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Rechte Bürgerwehr verbreitet Angst

 

Der rechte Verein Begleitschutz will in Köln für mehr Sicherheit sorgen. Stattdessen schürt die selbst ernannte Bürgerwehr Furcht vor Migranten und verbreitet Hetze.

Von Jennifer Marken

Köln: Rechte Bürgerwehr verbreitet Angst
In Köln sorgt eine rechte Bürgerwehr-Truppe für Verunsicherung
© Wolfgang Rattay /Reuters

Viel war nicht zu verstehen, als sich am Samstag 80 rechte Aktivisten hinter dem Kölner Hauptbahnhof zur Demonstration zusammenrotteten. Die benzinbetriebene Tonanlage funktionierte nicht recht, vom Auftritt des Kampfredners Serge Menga aus Essen waren nur Fetzen zu hören. 700 Gegendemonstranten stellten sich lautstark gegen die Gruppe, die als sogenannter Begleitschutz in der Rheinmetropole auftritt.

Der Kundgebung hatten die Teilnehmer das Motto „Demo gegen jegliche Form von Gewalt und Extremismus“ gegeben. Tatsächlich sind die selbst ernannten Schützer selbst des Extremismus verdächtig.

Es begann nach den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht 2015 am Kölner Hauptbahnhof. Bestärkt durch eine aggressive Stimmung gegen angeblich gefährliche Flüchtlinge zogen Gruppen von Rechtsextremisten auf sogenannten Patrouillengängen durch die Altstadt. Was vorgeblich für Sicherheit sorgen sollte, mündete in mindestens 20 Übergriffe auf Menschen mit nichtdeutschem Aussehen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Erst als bewaffnete Polizeihundertschaften an etlichen Ecken Stellung bezogen, hörte das Treiben auf – vorerst.

Jagdszenen und Hitlergrüße

Die Bürgerwehr hatte sich in einer geschlossenen Facebook-Gruppe namens Kölner Begleitschutz organisiert. Heute hat sie mehr als 15.000 Mitglieder und ist als eingetragener Verein organisiert, angeführt von ihrem Vorsitzenden Dennis Mocha. Auf seiner Internetseite wirbt der Zusammenschluss, man stelle „motivierte Helfer zur Seite, auf die Sie sich in jeder Situation verlassen können“, etwa beim Heimweg oder Einkaufen. Das sichere Geleit ist demnach ab fünf Euro pro Monat zu haben. Die Polizei warnte vor der Gruppe, einige ihrer Mitglieder seien vorbestraft.

Im September 2017 sorgte der Begleitschutz wieder für Aufmerksamkeit: Nach der Ermordung eines Afrikaners im Drogenmilieu auf dem schwer vernachlässigten Ebertplatz versammelten sich dort 60 Kölner Hooligans. Es kam zu wilden Verfolgungsjagden gegen Afrikaner, Teilnehmer zeigten den Hitlergruß.

Das ist keine Überraschung: „Der Begleitschutz rekrutiert sich im Wesentlichen aus dem Hooligan- und Türstehermilieu mit vereinzelten Kontakten zu offen rechtsradikalen Gruppierungen“, sagt der Leiter der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus im Köln, Hans-Peter Killguss. Allerdings erreiche er darüber hinaus, vor allem im Internet, auch etliche andere Menschen. Zu Beginn sei die Gruppe eher eine lose Struktur gewesen, „später hat man sich dann stärker institutionalisiert“.

Gewaltbereite Bekanntschaften

Tatsächlich heißt es, die Gruppe soll zumindest zwischenzeitlich auch über ein Auto und ein Büro nahe der Innenstadt verfügt haben. Gesicherte Belege dafür gibt es allerdings nicht.

Zu den Bekanntschaften der Begleitschützer zählt Recherchen von linken Aktivisten zufolge auch ein Neonazi, der im Januar 2016 mit einem Freund eine Flüchtlingsunterkunft in Köln-Mülheim mit Teleskopstange und Bengalos angriff. Drei Frauen und neun Kinder entgingen damals nur knapp dem Tod. Auch Rocker der Hell’s Angels sollen Recherchen von linken Aktivisten zufolge mitmischen.

