‹ Alle Einträge

Nazi-Müll auf Flohmärkten: Was tun?

 
Bei Neonazis heiß begehrt - NS Devotionalien in einem Museum in Obersalzberg © dpa

Endlich beginnt wieder die Saison der Flohmärkte unter freiem Himmel. Stöbern, handeln, mit trashigen Utensilien oder auch nützlichen Dingen zufrieden nach Hause gehen – so sollte es eigentlich sein. Nur gibt es immer wieder die Situation, dass man an Ständen vorübergeht, die einem gehörig die gute Stimmung verhageln. Da geht es neben der Wühlkiste voller Inflationsgeld aus der Weimarer Republik schnell ans braune Eingemachte : Militärabzeichen mit SS-Runen, SS-Totenköpfen oder Hakenkreuzen neben Klassikern der NS-Rassentheorie usw. Aber was tun gegen diesen Nazi-Müll?

Verboten ist leider nur die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in der Öffentlichkeit nach §86a StGB. SS-Runen und Hakenkreuze müssen daher von den Anbietern zumindest abgeklebt werden. Auch der Verkauf von „Mein Kampf“ ist dann erlaubt, sofern die Ausgabe vor der Gründung der Bundesrepublik 1949 gedruckt wurde.

Es hat jedoch jeder Veranstalter die Möglichkeit, in seiner eigenen Marktordnung selbst zu bestimmen, welche Waren auf seinem Flohmarkt angeboten werden dürfen und welche nicht. So gibt es erfreulicherweise oftmals von den Betreibern der Flohmärkte oder den Vermietern der Nutzflächen Bestimmungen, die die Verbreitung von Nazi-Devotionalien untersagt.

So schreibt die taz in einem Artikel zu diesem Thema zum Beispiel zu allgemeinen Geschätftsbedingungen der städtischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (GWG) in Göttingen, die die Nutzungsflächen vermietet:

Demnach ist es verboten, „rassistische, fremdenfeindliche und radikale Propagandamaterialien“ anzubieten, ebenso der Verkauf von „NS-Waren und Symbolen“. Ähnlich ist es in Kiel, wo das Bürger- und Ordnungsamt verantwortlich ist: Nicht erlaubt sind hier „Lebensmittel, lebende Tiere, Pflanzen, Waffen, pornographische Werke und NS-Produkte“.

Auch private Marktveranstalter versuchen, solche Geschäfte zu unterbinden: In Hamburg richtet die Firma „Kreaktiva“ diverse Trödel- und Flohmärkte aus – und Nazi-Devotionalien seien „natürlich verboten“, sagt eine Mitarbeiterin.

Falls Ihr also auf Flohmärkten Stände mit Nazi-Müll seht, lohnt es sich immer, entweder den Flohmarkt-Betreiber oder die Polizei einzuschalten. Im ungünstigsten Falle müssen die NS-Symbole zumindest deutlich abgeklebt werden, im günstigsten Falle kann der Händler seinen Nazi-Schrott einpacken, da es in der Marktordnung der Flohmarktbtreiber nicht erlaubt ist.

Gute Beispiele dafür, dass dies sogar zur Beschlagnahme der Nazi-Devotionalien durch die Polizei führen kann, findet Ihr hier und  hier. In jedem Fall – das bestätigt die eigene Erfahrung – nervt die Händler nichts mehr als kritische Flohmarktgänger – besonders dann, wenn Hartnäckigkeit zum Erfolg führt.

#

9 Kommentare


  1. Eine andere Möglichkeit: Diesen Schrott kaufen – und dann schauen: Was brennbar ist, wird verbrannt, der Rest kommt auf den Sperrmüll.


  2. Hm. Ob „Kaufen und Verbrennen“ wirklich das Richtige ist? Damit lohnt sich das Verkaufen dann erst. Und auf dem Sperrmüll solches Zeug zu haben sorgt wohl eher dafür dass entsprechende Leute es wegnehmen und nochmal verkaufen.

    Dass Leute Nazimüll verkaufen, zeigt eigentlich ja, dass sie ihn nicht haben wollen – dass sie ihn dann möglichst gewinnbringend verticken wollen, nun, das ist der Sinn eines Flohmarktes.

    Dass sich Nazimüll bei Nazis ansammelt, nun, auch dagegen habe ich nichts. Wenn man bedenkt, dass Nazis Geld für de facto wertlosen Müll bazahlen, der sich dann bei ihnen ansammelt, sodass man sie letzten Endes auch ziemlich gut erkennen kann, wenn man nur mal ihr Haus betritt, kann einem das doch eigentlich nur recht sein.

