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Israels falsche Freunde

 

Der Berliner Rechtspopulist René Stadtkewitz (während einer Veranstaltung mit Geert Wilders in Berlin)

Der Berliner Rechtspopulist René Stadtkewitz (während einer Veranstaltung mit Geert Wilders in Berlin) © Reuters

Europas Rechtspopulisten feiern Israel als Bollwerk gegen den Islam. Kürzlich besuchten einige von ihnen das Land – zum Schaden von Israels Ansehen. 

Israel hat neue Freunde. In der vergangenen Woche bereiste ein Stoßtrupp von Rechtspopulisten das Land und erklärte ihre „uneingeschränkte Solidarität“. Bei dieser Nachricht muss man sich erst einmal die Augen reiben. Hier preisen Leute den israelischen Staat, von denen einige schon mit Holocaust-Leugnern sympathisiert haben und die Sprachenvielfalt, Multikulturalität und internationale Einwandererkultur israelischer Art rundheraus ablehnen. Was treibt sie nach Jerusalem und Tel-Aviv? Und was bedeutet das für Israel?

Der Bus aus Europa, der das kleine Land durchfuhr, hatte Figuren an Bord wie den FPÖ-Chef Heinz Strache, den Berliner Ex-CDU-Mann und Rechts-Irrwisch René Stadtkewitz und Philip Dewinter vom rechtsextremen Flams Belang aus Belgien. Sie trafen sich mit Knesset-Abgeordneten, besuchten pflichtgemäß die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, nahmen an einer Konferenz am akademischen College Ashkelon teil. Alles, wie es sich gehört auf so einer Reise. Aber eine Absicht war noch nicht erkennbar.

Die wurde erst klar, als gesprochen wurde. Der Wiener Rechtsausleger Strache sagte, er teile viel mit dem „Burschenschaftler Theodor Herzl“, einem der Väter des Zionismus. Dann setzte er sich für das Existenzrecht Israels ein und kam zur Sache: Auch Israel sehe sich einer „islamischen Terrorbedrohung ausgesetzt, die mitten ins Herz unserer Gesellschaft zielt“. Anschließend besuchte man eine Siedlung im Westjordanland, um die Bedrohung durch die islamischen Palästinenser rundherum schaudernd nachzufühlen.

Da kommt die ideologische Absicht zum Vorschein. Als Grund auf der Reiseabrechnung ist hier einzutragen: Bildung und Stärkung einer internationalen anti-islamischen Front. Israel gilt den rechtsextremen Politikern heute als Vorposten des Abendlandes, der gegen den gemeinsamen Feind kämpft. Gern beschwört der Berliner Moscheenbekämpfer Stadtkewitz die „christlich-jüdische Tradition“ Europas. Eine Standardformel auch in diesen Kreisen.

Die europäische Rechte sieht Israel zunehmend als Gegen-Mekka. So eine Reise ins Heilige Land ist aus ihrer Sicht die Fortsetzung des Moscheenkampfes mit anderen Mitteln. Genau das brachte auch Geert Wilders jüngst wieder nach Israel. Dort rief er Israel auf, mehr, viel mehr Siedlungen zu bauen. „Unsere Zivilisation ist in Gefahr!“ Er warnte dringend davor, den Palästinensern Land zurückzugeben: „Sie werden dann mehr verlangen.“ Die Palästinenser im Westjordanland sollten nach Jordanien vertrieben werden.

Die europäischen Rechten haben in Israel ihre Fans: unter Siedlern, religiösen Extremisten, Rechtsparteien – kurz: unter den Ideologen der Ausgrenzung und Vertreibung. Während Wilders zu einer kleinen rechten Partei sprach, haben viele Israelis in Tel-Aviv laut protestiert. Ihnen ist unheimlich zumute angesichts dieser neuen Freunde ihres Landes. Sehr zu Recht.

