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Cevapcici am Spieß mit Lecsó

 

Heute gehts historisch mal wieder zurück in der Grillgeschichte: Wir befinden uns am Feuer mit Attila dem Hunnenkönig, entdecken unser Paprika im Blut, trinken viel Kopfwehwein aus Rumänien und erzählen dabei Geschichten von den Pferden und der Puszta.

Für 2 Donauschwaben
4 grüne Paprikaschoten
2 große Zwiebeln
4 große Tomaten
2 Zehen Knoblauch
400 g gemischtes Hackfleisch vonm Metzger
Salz
Pfeffer
Paprikapulver
Koriandersaat
Kreuzkümmel
oder jedes andere Gewürz aus dem Morgenland
Schaschlikstäbchen

Lescó kommt ursprünglich aus Serbien und ist nichts anderes als eine Paprika-Tomaten-Zwiebel-Pampe. Hört sich eklig und ordinär an, schmeckt aber überraschend prima und passt ganz wunderbar zu den Cevapcici.

Den Grill anheizen. Die Paprika waschen, vierteln und den Strunk, das ganze Weisse und die Kerne entfernen. Dann auf den heissen Rost legen, mit der Haut zur Hitze. Wer Lescó ohne Grill machen möchte kann natürlich auch mit der Grillfunktion des Backofens arbeiten? Die Schoten sollen richtig schwarz werden, keine Angst, die Haut wird gleich abgezogen, aber durch dieses Rösten bekommt die Paprika ein ganz süßes (und natürlich ein tolles Röst-) Aroma. Das Häuten geht auch ganz leicht wenn sie schwarz sind, dann alles in Streifen schneiden. Die Zwiebel schälen und in dünne Ringform bringen, die Tomaten entweder ganz klein schneiden oder sternförmig oben einritzen, mit kochendem Wasser übergiessen und ebenfalls häuten. Das wäre dann Lescó Deluxe, am besten mal beides ausprobieren und den Unterschied erkennen.

Oliven- oder neutrales Öl in einer Pfanne* erhitzen, die Zwiebeln anbraten bis sie goldgelb sind, dann die Tomaten und die Paprikastücke dazugeben. Mit dem Holzlöffel das Braune vom Pfannenboden kratzen, da steckt richtig Geschmack drin. Mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen und solange auf leiser Hitze köcheln lassen, bis es sich in eine Pampe verwandelt hat. Man darf aber ruhig noch einzelne Paprikastückchen schmecken, eine halbe Stunde dürfte es aber schon sein.

Jetzt schnell den Cevapcici-Teig zusammenrühren. Das Hackfleisch salzen, pfeffern und einen Teelöffel Paprikapulver dazu. 2 Zehen Knoblauch reinpressen, aber es muss gesagt werden: Wer nach dem Essen noch jemanden küssen möchte oder seinen Nobelpreis verliehen bekommt, sollte bei diesem Schritt vorsichtig zu Werke gehn. Entweder ganz auf Knoblauch verzichten, oder ihn vorher in etwas Öl glasig anbraten. Roh verwandt stinkt man danach wie der Hunnenkönig himself, oder einfach die Cevapcici eben nicht vor der Nobelpreisverleihung essen. Original schmeckts aber nur mit Knoblauch roh reingepresst. Dann die orientalischen Gewürze dazu (idealerweise werden sie vorher noch gemörsert) und mit den Händen alles gut verkneten. Nochmal abschmecken, nachsalzen. Jetzt einfach Würstchen formen, auf die Spieße stecken und dann noch etwas plattdrücken.

Auf den glühend heissen Grillrost legen bis sie von beiden Seiten richtig braun sind und mit dem Lescó und vielleicht noch etwas Fladenbrot vom Gemüsetürken essen. Wer sich jetzt nicht nach Pferden und der Puszta sehnt, hat irgendwas falsch gemacht. Zur Not kann man auch »Schwarze Katze, weisser Kater« auf DVD kucken, aber echt nur zur Not.

*Das REZEPTOR »Make my own Antihaftbeschichtung«-Special
Wer kennt sie nicht, die zerkratzte schwarze Schicht, die in Fetzen in der Pfanne rumhängt und den Gedanken »Was passiert eigentlich, wenn ich Teflon esse?« Am besten man schmeisst das beschichtete Zeug gleich in den Mülleimer, REZEPTOR zeigt den coolen Weg: In eine gute (dicker Boden), unbeschichtete Pfanne eine Sekunde neutrales Öl gießen, und bis zum Rauchpunkt erhitzen. Jetzt passiert folgendes: Das Öl reagiert chemisch mit der Metalloberfläche, und es bildet sich eine Art Edelrost oder Patina. Und nichts klebt mehr, so einfach kann’s manchmal sein. Diese Schicht geht aber beim spülen mit Spüli wieder verloren, also entweder nur mit Küchenpapier auswischen oder beim nächstenmal wieder von vorne beginnen. Man muss nur etwas aufpassen, wenn man gleich danach was anbraten möchte. Die Pfanne ist sehr sehr heiss, vielleicht neben dem Feuer etwas abkühlen lassen. Das ist übrigens das ganze Geheimnis von einer »gut eingebratenen Pfanne«, man hat das vielleicht zufällig schonmal beim Pfannkuchen- oder Kartoffelpufferbraten bemerkt, wenn nach dem Fünften komischerweise echt nichts mehr anklebt und man den zirkusreifen Wendetrick vorführen kann. Tadaaaa?

2 Kommentare

  1.   Michael

    Sagt mal, was ist das eigentlich, was in Bild 5 zu sehen ist und in Bild 6 in den topf wandert? Im Text ist nichts dazu gesagt oder hab ich das nur nicht erkannt?

  2.   REZEPThORsten

    Hm, ist schon lange her.

    Aber es sieht aus wie Wurst, die zur Geschmacksverbesserung mitgekocht wurde und deshalb so groß geschnitten war, damit man sie wieder besser rausfischen kann. Würde ich jetzt schätzen.

    Weihnachtliche Grüße aus der Puszta!

 

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