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„Allgida“ 2.0: Alter Wein in neuen Schläuchen

 
Aufruf zur Demo „Asyl stopen“ in Kempten ©Screenshot
Aufruf zur Demo „Asyl Stopen“ in Kempten ©Screenshot

Alter Wein in neuen Schläuchen, aber jetzt noch blöder: Nach dem Scheitern von „Allgida“ spielt sich nun ein Tätowierer ohne Studio auf zur „Division Kempten – Nationaler Widerstand“ und kündigt für den 25.6. – etwas holprig – eine Demonstration „Deutsche zu erst Asyl Flut stopen“ als „Allgida Kempten“ an. Als Kundgebungsredner werden Viktor Seibel und der Initiator Michael K. selbst versprochen. Darauf macht die antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München aufmerksam.

Michael „Mike“ K. tritt augenscheinlich seit dem 12. April öffentlich auf Facebook als „Mobiles Tattoo Studio“ auf. Am 16. Mai kündigt er eine Demonstration in Kempten „Gegen die Überfremdung unserer Heimat“ an. Dazu schreibt er: „Deutsche zu erst Asyl Flut stopen“. Zwei Tage später gründet er die Online-Gruppe „Allgida Kempten“. Daraus, wes Geistes Kind er ist, macht er keinen Hehl. Unter die Behauptung, „asilanten“ nähmen einem alles weg postet „Mike“: „Deswegen sage ich das, das viehzeug ausgerottet gehört heil heil heil“ und gibt an, sowohl die AfD als auch die NPD gut zu finden. Für eine ähnliche Wortwahl wurde Pegida-Gründer Lutz Bachmann wegen Volksverhetzung verurteilt. Bachmann verunglimpfte Geflüchtete als Viehzeug – ohne Vernichtungsphantasien auszusprechen.

„Allgida Division Kempten“ ©Screenshot
„Allgida Division Kempten“ ©Screenshot
„Allgida Division Kempten“ - Schlagring ©Screenshot
„Allgida Division Kempten“ – Schlagring ©Screenshot

Auch sonst hält er sich nicht zurück: „scheiss ferfickte muder fucker ich grig euch alle“. Er posiert im „Nationaler Widerstand“-Shirt vor einer schwarz-weiß-roten Fahne und trägt einen Schlagring in seiner geballten Faust. Auf dem Hals hat er „Keine Gnade“ tätowiert. Auch das Bild zur Demonstration schmücken die Umrisse des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 in schwarz-weiß-rot. Zwei Tage nach Ankündigung der Demonstration verweist er auf eine neu erstellte Seite „Allgida Kempten“. Er findet den Thüringer Pegida-Ableger „Thügida“ gut und versucht, in dessen Kreisen für seine eigene Veranstlatung zu mobilisieren.

Redner zur Allgida Demo „Asyl stopen“ in Kempten ©Screenshot
Redner zur Allgida Demo „Asyl stopen“ in Kempten ©Screenshot

K. kündigt sich selbst und Viktor Seibel als Redner für die Versammlung an. Die Frankfurter Rundschau bezeichnet Seibel als Neonazi und berichtet, dass dieser über einen Sicherheitsdienst in einer Unterkunft für Geflüchtete eingesetzt war. Nachdem seine rechtsextremen Aktivitäten auffielen, wurde er entlassen. Das teilte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministerium der Zeitung mit. Weiter heißt es: „Seibel ist seit geraumer Zeit ein gefragter Redner in der rechten Szene bundesweit – er trat bei Kundgebungen von Pegida-Ablegern genauso auf wie bei der NPD. Zuletzt sprach er kürzlich beim flüchtlingsfeindlichen ‚Fackelmarsch‘ in Wetzlar.“

Die Facebook-Veranstaltung wird – obwohl die zuständige Behörde die VersammlAllgida: »Viehzeug«ungsanzeige auf Anfrage bestätigt – nach zwei Tagen am Abend des 18.5. bereits wieder gelöscht, Von offizieller Seite wird versucht, den Anmelder von einer Terminverschiebung zu überzeugen, da am fraglichen Tag ein Stadtfest stattfindet. Der Facebook-Auftritt „Allgida Kempten“ bleibt vorerst bestehen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Seite 13 „Gefällt mir“ Angaben und die Veranstaltung Zusagen im einstelligen Bereich. Bleibt es dabei, stellt der neuste Pegida-Ableger das Scheitern seines Vorgängers als Rohrkrepierer noch in den Schatten.


3 Kommentare


  1. […] via zeit: „Allgida“ 2.0: Alter Wein in neuen Schläuchen […]


  2. […] Einen erneuten Versuch unternahm Michael Kleemann als selbsternannter „Nationaler Widerstand &#821… Er meldete zunächst für den 25.6. eine Demonstration unter dem Motto „Deutsche zu erst Asyl Flut stopen“ in Kempten an. Kurz darauf verschob er das Event „Gegen die Überfremdung unserer Heimat“ auf den 2.7. Nachdem der Störungsmelder die Pläne öffentlich machte, verkündete der Verfassungsschutz die Beobachtung der extrem rechten Projekte. Die Allgäuer Zeitung lässt sich ein Interview geben: „National, aber nicht rechtsextrem“ – so wird Michael Kleemann dort zitiert. Das Motto „Deutsche zuerst, Invasoren stoppen“ und die Sympathie zur NPD seien nicht Ausdruck einer entsprechenden Gesinnung. Mit Gewalt und der örtlichen Skinhead-Szene habe man nichts zu tun. Stattdessen schütze man Frauen und Kinder vor Flüchtlingen und versorge Obdachlose, die wegen der Geflüchteten nicht mehr ausreichend versorgt würden. Bei den letzten beiden Behauptungen macht sich die Zeitung die Mühe, sie mit gegenläufigen offiziellen Aussagen zu kontrastieren. Gegen die Distanzierung von der extremen Rechten und Gewalt hätte ein einfacher Blick auf das Facebook-Profil der 31-jährigen Servicekraft genügt. Dort droht Kleemann als „Nationaler Widerstand“ mit einem Schlagring vor der Flagge des Deutschen Reiches. Deutschland gefiele ihm wohl in den Grenzen von 1937 am Besten und es läuft unter Anderem ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen den Kemptener. Auf der Homepage des selbstverwalteten Jugendzentrums in Kempten hieß es zynisch: „Aber wo selbst der Verfassungsschutz keine ausgeprägte neonazistische Ideologie erkennen mag sondern nur ›Hinweise darauf, dass diese Gruppierung Kontakte in die rechtsextreme Szene hat‹ – da kann man doch nicht anspruchsvollere Recherche von einer Lokalzeitung verlangen – oder doch?!“ […]


  3. […] der Störungsmelder die Pläne öffentlich machte, verkündete der Verfassungsschutz, „Allgida“ fortan zu beobachten. Damals war davon […]

 

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