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Faschismus und Radikalfaschismus II – Ein Streitgespräch über Ernst Nolte

 

Vor 25 Jahren tobte in Deutschland der so genannte „Historikerstreit“ zwischen dem Historiker Ernst Nolte und dem Philosophen Jürgen Habermas über die Singularität von Auschwitz. Der Historiker Frank Sobich und Mathias Brodkorb führten unlängst ein Streitgespräch über zentrale Thesen Noltes, das aus diesem aktuellen Anlass in mehreren Teilen veröffentlicht wird. (Teil 2)

Brodkorb: Ich hatte nicht behauptet, dass der Staat im Faschismus nicht auch Mittel ist, sondern dass er im Nationalsozialismus nur das ist – was einen erheblichen Unterschied darstellt. Und ich hatte ebenfalls nicht behauptet, „dass der Rassismus im italienischen Faschismus zu Beginn keine Rolle gespielt hat“, sondern dass er a) im Unterschied zum NS idealtypisch verzichtbar wäre und b) historisch erst später „eine größere Rolle“ gespielt hat. Und zu Beginn eine geringere Rolle spielen ist nicht dasselbe wie gar „keine Rolle“ spielen.

Was ich aber nicht verstehe, ist, was Sie zum „politischen Pfeffer“ gesagt haben: „Häufig wird der Faschismus-Begriff benutzt, von Nolte, aber auch von leninistisch inspirierten Autoren, um nicht über die Besonderheit des Nationalsozialismus zu reden, die Shoa wird so zur Randnotiz.“ Ich kenne kaum einen Historiker, der so penetrant wie Nolte in allen seinen Schriften immer wieder die „Singularität“ des Holocaust betont – jüngst auch wieder umfangreich in seinem Islamismus-Buch. Selbst in seinem strittigen Aufsatz „Vergangenheit, die nicht vergehen will“ (1986) war sie neben der These vom „kausalen Nexus“ an prominenter Stelle präsent („daß sich trotz aller Vergleichbarkeit die biologischen Vernichtungsaktionen des Nationalsozialismus qualitativ von der sozialen Vernichtung unterscheiden, die der Bolschewismus vornahm“). Es war Jürgen Habermas, der im „Historikerstreit“ ohne jeden Textbeleg das gegenteilige Märchen in die Welt gesetzt hat, an das bis heute geglaubt wird. Deshalb muss ich fragen: Von welcher der Schriften Noltes reden Sie konkret, wenn Sie ihm oben zitierte politische Motivation zuschreiben?

Frank Sobich: Es ist nicht so interessant, ob jemand „singulär“ sagt oder nicht, sondern was er damit jeweils meint.

Nolte hat bereits 1980 einen einschlägigen Aufsatz verfasst. Darin nennt er den Terror der Bolschewiki – mal geht es um den Terror im Bürgerkrieg, mal um den Gulag, mal um die Praktiken von Tscheka und NKWD generell – das „Original“, und die Shoah die „Kopie“[1]. Die Wortwahl ist verräterisch, eine singuläre Kopie ist ein Oxymoron. Damit könnte ich es genug sein lassen, aber wenn wir jetzt schon den Historikerstreit diskutieren, dann richtig. Hr. Nolte schiebt dauernd Beteuerungen vor und nach, dass er die Shoah singulär findet. Wie verträgt sich das aber mit der Aussage aus dem Aufsatz von 1986, der dann u. a. den Historikerstreit ausgelöst hat, „all dasjenige, was die Nationalsozialisten später taten, mit alleiniger [sic!] Ausnahme des technischen Vorgangs der Vergasung” sei aus der Beschreibung des ‚roten Terrors’ bekannt? [2] Worin bleibt denn da der Platz für den immer von Nolte abstrakt erklärten, aber nie wirklich ausgeführten qualitativen Unterschied?

Im Aufsatz von 1980 zählt Nolte die Gründe auf, warum das Dritte Reich als negativ anzusehen ist. Er nennt als „ersten, stärksten und allgemeinsten Grund” den Zweiten Weltkrieg, als zweiten, dass es auf „geradezu groteske Weise altertümlich und reaktionär” wirke, an dritter Stelle wird dann unter „Gewalttaten”, die singulär seien, der Shoah ein herausgehobener Platz eingeräumt.[3] Offensichtlich eine recht drittklassige Singularität.

In dem Aufsatz von 1986 schreibt Nolte, kein Deutscher könne Hitler rechtfertigen wollen, „und wäre es nur wegen der Vernichtungsbefehle gegen das deutsche Volk vom März 1945.” [3] Die Shoah allein reicht augenscheinlich nicht, und ist auch nicht der stärkste Grund. Wären die Befehle vom März 1945 nicht gewesen, hätte man in Noltes Augen über so’n bisschen Rechtfertigung doch noch mal reden können, oder wie muss dies verstanden werden?

