‹ Alle Einträge

AfD und Neonazis: Hass statt Bürgerlichkeit

 
Hans-Thomas Tillschneider (Mitte) heizt die extrem rechte Demonstration an © Henrik Merker

Hetzparolen, Morddrohungen gegen Journalisten: Der Tag der Arbeit wird zur Bühne der AfD – die dafür gemeinsame Sache mit Neonazis macht.

Von Henrik Merker

Erster Mai, traditioneller Tag der Arbeit. Die rechtspopulistische AfD nennt ihn anders: „Tag der Patrioten“. In elf Städten hat die Partei zu Kundgebungen und Demonstrationen aufgerufen. Bekannte Parteifunktionäre und Abgeordnete sollen Publikum anziehen, so auch in Querfurt. Dort eskaliert im Laufe des Feiertags die Demonstration, Rangeleien mit Polizisten und Drohungen gegen Reporter folgen.

Den Einheizer gibt Hans-Thomas Tillschneider, Abgeordneter der Partei im Landtag von Sachsen-Anhalt. Er trägt Megafon zum Anzug. Andere geben sich keine Mühe, seriös zu wirken. Eine Gruppe aus AfD-Anhängern brüllt Journalisten und Abgeordneten anderer Parteien Beschimpfungen wie „Schwuchtel!“ und „Hühnerficker!“ entgegen. Als Polizisten das aggressive Trüppchen umstellen, ruft ein braun gebrannter Herr mit Vokuhila: „Jetzt kommt die Waffen-SS, endlich!“ – die Beamten sollten „die Zecken hier nieder machen“, brüllt er, meint damit die Reporter. Dann starrt er auf einen Journalisten, legt den Finger an die Kehle und zeigt eine Halsabschneide-Geste. Den Beamten gegenüber kann er sich nicht ausweisen, muss seine Fingerabdrücke dalassen. Als er von der Kontrolle zurückkommt, applaudieren seine Gesinnungsbrüder.

Neonazis auf der Kundgebung

Auf der Bühne redet währenddessen Hans-Thomas Tillschneider. Rund 170 Zuhörer konnte die AfD auf die Straße bewegen. Einige im Publikum tragen Klamotten des Nazi-Labels Thor Steinar, auf einem T-Shirt steht der Name Ian Stuart, Gründer des Neonazi-Musiknetzwerks Blood and Honour – das in Deutschland verboten ist. Die AfD hat einen Bockwurst-Imbiss zu ihrer Party mitgebracht, an dem sich Tillschneider nach seiner Rede einen Kaffee holt. Neben ihm steht ein stadtbekannter Neonazi im Stahlgewitter-Pullover. An seinem Schlüsselbund baumelt das verbotene Keltenkreuz.

Wenn es darum geht, Präsenz zu zeigen, ist die Auswahl des Publikums offenbar zweitrangig. Auf Demonstrationen wie dieser zeigt sich, wie stark das Image der Parteifunktionäre in den Parlamenten und die Realität auf der Straße auseinanderklaffen.

Alexander Kurth (ehem. Die Rechte, m.) neben Frank Pasemann (AfD, l.) © Henrik Merker

Der Bundestagsabgeordnete Frank Pasemann hält seine Rede, danach will die AfD durch die Querfurter Innenstadt laufen. Doch das verhindern Gegendemonstranten. In die Gassen der Stadt, durch die kaum ein Auto passt, haben sich Hundert Jugendliche gesetzt. Um sie zu räumen, hat die Polizei nicht genug Einheiten. Zur Überbrückung zieht die AfD die Rede vom Landtagsabgeordneten Oliver Kirchner vor, der eigentlich für den Abend eingeplant war. Nach einer Viertelstunde stellt sich die AfD auf, mit den Abgeordneten in der ersten Reihe.

