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Polizei nach Hansa-Chaos: „Wir würden es wieder so machen.“

 

Im Nachklang der Ausschreitungen am Rande des Spiels FC Hansa Rostock gegen den FC St. Pauli hatte die Rostocker Polizei gemeinsam mit dem FC Hansa Rostock am vergangenen Mittwoch eine Pressekonferenz abgehalten, um zu den Vorfällen Stellung zu beziehen. Anwesend waren, nach Aussage von „rostock-sport.de“ der Leiter der Rostocker Polizeidirektion Peter Mainka, Dirk Grabow, Vorstandsvorsitzender des FC Hansa Rostock, Veranstaltungsleiter Rainer Friedrich, Peter Lückemann, Oberstaatsanwalt der Hansestadt Rostock und der Fanbeauftragte Axel Klingbeil.

Alle Beteiligten betonten den Erfolg der Verfahrensweise, räumten aber gleichzeitig Reserven ein, die es auszuloten gelte. „Beide Fanlager sind nicht aufeinander getroffen. Das Konzept ist aufgegangen“, so Peter Mainka. Dies sieht aber Augenzeuge Mike Glindmeier in seinem Bericht bei „Spiegel Online“ anders. „Es ist unverständlich, dass die Polizei trotz zahlreicher negativer Erfahrungen bei vergangenen Aufeinandertreffen der beiden Vereine den Ausschank von Bier des Rostocker Hauptsponsors im Stadion genehmigte und der Begegnung nicht den Status „Sicherheitsspiel“ gab.“ In seinem Bericht schildert Glindmeier weiter, dass die Pufferzone zwischen den beiden Fangruppen viel zu gering war und „dass während des Spiels nur wenige der 600 eingesetzten Polizisten im Innenbereich des Stadions vertreten waren“.

Es habe bereits zahlreiche Identifizierungen der so genannten „Fans“ stattgefunden, die als mitverantwortlich für die Eskalation gelten. Diese Personen wird eine „ungewohnte Härte des Gesetzes“ treffen, so Peter Lückemann. Erste Urteile würden zeitnah erwartet werden.

Wie schon in früheren Gesprächen mit ENDSTATION-RECHTS. betonte der FC Hansa Rostock auch auf dieser Pressekonferenz, dass „diese Fans keiner uns bekannten Fanszene angehören“. Das diese Einschätzung grundsätzlich in Zweifel zu ziehen ist, belegt auch eine Aussage von Theo Zwanziger, DFB-Präsident, vor fast zwei Jahren: „Die Vereine machen sich mitschuldig. Sie können sich nicht damit herausreden, dass es sich bei rechtsradikalen und rassistischen Ausfällen um die Aktionen einiger weniger Störenfriede handle. Sie tragen die Verantwortung und müssen auch mit Konsequenzen leben – bis zum Punktabzug“. Schon damals waren Rostocker „Fans negativ aufgefallen, als diese bei einem DFB-Pokalspiel zwischen der zweiten Mannschaft von Hansa Rostock und Schalke 04 den Nationalspieler Gerald Asamoah mit Affengeräuschen beleidigt hatten. Im Rahmen des Skandalsspiels von letzten Freitag zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli sei der Pauli- Spieler Morike Sako von Hansa- Hooligans rassistisch beleidigt worden. Dem FC Hansa Rostock drohe nun als „Wiederholungstäter“ eine Strafe, die von Bußgeld bis Punktabzug reichen könnte. Beim FC St. Pauli wartet man auf eine Entschuldigung der Rostocker Verantwortlichen bis heute vergeblich, heißt es abschließend bei „Spiegel Online“.

Kommentar:

Nach diesen wiederholten rassistischen Beleidigungen durch so genannte „Fans“ des FC Hansa Rostock ist es endlich an der Zeit den vielen Worten des Vereins auch Taten folgen zu lassen. Die „City-Light-Kampagne“ gegen Rassismus vom FC Hansa Rostock gemeinsam mit „Bunt statt Braun“ oder ihre Postkartenaktion „Klassenerhalt ohne Gewalt“ sind nette Idee, werden aber Randalierer und Personen mit rechtsextremen oder rassistischen Gedankengut nicht von ihren beleidigenden und menschenverachtenden Sprüchen im und vor dem Stadion abhalten. Die Vereinsführung sollte sich das Problem mit dieser Gruppe ihrer Fans eingestehen und handeln, statt dieses offensichtliche Problem immer wieder unter den Teppich zu kehren. Wenn der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Adalbert Skambraks nach Aussagen von „Spiegel Online“ nach dem Spiel äußert: „Das soll man nicht so aufbauschen. Das sind doch nur Nebensächlichkeiten“. Dann ist das mehr als naiv und erschreckend. Die Hansa-Verantwortlichen sollten aufwachen, bevor es bei nächsten Ausschreitungen mehr als Leichtverletzte gibt. Es gibt genügend positive Beispiele in der Bundesliga, so könnte Hansa mit der Umsetzung eines Thor-Steinar-Verbotes in der DKB-Arena einen ersten Schritt in die richtige Richtung unternehmen. Auch die Deklarierung gewisserer Risikospielen zu „Sicherheitsspielen“ ohne Alkoholausschank und strengere Einlasskontrollen könnten helfen. Doch solange die Angst vor dem Verlust dieser Fangruppe überwiegt, wird Hansa mit Ausschreitungen und Beleidigungen wie am vergangenen Freitag wohl weiter zu rechnen sein.
ER
weitere Informationen: http://www.endstation-rechts.de