Und wie man das so macht, wenn man etwas sagen will, von dem man weiß, dass man es vielleicht besser nicht sagen sollte, referiert er als angebliche Überlegung anderer, die übermäßige Beschäftigung mit der Shoah lenke von anderen wichtigen Ereignissen in der NS-Zeit ab, „vor allem aber von entscheidenden Fragen der Gegenwart”[5] – im Jahre 1986 z. B. angebliche Völkermorde vorher in Vietnam und dann in Afghanistan und die Abtreibungsfrage. Es wird klar, dass dies in Wirklichkeit seine Position ist.[6] Jetzt mal kürzer nach hinten oder besser gleich nach nebenan und nach vorne gekuckt, sagt einer, dessen Metier die Geschichte ist — und es fällt ein bisschen schwer zu sagen, wie im Unterschied zu dieser Äußerung eigentlich der „Schlusstrich“ aussähe, den Nolte nach eigener Versicherung nie ziehen wollte.

Muss ich weitermachen? Soll ich jetzt noch so gewundene Äußerungen zitieren, wie z. B., „dass auch die SS-Mannschaften der Todeslager auf ihre Art Opfer sein mochten”?[7] Oder seine schöne Würdigung der Thesen des Rechtsextremisten David Irving, die Unterstützungserklärung für Großbritannien durch einen Repräsentanten des Jüdischen Weltkongresses rechtfertige die Internierung der jüdischen Bevölkerung als Kriegsgefangene? Alles schön im Konjunktiv gehalten, auch die Gegenargumente, und zum Schluss das Prädikat „beachtenswert“ – und zwar für den rechtsradikalen, apologetischen Schwachsinn von Irving.[8] Oder soll ich aktueller werden und seine Lobrede auf Hr. Hohmanns irrlichternden Unfug zum Thema Kollektivschuld zitieren?[9]

Was heißt hier also „Märchen“? Noltes Beteuerungen, er halte die Shoah ja auch für singulär, bleiben abstrakt und unausgeführt, hin und wieder liest man etwas über die „biologischen [sic!] Vernichtungsaktionen“, die sich als irgendwie anders erweisen würden, als die „soziale Vernichtung“, sofern man es untersuchen würde[10] . Bis dahin wird klein geredet, anderes in den Vordergrund gepackt und vor allem verglichen, was das Zeug hält, bis eigentlich nur die „fabrikmäßige Vernichtung“[11] als eigentliche Singularität bleibt. Und das ist eine Singularität, die nichts Qualitatives hat und die Betonung der Schrecklichkeit der Shoah hat in Noltes Ausführungen immer eher den Charakter des Pflichtprogramms, das abgedudelt wird, bis er zum eigentlichen Kern kommen kann: Dem Kleinreden.

Ob Hr. Nolte es subjektiv ehrlich meint und nur die Widersprüche nicht sieht oder ob das Betonen der Singularität die spanische Wand ist, hinter der er umso ungehemmter einer deutschnationale Geschichtsrevision nachgehen kann, vermag ich nicht zu beurteilen.

Was ich beurteilen kann, ist das Folgende: Nolte hat wenig bis keine Ahnung vom Antisemitismus im deutschen Kaiserreich, dessen eliminatorische Tendenz auch damals schon zu bemerken war und auch bemerkt wurde – aber nicht ernst genommen wurde, weil er keine vorstellbare politische Konsequenz war. Nolte interessiert sich nicht für die antisemitische Geschichte des Kaiserreichs, für die Gewalt des I. Weltkriegs, für die Brutalität der kaiserlichen Kolonialkriege und des weißen Freikorps-Terrors nach 1919. Er begreift nicht, dass der Nationalsozialismus v. a. als radikaler Nationalismus zu verstehen ist und dass sich alles andere daraus erklären lässt und dass dieser radikale Nationalismus die wesentliche Gemeinsamkeit aller Faschismen ist. Das wundert mich nicht, denn seine Anstrengungen in Sachen Geschichtsrevisionismus sind selber nationalistisch motiviert.

Sie werden jetzt sicherlich besser verstehen, warum ich so empört darauf reagiert habe, als Ihre Website mich in den Zusammenhang mit Nolte rückte, und wie widerwärtig es für mich ist, wenn irgendwelche Neurechten plötzlich der Ansicht sind, ich sei wohl ein zitationsfähiger Gesinnungsfreund von ihnen.

Wenn ich sage, dass die Quintessenz aller Faschismen, auch des Nationalsozialismus, radikaler Nationalismus ist, dann denke ich, wird klar, warum die Frage, ob der italienische Faschismus auch ohne Rassenbiologie denkbar wäre oder nicht, unfruchtbar ist. Der Großteil der faschistischen Bewegungen war wesentlich blut- und bodenständiger als der italienische. Aber selbst dieser, der in seiner Anfangszeit mit dem Mythos-Konzept laborierte, also die Nation für etwas von Menschen Geschaffenes und nicht als biologische oder kulturelle Gegebenheit ansah, war mit dem rassistischen Weltbild kompatibel.

Und das wundert mich auch nicht besonders. Ideologien sind nicht kohärent, und es gibt keine notwendigen Implikationen aus den Grundannahmen. Der Schluss, wer das und das denkt, müsste auch dies und jenes denken, funktioniert nicht. Genauso wenig leider, wie wer das und das denkt, könne dann doch wohl nicht dies und jenes denken. Es lassen sich bei bestehenden Theorien rekonstruieren, wie jemand auf bestimmte Gedanken gekommen ist, mehr aber leider nicht.

