darauf hinwies, dass jedes Tier sich nur mit einem Genossen der gleichen Art paart. „Meise geht zu Meise, … der Wolf zur Wölfin usw.“ Der Rassist Hitler wirft hier Tierart und Rasse durcheinander und glaubt so, seine These zur Rassenreinheit beweisen zu können. Jede Promenadenmischung erweist Hitlers These als Ausdruck extremer Dummheit. Das dritte Problem ist die absurde Vorstellung vieler Rassisten, die Rasse wäre eine Person, der die rasseneigenen Gene gehörten, weshalb Rassenmischung Genraub sei. Gegen solchen Unsinn muss man vorgehen. Dagegen hilft kein Vermeiden von Wörtern.
  5. Die Verfasser wollen, dass das Wort Rasse aus dem öffentlichen Sprachgebrauch verschwindet. Es sollte z.B.aus Art. 3 III Grundgesetz gestrichen werden. Und das Wort müsste auch aus Anti-Diskriminierungs- Gesetzen verschwinden. Das ist eine sehr schlichte Idee: Dann wäre Rassendiskriminierung nicht mehr verboten. Man könnte sie nicht einmal mehr öffentlich als solche bezeichnen. Auf diesem Wege könnte man auch die Geschlechterdiskriminierung beseitigen, indem man das Geschlecht nicht mehr erwähnt, nicht mehr von Frauen und Männern, sondern nur noch von Menschen spricht. Denn genetisch betrachtet ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen minimal, auf der Ebene der Basenpaare nicht vorhanden. Und auch der Anteil der Sexualhormone am jeweiligen Körpergewicht ist minimal. Auch den Antisemitismus könnte man so abschaffen. Man verwendet das Wort einfach nicht mehr, weil es ja eine jüdische Rasse, gegen die diese Ideologie sich richtet, gar nicht gibt. Den Autoren der Jenaer Erklärung muss man sagen: Gewogen und zu leicht befunden. – Thomas Lange

 

Leserbriefe zu „So nicht!“ von Sophia Bogner und Paul Hertzberg

Die Lösung ihres „Problems“: Mit dem Hinterteil zu Hause bleiben…..schont ganz nebenbei Nerven und Umwelt! Man stelle sich vor, der Rest der Welt würde die gleichen Ansprüche und Möglichkeiten beanspruchen, die Welt ginge zu Grunde. Allein der Deutsche wird sie retten!….oder doch nicht? – R. Seevers

 

Ihre Autoren haben völlig recht. Nach jahrelangem Aufenthalt in Schwarzafrika wurden wir mit dergleichen Vorkommnissen täglich konfrontiert . Meine Appelle, ihre Kultur und Nation nicht derart herabzusetzen und europäische Vorurteile damit zu bestätigen, wurden ignoriert. „Give me money, Madame ..You are rich .. – Ruth Florio

 

Ein ausgezeichneter Artikel. Gerne hätte ich noch eine Erweiterung gelesen, die die komplexe Art und Weise einer Beschwerde als Gast in einem anderen Land behandelt. Je nach Art dessen, woran man Anstoß nimmt, wer sich wie und an wen wendet, wäre vielleicht Stoff für eine eigene Publikation. Auch kann eine Beschwerde in einem anderen Kulturkreis anders ankommen werden als gedacht, wenn man die dortige Gepflogenheiten der Art und Weise, wie eine Beschwerde mental angepasst wird, nicht kennt. – K. Mäkler

 

Nein, wir wollen gar nicht, dass es so etwas wie eine globale Kultur gibt. Sie schreiben aus Unsicherheit, Angst und Arroganz. Bitte lassen Sie mich Dazu noch zwei weitere Subjektive hinzufügen. Erstes Subjektiv Narrative, denn wenn wir da etwas ändern, dann könnten wir ja nicht mehr mit schaudernd über die da sprechen, wie rückständig die doch sind. Wir sind ja erprobte VHS Bildungsreisende. Zweites Subjektiv Desinteresse Es ist uns völlig egal, wie dort unter diesen Umständen gelebt wird, das hat die Entwicklungshilfe der letzten Jahren klar gezeigt und zeigt Sie heute noch . Auf der anderen Seite kommen wir denen entgegen, die hier ihre Gewohnheiten Weiterleben wollen, denn wir sind ja tolerant. – Manfred Mengewein

 

Bei dem Artikel wurde nicht ausreichend recherchiert, obwohl Ihr Trupp doch in ganz Afrika unterwegs war. Es gibt tatsächlich eine Darmentleerungskultur über fast den gesamten Kontinent, besonders in Trocken- und Wüstengebieten, wo weit und breit kein Wasser zur Verfügung steht. Dass Ihre Mitarbeiter „große Geschäfte“ am Meeressaum beobachteten, war eher dem Sand als dem umgebenden Strand geschuldet. Wo Büsche zum Verstecken und Blätter zum Abwischen fehlten, hat man sich hinter eine kleine Sanddüne gekauert. Gereinigt wurde das Hinterteil mit losem Sand, es war ja auch nichts anderes greifbar. Das machte man -kulturell vorgeschrieben- immer mit der linken Hand. Deshalb war es und ist es bis heute eine unverschämte Beleidigung, wenn man zur Begrüßung anderen Personen die linke Hand entgegenstreckte. Eine Sandfläche als Klo zu nehmen, ist also keine Unsitte, sondern eine kulturell eingebürgerte Sitte. Das hätte Ihnen jeder Beduine bestätigen können. – Rolf Waller


 

Leserbriefe zum Titelthema „10 Ideen für morgen“ von Ulrich Schnabel et al.

Endlich einmal etwas anderes als das in den letzten Jahren gewohnte Dresden-Bashing. Wenn man als Politiker die Kollegen in Hamburgs Partnerstadt nach der Wende beraten hat, erfuhr man schon den Gewinn, den Deutschlands Kulturstadt für das wiedervereinigte Land bedeutete. In der kommunistischen Zeit meist zugunsten Berlins (Ost) als „Hauptstadt der DDR“ vernachlässigt, zeugen die wieder aufgebaute Innenstadt und die gepflegten Vororte von eindrucksvoller Schönheit. Den Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung legte Kurt Biedenkopf schon im Wahlkampf 1990 als er den Sachsen den Stolz als einstige Industriemetropole förmlich einimpfte. Der Freistaat hätte bis zur Weltkriegskatastrophe den Platz eingenommen, den Baden -Württemberg erst nach der Krieg erlangte. Ambitoniert war auch des Ministerpräsidenten Zielsetzung in der Wissenschafts- und Bildungspolitik. Die Schulpolitik führte konsequent zum heutigen Spitzenplatz im bundesdeutschen Ranking. Die technische Universität Dresden ist seit Jahren Exzellenz-Hochschule. Und nun gibt es den im Artikel beschriebenen Versuch, eine Schule in Kooperation mit der Universität mit besonderen Lehrformen auf das spätere Studium auszurichten. Dresden erlangt somit eines von den 10 im Artikel genannten Innovations-Projekten. Und diese, seit langem eingeleitete Entwicklung wurde in den Medien lange ignoriert und statt dessen die Hauptstadt Sachsens im engen Meinungskorridor Westdeutschlands nur als „Pegida-Town“ dargestellt. Dabei blicken die Dresdener heute mit Recht sehr kritisch auf die, zum Teil chaotischen Zustände in der nahe gelegenen Hauptstadt Berlin. – Peter Schmidt

 

Schule: „Ferien werden abgeschafft“. Eine grossartige Idee der TU Dresden. Ich bin gespannt, ob sich nach drei Jahren das Projekt bewährt hat. Es wird allerdings eine lange Zeit brauchen, bis es endgültig in den Schulalltag ankommt. „Probieren geht über studieren“ ist immer eine gute Eigenschaft.

