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Erdogan, ein Fluch für Deutschlands Türken

 

Der türkische Premierminister Erdogan ist ein Unglück für die Türken in Deutschland. Zum wiederholten Mal hat Erdogan einen Deutschlandbesuch für eine seiner nationalpopulistischen Aktionen benutzt. Wieder ging es um die türkische Sprache: Kinder sollen erst Türkisch lernen, dann Deutsch. Wie oft muss man das noch kommentieren? Selbstverständlich ist es wünschenswert, dass Kinder mit türkischen Wurzeln Türkisch lernen. Das Problem der türkischstämmigen Schulversager liegt nicht in der Erstsprache, sondern im schlechten Beherrschen beider Sprachen. Hunderttausende Kinder könnnen weder Türkisch noch Deutsch in ausreichendem Maße sprechen. Aber was soll’s, dazu ist eigentlich längst alles gesagt. Auch hier schon mehrfach.
Erdogan interessiert sich ja auch gar nicht für das Schicksal der Einwanderer und ihrer Kindeskinder. Er führt seine nationalistische Show auf, er spielt mit den Frustrationsgefühlen der deutschen Türken. Es geht um eine Pose, die er für erfolgversprechend hält: Erdogan will den türkischen Wutbürger anzapfen. Warum will er die doppelte Staatsangehörigkeit? Damit er auch in Zukunft weiter Wahlkampf in Deutschland machen kann und sich wichtige Prozente bei den Auslandswählern sichern kann. Daraus kann man übrigens auch ablesen, wie wenig Chancen Erdogan dem EU-Beitritt beimisst – denn unter diesen Auspizien wären Türkischstämmige mit deutschem Pass eigentlich die besseren Vorboten (seht doch, wir sind schon Teil von Euch). Warum redet er gegen die Sprachprüfungen, die mittlerweile vor dem Ehegattennachzug zu absolvieren sind? Erdogan nennt das doch tatsächlich „eine Verletzung der Menschenrechte“. Da wird es nur noch peinlich.
Die Sprachkenntnisse sollen Ehefrauen (und -männer) in die Lage versetzen, ihre Rechte hier besser wahrzunehmen. Die Anforderungen sind sehr gering. Wenn Erdogan mit der Forderung nach minimalen Basiskenntnissen die Menschenwürde verletzt sieht, wirft das auch ein trübes Licht darauf, was er dem eigenen Volk zutraut.
Erdogan degradiert die Deutschtürken bei jedem seiner Besuche zu Untertanen, die ohne die Fürsprache des Kalifen vermeintlich entrechtet, entwürdigt und mißachtet sind. Damit entwertet Erdogan die Leistungen der vielen Einwanderer und ihrer Kinder, die hier ihren Weg gemacht haben und solchen Paternalismus nicht brauchen – ja, deren Erfolg eigentlich darauf beruht, dass sie hier in einer freien Gesellschaft ohne autoritäre Fürsprache auszukommen gelernt haben. Die wachsende neue Elite der Deutschtürken zittert den Erdogan-Besuchen mittlerweile entgegen: Was wird er jetzt wieder Dummes und Peinliches sagen, das wir dann wieder gerade rücken müssen? Hoch erfreut nehme ich zur Kenntnis, dass die Grünen durch den Abgeordneten Mehmet Kilic scharfe Kritik an Erdogan üben. In Deutschland leben viele Aleviten und Kurden, bei denen unvergessen ist, unter welchen Verfolgungen und Einschränkungen diese Gruppen bis heute zu leiden haben, auch wenn sich gerade unter der Regierung Erdogan einiges gebessert hat. Dennoch ist die Lage in der Türkei nicht so, dass Erdogan Grund hat, Deutschland über die Menschenrechte zu belehren.
Es geht auch nicht nur um Eliten und Minderheiten unter den Türken hier: Das Jubiläum der Anwerbung wurde von den Deutschen zum Anlass genommen, endlich auch die rührenden und beeindruckenden, traurigen und erhebenden Geschichten zur Kenntnis zu nehmen, die so viele Familien bei dem Abenteuer Almanya erlebt haben. Ein neuer realistischer Blick auf Deutschlands Türken wurde eingeübt, weitgehend ohne Kitsch und ohne Apokalypse. Von Erdogan sollte man sich das nicht kaputt machen lassen.
Wo er Recht hat: Die Türkei erfüllt die Beitrittsbedingungen zur EU schon heute besser als manches Mitglied, hat Erdogan heute gesagt. Das ist auf die Griechen gemünzt, die unter heutigen Bedingungen keine Chance hätten, aufgenommen zu werden. Die Türkei erlebt einen wirtschaftlichen und politischen Boom. Gerade ihre Größe, in Kombination mit ihren politischen Ambitionen (Neo-Osmanentum, Anti-Israel, Licht der Araber) macht einen Beitritt zu einer prekären Frage, selbst wenn eines Tages die ökonomischen und juristischen Bedingungen erfüllt sein sollten. Am Ende ist es eine politische Entscheidung, ob das Land jemals aufgenommen wird. So wie sich die EU entwickelt, ist das aus intrinsischen Gründen fraglicher denn je geworden. Und Erdogan macht es mit seinem peinlichen nationalistischen Pomp wieder ein Stückchen unwahrscheinlicher.