Biologistische Argumentationsmuster sind zudem nur eine Variante essentialistischer Argumentationen. Sind radikale Nationalisten erstmal vom unumkehrbar „volksschädlichen“ Wesen einer Gruppe überzeugt, ist es eigentlich egal, ob sie den angeblichen Charakter auf die Rasse, das Blut, das Keimplasma, die DNS, die Hormone oder auf die Mentalität, die Kultur, den Volksgeist und den Nationalcharakter zurückführen, das sind ja alles nur Chiffren für die weitgehende Unwandelbarkeit des Wesens der entsprechenden Gruppe. Der eliminatorische Charakter entspringt nicht aus seiner rassenbiologischen Begründung, sondern aus der antisemitischen Projektion von Allmacht und Vernichtungsabsicht.

Brodkorb: Ich muss gestehen: Mit Kategorien wie „empört“ und „widerwärtig“ kann ich im wissenschaftlichen Kontext wirklich nicht viel anfangen. Um es einmal polemisch zu sagen: Unter einem Seminar über „Hermeneutik und Wissenschaftsmethodologie in der historischen Wissenschaft“ kann ich mir etwas vorstellen, unter einem Seminar mit dem Titel „Von der Kunst der Empörung und des Angewidertseins bei Wissenschaftlern – Einführung“ gar nichts. Was mich aber wirklich staunen macht, ist die Tatsache, wie vehement, absolut und dezidiert Sie über Nolte urteilen, das Ganze auch noch in 11 Fußnoten verpacken, aber dabei lediglich auf zwei kurze Texte aus einem einzigen Dokumentationsband Bezug nehmen, die kaum 30 Seiten umfassen – wenn wir einmal den Text zu Hohmann außer Acht lassen, über den Sie zwar urteilen, auf den Sie argumentativ aber ja gar nicht eingehen. Was das im Rahmen des Gesamtwerks Noltes heißt, muss kaum betont werden: Man nähert sich dem Promillebereich.

Ist eine „singuläre Kopie“ wirklich zwingend ein Oxymoron? Mitnichten! Ich kann mir jemanden zum Vorbild nehmen, ihn kopieren und bei dieser Kopie dennoch eine Radikalisierung erreichen, die zu einer neuen, singulären Qualität führt. Dieser Gedanke enthält an keiner Stelle einen logischen Widerspruch. Sie gestehen zu, dass Nolte zwar von „Singularität“ spricht, behaupten aber, dass er das gar nicht wirklich so meine. Und zwar aus zwei Gründen: a) weil bei Nolte die Singularität „unausgeführt“ bleibe, er in Wahrheit gar nicht über Singularität nachdenke, sondern diese vielmehr „kleinreden“ wolle und b) weil der „eliminatorische Charakter“ – was offenbar Sie für das Singuläre an Auschwitz halten – „nicht aus seiner rassenbiologischen Begründung (was Noltes Position ist, M. B.), sondern aus der antisemitischen Projektion von Allmacht und Vernichtungsabsicht“ resultiere. Und eben genau dies passt nicht zusammen: Sie können Nolte nicht zugleich vorwerfen, er sei in Wahrheit gar kein Singularitätstheoretiker (also nicht an Auschwitz als einem singulären Phänomen interessiert) und irre sich dennoch über den Charakter der Singularität von Auschwitz. Denn Letzteres kann nur der Fall sein, wenn Ersteres nicht der Fall ist.

Tun wir doch einmal so, als nähmen Sie Noltes Argumente ernst, hielten sie aber einfach für falsch. Dann mag es ja sein, dass Ihnen das eine oder andere mangelhaft ausgeführt erscheint. Aber reicht das schon hin, einem Wissenschaftler zu unterstellen, er habe in Wahrheit vor, den „nationalsozialistischen Antisemitismus kleinzureden“? Was meinen Sie, wie viele Wissenschaftler aus meiner Sicht Dinge „unausgeführt“ lassen? Übertrüge man diese Logik auf unseren Disput, müsste ich Ihnen entgegnen: „Herr Sobich, die Begründung für Ihre Behauptung, dass Sie sich nicht an den Faschismus-Begriff Noltes anlehnten, scheint mir doch sehr unausgeführt. Das spricht doch eher dafür, dass Sie in Wahrheit Nolte näher stehen, als Sie zugeben wollen. Sie reden Ihre Gemeinsamkeiten bewusst klein.“ Mit Wissenschaft hätte das gewiss nicht mehr viel zu tun.