Frau Rasfeld ist eine taffe Frau. Sie hat den durchblick. Solche Pädagogen braucht das Land. Ich bin ein leitgeprüfter Vater von drei Söhnen. Hautnah habe ich Sachen erlebt, die es eigentlich nicht geben sollte. Die Partei der Grünen waren dafür verantwortlich, deswegen sind sie auch in NRW abgewählt worden. Sie sollte sich wieder reaktiveren und durchstarten. Dringend wird sie benötigt. Die Gymnasien werden das auch noch kapieren. – Gunter Knauer

 

Man sollte keine Chance vertun und darum die IDEE: Mit dem Braunkohleberg-Rückbau bis 2038 und dem Raten und Zaudern wie kann in den Regionen im Osten und Deutschland im Besonderen für die Zukunft geholfen werden:
1) Im Länderdreieck von Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt im Umfeld der Stadt Herzberg, Schnittstelle 2er Autobahnen an der Schwarzen Elster, am Rande des Fläming, wird eine neue Stadt gegründet für 100.000 bis 150.000 mit möglicher Erweiterung auf 500.000 Bewohner. Eine neue „smart city“ ein Konzept der Zukunft.
2) Die gesamte Großregion profitiert von diesem Aufbruch, die Kohlereviere können durch dieses Projekt noch früher stillgelegt werden, die neue Stadt mit den erforderlichen Infrastrukturen, Innovation Technik, Industrie, Kultur, Verwaltung, Bildung wird alle Kräfte zu diesem Aufbau benötigen und wird in der Lage sein, neue Systeme der Kommunikation, Verkehr und Zukunftsmodelle zu generieren.
3) Es gehört natürlich Mut dazu über alle Bundes- und Länderinstanzen hinweg so eine Initiative zu wagen. Nur eine übergeordnete kompetente Planungsgesellschaft kann dies leisten, um nicht im Klein-Klein von Bund- und Länderhoheit und Parteien ausgebremst zu werden.
4) Planungshoheit, Finanzmittel, Genehmigungsfreiheit sind dafür erforderlich und natürlich ein Gesetz, dass diese Zukunft realisiert werden kann. Einigung Bund und Länder bis 2022, Planung International 2024, Baustart 2027, Realisierung 2038.
5) Warum ist in Deutschland so ein Projekt nicht durchführbar für die Zukunft? – Joe D. Brigola

 

Lyrik aus dem Rechner???
Nachdem ich vorige Woche in die Zeit gelesen habe und als „Lyrik“ publiziert wurde, frage ich mich ob die Redaktion weiß was Lyrik ist. Was publiziert wurde ist es auf jedenfall nicht! Das Gedicht “Friedlicher Morgen” habe ich vorige Woche auf die Chengdu International Poetry Week“ gelesen. Die Chinesen kennen sich nicht nur in der Wirtschaft gut aus aber auch in der Kultur die in die Zeit auch fraglich geworden ist. Leider hat die Redaktion meinen Vorschlag WAHRE, gute Lyrik zu publizieren nicht angenommen obwohl vor einigen Monaten mehrere Leser geschrieben haben sie würden gerne wieder gute Gedichte in die Zeit lesen. Die Verblödung schlägt scheinbar auch in die Zeit zu. Ich brauche immer weniger Lesezeit und blättere immer mehr, bald vielleicht nicht mehr… – Germain Droogenbroodt


 

Leserbriefe zu „Europas Leyen-Truppe“ von Ulrich Ladurner

Herr Ladurner sollte sich was schämen. Schon in der ersten Stunde seiner Journalistenausbildung wurde gelehrt: no jokes on names. Diese scheint bei Ihm wohl schon recht lange zurück zu liegen. „Europas Leyen-Truppe“ geht überhaupt nicht. – Dr. iur. Hans-Dieter Lippert

 

Wie Zusammenstellung der EU-Kommission durch Nominierungen aller EU-Staaten inkl. Geschlechterproporz meist ohne Berücksichtung der Expertise (Wissen, Kenntnisse, Fähigkeiten, Erfahrungen, …) erscheint mir ebenso absurd (und in den Auswirkungen weitaus gravierender), als würden die Vereine der Ersten Fußball-Bundesliga den EM- Kader zusammenstellen, indem sie je einen Spieler – unabhängig von dessen Position – benennen. Nimmt man hinzu, dass diese aufgeblähte Kommission (mit allen dazugehörigen Büros und Referaten) einen riesigen ineffektiven bürokratischen Wasserkopf darstellt und einige der Kandidaten in peinliche Prozesse verstrickt waren oder sind, kann man wohl kaum – wie manche Kommentatoren – von Gestaltungskraft und einem gelungenen Verfahren sprechen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Mit Laientruppe wäre der Autor auch gut dabei gewesen. Ich kürze ab und beschäftige mich nur mit dem Schluß des Aufsatzes. Die werden das nicht vergessen, das von der Leyen eine Deutsche ist. Das macht das alles für sie schwer. Aber, diese Frau hat Standvermögen und das mehrmals bewiesen. Sie ist in unserem Parteihaufen ein Lichtblick, Keine typische Funktionärin. Obwohl ich ihre politische Haltung nicht immer teile, wird sie das Kind schon schaukeln. – Gunter Knauer


 

Leserbriefe zu „Begrabt die Habilitation!“ von Josef Joffe

Ich rate eher dazu, diesen ebenso flott wie salopp verfassten Artikel zu begraben – was um so leichter fallen dürfte, als er verblüffenderweise nicht einmal im Inhaltsverzeichnis der ZEIT aufgeführt wird. Ihm liegt ein prinzipielles Missverständnis bzgl. Sinn, Zweck und Ziel von Promotion und Habilitation zu Grunde. Entsprechend den meisten Promotionsordnungen dient die Promotion dem Nachweis der Befähigung zu vertiefter selbständiger wissenschaftlicher Arbeit. Dies geschieht unter der Betreuung von Professoren, die in der Regel auch das Thema der Doktorarbeit vergeben haben und als Erstgutachter fungieren. Es geht hier allein um die wissenschaftliche Leistung, welche unabhängig von einer späteren beruflichen Betätigung erbracht wird und nicht notwendigerweise das Ziel einer Tätigkeit in Forschung und Lehre verfolgt. Eine Habilitationsleistung ist demgegenüber weitreichender und anspruchsvoller. Die Habilitation – so sehen es die meisten Habilitationsordnungen sinngemäß vor – ist der Nachweis, ein Wissenschaftsgebiet in Forschung und Lehre selbständig vertreten zu können. Eine erfolgreiche Habilitation – oder eine als gleichwertig anerkannte Leistung – ist die selbstverständliche Standard- und Mindestvoraussetzung für eine hauptamtliche Professur an einer Universität. Die ohnehin schon allzu weit gediehene Nivellierung der wissenschaftlichen Ansprüche im deutschen Hochschul- wesen würde durch ein „Begraben“ der Habilitation weiter beschleunigt werden. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

In den deutschen Technikwissenschaften war die Habilitation nie von Bedeutung und zugleich ist der weltweite äußerst gute Ruf deutscher Ingenieure starker Hinweis auf eine der besten technischen Ausbildungen. Wer wagt es, da keinen Zusammenhang zu sehen? – Prof. Christian Bonten

1.Irrtum: Es gab die Habilitation auch in der DDR; zeitweilig als „Promotion B“ „(Doktor der Wissenschaften“) bezeichnet.
2. Arbeiten von 500 Seiten, die keiner braucht – richtig; das zu ändern liegt aber im Ermessen der Universitäten selbst
3. Wichtiger als die Abschaffung der Habilpflicht scheint mir die Abschaffung des PD-Status, der ein Freibrief für die Ausbeutung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte darstellt und deren Lebens-/Familienplanung verhindert,
4.Es muß nicht die 500-Seiten-Habilschrift sein – auch die kumulative Habil ist möglich
5.Lehrbefähigung fällt nicht vom Himmel – ein wenig hochschuldidaktische Bildung sollte man angehenden Hochschullehrern schon
angedeihen lassen. – Prof.Dr.Dr.h.c.Elke Mehnert


 

Leserbriefe zu „»Ich wollte nie derjenige sein, der folgt«“ von Cathrin Gilbert

Richtig! So selbstbewusst ist „der“ Ostdeutsche nicht. Holger Beeck besucht den Kyffhäuserkreis und teilt uns mit, dass der nächste Arzt in Erfurt zu finden ist. Aha! Der ganze Kyffhäuserkreis ohne Arzt – Herr Gesundheitsminister Spahn übernehmen Sie!! Dies Äußerung bedarf eines äußerst ausgeprägten Selbstbewusstseins, dass „dem“ Ostdeutschen in dieser Form offensichtlich nicht gegeben ist (Ausnahmen bestätigen Regel; siehe Herr Beeck). Im Übrigen der Autor nicht besser. Dies unreflektiert zu übernehmen, ist das Niveau einer anderen Zeitung mit vielen Bildern und wenig Text. Am Netz dürfte es in Hamburg ja nicht gelegen haben!? Sonst hätte ein Blick ins Örtliche für Sondershausen allein 115 Einträge unter dem Stichwort „Ärzteverzeichnis“ ergeben. – Jens Mende

 

