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Behinderte Models bei der New York Fashion Week

 

Models im Rollstuhl, ein männliches Model mit Prothese und eine Schauspielerin mit Downsyndrom – sie alle waren in dieser Woche auf den Laufstegen der New York Fashion Week zu sehen. Die Designerin Carrie Hammer hatte der Schauspielerin Jamie Brewer ein Kleid auf den Leib geschneidert. Die 30-Jährige spielt in der amerikanischen Serie American Horror Story mit und hat das Downsyndrom. Brewer ist das erste Model mit Downsyndrom, das bei der New York Fashion Week auftrat. Sie möchte gern ein Vorbild sein: „Junge Mädchen und sogar junge Frauen sehen mich und sagen: Hey, wenn die das kann, kann ich das auch.“ Sie kommuniziert mit ihren Fans auf Twitter, 80.000 Follower hat sie inzwischen, und twitterte auch hinter den Kulissen der Fashion Week.

Viel Beifall

Auch das italienische Label FTL Moda setzte in diesem Jahr auf behinderte Models und schickte Models im Rollstuhl, mit Gehhilfen und Beinprothesen auf den Laufsteg und erntete viel Applaus. „Letztendlich sind Prothesen oder ein Rollstuhl auch nur Accessoires“, sagte einer Produzenten der Show. Und so präsentierten die behinderten Models stolz die neuesten Fashion-Kreationen des Labels – als sei es nie anders gewesen.

Model im Rollstuhl
© Selcuk Acar / Getty Images

Der 25-jährige Brite Jack Eyers beschritt als erstes männliches Model den Laufsteg der New York Fashion Week mit einer Prothese. Eyers wurde mit einer Fehbildung seines rechten Beins geboren und ließ es sich im Alter von 16 Jahren amputieren. Seitdem läuft er mit einer Prothese. Er engagiert sich bei „Models of Diversity“, einer Agentur, die sich für mehr Vielfalt auf den Laufstegen der Welt einsetzt.

Alles nur Show?

Wandelt sich das klassische Schönheitsideal also gerade, wie einige Kommentatoren begeistert feststellten? Oder ist das alles nur eine Alibi-Veranstaltung, die zeigen soll, dass die Modeindustrie doch nicht so oberflächlich ist, wie alle denken, aber es de facto doch ist? Ist das eine Aktion, die zeigen soll, „Seht her, wir haben mehr als weiße Magermodels mit perfektem Körper im Programm“? Werden körperliche Besonderheiten nun en vogue?

Model im Rollstuhl
© Selcuk Acar / Getty Images

Sicherlich setzen solche Aktionen Zeichen. Vor 10 oder 15 Jahren hätte man kein behindertes Model bei einer Fashion-Show gesehen. Es war einfach undenkbar. Die Modeindustrie ist kein Hort besonderer Vielfalt. Beispielsweise sind rund 80 Prozent der Models auf den Laufstegen weiß. Vor zehn Jahren waren es aber noch 90 Prozent. Es ändert sich etwas, aber nur sehr langsam.

Die Begeisterung beim Publikum war allerdings auch deshalb so groß, weil sie solche Models bei der New York Fashion Week nicht erwartet hatten. Von Normalität oder Inklusion kann also keine Rede sein, denn dann wäre es normal, dass auch behinderte Models Mode präsentieren. Eher spielen die Modelabels mit dem Showeffekt: Man muss anders sein, um aufzufallen. Wenn das die Mode alleine nicht leistet, müssen besondere Trägerinnen her. Dazu eignen sich behinderte Models natürlich perfekt.

16 Kommentare

  1.   Petra Müller

    Da ist nix Tiefgründiges dabei, das ist ein Marketing-Gag, meiner Meinung nach. Ist aber auch nicht schlimm – Modeleute sind halt ein bischen „gaga“.

    Ich hoffe, dass Ottilienormalseherin vllt. mal dadurch begreift, dass sogenannte „Behinderte“, in diesem Fall Rollstuhlfaherinnen, nicht immer nur im letzten Schlupfsack oder Jogginganzug durch die Gegen schleichen müssen, sondern ebenso Bock auf Mode haben wie viele andere Frauen auch – denn das sind sie: Frauen, und keine „Behinderten“ weiblichen Geschlechts.