Viele Blicke richteten sich zuletzt auf den Vereinsvorsitzenden Dennis Mocha. Im vergangenen Jahr deckte die linke Organisation Kein Kölsch für Nazis auf, dass Mocha als DJ in diversen Clubs arbeitet. Mehrere davon sollen daraufhin die Zusammenarbeit mit ihm beendet haben. Wie das Geschäft ansonsten läuft, bleibt unklar: Ob jemals ein ängstlicher Bürger die Begleitschutz-Dienstleistungen gebucht hat, ist nicht bekannt.

26 Kommentare

  1.   no-panic

    Man hört ja immer, dass man „damals“ sein Fahrrad unabgeschlossen über Nacht draußen stehen lassen konnte. Dass das daran lag, dass SA Truppen jeden zusammenschlugen, der nach 20.00 Uhr die Nase aus der Türe streckte, wird immer verschwiegen.
    Gefühlte Sicherheit ist ein komisch (im Sinne von seltsam, nicht von lustig) Ding…

  2.   RealKentonShane

    Erstaunlich das in einem so sicheren Land wie Deutschland eine bezahlte Bürgerwehr nötig sein soll.

    Wer bezahlt denn für diese Dienstleistungen?

  3.   Saltatio

    Genau wie damals die Scharia-Polizei anzeigen. Das sind schon keine Anfänge mehr, die es abzuwehren gilt.

  4.   Lovelyrita

    Die Scharia-Polizei muss geduldet werden, hat ein Gericht bestätigt. Warum hier nun mit anderen Maßstäben messen?

  5.   Sürrender

    „Auch Rocker der Hell’s Angels sollen Recherchen von linken Aktivisten zufolge mitmischen. “

    Wenn das wahr ist können die 20jährigen Antifa Kiddies einpacken!

  6.   Perlmutxx

    Ich finde das gut, so kann man sich auf Abends wieder sicher fühlen auf den Straßen. Und wer so eine Dienstleistung nicht in Anspruch nehmen möchte, der muss es ja auch nicht.

  7.   istdochwahr

    „Erstaunlich das in einem so sicheren Land wie Deutschland eine bezahlte Bürgerwehr nötig sein soll.“
    das finde ich auch. eigentlich sollte hier die polizei viel mehr streife laufen. gerade um den dom und hbf.

    ich war gestern nacht erst wieder in köln feiern und mich hat die agressivität auf den straßen schon geschockt. auf dem weg vom club zum bahnhof, gegen 4 uhr morgens, bin ich an einer schlägerei vorm gigacenter vorbeigekommen. dann aus einer kreuzenden straße hat mir jemand ohne erkennbaren grund diverse beleidigungen entgegengebrüllt und am hauptbahnhof gabs die nächste schubserei welche nur durch die streifenpolizisten nicht zur schlägerei geworden ist. meine freunde haben ähnliches auf dem heimweg erlebt. bei der schlägerei vorm gigacenter und am hbf war die polizei innerhalb weniger minuten mit ordentlich mannstärke da, aber generell ist die stimmung auf der straße schon echt rau. das ist mir vor ein paar jahren nicht so aufgefallen.
    die störenfriede waren genau so bunt wie es köln nunmal ist. menschen jeglicher nationalität und herkunft – „kerndeutsche“ genau wie einwanderer..
    also die asylanten karte kann man hier nicht bringen ABER der wunsch nach „sicherheit“ ist bei mir auch aufgekommen. hier muss es ein konzept abseits von privaten schlägern geben welche ausländer als die einzigen störenfriede ansehen.

    viele werden denken: ja sowas ist doch eigentlich normal samstagnacht um 4 uhr in einer großstadt – das sollte aber nicht normal sein.

  8.   M0A1

    @Perlmutxx … wie haben Sie es geschafft, in diese Blase hier einzudringen?

  9.   CopKilla39

    1Teleskopschlagsstock und paar Bengalos…. sind alle knapp dem Tod entkommen. Na da weiß ich ja jetzt wie man in Zukunft Krieg führen wird…. 🤓

  10.   nimue14

    Die brauchen wir hier in Köln so dringend wie Bier aus Düsseldorf.

 

Kommentare sind geschlossen.