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Warme Töne und elegantes Geplapper

 

Über die Jahre (3): Im August widmet sich der Tonträger Platten aus vergangenen Tagen. Heute: Soweto Kinch, der auf „Conversations With The Unseen“ die alte und neue schwarze Musik, den Jazz und den Rap vereint

Cover Soweto Kinch

Vor einigen Jahren sandte der britische Fernsehsender Channel 4 den amerikanischen Tenorsaxofonisten Branford Marsalis aus, die Zukunft des Jazz zu ergründen. Aufmerksam lauschte er sich quer durch die Jazzwelt, von Skandinavien bis Südamerika. Eine rechte Antwort darauf, was das neue jazz thing sei, fand er nicht.

Als er den jungen Altsaxofonisten und Rapper Soweto Kinch in London interviewte, wurde er sogar ein bisschen wütend: „Du wirst dich entscheiden müssen, Rap oder Jazz, lass dir das gesagt sein“, erklärte er dem jungen Briten, der kurz zuvor seine erste Platte aufgenommen hatte. Der widersprach höflich, Marsalis blieb unversöhnt.

Hört man Kinchs Debüt Conversation With The Unseen aus dem Jahr 2003, hofft man, er möge sich nicht entscheiden. Die Platte ist eine selbstbewusste, elegante, gelegentlich explosive Wortmeldung. Leichte, witzige, swingende Raps, in denen er trockenen Humor beweist, stehen neben energiegeladenen, modernen Jazzstücken. Überzeugend verbindet er die alte und die neue schwarze Musik.

An vielen Stellen klingen die Vorbilder durch. Kinch nimmt Charlie Parkers melodiöse Wendigkeit auf, verarbeitet sie aber auf seine Art. Das Stück Snakehips ist eine Hommage an den wenig bekannten Jazzmusiker Ken Johnson er war der erste schwarze Swingband-Leader in Großbritannien und starb 1941 beim deutschen Luftangriff auf das Café de Paris im Londoner Westend.

Conversations With The Unseen gehört zu den bemerkenswertesten Jazzplatten der letzten Jahre. Es steckt voller Ideen und wird zusammengehalten von Kinchs ebenso kräftigen wie geschmeidigen Saxofonton. Im September 2006 soll seine nächste CD erscheinen, mit deutlich gesteigertem Rap-Anteil, heißt es. Es lohnt sich, die Ohren offen zu halten.

„Conversations With The Unseen“ von Soweto Kinch ist als CD erhältlich bei Dune

Hören Sie hier „Good Nyooz“

Weitere Beiträge aus der Serie ÜBER DIE JAHRE
(2) Syd Barrett: „The Madcap Laughs“ (1970)
(1) Fehlfarben: „Monarchie und Alltag“ (1980)

Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter www.zeit.de/musik

1 Kommentar


  1. I’ve just put up an interview with Soweto Kinch on my blog and podcast.

    He talks about the link between the new album B19 and his home in a tower block in inner city Birmingham. Our podcast – the Grassroots Channel – tells the stories of active citizens in Birmingham – and he has a strong take on the link between culture and energizing neighbourhoods.

    the mp3 is here

    http://www.podnosh.com/programmes/bcen061002sowetobirmingham19.mp3

    and the blog entry (which includes mp3 player) here:

    http://www.podnosh.com/blog/?p=53

 

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