Beim Lesen des Artikels stieß ich auf eine Zahl,die die Erfolge der AfD in den neuen Bundesländern in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.Wie weit ist die Aussage,daß von 34 000 Migliedern der AfD 27 000 aus den alten Bundesländern stammen und demzufolge nur 7000 in den neuen Bundesländern ansässig sind,wobei die Frage, ob diese nach der Wende ggf. aus den alten in die neuen Bundesländer gezogen sind , belastbar ist.Sollte dies der Fall sein,so ergibt sich die Frage, ob diese Partei mit dem „braunen“ Gedankengut aus den alten Bundesländern gesteuert und finanziert wird? Weiterhin drängt sich die Frage auf, inwieweit ungelöste Probleme mit unserer Vergangenheit aus den alten Bundesländern in die neuen transformiert werden und unter unter Nutzung der Probleme ,die durch die Wende entstanden und anerkanntermaßen bis heute existieren ,durch demagogischer Argumentation zu einer Spaltung unseres Volkes und damit zu einem „rollback“ unserer Demokratie analog der von Weimar zu einem faschistischen Staat führen soll. – D. Morawski

 

Wir haben vor kurzem wieder das Abo für “ Die Zeit “ bestellt. Nun bin ich schon wieder frustriert und mag es gleich wieder abbestellen ! Warum muss man 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch von Ossis und Wessis sprechen? Diese Wortwahl trägt mit Sicherheit nicht zu einer Harmonisierung bei. Ich hoffe auf Besserung. – Gudrun Finke


 

Leserbriefe zu „Wild für alle“ von Ferdinand Dyck im ZEIT Magazin

Der eigentlich interessante Artikel zum zögerlichen Verzehr von Wildschwein – Fleisch verschweigt einen wesentlichen Grund für die Zurückhaltung, nämlich die landesweit vorhandene radioaktive Belastung. – Lutz Landorff

 

Besten Dank für Ihren Artikel. Ich finde es eine gute Idee, Wild als Alternative zur Massentierhaltung darzustellen. Allerdings war ich überrascht, dass Sie die Warnungen vor den Spätfolgen von Tschernobyl als Grund für die Zurückhaltung der Deutschen insbesondere beim Konsum von Wildschwein nicht erwähnt haben. Wir leben im Biosphärenreservat Rhön, haben hier beim Forstamt Wild bezogen und sehr gerne gegessen (selbstverständlich nicht im Ofen gegart), bis wir die Information bekamen, dass das Wildschwein wegen des Wühlens im Erdreich noch immer verstrahlt sein kann. Der DLF hat dazu einen aktuellen Bericht gebracht. https://www.deutschlandfunk.de/radioaktiv-belastete-wildschweine-problem-sau.740.de.html?dram:article_id=439784
Vielleicht kann Ihre Arbeit dazu beitragen, ein differenzierteres Bild zum Thema zu zeigen. – Gabriele Stadtaus

 

Als langjährige Jagdscheininhaber und aus Jägerfamilien stammend haben mein Mann und ich uns sehr gefreut, dass Sie offensichtlich ein Plädoyer für den Wildkonsum schreiben. Leider wurden wir von dem Beitrag etwas enttäuscht, zum Einen müssen Sie definitiv nicht bis in die Toskana reisen, um gute Wildrezepte zu bekommen (ich habe selbst ein knappes Jahr in der Toskana gelebt und erinnere mich an leckere Wildessen, das ist schon richtig, aber das gibts hier auch schon immer – zumindest in „Fachkreisen“), wir selbst machen unser Wildschweinragout beispielsweise gerne nach einem Rezept aus Wolfram Siebecks 14 Jahre altem Kochbuch mit getrockneten Pflaumen und Rosinen, sehr zu empfehlen!

Zum anderen finde ich es hanebüchen zu behaupten, die Explosion des Wildschweinbestandes hänge vor allem auch mit der Fütterung durch Jäger zusammen, selten so einen Unsinn gelesen. Ich weiß nicht was der Herr des ökologischen Jagdverbandes (auch ich war dort Mitglied, habe außerdem 10 Jahre in der Naturkostbranche gearbeitet, kenne mich also durchaus aus mit „Öko“ und stehe dem eigentlich recht nahe, habe aber von diesem doch sehr einseitig geprägten Jagdverband wieder Abstand genommen) für ein Revier übernommen hat, aber Fütterung an sich ist zB bei uns in Ba-Wü ohnehin verboten (bis auf wenige spezielle Ausnahmen in sehr schneereichen Wintern), und ich kenne zwar jede Menge Jäger, aber keinen der so blöd wäre, Wildschweine auch noch zu füttern. Im Gegenteil, jeder Jäger ist froh, wenn die Schweine ein anderes Revier umgraben, da man als Jagdpächter in der Regel den Landwirten gegenüber regresspflichtig ist bei Schäden am Feld. um dies zu umgehen, verwenden viele Jäger sehr viel Zeit darauf, Mais und sonstige attraktive Pflanzugen einzuzäunen, eine ziemliche Arbeit!

Manchmal werden Wildschweine, aufgrund der schwierigen Bejagung, „angekirrt“, dh man wirft vor dem geplanten Ansitz eine Handvoll Mais oä an eine von Schweinen frequentierte Stelle, um diese anzulocken. Mit Fütterung hat das nichts zu tun. Wäre auch vergebens, da, wie Sie ja richtig erwähnten, die Schweine (auch aufgrund der milden Winter) reichlich Nahrung finden – nicht zuletzt auch dank des Anbaus von Energiepflanzen! Wildschweine sind sehr intelligent, man muss schon viele Stunden, und hier vor allem Nächte!, ansitzen, und das womöglich bei eisigen Temperaturen, um eines zu erlegen. Sitzen Sie doch einmal mit einem Jäger eine Vollmondnacht lang in den Wald (man muss ja auch was sehen, Nachtsichtgeräte sind auf Waffen verboten, was die Sache nicht einfacher macht, da Sie Wildschweine eigentlich nur nachts jagen können) .Dann bekommen Sie am Besten ein Bild davon, wie schwierig und anstrengend die Bejagung ist!

Der andere Unsinn, den Sie beschreiben, ist, dass Wildschweine im schlimmsten Fall stundenlang bei Treibjagden gehetzt werden. „TREIBjagden“ in diesem Sinne finden bei uns schon lange nicht mehr statt, was Sie vermutlich meinen sind „Drückjagden“, bei denen das Wild eben in keinem Fall gehezt und in Panik versetzt werden soll (das gefährdet nicht nur den sicheren Schuss, sondern auch erheblich die Fleischqualität), sondern vertraut und langsam in Richtung Schütz ziehen soll – die Treiber dienen nur als „Lärmquelle“, um das Wild zum Weiterziehen zu bewegen.

Mir ist es wichtig, diese Punkte richtig zu stellen, da sie nicht gerade zu einer breiteren Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung fürhren – was sehr schade ist! Jäger leisten sehr viel für Wald und Wild, und nicht umsonst wird der Jagdschein als das „grüne Abitur“ bezeichnet! Bezeichnend finde ich in Ihrem Beitrag die Erwähnung, dass ausgerechnet in Kreuzberg der Wildabsatz wohl eher schleppend ist, obwohl dort die ökologische Lebensweise doch groß geschrieben wird, was man so liest. Ich bin immer wieder erstaunt, dass Wild keinen Boom erlebt, denn, wie Sie ja auch schreiben, gibt es kein ökologischeres Fleisch von glücklicheren Tieren. Wir jedenfalls essen selten Fleisch, und wenn dann Bio oder selbst erlegt (-: Trotzdem Danke für Ihren Beitrag, der hoffentlich (nicht nur an Weihnachten) zur Nachahmung anregt. – Anuschka Eberhardt


 

Leserbriefe zu „»Sie sind alle Getriebene«“ von Mark Schieritz

Die Feststellung des Autors, dass zu viel Geld im Wirtschaftssystem vorhanden ist, stimmt. Dafür die Sparer verantwortlich zu machen, ist jedoch „zu kurz gesprungen“ und übersieht die eigentliche Ursache der Geldschwemme und – des damit verbundenen Absturzes der Rendite der Geldanlagen -, des Null-% Zinssatzes. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat über Jahre hinweg Billionen von Euro in die Volkswirtschaften gepumpt, um damit angeblich die Investitionstätigkeit anzuregen. Tatsächlich dient diese Politik nur dazu, die Staatshaushalte zu Lasten der Sparer und der Altersvorsorgesysteme zu entlasten und die Staatsverschuldung zu reduzieren. Atemberaubend ist die angebliche Begründung für diese von der EZB verursachte Gelddruckorgie. Die Inflation soll auf 2,00 % angehoben werden, weil sie angeblich immer noch darunter liegen soll. Wie blind muss man sein, wenn man behauptet, die Inflationsrate liege unter 2,00 %, wenn gleichzeitig Immobilienpreise und Mieten und Nebenkosten explodieren und für den Normalverbraucher nicht mehr finanzierbar sind, Strom- u. Heizungskosten sowie Benzin und Diesel historisch unerreichte Höhen aufweisen und die Preise für Lebensmittel für die Privathaushalte heute vorwiegend über Aldi und Lidl unter Kontrolle gehalten werden?

