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Zeitsprung: Mütter

Es kommt ja selten vor, dass gleich drei Frauen einer Familie synchron schwanger sind. Diese Situation trat bei uns 1999 ein und wurde von mir auf dem linken Foto dokumentiert. Das rechte Bild zeigt die Beteiligten (und die Insassen der Bäuche) 16 Jahre später.

Günter Pfützenreuter, Nordwalde, Nordrhein-Westfalen

 

Zeitsprung: An der Nordseeküste

Kürzlich haben wir wieder einmal eine Ferienwoche auf Spiekeroog verbracht und dort wie immer fleißig fotografiert. Das erste Bild entstand an einem Vor­mittag. Es war gerade Hochwasser, sonnig und nur leicht windig. Drei Tage später entstand am Nachmittag im Sonnenschein bei starkem Wind das zweite Bild. Man sieht hier, dass die Sandbank, welche die Insel vor den anbrandenden Wellen schützt, völlig überspült worden ist. Wegen der Stürme war der Fährverkehr zum Festland eingestellt. Ein Unterschied zwischen Hoch­- und Niedrigwasser war kaum noch zu erkennen. Doch trotz der Stürme haben wir den Aufenthalt auf der schönsten der ostfriesischen Inseln sehr genossen.

Simone Néné, Frankfurt am Main

 

Zeitsprung: Wieder bei Frau Yuhara

Ich bin in Japan geboren und habe dort mein erstes Lebensjahr verbracht. Meine Eltern reisten damals häufig nach Kyoto, dort wohnten wir immer in einem Ryokan, einem traditionellen Gasthaus. Die Besitzerin, Frau Yuhara, war, so erzählten meine Eltern, ganz vernarrt in das ausländische Baby. Im vergangenen Jahr hatte ich nach einer Konferenz in Japan die Gelegenheit, noch ein wenig durch mein Geburtsland zu reisen – selbstverständlich auch nach Kyoto. Tatsächlich fand ich das Ryokan Yuhara im Internet wieder, konnte gleich für einige Tage dort buchen und entdeckte, dass Frau Yuhara mit fast 80 Jahren immer noch aktiv ihr Gasthaus führt. Da war die Freude und Rührung auf beiden Seiten groß, als ich ihr die Bilder von damals zeigte. In der Zwischenzeit ist das Ryokan zwar modernisiert worden, und ich bin über Yuhara-San hinausgewachsen, sonst hat sich nicht viel verändert. Vor allem nicht die Gastlichkeit. Sogar im selben Zimmer von damals habe ich übernachtet!

Judith Offerhaus, Köln

 

Zeitsprung: Kirchweih

Seit vielen Hundert Jahren findet bei uns in der Fränkischen Schweiz am ersten Maiwochenende das Walberla-Fest statt. Der Name leitet sich von der heiligen Walburga ab, der man hier im 17. Jahrhundert eine Kapelle baute. Entsprechend wird der Berg, auf dem diese Kapelle steht, im Volksmund Walberla genannt. Offiziell heißt die Erhebung Ehrenbürg.
Mitten im Städtedreieck Nürnberg–Bamberg–Bayreuth gelegen, fällt sie dem Besucher schon von Weitem ins Auge.
Dass sich am Festverlauf so gut wie nichts verändert hat, zeigt der Vergleich der Ansichtskarte von 1908 mit dem Foto aus dem vorigen Jahr. Nach wie vor steht die Geselligkeit im Vordergrund, die Freude am Bier und am leiblichen Genuss. Große Festzelte und spektakuläre Fahrgeschäfte sind verpönt. Wir freuen uns heute schon auf den Aufstieg zum Walberla und auf die blühenden Kirschgärten an den Hängen des Berges.

Manfred Franze, Ebermannstadt, Oberfranken

 

Zeitsprung: Gipfel

In unserer Familie gibt es eine gewisse Faszination für die Alpen. Und als mir mein Vater vor vielen Jahren bei einem Familienurlaub aus der Ferne den Gipfel des Großglockners zeigte, den mein Großvater einst erklommen hat, entstand bei mir eine spezielle Beziehung zu diesem Berg. Mein Großvater (linkes Foto, Erster von links) machte die Tour 1939 kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Er starb vor meiner Geburt, weshalb ich ihn nie persönlich kennenlernte. Ich bestieg den Berg im vergangenen Jahr (rechtes Foto, Erster von links). Nachdem ich von meiner Tour zurückkam, gab mir mein Vater das alte Album meines Großvaters mit Postkarten und Fotos vom Großglockner. Vorher war niemandem aufgefallen, dass die Karten auf der Rückseite beschrieben waren, doch nun entdeckte ich den Bericht seiner Kletter- Erlebnisse, gerichtet an die Familie daheim in Köln, und war sehr berührt: Die Gefühle waren die gleichen, trotz der 75 Jahre, die uns trennten.

