‹ Alle Einträge

Nazi-Angriff auf Konzert in Pforzheim

 

Rund 15 Neonazis griffen am vergangenen Freitag ein von einer lokalen antifaschistischen Initiative und der Kampagne „Laut gegen Nazis“ organisiertes Konzert in Pforzheim an. Drei Gäste wurden bei der Auseinandersetzung vor dem Jugendclub „Kupferdächle“ verletzt- einer der Verletzten mußte zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht werden.

Unter dem Motto „Pforzheim zeigt Courage“ traten neben lokalen Bands auch die „Killerpilze“ im „Kupferdächle“ auf. Gegen 22 Uhr sei es dann zu dem Angriff der Neonazis gekommen, berichten die Veranstalter. Die Rechtsextremen seien dabei „mit enormer Gewalt“ vorgegangen und hätten auch Pfefferspray eingesetzt. Die Security und Mitglieder der lokalen antifaschistischen Initiative konnten allerdings verhindern, daß die Neonazis in den Veranstaltungsraum eindringen konnten. „Nicht auszudenken, wenn die erwachsenen rechtsextremen Angreifer die 12 bis 16jährigen Killerpilze – Fans angegriffen hätten“, so die Veranstalter. Einer der Angreifer konnte von der Security festgehalten und der fünf Minuten später eintreffenden Polizei übergeben werden.

Im „Kupferdächle“ hatten die „Killerpilze“ zum Zeitpunkt des Angriffs gerade ihr Konzert beendet, das sie mit einem Appell an die Zuhörer, dem Thema Rechtsextremismus gegenüber wachsam zu sein, begonnen hatten. Die Besucher warteten nun auf die Auftritte der lokalen Bands. Nach dem Angriff der Rechtsextremen verließen viele der zumeist jugendlichen Zuhörer mit ihren Eltern allerdings fluchtartig den Veranstaltungsort.

Unter den Angreifern sollen nach Angaben von Augenzeugen auch Anhänger der vom Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg beobachteten lokalen Neonazi-Kameradschaft „Heidnischer Sturm Pforzheim“ gewesen sein. Mitglieder des „Heidnischen Sturms“ waren laut einer Anfrage der SPD vom November 2007 an den baden-würtembergischen Innenminister unter anderem mehrfach wegen „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ und Körperverletzung aktenkundig geworden.

Der rechtsextreme „Freundeskreis ‚Ein Herz für Deutschland‘ Pforzheim e. V.“ veranstaltet bereits seit mehreren Jahren am Jahrestag der Bombardierung Pforzheims Ende Februar eine Fackelmahnwache in der Stadt, an der auch Mitglieder des „Heidnischen Sturms“ teilnehmen. An der Veranstaltung sollen laut der lokalen antifaschistischen Initiativen ca. 200 Rechtsextreme beteiligt sein. Ziel des Konzertes im „Kupferdächle“ war es, auf die Aktivitäten der Neonazis aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit für das Thema Rechtsextremismus zu sensibilisieren.

Die „Pforzheimer Zeitung“ spricht unterdessen lediglich von „einer Prügelei zwischen Jugendlichen aus der rechten Szene und Konzertbesuchern“. Außerdem widerspricht die Polizei der Zeitung zufolge der Darstellung der lokalen Initiative, es habe sich um einen „bewaffneter Angriff“ gehandelt: Waffen seien laut Polizei nicht gefunden worden, berichtet die Zeitung. Auch, daß es sich um eine Aktion des „Heidnischen Sturms“ gehandelt habe, wollte die Polizei nicht bestätigen. Die Kripo habe die Ermittlungen aufgenommen.