Würde die EZB nicht permanent Geld drucken, in dem sie Staatsanleihen und sonstige Anleihen aufkauft und damit ungeheuere Mengen von Geld in den Markt drückt, würden die Zinsen nicht ein derart niedriges Niveau aufweisen. Ohne die Zins- u.Geldpolitik der EZB müssten die Staaten ihre Kredite über den Markt aufnehmen, d.h. aus den Guthaben der Sparer und der Pensionskassen, und dafür einen angemessenen Preis, sprich Zins, zahlen. Ein Rückblick in die Geschichte lehrt, wenn Herrscher oder Staaten ihre Ausgaben nicht über Kredite, sondern durch Drucken von Geld finanzierten und damit die jeweiligen Währungen entwerteten, dauerte es nicht allzu lange bis das ganze Währungssystem zusammenbrach. Die Unabhängigkeit der Geldpolitik der früheren Deutschen Bundesbank von der Wirtschafts- und Finanzpolitik der Regierung ist heute Geschichte. Politik und EZB sind seit Gründung der EZB eine unheilige Allianz eingegangen, die die Sparer und künftigen Pensionäre oder Betriebsrentner in den nächsten Jahren noch deutlich zu spüren bekommen werden. Ein ganz unrühmliche Rolle spielen in diesem Zusammenhang unsere Staatsmedien, die auf diese Zusammenhänge nicht hinweisen, sondern mithelfen falsche Feinbilder aufzubauen, in diesem Fall den für sein Alter vorsorgenden Sparer. – Wolfgang Sibold

 

Das Geld ist so billig weil wir so viel sparen, meint Carl Christian von Weizsäcker. Das ist nur die halbe Wahrheit. Den zweiten Grund nennt Thomas Piketty in seinem neuen Buch: die Kapitalrendite ist höher als das Wachstum. Und: Eine volle Welt braucht andere Strategien als eine leere, so die Autoren im aktuellen Bericht des Club of Rom, darunter Ernst Ulrich von Weizsäcker. Eine Strategie ist staatliche Kreditaufnahme für sinnvolle, zukunftsfähige Investitionen. Aber auch hier gibt es Grenzen. Für eine Therapie des „Piketty-Syndroms“ braucht es mehr: die Regulierung des Kapitalmarktes. Wenn Herr von Weizsäcker das ausblendet, hätte ich mir die Nachfrage des Interviewers sehr gewünscht … – Albrecht Morguet

 

Sie irren m.E. mit Ihrer – von mir verkürzten – Erklärung, gespartes Geld sei billiges oder gar wertloses Geld. Geld gewinnt seinen Wert resp. den adäquaten Anspruch auf Leih-Zins aus der im Geld normalerweise gespeicherten Arbeit resp. der vom Geldleihenden zu nutzenden Arbeitspotenz. Wird Geld indes exorbitant gedruckt (EZB) oder als Buchgeld von den nationalen Banken geschöpft, so täuscht Geld – ähnlich Falschgeld – seinen inneren Arbeits-Wert und damit auch seinen Anspruch auf Leihzins natürlicherweise nur vor. Von dieser globalisierten Täuschung durch Verwässerung des Geldprinzips profitieren diejenigen Staaten, Institutionen und Personen, die durch Ausnutzung des Swing zwischen inflationärem Geldwert und beständigem Warenwert dauerhafte Werte, zum Beispiel Boden, als privates Vermögen akkumulieren. Folgen wir der Spur des Geldes, um die Urheber, sprich Profiteure dieser Entwicklung zu finden. – Gernot Henseler


 

Leserbriefe zu „Unbändige Wut“ von Jeannette Otto

Sie bezeichnen die Kinder in ihrem Artikel als „Systemsprenger“, diese Kinder sind keine Systemsprenger sondern Opfer des Systems, sei es, wie ich es erlebe, weil ihre Eltern nie gelernt haben wie mit Kindern gut umzugehen ist, sei es, weil die Mütter beweisen wollen, dass sie als Alleinerziehende in der Lage sind ein Kind gut „systemgerecht“ zu erziehen und das Kind überfordern. Die Kinder reagieren mit Trotz und selbstdestruktivem Verhalten. Hinzu kommt heute das Elend der zu frühen Betreuung in Krippen, die personell vollkommen unzureichend ausgestattet sind und unweigerlich Bindungsdefizite erzeugen. Dazu gibt es – meines Wissens – keine Forschung. – Alfred Böttger

 

Kinder, die keiner mehr will? Und mit denen niemand fertig wird? Die Recherchen von Nora Fingscheidt und Ihr Artikel von Jeannette Otto greifen zu kurz. In Einrichtungen der Erziehungshilfe werden hoch traumatisierte Mädchen und Jungen untergebracht, die sich in ihren Familien lebensbedrohlich in Not befanden. Schwer misshandelte, vernachlässigte oder sexuell gequälte Kinder sind die größte Gruppe der jungen Menschen, die in stationärer Erziehungshilfe leben, gefolgt von Kindern aus Suchtfamilien, aus Familien mit psychiatrischen Krankheitsbildern und Kindern aus abgebrochenen Pflege- und Adoptionsverhältnissen.

Mädchen und Jungen mit diesen schweren Beeinträchtigungen ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung, die zwischen überwältigenden Gefühlen hin- und hergeworfen sind und manchmal absolute Gefühllosigkeit zeigen, sind Alltag in den Erziehungshilfeeinrichtungen. Mit Mädchen, die Angst haben und weglaufen, Jungen, die aggressiv sind und zubeißen, weil unerträgliche Gefühle sie so außer sich bringen, sind traditionell ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher völlig überfordert.

Misshandelte Mädchen und Jungen haben keine Bewältigungsstrategien für ihre biografisch schlimmen Gewalterfahrungen; im dissoziativen Zustand können sie keine Regeln einhalten. In den meisten Einrichtungen fehlen dem Personal wirksame Konzepte. Das, was diese Kinder brauchen, ist auf keinen Fall Erziehung durch Erzieher. Von Nöten wäre verlässlich haltgebende Zuwendung durch liebevolle Erwachsene. Denn die traumatisierten Kinder reagieren ganz normal auf nicht normale Geschehnisse in ihren Herkunftsfamilien. Es handelt sich keineswegs um Kinder, „die wild und nicht zu bändigen sind, nicht bereit, sich Systemen zu fügen“. Im Gegenteil: mit ihren Reaktionen und Gefühlsausbrüchen geben die Kinder uns Hinweise, dass etwas bei ihnen gerade sehr sehr großen Stress erzeugt.

Wenn man nicht will, das diese Mädchen und Jungen über viele Jahre im System „herumirren“, müssen die Einrichtungen ihr Personal intensiv nachqualifizieren, das ist teuer und aufwändig. Die Fachkräfte müssen einen verstehensvollen Umgang mit leidvollen Geschichten lernen, und schon bei der Aufnahme müssen die Mädchen und Jungen große Wertschätzung erfahren. Leider ist es in den Einrichtungen oft damit getan, ein bis zwei qualifizierte Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen zu beschäftigen und den Alltag von schlecht bezahlten und gering qualifizierten Erziehern und Praktikanten bestreiten zu lassen.

Was fehlt, sind qualifizierte Fachkräfte mit ausreichendem Wissen zum pädagogischen Umgang mit Traumata. Strukturell sicher unterstützt durch Supervision, Fortbildung und Teamgeist würden sie die anspruchsvolle Arbeit leisten können. Mit haltgebender Zuwendung und qualifizierter Bindungs- und Beziehungsarbeit könnten sie jedem Kind wieder die Sicherheit geben, in emotional erregtem Zustand die Kontrolle über seine Affekte und über sein ausagierendes Verhalten zurückzugewinnen. Traumapädagogik als Kernkompetenz fehlt in fast allen Bereichen der Erziehungshilfe. – Klemens Richters

 

