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Hat die Türkei mit dem „Islamischen Staat“ gedealt?

 

Ende September gelang es der Türkei, nach mehr als drei Monaten 46 türkische Staatsbürger freizubekommen, die der „Islamische Staat“ (IS) im Juni im Irak als Geiseln genommen hatte. Ein spektakulärer Erfolg. Zumal, wie die Regierung betonte, kein Lösegeld bezahlt worden sei.

Warum aber gab der IS die Geiseln dann frei? Zahlreiche Spekulationen darüber sind in den vergangenen Wochen angestellt worden, viele Kommentatoren vermuteten, dass die Türkei etwa zugesagt haben könnte, sich nicht über die Maßen am Kampf gegen das Terror-Kalifat zu beteiligen.

Vielleicht war es aber noch anders.

Die Londoner Times berichtet heute, dass ihren Quellen zufolge zwei britische Dschihadisten unter einer weit größeren Zahl von Gotteskriegern gewesen seien, welche die Türkei als Gegenleistung freigelassen habe. Es geht demnach um insgesamt bis zu 180 Islamisten, die in türkischen Gefängnissen oder Krankenhäusern festsaßen. Dem Blatt liegt offenbar eine entsprechende Liste vor.

Die BBC griff den Bericht auf und ergänzte, dass Beamte im britischen Außenministerium den Times-Bericht für glaubwürdig hielten.

Ein solcher Deal wäre sicher nicht im Sinne der westlichen und arabischen Verbündeten der Türkei, die sich im Kampf gegen den IS engagieren. Zumal die Türkei jahrelang nicht genau hingesehen hat, wer so alles über ihre Grenze nach Syrien eingesickert ist. Für die meisten der Hunderten Dschihadisten aus Europa, die dorthin gezogen sind, war das die Route, die sie ins Kampfgebiet wählten.

Einer, der beim Versuch, nach Syrien zu gelangen, in der Türkei hängenblieb, ist ein österreichischer Hassprediger mit ägyptischen Wurzeln: Mohamed Mahmoud. Er saß in Österreich mehrere Jahre wegen Terrorismus im Gefängnis, ging danach nach Deutschland, dann nach Ägypten. Er gehört zum Umfeld des Berliner Ex-Rappers DesoDogg alias Abu Talha al-Almani, der heute regelmäßig für den IS Propaganda verbreitet (mutmaßlich von Syrien aus).

Mahmouds Haftbedingungen in der Türkei waren allerdings offenkundig sehr kommod. Er konnte weiterhin online Hasspredigten veröffentlichen. Ein deutscher Nachrichtendienstler nannte es eine Art Hausarrest.

Nun ist Mahmoud ebenfalls frei. Steht auch seine Freilassung im Zusammenhang mit der Freilassung der türkischen IS-Geiseln?

Dass Mahmoud frei ist, hat das österreichische Innenministerium bestätigt. Über einen Zusammenhang zur Freilassung will Wien aber nicht spekulieren. Die türkischen Behörden, so ein Sprecher des Ministeriums in Wien, hätten lediglich mitgeteilt, die zeitliche Höchstgrenze für Polizeihaft sei in seinem Fall erreicht gewesen.

In Österreich wird wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gegen Mahmoud ermittelt – es geht um den IS. Außerdem, so der Sprecher, werde in Österreich geprüft, wie es eigentlich um die Staatsangehörigkeit des Radikalen bestellt sei. Man prüfe Hinweise, Mahmoud habe bei seinem Ägypten-Aufenthalt die dortige Staatsbürgerschaft angenommen.

Bis jetzt hat Mahmoud sich noch nicht öffentlich zu Wort gemeldet. Überraschend wäre es nicht, wenn er demnächst an der Seite von Abu Talha al-Almani in einem Video zu sehen wäre. Die beiden zählen zu den Führungsfiguren der deutschsprachigen dschihadistischen Szene.

Ob die Türkei Mahmoud wirklich im Austausch freigelassen hat, ist also nicht klar. Aber vorstellbar.

Sollte sich der Bericht der Times über insgesamt 180 freigelassene militante Islamisten bestätigen, wäre Mahmoud allerdings womöglich nicht einmal das größte Problem. Die Türkei dürfte sich einige Fragen gefallen lassen müssen – wenn nicht öffentlich, dann gewiss hinter verschlossenen Türen.