Die Gefahr für Israel auf der internationalen Bühne – daran hat Präsident Perez jüngst noch einmal erinnert – ist eine zunehmende Isolierung und Delegitimierung. Sie ist eine Folge der jüngsten Kriege gegen Libanon 2006 und im Gaza-Streifen 2009 sowie der Blockade gegen Gaza. Ministerpräsident Netanjahus Torpedierung der Friedensgespräche mit den Palästinensern trägt dazu bei. Delegitimierung wird aber vor allem auch als Kampfstrategie gegen Israel eingesetzt: von afrikanischen und arabischen Staaten, von Iran, auch von einigen internationalen Nichtregierungsorganisationen.

Die Besuche der Rechtspopulisten sind die neueste und vielleicht hinterlistigste Attacke auf Israels Ansehen in jüngster Zeit. Rechte europäische Politiker, die von israelischem Boden zum Kampf gegen den Islam aufrufen: Nichts delegitimiert mehr als diese falschen Freunde. Der jüdisch-amerikanische Linksintellektuelle Noam Chomsky wurde im Mai dieses Jahres von israelischen Grenzposten an der Allenby-Brücke zu Jordanien zurückgewiesen. Es schadet Israel, wenn dieser Mann draußen bleibt, während Wilders & Co. solche Reden halten.



5 Kommentare

  1.   Piet

    Wobei man dazusagen muss, dass Chomsky die Einreise völlig zu Recht verwehrt wurde. Und dass die Deligitimations-Strategie rechter und linker „Israelkritiker“ nichts mit Siedlungsbau, aber viel mit Antisemitismus zu tun hat. Und dass nicht Netanjahu (alleinig) die Friedensgespräche „torpedierte“, sondern die arabische Seite die Gespräche abgebrochen hat (oder wurde während des vergangenen Siedlungsstopps nur nicht über Verhandlungen berichtet?).

    Der Haken ist nach wie vor der alte: Dass islamische Staaten nicht bereit sind, den jüdischen (!) Staat Israel anzuerkennen. Dass es bzgl. der großen Siedlungsblöcke einen Landtausch geben wird (und ein Baustopp zumindest dort völlig widersinnig ist), darüber sind sich beide Seiten im Prinzip einig. Alles andere ist Rhetorik, die der ungeschickten Forderung Obamas geschuldet ist.

    Darüber hinaus gebe ich Ihnen aber sehr recht: Die Vereinnahmung Israels für die Propaganda der teils rechtskonservativen, teils rechtsradikalen Politiker, die das Thema der notwendigen Kritik am extremistischen (!) Islam benutzen, um sich bürgerlich zu tarnen, ist unerträglich.

  2.   verachtetergutmensch

    Der Thread zu diesem Artikel ist ja schon geschlossen, 36 Seiten sind hauptsächlich von der Polemik geprägt, mit der die vom israelischen Außenministerium angestellten Internetkrieger ihre geifernden Angriffe losgelassen haben, immer getreu des „Haltet den Dieb“ Mottos, mit dem vom Thema abgelenkt und die Diskussion in die Irre geleitet werden soll.
    Erst im November berichtete die Haaretz, dass weitere (!!) 1000 Personen rekruiert werden sollen, um die Medien zu beeinflussen und der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut werden soll über die wahren Ziele und Methoden der israelischen Außenpolitik. Nachdem diese Taktik die USA schon seit Jahren in ein Land verwandelt hat, das in Sachen Nahost keine Souveränität mehr besitzt, sondern nur noch tut, was die AIPAC will, ist nun das ungezogene Europa an der Reihe, vermehrt unterwandert zu werden.
    Ich stimme mit dem Artikel deshalb auch nicht ganz überein, es handelt sich bei den genannten Rechtspopulisten und Rechtsradikalen, wie man sie auch im Internet auf Seiten wie „pi-news“ , Broders „Achse des Guten“ und „Reconquista-Europa“ ( ehemals „die grüne Pest“) direkt und verlinkt findet, nicht um Schleimer, die sich unter Vorspiegelung falscher Freundschaft an Israel heften, sondern um ehrliche Verbündete dieses Landes und seines politischen Mainstream.
    Von einem Militärputsch oder einer gewaltsamen Machtergreifung der Siedler einmal abgesehen, kann Israel wohl kaum noch tiefer sinken.

