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Brandanschlag auf Jugendzentrum in Salzwedel

 
Die Brandspuren an der Fassade des Jugendzentrums © Mobile Opferberatung

Zwei Tage vor einem Neonaziaufmarsch verübten vermutlich Rechtsextremisten einen Brandanschlag auf ein Jugendzentrum in Salzwedel. Opferberatungsstellen und Initiativen gegen Rechts zeigten sich entsetzt über den Angriff, bei dem die Täter offensichtlich auch vor der Gefährdung von Menschenleben nicht zurückschreckten.

„Aufgrund mehrerer rechter Angriffe auf das Zentrum in diesem und dem letzten Jahr ist von einem Zusammenhang mit dem Neonaziaufmarsch am Samstag in Salzwedel auszugehen“, sagte eine Sprecherin der Mobilen Opferberatung.

Die drei Brandsaätzen flogen gegen 1 Uhr an die Fassade des linken Zentrums „Kim Hubert“ in Salzwedel. „Zur Tatzeit befanden sich mehrere Personen im Gebäude, in dem von außen erkennbar Licht brannte.“ Die Beratungsstelle geht davon aus, dass die Angreifer Körperverletzungen und Gefährdung von Menschenleben bewusst in Kauf nahmen. „Nur durch Glück und umsichtiges Handeln der Anwesenden kam niemand zu Schaden, allerdings richteten die Brandsätze Schaden an der Fassade an.“ Eines der Molotowcocktails traf zwischen zwei Fenster und richtete dort Sachschaden an, die anderen schlugen unmittelbar vor dem Haus auf dem Bordstein auf – unweit eines leicht entflammbaren Haufens Plastikmüll, der an einer benachbarten Hauswand lehnte.

Neben einer adäquaten Strafverfolgung betont die Mobile Opferberatung die Notwendigkeit einer öffentlichen Anerkennung und Unterstützung alternativer, emanzipatorischer Jugend- und Subkulturen und ihrer Strukturen. Diese sei besonders notwendig, um Betroffene rechter Gewalt zu stärken.

Pascal Begrich, Geschäftsführer des Vereins Miteinander e.V., forderte als Konsequenz auf dne Anschlag ein Verbot des Aufmarsches: „Wir sind entsetzt angesichts der aktuellen Vorkomnisse und sehen dem Aufmarsch und dem damit zusammenhängenden Gewaltpotential mit großer Sorge entgegen. Wir fordern die Polizeidirektion als Versammlungsbehörde auf, die Konsequenz aus den Vorfällen der letzten Zeit zu ziehen und den Naziaufmarsch zu verbieten“

Linke Gruppen, Gewerkschaften und Parteien Mobilisieren unterdessen trotz des Angriffs weiter zu Blockaden gegen den rechten Aufmarsch am Samstag. Informationen zu den Protesten gibt es hier.

Das AZ wurde in den vergangenen 15 Monaten bereits viermal von Rechten angegriffen

2.2.2010
10 vermummte Personen stürmen während einer Infoveranstaltung zum Neonaziaufmarsch in Dresden in das gerade eröffnete AZ. Sie bedrohen und schlagen zwei Besucher der Veranstaltung, verwüsten den Infoladen und schmeißen einen Stuhl durch ein Fenster. Dem AZ drohen sie: „Wenn ihr nochmal so eine Scheiß-Veranstaltung macht, kommen wir wieder“.

11.11. 2010
Mindestens drei Neonazis werfen Steine gegen die Fassade und zerstören drei Fenster.

April 2011:
Ein Mann mit Neonazivergangenheit brüllt rechte Parolen und tritt die Tür des AZ ein.

April 2011:
Ein Neonazi versucht, die gerade reparierte Tür des AZ einzutreten und bedroht eine anwesende Person, die er gegen eine Wand drückt.

2 Kommentare

  1.   AB

    Ich verstehe nicht was in den Köpfen dieser, scheinbar nicht rational denkenden, Menschen vorgeht. Wieso sind sie nicht in der Lage sich freidlich zu versammeln? Es ist immer wieder erschreckend, dass Rechtsextremisten keine Scheu davor haben „über Leichen zu gehen“ nur um ihrem Gedankengut größt mögliche Aufmerkssamkeit zu verschaffen. Aufmärsche solcher Art gehören meiner Meinung nach verboten. Andererseits ist es womöglich für alle Beteiligten sicherer, wenn sie ihre stumpfsinnige Ideologie im öffentlichen Raum ausleben, statt in dunklen Ecken in denen sie unkontrollierbar sind. Man sollte den gewaltbereiten Rechten Aggressionsabbau-Zentren zur Verfügung stellen in denen sie ihre selbst gebastelten Molotowcocktails gegen Betonwände schmeißen können. Würde ihnen aber wahrscheinlich nur halb soviel Spaß machen, weil sie dabei keine Menschen gefährden könnten.


  2. […] Zwei Tage vor einem Neonaziaufmarsch verübten vermutlich Rechtsextremisten einen Brandanschlag auf ein Jugendzentrum in Salzwedel. Opferberatungsstellen und Initiativen gegen Rechts zeigten sich entsetzt über den Angriff, bei dem die Täter offensichtlich auch vor der Gefährdung von Menschenleben nicht zurückschreckten. weiter… […]

 

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