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Fotomagazin „Der Greif“ – Interview mit einem der Macher

 

Die Idee des Fotomagazins „Der Greif“ aus Augsburg: Jeder, der will, kann auf einem Online-Portal bis zu zehn Bilder und Texte hochladen, eine Auswahl der Einsendungen kommt dann ins Heft. „Der Greif“ erscheint zwar noch nicht regelmäßig, allerdings gibt es die gerade gerelaunchte Webseite. Ein Interview mit einem der Gründer des Magazins, Simon Karlstetter.

Das Magazin gibt es seit 2008. Wie ist die Idee entstanden? Es gibt unglaublich viele Bilder, die auf Festplatten „gefangen“ sind, weil sie nicht mehr ausgedruckt werden. Dieser wahnsinnigen Bilderflut wird keiner mehr Herr. Das Magazin soll ein Ruhepol sein, hier kann man sich auf einzelne, ausgewählte Bilder und Texte genauer einlassen. Die Bildauswahl übernehmen Leon Kirchlechner und Matthias Lohscheidt. Um dem Ganzen eine weitere Ebene hinzuzufügen, werden die Bilder mit Texten von Autoren verbunden. Hier sind Florian Kreier, und bei Ausgabe vier Lydia Daher federführend. Sie übernehmen die Textauswahl. Wir zeigen Arbeiten von angehenden und bereits etablierten Künstlern nebeneinander. Mittlerweile kommen sie aus der ganzen Welt. Unsere redaktionelle Arbeit ist die Kuration und Edition. Wir schreiben keine Artikel und machen keine Bilder, sondern wählen sie aus und stellen sie in dem gedruckten Ausstellungsraum „Magazin“ aus.

Wie gehen Sie bei der Auswahl der Texte und Bilder vor? Für die aktuelle Ausgabe haben wir aus 4200 Bildern und 200 Texten ausgewählt. Die Vorauswahl umfasst ungefähr die Hälfte der Fotos und ist relativ schnell getroffen. Wir haben über die Jahre einen sehr differenzierten Blick für Fotografie entwickelt und setzen uns intensiv mit den Bildern auseinander. In der aktuellen fünften Ausgabe wurden die Arbeiten von 107 Fotografen und 22 Autoren veröffentlicht. Im Magazin legen wir großen Wert auf die Komposition: Wie funktionieren die verschiedenen Fotografien und Texte miteinander? Welches Gefühl entsteht?

Wie lange dauert dieser Prozess? Das geht eine Woche, jeden Tag von früh bis spät. Erst so kann man mit den Bildern und Arbeiten eine wirkliche Verbindung eingehen. Wir begeben uns wirklich rein in diese Welt. Dadurch merkt man schnell, welche Arbeit einem etwas gibt und welche nicht. Für die textliche Arbeit bekommen wir glücklicherweise Unterstützung, das könnten wir so selbst nicht leisten. Es wird viel diskutiert. Wir sind mehrere Leute, das sind verschiedene Geschmäcker. Diese Reibereien und Auseinandersetzungen sind ganz wichtig. Für den „Greif“ setzen wir die Arbeiten in einen neuen gemeinsamen Kontext. Unser Blick und unsere Auswahl entscheiden letztendlich über den Inhalt des Magazins.

Warum haben Sie sich für das Medium Magazin entschieden? Ich glaube, dass es immer Bücher und Magazine geben wird, weil der Mensch ein haptisches Erlebnis will. Wir versuchen, unserer Printpublikation eine gewisse Aura zu geben. Sie ist nummeriert, limitiert, hochwertig gedruckt, und es gibt keine Werbung. Damit wird sie zu einem Sammlerstück. Aber der „Greif“ ist ein Produkt aus dem Internet. Die Bilder werden online hochgeladen, es können sich auch nur so viele beteiligen, weil es das Internet so leicht macht. Der Weg ist kurz: Man setzt sich an den Rechner, meldet sich an und lädt einfach ein Foto hoch.

Wie finanziert sich ein Magazin ohne Werbung? Wir haben Sponsoren und kunstinteressierte Förderer, die das Konzept der Werbefreiheit unterstützen. Sie erscheinen lediglich im Impressum und auf der Webseite. Keine Werbung im Magazin zu haben, bedeutet viel Arbeit. Wir sind gerade an einem Punkt, an dem wir überlegen, wie es für uns weiter geht. Wir werden weiterhin nicht profitorientiert arbeiten, aber das Ziel ist zumindest, unsere eigene Arbeit und die von Mitarbeitern bezahlen zu können. Auf der anderen Seite ist durch den „Greif“ so viel passiert, was man mit Geld nicht bezahlen kann. Ich habe über das Projekt viele Leute kennengelernt, bin an so viele Orte gekommen. Das sind ganz andere Werte als finanzielle.

Die Fragen stellte Inga Krieger

 

 

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