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Nazis ignorieren?

 

Wenn Nazis durch die Stadt marschieren, ist eine angemessene Antwort wichtig. Sollte man gegen die Rechtsextremen demonstrieren? Oder ist es besser, sie zu zu ignorieren und ins Leere laufen lassen? Ein Pro und Contra.

PRO:

Wenn man die Rechtsextremisten ignoriert, ist der rechte Spuk schnell vorbei und ebenso schnell wieder vergessen. Durch eine Gegendemo werden die Rechtsextremisten nur unnötig aufgewertet. Erst so kommen sie in die Nachrichten. Das ist nur unnötige Werbung für sie.

CONTRA:
„Wegsehen“ ist das falsche Signal. Wenn 1.000 Bürger friedlich gegen 100 Nazis demonstrieren, ist das ein Erfolg für die Zivilgesellschaft und eine Niederlage für die Rechtsextremisten. Die Medien berichten dann hauptsächlich über den Gegenprotest und nur am Rande über die Neonazis. Das ist ein positives Beispiel für gelebte Demokratie.

PRO:
Ohne Gegendemonstranten, ohne Polizeischutz und ohne „Antifa“ verlieren rechtsextreme Aufzüge ihren Event-Charakter für die Neonazis. Vor allem Jugendliche Neonazis gehen gerade wegen der erwarteten Randale zu rechtsextremen Aufmärschen. Ein von den Einsatzkräften freigeräumter Weg verschafft ihnen dagegen ein Erfolgserlebnis: Gegenproteste verstärken ihr Gemeinschaftsgefühl, bestätigen sie in ihrer Anti-Haltung gegen „die Politik“ und „das System“. Wenn die Nazis bei ihrer Demonstration von Gegendemonstranten gestört, blockiert oder angegeriffen werden, können sie sich zudem als unschuldige Opfer darstellen. Sie können behaupten, an der Wahrnehmung ihrer demokratischen, von Gerichten bestätigten, Rechte gehindert zu werden. Das alles nützt den Nazis nur unnötig.

CONTRA:
Vorausgesetzt, die Proteste verlaufen friedlich, sorgen starke Gegendemonstrationen bei Nazis für Frustration. Sie werden so vor allem die Leute verlieren, die wegen der Auseinandersetzungen zur Demo kommen. Außerdem macht es eine gescheiterte Demo unwahrscheinlich, dass die Neonazis es an diesem Ort noch einmal versuchen.

PRO:
Indem man die Neonazis ignoriert, die Rollläden herunterlässt und ihnen demonstrativ den Rücken zuwendet, kann man am besten verdeutlichen, dass die NPD keine normale Partei ist Sie hat unsere Aufmerksamkeit nicht verdient. Jeder soll angehört werden, nur Rassisten und Antisemiten nicht.

CONTRA:
Eine Gegendemo ist eine Gelegenheit, durch Reden und Transparente zu zeigen, daß Nazis keine Demokraten sind und die NPD keine normale Partei ist. Gerade wenn die Gerichte rechtsextreme Demonstrationen nicht verbieten können, ist das wichtig. Die Straße wird so zum demokratischen Forum. Das schadet den Nazis.


	

23 Kommentare

  1.   nagetier

    Ich bin dafür das es so abläuft wie immer:

    Man nehme ein paar nette Antifa-Leute von nebenan, ein paar Palituchtragende-Nie-wieder-Faschissmus-Bräute mit roten Haaren, die netten Jungs von der evangelischen Kirche nicht vergessen und natürlich den Schwarzen Block, aber ohne die Stifte.

    Heraus kommt dann – wie so oft – folgendes:

    Neonazis demonstrieren brav in der Gegend rum, geschützt durch die Polizei und in den Nachrichten sieht man dann lustige vermummte Gestallten Steine und Flaschen werden.

    Kasten Bier und ne Tüte Popcorn und fertig ist die gepflegte Fernsehunterhaltung.

  2.   floordress

    @PRO-Argumente: Kommen mir vor als hätte es die schonmal gegeben, vor 74 jahren oder so… Waren aber SOWEIT ICH ETWAS BEHALTEN HABE nicht wirklich erfolgreich.
    Ich drück jetzt „absenden“ bevor ich mich nicht mehr halten kann… 😉

  3.   floordress

    da war einer schneller als ich…
    @nagetier: warst du schonmal auf ner gegendemo? scheint als würdest du von einem ziemlich großen Erfahrungsschatz zerren . . .

  4.   ich

    Ist es nur ne subjektive Empfindung, oder sind wirklich in den letzten Jahren immer weniger Nzais zu deren Demos gekommen?
    Kann es vllt sein, das sowas nicht mehr zu deren Strategie gehört, weshalb manche Demos sogar boikotiert werden?


  5. Nazidemonstrationen ignorieren?! Rechtsextreme Demonstrationen als Normalzustand?!…

    Der Störungsmelder veröffentlichte heute einen Beitrag unter dem Titel Nazis ignorieren? und führt jeweils drei Argumente für bzw. gegen ein Ignorieren von Nazi-Aufzügen an. Das Ignorieren einer rechtsextremen Demo ist aber i…

  6.   toben

    In Sachsen (wenn ich mich recht entsinne, 30 Teilnehmer) wurde mal ein Aufmarsch boykottiert, das hatte aber mit internen Streitigkeiten zu tun. Der Aufmarsch in Rudow letzte Woche für ein rechtes Jugendzentrum hatte 500-600 Nazis, im letzten Jahr waren es um die 80 Nasen.