    Ich habe selber noch in meiner Münzsammlung eine alte Münze von 1935, die ich mal zufällig in meinem Garten gefunden habe. Die hat auch zwei Hakenkreuze auf sich. Ich sehe aber nicht ein, diese Münze irgendwie wegzuwerfen. Das kommt für mich einer Leugnung der deutschen Vergangenheit gleich. Vielmehr hat mich die Erkenntnis schockiert, dass hier, selbst auf dem Grund und Boden meines Gartens, ja auch früher mal das dritte Reich war – das hat das dritte Reich auf eine unangenehme Weise „nah“ wirken lassen.

    Das Propagandamaterial hat nunmal existiert, und es existiert eben auf diversen Dachböden immernoch viel davon. Aber wenn man mal genau darüber Nachdenkt, handelt es sich dabei um Metall, Holz und Papier. Es sich anzusehen kann interessant sein, denn es zeigt einem, wie Propaganda funktioniert. Denn nicht Propaganda ist es, die tötet – Menschen sind es, die töten.

  3.   Arril

    Historische Quellen verbrennen? Zeugt nicht gerade von Zivilisation… Als ob man die geschichtlichen Ereignisse ungeschehen machen könnte, indem man die Beweisstücke dafür vernichtet.

  4.   Buntstift

    Hier gibt’s auch ab und zu einen Flohmarkt.
    Werd ich die Augen mal offen halten.

    Verbrennen ist auf den ersten Blick natürlich auch
    eine Möglichkeit, aber dabei werden Giftstoffe in die Luft
    gepustet und CO2! Also lieber nicht auf diese Weise.

  5.   Graf

    Oh Mann…
    Das ist kein Müll. Das sind historische und interessante Stücke. Verbrennen, wenn ich das schon lese. Und damit mich hier keiner falsch versteht: Ich bin strikt gegen den Nationalsozialismus, aber als geschichtlicher Abschnitt interessiert er mich sehr. Ich suche auf Flohmärkten oft nach alten Stücken, darunter auch solche aus der Zeit des Nationalsozialismus. Auch das ist ein Stück der deutschen Geschichte, das sollte man in Erinnerung behalten und nicht alle Erinnerungen daran vernichten. Und nochmal: Ich bin in keiner Weise rechts eingestellt oder sonstiges, ich finde keiner der sachen, die damals passiert sind, gut. Aber als geschichtlich interessierten Menschen kotzt mich sowas einfach nur an.

  6.   hopper

    hallo….habe nach dem Tod meines Vaters bei der Endsorgung seiner Sachen eine Postkarte von Wernher von Braun in Uniform mit einer persönlichen Widmung, Verloren ist nur der, der sich selbst aufgibt gefunden, glaube dass das etwas besonderes ist und das soll ich jetzt verbrennen…na bravo

  7.   Holperbald

    Ja, was tun? Flohmarktbetreiber informieren, Polizei, Staatsschutz, die Bundeswehr soll den Landkreis absperren, die GSG9 ist erforderlich und der Bundespräsident mög eine Rede zu dem Thema halten.

    Die Antifa macht den Flohmarktbetreiber im Internet publik machen, samt Morddrohungen und Lynchaufrufen, und die Demokraten haben gezeigt, was eine Harke ist!

    Das Verbrennen von Büchern ist ein guter Ansatz.

    „Nie wieder Faschismus!“ rufen wir dann.

    Gottseidank sind wir entspannter als damals und die unseligen Zeiten vorbei.

  8.   Dennis

    Der Artikel und die Kommentare sind absurd. „Nazi-Müll“ mit Nazi-Methoden zu bekämpfen. Habt ihr denn nichts gelernt? Fehlt nur noch der Hinweis, man möge Nazi-Literatur öffentlich verbrennen.

  9.   Tiroler

    Hier wird leider nicht unterschieden zwischen historischen Sammlerstücken und zwischen Nazi-Propagandamaterial, das heute wieder in großen Stückzahlen produziert wird. Manches davon wird zwar auch auf deutschen Flohmärkten auftauchen, die große Masse wird aber in den Faschismus-Nostalgieläden in Italien verkauft, ganz besonders in Predappio, der Begräbnisstätte von Mussolini und Wallfahrtsort für Faschisten aus aller Welt. Dort sind auch deutsch Neonazis gern gesehene Kunden, und auf den Kauf eines neuen Nazi-Emblems oder einer Hitler-Büste stoßen sie dann auch gerne einmal mit rotem (!) Hitler-Wein an. Zum braunen Kaffee gibt es Zuckersäckchen mit Mussolini-Bild.

 

Kommentare sind geschlossen.