Ich stimme Ihnen übrigens ausdrücklich darin zu, dass Nolte sich irrt, wenn er das Singuläre im Biologischen fundiert sehen will, jedenfalls dann, wenn diese Singularität qualitativ etwas Außerordentliches darstellen soll. Dies aber vor allem deshalb, weil sich Nolte damit selbst einer metabasis eis allo genos schuldig macht, die er sonst den Nazis vorwirft. Nolte argumentiert ja nicht auf der Ebene historischer Faktizität, sondern derjenigen ideologischer Potenzialität: „Allerdings halte ich nach wie vor daran fest, daß die nationalsozialistische Vernichtung am Ende ‚schlimmer’ war, weil ein anderer Zusammenhang gegeben war: Hier wurden Menschen aufgrund ihrer biologischen oder ethnischen Qualitäten vernichtet, während sie im Idealtyp der marxistischen Revolution eigentlich nur auf ihre ursprüngliche Gleichheit – gegen die sie gleichsam verstoßen hatten, insofern sie zur herrschenden Klasse gehörten – zurückgebracht werden sollten. Im Prinzip hätte es also auch ohne Todesopfer abgehen können.“ „Im Prinzip hätte es…” – ist es aber nicht! Beim Singularitätsstreit geht es nicht um die theoretische Potenz von Ideologien, sondern um die Realität historischer Ereignisse. Aus dem, was theoretisch hätte sein können, lässt sich nichts oder zumindest nicht genug über die Qualität desjenigen schlussfolgern, was sich tatsächlich ereignet hat. In Stalins Sowjetunion war es für die metaphysisch schuldig erklärten Kulaken ebenso unmöglich ihrem tödlichen Schicksal zu entrinnen wie für die Juden im Dritten Reich. Eine biologische „Ethnizität“ lässt sich eben genauso hermetisch halluzinieren wir die kulturelle etc. Nur: Warum muss man Nolte deshalb unterstellen, ein Nationalist zu sein und in Wahrheit an der Verharmlosung von Auschwitz zu basteln?

Eigentlich wollte ich Sie noch fragen, ob es wirklich so falsch von mir war zu behaupten, dass Sie sich an Nolte „anlehnen“ – was ja nicht dasselbe ist wie die These, Sie dächten dasselbe wie Nolte. Ihre Faschismus-Definition lautete: „Was allen Faschismen gemein ist, ist dass sie antidemokratisch, antiliberal und antikommunistisch sind (…)“ Noltes berühmte Faschismus-Definition von 1963 reduziert sich auf die Kernthese, dass Faschismus „Antimarxismus“ sei. Vor diesem Hintergrund macht es dann wirklich Sinn, wenn Nolte mit Blick auf den NS von einem „Radikalfaschismus“ spricht, denn dieser spitzt den Antikommunismus – im Unterschied zum Faschismus – bis zum Äußersten zu und amalgamiert ihn mit einem auf Vernichtung abzielenden Antisemitismus. Später hat Nolte dann von einem „faschistischen Minimum“ gesprochen und dazu folgende Merkmale gezählt: „Antimarxismus, Antiliberalismus, Führerprinzip, Parteiarmee, tendenzieller Antikonservativismus, Totalitätsanspruch“. Ich will nun nicht verschweigen, dass Ihre Definition sehr viel mehr Bestandteile enthält als soeben von mir zitiert, aber wesentliche inhaltliche Übereinstimmungen sind einfach vorhanden.

Aber ich verstehe nun zumindest, warum Sie sich so vehement dagegen verwahren, sogar mit dem frühen Nolte in Verbindung gebracht zu werden, der ja selbst von Wehler für seine Thesen hoch geschätzt wurde, obwohl sie im Kern bereits dasselbe aussagten wie dasjenige, wofür Nolte später zum Paria der historischen Wissenschaft erklärt werden sollte – zumindest in Deutschland. Nolte ist für Sie – und gewiss nicht nur für Sie – ein Verharmloser von Auschwitz, so etwas wie ein Proto-Nazi. Dieses Urteil jedoch basiert vor allem auf Interpretationen und Projektionen, jedoch kaum auf am Gesamtwerk Noltes belegten Fakten. Und nun entsteht gewiss ein großes Problem: Was würde jemandem wohl im Wissenschaftsbetrieb widerfahren, dem man nachsagen könnte, sich an einen angeblichen Proto-Nazi „anzulehnen“? Die Antwort muss man gar nicht geben. Ich habe daher größtes Verständnis für Ihre kraftvollen, nicht zum Wissenschaftsvokabular gehörenden Worte wie „empört“, „widerwärtig“ etc. Sie sind Versicherungen gegen den „politischen Pfeffer“, der in der ganzen Debatte steckt. Aber sollte das nicht das eigentlich Beunruhigende sein? Dass der „politische Pfeffer“ in den real existierenden Wissenschaften eine Wirkmächtigkeit erreicht zu haben scheint, die eben dieser das hermeneutisch faire Salz in der Suppe raubt? Was ist eine Wissenschaft eigentlich noch Wert, die sich zunehmend nicht mehr in erster Linie der Suche nach der Wahrheit, sondern der Konformität gegenüber außerwissenschaftlichen Ansprüchen verpflichtet fühlt?

Sobich: Ich sage, die Quintessenz aller Faschismen sei Nationalismus, ich wüsste nicht, wo Hr. Nolte das sagt. Die Definition, die Sie mir unterschieben wollen, ist keine, sondern erstmal eine oberflächliche Beschreibung der Gemeinsamkeiten. In der bin ich mir mit Hr. Nolte einig, meiner Erinnerung nach auch mit Hr. Dimitroff und mit Hr. Goldhagen. Ob ich mich an die auch alle anlehne?

