Ein Blog über Religion und Politik

Thilo Sarrazin antwortet

Von 3. November 2009 um 09:09 Uhr

Dr. Thilo Sarrazin schreibt mir in einem Leserbrief zu meiner Analyse des Streits um seine Äußerungen:

Martin Spiewak und Jörg Lau mögen bitte “Die fremde Braut” von Necla Kelek, “Der Multikulti-Irrtum” von Seyran Ates und Arab Boy von Güner Balci lesen. Necla Kelek und Seyran Ates haben übrigens meinen Aussagen öffentlich zugestimmt.

Im übrigen hatte ich gar nicht das Gefühl, als ich das Interview gab, eine besondere Zivilcourage zu besitzen, insofern gebe ich Jörg Lau recht. Im Nachhinein bin ich allerdings über meine Naivität erstaunt.

Zum “Fall out” des Interviews zählen: Der Versuch mich aus der Bundesbank zu drängen, ein Vergleich mit Hitler und Goebbels durch den Generalsekretär des Zentralrats der Juden, ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung, ein Parteiausschlussverfahren aus der SPD, Kübel voller Häme aus Teilen der liberalen Presse, bis die massive Leserbriefreaktion zu Besinnung führte. Das halte ich aus, weil ich ausreichend in mir selbst ruhe, materiell gesichert bin und keine weiteren Ämter anstrebe. Wer sonst hält das aus oder setzt sich dem freiwillig aus?

Nachdenklich sollte stimmen, dass ich offenbar ein weitverbreitetes Artikulationsbedürfnis angesprochen habe, das von den Medien und der Politik bisher nicht bedient wurde. Ich sehe hier durchaus einen Systemmangel. Kein Wunder, dass viele “demokratische Diskurse” über die Köpfe der Beteiligten hinweg gehen.

Mit freundlichen Grüßen,

(Unterschrift)

Kategorien: Debatte, Integration
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Im übrigen hatte ich gar nicht das Gefühl, als ich das Interview gab, eine besondere Zivilcourage zu besitzen”
    Das Gefühl trügt nicht.

    • 3. November 2009 um 10:08 Uhr
    • AM
  2. 2.

    Kurz, präzise, knallhart richtig: Sarrazin eben!

    • 3. November 2009 um 11:25 Uhr
    • Hans-Peter Dollhopf
  3. 3.

    Na ja, Sarrazins letzter Satz:

    “Kein Wunder, dass viele “demokratische Diskurse” über die Köpfe der Beteiligten hinweg gehen.”

    fällt auf ihn selbst zurück, wenn er, wie schon oft geschehen, in Herrenreitermanier über die Unterschicht(en) herzieht.

    • 3. November 2009 um 11:32 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  4. 4.

    Hans Joachim Sauer,

    ich komme aus der Unterschicht. Mein Vater war Arbeiter. Ich weiß auch, mit welchen Ausdrücken Karl Marx über diejenigen Teile der Unterschicht hergezogen ist, die so kaputt sind, dass sie nicht einmal mehr für eine kommunistische Gesellschaft brauchbar sind.Als “Kind” aus der Unterschicht gebe ich Sarrazin vollkommen recht.

    • 3. November 2009 um 11:52 Uhr
    • Hans-Peter Dollhopf
  5. 5.

    Naja. Dass er zum Held von PI und rechtsextremen Lager wurde, erzählt er aber nicht; der Arme.

    • 3. November 2009 um 12:31 Uhr
    • docaffi
  6. 6.

    Sarrazin inszeniert sich – so wie die Irren von PI und andere Rechte – wieder mal als “Opfer” des Mainstreams (im PI-Sprech “linksgrünfaschistische Gutmenschen-Meinungsdiktatur”), als einsamer Rufer in der Wüste und Martyrer der Wahrheit. Es ist so verlogen, es macht mich wütend. “Der” einheitliche, diktatorische Mainstream existiert doch ganz offensichtlich nicht, oder wie erklärt sich sonst diese Debatte?

    • 3. November 2009 um 12:51 Uhr
    • Thomas
  7. 7.

    @docaffi, Thomas

    In einer repräsentativen Emnid-Umfrage wurde Sarrazin seitens der Bevölkerung mit 51:39 Recht gegeben. Also erdrutschartig. PI hat pro Tag ca 50.000 Leser, und nicht 40 Millionen.

    Sarrazin trifft den Nagel wieder auf den Kopf. Das Problem ist das mangelnde Demokratieverständnis der Eliten. Dies ist schon vielen Staaten zum Verhängnis geworden.

    Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Die “Montagsdemonstrationen” spielen sich offenbar gegenwärtig in Internetforen ab.

    • 3. November 2009 um 14:17 Uhr
    • Black
  8. 8.

    Sarazin: ich denke, es reicht langsam!! Und das gilt auch für die ZEIT und den Autor Jörg Lau!!

    Es gibt Wichtigeres und wichtigere Personen!

    • 3. November 2009 um 14:30 Uhr
    • sudek
  9. Kommentar zum Thema

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