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Deutsche Zukunft auf absteigendem Ast

 

Rund 450 Neonazis sind dem Aufruf zur Abschlussdemonstration der neonazistischen Kampagne „Tag der deutschen Zukunft“ nach Dresden gefolgt. Die sinkenden Teilnehmerzahlen zeigen die Mobilisierungsschwäche der Szene. Statt der bekannt gewordenen Route wurde zudem eine deutlich verkürzte Strecke gelaufen.

Von Felix M. Steiner, zuerst veröffentlicht bei publikative.org

Bereits zum sechsten Mal mobilisierten die Organisatoren des neonazistischen „Tag der deutschen Zukunft“ zur ihrer Abschlussdemonstration. Nach Veranstaltungsorten wie Pinneberg, Hamburg und zuletzt Wolfsburg nun das erste Mal in eine ostdeutsche Stadt, nach Dresden.

Die erfolgreichen Blockaden des „Trauermarsches“ im Februar dürften nicht zuletzt einer der Gründe für die Auswahl gewesen sein. Dresden ist für die extreme Rechte nach wie vor ein symbolträchtiger Ort. Doch trotz der Verlegung in die sächsische Landeshauptstadt brach die Teilnehmerzahl weiter ein: Waren im vergangenen Jahr noch mehr als 500 Neonazis nach Wolfsburg gereist, kamen diesmal nur noch 450. Der auch von vielen Beobachtern erwartete Anstieg der Zahlen trat somit nicht ein.

Die angereisten Neonazis kamen vor allem aus Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die Organisatoren des Neonazi-Events konnten nicht wie das „Freie Netz Süd“ vom „Mobilisierungseffekt Sachsen“ profitieren. Noch am 1. Mai hatte es das Neonazi-Netzwerk „Freies Netz Süd“ aus Bayern geschafft, mit der Verlegung seines 1.-Mai-Aufmarsches nach Plauen die Teilnehmerzahlen erheblich zu steigern. Dieser Effekt blieb am Samstag in Dresden aus.

Auch der zuvor veröffentlichte Aufruf, man wolle gemeinsam über Partei- und Organisationsgrenzen hinweg in Dresden demonstrieren, zog offensichtlich kaum Neonazis an. Dennoch fanden sich aus den extrem rechten Parteien NPD, Die Rechte und der III. Weg teils hochrangige Funktionäre in Dresden ein, aber am Teilnehmerpotential änderte dies trotz Werbung in der NPD-Parteizeitung wenig. Mit dem öffentlich kaum präsenten Christian Worch war immerhin der Bundesvorsitzende Der Rechten anwesend. Die NPD war ebenfalls mit einem Redner vertreten. Für die vom Verbotsverfahren bedrohte Partei sprach Uwe Meenen vom Landesverband Berlin.

Der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Karl Richter wurde als Redner auch im Bericht der Neonazi-Organisatoren als Vertreter der Bürgerinitiative Ausländerstopp geführt. Richter gehört zu den NPD-Spitzenfunktionären, die in den letzten Monaten teils heftige Kritik an der eigenen Partei geübt hatten, auch öffentlich. Für die extrem rechte Kleinstpartei II. Weg sprach bei der Abschlusskundgebung Rico Döhler. Als „freier Nationalist“ sprach neben Dieter Riefling auch der vor kurzem aus dem Gefängnis entlassene Sven Skoda.

„Neugierige Passanten“ und ein „herber Schlag“ für Gegenproteste

Kaum 3 Kilometer Demoroute, Quelle: Google Maps
Kaum 3 Kilometer Demoroute, Quelle: Google Maps

Insgesamt konnten die angereisten Neonazis keine drei Kilometer durch Dresden laufen. Auch das eigentliche Ziel der Abschlusskundgebung, der „Goldene Reiter“, wurde von den Neonazis nicht erreicht. Doch die veränderte Route scheint nicht von behördlicher Seite vorgegeben worden zu sein. Laut Angaben der Polizei wurde die Route der Neonazi-Demonstration auf Betreiben des Versammlungsleiters geändert. Ob dies in Zusammenhang mit befürchteten Blockaden stand, ist unklar. Durch die völlig veränderte Route konnte auf jeden Fall ein Zusammentreffen mit den Protesten umgangen werden. Die deutlich verkürzte Route ohne den auch als Werbesymbol für die Mobilisierung genutzten „Goldenen Reiter“ als Abschlusskundgebungsort und die eingebrochenen Teilnehmerzahlen scheinen mit dem positiven Fazit der extrem rechten Organisatoren kaum in Einklang bringen zu sein. Auch die Angaben zu den zahlreichen erreichten Bürger, von denen auf der Homepage des „TddZ“ die Rede ist, sind kaum nachvollziehbar. Ohnehin dürfte dies keine große Rolle spielen, da Demonstrationen wie der „TddZ“ für die Szene nach innen eine viel größere Bedeutung haben dürften, als für eine irgendwie geartete politische Werbung.

Wie üblich, wurde auch am Samstag der Ort des „TddZ“ für das Jahr 2015 bekannt gegeben. Am 6. Juni 2015 soll die Neonazi-Demonstration im brandenburgischen Neuruppin stattfinden – also entgegen der bisherigen Tradition wieder im Osten der Republik.