Da Sie Geständnisse ablegen, muss auch ich etwas gestehen: Ich hätte mir als aller erstes von Ihnen das Zugeständnis gewünscht, dass Ihre These vom beleglosen Märchen, an das immer noch geglaubt wird, nicht haltbar ist. Wäre Sie es, könnten sie mir ja nicht die Über- oder Fehlinterpretation von Ihrer Meinung nach randständigen Quellen vorwerfen.

Die Fehlinterpretation werfen Sie mir vor, weil Sie den Gegenstand wechseln. Wir reden nicht davon, was beim Kopieren alles schief gehen kann, sondern es geht um das Produkt einer gelungenen Vervielfältigung, nämlich einer Kopie. Und eine singuläre Vervielfältigung ist ein hölzernes Eisen, und alles andere ist sophistische Wortakrobatik. Die deutsche Sprache verfügt über viele Wörter, mit denen sich Nuancen gut ausdrücken lassen und Herrn Noltes Schriften zeigen, dass er über diese Fähigkeit auch verfügt. Er wird schon wissen, warum er nicht „Nachahmung“ oder „überschießende Antwort“ schreibt, sondern von „Original“ und „Kopie“. Richtiger wäre der zu Grunde liegende Gedanke damit übrigens nicht geworden. Wie er die Shoah kleinzureden sucht, habe ich nun wirklich erschöpfend belegt, das wiederhole ich nicht.

Kommen wir zu Ihrer Quellenkritik. Woraus habe ich zitiert? Aus zwei unabhängig voneinander entstandenen Aufsätzen, zwischen deren Erstveröffentlichung sechs Jahre lagen, die also keine bedeutungslose Momentaufnahme sind. Diese Texte sind später mit Zustimmung des Autors, wenn nicht sogar von ihm ausgewählt, in einem Sammelband mit Schlüsseltexten zu der Kontroverse, über deren Thema wir reden, erneut veröffentlicht worden. Der Autor hatte Gelegenheit zu Anmerkungen, die von ihm auch genutzt wurden, aber nicht um seine Argumentation in irgendeiner Weise abzuschwächen. Auch in den anderen Beiträgen von Hr. Nolte in diesem Sammelband ist dies nicht zu entdecken; mir wäre nicht bekannt, dass Hr. Nolte jemals wesentliche Aussagen dieser Aufsätze zurück genommen hätte, in der Vorrede seiner Webseite verweist er sogar noch einmal auf den Aufsatz explizit (Stand 27. 4. 2010). Beide Texte sind zudem einem breiteren Publikum zugänglich gemacht worden (Veröffentlichung in der FAZ), auch das wohl nicht gegen den Willen des Autors, sondern weil er auf die Öffentlichkeit wirken wollte. Und durch die Debatte sind es vermutlich die am häufigsten außerhalb der Fachwissenschaft rezipierten Texte des Autors. Ich fürchte, Ihre Quellenkritik mit Taschenrechner und Waage (Promillebereich) ist nicht wirklich aussagekräftig – im Gegensatz zu den beiden von mir zitierten Texten. Die reichen als Hinweis, warum Menschen mit gutem Grund Hr. Nolte vorwerfen, die Besonderheiten des NS kleinzureden.

Meine Formulierung, er rede nicht über diese Besonderheiten, war übrigens unpräzise, das muss ich einräumen. Er tut das schon, aber zum Zweck der Neutralisierung des Schreckens und der Relativierung.

In Ihrer ganzen Antwort folgen Sie den platt getrampelten Pfaden des Historikerstreits. Es war ein geschickter Schachzug der Konservativen, ihren Gegnern anzudichten, sie wären unwissenschaftliche und unsachliche Ideologen, damit lenkten sie nämlich von ihrer eigenen, ganz und gar nicht wissenschaftlichen, sondern politischen Intention ab. Angriff ist eben die beste Verteidigung, auch wenn die politischen Intentionen so offen selbst zu Protokoll gegeben werden, dass völlig klar wird, dass hier nicht ein paar objektive, der lauteren Wahrheit verpflichtete, gänzlich unpolitische rechtschaffene deutsche Historiker von böswilligen, dilettantischen Agitatoren blindwütig verleumdet werden.

Jetzt werfen Sie mir vor, Wörter zu benutzen, die in einen wissenschaftlichen Kontext nicht hineingehören. Hand aufs Herz, ich hätte Ihre Webseite bisher als ein politisches Projekt betrachtet und unsere Diskussion auch als eine politische über die Implikationen, Funktionen und Wirkungen wissenschaftlicher Modelle und Theorien. Auf dem Weg zum virtuellen Hauptseminar hat Ihre Webseite jedenfalls noch einen langen, harten Weg vor sich und der Ableitung Ihres Engagements gegen „rechts“ aus der Wissensmethodologie und der Hermeneutik sehe sicherlich nicht nur ich erwartungsfroh entgegen.

