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Charles Darwin: Die Entstehung der Arten

 

Aus unserer Serie: Einführung in die Philosophie

Darwins Entstehung der Arten
Welche Arten es ins nächste Zeitalter schaffen? Das entscheiden Zeit, die Eigenschaften der jeweiligen Arten und die herrschenden Anforderungen ans Überleben. © Eric Schumacher

Die natürliche Auslese

Man kann sich die natürliche Auslese, die Darwin beschreibt, recht einfach an einem sehr groben Modell erklären.  Denken wir uns einen Spielzeugeimer, durch dessen Öffnungen im Deckel Kinder Bauklötze in einen Eimer werfen (s. Abb. oben). Löcher und Bauklötze sind verschieden geformt, so dass nur der passende Bauklotz durch je eines der Löcher im Deckel passt. Kein Rechteck passt durch ein dreieckiges Loch, kein Dreieck durch ein kreisrundes. In unserem Modell symbolisieren die Klötze die spezifischen Eigenschaften der Arten, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte der Erde bestehen. Die Löcher symbolisieren hingegen die vorherrschenden Lebensbedingungen zum nächsten Zeitpunkt in der Erdgeschichte: die Zusammensetzung der Luft beispielsweise, oder die Dichte der Atmosphäre. Auch die Anwesenheit oder Abwesenheit von Fressfeinden oder die vorhandene Nahrung können dazu gehören. In unserem Modell nun steht das Kind, das die Klötze durch den Deckel in den Eimer wirft, ausschließlich für die fortschreitende Zeit. Ist ein Bauklotz erfolgreich im Eimer platziert, hat er das nächste Zeitalter erreicht.

Stellen wir uns vor, der Deckel hätte sechs verschiedene Öffnungen: eine ist dreieckig, eine quadratisch, eine achteckig, eine fünfeckig, eine rund und eine hat die Form eines Trapez. Unter den Bauklötzen gibt es aber nur die Grundflächen Dreieck, Quadrat und Rechteck.Die Zeit schreitet voran. In unserem Modell heißt das: Das Kind steckt die Klötze in den Eimer. Was passt?

Dreieck und Quadrat. Alle Rechtecke passen nicht durch die Löcher im Deckel. Evolutionsbiologisch gesprochen: Die Eigenschaft „Rechteck“ erfüllt nicht die Anforderungen, die im neuen Zeitalter an das Leben gestellt sind. Oder in den Worten der Biologie: Rechtecke können in diesem Zeitalter schwerer überleben oder sich nur schwer fortpflanzen, weil die Erde zu warm, zu kalt, zu trocken, zufällig überflutet ist, oder weil einfach gerade keine Katze anwesend ist, die die Zahl der natürlichen Fressfeinde der Art mit der Eigenschaft „Rechteck“ verringert. Mithin müssen die Rechtecke aussterben oder zumindest weniger werden. Sie sind nicht fit, nicht angepasst.

Evolution im Modell

In unserem vereinfachten Modell sind alle Rechteckklötze ab jetzt verloren. Das Kind schüttet den Eimer wieder aus und holt die Dreiecke und Quadrate wieder heraus. Jahrmillionen vergehen, das Kind spielt weiter. Die Klötze mutieren rein zufällig: Manche zerbrechen oder quellen durch Feuchtigkeit auf. Irgendwann werden sie so zu Dreiecken, Quadraten und Achtecken. Die Achtecke sind mutierte Quadrate. Und siehe da: Auch die Achtecke passen durch eine Öffnung im Deckel, dürfen überleben und sich fortpflanzen.

Eimer auskippen, viele Jahre vergehen lassen: Drittes Zeitalter. Wieder räumt das Kind ein. Die Bauklötze mit der Grundfläche Dreieck sind zu Bauklötzen mit der Grundfläche Sechseck mutiert, aber sie haben auch eine zweite Mutation, nämlich die Trapeze entwickelt – rein zufällig. Nun nimmt das Kind einen Deckel, den es vorher nicht verwendet hat. Der Deckel hat kein Loch für Sechsecke, dafür für Quadrat, Achteck, Kreis und Trapez. Die Folge: Diesesmal sterben, vereinfacht gesprochen, die Sechsecke aus – auch rein zufällig, weil es unter den neuen Bedingungen keinen Platz mehr für sie gibt. Dafür überlebt ihre Mutation, das Trapez. Im Eimer landen Trapeze, Achtecke und Quadrate.