 

 

 

28 Kommentare

  1.   The J.B.

    Ich finde an der Vorgehensweise, sollte sie denn so bestätigt werden, nichts zu beanstanden. Es gehört zur Staatsräson eines jeden Staates, dass er sich um seine Bürger in Not kümmert. Ich verstehe, dass ein Staat dafür lieber eine abstrakte Erhöhung einer Gefahr, die sich vielleicht – vielleicht auch nicht – irgendwann in der Zukunft einmal realisieren könnte, in Kauf nimmt. Mehr noch, ich *erwarte* das sogar.

  2.   Bild

    Lese seit einiger Zeit all die Kommentare von euch,wenn ihr Krieg haben möchtet dann steht euch keiner im Weg wieso soll die türkei in den Krieg für den Westen oder warum sollen die Pkk unterstützen die 30 Jahre lang ein Land terrorisiert hat,wenn die kurdeschin Mitbürger hier prophaganda machen sind die hier falsch dann sollen die da runter gehen und kämpfen,höre immer kurdistan hab noch nie in einem Atlas oder Geschichte Unterricht kurdistan gesehen denn sowas gibt’s nicht wenn die westliche Länder denn kurden es versprochen haben dann geht zu denn Ländern und fordert von dennen eure kurdistan bin kein Anhänger von Akp oder jemand anderem jeder Mensch sollte respektieren und respektiert werden


  3. Wo ist hier der Skandal?

    Zuletzt haben die USA hochrangige Taliban im Austausch mit einem in Afghanistan verschleppten US Soldaten freigelassen.

    Jetzt hat die Türkei evtll das Gleiche gemacht um türkische Geiseln freizukaufen.


  4. Die Türken schaufeln sich ihr eigenes Grab.

  5.   Running

    Deutschland hat imho auch schon mal den Fehler gemacht, mit Terroristen zu verhandeln.

    Mit Terroristen verhandelt man nicht. Dadurch wird ein Staat nur noch angreifbarer.

    Helmut Schmidt betrachtete seinen ersten Deal mit Terroristen als einen größten Fehler. Recht hat.

    Beim zweiten mal war er schlauer.

    Wenn die Türkei mit der IS verhandelt hat, hat sie einen Fehler begangen.


  6. Die Türkei hat auch schon mit der PKK / KCK Deals abgeschlossen und Häftlinge entlassen, im gegenzug ließ die PKK / KCK ihre Gefangenen frei.

    Ein schmutziges aber kein neues Kopnzept.


  7. Wenn Erdogan in Syrien mitmischt, dann nur um Assad zu beseitigen und und seinen Machtbereich zu erweitern.

    Warum glaubt eigentlich keiner an Parteiprogramme? Nur weil die bei uns sowieso nicht eingehalten werden? Im Parteiprogramm der AKP steht doch ganz klar, dass das Ziel ein islamischer Gottesstaat ist. Und wer repräsentiert den besser als der IS?

  8.   Ahmet58

    Die Türkei finanziert den IS nicht, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Weshalb sollte sie? Die Türkei profitiert in keinster Weise von diesen Möchtegern-Muslimen.

    Auch ist die Behauptung falsch, die Türkei wolle einen kurdischen Staat verhindern. Faktisch haben wir bereits einen kurdischen Staat im Nordirak. Und mit diesem versteht sich die Türkei prächtig, besser als die eigentliche Zentralregierung in Bagdad.


  9. @3

    In der Tat Bravo! Ihnen ist schon klar, dass diese Befreiungen weitere Leben kosten werden?
    Ich wage es mal zu bezweifeln, dass die befreiten Faschisten sich ihrer Freiheit erfreuen und friedlich irgendwo niederlassen.

    Auch wenn ich den Wunsch der Türkei verstehen kann, ihre Bürger in Sicherheit zu bringen, wäre dieses Verhalten inakzeptabel.
    Gerade nach dieser mutmaßlichen Enthüllung muss die Türkei sich stärker in den Kampf gegen die Faschisten einbringen, wenn sie nicht endgültig als verkappte Terrorunterstützer gebrandmarkt werden wollen.

    Denn andernfalls hätte die Türkei wirklich nichts in der NATO verloren.


  10. Wir brauchen und wollen die Türkei als Verbündeten. Aber hier zu fordern, dass die Türkei ihr eigenes Volk ausverkauft ist ja die Höhe!

    Ständig wird darüber gemeckert, dass die EU uns staatliches Bestimmungsrecht entzieht und EU-Interessen über unsere eigenen gestellt werden.
    Nun wollen wir, dass die Türkei auf den Schutz ihrer eigenen Landsleute pfeift (was die höchste Daseinsberechtigung und -pflicht eines jeden Staates ist) um uns die Lehenstreue zu schwören?

 

Kommentare sind geschlossen.