Ich habe nirgendwo Emotionalität als notwendige Voraussetzung wissenschaftlichen Arbeitens oder als Königsweg historischer Erkenntnis dargestellt, insoweit läuft Ihre Polemik ziemlich ins Leere.

Aber ich will damit nicht hinter den Berg halten: Ich beschäftige mich mit dem Nationalsozialismus und dem Faschismus überhaupt, weil ich empört über die Taten bin und die Theorien mir widerwärtig sind, und ich auch sagen würde, dass die Taten aus der Theorie folgen. Damit sich dieses nicht wiederholt, muss ich möglichst richtiges Wissen über den NS und den Faschismus überhaupt haben, und schon darum sollten mir meine politischen Überzeugungen und auch meine Gefühlsregungen nicht dazwischen pfuschen — und das wird kaum gehen, wenn ich nicht auf sie reflektiere und sie auch verbalisiere. Was Anderen dann auch Gelegenheit zu kritischer Überprüfung gibt, aber natürlich auch leicht als Einladung zu pauschaler Ablehnung genutzt werden kann.

Wenn sich mir hingegen jemand als Hohepriester reiner Wissenschaft, der ja nur ganz unschuldig und voraussetzungslos fragt und forscht, geriert, dann gehen bei mir alle ideologiekritischen Antennen auf Empfang. Gerade weil ich einen ganz altbackenen Wahrheitsanspruch an Wissenschaft habe, will ich, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf reflektieren, was dem entgegenstehen könnte, was eventuell zeitbedingt ist usw. Historiker/innen sind doch auch Kinder ihrer Zeit, die Methoden, die sie auf andere anwenden, müssen sie eben auch auf sich selbst anwenden. Das ist wünschenswerte Selbstreflexion.

Ich stimme Nolte explizit zu, dass mögliche unerwünschte politische Folgen kein Argument für die Unterdrückung von Forschungsmethoden und -ergebnissen sein dürfen. Das aber kann keine Entschuldigung dafür sein, Überlegungen über die mögliche Verwendung der eigenen Forschungsergebnisse als nicht zur Sache gehörig beiseite zu schieben.

Das hat alles mit Hr. Nolte herzlich wenig zu tun, weil er bei den beiden Interventionen ja keine neuen Ergebnisse oder Quellen vorgelegt hat, sondern durch eine spekulative Überdehnung einer bekannten, aber nicht zentralen Quelle aus politischen Motiven die Geschichtskultur der Bundesrepublik Deutschland verändern wollte. Dass es sich um eine geschichtswissenschaftlich verbrämte, in Wirklichkeit geschichtspolitisch motivierte Intervention handelte, wird durch die Texte deutlich. Das gefällt mir als Geschichtsdidaktiker schon mal prinzipiell nicht.

Zusätzlich finde ich aber auch noch die Intention von Hr. Nolte verwerflich. Nein, man kann über die Shoah nicht so schreiben und reden wie über Gemüseanbau in Altbabylonien; nicht solange die gesellschaftlichen Voraussetzungen, die Auschwitz möglich gemacht haben, weiterbestehen und schon gar nicht in einem Land, in dem man auf jedem größeren Flohmarkt noch den Nachlass der so genannten Judenauktionen angeboten kriegt, nicht in einem Land, in dem der Antisemitismus wegen Auschwitz weiter virulent ist, nicht in einem Land, in dem sich zwar alle überinformiert über die Nazi-Zeit fühlen, aber der Großteil der Bürger gerade mal weiß, dass Hitlers Schäferhund „Blondie“ hieß, mit dem Wort „Sobibor“ hingegen nichts anfangen kann.

Das ist keine Aufforderung zu Ideologieproduktion und auch nicht, damit wir uns nicht missverstehen, zur Emotionalisierung, die ich als Methode der politischen Bildung für kontraproduktiv halte und die m. E. auch dem Überwältigungsverbot entgegensteht. Der „begriffslose Schrecken“, den manche für die einzig angemessene Form der Beschäftigung mit der Shoah halten, nützt nichts und bringt auch nicht mehr als folgenlose Betroffenheit hervor. Aber Reflexion auf gesellschaftliche Wirkung und nötigenfalls auch Schutzmaßnahmen gegen politische Ausbeutung, das muss jeder Wissenschaftler, jede Wissenschaftlerin tun. Unter dem Gesichtspunkt betrachtet ist das fröhliche Achselzucken von Hr. Nolte über mögliche „Gedankenlosigkeit und Selbstzufriedenheit“ genauso aufschlussreich wie seine Interviews mit der „Jungen Freiheit“.

Für einen Proto-Nazi halte ich ihn nicht, Nolte will, soweit man das seinen Schriften entnehmen kann, weder einen Faschismus italienischer oder sonstiger Machart, und schon gar keine Neuauflage des Nationalsozialismus. Berührungsängste gegenüber dem ultrarechten Spektrum hat er freilich nicht. Die Shoah zu verharmlosen, habe ich ihm nicht vorgeworfen, sondern dass er ihre Bedeutung klein redet – da sehe ich doch einen Unterschied, auch wenn das eine auf das andere hinauslaufen kann.

