‹ Alle Einträge

Gemischter Braten & Milchboykott

 

stohren.jpg
Blick vom Kaltenbrunnen nach Westen über den Drehbachhof ins Münstertal
Quelle:www.freiburg-schwarzwald.de

Gestern Abend feierte der Landwirt Max, von dem ich, bevor er seinen Drehbachhof übergeben hat, viele Jahre die Milch für meine Käserei gekauft habe, seinen 70. Geburtstag. Er hat mit seiner Milch den Grundstein für meine Käsequalität gelegt, und es hat mich sehr gefreut, das er den Festschmaus für seine Feier bei uns bestellt hat.

Es gab eine Bärlauchsuppe – der wuchs hinter seinem Haus -, einen gemischten Salat mit Spargelspitzen, den obligatorischen gemischten Braten mit Spätzle & Kroketten und hinterher ein kleines Dessert mit Sorbet. Ganz zum Schluss wurden nämlich noch einige (viele) Kuchen, gebacken von der Verwandschaft, verspeist.

Ein wirklich gelungenes Fest. Und als Max, seine Frau Ursel und ich uns nach dem Fest noch zu einem Glas Gutedel zum Abschluss hingesetzt haben, sagte er mir, dass es einer der schwärzesten Tage in seinem langen Landwirtschafts-Leben wäre. Sein Hofnachfolger nimmt am Milchstreik teil, und das Gemelk von gestern Abend wanderte nicht in den Milch-Tank, sondern auf gut alemannisch „den Bach nab“.

In den Zeitungen von heute wird ja ausführlich darüber berichtet, der alles sagende Satz in der Badischen Zeitung heißt:
Von den momentan 30 Cent pro Liter können die Schwarzwälder Milcherzeuger nicht leben!!!

Die kurzfristige Steigerung der Erzeugerpreise hatte keinen Bestand, die Discounter haben den Molkereien die „Schuhe wieder einmal ausgezogen“.
Bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergeht.

4 Kommentare

  1.   Thomas Schürmann

    Tja – das ist das Ergebnis der verfehlten Landwirtschaftspolitik. Vor noch 20 Jahren konnte man in einem Dorf im Sauerland bei 3 Bauern Milch kaufen – nunmehr hat keiner mehr Kühe. Auf den ehemaligen Wiesen wird Mais angebaut – danach kommt dann wohl nichts mehr.

    Fast kein Bürger dieses Landes weiß wohl mehr, wie frische Milch schmeckt.

    Ich unterstütze die Bauern beim Streik – allerdings wohne ich in der Großstadt und kann maximal Bio-Milch im Supermarkt kaufen – die Fahrt zum vorhandenen Biobauern wäre CO2-mäßig nicht zu rechtfertigen.

    Dabei gibt es hier bei Wuppertal execellenten Biokäse und gute Biomilch, mittlerweile auch von vielen Köchen der Region gelobt.

  2.   Klaus

    Klar, das Thema ist furchtbar. Über Jahrzehnte hat man die deutsche Landwirtschaft kaputt gemacht – das trifft fast alle Regierungen. Und das wird nun im EU-Rahmen so weitergehen. Für alles gibt es Vorschriften, egal ob sie sinnvoll sind oder nicht. Man schaue sich nur das Beispiel Rohmilchkäse an. Regionale Besonderheiten werden durch diese Regelungen untergebuttert (im wahrsten Sinne des Wortes) und auch überzeugte Europäer, wie der Verfasser dieser Zeilen, hegen doch Bedenken, ob der strikten Regelungen bis in gewisse Details und Einzelfragen.
    Aber:
    Man darf dabei nie vergessen, was wirklich hinter dem allem liegt:
    Die Politiker hatten doch nie die deutsche oder eine andere Landwirtschaft im Auge. Um was es ging, war doch völlig klar. Es ging um Politik und darum, sich selbst möglichst bestens zu versorgen. Man schaue sich doch nur einmal die Liste der Deutschen an, die sich durch Europäisches Parlament, Kommission, Gerichtshof, Rat und was weiss ich noch, einen bumsfidelen Lebensabend beschert haben/und der ihnen, weil in Bonn, Berlin oder München untragbar geworden, beschert worden ist!
    Ich kann auch nur mit höchstem Missvergügen dem Grünen Bütikofer hinterher sehen, der sich nun aus der erfolglosen Berlin-Politik abseilt und mit einem EP-Mandat liebäugelt, das ihm die letzten beitragspflichtigen Jahre einer Rentenversicherung ersetzt.
    DEUTSCHE BAUERN, finanziert weiter die Renten Eurer Diesel-Politiker, die Euch in den 60er-Jahren mit billigem Sprit und dem Grünen Plan zu Schmuckkästlein verholfen haben, die dieselben und ihre Nachfolger Euch jetzt wieder abjagen. Gier zu Gier!


  3. […] Dienstag 03.06.2008 Allgemein Es geht weiter… Von Karl-Josef Fuchs | 10:16 …mit dem Milchboykott. Ich bekomme täglich einen Anruf von einem verzweifelten Milcherzeuger, ob ich ihm nicht, […]


  4. […] dachte ich mir heute früh, nehme ich die Kamera mit und beobachte die Hinterwälder Kühe vom Drehbachhof hoch oben am Schauinsland, wie sie gemütlich aus dem Stall ziehen, um ihr Tagwerk zu vollbringen, […]

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren