‹ Alle Einträge

Die „Kritische Theorie“ frisst ihre Kinder – Antisemitismusforscher Wolfgang Benz ist plötzlich selbst ein Antisemit

 

Man weiß kaum, was in Deutschland schlimmer ist: ob als Schwerverbrecher oder als Antisemit zu gelten. Letzteres ist nun ausgerechnet dem Leiter des „Zentrum für Antisemitismusforschung“ (ZfA) der TU Berlin, Prof. Dr. Wolfgang Benz, geschehen. Bei genauerem Hinsehen erweist er sich jedoch lediglich als das konsequente Opfer der inneren Widersprüche der „Kritischen Theorie“. Read More

Horkheimer und Adorno hatten bereits während des Zweiten Weltkriegs im Exil den „Fall Auschwitz“ mit ihrem Hauptwerk „Dialektik der Aufklärung“ (1944) aufgrund seiner historisch beispiellosen Ausmaße zum Zentrum ihres theoretischen Schaffens erhoben. Fortan galt beiden die Arbeit daran, dass „Auschwitz nicht noch einmal sei“ (Adorno), als der kategorische Imperativ der postaufklärerischen Epoche. Da „im Zivilisationsprinzip selbst die Barbarei angelegt“ und die Wiederholung von Auschwitz somit jederzeit möglich sei, könne und dürfe sich das gesamte theoretische wie praktische Schaffen nach Auschwitz diesem Imperativ nicht mehr entziehen.

Die Konsequenzen dieses moralischen Impulses, der weit über die Anhänger der „Kritischen Theorie“ im eigentlichen Sinne hinaus gesellschaftliche Wirkmächtigkeit erreichte, sind ihrerseits höchst dialektisch. Zunächst erklärt sich hieraus die beständige Suche nach direkten Reinkarnationen des „Führers“. Stets müssen sich professionell dünkende Nazijäger hinter der Camouflage einer „politischen Mimikry“ den „heimlichen Adolf“ freilegen. Der Blick dafür, dass die Fratze des Rechtsextremismus auch ganz andere Gesichter annehmen kann, geht so allerdings verloren. Und dann löst der von Horkheimer und Adorno formulierte Imperativ eine universelle Dynamik aus, dessen Opfer nun ausgerechnet der deutsche Antisemitismusforscher Nr. 1 geworden ist. Denn selbstverständlich bezogen Horkheimer und Adorno ihren Appell nie engherzig auf Juden. Es ging also nie „nur“ darum, einen weiteren Holocaust gegen Juden, sondern fortan jegliche in der Moderne schlummernden Formen menschlicher Barbarei zu verhindern.

Diesen Imperativ nimmt Wolfgang Benz offenbar ernst. Bereits im Dezember 2008 veranstaltete das ZfA eine Tagung mit dem Titel „Feindbild Muslim — Feindbild Jude“. Die Veranstalter wollten seinerzeit der Frage nachgehen, ob die Funktionsmechanismen des Antisemitismus „paradigmatisch“ auch für die Islamfeindlichkeit sein könnten. Der Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten und ging seinerzeit u.a. von Clemens Heni und Henryk M. Broder aus; Unterstützung hingegen erhielt Benz von Micha Brumlik.

Vor wenigen Tagen nun hat Benz in einem Beitrag in der Tageszeitung „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) erneut die These aufgestellt, dass es gerade als Antisemitismusforscher seine Pflicht sei, nach Strukturähnlichkeiten oder -identitäten in Diskriminierungsvorgängen Ausschau zu halten: „Es ist ein Gebot der Wissenschaft, die Erkenntnisse, die aus der Analyse des antisemitischen Ressentiments gewonnen wurden, paradigmatisch zu nutzen.“ Für Benz lassen sich im „Feindbild Islam“ genau an zwei Stellen derartige Strukturähnlichkeiten finden. Zunächst sei hier wie im Antisemistismus der Mechanismus der falschen „Verallgemeinerung“ am Werk. Sodann mische sich dieser außerdem mit negativen wie fiktiven Gerüchten über die Betroffenen.

Nun sollte man erwarten, dass Benz‘ Thesen – kurz nachdem sich halb Europa über die Schweizer Volksabstimmung über das Minarett-Verbot in Rage geschrieben und geredet hat – mit einem gewissen Wohlwollen und Verständnis aufgenommen werden. Doch das glatte Gegenteil ist der Fall. Offenbar bringt die Tatsache, dass Benz seine Thesen erneut an prominenter Stelle geäußert hat, seine Kritiker erst richtig zum Kochen. Daher wird eine schärfere Gangart eingelegt. Auf dem nach eigenen Angaben größten jüdischen online-Magazin in deutscher Sprache hagalil.com verunglimpft Ulrich W. Sahm die Thesen Benz‘  als „ungeheuerliche, geradezu antisemitische Hetze“. Der Rechtsextremismusforscher Clemens Heni will Benz des „sekundären Antisemitismus“ überführen und der Berufspolemiker Henryk M. Broder hält ihn in Sachen Judentum einfach für völlig ahnungslos. Denn der Unterschied zwischen dem Antisemitismus und der Islamophobie sei ja gerade der, dass Ersterer bloß „auf hysterischen Ängsten, Erfindungen, Projektionen und Neidgefühlen“ beruhe, während die Islamkritik „eine reale Basis“ habe, „die jedes Vorurteil über die dem Islam innewohnende Toleranz in ein gefestigtes Urteil“ verwandle – eine These, für die Broder nun auch Unterstützung vom deutsch-jüdischen Historiker Michael Wolffsohn erhalten hat.

Das also soll der Unterschied sein: Während Antisemiten keinerlei Kontakt zum Planeten Erde aufwiesen, stünden die Islamkritiker mit beiden Beinen in der Realität des islamistischen Terrorismus. Wenn Broder allerdings meint, Benz „Ahnungslosigkeit“ im Hinblick auf das Judentum attestieren zu müssen, so wird er dieses Kompliment schließlich für sich selbst mit Blick auf den nationalsozialistischen Antisemitismus akzeptieren müssen. Denn auch die NS-Ideologie lebte keinesfalls ausschließlich und nicht einmal in erster Linie von mittelalterlich verbürgten Abstrusitäten wie der These von den „Brunnenvergiftern“ oder „rituellen Kindstötern“. Ganz im Gegenteil: Der nationalsozialistische Antisemitismus bediente sich bei der Konstruktion seines Weltbildes umgekehrt vielmehr verschiedener Erfahrungen, die er allerdings – und das ist eben das E ntscheidende – in abstruser und unzulässiger Weise im Rahmen einer Sündenbocktheorie verallgemeinerte. Hierzu zählte zum Beispiel, dass „Juden“ im Betrieb des modernen Finanzkapitalismus ebenso eine relevante Rolle spielten wie in den Führungsetagen des russischen Bolschewismus – eine Tatsache, die im Jahre 1919 selbst vom Revolutionär Kurt Eisner in den „Neuen Jüdischen Monatsheften“ noch stolz hervorgehoben wurde. Im Jahr 1941 schrieb hierzu der Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels: „Man suchte bei uns den Eindruck zu erwecken, als seien sich die jüdischen Bolschewiken in Moskau und die jüdischen Plutokraten in London und in Washington spinnefeind.“ In Wahrheit, so Goebbels, käme aber in beiden stets nur ein und derselbe plutokratische „Jude“ mit seiner „jüdischen Chuzbe“ zum Vorschein.

Nun wird Broder freilich mit Recht darauf verweisen können, dass das Sprengstoffattentat eines Islamisten eine deutlich greifbarere und objektivere Bedrohung ist als der „jüdische Finanzkapitalist“ oder der „jüdische Bolschewist“. Allerdings kommt das eben ganz auf den eigenen politischen Standpunkt an. Denn aus Sicht eines Kommunisten ist der Finanzkapitalismus keine Kleinigkeit, sondern der wesentliche Motor der Verelendung der proletarischen Massen. Und ein bürgerlicher Demokrat oder Nationalist wird im Bolschewismus keinesfalls eine ebenso berechtigte politische Position wie seine eigene, sondern die unmittelbare Bedrohung des gesamten Abendlandes erblicken; und man darf gelegentlich daran erinnern, dass der russische Bolschewismus immerhin direkt in Terror und Massenmorde führte. Bei der These, der Antisemitismus sei ohne „reale Basis“ und daher reine Halluzination, während sich der Anti-Islamismus durch ein paar durchgeknallte Sprengstoffattentäter rechtfertige, kommt es eben ganz darauf an, wessen Realität wir in den Blick nehmen.

Und so erweist sich als das Kernproblem der Debatte eben ausgerechnet jenes, das Benz – ganz dem Imperativ der „Kritischen Theorie“ verpflichtet – unter dem Begriff der „Verallgemeinerung“ gefasst hatte und bei dem er Strukturähnlichkeiten zwischen dem Antisemitismus und der Islamophobie erblicken wollte. Auch der Antisemitismus ist im Kern durch eine Kollektivschuldthese, also das Inhaftungnehmen aller Mitglieder einer Gruppe für die Taten Einzelner, wesentlich charakterisiert. Mag sein, dass Broder weder im Spekulieren an der Börse noch im Mitmischen beim Bolschewismus eine „Tat“ in dem hier gemeinten Sinne erblicken kann, aber dieses interpretationsabhängige Werturteil hängt eben vor allem vom eigenen politischen Standpunkt ab. Freilich erklärt dies alles nicht, warum sich nationalsozialistische Antikapitalisten mit „arischen“ Kapitalisten weitaus nachsichtiger zeigten als mit ihren „jüdischen“ Kollegen – und genau hierin besteht ein bleibender Unterschied zwischen dem nationalsozialistischen Rassenantisemitismus und der Islamophobie. Und dennoch liegt dem Antisemitismus wie der Islamophobie eine unzulässige Verallgemeinerung zugrunde, die Benz getreu dem Motto „Wehret den Anfängen!“ bereits in einem frühen Stadium und nicht erst nach einer historischen Eskalation eindämmen will. Es mag also sein, dass Muslime Attentäter sind, doch dies rechtfertigt nicht die Schlussfolgerung, dass alle Muslime Attentäter sind. Und genau um diese falsche und vorschnelle Verallgemeinerung geht es Benz: „Die unterschwellig bis grobschlächtig praktizierte Diffamierung der Muslime als Gruppe durch so genannte ‚Islamkritiker‘ hat historische Parallelen. Derzeit wird der Islam gedanklich mit Extremismus und Terror verbunden, wodurch alle Angehörigen der islamischen Religion und Kultur mit einem Feindbild belegt und diskriminiert werden sollen.“

Wer so argumentiert, muss dabei übrigens keinesfalls bestreiten, dass „der Jude“ im nationalsozialistischen Rassenantisemitismus auf einer nicht-empirischen Ebene für schuldig befunden wurde und daher, egal was er tat oder dachte, seinem „Schicksal“ einfach nicht entrinnen konnte. Denn Benz unterscheidet in der Sache ja selbst zwischen Islamkritik und Islamophobie, auch wenn er diese Unterscheidung in einem aktuellen Interview mit der „Berliner Zeitung“ auf der Wortebene zurückgewiesen hat. Die Islamophobie ist dabei – eben im Unterschied zur Islamkritik – genau wie der Antisemitismus dadurch gekennzeichnet, dass ein nicht-empirisches Terror-Wesen aller Muslime unterstellt wird. Jedwede Tendenz zur „Zivilisierung“ muss demnach als taktisch motivierte Anpassungsleistung an den westlichen Zeitgeist erscheinen, um sich im günstigsten Augenblick erst recht in die Luft zu jagen.

Doch bei genauerer Lektüre wird auch deutlich, worum es eigentlich zu gehen scheint: um einen drohenden „Paradigmenwechsel“. So führt Broder aus: „Sehr in Mode sind derzeit Arbeiten über ‚Antisemitismus und Islamophobie‘, deren Verfasser aufrichtig versichern, sie würden das eine mit dem anderen nicht gleichsetzen, sondern nur vergleichen. Und Vergleiche anzustellen sei eine wissenschaftlich bewährte und zulässige Methode.

Das stimmt. Grundsätzlich kann man alles mit allem vergleichen. Die Wehrmacht mit der Heilsarmee, einen Bikini mit einer Burka und die GEZ mit der Camorra.“ Broder erklärt damit den Vergleich theoretisch zwar für zulässig, aber im Grunde doch für moralisch illegitim. Anders lässt sich ja kaum erklären, dass er einen Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamophobie für ebenso absurd hält wie den zwischen der GEZ und der Camorra.

Mit dieser gekonnten Polemik zeigt Broder jedoch vor allem, dass ihm letztlich das Wesen der Wissenschaft fremd ist. Denn der Vergleich ist nicht irgendein, sondern DAS Instrument der Wissenschaft schlechthin. Erkenntnis, das wusste schon Aristoteles, besteht letztlich in nichts anderem als dem Festhalten von Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Genau darum geht es im menschlichen Erkennen: festzustellen, welche Erkenntnisobjekte Übereinstimmungen und welche Unterschiede aufweisen – und im Hinblick worauf. Und diese Frage kann man nicht beantworten, ohne zuvor verglichen zu haben. Benz hat daher ganz Recht damit, es auch weiterhin als „Aufgabe des Wissenschaftlers“ zu begreifen, „zu vergleichen, wo man vergleichen muss“.

Das gilt übrigens selbst für die Shoah und deren „Singularität“. Wer es für unzulässig erklärt, Auschwitz mit Blick auf die Singularität mit anderen Genoziden zu vergleichen, offenbart damit vor allem, dass er nicht verstanden hat, was er selbst tut, wenn er derartiges denkt. Denn woher sollte man denn wissen, dass Auschwitz ein historisch einzigartiges Ereignis ist, OHNE die Shoah zuvor mit anderen Genoziden verglichen und eben Nicht-Identität festgestellt zu haben? Und genau darum scheint es am Ende zu gehen: um das Problem der Singularität. Anders jedenfalls sind Broders Angriffe in der „Welt“ kaum zu erklären. „Praktisch läuft der Vergleich – ausgesprochen oder insinuiert – darauf hinaus, dass die Muslime die Juden von heute sind“, wirft er Benz vor. Broder scheint damit im „Judenhass eine ganz einmalige Form vorurteilsbeladenen, fremdenfeindlichen Verhaltens“ (Micha Brumlik) zu sehen und für diesen einen singulären Status zu beanspruchen. Dies tut er nicht expressis verbis, aber anders lässt sich seine Argumentation kaum verstehen, da es ja sonst auch gar keinen Anlass zur Aufregung gäbe. Sekundiert wird ihm dabei auf der „Achse des Guten“ jüngst erneut von Clemens Heni, der bereits in der Feststellung struktureller Ähnlichkeiten eine „Gleichsetzung“ entdecken will. Das ZfA betreibe eine „Relativierung des Holocaust“ und sei somit letztlich für eine „infame Derealisierung jedes einzelnen Tages des Nationalsozialismus seit dem 30. Januar 1933“ verantwortlich. Ursache dieser moralischen wie wissenschaftlichen Verfehlung sei dabei die Übertretung des Gebots der „Unvergleichbarkeit“.

Doch einer solchen Positionierung wird man, abgesehen von ihren inhärenten Widersprüchen, nach wie vor den Anspruch der „Kritischen Theorie“ entgegenhalten müssen. Wenn es nach Auschwitz unsere Pflicht ist, eine mögliche Wiederholung der blanken Barbarei zu verhindern, so wird man kaum begründen können, dass Horkheimer und Adorno damit nicht auf alle Menschen, sondern allein auf Juden abgezielt hätten. Eine solche universelle Position wird bspw. auch vom ehemaligen Chef der Knesset, Avraham Burg, vehement vertreten, der jüngst mit der israelischen Gesellschaft hart ins Gericht ging: „Was uns anbelangt, leben wir auf dem Auschwitz-Planeten. Alles ist Shoah, und alles wird auf ihren Waagschalen gewogen. Die Lichtstrahlen, die Israel erreichen, werden im Prisma der Krematorien gebrochen. Wenn es anderen passiert, ziehen wir zum nächsten Planeten, auf dem kein Platz ist für das Leid anderer und keine Genozide, Gräueltaten und Holocausts außer unseren eigenen existieren.“ Mit Blick auf die Shoah und ihre universellen Konsequenzen spricht er die Mahnung aus: „Das ist uns Juden in Deutschland passiert und kann irgendwo und irgendwie in jedem Land passieren.“ Und genau das war es auch, was Horkheimer und Adorno über die Ambivalenz der Moderne zum Ausdruck bringen wollten: Die Barbarei lauert. Überall!

Längst wird in der Auseinandersetzung nicht mehr nur und ausschließlich mit sachlichen Argumenten ein Meinungsstreit ausgetragen. „Tatsächlich erfahre ich keine fachliche Kritik und bekomme wissenschaftlich sehr viel Zuspruch. Aber als Person schlägt mir ein ganz unglaublicher Hass entgegen“, äußert sich Benz fast resigniert in einem aktuellen Interview mit der „Berliner Zeitung“. Er soll nicht mehr nur in der Sache widerlegt, sondern als „Hetzer“ (hagalil) und „sekundärer Antisemit“ (Achse des Guten) mundtot gemacht werden. Ein weiterer Tiefpunkt in dieser Auseinandersetzung ist dabei der Versuch Clemens Henis, Benz zu einem Nazi ehrenhalber zu stempeln, weil dessen akademischer Lehrer Karl Bosl einst in das NS-System verstrickt war.

Benz erweist sich damit letztlich als das Opfer der Kollision der „Kritischen Theorie“ mit einer ins Quasi-Metaphysische gewendeten Singularitätsthese, die diese allerdings selbst auf den Plan gerufen hat. Adorno formulierte noch im Spätwerk „Negative Dialektik“ (1966), dass Hitler der gesamten Menschheit einen „neuen kategorischen Imperativ“ aufgezwungen habe, nämlich „ihr Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.“ Diesen ausdrücklich ins Universelle ausgreifenden Imperativ („nichts Ähnliches (!) geschehe“) diskursiv zu behandeln, wäre nach Adorno allerdings „Frevel“: Denn „an ihm läßt leibhaft das Moment des Hinzutretenden am Sittlichen sich fühlen.“ Er verlieh „seinem“ Imperativ damit den Status des Unberührbaren und küsste so selbst die Geister wach, in deren dialektischem Widerstreite nun die „Kritische Theorie“ ihre Kinder frisst.

ER
weitere Informationen: http://www.endstation-rechts.de

53 Kommentare

  1.   Trine Biene

    Oje, ich finde es erschreckend, diesen Beitrag auf dem Störungsmelder Blog zu lesen. Vielleicht sollte sich der Autor erst nochmal mit der marxschen Kapitalismus-Kritik befassen, bevor Kommunist_innen hintenrum eine politische Verwandtschaft zu Nazis attestiert wird. Was sich unter dem Etikett „Kapitalismuskritik“ bei Kommunist_innen und Nazis verbirgt, stellt tatsächlich einen Unterschied ums Ganze dar, anstatt nur Nuancen ähnlicher politischer Ziele. Und ein antisemitisch motivierter, reaktionärer Bonzen-Hass zeichnet sich gerade durch eine nicht nur zu kurz gegriffene Kritik, sondern völlig falsche Ansätze aus.

    Auch möchte ich kurz darauf hinweisen, dass der Begriff der Islamophobie nichts weiter als ein politischer Kampfbegriff ist, der zwei Dinge in eins wirft, deren analytische Trennung dringlicher nicht sein könnte: legitime Islamismuskritik einerseits, und rassistisch motivierten Hass auf fremde Kulturen und Individuen andererseits.

    Mir ist nach wie vor nicht klar, was der Begriff Islamophobie bezwecken soll, wenn nicht die Verschleierung von Kritik am Islamismus und islamistischen Gesellschaften, die sich in meinen Augen gerade (siehe Iran etc.) als absolut wichtig und richtig erweist. Gerade vom Standpunkt einer kommunistischen, emanzipatorischen Linken aus.

  2.   NDM

    „Mir ist nach wie vor nicht klar, was der Begriff Islamophobie bezwecken soll“

    Hier ein Definitionsversuch:

    http://www.fairuk.org/docs/defining%20islamophobia.pdf

    Ich denke nicht, dass Islamophobie assoziativ auch nur in die Nähe einer sachlichen Kritik an Islamismus gehört. Da diese Begriffsvermischung aber tatsächlich geschieht, insbesondere von eben den Islamophoben gerne durchgeführt, um Kritik an ihrem eigenen Ressentiment zu delegitimieren.

    Und weil dies geschieht, bevorzuge ich in der Regel den Begriff „Islamhass“, der leider weniger treffend ist. „Islamfeindlichkeit“ wäre passender, ist aber ebenfalls nicht umfassend griffig.

  3.   Ben

    DANKE! erhellende Analyse, die einem dumpfen Gefühl klare Worte gibt.
    Herrn Benz als „Hetzer“ zu bezeichnen ist einfach absurd und (dis!-)qualifiziert sich selbst.
    Es gibt so viele Dinge, die einen Vergleich zwischen Islam und Judentum und der Auseinandersetzung beider herausfordern:
    weltweite Religion, Minderheit in Dt., Exponenten der Religion werden als Bedrohung wahrgenommen, das wird verallgemeinernd auf alle bezogen, das führt zu massiver Propaganda.

    Gleichwohl fehlt auch mir der weltweite Aufschrei der Muslime gegen die Verbindung von Gewalt und Islam.

    Die enorme Streitkultur im Judentum und innere Debatte ist doch ein zentraler Unterschied gegenüber dem Islam, dessen Debatten zumindest nicht über den Tellerrand des eigenen Milieus heraus wahrnehmbar sind. Aber auch das ist ja eine Erkenntnis, die man erst im gründlichen Vergleich gewinnt.

  4.   Deja vú

    @Matthias Brodkorb:

    „Aber als Person schlägt mir ein ganz unglaublicher Hass entgegen”, äußert sich Benz fast resigniert in einem aktuellen Interview mit der “Berliner Zeitung”. Er soll nicht mehr nur in der Sache widerlegt, sondern als “Hetzer” (hagalil) und “sekundärer Antisemit” (Achse des Guten) mundtot gemacht werden. Ein weiterer Tiefpunkt in dieser Auseinandersetzung ist dabei der Versuch Clemens Henis, Benz zu einem Nazi ehrenhalber zu stempeln, weil dessen akademischer Lehrer Karl Bosl einst in das NS-System verstrickt war.“

    Tja: So schlagen genau die gleichen Mechanismen, mit welchen bisher alle Leute erst diffamiert, dann mundtot und schließlich dem bürgerlichen und beruflichen Tod ausgesetzt wurden, die es gewagt hatten, das vorgegebene Korsett der politisch-korrekten Sprachregelung zu verlassen, auf diejenigen zurück, die in der Vergangenheit Teil dieses Mechanismus waren.

    Die ideologische Fixierung dieser Nachkriegsrepublik auf die Zeit von 1933-45, die selbstgewählte Definition dieser Epoche durch die herrschende Meinungseliten als geistige und kulturelle Grundlage der deutschen Gesellschaft und das Prokrustesbett einer vergifteten ideologischen öffentlichen Diskussion führen zwangsläufig zur permanenten „Suche nach direkten Reinkarnationen des “Führers”. Stets müssen sich professionell dünkende Nazijäger hinter der Camouflage einer “politischen Mimikry” den “heimlichen Adolf” freilegen.“ (Zitat M. Brodkorb).

    Mit anderen Worten: Zu einer permanenten Hexenjagd nach offenen oder latenten Nazis oder Antisemiten. Letzteres ein Begriff aus der Trickkiste der politisch-korrekten Inquisition, wenn sich beim besten Willen weder das eine noch das andere nachweisen ließ. Dieser vergifteten, unfreien und tabuisierten öffentlichen Diskussionen verdanken zahlreiche Personen des öffentlichen Leben ihren beruflichen und teilweise bürgerlichen Tod durch Rufmord und dauerhaft geschädigte öffentliche Reputation, sei es ein Philipp Jenninger, ein Martin Hohmann, ein Jürgen Möllemann, ein Peter Krause, sei es ein Günther Oettinger oder sei es eine Eva Hermann, sei es ein Bischof Mixa oder wie sie alle heißen mögen oder noch heißen werden.

    So gesehen hätte Benz wissen wissen, worauf er sich einläßt, als er den Versuch unternahm, in gleicher Art alle Kritiker des Islamismus und der Islamisierung in die gleiche rechtsextreme Ecke und damit der gesellschaftlichen Verdammnis zu stellen wie alle tatsächlichen oder scheinbaren Antisemitien und Rechtsextremen in der Vergangenheit. Sein Problem war einfach, daß er dabei die Besitzstände mißachtete, in denen es sich die Verbandsfunktionäre des Zentralrats der Juden und der angelagerten Gremien eingerichtet hatte. Ein Tabu der Politischen-Korrektheit, an dem auch Benz fleißig mitgestrickt hatte, lautet nämlich: „Du sollst den Holocaust nicht vergleichen, mit nichts und niemandem, denn er ist einzigartig in der Menschheitsgeschichte, weil wir (die Juden) als Opfer einzigartig sind und deswegen sowohl Privilegien beanspruchen können als auch die Erfüllung aller Forderungen an den deutschen Staates und die deutsche Gesellschaft verlangen können.

    „“Sehr in Mode sind derzeit Arbeiten über ‘Antisemitismus und Islamophobie’, deren Verfasser aufrichtig versichern, sie würden das eine mit dem anderen nicht gleichsetzen, sondern nur vergleichen. Und Vergleiche anzustellen sei eine wissenschaftlich bewährte und zulässige Methode. Das stimmt. Grundsätzlich kann man alles mit allem vergleichen. Die Wehrmacht mit der Heilsarmee, einen Bikini mit einer Burka und die GEZ mit der Camorra.” Broder erklärt damit den Vergleich theoretisch zwar für zulässig, aber im Grunde doch für moralisch illegitim.“

    In Israel selbst und der israelischen Gesellschaft ist man sich dieses Umstandes inzwischen wohl bewußt, obwohl Forderungen hinsichtlich finanzieller und militärischer Unterstützung noch immer, ausgesprochen oder unausgesprochen, auf dieser Basis gestellt werden. Während sich aber Israel seit seiner Gründung ausdrücklich nicht aus der Opferrolle während des Holocaust, sondern immer auf der Grundlage der Selbstbehauptung gegen die feindliche arabische Umgebung definiert, ist die Berufung auf die Sonderrolle der Juden in Deutschland auf Grund des Holocausts inzwischen ein fest etablierter Bestandteil sowohl der deutschen Politik als auch der Selbstdarstellung der jüdischen Verbandsfunktionäre geworden. Nach all dem, was man in der letzten Zeit gehört hat, dürfte es der Kampf um diesen Sonderstatus und aller damit verbundenen Privilegien und nicht die Furcht vor dem zunehmenden Antisemitismus und Antizionismus der Muslime in Deutschland sein, welcher nun das Kesseltreiben gegen Benz bewirkt hat.

    So begrüßenswert es ist, daß Leute wie Broder die einzigen sind, die es gelegentlich wagen, ein anderes Tabu der öffentlichen Debatte zu verletzen und über die zunehmende Gewalt und Kriminalität vor allem unter muslimischen Einwanderer und deren zunehmende Westenfeindlichkeit und Islamisierung der hiesigen Gesellschaft zu berichten: In der Monopolisierung der privilegierten Opferrolle der Juden duldet auch Broder keinen Spaß, so wie die anderen Protagonisten dieser These.

    So kommt es, daß sich nun Benz auf einmal ganz verdattert in der Rolle der Zielscheibe einer Entlarvungs- und Diffamierungsmaschinerie wiederfindet, der er sich doch gerade selbst bedienen wollte. Er hat nun die Gelegenheit, einmal selbst am eigenen Leib die Folgen einer solchen Kampagne zu erfahren, deren sich in der Vergangenheit immer wieder vollkommen unbescholtene, höchst reputierliche Leute ausgesetzt sahen, die mit Rechtsextremismus, Antisemitismus oder Nazismus nicht das Geringste zu tun hatte. Er muß jetzt erleben, wie die anschwellenden, nach alten Pawlowschen Reflexmustern eingeschliffenen öffentlichen Verdammungsrituale ihn mehr und mehr der Möglichkeit berauben, zu den ihm angelasteten Vorwürfen Stellung zu nehmen und sich selbst artikulieren zu können. Punkt für Punkt macht er nun den Prozeß der gesellschaftlichen Demontage durch, wenn eine einmal von den Medien aufgenommene Behauptung – nämlich der Antisemitismus – in der öffentlichen Wahrnehmung zur Tatsache wird.

    Mal ehrlich, Herr Brodkorb: Sie sind in DDR-Zeiten geboren und haben diese Zeit zumindest die ersten bewußten Jahre Ihres Lebens miterlebt. Kommen Ihnen diese Mechanismen, die eigentlich eher typisch für totalitäre Regimes sind, nicht bekannt vor? Wenn nicht, dann fragen Sie Ihre Eltern. Die werden Ihnen das noch genauer erzählen können, wie in DDR-Zeiten mißliebige Leute, die nichts getan oder verbrochen, sondern lediglich ihre Meinungen hatten, durch gezielte öffentliche Kampagnen diffamiert, mundtot gemacht und verfolgt wurden, weil deren Gesinnungen dem herrschende System nicht paßten. Nun leben wir ja nicht mehr in der SED-Diktatur, sondern in einer freiheitlichen Demokratie, jedenfalls wenn ich mir die Selbstwahrnehmung dieser Gesellschaft betrachte. Wie konnte es also kommen, daß mitten in einer Demokratie, in der wir uns nach Abschaffung des SED-Regimes ja wähnten, immer noch totalitäre Mechanismen und Methoden Anwendung finden, welche die im Grundgesetz vorgeschriebene Meinungs-, Gesinnungs- und Redefreiheit aushebeln? Sie können jetzt am Beispiel Benz miterleben, daß es nicht nur die Fraktion der von Ihnen bekämpften tatsächlichen oder vermeintlichen „Rechten oder Rechtsextremen“ ist, die Opfer dieser Mechanismen werden können.

    Instinktiv haben Sie wohl die richtige Überschrift für Ihren Artikel gewählt. „Die ´Kritische Theorie´ frißt ihre Kinder – Wolfgang Benz ist plötzlich selbst ein Antisemit.“ Sie und ich wissen, daß er natürlich kein Antisemit ist. Aber genauso waren und sind die von mir oben genannten Personen keine Antisemiten oder Neonazis, entgegen der niederträchtigen bis gedankenlosen Kampagnen, die gegen sie inszeniert wurden. Wären Sie damals bereit gewesen, sich für diese Leute so einzusetzen, wie Sie das hier für Wolfgang Benz tun?

    Obwohl ich persönlich nicht der Meinung bin, daß bei der deutschen Linken irgendwelche antisemitischen Motive zu finden sind, da es ihnen mehr um die Verurteilung der israelischen Politik gegenüber den Arabern und deren Verfolgung als „unterdrückte und ausgebeutete“ Minderheit geht: In der Verfolgung ihrer antiisraelischen Argumentation gehen Sie inzwischen so weit, daß Sie nicht vor der Relativierung der bisherigen absoluten Opferrolle der Juden Europas in der Vergangenheit zurückschrecken, was vor kurzem noch gleichbedeutend mit Gotteslästerung war.

    „Denn auch die NS-Ideologie lebte keinesfalls ausschließlich und nicht einmal in erster Linie von mittelalterlich verbürgten Abstrusitäten wie der These von den “Brunnenvergiftern” oder “rituellen Kindstötern”. Ganz im Gegenteil: Der nationalsozialistische Antisemitismus bediente sich bei der Konstruktion seines Weltbildes umgekehrt vielmehr verschiedener Erfahrungen, die er allerdings – und das ist eben das E ntscheidende – in abstruser und unzulässiger Weise im Rahmen einer Sündenbocktheorie verallgemeinerte. Hierzu zählte zum Beispiel, dass Juden im Betrieb des modernen Finanzkapitalismus ebenso eine relevante Rolle spielten wie in den Führungsetagen des russischen Bolschewismus – eine Tatsache, die im Jahre 1919 selbst vom Revolutionär Kurt Eisner in den “Neuen Jüdischen Monatsheften” noch stolz hervorgehoben wurde.“

    In dem Zusammenhang gleich ein weiterer Tabubruch, nämlich die Berufung auf ein Goebbels-Zitat:

    „Im Jahr 1941 schrieb hierzu der Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels: “Man suchte bei uns den Eindruck zu erwecken, als seien sich die jüdischen Bolschewiken in Moskau und die jüdischen Plutokraten in London und in Washington spinnefeind.” In Wahrheit, so Goebbels, käme aber in beiden stets nur ein und derselbe plutokratische Jude mit seiner “jüdischen Chuzbe” zum Vorschein.“

    Es ist somit richtig, daß judenfeindliche Einstellungen in Deutschland und Europa vor 1933 nicht nur auf einem eingefleischten Antisemitismus oder auf Vorurteilen beruhten. Es ist aber auch richtig, daß die Juden Deutschlands, im Gegensatz zu den muslimischen Einwanderern in Europa heute, sich damals weitestgehend in die deutsche Gesellschaft assimiliert hatten und sich mehr als Deutsche jüdischen Glaubens sahen und sich weder durch Kriminalität, Gewalt oder Deutschfeindlichkeit hervortaten, sondern im Gegenteil überdurchschnittlich häufig in den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Eliten der gehobenen Mittel- und Oberschicht vertreten waren, also in jeder Hinsicht tatsächlich das waren, was man heute bezüglich der oben genannten Einwanderergruppe „Bereicherung“ nennt.

    Bei einer tabufreien und wirklich offenen Diskussion in den Medien müßte dann auch wieder Broder zitiert werden, wenn er schreibt:

    „Denn der Unterschied zwischen dem Antisemitismus und der Islamophobie sei ja gerade der, dass Ersterer bloß “auf hysterischen Ängsten, Erfindungen, Projektionen und Neidgefühlen” beruhe, während die Islamkritik “eine reale Basis” habe, “die jedes Vorurteil über die dem Islam innewohnende Toleranz in ein gefestigtes Urteil” verwandle“

    Diese Einschätzung des realen Islams in D und Europa, die sich mit den Erfahrungen der einheimischen Bevölkerung deckt, sollte durch Leute wie Benz genauso in die rechtsextreme Ecke gestellt werden soll die Kritik an der israelischen Politik auf Grund deren Gleichsetzung mit Antisemitismus. Das ist nun in die Hose gegangen, und zwar auf Grund der gleichen ideologisch verzerrten und tabuisierten Debatte, mit der Benz die Islamkritiker erledigen wollte.

    Lieber Herr Brodkorb: Gerade weil ich glaube, in Ihren Artikeln die zunehmende Erkenntnis herauslese, daß die von Ihnen so beschriebenen sich „professionell dünkende(n) Nazijäger hinter der Camouflage einer “politischen Mimikry” den “heimlichen Adolf” “ jagen und auf diesem Weg ihnen mißliebige Meinungen und Gesinnungen ins Abseits schieben, appelliere ich an Sie, daran mitzuwirken, daß Tabus und ideologisch motivierte Sprachregelungen in der öffentlichen Diskussion und Wahrnehmung verschwinden, damit endlich die unbelastete und angstfreie Artikulation jeglicher Kritik möglich wird. Niemand ist über Kritik erhaben, und niemand darf irgendwelche Sonderrollen für sich beanspruchen, aus welchen Gründen auch immer. Es muß diesem Nachkriegsdeutschland endlich gelingen, sich von der Fixierung auf die Nazizeit von 1933-45 zu befreien, denn auf Dauer ist keine positive Identifikation mit einer Gesellschaft möglich, die sich selbst über ein begangenenes Verbrechen definiert. Die Mehrheit der Menschen in diesem Land, die zum allergrößten Teil 1945 entweder nicht geboren oder Kinder waren oder die gar nicht aus Deutschland stammen, wären größtenteils zu dieser Identifikation bereit. Wenn sich die Eliten dieses Land aber noch immer auf Grund der Nazizeit in moralischer und historischer Selbstzerfleischungüben und der Meinung sind, die eigenen Bürger in moralische Mithaftung nehmen zu können, wenn sie allen Forderungen von selbsternannten Opfergruppen nachgeben, dann bürden sie den Deutschen ohne Mandat und bedenkenlos eine Last auf, die für die heutige Generation untragbar wird. 65 Jahre nach Kriegsende und nach Jahrzehnten einer friedlichen und demokratischen Entwicklung sollte das möglich sein.

  5.   Apollo

    Ich finde es gut, dass Benz sich nicht lange bei den Tatsachen aufhält, sondern zum Kern des Problems vordringt. Man muss schon die Strukturen analysieren, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
    Viele glauben ja immer noch, dass in der ersten Hälfte der 40er die Rote Armee und die Wahrmacht sich unversöhnlich gegenübergestanden hätten. So jedenfalls der erste Eindruck. Dank der Benzschen Analytik wisse wir es aber besser.
    Beide Gruppen waren bewaffnet,
    beide Gruppen trugen Uniformen,
    die Hierarchien in beiden Gruppen waren geprägt durch Befehl und Gehorsam. Strukturell waren sie also gleich, weshalb es nicht nur berechtigt, sondern im wissenschaftlichen Sinne sogar zwingend notwendig ist beide als zwei Seiten einer Medaille anzusehen.

    Wobei, einen Unterschied gibt es doch. Die Rote Armee hat auf dem Territorium der Sowjetunion auf die deutschen Soldaten geschossen – so das wir dort (leider, leider) ausländerfeindliche Tendenzen feststellen müssen.

    +

    Tut mir leid, Mathias Brodkorb hielt ich bis jetzt für einen der am meisten integren und klugen Köpfe im linken Bereich. Dieser Aufsatz (andere auch, habe leider keine weiteren Links) ist vom Feinsten
    http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3094:der-fall-rohbohm-offener-brief-von-mathias-brodkorb-spd-an-dr-martina-krogmann-cdu&catid=151:dieter-stein-und-die-junge-freiheit-jf&Itemid=361

    Schade.
    Wirklich sehr schade dass Brodkorb nun so ein überangepasster Opportunist (http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_nazi_und_sein_schueler_karl_bosl_und_wolfgang_benz/) wie Benz geworden ist. Offenbar hat er begriffen, wie man an die besten Brocken im Brotkorb kommt.

    +

    Im Übrigen bin ich natürlich der Meinung, dass der Islam nichts mit dem Islam zu tun hat. Nur komisch, weder Brodkorb noch seine Genossinen wollen in den Communities leben, wo die Frauen selbstbewusst die Burka tragen. Und keiner von denen schickt seine Kinder in eine Schule, wo die Angehörigen der Religion des Friedens in der Mehrzahl sind.

  6.   NeoZech

    Na, zumindest im Kritische-Theorie-Schuldgeben konnte der Autor ja was von der NPD lernen. Mal anders: Benz hat mit sowas bestenfalls marginal zu tun, Adorno/Horkheimer beschäftigen sich mit Antisemitismus unter ganz bestimmten Gesichtspunkten (nämlich denen, die man in eben der Dialektik der Aufklärung nachlesen kann: der Ausweitung einer ausgehöhlten -„instrumentellen“- Vernunft auf alles). Nicht mit den Antideutschen verwechseln.
    Neee, entweder Polemik oder Kritik, aber so…

  7.   Deja vú

    Die Ursachen der derzeitigen öffentliche Kampagne gegen den von ihm verteidigten Benz hat Brodkorb sehr gut in seinem Artikel dargestellt.

    „Ich tue dies letztlich lediglich aus einem vitalen Interesse am Selbsterhalt. Denn, seien wir einmal ehrlich, unter den Strukturmechanismen, unter denen heute Rohbohm und Krause leiden, litten noch vor einigen Jahrzehnten Linke – z.B. unter Axel Springer und Co. Seinerzeit reichten lange Haare, um als Bolschewist oder RAF-Terrorist zu gelten. Es könnte also auch alles wieder anders kommen.“

    Das Besondere an Ihrem Fall ist nur, dass nicht der politische Gegner jemanden zu Boden wirft und hernach auf den Gefallenen tritt (das war noch im Fall Krause so), sondern Sie dies selbst besorgen. Sie bedienen damit willfährig und offenbar aus eigenen Karriereinteressen Strukturmechanismen der medialen Öffentlichkeit, die letztlich alle treffen können. Vielleicht haben Sie ja beim nächsten Mal den Mut, wenigstens Ihre eigenen Leute gegen absurde Vorwürfe zu verteidigen – vom politischen Gegner wage ich ja gar nicht zu träumen, das wäre wohl zu viel verlangt.“

    Dumm nur, daß er vergißt, wie er und seine Partei an diesen „Strukturmechanismen der medialen Öffentlichkeit“ mitgearbeitet haben, denen gerade Benz zum Opfer fällt.

    @Apollo:
    „Im Übrigen bin ich natürlich der Meinung, dass der Islam nichts mit dem Islam zu tun hat. Nur komisch, weder Brodkorb noch seine Genossinen wollen in den Communities leben, wo die Frauen selbstbewusst die Burka tragen. Und keiner von denen schickt seine Kinder in eine Schule, wo die Angehörigen der Religion des Friedens in der Mehrzahl sind.“

    Offenbar müssen die Verantwortlichen erst persönlich und leibhaftig mit den Angehörigen der Religion des Friedens zusammentreffen, um von gewissen Illusionen Abstand zu nehmen. Das scheint heute zunehmend der Fall zu sein. Offenbar haben diese Communities ein Ausmaß erreicht, daß deren Auswirkungen sich langsam in den gehobenen Mittelstandsvierteln bemerkbar machen, in denen die heißesten Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft üblicherweise leben.

  8.   Dirk R Bode

    Es ist eine merkwürdige Diskussion, die hier in scheinakademischen Foren geführt wird. Adorno und Horkheimer haben doch im Wesentlichen nichts anderes getan, als darauf aufmerksam zu machen, dass die >Barbarei< auch und immer wieder auch aus der Mitte aller „zivilisierten“ Gesellschaften hervorbrechen kann und nicht nur als ein isoliertes Geschehen der NS Vergangenheit trivialisiert werden darf. Das war ein Sinn stiftender wissenschaftlicher Einwurf in einer Zeit, in der die MODERNE – in ihrer westlichen und konträr östlichen – Verkleidung sich anschickte, die Vergangenheit als „vergangen“ zu erklären.
    Die Behauptung, dass alle Wissenschaft sich des Vergleichens als Methode „strukturalistisch“ also – bedient, um „Ähnliches“ als Ähnlich, also „vergleichbar“ zu machen, stiftet noch keineswegs einen vergleichenden Sinn. Das ist doch Sinn entleerter „Strukturalismus“. Und, da hat Broder ganz recht, wenn er dagegen polemisiert. Antisemitismus ist immer konkret und sein Inhalt immer beliebig. Kurz: Die Juden sind immer „schuld“ – gleichgültig was sie real tun! So wird die jüdisch-kapitalistische mit der jüdisch-bolschewistische „Tätigkeit eben zur „jüdischen Weltverschwörung“ gegen die (arischen) Völker.
    Und damit soll die Islamkritik (was ist das?) „strukturell“ gleich sein? Wie bitte? Auf einer (welcher) Stufe stehen? Wissenschaftliches Arbeiten sieht doch wohl anders aus! Sinn und Bezugsentleerter „Strukturalismus“ ist nicht wissenschaftlich – aber leider der politicel correctness sehr verbunden. Das ist politischer Relativismus, bestenfalls noch „hilfloser“ Antifaschismus, wenn nicht konkret Schlimmeres.
    Wenn Herr „Professor Wolfgang Benz so etwas „unterläuft“, dann sollte er von seinem warmen Pöstchen schleunigst zurück getreten werden!
    Noch etwas: Wer die „Singularität“ der Judenvernichtung glaubt in Frage stelen zu können, der sollte einmal nach Auschwitz fahren und die Fakten auf sich einwirken lassen. Die industriell organisierte Menschenvernichtungsmaschinerie ist tatsächlich SINGULÄR! Und das nicht deshalb – wie die (klammheimlichen) Antisemiten vermuten – deshalb, weil sie Juden betraf! Sie wäre auch singulär, wenn sie nicht Juden betroffen hätte. Dieser AKT DER BARBAREI ist für sich allein genommen schon singulär! Es sind doch antisemitische Beweggründe, dies mit der religiösen Selbstvorstellung von Juden als „auserwählten Volk“ zu verknüpfen und zu behaupten, es handle sich um eine „jüdische“ Empfindlichkeit! Auch darin haben Broder et alii Recht, dass es sie empört!! Es ist die Ebene des Faktischen, die ihnen Recht gibt – und nicht ihre Befindlichkeit als Juden! Das ist doch ungeheuerlich, was hier zusammengeschmiert wird!!
    In der Tat AUSCHWITZ darf sich nicht wiederholen. Aber in ihrer intellektuellen Redlichkeit haben Horkheimer und Adorno zurecht gewarnt, dass jene Barbarei aus der Mitte jeder – auch zivilisierten – Geselschaft neu erwachsen kann! Dies sollte uns allen eine Warnung sein.
    Und was Herrn Benz betrifft: Er kann Adorno und Horkheimer das Wasser nicht reichen und als ernsthafter Wissenschaftler eher eine Fehlbesetzung.


  9. Benz warnt vollkommen zu Recht vor einer mittlerweile weitverbreiteten „Bauchstimmung“, die im Islam „das Böse“ zu erblicken glaubt. Natürlich ist ein solches bipolares Weltbild dem eines Antisemiten extrem ähnlich. In beiden Fällen geht es um die Schaffung eines Feindbildes, auf das man nach Belieben alles Übel der Welt projizieren kann. Solange sich Islamkritiker wie Broder nicht deutlich und sichtbar von ihren rechtsradikalen Fans (Pi-News, Junge Freiheit) distanzieren und klarmachen, dass sie nicht als deren Stichwortgeber mißbraucht werden wollen, hat alles, was sie an teilweise berechtigter Kritik vorbringen leider einen üblen Beigeschmack.