    Schönen Gruß an alle anderen Rollstuhlfahrenden Fascionistas :-)


  2. […] Gesellschaft aber auch das eigene tolerante Schönheitsbild der Modemacher repräsentieren. Ein  Artikel in der Zeit  sieht etwa die Tendenz, dass Mode so tiefgründiger werde und sich für Inklusion […]

  3.   Antonia=Maria Lauber

    P.S.: Modenschauen waren seit Menschengedenken nicht gedacht, als ein Ort, der die Realitaet widerspiegelt , sondern nur das aesthetische Ideal ! Da kommt es eben haupsaechlich auf das Skelett und die Gene an , die man nicht aendern kann. Wenn nun auch Behinderte, Alte , Dicke und einfach Haessliche dort auftreten duerfen, dann ,weil die auch Geld haben und einen Markt darstellen, nicht, weil sich das Schoenheits=Ideal geaendert haette !

  4.   Antonia=Maria Lauber

    Es hat aber auch Nachteile, wenn jetzt oft geistig oder seelisch Behinderte gemeinsam mit rein koerperlich Behinderten auftreten = dadurch entsteht beim Gros der Bevoelkerung der Eindruch, das gehoere zusammen und praktisch jeder sei mehrfach behindert ! Ich bin seit 23 Jahren wegen einer Koerperverletzung im Zusammenhang mit meinem Polizeiberuf 100% behindert und 100% arbeitsunfaehig mit Wirbelsaeulenbruch und fehlender Niere usw.. Ich habe aber dennoch = trotz hoechstmoeglicher ambulanter Morphin= Therapie!= einen Intelligenzquotienten von 153= das gilt als Genie, aber mir wird selten geglaubt!

  5.   DaniB

    @Frank Kramer: Ich bin auch Rollifahrerin. Der Rolli muss auch bei mir absolut schick aussehen. Das ist mir auch den einen oder anderen Tausender wert, denn meine Kasse hat beim letzten Rollstuhl genau 2500 Euro gezahlt. Die restlichen ca. 2000 habe ich aus eigener Tasche hingeblättert.

    Wenn dies die Fashion Show in den USA ist, muss man leider davon ausgehen, dass dieses Model vielleicht gar keine Krankenversicherung und somit auch keinen Kostenträger für einen „schicken“ oder auch nur passenden Rolli hat. Nicht jeder kann mal eben so nebenbei einen bezahlen…
    Aber das ist ja auch nur nebensächlich.

    Ich fände es gut, wenn diese „Aktion“ jetzt der Startschuss dafür wäre, dass künftig auch Models im Rollstuhl vereinzelt (da es ohnehin nicht so viele geben wird) an Modeschauen teilnehmen und dies einfach als normal registriert wird. Davon gehe ich aber nicht aus.

  6.   annika

    Wie sehr muss sich ein im Rollstuhl sitzender Mensch an dessen Betitelung als bloßes „Accessoire“ stören, wenn ich mich bereits derart daran stoße. Da hat jemand aus seiner unbeschwerten Disposition heraus vollkommen unüberlegt gesprochen und wird vermutlich auch nie verstehen, was er da eigentlich gesagt hat.

  7.   TaShi

    Erst das Wort „Inklusion“ nicht mehr benötigt wird, weil es überflüssig ist oder selbstverständlich, dann ist Inklusion gelungen. Soweit sind wir leider noch lange nicht.

  8.   Iris

    Erst schreien alle Medien nach mehr Inklusion, mehr Normalität, mehr Gleichbehandlung. Dann wird es wieder kaputt geredet. Was wollt ihr eigentlich? Ja, Inklusion auf dem Laufsteg ist neu und es ist noch nicht Normalität – und das darf gefeiert und bejubelt werden, in allen Bereichen des Lebens. So lang, bis es zur Normalität geworden ist, aber davon sind wir noch ein ganzes Stück entfernt und daran sollten wir arbeiten. Auch mit Vorbildern auf dem Laufsteg.

  9.   Frank Kramer

    Meine Frau ist querschnittgelähmt und Rollstuhlfahrerin. Ich bezweifle, daß die Dame im Abendkleid tatsächlich auf einen Rollstuhl angewiesen ist, denn der, in dem sie sitzt, würde von einem aktiven Rollstuhlfahrer möglicher Weise im Gelände, wohl kaum aber während einer Modenschau benutzt! Als laufendes Modell würde sie wohl kaum in Gummistiefel auf den Laufsteg gehen. Für meine Frau ist ein gut aussehender Rollstuhl jedenfalls genau so wichtig, wie das Aussehen ihrer Garderobe…
    Und der hier verwendete ist wohl eher für Seniorenheime gedacht…

 

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