Wir begrüßen die Thematisierung von komplexen und überfordernden Fallsituationen in der Kinder- und Jugendhilfe in den Medien, so auch in dem zum Film Systemsprenger geschriebenen Artikel in der Zeit. Dieses Thema ist eine große gesellschaftliche und fachliche Herausforderung für die Kinder und Jugendlichen, ihre Familien und die beteiligten Träger und Organisationen der Kinder- und Jugendhilfe sowie die dort tätigen Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen. Problematisch allerdings ist die pauschalisierende Feststellung im Artikel, dass an den Fachhochschulen, wo aktuell die meisten Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen ausgebildet werden, „keine Forschungskompetenz“ vorhanden sei. Angesichts einer mittlerweile sehr umfangreichen Forschungstätigkeit an Fachhochschulen muss diese Sichtweise als anachronistisch betrachtet werden. Hinzu kommt, dass diese Forschungsaktivitäten oft trotz mangelnder systematischer Forschungsförderung unternommen werden. Weder auf Bundes- noch auf Landesebene gibt es Forschungsförderung für angewandte Grundlagenforschung in der Sozialen Arbeit. Angesichts komplexer sozialer Problemlagen, wie der dargestellten und auch vieler weiterer, besteht hier dringend Handlungsbedarf. Gleichwohl gilt an nahezu allen Fachbereichen für Soziale Arbeit an Fachhochschulen wie Universitäten: Hier wird nicht nur gelehrt, sondern auch systematisch und auf hohem Niveau geforscht. Fachlich nicht unumstritten ist die im Artikel implizite Forderung nach einer Wirkungsforschung in der Sozialen Arbeit. Zum einen ist noch immer strittig, wie Wirkungen adäquat gemessen werden können. Und zum anderen ist es nicht stichhaltig geklärt, ob und wie die Erkenntnisse zu Effekten und Wirkungen aus einer Fallsituation direkt auf andere übertragen werden können. Wir weisen als Fachgesellschaft deshalb schon seit längerem darauf hin, dass für solche grundlegenden Fragestellungen in der Tat mehr Forschungsmittel für anwendungsorientierte Grundlagenforschung nötig sind und dass diese auch an Hochschulen für angewandte Wissenschaften vergeben werden sollten. – Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA): Barbara Thiessen, Michaela Koettig, Stefan Borrmann, Sonja Kubisch, Dieter Röh, Christian Spatscheck, Claudia Steckelberg und Wolfgang Antes


 

Leserbriefe zur Deutschlandkarte „Ausgestorbene Blütenpflanzen“ von Friederike Milbradt im ZEIT Magazin

Schade, dass es den Schlitzblättrigen Beifuß nicht mehr gibt. Ausgestorben ist, gelebt hat die Pflanze in Artern (Thüringen), heißt es dort, und „Straßfurt“ (Sachsen-Anhalt). Auch, wenn „Straßburg“ deutschlandweit bekannter sein mag als „Staßfurt„, bitte ich um Korrektur: Die Stadt im Salzlandkreis (auch selbst schon mal Kreisstadt – SFT ist das Kfz-Kennzeichen – gewesen) schreibt sich ohne zweites „r“.

Im Übrigen hat Staßfurt auch sonst viel „Fehlendes“ zu bieten: Vom (Kali-)Bergbau gezeichnet, hatte und hat die Stadt den Verlust der Mitte (das IBA-Projekt hieß denn auch „Aufheben der Mitte“) zu verkraften; nach der Wiedervereinigung sind der Industriestadt Unternehmen und Arbeitsplätze (zu Tausenden) weggebrochen – schwarze Zahlen schreibt heute das Sodawerk, auch das Fernsehgerätewerk (deshalb kennt der ‚gelernte Ostdeutsche‘ Staßfurt/RFT) produziert noch (Technisat) – auch Elektrofahrräder (Technibike, und, vielleicht etwas für „Heiter bis glücklich“ oder Mirko Borsche: das sehr schicke, wenn auch etwas hart ausgelegte Cooper E Disc – ein Elektrofahrrad, das mir seit einigen Wochen viel Freude bereitet und immer wieder Passanten bzw. ‚Passierte‘ zu interessierten Nachfragen ermuntert).

Mehr würde mir einfallen, um Ihnen Staßfurt (wo ich zwölf Jahre mit meiner Familie gelebt und ein Jahrzehnt am Gymnasium unterrichtet habe) ans Herz zu legen (Bode/Salzwiesen, jüdischer Friedhof/Stolpersteine, Doppelstadt Preußen-Anhalt mit Leopoldshall, chemische Industrie und Landwirtschaft, Tierpark und Lebenshilfe …). Auf jeden Fall verdient es die Salzstadt Stadt an der Bode, mit ihrem unverfälschten Namen (und nicht als Opfer von Autokorrektur oder Unkenntnis) im Zeit-Magazin, das ich sehr schätze, zu erscheinen. Danke. – M. Reuter

 

Die Karte soll was zeigen? Die Erhebungen sind vorwiegend aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. In der ihr vorangegangenen Zeit gab es noch keine intensive Landwirtschaft. Außerdem sind nicht nur Niedersachsen oder das Ruhrgebiet nicht kartiert, es ist fast das ganze Bundesgebiet betroffen. Warum also die Nennung Niedersachsen und wieder einmal die intensive Landwirtschaft? Systembedingt oder einfach nur fehlerhaft kommuniziert? – R. Seevers

 

Heute noch in der Blüte, morgen ausgestorben. Es geht immer schneller mit dem Artensterben, und der Mensch ist sich nach wie vor keinerlei Schuld bewusst. Der Mensch macht seinen „Stiefel“ weiter, und der Globus bedankt sich auf seine Weise bei ihm. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Weibliche Gebärmaschinen“ von Andreas Isenschmid

Offenbar habe ich eine „globalgesellschaftliche Entwicklung“ verpasst, denn nicht anders kann ich mir den Titel der Rezension von Margaret Atwoods neuem Roman erklären.

„Weibliche Gebärmaschinen“. Die kritische Anklage dahinter verstehe ich nur zu gut, aber gibt es inzwischen auch schon Männer, die gebären? Maschinell, ja, anders wird es wohl nicht klappen. – Gerhard Moser

 

Mögen Sie Margret Atwood nicht? Oder gönnen Sie ihr ihren Erfolg nicht, bzw den zu erwartenden Erfolg ihres Fortsetzungsroman „Die Zeuginnen“? Denn ich zumindest werde ihn mir nicht mehr kaufen, obwohl ich das ganz sicher in Erwägung gezogen habe, allerdings bevor ich Ihren Artikel las…. Warum nur warnen Sie nicht davor, weiter zu lesen, bzw den Artikel erst gar nicht zu lesen wenn man das Buch nicht kennt? Den sogn. – und ja durchaus auch sehr sinnvollen – Spoileralarm??? Ich habe vor allem die Serie nach dem Roman „Report der Magd“. geliebt und gefeiert und in den 80er auch den Roman gelesen und genau darum habe mich mehr als gefreut, als ich gesehen habe, dass es eine Fortsetzung gibt!

Und dann lese ich Ihren Artikel und weiß schon gefühlt alles was wichtig ist und passieren wird. Sie verraten entscheidende Schlüsselszenen und umschreiben es auch noch mit folgendem Sätzen wie:“ Und was die jungen Frauen betrifft, so wird jeder Leserin, jedem Leser früher oder später mit Herzklopfen klar werden, dass sie die Töchter von DESFRED sind.“ BAM! Wahnsinn! Die Töchter von Desfred!!!! Nur bei mir wird es leider kein Herzklopfen geben! Denn ich weiß es ja nun bereits….und alle anderen Leser ihres Artikels auch. Ganz ehrlich, ich bin enttäuscht und wütend und mir ist zum Heulen….und irgendwie fühle ich mich betrogen. Betrogen um das Herzklopfen und darum es selbst herausfinden zu können… Schrieb ich schon, dass mir zum Heulen ist? – Angela Weis


 

Leserbriefe zu „Die Folgen des E-Rollers“ von Dirk Asendorpf

Der Beitrag ist ehr interessant und zeigt mal wieder, dass mit dem Werbeargument Umweltschutz alles verkauft werden kann, ohne dass die Kunden auch nur einen kritischen Blick darauf werfen. Um so wichtiger ist hier Ihre Aufklärungsarbeit. Allerdings enthält der Artikel einen gravierenden Fehler, der allerdings nicht direkt mit der Sache zu tun hat. Herr Asendorf schreibt ständig von Verleihfirmen und verleihen. Das ist schlicht falsch. Im Bürgerlichen Gesetzbuch wird Leihe als die unentgeltliche Überlassung einer Sache definiert. Hier (und in vielen anderen bereichen) werden Mietverträge abgeschlossen. Dies ist rechtlich ein großer Unterschied, da für die Vertragsparteien unterschiedliche Verpflichtungen und Rechte entstehen, je nachdem ob es sich um Leihe oder Miete handelt. Da wünsche ich mir eine korrekte Darstellung. – Iman Schwäbe

 

Wie so oft (speziell im Bundesverkehrsministerium) werden die Dinge nicht zu Ende gedacht. Sicher kamen genügend der 1245 Mitarbeiter durch bloßes Nachdenken auf die beschriebenen Folgen, dazu braucht man keine jahrelangen wissenschaftlichen Untersuchungen. Aber Herr Scheuer will sich halt ein grünes Mäntelchen stricken, im Detail müssen sich andere darum kümmern. Das bestätigt leider alle Klischees von volksfernen Volksvertretern. Wenigstens hätte man den Kommunen ein paar Handreichungen geben können (obwohl es da auch genügend denkende Mitarbeiter gibt, sollte man meinen): Was lief in anderen Städten gut, was schief, welche Schlüsse ziehe ich daraus für meine Stadt? Warten wir ab, kommt vielleicht noch: Feste Stationen mit Ladevorrichtungen in Innenstädten, um noch einen transportintensiven, schlecht bezahlten (Nacht-)Job abzuschaffen. Ausstattung von U- und S-Bahnstationen an der Peripherie für die letzte Meile, um tatsächlich Autofahrten zu vermeiden und nicht um es Fußfaulen und ÖPNV-Muffeln bequem zu machen. Ob das aber wirtschaftlich ist? Die E-Scooter-Leihe ist teuer, die Unternehmen hängen am Tropf von Investoren, die entweder naiv sind oder steuerliche Abschreibungsmodelle lieben, sie verbrennen Hunderte von Millionen. Es gibt wahrlich sinnvollere Alternativen: Sammeltaxis funktionieren schon seit Ewigkeiten über Telefon, werden in anderen Ländern erfolgreich per App genutzt und funktionieren. Mit intelligentem Routing wären sie sicher weitaus attraktiver und energiesparender als E-Roller. Mit Taxis könnten bestehende Ressourcen genutzt werden, es muss kein Fahrzeug zusätzlich produziert werden.