  10.   Deja vú

    @Dirk R Bode:

    „Adorno und Horkheimer haben doch im Wesentlichen nichts anderes getan, als darauf aufmerksam zu machen, dass die >Barbarei< auch und immer wieder auch aus der Mitte aller “zivilisierten” Gesellschaften hervorbrechen kann und nicht nur als ein isoliertes Geschehen der NS Vergangenheit trivialisiert werden darf.“

    So weit richtig.

    „Die Behauptung, dass alle Wissenschaft sich des Vergleichens als Methode “strukturalistisch” also – bedient, um “Ähnliches” als Ähnlich, also “vergleichbar” zu machen, stiftet noch keineswegs einen vergleichenden Sinn. Das ist doch Sinn entleerter “Strukturalismus”. “

    Ständiges Vergleichen ja, weil das die Grundlage allen menschlichen Erkenntniszuwachses bedeutet; aber dann sinnvollerweise nicht Äpfel mit Birnen, nur weil beide Dinge sich irgendwie in begriffliche Strukturen einbetten lassen. Vor allem nicht „sinnentleerten Strukturalismus“, wenn damit eine ganz bestimmte irreführende Absicht verfolgt wird. Das dürfte bei Benz der Fall sein; für so naiv und blauäugig halte ich ihn nicht.

    „Antisemitismus ist immer konkret und sein Inhalt immer beliebig. Kurz: Die Juden sind immer “schuld” – gleichgültig was sie real tun! So wird die jüdisch-kapitalistische mit der jüdisch-bolschewistische “Tätigkeit eben zur “jüdischen Weltverschwörung” gegen die (arischen) Völker.“

    Es ist ein Kennzeichen politischer Propaganda in einem totalitären System, mehrere und verschiedenartige Gruppen in einem Kampfbegriff zusammenzufassen, um sie als einheitlichen Gegner darstellen zu können. Je allumfassender und unschärfer der Begriff, desto bedrohlicher die propagandistische Wirkung auf die Bevölkerung. Das wurde eben nicht nur mit den Juden und den Bolschewisten so gemacht, sondern dieser Mechanismus funktioniert auch heute mit anderen Gruppen und Personen.

    „Wer die “Singularität” der Judenvernichtung glaubt in Frage stelen zu können, der sollte einmal nach Auschwitz fahren und die Fakten auf sich einwirken lassen. Die industriell organisierte Menschenvernichtungsmaschinerie ist tatsächlich SINGULÄR! Und das nicht deshalb – wie die (klammheimlichen) Antisemiten vermuten – deshalb, weil sie Juden betraf! Sie wäre auch singulär, wenn sie nicht Juden betroffen hätte. Dieser AKT DER BARBAREI ist für sich allein genommen schon singulär!“

    Sie widersprechen sich selbst. Wenn der Akt der Judenvernichtung singulär in der Menschheitsgeschichte wäre (was von Historikern zu untersuchen ist), auch wenn er nicht Juden betroffen hätte, dann wären die Juden als Gruppe doch austauschbar, und es hätte jede beliebige andere Gruppe treffen können, die als Feindbild ausgemacht wurden. So gesehen könnten die Juden als Gruppe kein Recht auf Exklusivität als Opfer beanspruchen. Wer hat gleich noch mal gesagt: „Wenn es die Juden nicht gegeben hätte, hätte man sie erfinden müssen.“?

    Denn so verschieden die Umstände auch sind: Wie steht es dann mit der systematischen Vernichtung der Kulaken in der Sowjetunion als „Klasse“, als die sie in der Stalinschen Propaganda bezeichnet wurde? Das betraf auch Millionen von Menschen, und zwar ganze Familien, die zwar nicht durch Gas, dafür aber durch nicht weniger zuverlässig tödliche Mittel wie Hunger und Kälte umgebracht wurden. Wenn ein Menschenleben gleich ein Menschenleben wert ist, dann gibt es keinen Unterschied zwischen einem jüdischen Kind, das in den Gaskammern getötet wird, und einem Kulakenkind, das in Sibiren an Hunger und Kälte zugrunde geht. Es sei denn, Sie wollen einen Wichtungsfaktor einführen; aber wie sollte denn der aussehen?

    „Auch darin haben Broder et alii Recht, dass es sie empört!! Es ist die Ebene des Faktischen, die ihnen Recht gibt – und nicht ihre Befindlichkeit als Juden!

    +

    Mal zurück zur Absicht von Benz, die Islamkritik mit Islamophobie und diese wiederum mit Antisemitismus gleichzusetzen. Die Ebene des Faktischen: Damit sind ja wohl nicht die antisemitischen Gehässigkeiten und Vorurteile einer Bevölkerungsmehrheit gegen eine Mindereit anderer Religion gemeint, sondern die systematische Judenverfolgung und -vernichtung, wie es sie von 1933-45 gegeben hat, also das, was später als Holocaust bezeichnet wurde. Broder lehnt diese Gleichsetzung ja mit dem Hinweis auf diese tatsächlich stattgefundene Judenverfolgung ab.

    “ “Praktisch läuft der Vergleich – ausgesprochen oder insinuiert – darauf hinaus, dass die Muslime die Juden von heute sind”, wirft er Benz vor.“

    Ist diese Islamkritik denn nun Islamophobie, gleichzusetzen mit Antisemitismus, und werden die Muslime in gleicher Weise verfolgt wie die Juden? Das war doch das Problem, was ursprünglich im Raum stand.

    „Denn der Unterschied zwischen dem Antisemitismus und der Islamophobie sei ja gerade der, dass Ersterer bloß “auf hysterischen Ängsten, Erfindungen, Projektionen und Neidgefühlen” beruhe, während die Islamkritik “eine reale Basis” habe, “die jedes Vorurteil über die dem Islam innewohnende Toleranz in ein gefestigtes Urteil” verwandle“

    Und genau dürfte der Kern liegen. Gibt es nun reale negative Erfahrungen der Bevölkerungen mit dem Islam und Muslimen in Europa, gibt es Islamisierung und Verdrängung der einheimischen Kultur, gibt es Integrationsverweigerung, gibt es religiös motivierten Gewalt und Terror von Islamisten gegen den Westen und westenfreundliche oder -geneigte Muslime, die als Abweichler vom Glauben verfolgt werden, und gibt es die Ablehnung eines großen Teils der in Europa und D lebenden Muslime der herschenden säkulär-demokratischen Ordnung, in der Religion Privatsache ist sowie Recht und Gesetz auf dem Prinzip der Volkssouveränität beruhen und nicht, wie von den fundamentalistischen Muslimen gefordert, auf göttlichem, im Koran offenbarten Recht? Diese Frage ist zu klären, und anhang der Faktenlage ist sie recht eindeutig.

 

Kommentare sind geschlossen.