Ich bin in Sachen Polemik kein Kind von Traurigkeit und eben auch nicht so zart besaitet wie die Konservativen im Historikerstreit. Deswegen kann ich über Ihre Unterstellung, ich wollte mich wohl karriereförderlich an den Zipfel des angeblich linksliberalen Mainstreams hängen, statt mannhaft hermeneutisch Nolte in das wissenschaftliche Eremitendasein zu folgen, breit grinsen.

Es mag für Sie unvorstellbar sein, aber Sie liegen mit Ihrer psychologischen Spekulation falsch und ich halte das, was ich sage und schreibe, tatsächlich für mehr oder minder richtig. Der ominöse „außerwissenschaftliche Anspruch“ hat sich bisher nicht bei mir gemeldet, weder mit einem anständigen Bestechungsversuch noch mit einer angsteinflößenden Drohung. Sobald sich das ändert, werde ich Sie umgehend informieren und freue ich mich auf Ihre Solidarisierung natürlich schon jetzt.

Brodkorb: Nun, über Ihre außerwissenschaftlichen Motivationen haben Sie ja gerade beredt und deutlich Zeugnis abgelegt („nicht in einem Land…“). Wenn man aber über die Shoah nicht schreiben kann wie „über den Gemüseanbau in Altbabylonien“, müsste man dann nicht hinzufügen, dass es auch die Opfer des Gulags verdient hätten, dass über sie nicht geschrieben wird wie „über den Gemüseanbau in Altbabylonien“? Und wenn ja: Würde man dann dadurch die Shoah „kleinreden“? Nolte jedenfalls hat weder das eine noch das andere getan. Damit ob all der vielen Worte nicht vergessen wird, um welche simple Sache es eigentlich geht: Sie wollen nicht in die Nähe von Nolte gerückt werden, weil dieser angeblich die Shoah „kleinredet“. Dazu schreiben Sie: „Er wird schon wissen, warum er nicht ‚Nachahmung‘ oder ‚überschießende Antwort‘ schreibt, sondern von ‚Original‘ und ‚Kopie‘.“ Sehen wir uns doch einmal die von Ihnen herangezogene Stelle an. Nolte schreibt:

„Auschwitz resultiert nicht in erster Linie aus dem überlieferten Antisemitismus und war im Kern nicht ein bloßer ‚Völkermord‘, sondern es handelte sich vor allem um die aus Angst geborene Reaktion auf die Vernichtungsvorgänge der Russischen Revolution. Diese Kopie war um vieles irrationaler als das frühere Original (denn es war einfach eine Wahnvorstellung, daß ‚die Juden‘ jemals die Vernichtung des deutschen Bürgertums oder gar des deutschen Volkes gewollt hätten), und es fällt schwer, ihr auch nur ein pervertiertes Ethos zuzugestehen. Sie war entsetzlicher als das Original, weil sie die Menschenvernichtung auf eine quasi industrielle Weise betrieb. Sie war abstoßender als das Original, weil sie auf bloßen Vermutungen beruhte und nahezu frei von jenem Massenhaß war, der innerhalb des Schrecklichen immerhin ein verständliches und insofern versöhnendes Element ist. Doch all das begründet zwar Singularität, ändert aber nichts an der Tatsache, daß die sogenannte Judenvernichtung des Dritten Reiches eine Reaktion oder verzerrte Kopie und nicht ein erster Akt oder das Original war.“

Bei aller Rede von „Kopie“ und „Original“ lässt Nolte also von Anfang an keinen Zweifel daran, dass er Auschwitz für singulär hält. Gelten „entsetzlich“ und „abstoßend“ nun schon als Verniedlichungen? Nach der hermeneutischen Methode würde man wohl aus dem Kontext schließen müssen, dass Nolte die Worte „Kopie“ und „Original“ nicht so gebrauchen kann, wie es Ihnen auf den ersten Blick scheint. Sie hingegen machen es genau umgekehrt: Sie unterstellen Nolte ein bestimmtes Verständnis von „Kopie“ und „Original“, das Sie textlich nicht einmal belegen, um damit den Ihrer Interpretation entgegenstehenden Kontext zu entwerten. Wenn man den letzten Satz jedoch unbefangen und im Gesamtkontext interpretiert, kann man m. E. nicht zu einer sehr viel anderen Schlussfolgerung kommen als jener, dass es sich hier um explikative Optionen handelt. Mit „Kopie“ meint er also eigentlich „verzerrte Kopie“ (und eben kein Duplikat) und mit „Original“ so etwas wie den „ersten Akt“, also etwas zeitlich zuvor Geschehenes, an dem sich zugleich in gewisser Hinsicht mimetisch orientiert wird.