Noch ein kurzer Brief zum Thema SUVs, das auch in dieser ZEIT behandelt wurde: Die Lösung SUVs aus der Stadt zu vertreiben wäre ganz einfach. Für Fahrzeuge ab 2 Tonnen, 1,90 Meter Breite und 5 Meter Länge benötigt man einen LKW-Führerschein. SUVs dürfen hergestellt werden, aber die Ausstattung oder Nachrüstung mit Einparkhilfen wird verboten. – Markus Schilling


 

Leserbriefe zu „Dauerkarte für den Doktor“ von Fritz Habekuss

Ich halte überhaupt nichts vom Hausarzt-Prinzip. Emotional nicht, weil es ein Element der Unfreiheit beinhaltet, das mit dem Recht auf freie Arztwahl zumindest gefühlt kollidiert. Rational nicht, weil ich meine Zeit und die des Hausarztes verschwende, wenn ich nur dahin gehe, um mich zum Spezialisten überweisen zu lassen. Ich bin fast 60 und bisher hat mich noch nie ein Facharzt zum Hausarzt zurück geschickt, weil ich bei ihm falsch war. Vielleicht kann man den Patienten einfach genug Intelligenz zutrauen alleine den richtigen Spezialisten zu finden. – Iman Schwäbe

 

Vieles sind organisatorische, typisch deutsche, Probleme. Ich habe seit über 30 Jahren Epilepsie. Seit 2003 nehme ich dasselbe Medikament in derselben Charge ein. Eine N3 Packung hält 50 Tage. Erfindet eine N4 Packung, verschreibt 2-3 N3 Packungen mit einem Rezept. Aber wie erhält der Hausarzt dann seine Quartalscharge, wo er mich jetzt auch nur 1x jährlich wirklich sieht? – Klaus Rozinat


 

Leserbriefe zum Politischen Fragebogen „»Jeder Politiker ist Teil eines politischen Problems«“ von Britta Stuff und Michael Thumann

Wunderbar finde ich den politischen Fragebogen. Die Fragen sind ausgewogen: politischer Einstellungen bringen mir den Politiker, persönliche den Menschen näher. Einzig ihre Bildauswahl verstehe ich nicht, wie Elefanten und Pipelines aussehen ist bekannt, ob Frau Vestager ebenso bekannt ist, wage ich zu bezweifeln und würde ein Portraitfoto der Illustration vorziehen. Ich hoffe Sie stellen die anderen EU-KommissarInnen ebenfalls vor und geben so der EU ein menschliches Antlitz. Vielen Dank, Das Lesen der ZEIT. ist mir immer ein großer Gewinn. – Christine Adelt

 

Vermutlich werden Sie nach ein zwei weiteren Interviews feststellen, dass nicht alle Fragen gleich super sind (mein Favorit für einen Austausch: 16. Beleidigung). Aber wie kamen Sie auf die Idee, dass Brandts Kniefall jeden geprägt habe? Ich bin 56, er ist für mich gefühlt 2.000 Jahre her und hat mich gar nicht geprägt. Es mag eine Zäsur gewesen sein, aber die war mir mit 7 doch wumpe. Können Sie diesen Zusatz nicht einfach weglassen? Vielleicht gibt es ja auch Leute, die der Kniefall wirklich geprägt hat, nur werden wir es nicht erfahren. – Tim Böger


 

Leserbriefe zu „Sie machen den Anfang“ von Petra Pinzler et al.

Danke für die interessante Serie zum Klima! Einer der wichtigsten Aspekte im Hinblick auf die „Macht des Individuums“ wurde allerdings nur am Rande erwähnt: die Ernährung. 14,5 % der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen sind laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf die Nutztierhaltung zurückzuführen. Das ist mehr, als auf das gesamte weltweite Verkehrswesen (14 %) entfällt. Zahlen der Universität Oxford belegen darüber hinaus, dass, wer vegan lebt, seine CO2-Bilanz um zwei Tonnen jährlich verbessert. Eine pflanzliche Ernährung, so der Umweltwissenschaftler Joseph Poore nach Auswertung von 570 Studien zu den Ökobilanzen der Lebensmittelproduktion, sei der „wahrscheinlich größte Hebel, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern“. Durch den Verzicht auf tierische Produkte würden schließlich nicht nur weniger Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, sondern auch andere Umweltauswirkungen wie der Land- und Wasserverbrauch reduziert. Wie wäre es daher, den Lesern mit leckeren Rezepten die Vielfalt der pflanzlichen Küche aufzuzeigen? Studienleiter Poore hat übrigens Konsequenzen aus seinen Erkenntnissen gezogen: Er strich tierische Produkte von seinem Speiseplan. – Christina Stüwe

 

zu „Der Politiker“ von Laura Cwiertnia

In dem Artikel heißt es „…in Betrieben und in der Verwaltung wurde dafür gesorgt, dass Mitarbeiter weniger CO2 verbrauchen.“ und am Ende des Artikels „Würzner machte den CO2-Verbrauch einfach unattraktiv.“Es geht hier aber nicht um einen geringeren CO2-Verbrauch, sondern um einen geringeren Kohlenstoff-Verbrauch und um Verringerung der Erzeugung von CO2 bei der Verbrennung des Kohlenstoffs. Für eine Richtigstellung wäre ich Ihnen dankbar. – Hartwig Röhrs


 

Leserbriefe zu „»Ich wollte nicht, dass der ›Spiegel‹ zerstört wird«“ von Can Dündar

Der Spiegel war mir schon immer unsympathisch. Der Fall mit Relotius war ja nicht der einzige. Ich behaupte, die Lügen gehören beim Spiegel zum Journalismus. Ich war indirekt in einem Artikel des Spiegels über die IOS (Investors Overseas Services) in den 60er Jahren, einer schweizerischen Investmentgesellschaft, in der ich als Manager angehörte. Es ging um den damaligen FDP-Mann Erich Mende. Er war auf dem Titelbild mit Hakenkreuz zu sehen. In diesem Beitrag stimmte so gut wie nichts. Herr Mende ist damals ziemlich souverän mit dem Beitrag umgegangen Wenn jetzt Herr Moreno sagt, das der Spiegel nicht zerstört werden sollte, dann wird das sein Geheimnis bleiben. Ich würde in den Lügentempel kein Bein mehr setzen wollen. – Gunter Knauer

 

Um Unsinn zu verbreiten gibt es zwei üble Begründungen: 1) Ich lehne es ab, dass Jour­na­lis­ten oder Po­li­tiker mich „vor der Wahrheit beschützen“. 2) Vielleicht ist es im Energie­bereich auch nur schlichte Unkenntnis der sachlichen Grundlagen: Das wäre auch schlecht! Oder gibt es doch mehr „kleine Relotiousse“? Weder von zuständigen Re­gie­rungs- oder Par­tei­kollegen noch von der ZEIT habe ich jemals eine zutreffende Darstellung der Probleme der „Energiewende“ zu lesen be­kommen: Mit Ge­sundbeten im „wahren Glauben“ löst man nicht ein einziges technisches Problem. Statt­dessen beschwört man gruselige Situationen wie den Black-out ab 2023 herauf. Die da­rauf folgenden gruseligen Wahlergebnisse erst Recht! – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele


 

Leserbriefe zu „Die gedruckte ZEIT ist unhandlich, beim E-Reader vermisse ich das Papier. Was tun?“ von Ella

Ihre Antwort an „Lesewolf“ ist eine Zumutung! Lesewolf ist KUNDE Ihrer Zeitung, er möchte sie lesen. Als Leser möchte er ernst genommen werden und nicht von oben herab abgespeist werden. Genau das tun Sie. Zwischen den Zeilen ist ja zu lesen: Lesewolf ist nur zu doof, mit unserer Papierjuwel umzugehen. Auch ich – und sicher auch Tausende anderer Leser/innen – kämpfen immer wieder gegen diese Übergröße! Muss das sein??? Darf ich Ihnen hier eine andere Antwort vorschlagen?

