Entwicklungsblog von ZEIT ONLINE
Kategorie:

Veranstaltungen

Kluge Uhren, gebogene Displays

Von 5. März 2015 um 21:34 Uhr

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona haben Technologiekonzerne in dieser Woche zahlreiche Neuerungen gezeigt. Nicht alle sind spektakulär. Welche der vielen Neuerungen werden also Konzeption, Design und Programmierung von Webanwendungen und Apps nachhaltig beeinflussen? Fünf Erkenntnisse aus Barcelona:

1. Es gibt einen Smart-Watch Hype

Ja, es gibt ihn, den Hype um Wearables und Smart-Watches. Im Moment aber nur auf Herstellerseite. Alle großen Smartphone-Hersteller haben sich dem Thema noch ein Mal gewidmet und die nächste Generation von Modellen in Barcelona vorgestellt. Die Palette reicht dabei vom einfachen Fitnessband, über ein Smartband mit E-Ink Display hin zur Android-Wear-Uhr mit Amoled-Display. Viele der neuen Modelle orientieren sich an der runden Moto 360. Anders die Samsung Gear S, die durch ihr verhältnismäßig großes, gebogenes Hochkant-Display deutlich mehr Bedienelemente und Inhalte darstellen kann. Wer sich also mit der Entwicklung einer Android-Wear-App beschäftigt hat, beschäftigt oder beschäftigen will, wird seinen Geräte-Zoo erweitern müssen.

Der Grund für die neuerliche Geräteflut ist klar: Alle warten auf Apple. Falls es Apple gelingt, seine Uhr erfolgreich und in hohen Stückzahlen am Markt zu platzieren, wollen viele Hersteller dabei sein.

2. Mehr gebogene Displays bei Handys

LG hat für sein G Flex – wohl als Antwort auf das Apple “Bendgate” – eher Gesäßtaschenträger als Zielgruppe ausgemacht. Samsung biegt kurzerhand den Display-Rand seines neuen Galaxy S6 Edge. Für Webdesign und Entwicklung hat das Auswirkungen, falls sich diese Variante des Galaxy S6 gut verkauft. Man müsste generell mehr Weißraum am Rand der Inhalte einplanen oder diesen Geräten per Device-Erkennung eine andere Layoutvariante spendieren.

Sowohl das Samsung Edge als auch die vielen runden Smart-Watches verdeutlichen noch einmal das Problem des Bildercroppings. Wie bestimmt man die wesentlichen Informationen in einem Bild und schneidet es über verschiedene Plattformen und Technologien zu, ohne wichtige Informationen zu verlieren? Für responsives Webdesign gibt es Ansätze wie focal-point oder jquery-focuspoint – cross-platform ist dies aber noch eine Herausforderung.

3. Microsoft sollte man nicht unterschätzen

Die neue Generation von Lumia Modellen läuft seit Dezember nicht mehr unter Nokia, sondern unter dem Namen Microsoft. Sie sehen gut aus und fühlen sich auch so an. Auch die Betaversion von Windows 10 macht sowohl optisch als auch funktional einen sehr angenehmen Eindruck. Ob Microsoft damit den großen Abstand zu iOS und Android verringern kann, ist jedoch unklar.

4. Ubuntu und FirefoxOS mit neuer Hardware

Ubuntu für Telefone konnte man bisher auf Android-Geräten installieren. Auf dem Mobile World Congress hat Ubuntu nun das erste eigene Telefon vom spanischen Hersteller BQ vorgestellt. Eher im Niedrigpreissegment angesiedelt, richtet es sich zunächst an Linux-Fans und kommt natürlich mit einer Konsole. Ein höherwertiges Gerät von Meizu wird bald in Asien erhältlich sein.

