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Deine Rede sei Ja, Ja

 

Die Pet Shop Boys erzählen auf ihrem neuen Album „Yes“ von der Kunst des Überlebens mittelalter Herren im Pop

Pet Shop Boys – Love Etc.
 
Von dem Album: Yes Parlophone (2009)
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Die Sache wäre also auch erledigt. Auf das Cover ihres neuen Albums haben die Pet Shop Boys einen großen Haken gesetzt, der sich aus knallbunten Quadraten zusammenfügt, Yes ist oben links neben dem Bandnamen zu lesen. Ja, so knapp halten es Neil Tennant (54) und Chris Lowe (49) traditionell gerne, Pet-Shop-Boys-Platten firmierten stets unter poppigen Markennamen: Disco, Please, Actually, Very und zuletzt Fundamental. Yes ist ein Synonym für die Pet Shop Boys 2009, funktional, freundlich, selbstbewusst und nicht gar so affirmativ, wie es sich anhört.

Das Album der britischen Disco-Pop-Ikonen erzählt von der Kunst des Überlebens in einer sich ständig selbst überholenden Popmusik. Die Pet Shop Boys haben beste Aussichten, das erfolgreichste Pop-Duo der Welt zu bleiben, weil sie sich dem Blues der mittleren Jahre konsequent verweigern. In der Welt von Tennant und Lowe obsiegt die Ästhetik über Zipperlein aller Art, bei ihren Auftritten übernehmen Bühnendesign und Multimedia die Rolle der Performer, für den künstlerischen Überbau sorgen die Auftritte in den Klatschspalten.

Die Aktie Pet Shop Boys zeichnet sich durch eine beeindruckende Krisenfestigkeit aus, seit ziemlich genau einem Vierteljahrhundert. Konnte dem notorisch nonchalanten Duo jetzt Schöneres passieren, als dass die langbeinigen Casting-Show-Babys von Girls Aloud mit einem Song der beiden Elder Statesmen die Charts stürmten? Auf der eigenen Single Love Etc. fügt Neil Tennant seine Ansichten über den Starbetrieb hinzu: „Don’t have to live a life of power and wealth / don’t have to be beautiful, but it helps„. Die Neuerungen der aktuellen Pet-Shops-Kollektion Yes fallen alle in den Bereich bloßer Duftnoten. Der Streicher-Star Owen Pallett (Final Fantasy, Arcade Fire) darf die Hymne Beautiful People in ein Sechziger-Spektakel verwandeln. Johnny Marr spielt diese Gitarre, die man gar nicht hört, die aber angeblich so irrsinnig wichtig ist für den Sound – für die Bewerbung von Album und Tournee allerdings auch.

Vielleicht haben die Akademiemitglieder der Brit Awards zuletzt Nachholbedarf verspürt, als sie den Pet Shop Boys die Auszeichnung für ihren „außerordentlichen Beitrag zur Musik“ zukommen ließen. Man hatte fast schon wieder vergessen, wie sehr sie den Ennui der Besserwissenden zur Kunstform erhoben hatten. Daran darf Yes in aller Unbescheidenheit erinnern

„Yes“ von den Pet Shop Boys ist bei Parlophone/EMI erschienen.

Dieser Text ist dem Musik-Spezial aus der ZEIT vom 12.3.2009 entnommen.

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2 Kommentare

  1.   Schwabke

    Man mag zwar denken „Es ist doch nur eine Plattenbesprechung“, aber immerhin wurde obiger Text für die breite Öffentlichkeit geschrieben.

    Also:
    Diese Rezension ist leider eine Ansammlung von Mißverständnissen über die Pet Shop Boys und deren neues Album.

    Dies fängt schon mit der Fehlinterpretation des Album-Artworks an.
    Natürlich bedeutet die Grafik nicht „abgehakt“ im Sinne von „erledigt“, sondern „Haken gesetzt, weil zutreffend“ oder eben „Zustimmung“.
    Es ist schlicht eine Visualisierung des Albumtitels.
    Nicht zufällig steht auf dem Cover:
    „Yes, Pet Shop Boys.“, der Titel also in Satzform.
    Kurios, dass Fehlinterpretationen auf dieser Ebene möglich sind.
    Dabei wurde das Cover übrigens vom Domfenster des Malers Gerhard Richter inspiriert.

    All diese Informationen ließen sich sehr einfach herbeirecherchieren und erscheinen mir zumindest interessanter, als die spontanen Einfälle des Rezensenten beim Betrachten des Covers.

    Der interessierte Leser sei im Übrigen beruhigt:
    Tatsächlich klingt das Album „Yes“ völlig anders und neu und enthält ganz offensichtlich massenhaft neue Ideen, was sogar vom, den Pet Shop Boys traditionell alles andere als wohlgesonnenen Rolling Stone (März 2009) anerkannt wird.

    Als passioniertem ZEIT-Leser fällt es mir zwar schwer, auf die Konkurrenz zu verweisen, doch sei hier ein aktueller Artikel aus der WELT als Beispiel für eine gelungene Rezension empfohlen:

    http://www.welt.de/welt_print/article3416332/Wer-Nein-sagt-muss-auch-Ja-sagen.html

  2.   geier

    danke, lieber mensch schwabke.
    das musste wirklich gesagt werden!

    grandioses album, übrigens.

 

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