Offenbar würden Sie Noltes „verwerfliche Intention“, die Sie durch Ihre Ausführungen außerdem für „erschöpfend“ bewiesen halten, anders beurteilen, wenn er nicht von „Kopie“, sondern „Nachahmung“ oder von „überschießender Antwort“ gesprochen hätte. Das jedenfalls deuteten Sie an. Aber auch das hat Nolte getan, was jedoch voraussetzt, dass Sie seine eigentlichen ausführlichen Studien zur Kenntnis nehmen und nicht nur Noltes „Reader’s Digest“. In „Der kausale Nexus“ (2002) nennt er den Nationalsozialismus eine „Nachahmung“ des Kommunismus – allerdings eine „artifizielle“. In „Der Nationalsozialismus“ (1970) spricht er beim Kampf gegen den Marxismus von einer „übertreffenden Nachahmung“, was von einer „überschießenden Antwort“ nicht ganz weit entfernt ist. Und in dem Buch „Der Europäische Bürgerkrieg 1917-1945“ (1987), dessen Kurzfassung in der FAZ den Historikerstreit überhaupt erst ausgelöst hat, betrachtet er den Nationalsozialismus als „Antwort auf die kommunistische Herausforderung“. Und dann schreibt er den wahrscheinlich aus Ihrer Sicht ganz paradoxen Satz: „Aber von früh an hatte diese Antwort auch Merkmale einer Kopie, wie sich schon in der bloß abwandelnden Übernahme des roten Fahnentuches zeigte.“ Doch daran ist eben nichts Paradoxes: Für Nolte war der Nationalsozialismus eine Reaktion, eine Antwort auf den Bolschewismus, die sich diesen zumindest an bestimmten Punkten dennoch zugleich zum „Vorbild“ (ein Wort, das Nolte neben „Schreckbild“ statt „Original“ ebenfalls verwendet) genommen und ihn dabei dennoch überboten hat. Allerdings hätte man soweit gar nicht gehen müssen. Denn der von Ihnen herangezogene Aufsatzband enthält nicht nur zwei, sondern drei Aufsätze von Nolte. Im bisher unerwähnten dritten Aufsatz spricht er natürlich davon, dass Auschwitz eine „Antwort“ auf den Archipel Gulag sei, allerdings eine durch „Interpretation vermittelte Antwort“ – und zwar durch die falsche Interpretation, es gäbe so etwas wie einen „jüdischen Bolschewismus“.

Noch etwas interessanter ist aber der „Bürgerkrieg“: Ein paar hundert Seiten nach der bereits zitierten Stelle löst Nolte sogar wortwörtlich die von Ihnen geforderte Rede vom „Überschießenden“ ein, wenn er feststellt, „daß der nationalsozialistische Antibolschewismus eine verstehbare und in bestimmten Grenzen sogar berechtigte, aber eben überschießende und in diesem ihrem Überschießen inadäquate Reaktion war.“ Wenn Sie nun nicht „überschießende Antwort“ und „überschießende Reaktion“ für völlig inkommensurable Dinge halten, sagt Nolte also genau das, was Sie fordern, um sich gerade nicht des Kleinredens der Shoah schuldig zu machen. Und diese Tatsache erzwingt die einfache Frage: Hat nicht auch Nolte den Respekt verdient, dass man sich nur dann dezidiert und „erschöpfend“ über ihn äußert, wenn man seine Schriften auch gelesen hat? Das eigentliche Problem an Noltes Thesen ist doch eher die Behauptung, dass Auschwitz eine „in bestimmten Grenzen sogar berechtigte“ Reaktion gewesen sei. DAS würde in der Tat eine „Empörung“ rechtfertigen, weil es ein Einfallstor für den Antisemitismus darstellt und mich wundert, dass Sie nicht an dieser Stelle des Werkes Noltes mit aller Vehemenz sagen, was fraglos zu sagen wäre.

Ende Teil 2

Endnoten:

[1] “Die Kopie war um vieles irrationaler als das frühere Original… sie war entsetzlicher als das Original … sie war abstoßender als das Original … doch all das begründet zwar Singularität , ändert aber nichts an der Tatsache, daß die sogenannten [sic!] Judenvernichtung des Dritten Reichs eine Reaktion oder verzerrte Kopie und nicht ein erster Akt oder das Original war”. (Nolte, Ernst: Zwischen Geschichtslegende und Revisionismus?. Das Dritte Reich im Blickwinkel des Jahres 1980. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 32/33.)

[2] Nolte, Ernst: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 45.

[3] Nolte, Ernst: Zwischen Geschichtslegende und Revisionismus?. Das Dritte Reich im Blickwinkel des Jahres 1980. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 14/15.

[3] Nolte, Ernst: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 42/43.

[5] Nolte, Ernst: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 41.

[6] Die Frage, ob in diesen Überlegungen nicht ein “Kern des Richtigen” in diesen Überlegungen steckt ist offensichtlich rhetorischer Natur.

[7] Nolte, Ernst: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 42.

[8] Nolte, Ernst: Zwischen Geschichtslegende und Revisionismus?. Das Dritte Reich im Blickwinkel des Jahres 1980. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 24/25.

[9] http://www.ernst-nolte.de/Vortrage/Vortrage_Hohmann/Der_Fall_Hohmann.pdf eingesehen am 23.4.2010, 11:00.

[10] Nolte, Ernst: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 45.

[11] Nolte, Ernst: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte. In: “Historikerstreit”, Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München: Piper 19875, S. 40