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„Wenn wir wollen, schlagen wir euch tot!“

 
Frintroper pöbeln gegen die antifaschistische Demo © Max Bassin
Frintroper pöbeln gegen die antifaschistische Demo © Max Bassin

Willkommenskultur? Im Essener Stadtteil Frintrop ist davon wenig zu spüren. Rechte Anwohner machen seit Monaten gegen die Unterbringung von Flüchtlingen mobil. Zusammen mit 200 Unterstützern zog die Antifa Essen Z daher am Mittwochabend gegen die „flüchtlingsfeindliche Stimmung“ durch Frintrop.

Um sich mit den Flüchtlingen zu solidarisieren führte die Demonstration auch an der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Werner-Pleitgen-Schule vorbei. Seit 2013 sind hier etwa 120 Schutzsuchende untergebracht. Seitdem formiert sich Protest in dem 8.600 Einwohner zählenden Stadtteil. Bereits 2013 sammelte eine Frintroper Bürgerinitiative 1.000 Unterschriften gegen die Flüchtlingsunterkunft.

Nach Einschätzung der Antifa habe sich die Stimmung im letzten Sommer weiter verschärft. Eine Bürgerinitiative hatte im August 2015 zum Stammtisch in die Gaststätte Wienert eingeladen. Von dort aus wollte sie in einer spontanen Demonstration in Richtung der Flüchtlingsunterkunft ziehen, was die Polizei jedoch verhinderte. Zuvor hatte die Polizei wegen eines Sexualdeliktes Ermittlungen gegen einen Bewohner des Flüchtlingsheims eingeleitet, was der Initiative als Anlass zum Treffen diente. Der Beschuldigte ist inzwischen aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Die Demonstration der Nazigegner zog auch an der Gaststätte vorbei. Ein Redner der Antifa Essen Z stellte klar, dass es sich ihrer Meinung nach keineswegs um eine „Nazikneipe“ handele, die Gaststätte aber der rechten Bürgerinitiative Treffen ermögliche. Ihre Forderung der Initiative keine Räume mehr zur Verfügung zu stellen brachte die Antifa-Gruppe auch in einem Brief an die Betreiber zum Ausdruck. Bisher habe sie aber noch keine Antwort erhalten.

"Refugees Welcome" - ein seltener Anblick in Essen-Frintrop © Max Bassin
„Refugees Welcome“ – ein seltener Anblick in Essen-Frintrop © Max Bassin

Auf dem Marktplatz wurden die Nazigegner von etwa 60 Frintropern erwartet. 30 von ihnen hielt die Polizei besonders auf Abstand. Sie hatten sich unangemeldet parallel zur Antifa-Demonstration versammelt, Parolen gerufen und eine Rede gehalten. Wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsrecht hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Ein Video das „GermanDefence24“ bei YouTube eingestellt hat zeigt wie aus der Menge heraus immer wieder Naziparolen gerufen wurden: „BRD heißt Kapitulation – Ruhm und Ehre der deutschen Nation“, „Unsere Fahne, unsere Stadt – Nationaler Widerstand“. Ein Redner sprach davon dass die Deutschen aussterben würden und bemühte NS-Verschwörungsmythen: „Polen und England haben Deutschland den Krieg aufgezwungen“. Immer wieder rief der Mob zur Gewalt auf: „Linkes Gezeter – 9mm!“, „Wenn wir wollen schlagen wir euch tot!“. Im September hatten Frintroper eine erste antifaschistische Kundgebung mit einem Böller beworfen und Hitlergrüße gezeigt. Dieses Mal hatte die Polizei die Situation aber unter Kontrolle.

An anderen Tagen, so die Demonstranten, habe der Mob die Hoheit über den Marktplatz. Frintroper träfen sich hier, tränken Bier und bepöbelten Flüchtlinge. Am Marktplatz entstünde so eine Angstzone, die die Flüchtlinge regelmäßig betreten müssten. Hier befinden sich die einzigen Einkaufsmöglichkeiten in Nähe der Unterkunft. Um diese Angstzone zumindest temporär zu durchbrechen fand die Demonstration an einem Wochentag statt. Flüchtlinge schlossen sich der Versammlung aber nicht an.

Politisch profitierte bisher vor allem die Rechtsaußenpartei pro NRW von der Stimmung im Ort. Bei der Oberbürgermeisterwahl am 13. September schnitt ihr Kandidat Tony-Xaver Fiedler mit 7,1% der Stimmen überdurchschnittlich gut in Frintrop ab. Nach ihrer Demo ist aber auch die Antifa Essen Z verhalten optimistisch, weil sich mehr Frintroper Bürger ihrer Demo anschlossen als sie erwartet hatten. Ihre Sprecherin Tessa Kuijer hofft, dass „noch mehr Menschen in Frintrop den Mut finden, sich der rassistischen Stimmungsmache zu widersetzen und sich gemeinsam mit den Flüchtlingen für ein solidarisches Zusammenleben einsetzen.“