  3.   autor

    „unter Siedlern, religiösen Extremisten, Rechtsparteien – kurz: unter den Ideologen der Ausgrenzung und Vertreibung.“ – BITTE WAS?? Siedler sind „Ideologen der Ausgrenzung und Vertreibung“? Schon klar, die Juden sind selbst Schuld am Antisemitismus… Nein! Es heißt Israel, nicht Palästina! „Religösen Extremismus“ gibt es genausowenig wie irgendeinen anderen „Extremismus“… das hängt nämlich immer von dem Blickwinkel ab! Die Djihadisten, die jüdische Siedler umbringen, die können Sie gern als „Extremisten“ bezeichnen. Mit der Diffarmierung von jüdischen Siedlern als „Extremisten“/“Ideologen der Ausgrenzung und Vertreibung“ rechtfertigen Sie angriffe auf diese. Und die Angriffe finden nur aus einem Grund statt: Aufgrund des islamischen Antisemitismus!
    BTW: Vergleichen Sie nicht „Rechtsparteien“ in Israel und Nazi- oder Rechtspopulisten-Parteien in Deutschland!

    Der ganze Text trieft nur so von sekundärem Antisemitismus, wie ihn nur ein Deutscher zu Papier bringen kann…

  4.   Werner-21

    Im Gegensatz derjenigen Kommentatoren vorher war ich dieses Jahr in der Evagenlischen Akademie Bad Boll als Tagungs-Teilnehmer. Der Titel war: „Partner für den Frieden – mit HAMAS und Fatah reden“. Die Tagung war national und international in der Presse umstritten, da linksextreme Referenten zuhauf dabei waren. Auch Avraham Burg, langjähriger Sprecher der Knesset, Jerusalem war ein Referent. Und er der eine linksaussenstehende Einzelmeinung vertritt, sagte wörtlich mann müsse die Siedler in die Gespräche einbeziehen. Allerdings macht er sich bei unseren Linken sich damit keine Freunde, ist doch der Israeli nicht mehr der böse Täter und die Hamas der Gute. Dass die Islamkritiker wie unter anderem ich so für Israels Interessen eintreten liegt nicht am Holocaust, sondern daran daß die Linken grundsätzlich die Israelis als Täter betrachten und die Palästinenser als Opfer.

  5.   NDM

    Man kann Israelische Parteien auch ohne Vergleich mit den deutschen Rechten ablehnen, lieber „autor“-Kommentator. Selbstverständlich gibt es auch in Israel politischen und religiösen Fanatismus, nicht nur von Arabern. Es gibt ihn, wie es ihn überall auf der Welt gibt. Das ist jedoch eine innenpolitische Angelegenheit, und geht uns in Deutschland – gerade bezüglich der politischen Praxis – erstmal überhaupt nichts an.

    Dieses Thema ist in diesem Zusammenhang zudem völlig uninteressant, die Fanatiker, um die es hier geht, sind die Deutschen. Auch wenn der eine oder andere(es sind viel zu viele) Verschwörungstheoretiker/Antisemit in einem Anfall von überbordender Fantasie herauslesen oder hineininterpretieren möchte, dass Israel oder „chr, dä Joodn!“ bei dieser Doitschnationalen Aktion federführend beteiligt waren.