Ulrich Limper, Köln

 

Zeitsprung: Presto

Er kam 2010 als Findelkind zu mir. Mit der Unterstützung der Internetseite eich­hoernchen­schutz.de habe ich ihn in meiner Wohnung aufgezogen. Am Anfang wollte Presto nur schlafen und trinken. Später machte er seinem Namen aber alle Ehre: Er war flink und ständig in Bewegung, tobte, nagte, versteckte und suchte überall. Als er dann »erwachsen« war, musste ich ihn schweren Herzens aus­wildern. Er kam aber noch eine lange Zeit täglich zu Besuch. Irgendwann blieb er fort, ich hoffe, weil er eine »Presta« gefunden hat. (Schluchz!)

Holger Hansen, Zarnekau, Schleswig­-Holstein

 

Zeitsprung: Geschäftsübernahme

In unserer Familie gibt es einen Kaufmannsladen, den mein Großvater etwa 1930 für meinen Vater ge­baut hat. Der Kaufmannsladen hat einen Weltkrieg überstanden und reiste 1957 offiziell mit mir aus der DDR aus. (Als Kind von »Republikflüchtigen« – meine Eltern waren vorerst ohne mich in den Westen gegangen – wurde ich ausgewiesen, durfte aber mei­ne Besitztümer offiziell mitnehmen.) Das Bild von 1956 zeigt mich mit meinen Großeltern (rechts mein Großvater, der »Erbauer« des Kaufladens). Kürzlich konnte meine zweijährige Enkelin Anna den Laden übernehmen. Aus diesem Anlass haben wir dann alle vier Generationen im und neben dem Laden foto­grafiert, die mit ihm schon gespielt haben und noch weiter spielen werden: meine Tochter Sonja, Anna, meinen Vater und mich (von links nach rechts).
Sonja hat immer sehr stolz erzählt: »Den Kaufladen hat mein Urgroßvater für meinen Opa gebaut.« In unserer konsumorientierten Zeit finde ich es schön, wenn die Dinge wegen ihrer Geschichte geschätzt werden und auch Kinder eine Idee vom Eingebun­densein in Zusammenhänge bekommen.

Elke Greven, Aachen

 

Zeitsprung: Zurück

Anfang 2000 erhielten wir endlich unseren lange erwarteten Adoptivvorschlag für ein Waisenkind von den Philippinen. Das Bild, das wir zugeschickt bekamen, zeigt Christian im Alter von drei Jahren am Treppengeländer des Waisenhauses Concordia Children’s Services in Manila. Im Mai 2000 durften wir Christian dann dort abholen. Im vergangenen Jahr besuchten wir mit Christian zum ersten Mal wieder die Philippinen und natürlich auch das Concordia. Zwei der damaligen Erzieherinnen konnten sich noch an ihren Schützling erinnern. Mit der Leiterin und einer der beiden Erzieherinnen steht Christian auf dem neuen Foto wieder am gleichen Geländer vor dem Eingang des Concordia. Das Waisenhaus wurde inzwischen renoviert – und Christian ist gewachsen, wie man sieht.

Roland Pfister, Mörgen, Unterallgäu

 

Zeitsprung: Der Gletscher

Im Sommer 1982 habe ich mit meiner Frau und unseren Töchtern den Briksdalgletscher in Norwegen besucht. Vergangenen Sommer waren wir noch mal dort, diesmal mit unserer Enkeltochter. Der Gletscher ist mittlerweile weit weniger imposant – ein sichtbarer Beleg für den Klimawandel.

Peter Teitje, Hamburg

 

Zeitsprung: Wasserfall

Dies ist einer meiner Lieblingsorte, ein kleiner, versteckter Wasserfall in einem Waldstück meines Heimatorts. Hier kommt kaum jemand vorbei. Die Stelle ist so zugewachsen, dass man den Wasserfall vom Weg oben aus kaum sieht. Ich suche dieses verwunschene Plätzchen immer mal wieder auf, um Ruhe zu tanken. Dabei sind Bilder in verschiedenen Jahreszeiten entstanden.

Claudia Schellmann, Pliezhausen, Baden-Württemberg