Lesezeichen
‹ Alle Einträge

Tödliche Realitäten in Sachsen

 

Im Juli 2009 wurde Marwa El-Sherbini in Dresden aus rassistischem Hass ermordet. Jetzt erinnert ein Sammelband der Opferberatung des RAA Sachsen e.V. an die abscheuliche Tat und reflektiert die politischen wie gesellschaftlichen Reaktionen. Gleichzeitig werden jene Zustände beschrieben, in denen ein solcher Mord möglich war. Das Buch „Tödliche Realitäten“ erinnert nicht nur an Marwa El-Sherbini, sondern auch an die elf weiteren Todesopfer rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt in Sachsen seit 1990.

Das Buch enthält Texte von Autoren aus Wissenschaft, Publizistik, Politik und ehrenamtlichen Initiativen. Zu lesen sind unter anderem Störungsmelder-Autorin Heike Kleffner zu „(K)eine Frage der Wahrnehmung: die tödliche Dimension politisch rechts motivierter Gewalt“ sowie Dierk Borstel und Andreas Grau vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Dresden.

Verschiedene Autoren, setzen sich mit den medialen und gesellschaftlichen Reaktionen auf den Mord auseinander. So schildern beispielsweise Wolfgang Donsbach und Anna-Maria-Schielicke die „Verarbeitung des Mordes an Marwa El-Sherbini in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung“. In einem Interview sprechen zwei Initiatorinnen eines Treffs für muslimische Frauen in Dresden-Johannstadt über die Situation von Muslimas nach dem Mord.

Sabine Schiffer und Floris Biskamp diskutieren anhand des Begriffes der „Islamophobie“ das Spannungsfeld zwischen Islamkritik und antimuslimischen Ressentiment. Auch die juristische Aufarbeitung der Tat wird beleuchtet, wobei Staatsanwalt Christian Avenarius „Einige Gedanken zum Umgang der Justiz mit dem Mord an Marwa El-Sherbini“ formuliert. Zur Frage des gesellschaftlichen Umgangs mit rassistischer Gewalt stellt der Dresdner Verein Bürger.Courage seine Aktion „18 Stiche“ vor und der Vorsitzende des Ausländerrat e.V. Sebastian Vogel fragt danach, was sich in Dresden zwei Jahre nach der erschreckenden Tat verändert hat.

Das Buch ist kostenlos. Bei Bestellung von mehr als einem Exemplar wird um Spenden gebeten. Das Buch kann in den Büros des RAA Sachsen e.V. abgeholt oder gegen Übernahme der Portokosten unter projekt@raa-sachsen.de bestellt werden.

Herausgeber: Opferberatung des RAA Sachsen e.V.
Tödliche Realitäten. Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini
Dresden, 1. August 2011
ISBN:  978- 3- 00- 034794- 8

5 Kommentare


  1. […] störungsmelder: Tödliche Realitäten in Sachsen Bewerten: sharing is supporting!FacebookTwitterLinkedInE-MailMehrDruckenJoliprint – […]

  2.   zelotti

    Ich zweifel das an, Marwa El-Sherbini wurde nämlich von einem „Russen“ erstochen. Das ist also eine Tat im Ausländermilieu. Die Instrumentalisierung dieser Tat für politische Zwecke, auch das Drama der Ägypter hatte etwas höchst Fremdschämiges. Nicht jede Tat, der eine Person aus dem Ausland zum Opfer fällt, ist ausländerfeindlich motiviert. Wer das unterstellt, und aufhebens macht, der verfolgt eigene wirtschaftliche Interessen, die den Namen dieser Person politisch missbrauchen.

  3.   Johannes Radke

    Lieber Zelotti,
    der Mord an Marwa El Sherbini wurde von der Bundesregierung offiziell als rechtsextreme Tat eingestuft. Es besteht als kein Zweifel an dem Motiv.

    Nur weil jemand ein Russlanddeutscher ist, heißt das (leider) nicht, dass er nicht aus seinem Hass auf Muslime heraus jemanden ermorden kann. Im übrigen gibt es beispielsweise viele Russlanddeutsche in der NPD, sie haben sogar eine eigene Arbeitsgruppe innerhalb der Partei.

  4.   Klaus W.

    Da die schreckliche Tat des Rußlanddeutschen immer noch/wieder genutzt wird, um die Dresdner Bürger in Summe zu diffamieren, hier noch einmal ein Gedankengang, der nie(?) angesprochen wurde. Könnte es sein, daß für einen in Rußland aufgewachsenen Menschen Begriffe wie Beslan und Musicaltheater eine viel größere Bedeutung für seine Islamfeindlichkeit haben, als zum Beispiel für einen Menschen aus Bielefeld? Dann kann man sich vielleicht auch weitere hunderteseitige Studien in Bielefeld über die Bürger Dresdens sparen.

  5.   Sigmund

    Was heisst denn Russlanddeutscher?
    Er ist ethnischer Deutsche, nur eben in Russland geboren und aufgewachsen (und seit8 Jahren oder so in D lebend). Jetzt lebt er in Deutschland, also ist er Deutschland-Deutscher, oder kurz: Deutscher.

    Das ist eine Doppelmoral, denn nach der gleichen Argumentation müssten (kriminelle) türkischstämmige Jugendliche, welche in D geboren und aufgewachsen sind, als Deutsche angesehen werden.
    Huch, aber hier zählt aber nicht der Ort an dem man lebt, sondern der Stammbaum.

 

Kommentare sind geschlossen.