Und die Fünfecken? Richtig: Die gibt es noch gar nicht. Vielleicht werden sie nie entstehen, obwohl die Bedingungen für sie ideal wären: Das Loch im Deckel ist ja da.

  • Kleine Anwendungsaufgabe: Was müsste passieren, damit Fünfecke entstehen?
  • Unten finden Sie einen Link zur Schrift von Darwin. „Über die Entstehung der Arten“ ist sehr leicht lesbar und besonders interessant für Leser, die das Modell am konkreten biologischen Zusammenhang nachvollziehen möchten.

Charles Darwin: Weitere Aufgaben und Materialien

Wie schon die Philosophie der Aufklärung ist auch die Philosophie des 19. Jahrhunderts eng verknüpft mit der Entwicklung der Naturwissenschaften. So kamen zum Beispiel bei Baumaßnahmen oder im immer tiefer gehenden Bergbau interessante Dinge zutage, die das Weltbild der Menschen nachhaltig verändern sollten. Einen ähnlichen Fund – eine fossile Zypresse – hat man im Jahr 2011 ebenfalls im Tagebau Garzweiler gemacht.

  • Überlegen Sie, was Sie aus dem Fund der Zypresse über die Entstehung der Welt schließen können. Versetzen Sie sich dazu in die Perspektive eines Menschen, für den die biblische Schöpfungsgeschichte bedeutsam war.

Darwin selbst hat in seiner „Evolution of the Species“ nichts über Dinosaurier geschrieben, aber es ist wahrscheinlich, dass ihm einige Funde bekannt waren. In den Jahrzehnten vor Erscheinen seiner Schriften waren Dinosaurierknochen gefunden worden.

Das Philosophische Quartett zum Thema Sozialdarwinismus (Quelle: YouTube)

Darwin, Charles – Über die Entstehung der Arten (Quelle: textlog.de)

Planet Wissen zum Thema Evolutionsforschung in sechs Teilen:

2. Teil 3. Teil 4. Teil 5. Teil 6. Teil

Planet Wissen zu Darwin:

Das Philosophische Quartett zum Thema Sozialdarwinismus:

ZEIT Wissen: „Der Mensch ist noch nicht fertig„.
Wird die Evolution weitergehen? Und was ist ihr Ziel? Lange glaubten wir, wir seien so optimal gelungen, dass es an uns nichts mehr zu verbessern gebe. Ein Irrtum.

Charles Darwin: Biografische Daten

Charles Darwin (1809 – 1882): Evolutionstheoretiker, Naturforscher und Philosoph.

Tabellarischer Lebenslauf (Quelle: zeno.org)

Ausführlicherer Artikel zur Biografie (Quelle: www.welt.de)

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14 Kommentare


  1. Es tut mit leid, das so deutlich sagen zu müssen, aber dieser Text (inklusive der Vorstellung mit den Bauklötzchen) beschreibt überhaupt nicht die Theorie der „natürlichen Auslese“.
    Natürliche Auslese ist keine Erklärung für das Überleben oder Aussterben von Arten, sondern eine Erklärung für evolutionären Wandel, also für die Entstehung von „Anpassungen“.

  2.   Paul Reiser

    Was das Kind macht.

    Es ist ‚try and error‘. Es betreibt ab einem bestimmten Grad die Nutzung des Verstandes mit Hilfe der Erfahrung – Empirie. Das Kind bildet seinen Verstand und seine Begriffsfähikeit.

    Das Beispiel geht aber davon aus, dass das Kind dumm bleibt, kein Verstand und keinen Begriff entwickelt, aber Jahrmillionen weiterspielt.

    Da fällt mir ein andere passende Hypothese ein. Man müsste nur genug Affen vor eine Schreibmaschine setzen und auf ihr herumhacken lassen und irgendwann kommt Shakespeare heraus. Man muss es genug nur Jahrmillionen lang tun.

    Kommentar eins hat schon recht. Man muss differenzieren:
    1) Anpassungsleistung vorhandener Arten durch Auslese.
    2) Entstehung neuer Arten durch Mutation

    Um von Evolution durch Mutation auszugehen, gehört schon eine große Portion Glauben.