An der linken Seite des Front-Transparents steht Frank Pasemann, Bundestagsabgeordneter der AfD. in der Mitte steht Tillschneider mit seinem Megafon. Ein streng geschorener Kopf steht hinter den beiden, markige Stirnwulst und abstehende Ohren, Smartphone in der Hand. Es ist Alexander Kurth, Ex-Funktionär der Neonazi-Partei Die Rechte, der wegen Raub und Körperverletzung vorbestraft ist. Neben ihm steht Rolf Dietrich, früherer NPD-Kader und seit einigen Jahren bei Die Rechte aktiv.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Normal tät ich dich umbringen“

Stillstand. Vor den aufgereihten AfD-lern blockieren Polizisten die Straße, hinter ihnen die Sitzblockade. Eine Alternativ-Route wird geprüft. Den Demonstranten geht das nicht schnell genug, sie werden aggressiv, einer brüllt „Rotfaschisten!“ zu den Beamten. „Normal tät ich dich umbringen“, brüllt einer der Aktivisten einen Reporter an. „Räumen! Räumen! Wasserwerfer marsch!“fordert der Mob gegen die Sitzblockade. Plötzlich drängt alles nach vorn, die AfD-Abgeordneten gehen hinter dem Transparent auf die Polizisten zu, drücken, drängeln. Die Beamten geben nach, geben die Route kurz frei, die AfD läuft zehn Meter – dann ist Schluss, wieder. Behelmte Einheiten in Schutzmontur kommen angerannt.

Polizei stoppt AfD-Demonstration © Henrik Merker

Die Demonstration wird spontan über die Querfurter Burg umgeleitet. Doch auch auf der neuen, kürzeren Route provozieren die Teilnehmer weiter. Eine Vierergruppe bedrängt einen Reporter, eine Frau schlägt mit ihrem Smartphone mehrfach gegen seine Kamera.

Die Eskalation ist gewollt. Auch von AfD-Mann Tillschneider. Immer wieder stachelt er zu nationalistischen Parolen an. „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“, rufen die Demonstranten. Er brüllt „Hier marschiert die AfD“ – sein Mob antwortet im Chor mit der NPD-Parole „Hier marschiert der Nationale Widerstand“. Tillschneider grinst.

Korrektur: Nach eigenen Angaben ist Alexander Kurth gegenwärtig kein Mitglied mehr von Die Rechte. Wir haben das im Text geändert.

66 Kommentare

  1.   titanicus

    Was haben Neonazis am „Tag der Arbeit“ auf der Straße zu suchen? Die Gestalten sehen nicht so aus, als würden sie von einer sinnvollen Beschäftigung viel halten. Zudem erschöpft sich ihr wirtschaftspolitisches Programm im „Brechen der Zinsknechtschaft“. Nach der Vermählung der AfD mit den Neonazis könnte die schrecklich nette Familie „Stahlhelm“, „Harzburger Front“ oder „Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund“ heißen, vielleicht sogar „Antikominternpakt II.“ Nur so als Vorschlag …

  2.   SpamBot

    „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen.“

    Na, da können die Herrschaften ja gleich packen gehen…schließlich kann man den Haß dieser „Patrioten“ auf alles, was unser Land und unsere Gesellschaft ausmacht, kaum übersehen…also, nur zu!
    Geht mit gutem Beispiel voran…

  3.   Andreas71

    Ist das wieder so ein Stückchen, über das wir alle springen sollen?

  4.   Hupert

    Zitat: Auch von AfD-Mann Tillschneider. Immer wieder stachelt er zu nationalistischen Parolen an. „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“

    Naja, im Hinblick auf die ständige geballte Kritik am deutschen Staat, seinem Parteiensystem und dem Prinzip der Demokratie bleibt ja nun nicht viel, dass diesen Knetbirnen an Deutschland gefallen könnte, oder wofür sie es gar lieben könnten.

    Die Neonazibagage (ich schließe hier ausdrücklich die AfD ein) sollte daher ein wenig Konsequenz an den Tag legen und dieses ungeliebte Stück Erde verlassen… geht bitte. 🙂

  5.   sonstwer

    „Er brüllt „Hier marschiert die AfD““

    Alles Einzelfälle. Natürlich.

  6.   Caillou der Abenteurer

    Joa, herzlichen Glückwunsch. Das ist Faschismus, liebe AfD.

  7.   Morbox

    Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen.“

    Na denn Tschüss, Herr Tillschneider, und auf Nimmerwiedersehen. Weder ich noch meine Migrantenklasse (von denen keiner jemals so unzivilisiert und intolerant und somit undeutsch wäre) wird Sie jemals vermissen.

  8.   derwirt

    Leider steht die AfD noch immer bei 13 Prozent, ein bisschen gruselig ist das schon.

  9.   Kosaptes

    Es ist schon auf einem Auge blind, Hass nur auf der rechten Seite zu sehen.

  10.   Mirgehendienamen

    Patrioten halt. Ich frag mich woher die das Smartphone hat. Sicher Hartz IV.

 

Kommentare sind geschlossen.