1.203 Kommentare

  1.   riccardo

    Moment mal, auch die SPD will ja neuerdings wieder den Doppelpaß und die Grünen sowieso.Ich halte das auch für eine gute Idee, so scheidet sich die Spreu vom Weizen. Und Erdogan spricht nur das aus, was eine bedeutende Mehrheit der Türken im Lande will und was der deutsche Einpaßbesitzer ohnehin ahnt. Dass der deutsche Paß eher nicht aus Neigung, sondern eher als eine Art Smartcard zur Erlangung bestimmmter Begünstigungen erworben wird.

  2.   ciko54

    Wie kann man ständig ANTITürken sein?

  3.   ciko54

    Bingo!

  4.   Cem Gülay

    Das wird noch alles viel lustiger werden. Jörg Lau sagt doch, hundert Tausende Jugendliche ohne wirkliche Sprachkenntnisse.

    Sagen wir 400 Tausend.
    Verheiratet werden diese mit weiteren 400 Tausend Partnern aus der Türkei. Also 800 Tausend ohne richtiges Deutsch. Mal 2 bis 3 Kinder die man zeugt, also 1.6-2.4 Mios an Integrierten AKP Wählern.

    Wieso sagt Wulf nicht, die AKP gehört nach Deutschland.

    Ach so, wenn der Kurden-Konflikt weiter eskaliert, gibt es nochmal ne schöne Bereicherung. Da freuen sich schon die Pro-Asyl Leute

    Egal, bis Deutschland untergeht, werden es noch 20 Jahre sein. Da sind die Politiker entweder Tod oder liegen in der Sonne auf Mallorca.

    Die Deutschen müssen ein Gen besitzen, dass Selbstzerstörung heißt.
    Siehe 30 Jähriger Krieg, WK1 und WK 2

  5.   Hans Joachim Sauer

    @ CG

    „Egal, bis Deutschland untergeht, werden es noch 20 Jahre sein“

    Machen Sie jetzt den Sarrazin?

  6.   Cem Gülay

    HJS

    Sarrazin wollte ein Buch über Sozialpolitik schreiben.(seine Aussage). Dann hat er Anne Will geguckt über seine Thesen(Gemüse Ali), wo ich auch dabei war. Dann kamen meine Thesen in Zeitungen, wenn Deutschland nicht aufpasst………. Er war auf Seite 254 und machte einen plötzlich großen Schwenk Richtung Integration der Türken. Meine Steilvorlage!

    Der Arsch ist wegen mir Millionär geworden! Jeder kluge Journalist oder Politiker der mich kennt, weiß das!

  7.   alabama

    Wenn die prognoszierten 1.6 bis 2.4 Milionen für Deutschland zu viel werden, könnte via der Schweizer Asyl-Turbo Bundesrätinen noch einige Hundertausend in die Schweiz verlagert werden.

  8.   Cem Gülay

    Alabama

    Ich habe nur von Türken gesprochen. Mit den anderen Migranten aus Problem Herkunftsländern, kommen nochmal ein paar Millionen Fachkräfte dazu.

    Warum meinen sie, bereichern sich die Eliten immer mehr. Für den Notfall

  9.   DeutschTürke

    Immer diese Meckerei, wenn die eigenen patriotischen/nationalistischen Gefühle verletzt werden. Was haben Sie den die Migranten bisher interessiert, Herr Lau? Was ist denn mit den Kindern passiert, die schlecht in Deutsch waren, oder ienfach nur still im Unterricht saßen? Ab zur Sonderschule hieß es da ganz salopp. Ich kenne sehr viele Beispiele aus meinem Umfeld… Mich wollte man ebenso „stoppen“; mittlerweile bin ich Akademiker. Wie sind denn die „Gettos“ entstanden, Herr Lau? Jedesmal, wenn ich umziehe kostet es mich einen haufen Zeit und Nerven, weil keine Türken im Deutschen Umfeld erwünscht sind – trotz guten Gehalts und guter Anstellung! Genau dasselbe Problem haben wir mit der Bewerbung um einen Arbeitsplatz… Da schreiben Sie ihren Frust nicht von der Seele, stimmts? Das kann dann ja auch nicht wahr sein – bei uns in Deutschland gibts die Gleichberechtigung und wir haben ja alles dafür getan, damit sich die Türken – die ja ALLE bis in die späten 90er in ihre Heimat zurückwollten – besser integrieren können. Meckern das kann er, der Deutsche!

  10.   Cem Gülay

    Deutschtürke

    Richtig.
    Kannst aber unsere Generation nicht mit der Jetzigen vergleichen.
    Unserer Generation wurde großes Unrecht angetan

    Das Karma schlägt zurück! Und sie verdienen es

 

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