    Werner-21, Sie waren also auf einer Tagung, die betitelt war: „mit Hamas reden“? Sicher, es gibt viele linke und viele Rechte, die eine solche Idee gut finden – einige möchten auch gerne mit Ahmadinejad über eine „friedliche“ Lösung des Nahostkonfliktes reden. So zum Beispiel der „begnadete Islamkritiker“ Andreas Mölzer, der beim im Artikel angegebenen Treffen anwesend war. Hier mehr zu ihm:

    http://lindwurm.wordpress.com/2010/12/07/rechte-reise-nach-jerusalem/

    Andreas Mölzer war zB 2006 nach einer Visite bei den Teheraner Holocaustleugnern dermaßen abgestoßen, dass er sogleich, aus Protest natürlich, über sein Periodikum „Zur Zeit“ T-Shirts mit dem Konterfei von Mahmoud Ahmadinedjad und der Aufschrift „a world without zionism“ an seine bekanntermaßen extrem philosemitischen Leser verkaufte.

    Hier findet man dann auch noch Peter Fichtenbauer(FPÖ), einen engen Vertrauten von Strache, Ende 2009 im Iran:

    http://www.mehrnews.com/de/NewsDetail.aspx?NewsID=963234

    An der Stimmung auf den Bildern erkennt man, dass er den Vertretern des Irans eine zutiefst islamkritische Note hat zukommen lassen. Natürlich wurde dieser Besuch nicht medienwirksam angekündigt. Im Ernst. Martin Graf(FPÖ) sagte zum Thema, er habe kein Problem mit iranischen Muslimen, die in ihrem Land leben und auch dort bleiben.

    Hier zeigt sich also, was „Islamkritik“ tatsächlich heißt, wenn sie von Rechts kommt. Sie ist eine Luftnummer, sobald es um etwas anderes geht, als „Moslems raus“.

    Letztlich spiegelt sich bei diesen Reisen eine uralte Doppelstrategie der Rechten wider, die in folgendem Artikel recht gut umrissen ist. Erwähnenswert ist der letzte Abschnitt unter „„Vermischung“ ausgeschlossen“:

    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E7C1BAC908B384ADE9D9D5985FA1B8F65~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Nicht schockiert reagieren, dass es da um die NPD geht – diese formuliert im Gegensatz zu z.B. der FPÖ offen und ehrlich ihre Motivation.

    Den im Artikel erwähnten Zwiespalt zwischen rechter „Außenpolitik“, also dem Antizionismus(hierdurch legitimieren sie ihre Ahmadinejad- und Hamas-Fanclubs) und der innenpolitischen Feindschaft gegenüber „Orientalen“, die als „rassische Hauptträger“ des Islam betrachtet werden(hierdurch legitimieren sie ihre „Islamkritik“), versucht die deutsche Rechte z.Zt. zu lösen, indem der Antisemitismus vordergründig(!) hintenan gestellt wird. Was bei den Rechten hinter verschlossenen Türen geredet wird, kann man hier lesen:

    http://www.chronologs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/antisemitismus/2010-08-26/pro-deutschland-erfahrungsbericht

    Überhaupt könne man nicht frei auf Deutschland stolz sein, solange man „nicht einmal Israel kritisieren darf“, meint dann einer der Teilnehmer; dem fügt dann ein anderer hinzu: „Ja, gerade die Juden, die unter den Deutschen gelitten haben, machen jetzt das gleiche und wollen uns noch belehren!“ O-Ton PD-Bundesleitung: „So ist es.“

    Und was Ihre Behauptung, werter Werner-21, angeht, Linke sehen grundsätzlich Juden als Täter und Araber als Opfer, da muss Ich Sie leider enttäuschen. Tatsächlich wird dieses Thema innerhalb der Linken weit kontroverser diskutiert, als innerhalb der Rechten. Denn innerhalb der Rechten ist man sich über das „was“ überaus einig, lediglich über das „wie“ streitet man.

    Wenn Sie sich diese Datei anhören – das sind Linkslinke zu Sarrazin und dem Nahostkonflikt.
    http://www.gwg-koeln.org/texte/20101112b.mp3

 

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