Neue Hardware gab es auch am Messestand von Firefox. Noch vor knapp zwei Jahren floppte die Markteinführung des Firefox-Phones in Europa, weil die Nutzer sich an hochwertige Geräte gewöhnt hatten. Trotzdem setzt Mozilla weiter auf günstige Hardware und Webstandards. Alle Apps in FirefoxOS können einfach mit HTML, CSS und JavaScript entwickelt werden. Bereits im vergangenen Sommer war es Mozilla gelungen, ein Handy für 25 US-Dollar auf den Markt zu bringen. Das ist insofern bemerkenswert als ein niedriger Preis eines Handys mehr Menschen Zugang zum Internet verschafft.

5. Der nächste große Schritt ist die nächste Milliarde Nutzer

Zugang zum Internet für alle Menschen, das war ohnehin eines der dominierenden Themen. Google und Facebook werden sich hier weiter engagieren. Sowohl Sundar Pichai von Google als auch Mark Zuckerberg kündigten an, Project Loon (Internetballons von Google) und internet.org (Kostenloses Basis-Internet von Facebook) weiter zu forcieren. Für Konzept, Design, Web- und App-Entwicklung mit globalem Scope bedeutet das natürlich: Einfacher ist immer besser – besonders auf ökonomischer Hardware und bei geringen Bandbreiten.

Michael Schultheiß ist Leiter der Entwicklungsredaktion bei ZEIT ONLINE.

Kategorien: Veranstaltungen

Einstieg ins Programmieren für Jugendliche mit Python und Blender

Von 12. September 2013 um 10:34 Uhr

ZEIT ONLINE war am vergangenen Wochenende im Veranstaltungsraum der Berliner Redaktion Gastgeber für den vom Python Software Verband (PySV) veranstalteten Workshop "Pymove3D Python Kurs Für Einsteiger", der sich an Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren richtete.

schueler_programmier_workshop_zeit-online

Im ersten Teil wurden allgemeine Programmiergrundlagen vermittelt: Variablen, Datentypen, Operatoren, For-Schleifen, If-Bedingungen, Funktionen. Python - übrigens auch eine Programmiersprache für zentrale Dienste der ZEIT ONLINE Architektur - gilt als eine aufgrund ihrer eleganten Syntax einfach zu erlernende Sprache. Zudem ist Python eine gute Wahl für einen Einsteiger-Workshop, weil die Schnittstellen zum 3D-Renderingprogramm Blender Python verstehen. So ist es möglich, einfache Blender-Objekte (sichtbar als einfache geometrische Figuren) programmatisch zu erstellen, zu bewegen oder einzufärben. Auf diese Weise konnten dann im zweiten Teil des Workshops die im ersten Teil erworbenen Grundlagen praktisch und anschaulich angewendet werden.

Bildschirmfoto 2013-09-12 um 10.27.34

Wie schon Python eignet sich Blender sowohl zum Lernen auf einfachem Niveau als auch für den professionellen Einsatz. Davon konnten sich die Teilnehmer einen Eindruck verschaffen, indem zwischendurch zur Auflockerung der ohnehin schon lockeren Atmosphäre Filme gezeigt wurden, die mit Blender produziert wurden.


Tears of Steel - Blender Foundation's fourth short Open Movie


Big Buck Bunny

Die Teilnehmer zeigten sich anschließend sehr zufrieden mit dem Wochenende; gerade auch, weil der Workshop eine praxisnahe Ergänzung zum Informatikunterricht in der Schule darstellte. Stefania Trabucchi, Peter Koppatz und Joren Retel vom PySV sowie Ron Drongowski und Thomas Baumann von ZEIT ONLINE bedauerten, dass sich für den Workshop keine Teilnehmerinnen angemeldet hatten.

Wer nicht dabei sein konnte oder nach Lesen dieses Berichts neugierig geworden ist, kann sich auf der Webseite zum Workshop über die Python-Grundlagen und das Zusammenspiel von Python und Blender informieren.

Der nächste Workshop dieser Art soll voraussichtlich im Oktober bei ZEIT ONLINE in Hamburg veranstaltet werden. Der genaue Termin wird, sobald bekannt, hier im Artikel und bei uns auf Twitter bekanntgegeben. Über die Anmeldung insbesondere auch von Mädchen und jungen Frauen würden sich Veranstalter und Gastgeber sehr freuen.