    Das Ausleseprinzip ist aber schon plausibel. Die Leistung der Natur scheint aber auch komplexer zu sein. In der Evolution wurden die früher funktionierenden Varianten gar nicht ausgelesen. http://www.youtube.com/watch?v=cmH5eyo3GiI
    Die alten Anpassungen sind wieder abrufbar. Dem Filmbeitrag nach zu urteilen haben wohl Pflanzen frühere Versionen bei bestimmten Magnet- bzw. statischen Elektrofeldern abgespeichert, die früher auf der Erde geherrscht haben. Man müsste einen Forschungsvertrag mit einem botanischen Garten machen und alle Pflanzen darauf abklopfen, welche Formen bei welchen statischen Elektrofeldern abrufbar sind. Damit ließe sich auch Rückschlüsse auf die Erdegeschichte ziehen, was für Magnetfelder bzw. wie statischen Elektrofelder der Erde früher ausgesehen haben müssen.

    Kinder lernen. Menschenkinder tun es, aber es scheint auch das die Übertragung auf die Evolution in dem Sinne richtig ist, das ‚dieses‘ Kind auch lernt und nicht vergißt.

  3.   Jk Rainer

    Mein 1. jähriges Enkelkind hat von uns eine Holz-Box bekommen, in den man in 14 verschiedenen Formen Bauklötze, in die dafür vorgesehenen Öffnungen, in die Box fallen lassen kann.
    Er hat in kürzester Zeit alle Bauklötze in verschiedenen Löcher, waren nicht dafür vorgesehen, einsortiert. Nur eine Form, Kreis-Ausschnitt, konnte nur in das dafür vorgesehenen Loch gesteckt werden.
    Müssen wir das o.g. Beispiele, wie beschrieben, jetzt umschreiben? Oder ist unser Enkelkind ein evolutionäres Wunder?

  4.   Rauth

    Mir bleibt nach wie vor schleierhaft, warum Ursache und Wirkung keinen Nutzen oder Sinn haben soll.

  5.   Michael Weilandt

    Zum Kommentar von Paul Reiser:
    Das Beispiel mit den Affen kenne ich von Hoimar von Dithfurt. Da war es aber genau anders herum. Wenn hundert Affen auf hundert Schreibmaschinen hämmern, geht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Sonett von Shakespeare heraus kommt gegen null. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas anderes sinnvoller herauskommt, ist dagegen hoch. Dieses Beispiel sollte eigentlich dazu beitragen, zu verstehen, dass die Evolution nicht stattgefunden hart, damit wir Menschen herauskommen. Wir sind so, wie wir sind, weil die Welt so ist wie ist sie ist. Für mich besteht kein Zweifel, das die Evolution durch Mutation und Selektion erfolgt ist. Das ist Glaube, aber gut fundierter Glaube, den kaum eine Theorie der Wissenschenschaftsgeschichte ist so intensiv erforscht und bestätigt worden, Drosophila sei Dank.worden. Ich denke , das Problem, das viele Menschen, mit der Evolution haben sind ein zu antropozentrisches Weltbild und die Tatsache dass die zeitlichen Dimensionen der Evolution über Millionen Jahre mit Milliarden von Generationen einfach ganz schlecht vorstellbar sind.


  6. @4

    Warum sollten Ursache und Wirkung überhaupt Sinn oder Nutzen (für wen?) haben? Die Naturvorgänge sind, obwohl doch kausal veranlagt, nicht deterministisch (und auch nicht reversibel). In der Physik ist dieses Prinzip sogar noch grundsätzlicher.


  7. an die ganzen erbsenzähler:

    ein modell ist NUR ein modell zur vereinfachung für eine darstellung oder erklärung.
    entsprechend hat es schwächen. das bohrsche atommodell ist auch bestenfalls nur eine annäherung an auch nur das wasserstoffatom und wird dennoch für kinder zur erklärung herangezogen.
    und dieser artikel ist schließlich für kinder.


  8. „Mir bleibt nach wie vor schleierhaft, warum Ursache und Wirkung keinen Nutzen oder Sinn haben soll.“

    Ursache und Wirkung ist eine nicht wertende Beschreibung von Abläufen.

    „Nutzen“ und „Sinn“ sind wertende Begriffe.

    Selbst Äpfel und Birnen haben mehr miteinander gemein als die von Ihnen miteinander verglichenen / in Zusammenhang gebrachten Konzepte.

  9.   W.Skornia

    Selten so einen Unsinn gelesen !
    Wer schmeißt denn die Klötze in den Eimer wenn das Kind nicht da ist

  10.   Eric Schumacher

    @ Psychologic: Ich habe die allegorische Darstellung etwas zugespitzt um darauf zu verweisen, dass ich nicht ausschließlich vom Aussterben und nicht ausschließlich von Arten, sondern von deren Eigenschaften spreche.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Eric Schumacher

 

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