„Lieber Lesewolf, ja, die normale Printausgabe unserer Zeitung hat eine in unserer Zeit unzumutbare Größe. Ja, die vielen Anzeigen und das oft äußerst großzügige Layout verhindern eine pragmatischere äußere Format-Form der Zeitung. Das ist nicht gut. Denn wir wollen, dass man DIE ZEIT liest! Wir denken nach über eine praktischere, verkleinerte Ausgabe, vielleicht ohne Werbung und mit spartanischer Gestaltung und ohne Fußball-Artikel (es kommt doch auf den Inhalt an!), die teurer sein würde, die aber Sie sicher ja gern bezahlen werden. Das freut uns! Nein, dass DIE ZEIT dieses übergroße, unhandliche, leserunfreundliche, ausufernde Format haben muss, das ist bei uns kein Dogma! Wirklich! Letztenendes bezahlen die Kunden wie Sie uns für den Auftrag, guten Journalismus zu liefern, und … der Kunde ist ja der König. Danke für Ihre Kritik am Format! Wir werden darüber nachdenken, eine Umfrage zum Format der Printausgabe zu starten und Ihnen doch eventuell bald eine andere ZEIT liefern, die gut auf Ihrem Tisch passt und denselben „content“ anbietet wie die normale Ausgabe.
LG, Ella“ – Daniel Marti

 

In der Verteidigung des jetzigen unhandlichen Formats der „Zeit“ aus Kostengründen fehlt ein wichtiger Aspekt, der Ellas Argumentation schwach und unglaubwürdig erscheinen lässt. Denn wie sollen die Zeit-Berichte über Greta Thunberg und die „Fridays for Future“, über die Abholzungen des Regenwaldes in der Amazonas-Region als „grüne Lunge“ unseres Planeten sowie über die Aufforstung der Wälder im Projekt „Plant fort he Planet“ von Ihren Lesern glaubwürdig aufgenommen werden, wenn die Zeit nicht bereit ist, dazu auch ihren eigenen Beitrag mit einem weniger aufwendigen Format und damit auch mit geringerer Abholzung und weniger Papierverbrauch zu leisten? Wieder einmal steht – wie so oft – Profitstreben vor Glaubwürdigkeit! – Hans-Henning Koch


 

Leserbriefe zu „»Ich mache alles, was verboten ist«“ von Adam Soboczynski

Schönen DANK für den guten Atelierbesuch beim hierzulande stark vernachlässigten Anselm Kiefer! Eine schöne Ergänzung Ihr Artikel zum von Schirach-TV-Porträt. Die Aussage Kiefers, daß Van Gogh kein Talent hätte und erst die letzten drei Jahre angeblich sein Werk schufen, zeugt allerdings davon , daß Anselm scheinbar die TASCHEN-Gesamtausgabe von Vincents Arbeiten noch nie studiert hat, denn seine Bemerkung – in Anbetracht von Vincents schönen Bildern: bspw. aus der Borinage – ist blanker Unsinn. Insgesamt ein sehr interessanter Zeitgenosse + frohgemuter Künstler, den Sie, plus sein einmaliges Habitat, äußerst treffend portraitiert haben . – Paul Zendo

 

Zu Anselm Kiefers bildungshuberischer Namensfindung für seine Hunde, lässt sich frei nach Heiner Müller sagen: 10 Deutsche Maler sind dümmer als fünf. – Paul Zwirchmayr


 

Leserbrief zu „Weit mehr als Wutbürger“ von Yassin Musharbash und Özlem Topçu

„Parteien sind die tragenden Säulen unseres politischen Willensbildungsprozesses“ sagt Herr Kramer im Interview. So sieht es zwar das GG vor, aber wo findet denn der politische Willensbildungsprozess statt? In Talkshows, Bloggs, Internetforen und social media, etc. wird der Verfassungsauftrag der politischen Parteien längst unterlaufen und ausgehöhlt. Dort im öffentlichen medialen Raum erfolgt der polit. Willensbildungsprozess. Es vollzieht sich vor unseren Augen ein Wandel der Verfassungsrealität. Da sollten wir uns weder über den schleichenden Niedergang unserer politischen Kultur, noch über die Errosion der Parteien wundern. – Bruno Fey


 

Leserbrief zu „Russland: Warum schwächelt Putins Partei?“ von Michael Thumann

Sie fragen warum schwächer Putins Partei? Ich habe da einen Tipp für ihn: Er sollte seinem Volk zeigen, wie es in einer Demokratie in Wirklichkeit aussieht, besonders in Deutschland. Mord und Totschlag gibt es täglich zu berichten. Die Verrohung im Alltag ist in den Ballungsgebieten besonders hoch. Moral ist Abgeschafft. Die Bildung ist auf der untersten Stufe angekommen. Die „Alten“ werden vergessen. Einsamkeit und Armut ist die Folge. Die Politik kümmert sich über alles und jedes, nur nicht um ihre Bürger. Das wird alles ignoriert als gäbe es das nicht. Wenn das dem russischen Volk von Putin klar gemacht wird, braucht er sich um seine Wiederwahl keine Sorgen machen. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Das Jüngste Opfer der Trump-Show“ von Josef Joffe

Ich bin tatsächlich sehr überrascht, dass Sie als tendenzieller Falken-Sympathisant den Abtritt von John Bolton als relativ unbedeutend abtun. Ich würde hier vehement widersprechen wollen. Mit John Bolton verliert Trump nicht nur sein Bad Cop bzw. Madman, er tritt auch dummerweise hinterher, mit dem Verweis darauf, dass der zu gerne Kriege anfängt. Damit bringt sich Trump in eine Position der Schwäche und Unglaubwürdigkeit gegenüber Nordkorea, Iran, Syrien und Venezuela. Das passiert auch noch zu einem Zeitpunkt, zu dem er durch die US Wahlen im kommenden Jahr unter stärkerem Zeitdruck steht, als die anderen. Das ist riskant. Er wird früher oder später in den kommenden 10 Monaten einen Militärschlag oder begrenzten Krieg brauchen, oder er wird außenpolitisch nichts erreichen. Eine kurze verhandlungstaktische Analyse dazu anbei. – Tilman Eichstädt


 

Leserbrief zu „Torten der Warheit“ von Katja Berlin

„Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“ Bei Zahlungsarten müsste man wissen, ob es um die Geldmenge geht oder die Anzahl der Bezahlvorgänge. Beim Bäcker, Fleischer, … nutze ich keine Karte. – Klaus Rozinat


 

Leserbrief zu „Was bringt der Grüne Knopf?“ von Ann-Kathrin Nezik

Die Verbraucher haben die Macht, theoretisch. Praktisch hat sie die Politik, hier die EU. Was hindert sie, Handelsabkommen abzuschließen, die den Import von Textilien zulassen, die ausschließlich unter ökologischen und menschenwürdigen Bedingungen produziert werden? Der Lobbyismus der Handelsunternehmen, deren Rendite gesichert werden muss. – Rüdiger Weigel


 

Leserbrief zu „Vater zu werden half dem Schauspieler, mehr Ruhe in sein Leben zu bringen“ von Anna Kemper im ZEIT Magazin

Ich lese gerade die aktuelle Ausgabe des Magazins und bin gerade über etwas in der Rubrik „Das war meine Rettung“ gestolpert.
Dort wird Ludwig Trepte, 31 Jahre, interviewt und in den Informationen zu seiner Person steht „geboren in Ost-Berlin“. Das hat mich sehr irritiert. Trepte ist 31 Jahre alt, genau wie ich, das heißt, er war zum Zeitpunkt des Mauerfalls ein Jahr alt. Ich bin auch Berlinerin und würde es fast verstörend finden, wenn man über mich extra schreiben würde, ich sei in West-Berlin geboren. Ich bin doch einfach Berlinerin! An ein geteiltes Berlin habe ich keine Erinnerung. Zumal diese Information für das Interview überhaupt gar keine Rolle spielt – anders wäre es, würde man sich über noch heute bestehende Differenzen zwischen Ost und West unterhalten. So habe ich eher den Eindruck, dass diese Information in diesem Zusammenhang ein Zeichen dafür ist, dass es (leider) für viele Menschen immer noch eine große Rolle spielt, ob man in West-/Ost-/Berlin/Deutschland geboren ist, was ich sehr traurig finde (auch wenn ich natürlich nicht verleugnen will, dass es weiterhin Differenzen gibt, aber darum geht es hier ja nicht).
Wieso haben Sie sich dafür entschieden, die Präzisierung „Ost“-Berlin zu machen? Oder war es von Herrn Trepte so gewünscht? Da mich diese ganze Ost-/West-Thematik sehr interessiert, würde ich mich freuen zu erfahren, was die Gründe waren – Sophie Hümbs