Weitere Informationen:

Hack the newsroom!

Von 4. Juni 2013 um 11:01 Uhr

Redaktionen müssen sich täglich neu erfinden und Experimente zulassen. Sie müssen permanent im Beta-Stadium sein, denn die Lesegewohnheiten verändern sich schnell und der journalistische Markt ist umkämpft.

Weil neue Ideen oft mit technischen Anforderungen verbunden sind, ist Teamwork gefragt. Wir erleben das in der täglichen Arbeit bei ZEIT ONLINE zum Beispiel im Datenjournalismus. Hier arbeiten Journalisten mit Designern und Programmieren zusammen, jeder bringt sein Fachwissen ein, um zeitgemäßes Storytelling zu entwickeln.

Das Global Editor's Network (GEN) fördert eine solche Herangehensweise mit der Veranstaltungsreihe Editor's Newslabs. Teams aus Journalisten, Designern und Programmierern treten dabei in einen journalistischen Wettstreit. Die Mannschaften haben zwei Tage Zeit, zu einem vorgegebenen Thema kreative Lösungen zu finden.

Eine solche Veranstaltung des GEN-Newslab findet nun auch in Deutschland statt: Der ZEIT-ONLINE Newsroom am Askanischen Platz 1 in Berlin wird am 6. und 7. Juni der Austragungsort sein.

Das Thema dieses Hackathons lautet: Innovative use of Open Data to cover Global Development. Ein spannendes Thema, das weit auslegbar ist und viele kreative Möglichkeiten lässt. Es könnte zum Beispiel mit einem spannenden Datensatz gearbeitet werden, der internationale Entwicklung verständlich macht und Grundlage für zukünftige Entscheidungen sein kann. Denkbar wäre auch die Erarbeitung eines Konzepts, das die Gewinnung und Sammlung von internationalen Daten zum Ziel hat.

Neben dem Wettstreit ist auch das Kennenlernen und Austauschen die Redaktionsgrenzen hinweg wichtig. Zugesagt haben Teams von Spiegel/Spiegel Online, sueddeutsche.de, dpa, NDR, Deutsche Welle, Berliner Morgenpost und Rhein-Zeitung. Besonders freuen wir uns auf die Kollegen des kroatischen Teams von 24sata.hr. Am 7. Juni (Freitag) pitchen die Teilnehmer mit ihren Projekten. Hier ist interessiertes Publikum herzlich willkommen. Los gehen die 5minütigen Präsentationen um 16:30 Uhr im Veranstaltungsraum von ZEIT ONLINE.

Press Release (english)

austrai_580.jpg
Ein Team von ZEIT ONLINE hat bereits an einem ähnlichen Hackathon in Österreich teilgenommen und gewonnen. Teams von ORF, Neue Zürcher Zeitung, Der Standard, der APA und anderen ambitionierten Newsrooms befassten sich zwei Tage lang mit dem Thema Internationale Migration.

Datensätze wurde gesichtet, Wireframes skizziert und erste Prototypen programmiert. Zum Abschluss stellte jedes Team das Erarbeitete in einem Fünf-Minuten-Pitch vor. Eine Jury kürte die Sieger. Das Team von ZEIT ONLINE – Annabel Church, Paul Blickle und Sascha Venohr – kam mit den Kollegen des ORF gemeinsam auf Platz eins.

Unser Siegerbeitrag sieht vor, mit Hilfe von Facebook-Daten zu visualisieren, wie Integration in verschiedenen Staaten tatsächlich funktioniert. Der ORF überzeugte mit einer trimedialen Umsetzung regionaler Daten Österreichs. Hier gibt es alle Projekte auf einen Blick.

Mit dem Sieg verbunden war ein Preisgeld von 5.000 Euro und die Qualifikation für den globalen Final-Hackathon während des World Summit in Paris.

Auch die Gewinner des Hackathons in Berlin haben knapp zwei Wochen vor dem Weltfinale die Chance, noch nach Paris zu fahren.

Wir werden an beiden Tagen live unter dem Hashtag #EditorsLab twittern.