    @Nagetier Scheint mir auch so, das du noch nie auf einer Antifademo warst. In den seltensten Fällen kommt es aus einer Demo heraus oder in die Nazidemo herein zu Flaschen/Steinwürfen.

    @Joachim Wolf Es ist mir in keinster Weise bekannt, das Nazis mal selber was gegen die Blockaden gemacht hätten, eigentlich erledigt das immer die Polizei. Für die Auseinandersetzung kommt also denke ich Keiner, es sei denn es geht um Auseinandersetzungen im Vorfeld und bei der Abreise, wo es öfter mal zu Schlägereien kommt.
    Und soll sich „die Antifa“ da verhauen lassen, damit die Nazis keinen Spaß mehr an der Auseinandersetzung haben?
    Schweigen gegen den Hass, na dann mal voran. 😉

    Zum Eventcharaker nur soviel, in Leipzig, wo die Nazis regelmässig vorn Deez gekriegt haben als sie durch Connewitz laufen wollten, gibts seit Jahren immer kleinere Nazidemos. In Dresden, wo die „Bombenholocaust-Demo“ durch eine friedliche Antifa-Blockade gestoppt wurde, hinterließ man auch nur frustrierte Nazis (nachzulesen in allen möglichen Naziforen), da sie teilweise von weit her angereist kamen und nun doch nur durch abgelegene Gebiete laufen durften. Seit die Nazis mit ihrer 8.Mai Demo am Alex so ins Wasser gefallen sind, gabs auch keine Nazidemo im Innenstadtbereich mehr (die spontane Demo während des G8 mal ausgeklammert).
    Auch eine militante Gegenwehr verursacht also Frustration, is klar. Meine Position zur Gewaltfrage habe ich schon klargemacht. Was aber gar nicht geht, ist ignorieren. Auch ich denke das die angeführten Argumente fürs Ignorieren handfest sind (Gruppendynamik beim Scheitern, „das böse System“ verhindert unsern Aufmarsch), es muss aber eins klar sein: Nazis darf man niemals unwidersprochen stehen oder gehen lassen. No-Go Areas gibt es schon genug, und wie soll der Jungnazi anfangen sich mit seinen eigenen Standpunkten auseinanderzusetzen, wenn er von nirgendwo Kritik erfährt. Ein richtiger, fertiger Antisemit kann sich dann schließlich von überall her ein Schweinesystem zurechtbauen, auch wenn er keine Gegenwehr erfährt.


  7. Nazis ignorieren und ihnen somit keine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen ist sicherlich der falsche Strategie. Vielmehr ist es nötig nicht nur bei Demonstrationen den Nazis entgegen zu treten, sondern auch gerade im ‚Kleinen‘. Fasst überall können Nazis Veranstaltungen ungestört durchführen. Es gehört eben auch dazu Treffpunkte oder auch Geschäfte, die Entsprechendes verkaufen, öffentlich zu benennen.

    Nazis ignorieren ist eine einfache Strategie bei der jeder mitmachen kann, sie erfordert nämlich kein Engagement und bedeutet auch keine Auseinsetzung. Viele Kommunen wenden diese Strategie seit Jahren erfolgreich an.

  8.   Zuchini

    Man darf neonazis nicht ignorieren sondern sich der „Herausfoderung“ stellen. 1933 wurde auch weggeguckt, und was da herraus gekommen ist, weiß jeder. So etwas darf nie wieder passieren, und dazu ist jeder gefragt.

  9.   Sikasuu

    @Zuchini Zitat:Man darf neonazis nicht ignorieren sondern sich der “Herausfoderung” stellen. 1933 wurde auch weggeguckt…
    —-
    Wurde ja ebend nicht, da haben sich SA, Stahlhelm, Reichsbanner, RoteFront….
    Die Köpfe eingeschlagen.

    Strategie sollte m.M.n. sein:
    1. In freier Wildbahn:
    Laufen lassen wie im Zoo, unter Polizeiaufsicht 🙂 Gefahrgut muss immer gesichert werden, kann ja sonst was böses anrichten.

    Gegendemo schön auf Abstand mit ordentlichen Kommunikationsstrategien.
    —–
    2. In geschloßenen Räumen.

    Hausrecht strog durchsetzten. Genug Grüne in Nebenzimmer um das zu tun.

    Auch da Kommunikationstartegie (Videos draufhalten, zur Täterermittlung, für die Medien, nicht Vergessen den Filmer/das Material mit einigen Leuten abzusichern.

    Danch gandenlos mit STGB, Zivilrecht vorgehen. Anwalt!

    Mi einem Titel 5.000 Euro Zivilklage am Arsch wird auch der braunste Braune gaz klein. So ein Titel hält 30 Jahre

  10.   BluB

    das schönste am Nazis ignorieren, ist das es jeder ganz bequem von zu Hause tun kann. und dabei nochnichtmals was tun muss!

 

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