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Deutscher Nazianwalt verteidigt Holocaust-Leugner Williamson

 
Wolfram Nahrath bei einem Aufmarsch für den verstorbenen Nazianwalt Jürgen Rieger 2009 in Wunsiedel © Medien- und Rechercheprojekt Infothek Dessau

Dem britischen Holocaust-Leugner Richard Williamson droht der Ausschluss aus der erzkonservativen Piusbruderschaft. Grund dafür ist, dass der Geistliche nach „Spiegel“-Informationen für das kommende Berufungsverfahren wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Regensburg den rechtsextremen Berliner Anwalt Wolfram Nahrath engagiert hat. Nahrath war in den neunziger Jahren Bundesführer der verbotenen Neonazigruppierung Wiking-Jugend, engagierte sich später bei der 2009 verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend und ist NPD-Mitglied. Er gilt als einer der bekanntesten Anwälte der Neonaziszene und verteidigt regelmäßig namhafte Rechtsextremisten. Nahrath beantragte die Verschiebung des für 29. November geplanten Prozesses.

„Der Generalobere Bischof Fellay hat Bischof Williamson ausdrücklich befohlen, diese Entscheidung zurückzunehmen und sich nicht durch politische Thesen instrumentalisieren zu lassen“, heißt es in einer Stellungnahme der Bruderschaft. „Sollte er diesem Befehl nicht gehorchen, muss er mit dem Ausschluss aus der Priesterbruderschaft St. Pius X. rechnen.“

Auch Papst Benedikt XVI. äußerte sich jetzt, fast zwei Jahre nach der Wiederaufnahme Williamsons in die katholische Kirche, persönlich zu dem Fall. Wenn er damals gewusst hätte, dass der Bischof die Existenz von Gaskammern leugnete, hätte er die Exkommunikation nicht aufgehoben, zitiert das Magazin „Focus“ vorab den Papst aus dem Interview-Buch „Licht der Welt“. Er war für seine Entscheidung weltweit scharf kritisiert worden. Der Papst sagte in dem Gespräch auch, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die wegen der Affäre vom Vatikan öffentlich eine Klarstellung zum katholisch-jüdischen Verhältnis gefordert hatte, sei offenbar nicht vollständig informiert gewesen. Er habe kurz zuvor wiederholt, dass die Leugnung oder Verharmlosung der Shoa inakzeptabel sei.

Williamson war im April wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt worden. Sein damaliger Verteidiger hatte einen Freispruch gefordert, die Staatsanwaltschaft eine höhere Geldstrafe. Beide legten gegen das Urteil Berufung ein. Der Bischof hatte in einem schwedischen Fernsehinterview gesagt, er glaube nicht, dass es während der NS-Diktatur Gaskammern gegeben habe. Daher seien auch nicht sechs Millionen Juden als „vorsätzliche Strategie Adolf Hitlers“ vergast worden. Er glaube vielmehr, dass „zwei- oder dreihunderttausend Juden“ in den Konzentrationslagern ums Leben gekommen seien. Seine Aussagen sorgten für Jubel in der europäischen Neonaziszene. Beim ersten Prozess Anfang des Jahres mischten sich zahlreiche Rechtsextremisten, darunter der frühere NPD-Chef Günther Deckert, unter die Zuschauer. Deckert wurde 1994 selbst wegen Volksverhetzung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Medien- und Rechercheprojekt Infothek

7 Kommentare


  1. hätte… hätte… hätte… der Papst will nichts gewußt haben (absolut unglaubwürdig, aber na ja, der Papst kann seine Lügen ja beichten!), als er diesen Williamson wieder in die Kirche aufgenommen hat. Und als er dann wissen mußte, weil alle Welt es ihm gesagt hat, da hat der Papst nichts, aber auch gar nichts gemacht!

    Darf denn dieser Generalobere Bischof Fellay den Bischof Williamson so einfach, ohne Genehmigung des Papstes, wieder rausschmeißen und/oder „Befehle“ erteilen?

    Besser wäre es wirklich, wenn der Papst Leute wie Leonardo Boff, Uta Ranke-Heinemann, Eugen Drewermann, Hans Küng, …. rehabilitieren würde!

    Es gibt keinen Gott…


  2. Es gibt keine Nazi Anwälte sondern nur Anwälte und Anwälte die Nazis sind sind immer noch Anwälte!

    Warum sind sie noch Anwälte, das wäre die richtige Frage!

  3.   Wahrnehmung

    Mich erschreckt,das immer mehr Menschen rechtem Gedankengut nicht ablehnend gegenüberstehen.Und das diese Parolen immer größeren Einfluß in unserer Gesellschaft bekommen.Und auch in der Politik wird,aus welchem Grund auch immer, nicht konsequent gegengesteuert.Erschreckend ist auch,das der Papst die Exkomunikation aufgehoben hatte.Menschen wie Williams haben in keiner Gemeinschaft etwas verloren.Erst recht nicht in einer Religionsgemeinschaft.

  4.   me

    Moment mal Herr Papst,
    Wenn ich einfach nur mal den Herrn Williamson in der Wikipedia nachschlage, finde ich unter dem Absatz Holocaustleugnungen den Hinweis dass die erste öffentlich aufgezeichnete Leugnung Williamsons schon 1989 stattfand.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Williamson

    Da drängen sich mir zwei Gedankengänge auf.
    Was ich so ohne weiteres erfahren kann, sollte doch einer Institution wie dem Vatikan auch relativ leichtfallen.
    War es also einfach schlechte Recherche oder Kalkül?


  5. […] Dem britischen Holocaust-Leugner Richard Williamson droht der Ausschluss aus der erzkonservativen Piusbruderschaft. Grund dafür ist, dass der Geistliche nach „Spiegel“-Informationen für das kommende Berufungsverfahren wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Regensburg den rechtsextremen Berliner Anwalt Wolfram Nahrath engagiert hat. Nahrath war in den neunziger Jahren Bundesführer der verbotenen Neonazigruppierung Wiking-Jugend, engagierte sich später bei der 2009 verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend und ist NPD-Mitglied. Er gilt als einer der bekanntesten Anwälte der Neonaziszene und verteidigt regelmäßig namhafte Rechtsextremisten. Nahrath beantragte die Verschiebung des für 29. November geplanten Prozesses. weiter… […]

  6.   Polizist

    Ich hatte vor kurzem dienstlich mit diesem „Anwalt“ zu tun. Während unserer Maßnahme hat dieser sich natürlich sehr ruhig und freundlich verhalten. Allerdings war ich erstaunt, wie wenig er doch von den rechtlichen Möglichkeiten wusste und das als ANWALT 🙂

    Schlimm, dass solche Leute auch Anwälte sein können.

    Mir fällt zu diesem Typen nur eins ein SCHWACHKOPF !!!!


  7. […] Zeitlang verteidigte er den Holocaust-Leugner Williamson, wie er auch in Verbotsverfahren gegen den „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“ tätig […]

 

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