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Fjord Bop

 

Die Landschaft seiner norwegischen Heimat hat den Trompeter Arve Henriksen geprägt. Die Natur klingt mit in jedem Ton des Albums „Strjon“.

Arve Henriksen Strjon

Als der norwegische Trompeter Arve Henriksen einige der Stücke wiederhört, die er 20 Jahren zuvor in seinem Heimstudio aufnahm, wird er neugierig. Bei einem Stück hatte er zum ersten Mal einen DX-21 Synthesizer von Yamaha benutzt, damals war er 19. Er spielt es seinem Produzenten Helge Sten vor, der ist begeistert. Gemeinsam hören sich die beiden unzählige Kassetten, DATs und Mini-Discs aus Henriksens Anfangszeit an und suchen Material aus, mit dem sie weiterarbeiten können. Als eine Kombinationen aus diesen improvisierten elektronischen Sequenzen aus den vergangenen 20 Jahren und einigen Neuaufnahmen entsteht Henriksens dritte CD: Strjon.

Henriksen begann mit Folklore, später spielte er in einer Marching Band und studierte Jazzimprovisation. Die japanische Bambusflöte lernte er durch eine Kassette kennen, die ihm der norwegische Trompeter Nils Petter Molvær gab. Mit Helge Sten erforschte Henriksen nun seine Einflüsse und Prägungen. Er fand heraus, wie wichtig ihm die Natur ist. Besonders in seinen frühen Aufnahmen spüre er diese Beziehung in jedem Ton, sagt er. Das drückt sich auch in den Titeln aus. Glacier Descent erinnere ihn an das Besteigen eines Gletschers, an eine lange Reise. Die grüne Färbung, die die Seen seiner Heimat im Frühjahr durch die Schneeschmelze bekommen, beschreibt er in Green Water. Black Mountain sei inspiriert von dem Moment, in dem sich die Sonne hinter den Bergen verstecke, wenn sie fast schwarz aussehen.

Käme er aus New York, würde er anders spielen, sagt Henriksen. Die nervösen Rhythmen einer Metropole, der Bebop und der Post Bop, passten nicht zu Norwegen. Dort lebten vier Millionen Menschen zwischen Fjorden und Bergen – es sei klar, dass man den Raum in der Musik höre. Der amerikanische Saxofonist Branford Marsalis sagte deshalb einmal, der norwegische Jazz sei eine neue Art von New-Age-Musik. Henriksen stört die Wucht der Natur nicht. Modernen Komponisten der E-Musik wie György Ligeti, György Kurtág und Olivier Messiaen stehe er kulturell und musikalisch näher als den Amerikanern und ihrer Jazztradition. Über Jazz könnten er und seine norwegischen Musikerfreunde in Büchern lesen, aber es sei nicht ihr kulturelles Erbe.

„Strjon“ von Arve Henriksen ist erschienen bei Rune Grammofon/Cargo

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