 

Leserbrief zu „Die stille Sensation“ von Hanno Rauterberg

Der Artikel macht in überzeugender Weise deutlich, in welcher privilegierten Situation wir uns in Deutschland mit seiner einzigartig reichen und vielfältigen Museumslandschaft befinden, wo überall das Glück einer persönlichen Begegnung im lebendigen Dialog mit den wunderbarsten Kunstwerken abseits störender Besuchermassen wartet. Hier kann es geschehen, dass eine der wichtigsten Überlebensstrategien in der modernen Überflussgesellschaft mit zauberischer Macht nachhaltig von uns Besitz ergreift: WENIGER IST MEHR. Welche Freude, welche Überraschung, welche Erkenntnis kann uns beim Rendevous mit einem einzigen Bild zuteil werden!l – Ludwig Engstler-Barocco


 

Leserbrief zu „Ein Leben ohne Mops ist möglich …“ von Jens Jessen

Als ich heute Morgen beim Lesen über die Überschrift „Ein Leben ohne Mops…“ in der ZEIT gestolpert bin, dachte ich als Mopsbesitzerin noch, ach wie schön. Leider fiel mir aber bereits nach den ersten Sätzen die Kinnlade herunter über die schlecht recherchierte Einleitung Ihres Redakteurs Jens Jessen und die darin enthaltenen Unterstellungen. Gerd Käfer war niemals der Besitzer von Mops Sir Henry. Dieser gehörte immer seiner Ehefrau Uschi Ackermann. Auch ist das natürliche Alter eines Mopses nicht 12 Jahre. Die Tier können problemlos bis zu 18 Jahre alt werden. Mehr geschockt hat mich jedoch die Aussage „Natürlich war dies auch ein Ergebnis geradezu bizarrer Internetpräsenz und eines höchst abgebrühten Marketings; der Feinkosthändler hatte eine eigene Produktlinie auf den Namen des Hundes gegründet.“

Zur „bizzaren“ Internetpräsenz möchte ich anmerken, dass diese alleine im Zusammenhang mit dem großartigem Engagement und unermüdlichen Einsatz von Frau Ackermann zum Thema TIERSCHUTZ steht. Seit vielen Jahre kämpft sie hierbei gezielt für die Rasse Mops und arbeitet dabei auch mit entsprechenden Vereinen zusammen. So hat sie gerade erst den Mopsliebe(nde) e.V. mit einer Spende in Höhe von 25.000 € unterstützt, damit dieser sich weiter erfolgreich für Möpse in Not engagieren kann. Von daher ist es sehr vermessen diesen Einsatz als „bizzar“ zu titulieren. TIERSCHUTZ ist wichtig! Gerade in unserer heutigen Gesellschaft, wo für viele Menschen ein Haustier leider genau so auswechselbar wie ein Smartphone geworden ist. Und u.a. dagegen engagiert sich Frau Ackermann mit ihrer „mopsigen“ Internetpräsenz. Darüber sollten Sie einmal berichten. Auch was das „abgebrühte Marketing“ und die angeblich von Herrn Käfer gegründete „Produktlinie auf den Namen des Hundes“ angeht, liegt Ihr Redakteur leider ganz daneben. Herr Käfer war nur sehr selten mit dem Mops und seiner Frau zusammen in Sachen PR unterwegs und wenn, dann stets unauffällig im Hintergrund.

Was die Produktlinie „Mops Sir Henry“ angeht, so hat diese absolut nichts mit Gerd Käfer oder seinem Feinkost-Imperium zum tun. Die Wortmarke bzw. Word-Bildmarke „Sir Henry“ bzw. Mops Sir Henry gehörten schon immer Uschi Ackermann. Dies lässt sich auch problemlos bei einer Online-Recherche beim DPMA feststellen und Produkte mit diesem Namen gibt es nicht im Sortiment von Feinkost Käfer. Auch das lässt sich ganz einfach mit einem Blick auf die Käfer-Website und Shop feststellen. Etwas mehr korrekte Recherche und eine etwas weniger reißerische Aufmachung für die Ausstellung, auch wenn es um den Hund geht, wäre doch angebracht für DIE ZEIT. Sonst könnte man auch gleich die BILD lesen. – Karin Martin


 

Leserbrief zum Wochenmarkt „Üppige Zwetschgen“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

nachdem Sie in der vorletzten Ausgabe diskret die mangelnden Reaktionen auf ihre Rezepte beklagt haben (Stichwort: ich baue kleine Fehler ein …), drängt es mich, Ihnen zu schreiben.
Außer Fleisch, habe ich schon Vieles bei Ihnen entdeckt, herausgerissen und in meine Küche übernommen.
Noch heute Abend haben wir den Zwetschgenröster verspeist, der so banal daherkommt, um sich als große Köstlichkeit zu entpuppen! Und Muhamara war auf Anhieb mein unübertroffener Favorit unter den Aufstrichen! Immerhin ist die Islamisierung der Rhein-Main-Region schon soweit fortgeschritten, dass ich in der Moschee am Ende unserer Straße eine ansehnliche Auswahl an Granatapfelsirup vorfand. Ohne Sie hätten ich den vielleicht nie entdeckt.
Nachdem ich dann gestern durch Anne Will noch ein Gesicht zu den wunderbaren Rezepten bekommen habe, möchte ich mich endlich bedanken und hoffe, dass Sie mit der Kolumne noch lange weitermachen. – Elisabeth Müller


 

Leserbrief zu „Weil sie daran glaubt“ von Matthias Krupa

Darf ich Sie herzlich bitten, Frau Magdalena Adamowicz meine Hochachtung für die Verfolgung dieses so zentralen Themas – Der Kampf für eine Welt ohne Hass – auszurichten. Mitstreiter würde sie in jeder Bahai-Gemeinde finden – in Brüssel, in Danzig oder an jedem anderen Ort der Welt… ! – Marion Claus


 

Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Es gibt wenige Bilder mit dieser Aussagekraft, die dabei so ehrlich, liebevoll, erstaunt und klar sind – und dabei auf Voyorismus verzichten! Mit seiner Bilderserie versucht F. Jaenicke nicht nur seinen Sohn zu verstehen, er bringt in seinen Bildern auch die Vielseitigkeit von Leben zum Ausdruck. – Rose Derkau


 

Leserbrief zu „Eselei“ von GRN

„E“ steht dann, wer hätte das gedacht, für den Esel (in uns), eben „E(sel)-Roller“, das würde auch so manches erklären! Der Mensch, der steht sich sehr oft selbst im Weg, und schon hat er das nächste hausgemachte Problem an seiner Backe, jetzt, die Tierschützer-Gilde, die schon von ferne droht! Sind wir nicht alle doch eine bisschen Esel? – Riggi Schwarz


 

Leserbrief zu „Über Abwanderung“ von Ronja von Rönne im ZEIT Magazin

Pandabären gehören weder in den Berliner Zoo, noch in einen anderen Zoo der Welt. Pandabären gehören in die Freiheit, und diese Freiheit liegt in Zentralasien. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Heiter bis glücklich“ von Claire Beerman im ZEIT Magazin

Gestatten Sie mir bitte den Hinweis, dass die STABILO BOSS Textmarker aus mehreren Gründen nicht mehr in die Zeit passen(allein die Menge an zukünftigem Plastik-Abfall) und von daher kaum eine (Wieder)Entdeckung wert sind. Zu entdecken sind dagegen Textmarker wie die DRY-MARKER von KOH-I-NOOR oder der spezielle Füller von Pelikan (mit 2 Tintenvarianten zum Textmarkieren). – Dirk Josteit


 

Leserbrief zu „Über sein altes Schwimmbad, damals, als Schüler“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Beim Lesen dieses seichten, inhaltlich banalen, stilistisch flachen Textes fragt man sich unwillkürlich, ob die ZEIT oder ein anderes Qualitätsblatt ein solches Werk wohl auch abgedruckt hätte, wenn es unaufgefordert von einem namenlosen Autor eingereicht worden wäre. In Abwandlung des grandiosen Schlusssatzes antworte ich „Ich hoffe es nicht, und ich bin mir sogar sehr sicher.“ Wurde der Autor vielleicht durch das aktuelle Buch von Matthias Brandt zu diesem, pardon, Machwerk angeregt? Dann hätte er zwar nicht das Thema, aber das Niveau der Vorlage um Lichtjahre verfehlt. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann