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14. September 2017 – Ausgabe 38

 

Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Die Zeit verwirrt mich gerade ein wenig, was ist nun richtig ? Aussage von Fr. Weidel, zu Ihrem Thema Schwarzarbeit, oder Ihr Bericht. Hier hängt auch die Glaubwürdigkeit, der Zeitung mit von ab. Da ja Fr. Weidel Ihren Bericht dementiert… – Peter Piechnitzek


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Stefan Schmitt hat in dem Artikel „Unser Blauer Planet“ versucht eine globale ökologische Bestandsaufnahme zu machen. Dies scheint mir äußerst wichtig, da die Diskussionen über Klimaschutzziele meist über Maßnahmen in einem Land, z. B. Deutschland, geführt werden. Der Vergleich von Maßnahmen sollte aber immer auch die Fragen nach der Durchführbarkeit, der Nebenwirkungen, der weltweiten Effizienz und die Frage nach den Kosten beinhalten. Wenn Deutschland über Kohleausstieg und endgültigen Atomausstieg spricht, müssen gleichzeitig die Fragen nach realistischen Alternativen mit gleichbleibender Versorgungssicherheit und nach den Kosten gestellt werden. Die Schwankungen bei Sonne und Wind müssen bei der Stromerzeugung ja ausgeglichen werden. Da bleiben die alten Technologien Kohle oder besser Gas für die Stromgewinnung auf absehbare Zeit notwendig. Da nur ca. ein Drittel der Energie für Stromerzeugung benötigt wird, ist die Frage von fundamentaler Bedeutung, wie man den größeren Teil z.B. für Wärmeerzeugung, kurzfristig klimaverträglich reduzieren will. Da auch dies nur längerfristig erreicht werden kann, stellt sich die Frage nach schnelleren Lösungen für die Rettung des Weltklimas.

Hier gibt es aus meiner Sicht (und vor allem aus Sicht von bedeutenden Fachleuten wie Nicolas Stern und Claude Martin) die relativ einfache Lösung: sofortiger Stopp der Regenwaldrodungen! Hiermit könnte in kurzer Zeit für unseren Planeten wirklich sehr viel erreicht werden, denn die laufende Vernichtung von Regenwald hat durch die entstehenden klimaschädlichen Gase extremen Einfluss auf unser Weltklima. Der im 3. Teil des Artikels dargestellte Rückgang der Artenvielfalt könnte so ebenfalls gestoppt werden. Dieses Ziel kann natürlich nur durch größere Kompensationszahlungen an die betroffenen Länder erreicht werden. Hier wäre eine Lösung die langfristige Pachtung von Regenwaldflächen. Dabei muss nicht in Millionen sondern Milliarden Euro gerechnet werden. Aber dies ist immer noch billiger als die indirekte und direkte Subvention von Anlagen zur Gewinnung von alternativen Energien zur Stromerzeugung (z.B. Windkraftanlagen) in wenig effizienten Gegenden. Insgesamt ist Regenwaldschutz preiswerter und effektiver.  Die Ziele Klimaschutz und Artenschutz können so auch schnell  zusammengeführt werden. Die von Politikern manchmal geäußerte Auffassung, Klimaschutz hier und Regenwald- / Artenschutz in anderen Ländern seien zweierlei Dinge und diese würden aus verschiedenen „Töpfen“ finanziert ist bürokratisch, unsinnig und schädlich. – Karl Enk


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Mit großem Interesse verfolge ich die kritischen Leserbriefe, die regelmäßig einem ZEITmagazin-Modeheft folgen. Ja, ich warte schon regelrecht darauf. Dabei frage ich mich, wann die ZEIT diese – und damit ihre Leser – endlich ernst nimmt und mit der Zumutung „Modeheft“ aufhört. – Marcus Heckerle


Leserbrief zu „Ein zorniger Veränderer“ von Werner A. Perger

W o h l b e k o m m‘ s !

Im Nachruf für Heiner Geißler bringt DIE ZEIT vom 14. September ein Zitat aus ihrem „Gleisweilerer Dialog“. Gleisweiler, Gleisweilerer, am Gleisweilersten: Heiner Geißler hat auch in seinem pfälzischen Gleisweiler den Superlativ verdient.  Die dortige Lage seines Weinbergs heißt im Übrigen „Gleisweiler Hölle.“ Wenn der Gleisweiler Geißler den Himmel um ein Glas Wein bittet, wird ihm wohl die gute  „Gleisweiler Hölle“ kredenzt. Der „Veränderer“ Heiner Geißler hat ihn unverändert verdient.

Wohl bekomm’s ! – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Die Information in dem Artikel „Himmel, Lille!“ war schon erschreckend. Nun hat die Frau demnach einem Versicherungskonzern gearbeitet und hat da sicher mit Kollegen intensive Kontakte gehabt. Die frage ist, wird in diesen Kreisen so gesprochen? Bleibt das in diesem geschlossenen Zirkel geheim? Die Dame weiß wohl nicht, dass Die Deutschen schon längst eine Mischung der europäischen Nachbarn sind? Eine kleine Auswahl: Franzosen, Polen , Italiener, Holländer, Spanier, Russen, Türken und viele Andere gehören längst zu uns und sind weitgehend nur an den Familiennamen erkennbar. Bis sich diese Menschen ganz und gar als Deutsche fühlen, müssen einige Generationen vergehen. Bei den Türken gibt es noch das Problem, dass die alte Heimat  mit Geld und Organisation immer noch versucht auf diesen Bevölkerungsteil zuzugreifen.

Ich bin inzwischen 92 Jahre alt und bin in Polen als Deutscher aufgewachsen. Ich weiß sehr wohl, dass die alte Heimat in einem zunächst fremden Umfeld attraktiv ist, da man immer mit der Nase darauf gestoßen wird, eben anders zu sein. Unabhängig davon wurde meine Mutter in Sarajevo geboren und ist in Wien groß geworden. Ihr Vater war ein hoher österreichischer Offizier. Mein Vater wurde in Hamburg geboren, der Großvater war Direktor bei Nagel und Kamp. Ich habe daher über Brasilien, der Schweiz und ach Schweden eine weit verstreute Verwandtschaft. Meine Sandkastenfreunde hießen: Wlatke, Staszek Franzek Felek u.s.w. Diese völkische und rassistische Aufteilung der Menschen nach Religion, Hautfarbe, Sprache und sonstigen Kriterien sind für mich nicht nachvollziehbar. – Heinrich Mecke


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

Ach, was fühle ich mich mit meinen 56 Jahren doch jung bei der Lektüre der Fragen, die größtenteils auch meine sind. Ist die Übereinstimmung vielleicht weniger eine Altersfrage als eine Frage des Status? In besseren Kreisen etabliert oder eher (noch) nicht? Geärgert hat mich die unübersichtliche Präsentation. Wollten Sie dadurch ausdrücken, dass  Sie die Fragesteller für nicht ernst zu nehmen halten? – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Als ständiger Leser ihres Blattes bin ich doch erstaunt auf welches Niveau sie sich begeben. Ich frage mich, was das Diskreditieren der kleinen Parteien kurz vor der Bundestagswahl nützt? FDP hinterzieht Rentenbeiträge, AfD Spitze stellt Schwarzarbeiter ein, nun, .welchem Interesse nutzt das? Was ist der journalistische Beweggrund? Insb. dieser Beitrag hat absolut keine Relevanz, außer der Versuch, den kleinen Parteien zu schaden?! Anmerkung : Ich bin kein Parteisoldat, sondern gehöre zur Spezies gemeiner Wähler, der sich schon per Briefwahl enschieden hat. – Erhard Sendowski


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Wenn auch Sie schon mit der ZEIT immer  rechter werden und zB. als Kopartner die AFD von der Stiftung Lesen als Lesepaten einladen lassen, dann ist es auch kein Wunder, dass der Rest von Deutschland nach rechts driftet. Schade, ich war mal eine begeisterte ZEIT Leserin. Sie schüren mit dem Flirten mit der AFD in Ihrer Berichterstattung auch den Rechtsruck. – Myriam Halberstam


Leserbrief zu „Hau ab!“ von M. Brost et al.

Die Zeit drängt….noch fleißig Schlagzeilen gegen AfD produzieren, dass auch ja noch mehr potentielle Wähler aufwachen, die Partei zu wählen. Dann noch mit solch uninteressanten und schlecht recherchierten Anfänger-Schlagzeilen. Muss da sein?? Hätte Ihre Zeitung seriöser eingeschätzt. (So etwas traut man ja nur „Bild“ zu.) – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Nun also geht es richtig unter die Gürtellinie. Alice Weidel soll eine Hilfe schwarz beschäftigt haben!! Was meinen Sie, wieviel politische Prominenz ähnliches tun?! Wetten, dass Sie auch nicht einen Finger krumm machen, um dies aufzuklären?! Ich verabscheue diesen regierungs-kriecherischen Schmieren-Journalismus, der  alles tut, um das Ansehen  der Print-Presse ins Bodenlose sinken zu lassen. So denken viele und wenden sich dem Internet zu. – Horst Blanck


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Was soll ich sagen. Das hätte ich nicht von Ihnen gedacht. So eine Blüte zur Titelstory zu machen: „Frau Weidel hat syrische Putzhilfe beschäftigt“. Also wirklich, Leute. Das ist doch offentsichtlich eine Kampagne und keinen TitelWert. Ich bin kein AFD-Wähler und hatte mich schon für die SPD entschieden. Aber wer so hartnäckig angegangen wird wie die AFD verdient schon um der Demokratie willen meine Stimme. – Peter Zimmer


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

Immer wieder wird behauptet, die „Belange der Jugend“ kämen in der Politik zu kurz – wer ist denn „die Jugend“? Der 25-Jährige, der sich in diesem Sinn bei der ZEIT-Umfrage geäußert hat, könnte sich doch selbst einer Partei-Gruppierung anschließen und für seine Belange eintreten! Viele Mitbürger- und nicht nur junge-, wollen von der Politik „bedient“ werden. Das ist meines Erachtens ein falsches Politik-Verständnis in einer Demokratie. – Dr. Karin Michaelis-Jähnke


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Eine Antwort könnte sein, dass dieses Land sich immens vergrößert – friedlich zur Abwechslung. Wir leben virtuell global, jedoch real bereits mindestens europäisch. Im Sport, in der Musik schon immer – in anderen Branchen jetzt auch. Bilingual ist jetzt schon im Kindergarten normal, nur da kommt schon nicht jeder mit.. Hinterher Hinkende haben in diesem Land auch Wahlrecht… – Tanja Czibulinski


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Es liegt auch daran, das sich diese Zeitung hier so dem Materialismus verbunden fühlt, dass sie im „Leitartikel“ die Frage zulässt: Erkennen Sie die Zukunft, wenn sie vorfährt? Und was erkenne ich? Eine Zukunft, in der der Mensch nicht mehr vorkommt! – Lothar Flachmann


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Sie und Ihre studentischen Freunde müssen etwas falsch gemacht haben. Es gibt in Deutschland tausende junge Männer, die kostenlos wohnen und leben. In Köln, so habe ich gehört, gibt es sogar die Möglichkeit, kostenlos bei Vollpension im Hotel zu wohnen, sie bekommen dazu noch Taschengeld und zahlen keine Studiengebühren. Das allerdings finde ich übertrieben. Und deshalb wähle ich nicht links! – Renate Ehrich


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Das ist ja eine wunderbare Nachricht: man kann jetzt eines der Hauptprobleme des Elektroautos- zu schwere und teure Lithiumbatterien mit zu geringer Kapazität- einfach durch ein Softwareupdate lösen! Eine wundersame Kapazitätsvermehrung? Wohl kaum. Für uns Nichtfachleute wäre eine Erklärung, wie das funktionieren soll, sicherlich hilfreich. Meine laienhafte Vermutung geht dahin, daß durch ein Software- Update schlicht die Entlade- Schlußspannung niedriger eingestellt (was aber vermutlich auf Kosten der Lebensdauer der Batterie gehen würde) oder die Leistung reduziert wird. Für das Image von Tesla dürfte die Nachricht – im Zusammenhang mit Irma- aber sicherlich von Nutzen sein. – Dr. Michael Woernle


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich finde den Artikel sehr gut gelungen – Sie stellen sehr anschaulich dar, was hierzulande passiert. Ich fühle mich beinahe angesprochen(allerdings bin ich 46 Jahre) – aber die Motivationen der jungen Generation, die Sie beschreiben, kann ich nachvollziehen – im Prinzip habe ich es ebenso gemacht. Daher gute Frage – wann wehrt sich Ihre Generation dagegen, ich fürchte auch sie werden Merkel wählen…. – Birgit Kasimirski


Leserbrief zu „Ein zorniger Veränderer“ von Werner A. Perger

„Er wird fehlen“ – aber trotz aller seiner Verdienste ist es gut, dass ein Politiker seines Zuschnitts heute vermutlich keine Chance mehr hätte: Wie oft hat Heiner Geißler seine Meinung – oder das, was er dafür ausgab – radikal geändert, seine politischen oder weltanschaulichen Gegner bewusst verletzt und diffamiert und dabei gelegentlich ein eigenartiges Verhältnis zur Wahrheit offenbart!  Auch noch so viel Geißlersche Haarspalterei konnte seinen schlimmen Satz vom Pazifismus, der Auschwitz erst möglich gemacht habe, nicht aus der Welt schaffen. – Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Peter Dausend

Ein schönes Psychogramm der Beziehung zwischen Sozialdemokratie und Linker bzw. historisch kommunistischer Linker in Deutschland. Aber irgendwie auch wieder typisch „ZEIT“: Der Rauch wird begutachtet, aber zum Feuer gibt es keine Silbe. Mag es vielleicht sein, dass dem Zwist auf der „Beziehungsebene“ eine harte Differenz auf der „Sachebene“ zugrunde liegt? Folgendes Denk-Angebot an die Autoren: Durch das gefühlte „politische Lager der Linken“ läuft ein fundamentaler ökonomischer Riss (nicht nur zwischen Linkspartei und SPD, sondern manchmal auch mitten durch die Parteien selbst – übrigens: früher auch durch die Grünen):Die einen haben sich mit dem Kapitalismus arrangiert und aufgehört (bzw. nie angefangen), die ungeheuren Vermögen einer Elite, die durch das System bereichert wird (und die damit zusammenhängende auch politische Macht) in Frage zu stellen. Sie akzeptieren dieses System und diese Machtverhältnisse und beschränken sich darauf, in diesem Rahmen fortschrittliche Politik zu machen. Sie wollen zwar soziale (und manchmal auch ökologische) Verbesserungen, aber bitte niemals, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen „Wirtschaftsstandortes“ im Buhlen um die Gunst des großen privaten Kapitals zu gefährden. Das ist ihr geistiges „Framing“ (nach Elisabeth Wehling) – ob ausgesprochen oder nicht. Sie nennen diese Anpassung an die Machtverhältnisse „Realpolitik“ – und werden hierfür auch von nahezu der gesamten Medienlandschaft gelobt und gefördert (man erinnere sich auch an die Medienkampagnen gegen die „Fundis“ bei den Grünen in den 1980er Jahren).

Die anderen stellen ebendiese Machtverhältnisse und das System, das sie hervorbringt, fundamental in Frage (darum auch „Fundis“). Sie haben ein anderes Framing im Kopf, in etwa so: „Die Ökonomie hat den Menschen zu dienen. Oberster Zweck sind soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und eine funktionierende Demokratie. Wir müssen die Wirtschaftsordnung so lange umbauen und die vorhandenen Konzentrationen von Vermögen und Macht auflösen, um dieses jemals erreichen zu können. Wer diese bestehenden Verhältnisse jedoch explizit oder implizit anerkennt (und im Zweifel sogar noch verteidigt), gehört nicht zu unserem Lager, sondern zusammen mit den Bürgerlichen zum gegnerischen Lager.“ (By the way: Wie kann man einen Artikel zu Wagenknecht schreiben, ohne ihre Bücher, die vom Umbau der Wirtschaftsordnung handeln, sowie ihre sehr sachliche Argumentation gegenüber der SPD, die alles andere als feindselig ist, auch nur zur Kenntnis zu nehmen?). Ist es nicht im Kern dieses – ökonomisch fundierte – Feuer, das die eigentliche Ursache für den Rauch ist, den die ZEIT beschreibt? Und ist es nicht vielmehr so, dass die ZEIT als Redaktionslinie selbst die Position A mit einer großen Selbstverständlichkeit vertritt, so dass ihr eine solche Differenz nicht in den Blick geraten kann („toter Winkel“, sozusagen)? – Kris Kunst


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

…was mich an der ZEIT am meisten stört, ist die einseitige Ausrichtung auf rot-grün vieler Redakteure (was auch sehr leicht zu erkennen ist) ….beispielsweise Ulrich, Dausend, Pinzler,  etc. Ich hatte das früher nie so empfunden! Ich bedauere dies sehr, da es in der ZEIT sehr viele interessante Artikel -abseits der Parteipolitik- gibt, die ich nur ungern missen möchte. Ganz früher gab es Sommer, Jungblut … natürlich auch Dönhoff und Schmidt, die sich trotz gewisser „Herzensanliegen“ wie Brandt’sche Ostpolitik oder Europa nie haben so sehr durch die Politik vereinnahmen lassen. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Peter Dausend

Sie schreiben, dass Ebert und Noske keine Räterepublik wollten. Dies wollten etwa 90 % der deutschen Bevölkerung nicht. War  es nötig war, um das zu verhindern, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu töten? Darüber kann man streiten. Ob Ebert und Noske diesen Tod wollten, ihn wenn nicht direkt veranlassten,  zumindest aber billigend in Kauf nahmen, werden weitere historische Forschungen zeigen.

Aber zum Kern ihres Artikels. Er erinnert mich an Christian Morgenstern: Meistes ist mit sechs bis acht Wörtern völlig abgemacht, doch mit ebenso viel setzen lässt sich Bandweisheit schwätzen. Kurz, lassen Sie Herrn Schulz morgen sagen, eine Koalition mit Frau Wagenknecht wäre noch gar keine so  schlechte Sache, die Zahl der SPD Wähler würde sich halbieren. So einfach ist das. Und dazu braucht man keine 2 Seiten. – D. Höffler


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass die Zeit grundsätzlich objektiver berichtet als die anderen wichtigen Mainstream Medien. Diese Artikelreihe und die über die AfD haben meinen Glauben daran aber erschüttert. Was gibt Frau Finger das Recht,  Wähler, die in der ehemaligen DDR  gegen Frau Merkel, lautstark und teilweise ausfällig und  gemein protestieren, als Feinde der Freiheit zu bezeichnen? Nur weil diese Proteste  nicht  ihren Vorstellungen über political correctness  folgen? Begreift denn keiner in der ZEIT Redaktion , dass die Wähler in der ehemaligen DDR nach 40 Jahren SED Propaganda in den Medien ein feines Gespür dafür entwickelt haben, wenn ihnen Nachrichten vorenthalten werden, auch wenn die gegenteiligen in den neuen Medien  nicht immer der Wahrheit entsprechen?  Glauben Sie denn im Ernst, dass das Strafverfahren gegen Frau Petry, ein paar Wochen vor der Wahl in Gang gesetzt, dass die rechtsradikale E – Mail  von Frau Weidel  von 2013 und ihre Beschäftigung einer  Asylantin als  “Schwarzabeiterin “ den Anteil der AfD – Wähler  unter die  5% Grenze zu drücken? Merken Sie denn nicht , dass in der Bevölkerung die Meinung wächst, außer bei den Wahlen nichts mehr zu sagen zu haben? Begreifen Sie denn nicht, dass man die Wahl des Herrn Steinmeier zum Bundespräsidenten nicht als demokratischen Prozess akzeptiert, weil seine Kandidatur  vorher zwischen SPD und CDU “ausgemauschelt” wurde und die Bundesversammlung diese Mauschelei nur bestätigen durfte. Meinen Sie denn, dass die geplante Verlängerung der Legislaturperiode des Bundestages von vier auf fünf Jahre der Bevölkerung als Effizienz Maßnahme verkauft werden kann?

Glauben Sie denn im Ernst, dass der kleine Mann einen französischen Eurofinanzminister über seine Steuergelder verfügen lassen will? Meinen Sie denn, dass der deutsche Facharbeiter bereit ist, höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu zahlen, damit ein griechischer oder italienischer Arbeitsloser bessere Zahlungen erhält.  Warum werden Volksabstimmungen  in EU Fragen  von den alten Parteien abgelehnt? Wenn Sie diese Ansichten weiter verteidigen, dann steht zu befürchten, dass in der Bevölkerung die Ablehnung des Systems “Parlamentarische Demokratie”  wachsen wird. Wenn weiter so gemacht wird ( und Frau Merkel bietet ein gewisse Garantie dafür) dann hat doch Rainer Mausfeld Recht, der einmal sagte: Die gegenwärtige Formen repräsentativer Demokratien sind Elite Demokratien, also de facto Wahloligarchien. Seit ihren historischen Anfängen wurde die Idee einer  repräsentativen Demokratie mit der Absicht entwickelt, das als irrational, infantil und als launenhaft angesehene “dumme” Volk von politischer Macht und Einfluss fern zu halten. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Welches Deutschland hätten Sie denn gern?“ von Matthias Krupa

Sie haben in Ihrem Artikel die Unterschiede in den Zielen der Parteien aufgedeckt. Mir sind dagegen Gemeinsamkeiten aufgefallen, die es unmöglich machen, die Favoriten und deren mögliche Steigbügelhalter beim Kampf um die Kanzlerschaft zu wählen. Ganz gleich, welche Wohltaten sie ihrer oft egoistischen Klientel versprechen. Denn sie vergessen dabei ganz die sorgsame Herstellung und Erhaltung der menschlichen Würde. Frau Wagenknecht ist dafür bekannt, dass sie zu ihrem persönlichen Genuss lebende Tiere in kochendes Wasser werfen lässt. Herr Schulz verzehrt gerne Gänsestopfleber, die nur durch extreme Tierquälerei erzeugt werden kann. Unser für den Tierschutz zuständiger Minister der CSU beantwortet nicht einmal Nachfragen zum Thema Küken schreddern oder monatelange Kastenstände von Schweinen. Dieses Verweigern einer Antwort auf kritische Wählerfragen hat er mit Frau Wagenknecht und ihren Mitstreitern gemeinsam. Das passt nicht zur demonstrativ behaupteten Nähe zum Menschen in beiden Parteien.

Über Monate hinweg habe ich in zahlreichen Briefen an die Parteien, insbesondere an die SPD und die LINKE, versucht, zu erreichen, dass sie in ihren Wahlkampfreden leidenschaftlich gegen die furchtbare, durch Gesetze unterstützte Tierquälerei ankämpfen. Sie haben mit kalter Ignoranz gegenüber dem Leid der Tiere geantwortet. Wer solche Menschen wählt, macht sich mitschuldig an künftiger millionenfacher Tierquälerei in Deutschland. Die Medien unterstützen das – ob gewollt oder nicht – durch Verzicht auf entsprechende Nachfragen zum größten Skandal in Deutschland. Ich hätte gern ein Deutschland, dass sich bewusst ist, welches Verhalten notwendig ist, damit man von einer Gemeinschaft mit respektablem, würdevollen Verhalten sprechen kann. Dann wären die Volksparteien auch wieder wählbar. – Klaus Lachetta


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Sie haben mit „Der blaue Patient“ einen grandiosen Statusbericht zum Thema Umweltzerstörung geschrieben. Nur: Warum  haben Sie diesen nicht auf Seite 1 genannt? Denn letztendlich wird die Umweltzerstörung viele der Probleme, die wir derzeit haben, noch vergrößern. Gegen zukünftige Flüchtlingsströme ist alles, was in den letzten Jahren aus Syrien zu uns kam, ein Klassenausflug.

Die kommende soziale Ungerechtigkeit wird uns glauben lassen, wir lebten derzeit im reinsten Sozialismus. Wir müssen viel mehr Anstrengungen, viel mehr Kraft, aber auch mehr Verzicht in den Schutz unseres bislang einzigen Planeten stecken, um diesen noch zu schützen. Aber vielleicht ist das Titelthema dieser „Zeit“ ein erster Schritt dahin. Mit Nationalismus lässt sich beim Umweltschutz nämlich nicht viel erreichen. Es wäre in der Debatte vielleicht sinnvoll, dies als weiteren wichtigen Punkt hervorzuheben. – Hauke Mewes


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Investigativer Journalismus wird bei der „Zeit“ offenkundig ganz groß geschrieben, insbesondere wenn es um das Privatleben der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel geht. Was seid Ihr doch für armselige und miese Schreiberlinge, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als bei einer mutigen und ehrenhaften Frau, der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, im privaten Bereich und auch noch am schweizer Wohnort herumzuschnüffeln, um vielleicht doch noch etwas herauszufinden, was dieser Frau vor der Wahl noch schaden könnte. Bevor solch ein armseliger und mieser Bericht erscheint, solltet Ihr mal besser Hintergründe erfragen, beim Betroffenen selbst, das schweizer Recht ausleuchten und dann vor allem soviel Anstand in der „Hose haben“, subjektive Annahmen und Vermutungen völlig wegzulassen und auch nicht mit Fragezeichen zu versehen. Aber Anstand kennt die „Zeit“ zumindest wenn es um die AfD oder deren Funktionäre geht nicht. Eben ein Haufen mieser und feiger Schreiberlinge. Statt das Wahlplakat der CDU aus dem Jahre 1991und die grundgesetzwidrigen Machenschaften einer Kanzlerin Merkel seid 2015 auszuleuchten und festzustellen, dass diese Wahlaussagen der CDU von 1991 die Aussagen der AfD von heute sind, seid Ihr nur noch darauf aus, dieser AfD zu schaden. Es wird Euch nicht mehr gelingen, Ihr charakterlosen Feiglinge. – Werner Christ


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Das ist ja fast wie im amerikanischen Wahlkampf. Mann, muss euch die Muffe gehen. – Klaus Lüßenhop


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Evelyn Finger greift ordentlich in die Tasten. Aber Zwischentöne werden oft geschlampt. Die Paraphrasierung verschwimmt. Aber zum Stück selbst. Genau dort, wo der Anschlag der Akkorde mit heftigem Forte intoniert wird, dröhnen einem die Ohren: Hass. Man braucht jedoch kein ostdeutscher Schöngeist zu sein, es reicht schon ein westdeutscher Musikliebhaber, um zu hören, um zu verstehen, um welche Partitur es sich handelt. Das Stück ist durchdrungen vom Identitätsthema. Mit fordernden Anklängen toleranter Begleitinstrumente, die dem Spiel größere Farbigkeit verleihen sollen, setzt die Solistin Evelyn Finger das eine und andere Rhythmus getragene Highlight. Während bei Wagner eher die germanischen Themen dominieren – sein Bayreuth liegt schon fast an der ehemaligen Grenze zwischen West – und Ostdeutschland, das früher DDR hieß. Diese tiefe Trennung nimmt die Solistin zum Anlass, De Bruyns “Theorie der Abgrenzung” als kurzes Zwischenthema einzuspielen und leitet kühn zu ihrer Theorie vom “Stolz der Verlierer” über. Arrangiert In einem rasanten Stakkato brüllen die Blechbläser “ihren Hass gegen die Politiker heraus”.

Von Verdis NABUCCO kennt man die Hymne des Gefangenenchors, ein Meisterstück melodisch – einnehmender Kunst. Aus “den” Ostdeutschen macht die Solistin “aus Befreiten nur Feinde der Freiheit” – eine schroffe Intonierung. Ihnen sei keine Freude zu entlocken, eine Freude, die bei Verdis Musik Sänger und Publikum geradezu in Verzückung geraten lässt. Bei Ostdeutschen dagegen – so posaunt die Solistin – gäbe es nur so etwas wie einen (peinlichen ) “Verliererstolz”, der den alten “Dünkel vom besseren Deutschland im Osten überlebt” habe. Diese Passage ist nicht nur in Moll gefärbt, hier gerät das Orchester aus dem Takt. Auch wenn einige Flöten dieses Thema unbeiirt weiterspielen. Aber tatsächlich reicht die Titelmelodie viel weiter. SIe ergreift nicht nur Ossis. Auch Migranten, Nazis, Salafisten. Die amerikanischen Südstaaten seien dafür “das große politische Vorbild”. Jetzt klingt im Hintergrund die Titelmelodie des Musicals Porgy und Bess an, die von Gershwin abgeguckte Art des unverfälschten afrikanischen “Shoutings”. Warum aber bringt das unverfälschte ostdeutsche Shouting die Solistin aus dem Takt? Wollen sie sich vielleicht bloß ihrer Heimat vergewissern? Aber für differenzierte Töne scheint das Titelthema der Solistin keinen Platz zu lassen. Doch im nächsten Satz wird übergeleitet zu den feineren Klängen. Mit subtiler Phrasierung werden doch noch Differenzierungen in der Ost – Westdeutschen Partitur herausgearbeitet. Aber Cui bono? Im Osten setzte schulische Bildung noch 1989 beim Abitur auf Goethe und Schiller. Im Westen dagegen “gleich auf Plenzdorf”. Und schon bewegt sich das Spiel des Orchesters wieder auf ein Crescendo zu, bei dem “der Konflikt zwischen den verschiedenen Arten des Deutschseins eskaliert” – “nach der Wende”. Etwas lieblos und unterkomplex wird die deutsch – deutsche Partitur heruntergespielt, wenn die Solistin – angesichts der Vielstimmigkeit des Chores – alles ihrer Titelmelodie unterordnen will: “Stolz der Verlierer”, “Hass gegen die Politik”.

Dem Gefangenenchor gab Verdi eine geradezu sehnsuchtsvolle Melodie, eine Melodie, die Heimat beschwört. Diese Melodie findet nach wie vor auf der ganzen Welt – nicht nur in Ostdeutschland – ein begeistertes Publikum: Va, pensiero, sull’ ali dorate – ein Lied, das Gedanken fliegen lässt, die die Sehnsucht nach Heimat ausdrücken. Und – nach einem zustimmungsfähigen Kommentar – Heimat gilt Menschen als der konkrete Ort, der die Identität des Menschen prägt. Für Kölsche ist das Köln, für Dresdner ist das Dresden. Nicht um Nation, sondern um Heimat geht es. Die Idee der Heimat ist universell. “O membranza, si cara e fatal!” Dieses Pathos können viele nur in der Musik Verdis nachempfinden, nicht unbedingt im Text. Statt O schmerzlich süßes Angedenken” singt man in Köln: Mer losse d’r Dom en Kölle… und jeder Kölsche kann hier sofort mitsingen. Die Solistin des Stolzes der Verlierer überspielt aber diese heimatliche Tonlage und verlegt sich gleich auf ein stakkatoartiges: Befreite wurden zu “Freiheitsfeinden”. Statt der hymnischen Leitmelodie Verdis klirrt es in ihrem Schlussakkord. Starke Motive der Spaltung, des Eigenen und des Fremden übernehmen die Führung und das gesamte Orchester schließt mit einem Furioso der “Wut gegen die Allerschwächsten: die Flüchtlinge”.Ein Fortissimo der Blechbläser verstärkt die Leitmelodie der Solistin mit “Verliererkonkurrenz” und “Ausländerhass”. Wo aber hört man die leisen Töne der Sehnsucht nach Heimat? – Klaus D. Lubjuhn


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Habe ich das richtig gelesen? Die Tesla Kunden haben die ganze Zeit eine Batteriekapazität spazieren gefahren, die sie nicht nutzen konnten. Nur wegen dem Hurrikan Irma hat dann Herr Musk die Kapazitäten frei geschaltet. Das ist doch wohl ziemlich absurd. – Karlheinz Martin


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Nein, ich bin bisher weder AfD Wähler noch neige ich dazu, meine bisherige Parteipräferenz aufzugeben.  Was Sie in den letzten Tagen fast schon zwanghaft in Richtung AfD / Frau Weidel – entschuldigen Sie den Ausdruck, „absondern“ ist fast schon  bemitleidenswert. Sie machen es Ihren Lesern zunehmend schwer, die „Schöpfer“ Ihrer Auslassungen, nein, ZON überhaupt, noch ernst zu nehmen.  Offensichtlich hat die Studie der Otto-Brenner-Stiftung zum Versagen der Presse in Ihren Reihen nichts bewirkt. Ich bedauere das. – Otto Werthmann


Leserbrief zu „Zähes Geschöpf“ von Josef Joffe

Wenn meine Frau und ich donnerstags die neue Zeit erhalten, gilt mein zweiter Blick nach dem  Lesen des Inhaltsverzeichnisses oft dem „Zeitgeist“, den ich häufig lesenswert finde, denn der solide Konservatismus des mir öfter als  gläubig-aufgeklärten Atlantikers vorkommender Autor fordert bei mir das Überprüfen der eigenen Position wie auch zum Widerspruch  immer wieder  heraus.Meines Erachtens handelt es sich im vorletzten Absatz beim eingeschobenen Relativsatz um keinen grammatisch und inhaltlich vernünftigen Satz. Es heißt wörtlich: „Ohne Zusammenhalt, die der Verpflichtung gebiert, zerfällt die Nation in lauter selbstbezogene Stämme“Wie bitte? Wer oder was gebiert hier wen oder was? So elaboriert gestammelt ich den Satz syntaktisch finde, so kühn ist die fast hinter dem Kuddelmuddel veschwindende These von dem Zerfall in lauter selbstbezogene Stämme. Soll ich an die berühmten Hottentotten denken, von der meine Elterngeneration (Jahrgänge 21 und 23 des 20. Jh.) gelegentlich sprach oder an Bayern, Westgoten, Bretonen oder Sachsen? Ich bitte um Aufklärung im Sinne der Aufklärung. – Jürgen Hahn-Schröder


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Es ist mittlerweile sehr sehr peinlich wie alle Medien versuchen Frau Dr.Weidel und Ihre AFD in Misskredit zu bringen. Da sind Sie leider Gottes keine Ausnahme. So funktioniert die deutsche Demokratie nicht. Das ist unterste Wahlschublade und  Wilder Westen. Kehren Sie um und hören auf gleich geschaltet zu sein. Wovor haben Sie alle eigendlich  Angst wenn interlektuelle Leute offen Ihre politische Meinung sagen und dann öffendlich so an Kreuz genagelt werden. Gerade bei dieser Wahl ist das nicht mehr mein Deutschland und die Medien sind auch nicht mehr wiederzuerkennen. Darüber sollten Sie mal nachdenken ob das alles so seine Richtigkeit hat. Das hat nichts mehr mit seriösem Jornalismus zu tuen. Eine Schande für diesen Berufsstand, das Fernsehen und Ihre Sendungen eingeschlossen. – Klaus Ostermeier


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Das Titelthema stellt die Frage: „Warum rückt das Land nicht nach links?“ Traditionell verband man in der Bundesrepublik die SPD mit Rot als Symbolfarbe für den politischen Linksbegriff. Martin Schulz hingegen bezeichnet sich selbst als einen Konservativen, was im Farbspektrum der Parteien besser zum Schwarz der CDU passt. Die großformatige Wahlwerbung des Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie in derselben Ausgabe unter der Überschrift „Mit starker Wissenschaft und Forschung in die Zukunft“ sagt über den Verlust des Attributs „links“ bei der SPD einiges aus. Zwar kommt die rote Farbe noch im angefügten Logo der SPD vor, doch der Text spricht eher für ein Weiter so! im konservativen schwarzen Spektrum. Von den insgesamt 54 Unterzeichnenden stehen 46 männlichen gerade mal 8 weibliche Professoren gegenüber. Der Inhalt der Anzeige verspricht, die „erfolgreiche sozialdemokratische Politik für Hochschulen, Wissenschaft und Forschung“ auch in den kommenden Jahren fortzusetzen. Ist das Verhältnis männlich 46 zu weiblich 8 in der Professorenschaft in den Augen der SPD und ihres Kanzlerkandidaten etwa ein Ausdruck erfolgreicher Wissenschaftspolitik? Auch optisch präsentiert die Anzeige ein vermännlichtes Wissenschaftsverständnis: Das zukunftsweisende Foto in der Anzeige präsentiert einen modisch-bärtigen jungen Mann im typischen Silicon Valley-Outfit; ein ebenfalls männlich designter Roboter assistiert dem deutschen Jungstar bei seiner Lösung weltumspannender Probleme.

Während man im klein gedruckten Block der Unterzeichnenden die wenigen Frauen mit einer Lupe noch finden kann, kommt im groß gedruckten Text das in der Bundesrepublik im Vergleich mit anderen EU-Ländern besonders gravierende Problem der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern nicht nur im Bereich von Wissenschaft und Forschung, sondern auf allen Ebenen des sozialen Lebens gar nicht vor. Willy Brandt hatte einst mit dem Aufruf: Mehr Demokratie wagen! die weiblichen Wähler für sich und die SPD gewinnen können. Bisher sieht es mir nicht danach aus, als wolle die Partei mit Martin Schulz an die Tradition der Brandt-Regierung anknüpfen. – Professor em. Dr. Herta Schmid


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Hat also ihren Hauptwohnsitz nicht in der BRD. SELTSAM, daß es nicht Voraussetzung für eine Kandidatur für den Bundestag ist, daß man auch im Inland wohnt. Oder WENIGSTENS innerhalb der EU?!??? Wenn ich bei den Kommunalwahlen für ein Amt kandidieren will, muß ich in der betreffenden Gemeinde wohnen, und zwar nicht erst seit gestern. tsk tsk tsk – Rena Rappel


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Die Vielzahl herausragender Artikel häuft sich, daher muß ich mich schon wieder rühren:  Herzlichen Dank, Herr Machowecz,  an Sie & an die ZEIT für Ihr herausragendes Gespräch < Meister der hocherotischen Zone   mit  Neo  Rauch über den leider verstorbenen Arno Rink.  Es tut sehr gut ( speziell für mich als Künstler :  https:// youtu.be/ ZvS2TiT84jI   )  des geschätzten Neo Rauchs herrlich künstlerisch + politisch unkorrekte Ansichten zu Kunst & Leben in solch beispiellos wohltuender Ausführlichkeit in der ZEIT zu lesen!  Da kann sich speziell das ART-Kunstmagazin noch eine dicke Scheibe von der ZEIT abschneiden! Bitte weiter so. – Paul Zendo


Leserbrief zu „Der Ersatzkaktus“ von Doris Dörrie

Stacheln oder Dornen? Doris Dörrie schreibt „Aber was ist ein Kaktus ohne Stacheln?“. Nun, Kakteen haben KEINE Stacheln, sondern Dornen (… und Rosen haben Stacheln). Dornen sind umgewandelte Blätter und wurzeln in tieferen Schichten. Ihre Aufgabe in den heißen und trockenen Wüstenregionen erfüllen diese hervorragend: Vor Fraß schützen (Kaktus als Feuchtigkeitsquelle für andere Tiere), vor UV-Strahlen schützen (intensive Sonneneinstrahlung), Reduzierung der Verdunstung (dichtes Dornenkleid spendet Schatten). Sie können – ebenso wie ihre Vorfahren, die Laubblätter – mit der Zeit abfallen. Stacheln sind Sonderformen der äußersten Zellschicht, der Epidermis und „piksen“ uns z.B. an Rosen. – Annette Fiering


Leserbrief zu „Buntes auf dem Bildschirm“ von Matthias Schütte und Sven Stillich

Danke für die immer wieder erhellenden Beiträge von Jana Simon und Christoph Dieckmann – auch und nicht nur über den OSTEN.   Wenn dann aber in „gesamtdeutschen“ Statistiken die Geschichte der DDR immer wieder hinten runterfällt, versteht man auch immer wieder das Gefühl, nach 1990 der eigenen Biografie beraubt worden zu sein.  Denn selbstverständlich gab es im Fernsehen der DDR mit dem „Kessel Buntes“ auch eine „wichtige Unterhaltungsshow“ in Farbe – mit dem unsäglichen Rainer Süß und der frechen Helga Hahnemann. Ich selbst habe den „Kessel“ – jung und anti – nie geschaut, aber die halbe DDR eben doch. Selbstverständlich werde ich deshalb nicht AfD oder LINKE wählen. Aber für den einen oder anderen wird diese immer wieder durchschlagende West-Ignoranz (und das schreibe ich ganz ohne moralische Empörung) das Fremd-Fühlen gegenüber dem bundesdeutschen „System“ stets neu befestigen. – Matias Mieth


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Die „Wutbürger“ im Osten gehören mehrheitlich einer Generation an, die noch in diktatorischen Zeiten („die Partei hat immer Recht“) aufgewachsen ist und der ein Abscheu gegen „die Politik“ und „die Politiker“ eingeimpft wurde. Hinter allen Beschlüssen wittern sie böse, egoistische Machenschaften einer Kaste. Leider haben wir es nach der Wende versäumt, diese anders tickenden Menschen in demokratische Prozesse einzubinden. Auch heute noch gibt es im Osten – leider auch unter Lehrern – immernoch eine Scheu, sich politisch zu outen, wie ich bei meinen häufigen Besuchen „drüben“ erfahren habe. Und genau das ist ja kontraproduktiv: es werden nur Funktionsträger, und es wird nicht die diskutierende Basis wahrgenommen. – Dr. Karin Michaelis-Jähnke


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Die Zeit hat sich also endgültig in den schleimigen Kanzlerin-Wahlverein eingereiht. Wo ist Robert Leicht ? – Gerhard Hetzer

Leserbrief zu „Das Leben danach” von Ilka Piepgras im ZEIT Magazin

Ich bin überwältigt, geschockt und doch beruhigt, als ich die Geschichte von Ariel Levy zu Ende lese. So sehr Sie bemüht ist Ihr Leben als lesbische Ehefrau- dann zwischendurch Fremdgeherin inklusive künstlicher Befruchtung selbstbewusste Frau darzustellen und als postmoderne freie Feministin zu gelten, wird mir als Lesererin klar, dass so ein Leben ganz ohne Furcht und Tadel am Ende zu nichts führt. Wir brauchen Regeln als Fundamente in unserem Leben. Ich würde sogar eine Schritt weiter gehen und ihren Satz neu schreiben, „Wir haben längst nicht soviel Kontrolle über unser Leben wie wir glauben, denn nicht die Natur ist unser Boss sondern Gott.“ – Marzena Juliana Pustelnik


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Drei riesige ZEIT-Seiten nur Klage! Was wäre denn die Abhilfe der Herren Ménélon, Sanders usw.? Ein Gesetz, nachdem ein Anstellungsvertrag immer für das ganze Leben gilt? Der Vorgeneration fehlte halt noch die chinesische Konkurrenz (und ein PC kostete zwei Monatsgehälter) … – Werner Koetz


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Weil in diesem Land in allen relevanten Felder seit Jahren längst linke Politik gemacht wird: in der Flüchtlingspolitik seit der Grenzöffnung August 2015, in der unengagierten Kriminalitätsbekämpfung, in der Umweltpolitik, in „solidarischen“ Bürgschaften für die Schuldenpolitik anderer Länder…Und der Protest dagegen vertritt ja aus Sicht der ZEIT nicht „unsere“ Werte und soll deshalb lieber heute als morgen von der politischen Landschaft verschwinden! – Dr. phil. Hans-Joachim Eberhard


Leserbrief zu „Zähes Geschöpf“ von Josef Joffe

Endlich sagt’s mal einer! Man muss nur in ein beliebiges Geschichtsbuch zu schauen, um festzustellen, dass die weitaus meisten Konflikt daraus entstehen, dass man unterschiedliche Kulturen zwangsverheiratet. Der gewöhnliche Deutsche mag halt seine Bratwurst mit Kartoffelsalat und reagiert ungehalten, wenn man die zwangsenteignet und durch Hähnchenflügel und Fladenbrot ersetzt. Wenn man vorsichtig auf diesen Umstand hinweist, darf man sich allerdings in der Regel sofort das goldene Nazi-Abzeichen an die Brust heften. Wieso erwarten die Multi-Kulti-Propheten eine unglaubliche Aufgeschlossenheit bis zur Selbstverleugnung beim Normalbürger, während ihre Politik sich geistig nach wie vor auf dem Niveau von Dschinghis Khan gewegt?

Das gilt insbesondere für die EU. Von den Bürgern der 27 Nationen kann man sich – schon sehr gute Schulbildung vorausgesetzt – gerade mal mit einer Hand voll direkt verständigen, und von gut einem Drittel ist noch nicht einmal die Schrift zu entziffern. So lange die EU nach dem Design EUdSSR konstruiert ist, wird sie genauso wie die Blaupause im Orkus der Geschichte landen. Es wäre sinnvoll und hilfreich, wenn die Medien die Volksbefindlichkeiten Ernst nehmen, anstatt in Hyperventilieren und Nazi-Gebrüll auszubrechen, wenn mal jemand sagt „Ich mag aber lieber Bratwurst mit Kartoffelsalat“. Gilbert Brands


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Eine brillante, klare Analyse der materiellen Situation der jungen Generation (m.E. bis ca. 45 Jahren) und ihres beruflichen sowie politischen Verhaltens in den westlichen Staaten, einschließlich Deutschlands. Als 67igjähriger bin ich in der Tat sehr verärgert darüber, dass mein Sohn und wohl auch künftig mein Enkel im Vergleich zu mir im Alter zwischen 25 und 45 Jahren über ein deutlich niedrigeres Arbeitseinkommen verfügt, verfügen wird,;  selbst bei Festanstellung als Hochschullehrer, nach jahrelangen Praktika, befristeten Verträgen.

Dies ist ein gesellschaftlicher Skandal, der von den 25 – 30jährigen ganz offensichtlich eben nicht als solcher wahrgenommen wird, weil sie nichts anderes kennen als diese Situation, der, reden wir Klartext: Ausbeutung. Diese Ausbeutung in jungen Jahren mit Dumpinglöhnen induziert auch Altersarmut – es gibt dann keine ältere Generation mehr, die die junge Generation materiell unterstützen könnte…. All das, wofür ich in jungen Jahren politisch kämpfte, auch für Kinder und Enkeln, wurde politisch und ökonomisch  pulverisiert durch einen faktisch schrankenlosen Kapitalismus. Das Leistungsprinzip ist insbesondere auf dem Arbeitsmarkt völlig außer Kraft gesetzt durch das Prinzip „Macht“.  – Rainer Egold


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

In der Schweiz ist es gesetzlich so geregelt: Für Haushilfen in Teilzeitbeschäftigung braucht es keinen Vertrag, keine Sozialabgaben, und der Lohn ist bar auf die Hand zu zahlen. Die im o.a. Artikel Frau Weidel unterstellten Fake-Verdächtigungen sind also nur eine ekelhaft widerliche Hetze von 3 Ihrer Mitarbeiter, die vortrefflich in das Team der ZEIT-Lügenpresse passen. Ich bin ein lebenslang in der Wolle rot gefärbter Sozialist und wollte Schulz und SPD wählen.  An Stelle der von Ihnen natürlich nicht zu erwartenden Wiedergutmachung Ihrer Verleumdung hab ich mich entschlossen, meine Stimme diesmal der AfD zu geben. – Hans-Joachim Blankenburg


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

„Wenn Siri Unsinn antwortet …“ – da frage ich, wer ist Siri Unsinn?  Aber Spaß beiseite, der Artikel spricht mir aus der Seele.  Es gibt keine künstliche Intelligenz, es gibt nur programmiert gesteuerte Geräte bzw. Maschinen (pgGs).  Das ist es, was alles als künstliche Intelligenz bezeichnet wird, ist meist eine Übertreibung. Vorweg bedarf es einer Begriffsdefinition, was ist Intelligenz?  Ich verstehe darunter „die Fähigkeit des selbständigen Denkens“.  Demnach gibt es keine künstliche Intelligenz, denn hinter all diesen programmiert gesteuerten Geräten steckt menschliche Intelligenz.  Die Computersystemen (Watson, AlphaGo, Deep Blue) zugeschriebenen Siege bei Quiz (Jeopardy), Go und Schach sind nicht Siege von Maschinen sondern Siege der Programmierer.  Die Computer stellten lediglich die Hilfsmittel und Werkzeuge hinsichtlich von großer Rechenleistung und von gewaltigen Speichermöglichkeiten dar.  Die Algorithmen jedoch stammen von menschlicher Intelligenz, von Programmierern.  Warum wird das Computerspiel Tetris nicht als künstliche Intelligenz betrachtet?  Da gewinnt auch hin und wieder der Computer – aber das wird als zu minder betrachtet.  Dabei ist es hier auch nichts anderes als eine von Menschen geschaffene Hard- und Software, die dahinter steckt.

„Künstliche Intelligenz“ oder „Artificial Intelligence“ sind Marketingbegriffe.  Ein großes IT-Unternehmen geht bereits zu dem Begriff  von „kognitiver Intelligenz“ an der Stelle von „künstlicher Intelligenz“ über.  Das ist viel zutreffender.  Eingabeinformationen (z.Bsp. durch Sensoren) werden „erkannt“, durch Algorithmen verarbeitet, durch Zusatzinformationen (wie Daten) ergänzt, dann werden Aktionen gesetzt.  Ein Kfz erkennt einen Prüfstand und drosselt den Schadstoffausstoß.  Das entspricht der gängigen Computer-Architektur – Eingabe, Informations/Daten-Senke, Verarbeitung, Ausgabe.  Auch bei „neuronalen Netzen“  bzw. „selbst lernenden Systemen“ muss das „selbst lernen“ erst einmal programmiert werden.  Eine Technologie (Biologie) durch eine andere Technologie (Mechanik, Elektronik, Elektromechanik) zu ersetzen ist keine Lösung für eine selbständige Intelligenz.

„Selbst lernende“ Systeme basieren auf „Try and Error“ (Versuch-und-Irrtum).  Kein Pilzsucher und kein Verzehrer von Pilzen agiert nach diesem System.  Ein Kind, welches heiß als solches erst erkennt, nachdem es sich verbrannt hat, hat zwar dazu gelernt, aber eine intelligente Leistung ist das nicht.  Unlängst wurde in einer Radiosendung des ORF ein autonom fahrendes Kraftfahrzeug als künstliche Intelligenz bezeichnet.  Im nächsten Zug wurden selbst lernende Systeme als künstliche Intelligenz erwähnt.  Ich will in keinem selbst lernenden Fahrzeug sitzen, sondern in einem, welches nach allen Regeln der Kunst ausgetestet wurde, die komplette Hard- und Software!  Die grundsätzlichen Parameter der Straßenverkehrsordnung sind beispielsweise durch Menschen vorgegeben und nicht selbst erlernt.  Bumms, das war jetzt falsch – so ein Verfahren ist unzureichend. „KI- und Robotersysteme müssten ihr Handeln erklären können“ heißt es in Ihrem Artikel.  Die Erklärungen gibt es bereits!  Sie sind in den Daten, Informationen und Programmen, die dem Handeln zu Grunde liegen.  Software-Tester kennen die „Traces“ zum Verfolgen von Programmabläufen.  Aber das hat einen Umfang, den sich kaum jemand ansehen will.  Diese Forderung ist vielleicht für Programme wie Tetris zu erfüllen, ist aber für komplexe Systeme mit großen Datenmengen oder Berechnungen völlig unrealistisch.  Wobei ich unter Daten auch Informationen anderer Art, wie beispielsweise von Sensoren, verstehe.

Beim Streit zwischen Musk und Zuckerberg und auch Hawking geht es beispielsweise um die Frage, ob Roboter irgendwann so intelligent werden, dass sie ihre menschlichen Schöpfer töten könnten.   Natürlich kann es programmiert (digital und/oder analog) gesteuerte Maschinen und Geräte geben, beispielsweise Drohnen, die gezielt (einige oder vielleicht alle) Menschen töten.  Alles was einem Menschen ähnlich sieht wird gekillt.  Aber nicht weil sie so intelligent sind, sondern weil sie von Menschen so programmiert wurden.  Vielleicht geraten sie auch aufgrund eines Software-Errors außer Kontrolle.  „Beware of the Software Error“ sage ich immer.  Es gibt bereits Roboter, die gegeneinander in Wettbewerben kämpfen.  Aber dahinter steckt menschliche Intelligenz.   Menschen entwickeln die Regeln, Algorithmen, Techniken, Programme nach denen die so genannte „künstliche Intelligenz“ ablaufen kann.  Ich fürchte nicht die künstliche Intelligenz, sondern die menschliche Intelligenz bzw. noch viel mehr „die menschliche Dummheit“.  Durch dumme oder bösartige Programmierer oder durch Software-Fehler könnten digital gesteuerte Geräte großes Unheil anrichten.  Das ist das eigentliche Problem.  Die Chefs sind nicht „Bits und Bytes“, sondern die vorgebenden Programmierer.  Alle Macht den Programmierern, das soll man sich einmal überlegen.  Notfalls kann man die Stromversorgung der Geräte kappen, dann hat man statt der angeblichen künstlichen Intelligenz wieder tote Materie.

PS: Ein Programm muss nicht unbedingt aus einer Software bestehen, es kann auch ein rein Hardware-mäßig vorgegebener Ablauf sein (wie früher bei den Lochkartenmaschinen beispielsweise oder einer Wasserstoffbombe).   Übrigens ist in meinem Meyers Lexikon für die umfangreiche Begriffsdefinition von Intelligenz die „Try-and-Error-Systematik“ ausgeklammert („… somit Versuch-und-Irrtum-Verhalten und Lernen an Erfolgen, die sich zufällig einstellen, entbehrlich macht“).  Das noch als Anmerkung zu den selbst lernenden Systemen, ich nenne sie nicht künstliche Intelligenz sondern Try-and-Error-Systeme, die auf Zufallsalgorithmen beruhen. – Peter Jürß


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Wie so viele bin auch ich eine kleine Bewunderin und Bestaunerin Ihrer Werke (und eine noch etwas größere Bewunderin und Bestaunerin der Werke Ihrer Frau Rosa Loy). So habe ich gerne Ihr Interview mit der ZEIT vom 14. September gelesen und bedauere sehr den Tod Ihres Freundes Arno Rink. Ich bin froh, dass der Selbstzweifel und „das Aus der Malerei“ in den neunziger Jahren sie nie vom Malen abgehalten hat. Ich möchte zum Interview nur eines anmerken. Es ist weniger ein Kritisieren, mehr ein Hinzufügen. Sei meinen, Sie wünschten sich manchmal, „dass ein Kerl wie Arno Rink durch die Ateliers der Kunststudenten gehen würde, um die jungen Männer zu ermuntern, dass es doch nicht schlimm ist, wenn man sich von weiblichen Körperformen angeregt fühlt.“ Ich wünschte mir manchmal, dass jemand, durch die Ateliers der Kunststudenten gehen würde, um die jungen Frauen zu ermuntern, dass es doch nicht schlimm ist, wenn man sich von männlichen Körperformen angeregt fühlt. Genauso wie ich mir manchmal wünschte, dass jemand durch die Ateliers der Kunststudenten gehen würde, um den jungen Männern zu ermuntern, dass es doch nicht schlimm ist, wenn man sich von männlichen Körperformen angeregt fühlt und den jungen Frauen zu ermuntern, dass es doch nicht schlimm ist, wenn man sich von weiblichen Körperformen angeregt fühlt. Es geht nicht darum zu verbieten, „der weiblichen Schönheit Huldigungen darzubringen“, aber darum, dass die Frau mehr kann und will, als gehuldigt zu werden, dass auch die Frau Huldigungen darbringen kann, der männlichen Schönheit zum Beispiel.

Es geht nicht um ein Ausradieren von Schönheit oder um ein Verzicht auf Begehren, sondern um ein Lenken der Aufmerksamkeit darauf, dass die aktiven und passiven, die als schön gepriesenen und die als schön preisenden Rollenbilder auch anders verteilt werden können als bislang, und dass mit der bisherigen Rollenverteilung stets viele ausgeschlossen wurden. Es geht nicht um zwanghafte Sprachpolizei und „gendersensible Bücklinge“, sondern darum, dass Frau und Mann jeglicher Sexualität und jegliches Geschlechts diese Art des „Hedonismus“ hätten erleben dürfen und können, wie Sie und Arno Rink ihn als heterosexuelle Männer in Ihrer Studienzeit erlebt haben – und zwar mit einer Sensibilität für Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen und Ausgrenzungen, die damit einher gehen können. Sensibilität und Lust schließen sich nicht aus. Es mag sein, dass es innerhalb der feministischen Bewegung Menschen gibt, die das anders sehen. Es mag sein, dass für sie die genderneutrale Sprache eine weitaus höhere Priorität hat, als für mich (und scheinbar für Sie). Doch Gendersensibilität auf Sprachpolizei, Bücklinge und Inquisition zu reduzieren, versperrt den Blick darauf, wofür sie wirklich wichtig ist: auf tatsächliche Gleichberechtigung aller Geschlechter ohne dabei die Besonderheit des einzelnen Menschen zu verlieren. Danke. – Iphigenia Andreou


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Ich vermisse Helmut Schmidt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein derart krudes Machwerk auf der ZEIT-Titelseite zugelassen hätte. – Gerhard Reinelt


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Eine einleuchtende, gute und klare Analyse des Verhältnisses von „Die Linke“ und „SPD“. Jedoch scheint es mir ein globaleres Problem zu sein, warum nicht mehr oder so wenig links gewählt wird. Es läßt sich ja europaweit und fast weltweit beobachten, daß ein Riß durch die „linke Ecke“ geht. Und zwar meist zwischen etablierter Linker und neuen, meist jugendlichen linken Bewegungen. Um nur einige zu nennen: In Griechenland will Syriza nicht mit den alten Sozis koalieren (eher mit einer extrem rechten Partei). In Frankreich verschmäht Mélenchon die „alten“ Sozialisten um Hollande. In Spanien will Podemos nichts mit der PSOE zu tun haben. Und in den USA stritten sich Bernie Sanders und die etablierte Hillary Clinton um den „linken“ Ansatz. Irgendwann hat die Linke (generell – nicht die dt. Linke) ihren Auftrag oder ihr Anliegen über Bord geworfen.

Mir scheint, das war mit „New Labor“ und unserem brionihaften „Agendakanzler“. Die Erzählung lautete plötzlich: die Globalisierung kann man nicht aufhalten, also müssen wir uns anpassen.  Hieß übersetzt: die Schwachen müssen sich anpassen. Die Linke hat damals aufgegeben, die Globalisierung gestalten zu wollen und zu können! Und gerade mit New Labor und der „Agenda“ wurden Reformen eingeleitet, die letztlich nur die Schwachen zur Anpassung zwingen. Es heißt ja immer, das die „Agenda“-Reformen (ich benutze bewußt keinen Namen eines Dieselskandalfirmenmanagers) Deutschland fit für die Globalisierung gemacht haben und eben die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist. Aber zu welchem Preis, bzw. auf wessen Kosten? Doch gerade nur der Schwachen – eben der Klientel, um die sich die Linke eigentlich kümmern sollte, anstatt z.B. die Abschlagssteuer für alle Wohlhabenden auf 25% zu senken oder von den Starken rein gar nichts zu fordern! Letztlich ist die Linke eingeknickt vor dem immer wieder gebetsmühlenartig vorgetragenen Argument, daß doch „Arbeitsplätze gefährdet seien“ und man die Globalisierung nicht aufhalten könne. Das mag ja sein! Aber man kann sie gestalten! Und da hat in allen westlichen Ländern die Linke versagt und ist deswegen nun gespalten. Gespalten bis zu dem Punkt, daß sie untereinander nicht mehr kooperiert und eben linke Politik überhaupt nicht mehr stattfindet!

Und leider profitiert davon eben überall eine populistische Rechte, da sie erkannt hat, daß sie mit der Unzufriedenheit der gesellschaftlich und wirtschaftlich Abgehängten Reibach machen kann – ohne deren Bedürfnisse und Nöte in irgendeiner Weise ernst zu nehmen geschweige denn diese in politische Programme aufzunehmen.  In Deutschland mag der Zwist zwischen Lafontaine und Schröder die Entzweiung der Linken befördert haben, aber weltweit steckt da Größeres dahinter. – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Danke für den Artikel und für die wichtige Frage, warum es keine Bewegung nach links gibt. Der Ausschnitt, den Sie betrachten, ist allerdings zu klein! Geisteswissenschaftler, Psychologen…. Sie sind eine Minderheit des Jahrgangs. Absolventen der MINT Fächer finden sehr bald feste Anstellungen, oft schon vor Beeidigung des Studiums… War nicht immer so. Bei Juristen und Wirtschaftler sieh es auch nicht so schlecht aus, wie es mal war. Im Handwerk werden Gesellen gesucht. Wenn ich also den gesamten Jahrgang betrachte, dann schildern Sie die Situation einer Minderheit. Kann es sein, dass diese sich ihrer Minderheitssituation bewusst sind? Dazu würde mich Ihre Meinung interessieren. Deutschland täte eine Linke Regierung sooo gut! Vielleicht ist es in 4 Jahren so weit! – Dr. Götz Dyckerhoff


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Viel trinken ist das neue Beten. – Margot Neuser


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ein sehr schöner Artikel von Caspar Shaller – interessant durch seine zumindest teilweise Aussensicht. Ein wichtiges Moment oder Motiv für den Unterschied der Einstellung in Deutschland einerseits und USA, Grossbritannien,Frankreich etc. andererseits bleibt jedoch unerwähnt. Und das ist die grosse Wende der Jahre 1989 ff.Die Wende betraf zwar ganz Europa und Amerika, aber Deutschland doch noch in ganz anderer Weise : Hier war ein Teil des Landes (zumindest real-)sozialistisch gewesen. Und dieser Sozialismus war jetzt – 1989 – nicht nur moralisch (Mauer), sondern auch ökonomisch, politisch, eben faktisch gescheitert.Das war so in Westeuropa und Amerika nicht geschehen.Ein Rückgriff auf einen solchen „looser“ ist nicht eben attraktiv (ausser für die „Linkspartei“). Das schwächt jede Alternative.In meiner altersbedingten Erinnerung war die Einstellung und das Verhalten der entsprechenden Altersgruppe (nicht nur an der Uni) in den achtziger Jahren in der damaligen Bundesrepublik noch wesentlich anders. Damals wunderten wir uns eher über das politische Desinteresse z.B. der amerikanischen Studenten. Diese spezifisch Situation in Deutschland – und Osteuropa- erklärt auch zumindest teilweise die in anderen Artikeln derselben ZEIT-Ausgabe beklagten Schwäche der Linken und diesen seltsamen „rechten Antikapitalismus“ in Ostdeutschland und Osteuropa. Denn wo ein linker Antikapitalismus  die Produktionsverhältnisse in den Blick nimmt, kapriziert sich die rechte Variante auf die „Eliten“.Marx hätte hier wahrscheinlich vom Verharren auf der „Erscheinungsebene“ gesprochen. – Jürgen Elsner


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Die Wut packt mich im Feuilleton: Ich lese dort, dass einer der bekanntesten deutschen Maler sich wünscht, dass ältere Männer die jüngeren männlichen Kunststudenten stärken. Damit sie endlich mal wieder mutig, lustig und „genussfähig” einen Blick auf Frauen werfen. Was für ein unglaublich unkritisch geführtes und hochpeinliches Interview mit Neo Rauch!  Neben den offensichtlich uralten, abgelutschten, weinerlichen „Argumenten” (dass man heute keinen Spaß mehr haben dürfe und ui, immer muss man sich als Mann so intensiv mit dieser nervigen Sprache auseinandersetzen und auf sooo viele Gemüter Rücksicht nehmen!) und der unkommentiert gelassenen Andeutung, dass Frauen „Minderheiten“ seien, entsetzt mich an diesem Interview, dass die ZEIT es nicht schafft, Herr Rauchs Antworten in den Kontext der aktuellen Diskussion um Sexismus im Alltag der deutschsprachigen Hochschulen zu stellen (siehe das Dossier im Merkur:  https://www.merkur-zeitschrift.de/2017/07/06/sexismus-an-schreibschulen-hildesheim/ bis https://www.merkur-zeitschrift.de/2017/08/28/sexismus-an-hochschulen-8-und-schluss/ sowie https://www.merkur-zeitschrift.de/2017/08/04/presseschau-sexismus-an-hochschulen/, eine Presseschau mit den Reaktionen darauf – in der die ZEIT auffallend wenig präsent ist).

Somit wird dieses Interview zu einem herrlich passenden Beitrag in genau dieser Diskussion. Allerdings ist es nicht gerade so, dass wir auf noch mehr Beiträge gewartet hätten, die uns beweisen, dass alte Männer im Dienst von Kunst, Freiheit, Spaß (oder welchem hehren Ideal sie im Moment nacheifern), sich öffentlich alles erlauben dürfen. Im Gegenteil! Eigentlich erhoffen wir uns mehr Portraits von Menschen, die einen differenzierten Blick auf unsere Gesellschaft werfen und Interviewer, die nicht hilflos überfordert sind, wenn ein Gespräch solche Bahnen nimmt. Deshalb erlauben wir uns auch, diesen Leserbrief an Sie in modifizierter Form als offenen Brief auf unserem Blog zu posten: https://www.wepsert.de/artikel/neo-rauch-sexismus-ein-offener-brief-an-die-zeitRicarda Kiel


Leserbrief zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

In Ihrer im Übrigen sehr detaillierten und ausgewogenen Beschreibung Gerhard Schröders und seiner Agenda 2010 fehlt ein Hinweis auf die sozialpolitische und wirtschaftliche Situation der Zeit: Wir hatten eine sehr hohe Arbeitlosigkeit von über 5 Millionen, die z.T. auf die zu hohe Lohnnebenkosten zurückzuführen war. Die Arbeitslosenzahlen sind bis heute auf ca. 3 Millionen zurückgegangen. Schröders Agenda hatte also auch einen erheblichen sozialpolitischen Hintergrund.

Zu dem von Ihnen so gelobten Geschichtsbewusstsein Gerhard Schröders möchte ich zwei Einschränkungen machen: Er gehörte neben Grass und anderen zu den Skeptikern der Wiedervereinigung. Sie wollten die DDR als soziale Demokratie neben der BRD etablieren. Schröder hätte wissen müssen, dass ein Nachfolgestaat der DDR im Zusammenhang der deutschen Geschichte keine Berechtigung hatte. Zu dieser Fehleinschätzung passt der Vorschlag der Bundeskanzlers Schröder, den 3. Oktober als arbeitsfreien Feiertag abzuschaffen. Damit hat er sich dann ja auch nicht durchgesetzt. – Reimer Wohlenberg


Leserbrief zu „Und jetzt, wohin?“ von Jan Ross

Meine Frau stammt aus dem Süden von Myanmar, wir haben dort Grundbesitz und reisen regelmäßig dorthin. Ich habe daher einen etwas anderen Blick auf das Land als manche Journalisten, Touristen oder Medienkonsumenten. Ihr Artikel beschreibt  meines Wissens richtig die Historie der durch britische Kolonialkräfte betriebene Ansiedlung muslimischer Anwohner im ehemaligen Arakan (heute: Rakhine). Was leider fehlt ist die Feststellung, dass die vielfach seit ca. 20 Jahren verwendete Bezeichnung „Rohingya“ historisch nicht belegt ist. Die von offizieller Seite in Myanmar verwendete Bezeichnung „Bengali“ („Bengalen“) dürfte korrekter sein. Festzuhalten ist: Diese Menschen sind in Myanmar nicht nur in ihrem unmittelbarem Umfeld, sondern im ganzen Land extrem unbeliebt. Fraglich ist daher aus meiner Sicht, von Aung San Suu Kyi einen wie auch immer gearteten Einsatz für die „Rohingya“ einzufordern. Sie hätte sofort ihr gesamtes Volk gegen sich, und in dem bis dato stolzen (und weltweit einzigartigen) 135-Ethnien-Staat Myanmar wäre ein Bürgerkrieg die unausweichliche Folge. So gesehen, ist sie eine kluge und versierte Politikerin – trotz der aus westlicher Sicht tragischen Vertreibung muslimischer „Rohingya“. – Jan Schüsseler


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Das Bild was Ihre Autoren von Frau Weidel und der AfD überhaupt, ist der eigentliche Grund warum die AfD die drittstärkste Partei  in unserem Land wird. Vorher wurde Frau Petri zur Unperson von den Medien erklärt. Herr Gauland ist der Nachkomme von Hitler. Sie machen sich langsam lächerlich. Wahr ist dagegen: die AfD ist die eigentliche Opposition von allen anderen Parteien. Und Frau Weidel triftet nicht ab, sondern versucht aus der Pleitepolitik wieder ein Leben für die Bürger zu schaffen, ohne  täglich Angst haben zu müssen , ob man morgen noch am Leben ist. Weil der Terror und die hohe Kriminalität Ausmaße angenommen haben, die viele Bürger verrückt machen. Und wenn ich hören muß: „Das muß eine Demokratie aushalten können“. Einen noch blöderen Spruch habe ich noch nie gehört. Wer nicht zum Mainstream passt, wird von Ihnen niedergemacht.  Aussenseiter sind nicht willkommen. Die Scharfmacher sitzen nicht in der AfD sondern in Ihren Redaktionen. Das Chaos, daß die etablierten Politiker in Deutschland und Europa hinterlassen kann schlimmer nicht sein.  Ich grüße Sie trotzdem recht herzlich, aber nur, weil für Ihr Blatt auch Autoren schreiben, die Intelligenter sind. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Ein absoluter Witz. Die SPD und die GRÜNEN zum linken Lager zu rechnen, ist für mich ein absoluter Witz. Dies zeigt, wie weit inzwischen unser Land nach rechts gerückt ist. Das macht mich sehr traurig. – Artur Borst


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Wegen solcher Analysen lese ich die Zeit. Super. – Martin Loser


Leserbrief zu „Hau ab!“ von M. Brost et al.

Die Schreiber dieses Artikels glauben, etwas Neues aus der Bundesrepublik Deutschland zu beschreiben. Da irren sie sich. Wie hat man Helmut Kohl zugerufen während seines letzten Wahlkampfs? Wie hat man Franz Josef Strauß genannt, beschimpft, welche unflätigen Bemerkungen machte Helmut Schmidt über ihn!!  (Die Autoren mögen aus dem Archiv jene Zeit-Ausgabe mit Bild und Bildunterschrift auf der 1. Seite – wenn ich mich recht erinnere  –  herausholen:  da ist vom pissenden Bullen die Rede.) Zum Verhalten gegenüber  Strauß schreibt Golo Mann am 5.4. 1980: „Ich würde nicht für ihn eintreten, wenn nicht  …. eine Hetzkampagne gegen ihn stattfände, wie ich es vorher nur einmal erlebt habe,  und das ist sehr lange her, gegen Friedrich Ebert in den zwanziger Jahren.“   Die Autoren übersehen das Verhalten der bekannten Parteien gegenüber der AfD, beschrieben in einem Artikel der NZZ vom 13. September 2017 auf S. 5: Die Ghetto-Brüder von der AfD. Sie übersehen die Schmähungen und Behinderungen ‚Linker‘ gegen die Professoren Münkler und Baberowski an der Humboldt-Universität in Berlin. Audiatur et altera pars – gilt dieser Grundsatz noch und die Debatten-Regeln des 21jährigen  Benjamin Franklin? – Helmut Wiench


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Ich musste mich schon sehr wundern, über die Formulierungen des Herrn Rauch : „Wer mit den Jahren nicht konservativer wird, dem ist nicht zu helfen.“ Ist Herrn Rauch noch zu helfen? „Den Ort zu verlassen, das ist eine typisch deutsche Anwandlung“…Was soll denn das?? Was sind „sich selbst verwirklicht habende junge Paare“ und „Weibspersonen“? Seit wann ist das Wort „anfühlen“ „neudeutsch“?  Und wenn ein KunstProfessor in dieser Weise über „gendersensible Jünglinge“ herzieht, dann kann man nur noch mit dem Kopf schütteln…. – Gernot Lindner


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Sie haben recht, dass junge Leute in Deutschland erstaunlich leise sind, wenn es darum geht, die Auswirkung des Raubtierkapitalismus auf unsere sozialen Systeme anzuprangern. Da liegt vieles im Argen. Aber als jetzt 63-jähriger kann ich Ihnen versichern: Die geschilderten Schicksale Ihrer Altersgenossen lassen sich 1:1 auf viele meiner damaligen Kommilitonen übertragen (Stichwort „Lehrerschwemme der 80er Jahre“). Und ich gestehe: Analog zu den heutigen Jobs als Pizzaboten oder Kaffee-Ausschenker habe ich in dieser Zeit Säcke geschleppt, geputzt und niedere Lagerarbeiten gemacht, um über die Runden zu kommen. Das war…normal !  Wenn Sie solche Tätigkeiten als „Bullshit-Job“ bezeichnen, ist dies eine schwere Beleidigung für die dort arbeitenden Menschen und zeugt leider von einer erheblichen Arroganz. – Dr. Thomas Rutt


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

Eine Billion Dollar (sofern hier die deutsche und nicht die amerikanische Einheit gemeint ist) entspricht 840 Milliarden Euro und nicht 840 Millionen.  Wie kommt es, dass die „Stuttgarter Nachrichten“ den gleichen Fehler enthalten, während die FAZ die richtig umrechnet?  *) – Wolfgang Schäfer


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

840 Millionen Euro, gleich 21 Euro pro Einwohner, will Polen als Ausgleich für die Kriegsschäden? Da ließe sich doch ein Weg finden, wie Polen einen geldwerten Ausgleich erhält, der dann nicht Reparation genannt wird. Hat nicht seinerzeit Bundeskanzler Schmidt mehrere  illiarden DM in die polnische Rentenkasse gezahlt, damals ausserordentlich von Frau Dönhoff in der ZEIT gelobt?  eider steht der genannte Euro-Betrag in Klammer als Ihre Umrechnung. Vor der Klammer steht: eine Billion Dollar. Dies entspricht 1.000.000  Millionen Dollar bzw. 1.000 Milliarden Dollar. Je nach aktuellem Wechselkurs weicht der Euro-Betrag etwas davon ab.  Ich bin gespannt, ob die Redaktion die Leser so wertschätzt und ein Erratum bringt. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Zukunft ist keine Lösung“ von Peter Kümmel

Ein journalistisches Meisterstück! Ein Hochgenuß für mich als Leser! Bitte mehr davon… – Dieter Gollong


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen, in dem sich der Autor darüber wundert, weshalb junge Deutsche ihre prekären Arbeitsverhältnisse akzeptieren, statt für mehr Gerechtigkeit auf die Straße zu gehen. Ich denke, das lieg daran, dass die Menschen nach dem verlorenen Weltkrieg zugunsten des Wiederaufbaus ihre persönlichen Interessen den Anforderungen von Arbeitsmarkt und Gesellschaft untergeordnet haben. „35 Jahre lang Haken für den Duschvorhang“, sozusagen. Es wurde schlicht und ergreifend das gearbeitet, was gefragt war. Für die materielle Sicherheit haben die Menschen freiwillig und unaufgefordert Selbstverwirklichung & Co ins Rentenalter verschoben … Die (Groß-)Eltern der heutigen Jung-Akademiker verzichteten also auf etwas, das die junge Generation wertschätzt und als Fortschritt empfindet: eine selbstbestimmt Berufs- und/oder Studienwahl. Dafür bringt sie nun ihrerseits ebenfalls freiwillig und unaufgefordert ihr Opfer: die materielle Sicherheit.

Das Problem liegt darin, dass sowohl Jung als auch Alt davon überzeugt sind, diese beiden Alternativen wären eine klares Entweder Oder. Wer das Studium nach Herzenswunsch statt nach Arbeitsmarktanforderungen wählt, opfert  die Sicherheit und muss damit leben. Punkt. Statt Musik hätte frau ja auch IT studieren können, nicht wahr? Dabei wird dann gerne übersehen, dass auch die vermeintlichen Vernunftlösungen heutzutage nicht automatisch zu materieller Sicherheit, sondern genauso in prekäre Arbeitsverhältnisse führen. Wenn die Jungen erkennen, dass sie einem falschen Glaubenssatz aufgesessen sind, werden sie schon noch zu kämpfen beginnen. Es wird sich nur nichts an ihrer Lage ändern, solange die Alten (und damit die etablierten Entscheidungsträger) selbst noch dem falschen Glaubenssatz nachhängen, die richtige Berufs- oder Studienwahl wäre automatisch ein Schutz vorm Prekariat. – Doro Simpfendörfer


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

In Ihrem Artikel lassen Sie diejenigen zu Wort kommen, die mit Robotik Geld verdienen . Es ist doch naheliegend, dass sie aus Eigeninteresse die Gefahren herunterspielen. Wenn gleichzeitig das Physik-Genie Hawking und ein sehr zukunftsgerichteter, erfolgreicher Visionär vor den Gefahren warnen, dann weiß ich, wem ich eher glaube. Wenn die ersten vollautonomen Kampfdrohnen eingesetzt werden, außer Kontrolle geraten und nicht nur Familien auslöschen, die den Drohnenbesitzern egal sind, dann sind wir an dem Punkt, vor dem gewarnt wird. Das ist dann noch nicht KI, schon klar, was aber wenig tröstlich ist. Da niemand weiß, unter welchen Bedingungen Bewusstsein erlangt wird, kann mich kein Robotik-Unternehmer damit beruhigen, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Roboter werden vermutlich nicht dadurch Bewusstsein erlangen, dass Forscher dies zu erzeugen versuchen. Irgendwann wird es plötzlich einfach da sein, ohne dass dies jemand beabsichtigt hat. – Heiko Friedrichs


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Vielen Dank für Ihren Artikel „Unser blauer Patient“. Es ist ein Thema, dass wir alle so sehr verdrängen. Viele Menschen, denen ich begegne, merken garnicht die drastischen Veränderungen selbst in ihrer unmittelbaren Umgebung. – Heiko Friedrichs


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

Eine Billion sind 1000 Milliarden, und auch von einer Billion Dollar sollten, jedenfalls im Deutschen und wahrscheinlich auch im Polnischen (im Gegensatz zum Englischen) 840 Milliarden Euro übrig bleiben. Mit Ihrer Umrechnung haben Sie dem Artikel gekonnt die Basis weggespült. Denn schenke ich der Euro-Zahl Glauben, dann liegt in der Bedienung der polnischen Forderung die Chance eines echten Schnäppchens für die Deutschen! Was hat die polnische Regierung nun gefordert? Und wie versöhnungswidrig ist die Forderung dann wirklich? Sinnlos, den Artikel bis zum Ende zu lesen. – Jochen Stecher


Leserbrief zu „Viel Gewinn, wenig Steuern. Wie kann der Fiskus Apple und Google zur Kasse bitten?“ von Marcus Rohwetter

Sie beschreiben Denkansätze, wie der unfairen Besteuerung internationaler Konzerne durch EU-Länder wie Irland oder Luxemburg (Holland und Belgien könnte man wohl auch noch nennen) begegnet werden könnte. Aber Sie schreiben auch, dass Länder wie Deutschland, Frankreich usw. sich solche Besteuerungsansätze auf europäischer Ebene genehmigen lassen müssten. Ich halte das für erklärungsbedürftig. Wie kann es sein, dass Irland zu unserem Schaden machen kann, was es will, und wir uns neue Steuerregeln EU-seitig genehmigen lassen müssen, womöglich noch einstimmig?? – Gebhard Boddin


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Glückwunsch zu diesem Dossier des Herrn Caspar Shaller! Glückwunsch an die ZEIT, dieses auch zu veröffentlichen. Ein Einspruch allerdings muss sein: Ich kenne  einige junge Leute (allesamt Akademiker), die in Unternehmen der von der Presse hochgepriesenen Kreativwirtschaft( start-ups in Berlin!!!!!!!) arbeiten und dort dermaßen ausgebeutet werden, dass es eine Schande für Deutschland ist. Moderne Sklaven! Allerdings: Diese jungen Leute finden das gar nicht so cool wie es die Reportage glauben machen möchte. Die sind nämlich ziemlich verzweifelt, vor allem, wenn sie keine zahlungsfähigen Eltern haben und kein Erbe winkt! In diesem Zusammenhang wäre die Bekanntgabe des Klicks, mit dem man sich „leckere Lebensmittel besorgen“ kann sehr sinnvoll, vielleicht aber würde dieser Klick den berechtigten Zorn weiter verhindern. – Barbara Hornbacher


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Ich bin auch der Meinung: Wir sollten so bald wie möglich  nur noch regenerative Energie nutzen.   Wir haben aber nicht nur Millionen PKW, die fossile Energie nutzen. Wir haben Millionen LKW, Millionen heizende Haushalte und eine Industrie die riesige Mengen fossiler Energie verbrauchen. -Wir können in Deutschland nicht ausreichend regenerative Energie erzeugen um Verkehr, Haushalte und Industrie zu versorgen.  -Wir  können regenerative Energie  nicht  in ausreichenden Mengen speichern um wind- und sonnenarme Zeiten zu überbrücken.Wir werden also weiter Energie importieren müssen. Wir müssen diese transportieren und speichern.   Man kann zum Beispiel in den Wüsten der Erde aus der Sonnenenergie fast unbegrenzt elektrische Energie erzeugen. Man kann diese aber schlecht speichern und schlecht über große Entfernungen transportieren. Man kann daraus aber leicht Wasserstoff erzeugen.

Der ist auch noch schwer zu speichern und zu transportieren. Aus dem Wasserstoff  kann man mit CO2 aus der Atmosphäre  synthetische Kraftstoffe (E-Fuels – Erdgas, Benzin oder Diesel ) als Energieträger  gewinnen. Diese sind gut zu transportieren  und gut zu speichern. Bei diesen Umwandlungen geht zwar Energie verloren aber die Sonnenenergie steht fast unbegrenzt zur Verfügung.  Wenn wir diese synthetischen Kraftstoffe verbrauchen, geht zwar CO2 in die Atmosphäre aber das wurde bei der Herstellung aus der Atmosphäre entnommen,  der Verbrauch  ist CO2 – neutral.  Wir können diese  synthetischen Kraftstoffe guten Gewissens im Verkehr, in den Haushalten und in der Industrie verbrauchen.  Die Verbrennungsmotoren arbeiten mit den E-Fuels  sauberer  und CO2-neutral.  In Norwegen wird gerade eine Großanlage für E-Fuels gebaut, um überschüssige Energie aus Wasserkraft zu nutzen. – Bernhard Schulz


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Ich lese gerne und oft die Zeit samt Magazin. Seit Beginn des Jahres ärgere ich mich allerdings jede Woche, dass Sie ein Fotografenduo (Larissa und Thomas) präsentieren, das weder von den Bildern noch von den Texten dem Niveau des Zeitmagazins entspricht. Ich frage mich, was an den Fotos oder den Nachrichten der beiden interessant sein soll und behaupte, dass es weitaus bessere Möglichkeiten gäbe, die beiden Seiten zu nützen … eventuell weiß lassen als Raum für Notizen?  Mir ist bewusst, dass man über Geschmack nicht streiten kann, aber ich bin jede Woche aufs Neue enttäuscht. Da ich den beiden nun schon einige Chancen gegeben habe, möchte ich mein Feedback nicht für mich behalten. Mir ist bekannt, dass ich nicht die einzige Kritikerin der beiden in meinem Bekanntenkreis bin, allerdings möchten sich die anderen die Zeit nicht nehmen, extra ein e-mail zu schreiben. – Birgit Kraus


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Nun also Frau Weidel. Eine Mail, von der Sie nicht mit Gewissheit sagen können, ob sie von Alice Weidel geschrieben wurde, reicht aus, um mit Hilfe einer ihrer ehemaligen Freundinnen eine doppelte Alice zu kreieren. Die Freundin, die Sie offenbar zu den Künstlern und Linken rechnen, ist enttäuscht und packt aus: Wie kann man Zugpferd einer rechten Partei werden, wenn man Linken freundschaftlich verbunden ist? Wie kann man links und damit gut sein, und rechts und folglich böse? Ja, und böse ist Frau Weidel, wie die E-Mail zeigt. Ihr Text ist ein Beispiel für unseriösen und unethischen Journalismus. Sie warten nicht ab, bis die Echtheit der Mail geklärt ist. Sie verurteilen aufgrund eines Textes, von dem der Leser nicht erfährt, an wen er gerichtet ist und in welchem Zusammenhang er steht. Enttäuschte Freunde sind mitunter unangenehmer als alte Feinde.

Ganze acht Mal ist in Ihrem Text die Rede von Weidels Bekannten, Freunden, Freundeskreis oder (ehemaliger) Freundin. So, als ob es sich um viele denkende Menschen handle. Darf man vermuten, dass es sich um eine einzige Gewährsfrau handelt, die wiederum von gemeinsamen Bekannten spricht? Sie schreiben, die zweite Version, also die böse Weidel, „wurde scheinbar erst in diesem Wahlkampf geboren“. Meinen Sie, was Sie schreiben? Oder meinen Sie „anscheinend“? Wenn Ersteres zutrifft, ist meine Kritik natürlich völlig unberechtigt. – Johannes Kettlack


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

„Wut, Angst, Frust“ …….

……. könnte von mir stammen. Schrieb dazu ein Essay in 2016 mit dem Titel „Die Stufen einer babylonischen Gefangenheit hin zum vollendeten Chaos“ für den Zeitraum 2008 (zunehmend eigene innere Zweifel) bis 2016 (vollendete Abkehr). Dabei geht es nicht um mich, sondern um die Zukunft meiner Kinder und Enkel. 1938 hineingeboren in eine liberal-konservative, lutherische, hanseatische Familie, ist meine jahrzehntelange  – auch aktive –  politische Ausrichtung gewiß umfassend genau beschrieben. Zur BTW 2009 vergab ich nur noch die Erststimme an „meine Koalition“ . Bei der BTW 2013 weder Erst- noch Zweitstimme. Und dies wird auch diesmal so sein. Aber was denn diesmal ? Ich gehöre sicherlich zu den weiter steigend 30-35 % „Wutbürger“, weil sich die gewählten Mitbürger von der Polis und der Humanitas  – leider nicht bis zur eigenen Aufgabe durchringend – verabschiedet haben. Stattdessen verstecken sie sich hinter Floskeln wie Zwängen der Globalisierung, europäischer und internationaler Verpflichtungen und den Verweis auf neue „Angstgegner“, statt politisch aktiv in die Speichen des Räderwerks eines Wandels zum Besseren zu greifen. Naiv ? Nein ! Ein Grufti wie ich zitiert hier gerne  – pars pro toto –  Sascha Lobo in der Illner-Runde am 15.12.2016: „Wenn die Republik die innerdeutsche Willensbildung der Menschen weiter falsch versteht, wird die etablierte Politik ihr blaues Wunder erleben. Und die sich seit Jahren verstärkende Unzufriedenheit der Bevölkerung geht wegen der nicht mehr aufzuhaltenden Exzentrizität durch die fünfte Macht im Staate (Medien aller Art) weit über die erste Revolte der Mitte- & Ende der 60-er Jahre hinaus“.

Untertitel “ Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links ?“, …….

……. weil jede GROKO die Offenbarung eines nicht mehr zur Gestaltung fähigen Gemeinwesens ist. Kohls Mädchen kriegt doch schon lange wichtige Gesetze nicht mehr durch den Bundesrat. Durch den Bundestag paukt die erste Ministerin des Kabinetts nur mühsam ihre GROKO-Verordnungen. Roman Herzog mit seiner Forderung „ein Ruck muß durch die Gesellschaft gehen“, war nicht nur an die Bürger zum politischen Ungehorsam gerichtet sondern auch und besonders an die gewählten Handelnden, ihre völlig überkommenen „Grundgesetze“ ihrer parteilichen Strukturen der Gegenwart anzupassen. F.J.Strauß hatte vor 50 Jahren  – zu Zeiten der 68-er Bewegung –  schon einmal die Idee, die stief-schwesterliche Liaison der Union aufzugeben und bundesweit zu gehen. In meinen Kreisen wäre das jubelnd begrüßt worden. Jetzt alle im Grufti-Alter, hofften wir seit dem 2015-Alleingang der Dame-Alternativlos noch einmal, die Bayern-Partei würde nach all den Verbissen ihrer frühen Jahre endlich die rote Karte ziehen. Gewiß, zu spät für die jetzige Wahl. Aber allein die Ankündigung hätte die AFD ordentlich in´s Schlingern bringen und als Vorschußlorbeer die alte Union (fast) zur absoluten Mehrheit führen können. Mit Sicherheit aber hätte es zu vier Jahren Schwarz/Gelb gereicht. Und die älteste Volkspartei hat nur noch eine Chance wieder Boden unter die Füße zu kriegen. Sie muß nach mehr als 25 Jahren der deutschen Vereinigung einen“ Zusammenschluß der Linken“ forcieren, wenn sie in weiteren vier Jahren wieder in Richtung Augenhöhe wachsen will. Hätte „die alte Dame“ dies analog zur Bayer-Partei ebenfalls noch vor der Wahl artikuliert, hätte sie analog zur Union alle Wahlvorhersagen kippen können. Beide Maßnahmen von rechts und von links hätten  – da bin ich mir sicher – die Massen der Politikverdrossenen mobilisiert .

Fazit …….

……. aus dem hätte, wäre, wenn bleibt, dass ich wie immer wählen gehe, auch wenn sich meine Stimme nur in den Überhangmandaten des vorderen Wahlkampf-Sextetts aus wie stets etwa 2,5 Prozentpunkten der „Anderen“ in Brökchen verteilt ……. Hinein also in die  baldige Zukunft aller Wutbürger für meine Kinder und Enkel mit posthum einem späten Triumph für einen der letzten Großen wie Roman Herzog, nachdem nun auch Heiner Geißlers Stimme nicht mehr zu uns dringt. – Peter Rutenberg


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Ist ein Teil unserer Bevölkerung von Sinnen?

Wir leben in einer Zeit, in der sich der größte Teil unserer Bevölkerung in Deutschland in einem Wohlstand und in Lebensverhältnissen befindet, wie diese selbst Kaiser und Könige in früheren Jahrhunderten nicht genießen konnten. Sicher gibt es massive Wohnungsprobleme besonders in den Großstädten und die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Ebenso haben sich die Pflegeverhältnisse in den Krankenhäusern und in den Altenheimen in den letzten Jahren  zum Teil deutlich verschlechtert. Auch das Flüchtlingsproblem ist riesengroß.

Weiterhin bedarf die unglaubliche Bereicherung der Vorstände in den Banken und in den Konzernen durch ungerechtfertigte Millionenboni einer neuen gesetzlichen Neuregelung. Als Sozialdemokrat sehe ich in einer großen Koalition mit einer konstruktiven linksgrünen Opposition, deren Argumente auch wirklich beachtet werden sollten, den besten Lösungsansatz. Wut, Angst und Frust sind jedoch die schlechtesten Ratgeber. Mit Gottvertrauen, Beachtung der wichtigsten neutestamentlichen Lebensregeln und mit klarem Verstand kommen wir sicher in der Lösung dieser Probleme, soweit das möglich ist, am weitesten. – Klaus Koch


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Für den Artikel, „Die Lust an der Vergeblichkeit“ möchte ich Herrn Ulrich meine Anerkennung aussprechen, es ist das Beste, was ich seit längerem in der Zeit gelesen habe. – Hermann Spielhofer


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Vielen Dank für Ihren Artikel. Viele der von Ihnen angesprochenen Probleme sehe ich sehr ähnlich. Allerdings teile ich nicht Ihre Auffassung hinsichtlich der ersten Begründung für das Fehlen der Begeisterung für das Thema soziale Gerechtigkeit. Denn wenn ich Ihren Gedanken zu Ende denke, dann müssten Sie m. E. fordern, dass die Eltern ihre Kinder finanziell nicht unterstützen, damit diese Armut erfahren und deshalb für ihre sozialen Rechte auf die Straße gehen. Eine solche Forderung macht m. E. diese jungen Menschen zu Objekten der, falls ich Sie richtig verstanden haben sollte, von Ihnen gewünschten Versammlungen für soziale Rechte. Aber eine solche Forderung vermag ich nicht in Einklang zu bringen mit der Menschenwürde dieser jungen Menschen. M. E. ist in der Solidarität der Eltern mit Ihren Kindern eine Chance zu sehen. Denn dies könnte es den Kindern tatsächlich ermöglichen, nicht jede angebotene Stelle annehmen zu müssen, sondern tatsächlich eine Wahl zu haben. Sie könnten sich also gegen ihre Ausbeutung wehren, weil ihre Eltern es ihnen ermöglichen. Mehr noch, sie könnten sich dafür entscheiden, sich selbständig zu machen und eine neue, sozial gerechtere Arbeitskultur zu etablieren. Sie könnten die Unternehmer von morgen sein, die aus Überzeugung anders wirtschaften, arbeiten und vielleicht sogar einstellen. Und dabei wird ihnen auch ihre, im Vergleich zu ihren Eltern höhere Bildung helfen, die vor allem der Entfaltung ihrer Persönlichkeit dient, aber sie eben auch besser dazu befähigt, über sich selbst zu bestimmen und die Welt, in der sie leben, mitzugestalten.

Diese lässt sich jedoch besser mitgestalten, wenn man und auch diese jungen Menschen in Entscheidungspositionen sind. Bis dahin mag es ein langer, beschwerlicher und entbehrungsreicher Weg sein. Aber von da aus lässt sich die Welt besser verändern und sozialer gestalten. Und sollten die jungen Menschen diesen Weg auf sich nehmen, dann ist es um so besser, wenn sie die Möglichkeit haben, von günstigen Alternativen zur Lebensgestaltung zu profitieren. Denn dann scheitert ihr Widerstand wenigstens nicht an zu teuren Lebensverhältnissen. Allerdings braucht es dafür noch etwas, was die Eltern dieser Kinder, aber auch die politische Bildung diesen jungen Menschen mit auf den Weg geben muss: die Überzeugung davon das soziale Rechte Menschenrechte sind, mit denen alle Menschen geboren werden und von denen und deren Durchsetzung die jungen Menschen überzeugt sind. Der Welt könnte gar nichts besseres geschehen als mehr Eltern, die ihre Kinder bei einem solchen zivilen Ungehorsam und sozialen Widerstand finanziell unterstützen würden. Und das gilt ganz besonders auch für junge Menschen mit Migrationshintergrund, die derart ihre Unterdrückung und die Ungerechtigkeit, die sie in dieser Gesellschaft erfahren, aushebeln könnten. Denn der Staat versagt bei diesen und den o. g. jungen Menschen. – Atefeh Shariatmadari


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Die Ausgabe der ZEIT ist zum lupenreinen Richtungsblatt der Linken mutiert. Eklatante  Defizite in puncto Rechtmäßigkeit politischen Handelns seitens der Linken werden unter den Tisch gekehrt. So wurden z.B. etliche Gesetze, die Lafontaine in seiner Eigenschaft als Kurzzeit-Finanzminister in der Ära Schröder angestoßen hatte,  später vielfach wegen Verstoß‘ gegen die Verfassung korrigiert oder ganz für nichtig erklärt. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Der Autor des Dossiers wundert sich, dass es von den Leuten seines Unter-30-Umfeldes keinen öffentlichen Protest wegen ihrer Situation gibt. Mich wundert das nicht, weil diese Leute gebildet sind und ich ihnen daher zutraue, Folgendes zu wissen oder zumindest irgendwie zu spüren: Sie sind auf coole Berufe in coolen Großstädten fixiert – während in der Provinz viele Betriebe händeringend Mitarbeiter und Auszubildende suchen (und viele Wohnungen verfügbar sind). Sie können mit ihrer Ablehnung „normaler“ Berufe vermutlich ihre Mitbürger, die überwiegend solche Berufe ausüben, nicht gewinnen. Und sie bekommen schlimmstenfalls (Hartz IV) vom „System“ immerhin Miete, Heizung und Krankenversicherung bezahlt – und noch etwa 400 Euro monatlich obendrauf. Also ist es in der Tat angemessen, in Sachen Protest den Ball flach zu halten. – Christian Sorge


Leserbrief zu „Ein zorniger Veränderer“ von Werner A. Perger

„Jeder intelligente Katholik ist im Inneren auch immer ein Protestant“, davon war der Katholik, frühere Jesuiten-Schüler und Luther-Kenner Dr. Heiner Geißler überzeugt. Genauso überzeugt war er von der Notwendigkeit, dass in die Gestaltung einer gerechten Politik die humane und soziale Dimension des Evangeliums mit einfließen muss. So lässt nicht zuletzt Geißlers eigene politische Verortung die Anschauung vermuten, die bestmögliche Politik sei allenthalben von leicht links der Mitte umzusetzen. Die Würdigung Geißlers etwa durch Bundeskanzlerin Merkel, die in ihm Ratgeber und Stütze, überdies einen intellektuell herausragenden, rhetorisch brillanten und streitbaren Geist gesehen hat, findet ganz ohne Frage zu Recht einen breiten und parteiübergreifenden Gleichklang. – Matthias Bartsch


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Natürlich ist mir bewusst, dass die gedruckten Medien auf Werbung angewiesen sind. Doch als Käuferin Ihrer kostspieligen Zeitung, die mich im Normalfall mit sorgfältigen Reportagen und intelligenten Artikeln begeistert, möchte ich im Magazin nicht mit primitiven Bildern und Werbung eingedeckt werden. Nach zwei Modenummern erhoffe ich mir wieder Gehaltvolleres. – Monika Schumacher-Bauer


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Neben all den jungen Leuten in den schlecht bezahlten und oft befristeten Jobs gibt es auch all die schlecht bezahlten nicht mehr jungen Menschen, oft unfreiwillige Minnijobber,  in den Supermärkten, Tankstellen, Altenheimen,  Haushalten, Friseursalons, etc., wovon einzelne Betriebe profitieren und jeder einzelne von uns.  Was machen wir, wenn alle gut ausgebildet und studiert haben und sich keiner mehr findet, der für uns Besserverdiener die Regale auffüllt, die Haare schneidet, putzt, unsere Eltern pflegt? Es muss sich lohnen, zu studieren. Aber es wird auch in Zukunft so sein, dass einige Menschen einfach nicht in der Lage sind, eine höhere Ausbildung zu erreichen- aus welchen Gründen auch immer. Auch diese Menschen sollten besser verdienen, feste Arbeitsplätze haben, auch sie werden gebraucht und erfüllen für eine Gesellschaft wichtige Aufgaben. Auch da sollen junge Menschen hinschauen. – Marianne Merz-Petrat


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

In Ihrem Artikel vermisse ich die andere Seite, die der Arbeitgeber. Wenn heute 50% alle Kinder studieren, wollen sie  nach Ende des Studiums ein sehr hohes Einstiegsgehalt.  Für jeden Arbeitgeber stellt sich dann die Frage ob er sich fest an jemanden binden möchte, von dem er gar nicht weiß, ob er nicht nur studiert hat sondern auch etwas für den Betrieb leisten kann.  Die Eltern ohne Studium und mit einigem Wohlstand, haben sich langsam emporgearbeitet, mit 14 Jahren angefangen und nicht mit Ende 30. Zuviel Akademiker mit zu hohen Gehaltserwartungen lassen ein Überangebot entstehen, daß drückt die Preise. Besonders heute kann ein guter Facharbeiter und Handwerker ganz schnell eine Festanstellung erhalten, denn da herrscht  Mangel. Ist da nicht ein Fehler im System?  Positiv sehe ich bei den Jungen Menschen (ich habe 4 Kinder zwischen 30 und 37), die dies teilweise auch so halten) daß alles besitzen nicht der Schlüssel zur Zufriedenheit ist, Leihen statt kaufen ist in vielen Bereichen zu begrüßen. Die Generationen vor uns haben dies in der Nachbarschaft praktiziert, heute hat jeder alles was einmal im Jahr gebraucht wird im eigenen Keller, statt nebenan zu fragen. Ich bin 62 Jahre alt und werde vielleicht  noch erleben, ob diese Einstellung der unter 30jährigen, auch in 10-20 Jahren noch vorhanden ist oder ob auch dann der Habitus wichtig geworden ist. – Elisabeth Hoffmann


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich habe eben Euer Dossier gelesen und bin begeistert. Es geht mir hier jetzt nicht darum von meiner Seite weitere Ansichten oder Argumente beizutragen. Ich möchte an dieser Stelle Caspar Shaller ein Kompliment aussprechend wie hervorragend der Artikel recherchiert wurde und wie gut, aus meiner Sicht, die vielen soziologischen und volkswirtschaftlichen Aspekte ausbalanciert wurden.  Solche Ausführungen, die das „Grosse Ganze“ kritisch in den Kontext stellen, gibt es viel zu wenige. Gar zu oft sind in der Presse nur tendenziöse Fragmente finden und es ist regelrecht anstrengend selbst auch andere Aspekte zusammenzutragen. Leider sind damit auch viele der angesehen Medien wie FAZ, SPIEGEL oder SZ gemeint.  Dieses Dossier ist der Grund warum ich so gerne die Zeit lese. – Gunnar Finck


Leserbrief zu „»Herausgefordert ja, überfordert nein«“ von Anna-Lena Scholz und Jan-Martin Wiarda und zu „Auf dem Weg zum Streber“ von Martin Spiewak

S.80 „Chancen“: Bildung und Biografie von Edelgard Bulmann: …“Sogar privat spielt Bildung eine Rolle: Seit 1979 ist sie mit einem Professor verheiratet. Auch bei mir spielt Bildung privat eine Rolle ohne mit einem Professor verheiratet zu sein!!!

S.82 „Chancen“: Deutschlands Bildung (Wie immer sie zu definieren ist!) erhält von der OECD recht gute Noten

Die Ausgaben pro Schüler liegen über dem internationalen Durchschnitt, die Jugendarbeitslosigkeit ist vorbildlich, auch wegen der dualen Ausbildung.

Bitte setzen Sie diesen Nebensatz nicht in Klammer, sondern unterstreichen Sie ihn ganz bewusst!

Dann geht es wie üblich weiter: … Bildungsstatistik…OECD mokiert sich über niedrige Akademikerquote…Deutsche holen bei Studienanfängern auf…Deutschland erlebt eine zweite Bildungsexpansion…

Verehrter Schreiber, Martin Spiewak, wo sind unsere Meister erfasst?, was hat es mit dem einen Drittel Studienabbrechern auf sich?… So pauschal kann man dieses Thema nicht angehen! Danke, dass ich etwas zu kritisieren gefunden habe! – Gisela Prebeck


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Haben Sie schon einmal von „Acetyldehyd“ gehört? – Ihre Autorin offenbar schon. Jedenfalls hat sie sich offenbar entsprechend verhört. – Acetyldehyd [wohl zu sprechen als: Acetyl-Dehyd] wäre eine chemische Nonsensverbindung, Acetaldehyd [sprich: Acet-Aldehyd] hingegen nicht. Acetaldehyd gibt es tatsächlich. Und wie es sich leicht recherchieren lässt, soll es auch von PET-Flaschen freigesetzt werden. Schon wieder ein falsch wiedergegebener Schlüsselbegriff in der ZEIT (siehe meine Mail von gestern), so dass man Zweifel am gesamten Artikel bekommt (Hastig zusammengestricktes Machwerk? Inkompetente Autorin?).Bezweifeln will ich auch die verbreitete Statistik, dass ein Deutscher 1970 nur 12,5 Liter natürliches Mineralwasser konsumiert haben soll – das widerspricht gänzlich meiner persönlichen Erfahrung; in meiner Familie und im gesamten Umfeld (Nordbaden) trank „man“ kein Leitungswasser (es sei denn, abgekocht, veredelt als Tee/ Kaffee), sondern „Sprudel“, der jede Woche vom „Sprudelmann“ ins Haus geliefert wurde. Ob nun jedes „Sprudelwasser“ „natürlich“ war, weiß ich nicht. Doch das ist ja nicht der Fokus Ihres Artikels. – Wie gründlich hat die Autorin diese – höchst zweifelhafte – Statistik geprüft?

Mein zweiter hier vorgetragener Zweifel ist, zugegeben, rein spekulativ, der erste hingegen gesichert. Muss ich solch seichtes Handwerk als Leser eines, wenn auch im „Ich-Stil“ geschriebenen, Artikels der ZEIT hinnehmen oder soll ich einen Leserbrief schreiben, der sicher auch Ihrem Korrektorat zu gelten hat? Ich habe mich für die lautere Variante entschieden. – Jochen Stecher


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Nicken. Zustimmen. Sich endlich mal verstanden fühlen. So ging es mir beim Lesen Ihres Artikels. Vergessen haben Sie nur diejenigen von uns, geboren in der DDR, keine reichen (Groß-)Eltern, in derselben Lage. Mit Anfang 30, 2 kleinen Kindern (2 und 3 Jahre) einem Diplom in BWL und zig tausend Euro Schulden (Bafög, KFW, Studienkredit) frage ich mich oft: für was habe ich studiert? Mit Mitte 30 schuldenfrei, das wäre schön. Würde ich es noch einmal machen? Ich denke nicht. Mit 16 eine Ausbildung beginnen, 15 Jahre (Teilzeit) arbeiten, schuldenfrei leben und eine Familie gründen. Das wünsche ich mir für meine Kinder. Ich fang schon mal an zu sparen. Ihren Artikel sollten all die Eltern und Großeltern lesen deren Ersparnisse eben nicht für schöne Reisen im Alter etc. ausgegeben werden können. Ihnen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass sie (wenn auch nur indirekt) die Unzulänglichkeiten deutscher Politik kompensieren. Eigentlich müssten und sollten gerade sie laut aufschreien! Das würde auch „uns Jungen“ helfen. – Romy Gröschner


Leserbrief zu „Viel Gewinn, wenig Steuern. Wie kann der Fiskus Apple und Google zur Kasse bitten?“ von Marcus Rohwetter

Ich habe mich für eine „populistische“ Antwort entschieden. Die Staaten sind eigentlich ratlos, wie sie solche Firmen wie Google an den Steuertopf heranführen können. Das liegt an ihrer Steuergesetzgebung. Jetzt werden sie dafür bestraft. Recht geschieht ihr. Wenn sie auf Prof. Kirchhoff gehört hätten, dann wäre heute die Kuh vom Eis. Stattdessen wurde er lächerlich gemacht. Recht so! Ausserdem ist die Verwendung des eingezahlten Geldes der Bürger ohnehin eine Farce.  An diesen sozialen Töpfen darf heute die halbe Welt teilnehmen. Deutschland macht es möglich. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

Die seit kurzem wieder erhobenen Reparationsforderungen aus Polen sollen, so ist zu lesen,  „1 Billion US-$ (840 Millionen EURO)“ betragen. Nun, wenn ein US-Amerikaner von „one billion $“ spricht, sind in der Tat eine Milliarde gemeint [warum die Milliarde im US-Englisch nicht „milliard“, sondern „billion“ heißt, kann ich nicht erklären], aber wenn Polen von einer Billion Dollar spricht, dürfte auch eine Billion Dollar gemeint sein  – und das wären dann etwa 840 Milliarden EURO. – Michael Buscher


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Der Grund, warum wir auf der großen Bühne – also Demos usw. – still bleiben, ist der, dass die Generationenkonflikte innerhalb der Familie schon unsere ganze Kraft kosten. Ich bin die erste in meiner Familie, die studiert. Darauf sind meine Großeltern einerseits stolz, andererseits verstehen sie nicht, warum ich nicht endlich Geld verdiene, sondern im Gegenteil,  das Studium auch noch Geld frisst. Meine Tante, ihr Leben lang Beamtin und jetzt in Pension, ihr Mann Bauingenieur  im Ruhestand, sie reisen sehr viel, fragt mich regelmäßig, wohin denn mein nächster Urlaub ginge. Wenn ich ihr sage, dass ich nicht in Urlaub fahren kann, weil ich einfach kein Geld dafür habe, antwortet sie mir, ich müsse mir halt ein, zwei T-Shirts weniger kaufen. Ich kaufe mir nicht andauernd T-Shirts und die Kleidung, die ich tatsächlich kaufe, hat bestimmt nicht den Gegenwert eines Urlaubs. Seit ich kein Bafög mehr bekomme, gebe ich jeden Monat mehr Geld aus, als ich verdiene, aber ich will und muss mein Studium beenden. Ich möchte endlich meine Traumstelle finden. Meiner Familie erklären zu müssen, warum ein Studium sinnvoll ist oder warum ich mir keinen Urlaub leisten kann, kostet da nur unnötig Kraft. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Da ich einige junge Leute mit einer ähnlichen Biographie kenne, habe ich Caspar Shallers klare und differenzierte Darstellung der Situation der 20 – 30 jährigen in Deutschland mit großer Anteilnahme gelesen.

Möge sich der Artikel bis zur Bundestagswahl möglichst weit vor allem unter jungen Leuten verbreiten, ihnen den Anstoß geben ihr Wahlrecht wahrzunehmen und einer der Parteien ihre Stimme zu geben, die sich für eine solidarischere Gesellschaft einsetzen und für politische Vertreter, die von der Wirtschaft mehr Verantwortung sowohl für die Gesellschaft als auch die Umwelt einfordern. Eine Reform des Systems von innen ist notwendig und möglich. Protest und Wut allein führen letztlich ins Leere! – Gudrun Rogge-Wiest


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Bernie Sanders wählen und Donald Trump bekommen, dazu ist Deutschland  viel zu schade. Diesen Artikel kann nur ein amerikanisch sozialisierte  Journalist schreiben. – Josef Stempfle


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ist es heute wirklich so viel schwieriger, eine unbefristete Anstellung zu finden? Ohne Mühe kann ich an beiden Händen Universitätsabsolventen meiner Generation abzählen, die seit gut 30 und mehr Jahren trotz Promotionen und bester Noten in prekären Jobs oder als schlecht bezahlte Selbständige arbeiten oder denen es erst nach mehrfach wechselnden fachfremden Tätigkeiten  gelang , eine längerfristige Anstellung zu  finden. Um- bzw. Neuorientierung war das Gebot der Stunde. Nicht jeder war dabei gleichermaßen erfolgreich. Ist das nun sozial gerecht oder ungerecht? Jede Generation muss sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellen. Und was die soziale Gerechtigkeit betrifft: wäre es nicht möglich, statt  diesen Begriff punktuell auf einen Zeitpunkt ( z.B. das  hier und jetzt ) zu fokussieren   eine “ Total Life“  Betrachtung in Erwägung zu ziehen?  Das könnte zu ganz neuen Ideen und Bewertungen führen. – Mathilde Hammerschmidt


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

Im Artikel versucht der Autor Gero von Randow, eine Standortbestimmung zum Thema „Künstliche Intelligenz“ mit einfachen Erklärungsversuchen vorzunehmen. Leider verschleiert der Artikel die Aktualität und Problematik  der Technologien, indem dem Computer zu Recht jegliches Bewusstsein oder intelligente Denkweisen abgesprochen werden. So kann man folgerichtig auch die auf solchen Annahmen basierenden apokalyptischen Prognosen trivialisieren und als Dystopien (Siehe Aldous Huxley und George Orwell) entlarven. Wären da nicht die selbstlernenden Systeme und die globalen Abhängigkeiten von algorithmischen Steuerungs- und Kontrollmechanismen! Im Zeitalter von Digitalisierung, Big Data und autonomen Systemen haben diese im übertragenen Sinne ein „Eigenleben“ entwickelt, um die Welt „smarter“ zu machen.  Und das Ganze wird uns auch noch serviert mit einem Schuss Sicherheitsversprechen und Umweltschutzbewusstsein, denn wir sparen Energie mit „Smart Grids“, fahren risikofrei mit „Smart Cars“ und leben wohlbehütet in „Smart Cities“.  Damit gehört zur Standortbestimmung nicht nur, ob der Computer dereinst ein Bewusstsein hat und kognitiv heuristisch denkt wie ein Mensch, sondern welche algorithmischen Steuerungs- und Kontrollmechanismen global schon heute und besonders in der Zukunft wirksam werden! – Prof. Dr. Detlev Doherr


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Es ist die Berufswahl und nicht das System! Unbefristete Vollzeitstellen gibt es für Maurer, Köche, Altenpfleger, Erzieher, Mittelschullehrer, Ingenieure … . Der Bedarf für Museumsangestellte, Graphikdesigner und ZEIT-Redakteure ist überschaubar. Natürlich kann jeder junge Mensch eine Berufsausbildung nach Neigung und am „Bedarf“ vorbei wählen. Wenn es dann mit der gut dotierten, unbefristeten Vollzeitstelle nicht gleich klappt, liegt es vielleicht nicht nur am System. – Dr. Wulf-Rüdiger Herzog


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Ich möchte Ihnen herzlich für den umfangreichen Artikel zu Natur- und Klimaschutz in der aktuellen Ausgabe der ZEIT danken. Auch ich bedauere, dass dieses Thema im Wahlkampf so wenig Beachtung findet. Zu abstrakt und zu wenig präsent im persönlichen Alltag der Menschen scheint es zu sein. Ich selbst versuche, meinen kleinen Teil beizutragen, auch wenn es nur ein winziger Tropfen auf den heißen Stein ist: Lebensmittel kaufe ich ökologisch und wo immer möglich regional und saisonal, unterstütze bei allen Kaufentscheidungen lieber kleine lokale und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen als Konzerne, Müll und insbesondere Plastikmüll haben wir auf ein Minimum reduziert und wir beziehen schon seit vielen Jahren Ökostrom. Wenn ich mit Freunden oder Kollegen über diese Themen rede, versuche ich zu informieren (ohne zu missionieren), denn viele beschäftigen sich leider immer noch wenig mit Umwelt- und Klimaschutz oder machen sich häufig die Zusammenhänge (z.B. der Ausbreitung von Palmölplantagen in Indonesien zu ihrem eigenen Konsumverhalten) nicht bewusst. Daher freue ich mich sehr, wenn dieses wichtige Thema in großen meinungsbildenden Medien aufgegriffen wird, um es stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. Dafür möchte ich Ihnen danken und hoffe, dass Sie weiterhin über diese Themen berichten, auch wenn diese anscheinend weniger populär sind als andere. Auch das ist nur ein kleiner Beitrag. Aber wenn jeder einen kleinen Schritt tut und im Rahmen seiner Möglichkeiten einen kleinen Beitrag leistet, dann könnten wir schon einiges erreichen. – Maren Sommer


Leserbrief zu „Dieses Bad geriet im Sommer völlig aus dem Lot“ von Ursula März

Da gibt es ein Bad , das 1873( 1842) gegründet wurde. Nur für Frauen, ein Damen Bad . Niemand dachte damals an Kopftücher, oben Ohne, Religion, Feminismus. Die Frauen von damals, behaupte ich jetzt mal, wollten einfach ihre Ruhe haben. Keine Sportler, die das Wasser im Gesicht oder Frisur verteilen und keine Unruhe, die Männer nun mal so vermitteln, sportlich aktiv eben.  Frauen unter sich, ein sozialer Faktor, ein sozialer Aspekt, der viele Jahrzehnte funktioniert hat. Jetzt kommen die anderen Frauen, die aus ganz anderen Gründen in dieses Schwimmbad drängen. Das kann  nicht gutgehen! Die Frage, ob sich diese Frauen an unsere Regeln anpassen müssten, und nicht umgekehrt…. will ich hier gar nicht stellen,  jedoch um meinen Leserbrief abzukürzen, möchte ich folgenden Vorschlag machen: Schild an die weiße Tür hängen mit der Aufschrift:  Wegen Überfüllung ist das Bad vorübergehend geschlossen, bitte benutzen sie das Familienbad. Oder auch: aus Sicherheitsgründen ist das Frauenbad vorübergehend geschlossen. Die Bademeister haben die Hoheit und nicht die muslimischen Frauen.

Und nebenbei, in Deutschland gehen wir in ein Schwimmbad um zu schwimmen und nicht um zu beten. Allerdings, wenn das Beten wichtiger ist als das Schwimmen, dann sollten die Islamverbände, in der Tat, ein Schwimmbad bauen für diese Frauen, die in Deutschland ( Europa) noch lange nicht angekommen sind.  – Astrid Behrendt


Leserbrief zu „Der Messi der Herzen“ von Peter Dausend

Der Vergleich Martin Schulz mit dem SV Elversberg ist beleidigend und dumm. – Jutta Hoff


Leserbrief zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

In Ihrem Artilel über Gerhard Schröder fiel mir ein Absatz auf, zu dem  ich einige Fragen an Sie als Soziologen habe. Sie schreiben über die Aufstiegschancen und Durchlässigkeit der  Gesellschaft zu dieser Zeit, auch am Beispiel Schröder und Fischer. Die  Aufstiegschancen sind, so entnehme ich es Ihrem Artikel ist  zurückgegangen, Schuld ist die Bildungspolitik. Das gleiche erzählen auch unsere Politiker vor dem Wahlkampf und  versprechen Besserung.  Für mich stellt sich die Frage: können wir die Zeit damals, mit der Zeit  heute vergleichen. Die Eltern dieser Generation hatten zwar kein Abitur,  aber Arbeit und oft auch Aufstiegschancen. Sie waren bemüht, ihren  Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen und haben Werte vermittelt  auch wenn sie ihnen nicht das Abitur ermöglichen konnten. Die  Bildungspolitik hat diese Lücke erkannt und vielen eine zweite Chance  ermöglicht. Die Situation ist doch heute eine ganz andere. Es gibt viele  Möglichkeiten, auf verschiedenen Wegen einen Abschluss zu erreichen.  Wenn heute von einem bildungsfernen Millieu gesprochen wird, ist damit  nicht nur das fehlende Abitur gemeint. Es spielen auch andere Faktoren  eine Rolle warum Kindern aus diesen Familien ein Aufstieg schwerfällt. Als Soziologe mit so vielen guten Ideen und Schlussfolgerungen  und  Forschungsmöglichkeiten müsste es doch spannend sein, hier einmal  grundlegender zu forschen. Welche Gruppe ist betroffen, welchen Einfluss hat das Elternhaus, das  Milieu in dem die Kinder aufwachsen? Was kann die Gesellschaft, die  Politik konkret anbieten ohne in die Grundrechte der BürgerInnen  einzugreifen. Die Erkenntnisse von vor über 50 Jahren und deren Lösungen sind nicht  mit heute zu vergleichen. Hier könnten Sie und Ihre Kollegen wertvolle  Erkenntnisse liefern um zu einer gezielten Verbesserung der Situation  beizutragen. – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Der Mensch ist das einzige Lebewesen auf Erden, das seinen Lebensraum (mit wachsender Begeisterung) freiwillig selbst zerstört und somit das Aussterben seiner Gattung voran treibt. – Siegfried Knauer-Runge


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

„Ihr Innenminister hat die Summe der Kriegsschäden schon mal mit einer Billion Dollar (rund 840 Millionen Euro) beziffert.“  Eine Billion Dollar entsprechen 1000 Milliarden Dollar und das sind nie und nimmer 850 Millionen Euro! Die Verwirrung entsteht regelmäßig durch die falsche Übersetzung des US-amerikanischen „billion“. Diese „billion“ wird korrekt mit Milliarde übersetzt und nicht mit Billion! – Günter Schütte


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Dieser Artikel greift in aller Klarheit und in angemessenem Umfang das Thema “Soziale Gerechtigkeit”  auf. Auch ich wundere mich, dass  angesichts vieler prekärer, befristeter und unterbezahlter Arbeitsplätze offenbar nur wenige bemerken, wie seltsam niedrig die Preise von T-Shirts, von Milch und anderen Dingen, die wir konsumieren und wie astronomisch hoch Gehälter von so manchem Manager oder Fußballspieler hier in Deutschland sind. Wer bemerkt es und wer empört sich? Wir finden in dem einen oder anderen Artikel den Hinweis darauf, dass die soziale Schere in Deutschland stetig weiter auseinander geht. Aber die Bedeutung, die dieses Problem verdient, hat es in der Politik nicht. Und wenn das so ist, warum gehen dann nicht, wie bei den zeitweiligen wunderbaren sonntäglichen Treffen “Pulse of Europe” die Menschen (und nicht nur die jungen) auf die Straße und zeigen, dass wir uns nicht damit abfinden, wie wenig chancengleich es in Deutschland zugeht. Hoffentlich setzt das nächste Wahlergebnis vom 24.9. deutliche Zeichen. – Anne Menke


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Es erscheint sehr sinnvoll, vor einer Bundestagswahl die Spitzenkandidaten aussichtsreicher Parteien genauer zu beleuchten, insbesondere wenn es sich mit Sahra Wagenknecht und Martin Schulz um potentielle politische Bündnispartner handelt. Sie stellen Fragen an die Beziehungsprobleme der Linken und der SPD, die bisher keine gemeinsame Regierungsbeteiligung zuwege gebracht haben, unter drei Aspekte:

– die politischen Charaktere von Sahra Wagenknecht und Martin Schulz,

– die Psychologie ihrer Parteien,

– die deutsche Geschichte mit der Ermordung Rosa Luxemburgs oder den Rückzug Oskar Lafontaines aus der Schröder-Regierung.

Der wichtigste Aspekt aber fehlt meiner Meinung nach in Ihrem Artikel, nämlich die Diskrepanz der inhaltlichen Ziele in den jeweiligen politischen Programmen. Die Linke strebt einen Umbau unseres Gemeinwesens an: Die Überführung der grundlegenden Elemente der Daseinsvorsorge in staatliche Trägerschaft (z. B. Energie, Wohnen, Bahn/Straßen, Alterssicherung), konsequente Gewinn- und Erbschaftsbesteuerung, Friedens- und Entwicklungspolitik, die ihren Namen verdient. Die SPD könnte sich darauf einlassen,wenn sie ihre Ideale einer sozialen Marktwirtschaft ernst nimmt (vgl. Godesberger Programm). In der Theorie klingt das linke Bündnis ziemlich leicht machbar. In der tatsächlichen Praxis verweisen Sie, Herr Ulrich, auf die gestörte Kommunikation zwischen Sahra Wagenknecht und Martin Schulz und auf historisch bedingte unüberwindliche Differenzen eines geschiedenen Paares. Dem halte ich ein Zitat des preußischen Staatsphilosophen Hegel entgegen: “Wenn die Theorie nicht mit den Tatsachen übereinstimmt, umso schlimmer für die Tatsachen.” – Viktor Rintelen


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller und zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Ich will obige Artikel nicht kommentieren, denn die Artikel sprechen für sich. Ich spreche Ihnen an dieser Stelle meine Anerkennung dafür aus, dass die ZEIT über Themen berichtet, die über das Tagesgeschehen hinaus wichtig sind und bleiben. Und ich finde es gut, dass eindeutig Stellung bezogen wird und der Leser herausgefordert wird, ebenfalls Stellung zu beziehen. Diese Artikel bestätigen mir, dass es eine gute Entscheidung war, die ZEIT zu abonnieren. Ich werde diese beiden Artikel aufheben und meinen Kindern zeigen – mal sehen, wie sich die Welt in den nächsten Jahren entwickelt. – Erich Würth


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Zum Thema der Zeitung „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links!“, sehe ich vieles ähnlich. In 12 Jahren konservativer immer nur reagierender statt gestaltender Regierung, die mit Brot (Hartz IV) und Spielen (Weltmeisterschaft) das Volk bei Laune hält und die Kreisbewegungen in Umwelt-, Wirtschafts-, Bildungs- und Sozialpolitik als Fortschritt preist, haben wir uns wohlig an das Gerede „Uns geht es doch Gut! was soll sich ändern?“ gewöhnt. Wir scheuen jede Veränderung, egal ob es um Flüchtlinge, die Energiewende, die Entwicklungshilfe oder die Agrarreformen geht, wir haben Angst dass uns etwas weg genommen wird. Die Folgen sind wie in einem Einmachglas von Mirabellen zu besichtigen. Die konservierten Früchte bleiben unter ihres gleichen, besaufen sich an ihrem eigenen Saft und werden braun. Hoffentlich ändern Wahlen doch etwas und die unheilvolle Mischung aus Machtstreben,Nationalismus, Radikalität, Hass, Bequemlichkeit, Dummheit und Fatalismus wird verhindert. – Jochen Kleem


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Man kann dem Artikel nur zustimmen. Leider geht er nach hinten los. Unfreiwillig sicher, aber es werden jede Menge von Wässerchen bei Klarnamen genannt. Das macht die Wassersüchtigen doch erst richtig durstig. Jetzt wollen alle diese Flüssigkeiten auch noch haben. Aber gemach,eines Tages ist der Planet trocken, um das Restwasser wird erbittert gekämpft werden.Das ist dann der letzte Krieg.Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich sende Ihnen ein paar von meinen Gedanken zu dem Artikel von Caspar  Shaller – ich würde sehr gern 27 Seiten dazu schreiben, aber Ihre Zeit  ist begrenzt, und die des jungen Journalisten, wo er jetzt die  großartige Chance hat für „die Zeit“ zu arbeiten, Gott sei’s gedankt,  erst recht:   Zu dem Artikel von Caspar Shaller eine Widerrede. Zunächst ist es  wunderbar, daß so viele Schüler gegenwärtig das Abitur machen – 50%! Es  stattet sie, so sie gute Lehrer haben (und hier hapert es schon: Lehrer  fehlen, und die jungen Leute, die den Freundeskreis des Autors  ausmachen, werden zum „Quereinstieg“ in den Lehrerberuf nur bei größter  Verzweiflung bereit sein) mit einer guten Allgemeinbildung aus, die  einen Wert per se darstellen sollte. Viele Schüler in sozialistischen  Systemen, welches unter 30-jährigen heute wieder an Attraktivität  gewinnt und deren Parteien sich zuzuneigen der Autor sich von den  deutschen Altersgenossen wünscht, hätten das auch gewollt. Was sie sich  auch – wie alle jungen Menschen – wünschten, war eine Studienrichtung  nach ihren Neigungen zu wählen. Zu solchen Fehlinvestitionen war und  wäre ein sozialistischer Staat aber nicht bereit: es gab eine  Studienlenkung, studieren konnte man das, was gebraucht wurde, und  arbeiten hinterher dort, wo Bedarf war, z.B. als frisch approbierter  Arzt in Bitterfeld oder auf dem Lande – nicht in Berlin, es sei denn man  war Kind eines Kaders. Es werden heute in allen Ausbildungsberufen  händeringend Bewerber gesucht – die jungen Leute studieren je nach  Neigung aber lieber Kommunikation und Medienwissenschaften,  Grafikdesign, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte – sie haben die  Freiheit dazu, wir leben ja nicht im Sozialismus, und es sei ihnen auch  gegönnt. Wenn die Omi, die für Caspars Freundin Nina Geld für die  Ausbildung gespart hat, pflegebedürftig werden sollte, wird sie jemand  aus Rumänien, Polen oder Rußland pflegen – keine Schulkameradin der  Enkelin jedenfalls.  Wenn nun mehr Geld von den Wohlhabenden per Steuern gewonnen würde, was  sein soll, und davon auch etwas in Theater oder Museen fließen würde,  reichte das nicht, um genügend unbefristete Stellen für alle jungen  Bewerber  zu schaffen, die in den vergangenen 10, 15 Jahren die  korrespondierenden Studienrichtungen gewählt haben. Wenn es – was auch  sein soll – eine faire Bezahlung für Zusteller und Callcentermitarbeiter  geben sollte, werden daraus auch noch keine Traumberufe. Wacht auf,  Kinder: Eure Eltern und Großeltern haben finanziert, daß Ihr Euer  Wunschfach studieren konntet – daß es für 50% einer ganzen Generation  den Traumjob da draußen danach gibt , mag für Utopia gelten, nicht für  das reale Leben, unter sozialistischer oder kommunistischer Führung nun  auch ganz bestimmt nicht, egal was deren gealtertes Parteipersonal heute  verspricht. Zur erinnernden Lektüre sei empfohlen: „Balzac und die  kleine chinesische Schneiderin“ von Dai Sijie. – Dr. H. Schroeder


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Im Leitartikel von Frau Finger wird offensichtlich im Zusamenhang mit dem Zweiten Weltkrieg die Forderung, neben den Opfern der Deutschen auch auf deutsche Opfer zu schauen, als „fatal“ bezeichnet (fatal=unangenehm, peinlich). Der Kritikpunkt wird mit einem die Empörung der Autorin unterstreichenden Ausrufezeichen versehen. Ich bin der Meinung, dass es gerade solche pauschalisierenden Aussagen an zentraler Stelle sind, die politischen Kräften am rechten Rand in die Karten spielen und ihnen leichtfertig Argumente liefern, da man historische Tatsachen offensichtlich nicht so recht wahrhaben will. Kein Mensch, der einigermaßen bei Trost ist, wird die verabscheuungswürdigen Taten Deutscher in jener Zeit leugnen oder relativieren, dass jedoch die Tatsache, dass auch Deutsche Opfer waren und – ohne Schuld zu tragen –  erheblichen Leiden ausgesetzt waren, Würdigung verdient und ein entsprechender Wunsch keinesfalls fatal ist, müsste eigentlich politischer Konsens sein. Meine betagte Mutter, die als Kind Flucht und Vertreibung von der Krim miterlebte, könnte Ihnen mit Blick auf die Opfer ein paar gruselige Geschichten erzählen. Sie und viele andere Menschen ihrer Generation tragen bestimmt keine Schuld an den Verbrechen Nazideutschlands. Und ganz bestimmt üben sie sich nicht „in nachgeholter Selbstgerechtigkeit“. – Robert Hartung


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Finis

Nomen est omen. Wie gut, wenn man sich „Finis“ nennt- denn das bedeutet ja etwas, und  dieses ist durchaus Programm! Wenn also „Finis“ jüngst in seinem Verriß  der Frau Steinbach die „Flüchtlinge“ von 1945 und 46- also die Millionen  geflüchteter und vertriebener Ostdeutscher, mit den „Flüchtlingen“ von  heute bei uns, also den Hunderttausenden von Migranten, den Arabern,  Südosteuropäern, Nordafrikanern und Asiaten in einen Topf wirft und  direkt vergleicht bzw gleichsetzt, dann offenbart er (sie) eben eine sehr „begrenzte“ Sicht der Zusammenhänge und der Dinge, und zudem ein  sehr beschränktes geschichtliches Wissen und Differenzierungsvermögen -aber das darf man sich offenbar bei einem solchen Pseudonym erlauben… Ansprechend bzw überzeugend ist es deswegen dennoch nicht- eher peinlich, das muss man dem „Finis“ wirklich in dem Fall klar sagen, da nützt auch das Pseudonym nichts mehr. Ein bisschen Niveau sollte selbst  durch eine Glosse noch durchscheinen… – Karl-Heinz Grau


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Selten habe ich einen so faden Artikel auf Seite 1 der ZEIT gelesen. Entschuldigung, es war Seite 3; die ersten beiden Seiten der ZEIT bestanden ja zu drei Viertel aus der Werbung (vorsichtshalber ohne Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Emissionen) eines Automobilherstellers, dessen Mutter dann auch brav im Seite-„1“-Artikel als „führender Autokonzern“ gelobt wird, der als einer der „ersten“ ein vielfältiges Spektrum an Antrieben auf die Straße bringt (in acht Jahren…). Apropos Spektrum: der Artikel hätte einen echten Mehrwert gehabt, wenn Herr Heuser — anstatt dem gerade in Mode gekommenen Batterieantrieb als scheinbaren Heilsbringer gegen die Dieselemissionen zu hofieren — auf die Brennstoffzelle und dem mangelnden politischen Interesse hieran (siehe Seite 28 der selben ZEIT-Ausgabe) verwiesen hätte. Und nur für den Fall, dass auch dieser journalistische Tellerrand noch zu naheliegend ist: die Eisenbahn zeigt schon seit Jahren, wie wirklich umweltverträgliche Elektromobilität funktionieren könnte (genauer gesagt: mangels politisch-gesellschaftlichem Interesse eben gerade nicht funktioniert). – Martin Herrenbrück


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Der Leitartikel „Kalifornien ruft“ von Uwe Jean Heuser in der aktuellen Zeit ist der Anlaß für mich, mich zum Tag der Zeit anzumelden und Ihnen einen Leserbrief zu schreiben. Vielleicht ist ja am 7. Oktober Zeit bei der Zeit für ein Gespräch:

Es erschreckt mich, wie die E-Mobilität sich von der möglichen Innovation zur teuren Ideologie wandelt. Anstatt von starwarstauglichen 1000 Volt mit 1000 Ampere beim Tanken – pardon Laden – einer 300kWh Batterie in 20min zu träumen, wünsche ich mir als ersten Schritt anstatt der 1kWh-Blei- einen oder zwei 5kWh-Lithiumionen-Akkus in meinem Auto. Reicht denn dazu nicht ein Plug-In-Hybrid-Konzept mit 25km Reichweite für die erste Million Elektrofahrzeuge oder ist Ihnen das einfach nicht spacig genug? – Christoph Oertel


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Finis

Das Problem ist nicht Frau Steinbach oder Herr Gauland. Das Problem sind Sie. Ihr Beitrag ist ein Paradebeispiel für den „Untergang“ des Abendlandes. Sie rennen wie die Lämminge in den Abgrund. Unten angekommen ist nichts mehr. Selbst den Unterschied zwischen Vertriebene und Flüchtlinge ist Ihnen nicht bekannt. Hauptsache draufhauen, irgendwann wird es auch den Richtigen treffen. Stimmig ist viel, aber das Geschreibe Ihres Autors ist weder stimmig noch richtig. Sie haben für Ihren Aufsatz eine fünf Minus verdient. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

In dem doppelseitigen Artikel, zu dem auch Sie unter Ziffer 3 einen erneuten Beitrag zum Thema Artensterben verfasst haben, fällt auf: von Ackergiften, die ein massives Artensterben verursachen, ist mit keinem Wort die Rede. Schon vor einigen Wochen gaben Sie in einem diesbezüglichen Artikel Ihrer Verwunderung Ausdruck, wieso es überhaupt zu einem solchen komme, weshalb ich Ihnen eine deutliche Kritik schrieb. Ihre Antwort: Sie seien auf der Suche, es gäbe halt keine belastbaren Zahlen. Falsch. Inzwischen konnten Sie sich informieren: 140 000 Tonnen Pestizide pro Jahr allein auf Deutschlands Äckern, was kein Kleinkram ist,  unter ihnen 6000 Tonnen reines Glyphosat. Dies hat die Aufgabe, sämtliche Ackerwildkräuter zu töten und damit die Lebensgrundlage der Insekten, Schmetterlinge, Vögel, Käfer zu vernichten. Hinzu kommen u.a. Nervengifte wie Neonikotinoide, durch die zum Beispiel Bienen, Schmetterlinge und Fledermäuse sterben.

Sie machen Monokulturen, Bodenversiegelung oder den sogenannten Klimawandel, besser: die Erderwärmung verantwortlich. Die Vergiftung des Ökosystems bleibt unerwähnt.  Nun liefern Sie also die Haupt-Übeltäter nach: sulawesische Banden, die beim Fischfang das Nervengift Cyanid einsetzen. Schurken in Thailand, die illegal das letzte Rosenholz schlagen. Sogar die europäische Erdhummel in Chile muss herhalten, dieser Bösewicht.  Ihre Schuldigen sind über unseren Planeten verstreut, namenlose Bewohner der Zweiten und Dritten Welt, die irgendwelchen Raubbau oder anderen ökologischen Unfug treiben, man kann ihrer nicht habhaft werden. Und dann auch noch die Invasion der Arten, die den Planeten überkommt wie ein Naturereignis, was soll man da machen.  Lieber Herr Habekuss: schon wieder reden Sie um den heißen Brei herum, und das wissen Sie auch. Die Hersteller von Ackergiften ( z.B. in gebeiztem Saatgut, Spritzmitteln, Pestizid-kontaminiertem Futter) sind alles andere als marodierende Halunken aus Ländern, wo der Pfeffer wächst. Sie tragen Krawatte und sind anzutreffen als Gast im Bundestag, haben einen Namen und eine Firmenadresse, zum Beispiel in Leverkusen oder St. Louis. Denn sie wollen mit Hilfe der Politik ihre Geschäfte ausweiten, um demnächst 65% des weltweiten Agrarmarktes kontrollieren zu können. Keine Chance also für die „Arten“: sie werden weiter sterben, und zwar gar nicht weit von uns, sagen wir mal, in Zeven oder in der Uckermark.

Bis auch die Menschen umfallen, vergehen noch einige Jahre diffuser chronischer Leiden, so dass eine Kausalität durch Ackergifte nicht nachweisbar ist. Ärzte zucken die Achseln und verordnen Cortison. Moderne Kreislaufwirtschaft, Super- Geschäftsmodell von Agrar- und Pharmaindustrie.  Das muss ja ein verdammt heißes Eisen sein, auch diese Verantwortlichen zu benennen, so wie Sie und Ihre Kollegen sich darum herumdrücken, es anzufassen. Ihre Leser sind aber nicht so deppert, wie Sie vielleicht denken: langsam fällt es unangenehm auf. Gehe ich recht in der Annahme, dass man Ihnen einen Maulkorb verpasst hat ? Vielleicht mussten Sie sogar was unterschreiben ( „Vermeiden Sie eine Kritik an Monsanto, Bayer, Syngenta, Dow … finden Sie irgendwas mit Erdhummeln „… ) Denn ich weiß von früher, dass Sie ganz viel wissen, was Sie aber nicht (mehr ? ) schreiben. Insofern geht ein so durchsichtiges Manöver leider nach hinten los, weil Ihr einst renommiertes Blatt durch diese Art von Gefälligkeitsjournalismus in ein trübes Licht gerückt wird. Kann das sein –  nun auch die gute alte ZEIT käuflich ? – Sybilla Keitel


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Die vielen Pauschalierungen helfen uns nicht weiter bei der Suche nach Gründen für die Wut und den Hass eines Teils der Ostdeutschen. Ich habe im Herbst 1989 mit vielen anderen „Wir sind das Volk“ gerufen. Nicht gebrüllt. Denn in uns war kein Hass, wir wollten unsere unerträglich gewordene Situation verändern. Vermutlich waren auch Sie damals in derselben Stadt dabei wie ich.

Als 2015 „Wir sind das Volk“ von manchen Ostdeutschen lautstark zu hören war, entsetzte das mich, wie viele andere Ostdeutsche auch. Wie konnten die, die vermutlich 1989 gar nicht oder erst spät dabei gewesen waren, den Begriff für sich in Anspruch nehmen, ohne wissen zu wollen, welchen großen Teil der Bevölkerung aus Ost und West ihnen überhaupt nicht zustimmten. Mittlerweile brüllen viele von ihnen noch ganz anderes, und sie haben keinerlei Respekt für alle anderen Menschen als sich selbst. Aber wir anderen sind da, und wir verteidigen das, wofür wir 1989  demonstrierten, und dazu gehören auch Demokratie und Freiheit. – Dr. Petra Hoffmann


Leserbrief zu „Hauptsache, gelikt” von Larissa Kikol

Larissa Kikol hat eine kurze, aber erstaunlich uninformierte Kritik am Umgang von Museen mit sozialen Medien verfasst. Selbstverständlich setzen viele Museen mittlerweile auf die „Macht“ (wie auch immer sie definiert sei…) von social media: Teils machen Museen momentan immer noch erste Schritte, teils bespielen sie verschiedene Kanäle auf professionelle Weise. Manche Aktionen und Projekte scheitern, andere funktionieren. Zahlreiche Instagramer oder Blogger (oftmals Frauen) widmen sich Museum – und produzieren Inhalte und Diskussionen. Ganze Konferenzen finden rund um das Thema statt. Und oft gibt es in den Institutionen noch viel zu wenig Gelder, um Stellen zu finanzieren, die sich mit social media beschäftigen. Der Vergleich, ein „analoges“ Angebot wie einen Workshop des C/O Berlins in Konkurrenz zu digitalen Inhalten zu setzen, schlägt fehl: Er zeugt von einer Vorstellung von „Virtualität“ vs. „Realität“, die schlichtweg nicht mehr zeitgemäß ist. Sowohl Workshops, Führungen, Bildungsarbeit oder Vorträge als auch social media sind Wege, Menschen in Museen zu bringen und Auseinandersetzungen zu fördern. Analog und digital ergänzen und inspirieren sich gegenseitig, sie erfüllen teils komplementäre, teils ähnliche Aufgaben. Ein so komplexes Feld auf eine derart simple Kritik herunterzubrechen, tut zahlreichen Ansätzen unrecht. Übrigens zeigt ein schneller Blick auf ins www: Das C/O nutzt – wie andere Häuser und Institutionen – Facebook, Twitter, Youtube und Instagram. Und Workshops. P.S.: Es wäre toll, wenn sich DIE ZEIT zu einer regelmäßige kleine Kolummne zu Museen und social media überreden ließe… Julia Dombrowski


 

Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Danke danke an Martin Machowecz für das tolle inhaltsstarke Interview. Besonder Rauchs Einlassungen zur Gendersensibiltät und zum Konservativ-Sein bestärken mich in Haltungen, die ich gelegentlich mich kaum noch traue in der Öffentlichkeit lautstark zu vetreten. Nächstens kommt es noch soweit, dass „Liebe machen“ selbst als maskuliner Dominanzakt des invasiven Eindringens denunziert wird und gefälligst abgeschafft gehört. Nun gut.Rinks und Rauchs aufrechte Gangart schaffen Platz für Lebenseuphorie. – Mathias Kleinschmidt


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Sie sprechen mir ganz aus dem Herzen! Von Dr. med. M.O. Bruker, der die Gesellschaft für Gesundheitsberatung gegründet hat (www.ggb-lahnstein.de), kommt der Spruch: Kauf nichts, wofür Werbung gemacht wird. Ja, wir sollen uns nach dem Durstgefühl leiten lassen….stellen Sie sich mal vor, wir würden den ganzen Tag immer essen wie manche immer am Trinken sind! Damit das gesunde Hungergefühl aufkommt, sollen wir auch 4 – 5 Stunden zwischen den Mahlzeiten lassen. – Marian Blass


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“ und zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Die Frage zu dem Titelthema ‚Warum rückt das Land nicht nach links?‘ hat sich  im Rahmen des Wahlkampfes ja wirklich in erdrückender Weise gestellt. Daher Glückwunsch zu diesem hervorragenden Artikel, der sehr interessante und nachvollziehbare Antworten enthält und journalistisch sehr ansprechend aufbereitet ist. Die Erkenntnis, dass es nicht (nur) am Wahlkämpfer Schulz liegt, kommt aber leider ein wenig spät. So ist  auch die ZEIT bedauerlicherweise in den letzten Ausgaben dem Mainstream gefolgt, Herrn Schulz auf seinem Weg anstatt mit Argumenten mit weiteren Hürden zu begleiten (man denke nur an die entgleiste Lokomotive). Schön, dass Sie mit dieser Ausgabe der ZEIT die Kurve bekommen haben. Ich hoffe, Herr Shaller hat nun bei der ZEIT eine Festanstellung erhalten! – Matthias Gruner


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich kann der Analyse weitgehend zustimmend folgen, doch ein gravierender Fehler ist dem Autor unterlaufen. Einem Autor, der seine Ausbildung im Ausland absolvierte, fehlt der Blick auf das „Duale System“. Ein Großteil der beschriebenen Altersklasse hat die Schule mit 16 Jahren verlassen, anschließend eine Lehre absolviert und arbeitet als gesuchte Fachkraft in sicheren Berufen. Mit 30 Jahren haben sie über zehn Jahre Berufserfahrung als Krankenschwester, ErzieherInnen, Monteure, Disponenten, Facharbeiter an CNC-Maschinen usw. Diese Berufsgruppe hat schon über zehn Jahre Steuern gezahlt und Beiträge in die Sozialkassen abgeführt. Sie unterstützen Demos gegen Umweltskandale. Studenten haben in dieser Zeit eine weitgehend kostenfreie Bildung genossen. Dieses Bildungsprivileg, von der Allgemeinheit finanziert, kann nicht überschätzt werden. Mit dieser umfassenden Bildung, sollte es doch gelingen, in einen Beruf zu starten (Quereinsteiger), wo Fachkräftemangel herrscht. – Dr. Erwin Kreim


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Ich habe selten eine Ausgabe der Zeit so gründlich und so gerne gelesen wie die letzte. Ich kann mich nur bedanken für die guten Recherchen und Analysen. Besonders haben mich als ehemaligen Biologielehrer die Artikel zum Thema „Wie geht es der Erde?“ angesprochen. Ich fand darin viele Gedanken wieder, die ich in der vergangenen Woche bei einem Vortrag von Dr. Franz-Alt zur Eröffnung der Klimaschutzwoche im Kreis Coesfeld hören konnte. Nachdenklich hat mich die Auflistung der Fragen junger Menschen an die Politiker gemacht, zeigt sie doch, wie sehr der derzeitige Wahlkampf sich zu sehr mit Themen der älteren Generation befasst. Aufgerüttelt hat mich das abgedruckte Generationen-Manifest, das sich ein jeder Politiker an die Bürotür heften sollte. Es ist bestens für eine politische Gewissenerforschung geeignet. Was ich an der letzten Zeit-Ausgabe kritisieren möchte sind die großformatigen Anzeigen von Audi, BMW und Porsche anlässlich der IAA. Die passen so gar nicht zum Inhalt der Zeit-Artikel und machen lediglich die machtvolle Seite der Automobil-Lobby deutlich. Wie gehen Sie in der Redaktion mit dieser Widersprüchlichkeit um? Lässt sich damit auf Dauer leben? – Heinz-J. Holthaus


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Eine Gruppe als gleichzeitig „freiheitsfeindlich“ und „islamfeindlich“ zu bezeichnen und diese Begriffe noch dazu nebeneinander zu stellen zeugt von einem sehr eigenartigen Freiheitsverständnis. Dies weckt Erinnerungen an DDR-Freiheitsplätze. Es zeigt wohl das Bedürfnis, mit Begriffen Menschen zu manipulieren oder eine bezeichnete Gruppe zu diffamieren. Kann man islamfreundlich und gleichzeitig freiheitsfreundlich sein? Es wäre mir ein Bedürfnis, von Frau Finger zu erfahren, welchen Staat mit mehrheitlich islamischer Bevölkerung sie auf dieser Erde ausfindig machen kann, in welchem es Freiheit, insbesondere Religionsfreiheit, sozialen Ausgleich, Frieden und Respekt vor Frauen gibt. Mehr ist dazu gar nicht zu sagen.

Übrigens: warum wird in den Medien tunlichst vermieden, über die Tatsache der Begeisterung Hitlers für den Islam zu berichten, der wohl zum zündenden Faktor für den Antisemitismus der arabischen Länder im 20. Jahrhundert wurde? Wie kann dann Nazitum mit Islamfeindlichkeit überhaupt unter einen Hut gebracht werden? Deutschland arbeitet mit der Ansiedelung archaischer Völker in Europa fest daran, den Antisemitismus erst richtig zu institutionalisieren. Mit Israel-Boykott-Aufrufen ist auch die Politik schon vorne dabei, selbst linke Parteien sind längst zu Kollaborateuren der Israelfeindschaft geworden. – Siegfried Molnár


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Parteipolitisch werde ich jedenfalls nicht (noch weiter) nach links rücken, obwohl die Linke auf den Gebieten Wirtschaft, Finanzen und Soziales zwar bedenkenswerte Vorschläge macht, aber außen- und sicherheitspolitisch für mein Empfinden immer noch im Märchenland verharrt. Nicht, dass ich gegen das Ziel Frieden wäre, allerdings kann das nur erreicht werden, wenn der Weg dahin klar und wirklichkeitsbezogen definiert wird. Die Grundlage dafür kann nicht aus einem polarisierbaren politischen Konzept bestehen, sondern muss beinhalten, dass wir vorurteilsloses Menschsein als ursprünglichen Wert unserer Existenz verstehen und dialogisch und kooperativ damit umgehen.

Und noch eine Bemerkung zu dem Zitat von Gerd Lippold in Bezug auf die im Wahlkampf zu beobachtende Verrohung der Sitten und der Methoden einiger Gruppen, sich bemerkbar zu machen: „Es geht vielen nur noch darum, dumpfen Hass loszuwerden.“ Diesen oft angeführten Hass deute ich in erster Linie als Selbsthass: Man ist nicht bereit, sich den komplexen sozialen Situationen zu stellen, und füllt dieses Defizit mit der Skandierung von Parolen und Angriffen auf diejenigen aus, die sich um angemessene Lösungen aktueller Herausforderungen bemühen Auf reduktuionistischen Aktionismus und perfektionist zugespitzte Idealisierungen, mit denen man sich selbst unter Druck setzt, sollte sich niemand einlassen, denn damit würde man sich nur weiter von sich selbst entfernen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Auf diese Artikel habe ich lange gewartet. Sie fassen zusammen, was schon in zahlreichen Buchpublikationen belegt und zahlenmäßig untermauert ist. Wir sind dabei, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Das müssten auch unsere Politiker wissen. Ja, wir leben gut und gerne in Deutschland, wie die CDU plakatiert. Dabei aber so tut, als ob unseren Enkeln noch all das verfügbar sein wird, was wir jetzt haben.

Was mich stört, ist dieser Mangel an Courage, uns reinen Wein einzuschenken, auf unvermeidliche Wohlstandsverluste hinzuweisen und einen Weg zu zeigen, wie wir damit fertig werden könnten. Stattdessen: Kabbeleien um die richtige Türkeipolitik und Weitermachen wie gehabt. – Prof. em. Dr. Wolfgang Butzkamm


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Und ausgerechnet ihr solltet still bleiben! Ich gehöre mutmaßlich zu der sogenannten Generation Y oder Generation Praktikum. Zumindest hat man uns damals in den 2000ern so genannt. Gegen Ende meines Studiums hat man uns damit versucht zu erschrecken. Ihr bekommt keine unbefristeten Verträge mehr und müsst euch von Praktikum zu Praktikum durchhangeln, hat man uns erzählt. Ich habe auch Leute wie Lara kennengelernt, in diversen Jobs neben meinem Studium. Soziologen, Museologen, Theaterwissenschaftler, Geisteswissenschaftler, Kommunikations- und Medienwissenschaftler, u.ä.. Was haben die einem immer alles erzählt, wie fantastisch sie ihren Studiengang finden. Nur auf die Fragen, was sie damit später denn mal machen wollen, respektive wie sie gedenken ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, konnten die Wenigsten eine klare Antwort geben. Und für all jene ist es auch so gekommen, wie die düsteren Prophezeiungen es vorausgesagt haben: Nur befristete Stellen, Praktika, Volontariate, schlechte Bezahlung, unsicheres Leben. ABER: ich kann ihn hören den Aufschrei. Unser Land braucht auch Kultur- und Geisteswissenschaftler. Man kann doch seinen Beruf nicht nur nach den Verdienstmöglichkeiten wählen, usw. …Nicht dass man mich falsch versteht. Gern soll jeder das studieren und den Beruf ausüben, den er möchte. Die Laras dieses Landes haben größtenteils ein kostenloses Studium erhalten (Semesterbeiträge mal ausgenommen, Studiengebühren gibt es meist nicht) und konnten ihr Selbst sowie offensichtlich ihre Leidenschaft verwirklichen. Nur stellen sie eben nun erstaunt fest, dass niemand für ihre Liebhaberei zahlen möchte und sie sich kein Haus kaufen können. Sie sind auch keine Minderheit mehr wie vielleicht noch vor Jahrzehnten und wenn man allein an der Universität Leipzig seit dem WS 13/14 jedes Jahr über 1.000 Erstsemester an der Philologischen Fakultät zulässt (Vergleich WiWi-Fakultät ca. 600 Erstsemester), dann muss man sich über Fachkräftemangel und prekäre Einkommenssituationen von Hochschulabsolventen nicht wirklich wundern.

Wie der Verfasser des Artikels bemerkt, sind die Proteste in Deutschland noch ausgeblieben, aber Gedanken wie das Grundeinkommen werden immer wieder in die Welt geworfen, damit in Zukunft sich auch wirklich jeder auf seine Hobbies und Selbstverwirklichung konzentrieren kann. Auch ich werde bei der Aussicht auf ein Grundeinkommen schwach, habe ich doch bisher niemand gefunden, der mich für meine Leidenschaften wie Schlafen, Essen und sommerliche Spaziergänge im Regen bezahlen will. Im Übrigen: Von allen anderen Bekannten und Freunden, die nicht unbedingt ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und bspw. Jura, Informatik, Ingenieurswesen, Medizin, Wirtschaftswissenschaften, u.ä. studiert haben, erhielten ausnahmslose alle, die ich kenne, nach ihrem Studium relativ nahtlos einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Vielleicht hat auch meine Generation – heute Mitte 30 bis 40 Jahre – noch Glück gehabt. Vielleicht finden sich die heute unter 30-Jährigen bald als Ärzte, Informatiker und Ingenieure in prekären Arbeitsverhältnissen wieder. Oder aber es gibt doch das Grundeinkommen für ALLE, verbunden mit einer staatlichen Garantie für Wohneigentum. – Andreas Blum


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

An der Berichterstattung und Kommentierung zur Bundestagswahl in den Medien und auch in Ihrer Zeitung missfällt mir vor allem eines: Es wird fast gar nicht nach den Qualitäten der Kandidaten gefragt.  Offenbar spielen bei der Frage, wer die Bevölkerung demnächst im Bundestag repräsentieren wird und wer in der künftigen Bundesregierung als Minister oder Staatsekretär fungieren soll, fachliche Qualitäten, Kenntnisse und Führungseigenschaften so gut wie keine Rolle.  Sogar bei Kandidaten, die bereits Ämter und Mandate innehatten, wird kaum  die bisherige Leistung bewertet. „Er (oder sie) hat diesen Wahlkreis bereits zweimal direkt gewonnen“ reicht als Leistungsbeschreibung aus – dass man von ihm oder ihr zwischen den Wahlen so gut wie nichts wahrgenommen hat, keine  Initiative bekannt und keine Rede erinnerlich ist, wird nicht thematisiert. „Die Partei XY fordert das Finanzministerium“ – eine solche Aussage wird nur  unter machtpolitischen und koalitionstaktischen Aspekten diskutiert. Die Frage,  wer denn die für dieses Amt am besten geeigneten Persönlichkeiten sind,  wird gar nicht erst gestellt.  Bei jeder Einstellung eines Sachbearbeiters wird die Qualifikation des Kandidaten   intensiver geprüft als bei unseren Vertretern in Legislative und Exekutive. – Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Geschacher um den Euro“ von Georg Blume und Mark Schieritz

Der französische Präsident Emmanuel Macron nennt drei Ziele für den Umbau der Währungsunion: Einen eigenen Haushalt für die Eurozone, einen eigenen Finanzminister und ein eigenes Eurozonen- Parlament. Dies würde für die Eurozone eine kraftvolle aktive Wirtschaftspolitik ermöglichen.   Die Eurozone bekäme das fiskalpolitische Instrumentarium, um zusammen mit der Geldpolitik der EZB ihre Dienstleistungsfunktion gegenüber der Wirtschaft besser zu erfüllen.   Ein viertes Ziel ist jedoch zwingend erforderlich, um aus dem Euro die sicherste Währung der Welt zu  machen: die Garantie der EZB für alle Euro-Giroguthaben im Euroraum. Die Umwandlung des Euro von einer 1%-Reserve-Währung zu einer 100%-Reserve-Währung würde alle Zahlungsmittel in der Eurozone sicher machen, seien es Münzen, Banknoten oder Euro-Giroguthaben. Die Eurozone würde sich von einer Nutzgemeinschaft für Wirtschaft und Finanzinstitute auf Kosten der Steuerzahler zu einer Schutzgemeinschaft für die Bürger wandeln. Die Staaten, die Wirtschafts- Unternehmen  und die Bürger würden durch diese Reform aus der Geiselhaft des Finanzsektors befreit.   Die Voraussetzungen für diese Reform sind günstig: Durch die viel gescholtene Politik der EZB unter Herrn Draghi hat sich die Deckung der Giroschulden der Banken in der Eurozone von 3,7 % (Dez. 2014) auf 13,4 % (Dez. 2016) erhöht.

Die Ende Dezember 2016 bestehende Geldmenge M1 von 7.238 Mrd. Euro setzt sich aus dem Bargeldumlauf von 1.087 Mrd. Euro und den Giroschulden der Banken von 6.151 Mrd. Euro zusammen. Diese Versprechen der Banken zur sofortigen Lieferung von Zentralbankgeld von 6.151 Mrd. Euro sind durch Guthaben der Banken bei der EZB von 823 Mrd. Euro (13,4 %) gedeckt. Dank Herrn Draghi und der EZB ist dies inzwischen wesentlich mehr als die vorgeschriebene Mindestreserve von 1 %. Trotzdem bleibt eine fehlende echte Liquidität (Zentralbankgeld) von 5.328 Mrd. Euro. Bei dieser bestehenden Luftnummer von 5.328 Mrd. Euro hilft das Garantieversprechen der Physikerin Dr. Merkel (CDU) für die deutschen Sparer nicht weiter. Der Bundeshaushalt Deutschlands hatte 2016 nur ein Volumen von 316,9 Mrd. Euro. Das gezeichnete Kapital des ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) beträgt bisher auch nur 704 Mrd. Euro (davon Deutschland 190 Mrd. Euro). Von diesen 704 Mrd. Euro sind bisher nur 80 Mrd. Euro eingezahlt.   Eine Mobilisierung der Wähler durch die Aufklärung über die immer noch bestehende Gefahr für Ihre  Geldvermögen würde einen heilsamen Druck auf widerstrebende Eliten ausüben. Infolge der bereits  erreichten Deckung von 13,4 % der Giroschulden der Banken erscheinen die Gefahren eines vorübergehenden  Runs auf die Banken beherrschbar.   Der bisher nur  intern in der SPD diskutierte Antrag „Rettet unser Geld“ vom 12.02.2017 aus der SPD  Berlin-Tegel ist zur  weiteren Erläuterung des Reformplans  als Anlage beigefügt. – Josef Langenmayr


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Herr Shaller sollte seine Wut etwas abkühlen, weil sie klares Denken verhindert: Welches ist denn die Alternative zur Eigenverantwortung, die  er so vehement ablehnt? Meint er etwa eine staatliche Fürsorgepflicht für uns alle, damit sich jeder in seiner Selbstverwirklichung suhlen kann? Es geht ihm wohl vor allem um Menschen, die Helmut Schmidt in einem Bonmot als diejenigen bezeichnet hat, die „alles bestreiten, außer ihrem  Lebensunterhalt“, aber gerne Forderungen an die Gesellschaft stellen, die für ihre Unzulänglichkeiten und  Leistungsverweigerung aufkommen soll – und das ausgerechnet für Leute, die sich doch zur geistigen Elite zählen… Das größte Einstellungshindernis  ist das deutsche Arbeitsrecht mit ständig wachsenden „Schutzbestimmungen“ für Arbeitnehmer, die durch den Arbeitgeber zu organisieren und mitzufinanzieren sind – warum eigentlich?

Die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung würde keine einzige Vollzeitstelle mehr schaffen, weil Arbeitgeber die Risiken höher bewerten als die Chancen – Punkt. All diese Schutzbestimmungen verhindern einen Mindestlohn in vielleicht doppelter Höhe von heute,  der bezahlt werden könnte und sollte, wenn dafür das Risiko sinkt, auch in schlechten Zeiten oder bei schlechter Leistung des Mitarbeiters auf den Kosten sitzenzubleiben und deswegen  ev. sogar in Insolvenz zu geraten. Wenn das Einstellungsrisiko für Arbeitgeber sinkt, steigt erwiesenermaßen die Beschäftigung,  wer keine rote Brille aufhat, kann das etwa in der Schweiz sehen. Der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit ist Bildung, Einsatzwillen, Flexibilität und z.B. die Bereitschaft, seinen Studiengang der Nachfrage anzupassen statt den eigenen Bedürfnissen. Wer das Programm von linken Parteien verherrlicht, übersieht, dass sie weltweit den Nachweis der Wirksamkeit schuldig geblieben sind (Ostblock) oder noch schuldig bleiben (Frankreich, Kuba, Venezuela u.v.a.m.). Herr Shaller: Machen Sie doch ein Praktikum im Arbeitnehmerparadies Venezuela, wo der Staat für alle sorgt, zumindest noch so lange, bis er Pleite ist, woran dann wieder der westliche Kapitalismus schuld sein wird und nicht das Missmanagement und die Korruption. Danach schreiben Sie wieder für uns – ich lese es, versprochen! – Hans Markwalder


Leserbrief zu „Der zerbrechliche Riese“ von Tilman Jens und zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

Die Serie „Deutschland, deine Kanzler“ läuft unter dem Motto „die Bundesrepublik verstehen“ und fragt auch bei Kohl und Schröder „Was haben sie bewegt?“ Ich empfehle, beide Artikel nacheinander zu lesen und sich dabei wiederholt zu vergegenwärtigen: „Wer über einen anderen Menschen urteilt, der urteilt auch über sich selbst.“ Tilman Jens „verurteilt“ sich in seinem Text selbst – daher kein Kommentar. Man mag Gerhard Schröder mehr oder, wie ich, weniger schätzen: Harald Welzer zeichnet vom Menschen, wie vom Kanzler, seiner Amtszeit, seinen Vorstellungen, Überzeugungen. Zielen,  den politischen Gegebenheiten und Zwängen, den z.T. bis heute strittigen Entscheidungen ein höchst differenziertes, vor allem nicht einseitiges Bild. Sein Bericht: Gelungen. – Emil Göggel


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

Ob das wohl die Wahl-Kandidaten lesen? Zumindest ihre Berater könnten die 1 Woche noch nutzen. Allerdings bin ich erstaunt, dass es nur 100 Zusendungen gegeben hat.   Obwohl nicht zum Kreis der Angesprochenen zählend ( bin 70 J.) würde ich folgende Frage stellen, die mich umtreibt:

Warum wird nicht generell für nur maximal 2 Legislaturperioden gewählt?  Für mich ist es undemokratisch, wenn Politiker länger im Amt sind. Das gilt auch für Kanzler und Minister. Wir haben ja schon fast afrikanische, monarchische Verhältnisse! Darin liegt meiner Meinung nach auch eine der Ursachen für die Politikverdrossenheit (immer dieselben Gesichter, kein neuer Geist, fehlende Visionen…).

Warum gibt es in den Parteien bei der Aufstellung der Kandidaten kein Quote für Jugendliche ? Ich würde mir wünschen, dass mindestens 1/3 der Kandidaten jünger als 35 Jahre sind und dass das Parlament dann von den gewählten Parteien auch so besetzt sein wird. Ich weiß nicht wie es tatsächlich machbar wäre, aber warum hat die angesprochene Jugend nicht in diesem Sinne mehr Teilhabe und Mitsprache gefordert? – Ingrid Kube


Leserbrief zu „Der zerbrechliche Riese“ von Tilman Jens

Besten Dank für Ihre Reihe „Deutschland, deine Kanzler“, der ich mit Interesse und Gewinn folge. Die Würdigung der Kanzler der Weimarer Republkik, sozusagen als Einleitung zu den Kanzlern der Bundesrepubklik, versprach von Anfang an eine faire Würdigung der Leistungen der beschriebenen Personen, ohne ihre Schwächen zu leugnen. Namhafte Historiker und Soziologen waren die Autoren der meisten Beschreibungen bislang. Bei Helmut Kohl fiel Ihre Autoren-Wahl auf einen Journalisten, der durch seinen Rechtsstreit mit Kohl von vornherein als befangen gelten muss. Entsprechend gestaltet sich auch dessen Betrachtung, die vor allem seine Widersprüchlichkeiten, seine Eitelkeit, seinen Machtinstinkt und seine verbalen Ungeschicklichkeiten in den Vordergrund stellt. Selbst seine politischen Leistungen wie der Zehntpunkteplan, der die Grundlage zur Deutschen Wiederveinigung legte, werden, wenn überhaupt, unter den Gesichtspunkt einer egozentrischen Grundmotivation gestellt. Breiten Raum nimmt die Klage des Autors ein, dass seine gerichtlich gestoppten und nicht autorisierten Veröffentlichungen von Kohls derben Bewertungen politischer Weggefährten, nicht veröffentlicht werden dürfen.

Bedauerlich vor allem angeblich deshalb, weil dadurch der Öffentlichkeit, Kohls Wortgewalt vorenthalten wird. Wie kommen Sie dazu eine derart geschmacklose und voreingenommene Darstellung von Helmut Kohl in einer solchen Reihe abzudrucken? Es drängt sich dem Leser der Verdacht auf, sie setzten mit der Wahl dieses Autoren Ihre zweifelhafte Helmut Kohl Politik von 1976 fort, als sie den Kanzlerkandidaten kurz vor der Wahl öffentlich und bewusst und ohne Autorisierung Ihres Interviews mit ihm, vor der Öffentlichkeit blamierten. Tilmann Jens kassierte aufgrund dieses, journalistischen Regeln des Anstands widersprechenden Vorgehens, ein eindeutiges  Gerichtsurteil. Wäre es nicht angemesssen gewesen, einem renommierten Historiker an dieser Stelle Raum für eine reflektierte Darstellung zu geben? Ein bißchen mehr Größe und Ausgewogenheit Ihres Hauses wäre jedenfalls angemessen gewesen. – Bernhard Olpen


Leserbrief zu „Gesellschaftskritik“ von Heike Faller im ZEIT Magazin

Im letzten Zeit-Magazin habe ich Ihre Gesellschaftskritik gelesen. Was Sie über die Glaubensbekenntnisse schreiben, scheint mir sehr oberflächlich; als ob diese immer nur eine Modeerscheinung wären. Und wenn Sie dann zum Schluss schreiben vom „zum Jesuskind beten“, stört mich das als gläubige Christin. Kinder beten zum Jesuskind, Erwachsene zu Christus bzw. zu Gott. Schade, die „Zeit“ hat sonst mehr Niveau! – Angelika Hoch


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

Auf die polnischen Forderungen ruhig und ohne Aufrechnung oder Eskalation zu reagieren, ist vollkommen richtig. Auf eines aber sollte immer wieder verwiesen werden: es kann keine Sippenhaftung geben. Meine Kinder und Enkel haben keinem Polen etwas zuleide getan und sind keinem Polen Geld schuldig. Ich selbst, Jahrgang 1942, habe bereitwillig mitgetragen, was nach dem Kriege an Opfer geflossen ist – in Solidarität mit den Opfern und weil ich die Deutschen noch kannte, die zu Tätern und Mitläufern geworden waren, einschließlich naher Verwandter. Es würde mich freuen, wenn Sie diese Stellungnahme abdrucken könnten; noch wichtiger wäre mir, wenn die hochgeachtete ZEIT diesen Gedanken, wie man es mit Sippenhaftung hält, selbst weiter tragen würde. – Dr.-Ing. Gerd Eisenbeiß


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Als geradezu empörende deutsche Wirtschaftswunder-Unmöglichkeit darzustellen, wenn heutige Großeltern in der Lage sind, ihrer Enkelin monatlich 800 Euro „Gehalt“ fürs Studium zu zahlen, ist doch etwas sehr weit hergeholt. Verglichen mit den Kosten, die Familien in all den vom Autor genannten anderen Staaten – allen voran Großbritannien und die USA – für das Studium ihrer Kinder oder Enkelkinder aufwenden (müssen), nimmt sich der familiäre Eigenanteil in Deutschland doch sehr bescheiden aus. Warum kann der Autor sich eigentlich nicht darüber freuen, dass ein Studium a) in Deutschland so preiswert ist, b) genügend Familien es bezahlen können und c) es genügend Unterstützung in Form von Bafög und Stipendien gibt, die denen, die es sich nicht leisten können, helfen?

Auch fokussiert der Autor völlig einseitig auf geistes- und kulturwissenschaftliche Absolventen; für die war der Berufseinstieg aber auch vor 30 Jahren keineswegs leichter als heute, und dass wir uns damals (ich bin Jahrgang 1962) in den Zwanzigern mehr hätten leisten können als die junge Generation heute, kann ich auch nicht erkennen. Im Gegenteil: Unsere Ansprüche waren oft um ein Vielfaches geringer und auch unsere Möglichkeiten. Hinzu kommt: Hätte der Autor sich bei technischen Hochschulabsolventen, Medizinern oder Naturwissenschaftlern umgehört, wäre er wohl sehr rasch zu gänzlich anderen Ergebnissen gekommen. Auch in vielen Handwerksberufen suchen die Betriebe bekanntermaßen händeringend nach Nachwuchs – und stellen ihn unbefristet ein.

Bei der Studienwahl aufs falsche (Selbstverwirklichungs-) Pferd gesetzt zu haben, kann man nicht „dem System“ anlasten. Allenfalls kann man beklagen, nicht genügend Unterstützung, Zeit, Mut und Kraft für die richtige Studien- und Berufswahl bekommen oder gefunden zu haben. Da hilft aber kein Megaphon für die Straße, sondern nur ein Griff an die eigene Stirn. Insofern scheint die Merkel-Jugend doch ein Stück weit vernünftiger zu sein als ihre Altersgenossen in anderen Ländern! – Birgitta vom Lehn


Leserbrief zu „Die Überschätzten“ von Martin Spiewak

In dem Artikel schreiben sie in der zweiten Spalte oben “ afrikanischstämmige Oberschulrätin“ . Ich finde das erste Wort sehr undifferenziert, da Afrika kein Land ist und es in Afrika viele unterschiedliche Kulturen gibt und es nicht pauschal DAS AFRIKA gibt. Alle anderen Nationen werden in dem gleichen Artikel mit ihren Land genannt, dritte Spalte unter steht „vietnamesische Familie “ und nicht asiatische Familie. Es wäre schön, wenn sie bei ihren weiteren Artikel berücksichtigen könnten, das es DAS AFRIKA nicht gibt und die einzelnen Länder auflisten würden, so wie sie es bei Personen aus anderen Kontinent in dem Artikel auch gemacht haben. – Muriel Schäfer-Asch


Leserbrief zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

Herr Welzer hat leider vergessen (?)  Folgendes zu erwähnen: Als Bundeskanzler unterstützte Schröder das Nordstreamprojekt der  Gazprom und besiegelte es mit dem „lupenreinen Demokraten “ Putin am 8.9.2005. Noch in ihrer Amtszeit übernahm die Regierung Schröder im November 2005  eine staatliche Bürgschaft für einen Kredit von deutschen Banken iHv. 1 Milliarde € für Gazprom. Nur einen Monat (!) später im Dezember 2005 erhielt Schröder seinen mit 250 000€ dotierten Posten bei Gazprom. Noch Fragen zur Moral? – Jürgen Neunaber


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Wenn schon nicht die großen Politiker, so prangerst du wenigstens den katastrophalen Zustand unseres Erdballs an. Demnach müssten wir alle grün wählen, denn wie heißt es so schön? „…dann erst merken wir, dass man Geld nicht essen kann“. Danke für den aufrüttelnden Bericht. – Brigitte Wörl


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Mit viel Zeit und Worten haben Sie eine Arbeitswelt von unter 30jährigen beklagt die es so nur in Ihrem Kosmos gibt. Im Handwerk, in der Bauindustrie, in allen Ingenieurberufen und auch im kfm. Bereich werden händeringend Mitarbeiter gesucht. Als Arbeitgeber kann ich Ihnen sagen das das Angebot an Bewerbern die Nachfrage seit Jahren nicht deckt. Wenn junge Leute allerdings vor Beginn ihrer Ausbildung nicht prüfen wo Bedarf besteht oder nicht zielgerichtet Ihren Ausbildungsweg beschreiten kann natürlich eine Minderheit auch in der aktuellen Marklage außen vor sein und als Taxifahrer enden. Aber solche Karrieren gab es auch schon immer. – Peter Knappmann


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Für Leser und natürlich auch für Greta Taubert erzähle ich ein Wassererlebnis aus meiner Jugendzeit: Als Fußballer durften wir im Training, besonders aber beim Spiel gegen einem Gegner in unserer Liga (Regionalliga) kein Wasser trinken. Die Sportlehrer oder Fußballtrainer hatten uns Spielern klargemacht, das zuviel Wasser im Körper die Leistung schwächt. Es würde eine bestimmte Schwerfälligkeit eintreten. Auch wer starken Durst verspürte, durfte nicht trinken. Erst bei Spielende war es gestattet. Das ist doch auch eine nette Story. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Dieses Bad geriet im Sommer völlig aus dem Lot“ von Ursula März

Das ist ein typischer Beitrag der mich sprachlos macht. Was ist bloss aus Deutschland geworden. Anstatt klare Kante zu zeigen ducken sich ständig bestimmte Menschen vor dem Islam weg und andere wiederum sind dem Islam hörig. Wie konnte es nur soweit kommen. Wer unsere Kultur auch Badekultur nicht aus innere Überzeugung mittragen mag, sollte in das Ambiente zurückkehren, in dem  allein er/sie sich wohlfühlt. Was denn sonst! Kein Land auf dieser Welt würde sich diese Demütigung gefallen lassen. Es wird immer wieder gefragt, woher die Wut oder gar Hass in unserem Land herkommt: Das ist ein typischer Fall der viele Bürger zur Weissglut bringt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

DANKE! Die ausführliche Auflistung politischer Vorstellungen un d Fragen  der „ungehörten“ jungen Generation ist für mich beeindruckender als  jedes noch so ausgefeilte Wahl- oder Parteiprogramm. Nämlich: Sehr  lebens- und menschennah sowohl in aktueller als auch in langfristiger  Themensicht. Ich bin 70 Jahre alt und fühle mit den allermeisten Themen,  Forderungen und Fragen sehr vertreten. Gerade weil zur Zeit die  demographische Realität den Stimmen der älteren Generation automatisch  mehr Gewicht verleiht, müsste den Themen der jungen Generation besonders  viel Raum und Bedeutung zuerkannt werden, besonders da, wo es nicht um  Macht und Kapital geht, sondern um tragfähige existentielle Inhalte für  ALLE Menschen. Dann geht die Politik der Alten auch nicht mehr an den  Jungen vorbei. Und dann werden in Zukunft die jungen Leute vielleicht  auch nicht mehr überrascht sein, überhaupt gefragt zu werden. – Eva Fortelka


Leserbrief zur Grafik „Buntes auf dem Bildschirm“ von Matthias Schütte und Sven Stillich

In die „deutschen“ Wohnzimmer kam z.B. auch „ein Kessel Buntes“. Warum blenden Sie die DDR wieder aus? Auch wenn diese Grafik eher unwichtig ist, zur deutschen Geschichte gehört eben nicht nur Westdeutschland. – Eva-Maria Nickel


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Das Leben wird von Zufälligkeiten geprägt. Das 1945 die Einen im Osten des Landes den Russen ausgeliefert wurden und die Anderen im Westen den Amerikanern hing nicht mit Verdiensten der Betreffenden zusammen sondern nur mit der Geographie. Die Einen haben Pech gehabt und die anderen Glück. Wenn allerdings der Morgenthau Plan verwirklicht worden wäre, dann hätten wiederum wir im Westen Pech gehabt. Nur weil Stalin zur Gefahr wurde und er obendrein aus dem Osten ein Musterschaufenster des Sozialismus machen wollte, hat der Westen Westdeutschland jetzt plötzlich als vorgeschobenes Kampffeld in einem befürchteten 3.Weltkrieg gebraucht und aufgerüstet. Jetzt kam der Marshallplan. Unser Glück im Westen war, das es nicht zu einem Krieg gekommen ist. Sonst gäbe es uns heute nicht mehr.

Arroganz und Hochmut sind also nicht angebracht. (waren eigentlich noch nie). Es fällt auf, das heute unsere bestimmende Elite fast geschlossen hinter der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel steht. Mit Personen, die kritische Töne einfließen lassen, wird nicht mehr gesprochen. Dabei fallen 2 Gesichtspunkte auf:

— die deutsche Elite hat eigentlich immer versagt. Bei der Integration der Gastarbeiter aus Anatolien, im 3.Reich, in der Feudalzeit wurde von Gott gesandten Herrschern das Herrschen ermöglicht, im 30 jährigen Krieg hat man die Zerschlagung des Staates geschehen lassen usw.

— es fällt auf, das fast weltweit kein anderer Staat etwas ähnliches macht. Selbst altbewährte Einwanderungsländer machen nichts ähnliches. Wobei wir Kritik nur an Osteuropäern üben, im westlichen Lager halten wir uns vornehm zurück. Das wir wieder einen Sonderweg beschreiten, hängt wohl mit unserer Geschichte zusammen. Die heutige Elite möchte das Versagen der Elite im 3.Reich vergessen lassen  und  heute selber besonders menschenfreundlich erscheinen.

Nun muss man sagen, menschenfreundlich müssen wir natürlich immer sein. Und die Flüchtlinge 2015 aufzunehmen, war ein Gebot der Stunde und alternativlos. Kritisieren kann man etwas anderes. 4 Jahre schaut die BRD dem Morden in Syrien ungerührt zu. Als Italien und Griechenland um Hilfe rufen, blockt Berlin und Paris ab. Bis eben im Herbst 2015. Jetzt stehen die Flüchtlinge auf der Autobahn. Jetzt wird eine Willkommenskultur ausgerufen und damit ganz Nordafrika eingeladen, nach Deutschland zu kommen. Das wir Flüchtlingen helfen, ist selbstverständlich. Das wir die Umsiedlung ganzer Bevölkerungsgruppen von Afrika nach Mitteleuropa fördern, etwas anderes. Sie monieren zu Recht den Hass, der bisweilen auf Kundgebungen zutage tritt. Nun ist Hass etwas gefährliches und in keiner Weise hilfreich. Dessen Auftreten erkläre ich mir wie folgend:

— in der DDR sind Babys mit 1 Jahr in der Kita gelandet. Ein Psychologe würde wahrscheinlich sagen, diesen Menschen ist von der Mutter kein Urvertrauen vermittelt worden. Und wir im Westen, vor allem Rot-Grün, machen heute denselben Fehler. Die Industrie braucht Arbeitskräfte und dem hat sich alles unterzuordnen. Auch die Erziehung der Kinder.

— die Treuhand hat den Osten deindustrialisiert. Heute noch entvölkern sich im Osten ganze Landstriche. Die Zurückgebliebenen kann man nur bedauern.

— wir haben eine größere Gruppe von Bürgern, die benachteiligt worden sind. Entweder einen befristeten Arbeitsvertrag haben, oder keine preisgerechte Wohnung.  Die Russlanddeutschen haben wenig Unterstützung bekommen. Teilweise sogar Häme. Es wurde auf ihren deutschen Schäferhund verwiesen. Dabei hatte gerade diese Volksgruppe stark unter den Verbrechen des 3.Reiches gelitten und alles verloren. Verständnis haben sie nicht bekommen. Die Gastarbeiter aus Anatolien sind bei ihrer Integration nicht im Geringsten unterstütz worden. Deshalb haben wir heute Parallel Gesellschaften im Lande. Die von Saudi-Arabien durch den Bau von Moscheen unterstütz werden, und von der Türkei durch türkisch sprechende Imame.

— jetzt können wir endlich froh sein, das das Christentum friedlich geworden ist. Nach 1600 Jahren endloser Gewalt. 400 nach Christi ist in Mailand die erste Synagoge in Flammen aufgegangen und es wurde verkündet, kauft nicht bei Juden. Heute besinnt sich die Kirche endlich wieder auf die Lehre Jesu. Und jetzt wird der Islam nach  Deutschland geholt. Ein Religion, die sich seit 1000 Jahren in der größten Krise ihrer  Geschichte befindet. Heute macht der Islam das, was das Christentum vor 1000 Jahren gemacht hat. Damals war der Islam dem Christentum überlegen und  der Papst hat zum Kreuzzug gegen den Islam aufgerufen, und allen Streitern, die im Kampf gegen den Islam fallen sollten, das ewige Leben versprochen. Dies liegt zum Glück inzwischen hinter uns. Heute werden alle Konfliktgruppen Nordafrikas nach Deutschland geholt, Schiiten, Sunniten, Türken, Kurden, Antisemiten. Schon die Aussage, dies kann zum Problem werden, wird nicht akzeptiert. In unserer Tageszeitung stand 2015, dies sind die Menschen, die unsere Renten erwirtschaften werden. Es können nicht genug kommen. Dabei sollte doch Jedem klar sein, bis ein deutsches Kind zu einem verantwortungsvollen Menschen herangewachsen ist, ist viel Kraft und Aufwand erforderlich. Und manchmal scheitert es sogar. Und bei Kindern von Eltern aus einem anderen Kulturkreis, anderer Religion, anderer Sprache wird es nicht einfacher sein. Das hat nichts mit Rassedünkel zu tun, so eine Anpassung erfordert Generationen. Und dann dürfen keine Fehler gemacht werden wie z.B. bei den Gastarbeitern.

Und wenn heute ein Verbrechen im Namen Allahs erfolgt, werden muslimische Verbände nicht müde zu betonen, dies habe nichts mit dem Islam zu tun. Auch die Kreuzzüge hatten nichts mit der Lehre Jesu zu tun. Weil es aber der Papst angeordnet hatte, war es ein christliches Verbrechen.

— bei hoheitlichen Aufgaben versagt unser Staat in der Regel: NSU, Anis Amri, G20 Gipfel, usw. Die Fragen der Sicherheit und der Wohnungssituation hatte man schon seit 15 Jahren schleifen lassen.

— es fällt auf, es gibt von Seiten der Politik und der Medien einen Konsens, den Bürger mit Problemen in der Flüchtlingsfrage nicht zu belasten. Anscheinend traut man dem Bürger nicht. Die Silvesternacht in Köln ist ein Beispiel. Nach den Ereignissen, am nächsten Morgen lässt die Polizei verlauten, es war eine ganz normale Silvesternacht. Erst am 5.1. fanden die Ereignisse langsam Eingang in die bundesweiten Nachrichten, dank einiger lokaler Blätter, die schon vorher darüber berichtet hatten. Die Politik hatte die Erwartungshaltung vorgegeben, über schlimme Vorfälle im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle wird nicht berichtet. Und fast alle haben sich erst einmal daran gehalten.

— Die Grünen verabschieden auf ihrem Parteitag einen Satz der lautet: Uns geht es nicht um Recht oder Unrecht in der Flüchtlingsfrage, uns geht es um die Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils. Und Niemand findet dies einen Kommentar wert. Das Volk soll noch die Flüchtlinge aufnehmen und integrieren und sich dann verabschieden. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und kann gehen.

— Fr.Özoguz, die Migrationsbeauftragte der SPD, verlautet, es gäbe zwar eine deutsche Sprache, aber keine deutsche Kultur. Hier kann jeder seine Meinung sagen. Auch Fr.Özoguz, interessant ist nur die Reaktion. Es kam erst einmal überhaupt keine. Bis sich H.Gauland gemeldet hat mit einer schlimmen Formulierung. Und jetzt beschäftigten sich alle damit, aber nicht mit Fr.Özoguz, sondern mit H.Gauland. In der Regel wurde Gauland zu Recht verurteilt, was Fr. Özoguz gesagt hatte, blieb unerwähnt.

— unsere etablierten Parteien können von Glück reden, das die radikalen Kräfte fast immer mit nicht akzeptierbaren Antworten kommen. Ich kann mir vorstellen, wenn an der Spitze der AFD ein logischer kühl rechnender Stratege sitzen würde, wäre der Anteil dieser Partei größer. So gesehen können die heutigen Parteien über die heutige unlogische AFD recht froh sein.

Traurig ist es, weil Hass und auch Wut schlechte Ratgeber sind und nicht weiterführen. Und das Wahlprogramm der AFD wird in Bezug auf Zukunftsfragen zur Belastung. Einen Grund misstrauisch zu werden, hatte man manchen Bürgern aber geliefert .Es geschieht eben nichts ohne Grund. Ich würde unserer Politik mehr Ehrlichkeit vorschlagen. Und alle mitzunehmen, das wäre ihre Aufgabe. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Es ist immer wieder erstaunlich wie einfach doch Innovation geht. Ein Softwareupdate des Tesla und die Batterie kann bis zur vollständigen Entleerung gefahren werden (das heißt aber im Umkehrschluss, Tesla bevormundet seine Fahrer…). Toll! Und damit fährt Tesla den deutschen Autobauern davon. So einfach – und doch so falsch.

Zur Klarstellung: Ein Batterieauto trägt heute und auch in mittelfristiger Zukunft (von ca. 10 Jahren) nicht zu einer Reduzierung der CO2 Emission bei. Ein Artikel der Zeit vor einigen Wochen beschreibt dies und noch etwas ausführlicher auch eine Untersuchung des Energieversorgers „Naturstrom AG“ bei der ein Typ Golf untersucht wurde der mit Benzin, Diesel und als Stromer ganzheitlich betrachtet wurde. In der Betrachtung hat nun mal die Batterie einen sehr großen CO2 Rucksack (und andere Emissionen auf die nicht näher eingegangen wurde) von rd. 5 Tonnen. Diesen Rucksack kann man nur dadurch reduzieren, in dem mit dem E-Auto auch Benzin oder Dieselkilometer vermieden werden. Geht man nun vom Fall aus das Strom aus dem Deutschlandmix der Stromherstellung zum Laden der Batterie eingesetzt wird, dann muss man ca. 46.000 km/a fahren. Geht man davon aus, dass man mit regenerativer Energie die Batterie geladen wird sind es immerhin noch 18.000 km/a um diese anfängliche Negativbilanz der Batterieherstellung zu eliminieren. Das Problem ist also offensichtlich, dass man schon eine hohe Laufleistung benötigt, damit ein E-Auto überhaupt die CO2 Emissionen wieder „herreinfährt“. Gleichzeitig stellt sich die Frage ob die Batterie diese Ladezyklen überhaupt in der Lebensspanne übersteht. Fakt ist jedoch, dass dadurch die Energiewende nicht zu erreichen ist zumal auch unklar ist woher die viele regenerative Energie kommen soll. Der Verkehr hat einen Gesamtprimärenergiebedarf von rd. 750 TWh/a wovon 83% auf den Benzin und Diesel getriebenen Individualverkehr zählt (Incl. LKW). Diese Energiemenge zu erzeugen würde ein vielfaches der derzeit installierten Leistung der regenerativen System betragen.

Es gibt aber viel einfachere und vor allem extrem viel kostengünstigere Methoden, um die Energiewende voranzubekommen. Da wären zunächst einmal die Kühltheken in den Supermärkten und noch viel schlimmer die „offenen Kühlschränke“ aus dem man die kalte Cola vom Bäcker um die Ecke bekommt. Letztere haben einen Strombedarf von ca. 6000 kWh/a – mehr als das doppelte des Strombedarfs des Haushalts des Autors dieser Zeilen. Ein weiteres einfaches Betätigungsfeld sind Pumpen. Es gibt Studien die sagen, dass 8% des Strombedarfs in Deutschland aufgewendet wird um Wasser (und andere Flüssigkeiten) im Kreis zu pumpen. Diesen Aufwand könnte man ohne viel Aufhebens einfach durch richtige Planung um ein Vielfaches reduzieren. Aber das ist natürlich nicht innovativ sondern man müßte nur die seit 100 Jahren bekannten Formeln anwenden und leider kann man kein Softwareupdate einspielen, so dass es nach Innovation aussieht.

Der Autor könnte noch viel berichten – aber leider ist alles nicht innovativ und deshalb leider für die meisten nicht von Interesse. Alexander Knirsch


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Den Zwiespalt, in dem sich junge Leute unter 30 in Deutschland befinden, kann ich gut nachempfinden. Ich selbst habe mich nach ein paar Wendungen im Lebenslauf für ein Leben als Lehrer entschieden. Nicht nur, weil mir der Beruf tatsächlich Spaß macht, sondern auch, weil unser erstes Kind die Perspektive auf das Leben entscheidend geändert hat. Ich wollte nicht mehr ein Spielball der Wirtschaft sein, ständig auf Firmenreise sein und mir Gedanken über den nächsten Vertrag machen.  Mit mittlerweile zwei Kindern haben wir außerdem tatsächlich Bedarf an ausreichend Wohnraum. Auch ein schöner Nebeneffekt: Ich kann es mir leisten, politisch aktiv zu sein und meinen Namen unter diesen Leserbrief zu schreiben, ohne finanzielle Repressalien durch den Arbeitgeber fürchten zu müssen.

Die für mich offensichtlichste, wirtschaftliche Lösung des von Ihnen genannten Problems: das bedingungslose Grundeinkommen. So würden (nicht nur) Studenten und Berufseinsteiger unabhängig von unterbezahlten Praktika oder Nebenjobs.  Arbeitgeber werden mit attraktiven Jobangeboten um diese Leute werben müssen. Wer diese fehlenden Stellen in unserer Dienstleistungsgesellschaft auffüllen soll, ist eine andere Frage. Ebenso, wie man das Ganze finanziert. Grundsätzlich würde sich jedoch die Perzeption der Berufswelt als persönliches Spielfeld des Erfolges oder Scheiterns ändern. – Fabian Kellermeier


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Ja, es ist unmöglich wie sich einige Afd-Repräsentaten verhalten!  Es gibt aber etliche Menschen  – die gerne Menschen in Not unterstützen

– die sich unwohl fühlen, wenn zunehmend „fremde“ Personen (Sprache,  Aussehen, Benehmen, Erziehung) das öffentliche Bild bestimmen und das  nicht haben möchten.

– die sich nicht belehren lassen wollen, dass sie Ihre Befindlichkeiten  zu ändern haben

– die mit Sorge unlösbare Probleme bei der Integration von Menschen aus  Kulturräumen, die im Vergleich zu unserem 500 Jahre zurück sind (keine  Reformation, keine Aufklärung etc.), sehen.  – die durchaus Fremdes als Bereicherung ansehen, aber wenn es auf  gleichem Niveau ist, nicht 500 Jahre rückständig.

– die die Gesellschaft von vor 500 Jahren in Europa heute auch nicht  haben wollen, sondern als überwunden ansehen.

– die zustimmen, dass z.B. deutsche „Ballermann-Leute“ auch sehr  unangenehm für die dortige Bevölkerung sein können (aber aus  geschäftlichen Gründen offenbar doch wieder attraktiv sind und ja auch  nach der Saison wieder verschwinden)

– die keine Lust haben theoretische Debatten über „was ist deutsch“ zu  führen.

Diese Einstellung wird von keiner Partei repräsentiert, ausser von  Teilen der AfD, allerdings eben auch mit erheblichen „Nebenwirkungen“.  Das ist sehr traurig. Das sollte auch einmal in Ihrer Berichterstattung  erwähnt werden. – Christian Voss


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Sie haben es deutlich gemacht, warum „Deutschland“ nicht nach links rückt. Die deutsche Politik ist von den Lobbies der Verbände „eingewickelt“ oder „gekauft“. Und das ist nicht nur Verschwörungstheorie., Die aktuelle ZEIT Ausgabe wurde in vier Seiten Audi Reklame  verpackt. Es sind Konzerne wie VW, Audi, Daimler die die Meinung und Politik bestimmen. Siehe die Reaktion der Regierung zum Diesel-Abgas-Skandal: nur ein „Software update“ . Der Diesel-Abgas Skandal und die Reaktion der Regierung – die m.E von den Manipulationen schon vor 2015 wußte  – sind nur das augenfälligste Beispiel dieses Betrugs. Die Mehrheit der Deutschen ist träge und vielleicht auch zu sehr beschäftigt und wünscht sich nach Feierabend Ruhe, die sie für  erste Bürgerpflicht hält, da sie um ihre – of prekären Jobs bangt.

Nicht nur die Junge Generation ist wütend, viele alte Linke natürlich auch, und dies seit fast 30 Jahren, der Wiedervereinigung, über die Aneignung der DDR –SED Vermögen durch alle Parteien (außer Grüne), aber insbesondere durch CDU, und danach durch die Treuhand – man lese die Seite „Vereinigungskriminalität“ des Bundestags (vielleicht im Archiv noch verfügbar). Manche Wut in den Ost-Ländern ist verständlich. Warum schreibt die ZEIT keine Serie über Parteien-Vermögen und wie sie zustande kamen? Schäuble hat jetzt volle Kassen, aber er hat ja auch kräftig zugelangt, so daß die Schere (Gyni-Index) zwischen Reich und Arm weiter auseinander klafft und die Reallöhne fallen.

Hier nur einige Posten der Regierungs-Abzockerei:  Benzinsteuer, Erneuerbare Energie Abgabe(n) (jetzt 55% des Strompreises und steigend lt VBZ)*.  SOLI wird weiter kassiert, sollte schon 2000 abgeschafft werden., jetzt soll er verallgemeinert werden)., die MWSt.wurde auch durch Merkel erhöht, das größte Verbrechen aber ist, daß die Regierung die Banken nicht zwingt, die DISPO-Zinsen an das Markt-niveau von unter 1% anzupassen. Auch Krankenkassenbeiträge wurden wegen befürchteter Mehrausgaben durch Flüchtlinge Anfang 2017 erhöht.  Pflegeskandal und  Abrechnungsskandal sind Resultate der Gesetzlosigkeit, die den Versicherten nicht erlaubt, die Abrechnungen der Ärzte und Heime bei den Kassen für ihre Behandlung/Pflege einzusehen.  Beschiß ist auch, daß die CSU über das Hintertürchen CDU in die Regierung kommt, und immer wichtige z-B  Verkehrsminister stellt.

Da keine der Parteien auch nur annähernd diese Elemente der „sozialen und ökonomischen Gerechtigkeit“ in ihr Programm genommen hat – nicht einmal die Linke – gehen sie alle an den Problemen vorbei und die Wahl einer Partei ist witzlos. Verarschen können wir uns selber. Die GroKo hat zwar den Mindestlohn eingeführt, aber die Unternehmer „unternehmen“ erhebliche Anstrengungen, diesen mit neuen Verträgen zu unterlaufen.  Wir fordern : Freibeträge immer parallel zum Mindestlohn erhöhen, damit nicht Mindestverdiener auch noch vom Finanzamt „entlastet“ werden. Mit € 13600 Mondestlohn ( d.i.= 12x4x40x8.5o pro Jahr) und einem Freibetrag von 8,800 werden noch € 5,600 vom Mindestlohn besteuert. Ein Freibetrag von 1000 pro Monat wäre angemessen.

Die Finanzämter sollten sich eher auf Steuerflucht, Global Players (Starbucks, Google), und Spitzenverdiener konzentrieren, dann könnte auch das Rentenniveau bei 50% finanziert werden. Wieviel gehen dem dt. Fiskus durch die Politik „Besteuerung am Firmensitz“ verloren ? Die Bundesrepublik ist zur Bescheiß-Republik geworden, und kein Politiker oder keine Partei hat bisher einen„Ruck durch Deutschland“ gefordert, damit die Abzocke der Steuerzahler und Arbeitnehmer durch Regierung und Private Unternehmen aufhört. Von Steinmeier hätte ich mehr erwartete – er hat noch nicht mal eine Ansprache gehalten. – A. Massing


Leserbrief zu „Teuflisch fromme Christen“ von Wolfgang Thielmann

Der Artikel über die Christen in der AfD war sehr gut und auch sehr deutlich. Wir sollten nicht böse und unversöhnlich mit dem Finger auf die AfD zeigen – Christen in anderen Ländern sind auch nicht immer vorbildlich – denken wir an Russland, Polen oder auch die Trump Fans in den USA. In unserer eigenen Vergangenheit hat es ebenfalls manch braunen Fleck gegeben – auch wenn wir gerne an die Widerstandskämpfer und Märtyrer erinnern.  Nur: Wer sich den Text „Wo die Güte und die Liebe“ – auch als Ubi Caritas et amor aus Taizé bekannt – vornimmt – der muss einfach anerkennen: Für nationaler Eingrenzer ist in der Kirche kein Platz. „Brich dem hungrigen Dein Brot“ (Jes 58) – das gilt ohne Einschränkung. Es ist bedauerlich, dass sich engagierte Christen von diesem Kern der Lehre abwenden – dann muss man einfach klar sagen: Du gehörst nicht mehr in die Gemeinde – an vorderer Stelle im Kirchenvorstand / Pfarrgemeinderat – das geht nicht. Es muss diesen Leuten doch klar sein, dass sie in einer Gruppe mitarbeiten, die aktiv Gewalt schürt und blinden Hass fördert. Alles andere wäre falsch verstandene Toleranz. – Stephan Siegel


Leserbrief zu „Auf dem Weg zum Streber“ von Martin Spiewak

Angesichts zunehmend vieler Akademiker in Bullshit-Jobs und deutlichen Problemen, überhaupt noch Azubis für Handwerkberufe zu finden, verdient sich die OECD mit ihrer Kritik einer „zu niedrigen Akademikerquote“ eine glatte 6- . Wenn man sich dann noch anschaut, mit welchen Kenntnissen und Einstellungen die Studienanfänger an den Hochschulen erscheinen, kann ich als ehemaliger Inhaber einer MINT-Professur nur sagen, dass ich heilfroh bin, seid einem Jahr pensioniert zu sein und mich nicht mehr damit auseinander setzen zu müssen, dass die Realität nichts mit der Eigenlobhudelei zu tun hat, die man ständig aus Politikermund vernehmen muss. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Vielen Dank für Ihren Artikel, ich hoffe, dass ihn viele junge Leute gelesen haben. Als ich als Psychologin in der Klinik mit einem befristeten Arbeitsvertrag angefangen habe (nach einem einjährigen Praktikum in derselben Klinik!), war ich erschrocken, wie selbstverständlich dies in meinem Bekanntenkreis aufgenommen wurde: „Das ist doch mittlerweile üblich“, „Sei froh, dann kannst du dich nach einem Jahr nochmal neu orientieren“… Glücklicherweise habe ich nach 2 Jahren einen unbefristeten Vertrag erhalten, da meine Stelle ohne Sachgrund (!) befristet gewesen war. Ich kenne jedoch viele, bei denen die Befristung der Dauerzustand ist. Auf der anderen Seite erwartet man, dass die Deutschen mehr Kinder bekommen, dabei sind doch befristete Verträge das beste Verhütungsmittel! – Merlin Halbach


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Schade. Kein Gespräch über Malerei. Stattdessen Herrenreiter-Phantasien: Der „genussfähige Mann“, der über ein Heer untertäniger Frauen verfügt. Heroisch entreißt er der Welt das große Kunstwerk – im Kampf gegen Parteisoldaten, Gender-Tugendwächter und schlecht gekleidetem Pöbel.   Der autoritäre Charakter, der andere verachtet und nach Herrschaft strebt? Klingt irgendwie nach Propaganda des Wilhelminischen Zeitalters. Oder nach Ayn-Rand-Ideologie, die gegenwärtig in den USA populär ist.  Gruseliges Weltbild. Genie-Inszenierung vom Hersteller des Exportartikels „deutsche“ Kunst … – Irma Stolz


Leserbrief zu „Teuflisch fromme Christen“ von Wolfgang Thielmann

Der Verfasser der „Kirchenpolitischen Manifestes“ der AFD aus Trier sollte eigentlich die Schriften des Kirchenlehrers Nikolaus von Kues (Cusanus) kennen, denn das Cusanus-Forschungsinstitut befindet sich in Trier. Cusanus schrieb schon im 15. Jahrhundert nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen:

„Wenn es Dir so zu handeln gefällt, werden Schwert und blanker Hass und jegliches Unheil aufhören, und alle werden erkennen, wie es nur eine einzige Religion in der Riten-Mannigfaltigkeit gibt. Die Religion soll eine und die anbetende Verehrung eine sein, damit die Verschiedenheit zur Vermehrung der Frömmigkeit beiträgt.“ (De pace fidei). Cusanus bewertet die Vielfalt der Riten und religiösen Gebräuche positiv und betrachtet sie als Mehrung der Gottesverehrung. Er sieht alle Religionen, auch den damals in Europa so verhassten Islam, rückgebunden an die göttliche Wahrheit, die sich in Christus inkarniert und offenbart habe.

Von diesen Gedanken aus dem 15. Jahrhundert ist es nicht weit zur von dem Theologen Hans Küng angestoßenen Stiftung „Weltethos“. Im Kloster Jerichow an der der Elbe in Sachsen-Anhalt, dort wo die AFD besonders viele Wähler findet, befindet sich ein Bildungszentrum der Stiftung. Ein sehr lohnenswertes Ausflugsziel für AFD-Funktionäre. Kein Überleben unseres Globus ohne ein gemeinsames Weltethos. Das ist die Quelle des christlichen Abendlandes, das den Christen in der AFD doch angeblich so wichtig ist. – Dr. Erwin Kreim


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Viele jungen Menschen der Jahrgänge ab 1985 wurden in ein wachsendes System der Unzuständigkeiten geboren, aber gleichzeitig aus angeblicher Fürsorge „in Watte“ gepackt. Die Gemeinden ließen Schulen verkommen, die Länder ordneten per Erlass an, dass nur noch wenige Schüler sitzen bleiben durften und entmündigten engagierte Lehrer, das Abitur wurde inhaltlich ausgedünnt. Den Eltern wurde vor­gemacht, dass eine „Drei“ in diesem System eine gute Note sei und feierten eine vermeintliche „Großtat“ ihres Kindes, wenn es das „Abitur“ schaffte. Etwas Profanes wie Elektriker, Krankenpfleger oder Finanzbeamter (mit weiteren Aufstiegschancen) kann man mit Abitur ja nicht er­ler­nen, sondern man braucht einen möglichst „krea­tiven“ Beruf. Bei einem monatlichem Groß­eltern-Sti­pen­dium von 800 € bis Mitte zwanzig kann dann leicht eine weltfremde Einstellung zur Arbeitswelt entstehen! Auf welcher Basis soll denn ein Arbeitgeber sofort einen dauerhaften Arbeitsvertrag mit einigen zehn­tausend € p.a. ausstellen? – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Der Artikel beschreibt die Lage der jungen Generation leider nur sehr unzureichend und ist in seiner Oberflächlichkeit für ein Dossier in der Zeit erschreckend. Natürlich gibt es Probleme durch hohe Lebenshaltungskosten, besonders durch die Mietpreise in einigen Universitätsstädten und die Politik muss hier mehr tun. Es ist auch völlig richtig, dass oft die (Gross-)Eltern mit Geld unterstützen. Allerdings fehlt in der Beschreibung komplett, dass man in Deutschland, im Gegensatz zu den USA oder Frankreich, auch nahe der Heimat eine gute Ausbildung oder ein Studium absolvieren kann. Ebenso fehlt, dass hierzulande sowohl im Handwerk als auch in den MINT Berufen derzeit massenhaft Leute gesucht und auch schnell gut bezahlt werden!

Ich bin selbst Jahrgang 79 und auch meine Eltern sind weder Akademiker noch Selbstständige. Jede Wunschvorstellung war nicht oder nur schwer realisierbar, aber mit ein wenig Prakmatismus (Ich habe einfach bei der Wahl des Studienortes schon mal an mögliche Kosten gedacht) war es möglich meine Wünsche zu verfolgen. Der übergrossen Mehrheit meiner Abiturkameraden ist es ebenso ergangen, praktisch alle die ich treffe Leben in guten, gesicherten (fast schon „spiesigen“) Verhältnissen. Auch die Zeit hat vor kurzem einen Artikel veröffentlicht, in dem einer ihrer Reporter seinen Heimatort besuchte, in dem es den Menschen seines Jahrgangs überwiegend gut geht. Dieser Artikel trifft für Deutschland, so einseitig wie er geschrieben ist, nur auf ein eng begrenztes Milieu zu. Für ein Dossier über eine ganze Generation darf man dieses zur Recherche aber gerne einmal verlassen! – Eric Theisinger


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Sie gehören sicher auch zu den Menschen, die sich zu Recht empört gegen Pauschalisierungen und unzulässige Verallgemeinerungen wenden, wenn beispielsweise von „den Ausländern“, „den Asylanten“, „den Muslimen“ usw. die Rede ist. Wenn es da Konflikte gibt, muss man doch sehr differenzieren und genauer hinschauen. Auf keinen Fall generell verurteilen oder von Minderheiten auf das Ganze schließen.

Mich wundert nur, dass Sie in Ihrem Artikel keine Probleme haben, genau das zu tun. Völlig faktenfrei (Statistische Belege? Zahlen? Prozente?) kreieren Sie das Bild des „Ostdeutschen“ allgemein. Hässlich, demokratiefeindlich, undankbar, ungebildet, Verlierer, Nazis. Sie schreiben: „Das »Volk« zeigt im Osten jetzt ein so hässliches Gesicht“. Genau: „Das Volk“. Wer aber ist das Volk, möchte man mit Brecht fragen. Es ist zu befürchten, dass im Osten 25% AfD wählen werden. Etwa drei Viertel werden andere Parteien, vor allem CDU, SPD und LINKE wählen und sich unwesentlich von den Mitbürgern im besorgten Westen unterscheiden. Ist das keine gute Nachricht?

Sie werden jetzt entrüstet sagen: Ja aber das eine Viertel macht mir Sorgen. O.K., mir auch, aber dann müssen Sie es auch so formulieren und auf diese unsägliche Pauschalisierung (die zugleich Diffamierung der Mehrheit im Osten ist) verzichten. Mich stört nicht Ihre Meinung. Ich bin entsetzt über Ihre journalistische Methodik. Sie erinnert mich in fataler Weise an den Stil der DDR-Presse. – Andreas Michel


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

„Warum ruft er nicht an?“

Vielleicht, weil bei solchen Telefonen der Hörer auf der Gabel liegen muss, damit es klingen kann… – Axel Dorlas


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Mit Interesse verfolge ich Ihre Artikel über die globalen Herausforderungen des Klimawandels aber auch über die nationalen politischen Diskussionen und den Klimaschutz in Deutschland.  Besonders interessant war der letzte Artikel von Maximilian Probst und Daniel Pelletier „Wir schweigen uns zu Tode“ (18.September 2017) in dem Sie über das „Todschweigen“ der Thematik sprechen und dass im Wahlkampf dieses doch so essentielle Thema nicht aufpoppt, obwohl es doch letztlich die Grundlage für das weitere Leben auf unserem Planeten bedeutet.  Als Klimaschutzmanager in einer kleinen Kommune steh ich tagtäglich vor der Herausforderung die Bevölkerung hinsichtlich der Thematik des lokalen Klimaschutzes zu sensibilisieren.

Der Erfolg bei den Kollegen und mir ist mäßig, aber es bedarf eines langen Atems den wir alle mitbringen!  Mit „Wir“ meine ich meine Klimaschutzmanager Kolleginnen. Viele von uns sind interessanter Weise auch im Alter zwischen 25 und 40 Jahren.  Eine Altersgruppe, die in der Zukunft durchaus noch eine wichtige Rolle einnehmen wird.  Ich möchte Ihnen bzw. Ihrer Zeitung eine Vorschlag machen, der mir schon länger im Kopf herumgeistert: Die Themen „Wirtschaft“, „Politik“ und „Wissen“ sowie viele weitere Themen sind fester Bestandteil ihrer Zeitung.  Aber auch ihre Zeitung gehört zu den wichtigsten Printmedien unseres Landes und trägt zum Meinungsbild vieler Bürgerinnen und Bürger bei.  Somit stehen auch Sie in der Verantwortung das Thema weiter in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu bringen.   Wäre es nicht eine besondere Neuerung und auch ein Statement, wenn Sie in ihren Ausgaben, dass Thema „Klimaschutz“ einreihen in die übrigen Themen und auch hier einen festen Themenblock (Es reicht ja auch eine Seite) veröffentlichen, in dem Sie Herausforderungen des Klimaschutzes ansprechen ,aber auch besondere Projekte aus Wirtschaft, Gesellschaft und Ehrenamt vorstellen und somit den Menschen Material an die Hand geben, dass ein Handeln möglich macht?

Bei Bedarf kann ich Ihnen gerne Plattformen nennen, wo Sie Projekte dieser Art finden!  Es gibt bereits „Grüne“ Medien, die sich dem Thema widmen, aber auch diese werden vornehmlich nur von bereits Interessierten Lesern genutzt.  Ich muss Ihnen ja wahrscheinlich die Filme „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“ oder „Power to Change“ nicht vorstellen, aber ist es nicht an der Zeit, dass auch die „Massenmedien“ sich an der lebenswerten Zukunft beteiligen, in der unsere Kinder hoffentlich leben werden?  Wie schreiben Ihre Kollegen so treffend: „In der deutschen Debatte ist der Klimawandel aber nur eine Randnotiz.“ tragen Sie dazu bei, dass der Klimawandel nicht nur eine Randnotiz bleibt. – Stephan Baur


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Die Probleme einer zu wenig politisierten Jugend in Deutschland sind existent und allgegenwärtig. Ich stimme zu, dass auch gerade Studenten, die finanziell durch ihre Eltern abgesichert sind, die Tragweite der sozialpolitischen Entscheidungen der letzten Jahre verkennen. Als umso schlimmer empfinde ich die künstlichen Wahlaufrufe – nicht nur von von Politikern und Parteien – sondern von ahnungslosen Youtubern, die ihre „Community“ nach anbiedernden Interviews mit Frau Merkel und Herrn Schulz zur Wahl animieren.  Ganz nach dem Motto: Besser uninformiert irgendwas wählen, als nicht zu wählen. Was eine Bankrotterklärung an die Demokratie!

Warum animieren dieselben Youtuber nicht mal zu einer Groß-Demo gegen die soziale Ungerechtigkeit? Ganz einfach – weil auch diese durch ihre gutbezhalte werbefinanzierte Tätigkeit die Probleme nicht sehen.  Der Autor bemerkt zurecht, dass Ideale wie Altruismus oder Minimalismus schöne Handlungsmaximen sind, die Miete des Monats damit aber noch nicht bezahlt ist. Solange wir alle 4 Jahre unser Kreuz irgendwo setzen und in der Zwischenzeit als Paketbote fleißig ausliefern, ist ja auch die Welt in Ordnung. Warum also noch beschweren? Auf Instagram bilden wir doch auch nur unsere schöne Welt ab. – Christian Popp


Leserbrief zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

Ich verstehe nach wie vor nicht, wie sich diese Mär von der „strukturpolitischen Weitsicht“ der „Agenda 2010“ so hartnäckig hält. Setzt der Autor doch den einschneidenden Maßnahmen, die gerade für die „Mittelschicht“ Abstieg und Bedrohung bedeuten lapidar alle Erleichterungen der sozial Starken entgegen, die sicherlich erheblich zur der mehr und mehr auseinanderklaffenden Einkommensschere beitragen, als da sind:

– Entlastung höherer Einkommen

– Absenkung Spitzensteuersatz

– geringere Besteuerung von Kapitalgesellschaften

– kapitalgedeckte Altersvorsorge

– Zulassung von Hedgefonds

– Staatsunternehmenprivatisierung.

Es scheint, als hätte die Sozialdemokratie den allseits angehimmelten „trickle-down-effect“ bestens umgesetzt und nun wundert sie sich, daß die Union und bald die FDP von diesem ihnen ureigenen Ansatz profitieren! Von den Kleinen wird gefordert, nämlich prekär zu leben und die Großen befördern sich ins Steuerparadies und pfeifen auf gesellschaftliche Verantwortung! Was ist daran sozialdemokratisch? 20-24% werden noch viel zu viel sein für diese Partei, die die gesellschaftliche Getechtigkeit verraten hat! – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Danke für den interessanten Beitrag von Caspar Shaller. Die dargestellte Entwicklung wurde und wird, soweit ich das wahrnehme, mit der Globalisierung und dem damit verbundenen Wettbewerb der Arbeitsmärkte erklärt, dem sich ein Staat nicht ohne Nachteile entziehen kann.  Und Wettbewerb hat den Nachteil, dass er nicht danach fragt, welche sozialen Folgen die Gesellschaft treffen, sondern nur danach, wie Kosten gespart werden können. Ein grundsätzlich gutes Prinzip der Marktwirtschaft – aber nur dann, wenn es durch einen Rechtsrahmen entsprechend flankiert ist, um unbillige Effekte zu vermeiden. Hier liegen Defizite. Wieso allerdings der derzeit vielfach genannte Fachkräfte-Mangel nicht zu einem Wettbewerb der Arbeitgeber um geiignetes Personal führt und damit die Position der Bewerber stärkt, ist für mich nicht klar. Als ich Ender der 70-er-Jahre mit dem Studium fertig war, wurden wir von der Firmen umworben und die Einstiegsgehälter waren dabei ein Element – begründet duch den damaligen Ing.-Mangel, der z.B. heute ebenso besteht, wenn man den Meldungen Glauben schenkt. – Tilmann Wolf


Leserbrief zu „Der Wasserstoff, aus dem die Träume sind“ von Dirk Asendorpf

Wenn 95% des Stroms für der Erzeugung des Wasserstoffs aus fossilen Energieträgern gewonnen wird, dann gilt dies auch für E-Autos mit Akkus. Das ist kein Argument für oder gegen die Brennstoffzelle.  Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind nur sinnvoll, wenn der Strom in größerem Maße aus Wind, Sonne und Wasser gewonnen wird. Auch Atomkraftwerke wie in China, sind keine gute Idee. Für Fahrzeuge mit Akkus muss dazu dringend die Frage der umweltschonenden und „conflict free“ Herstellung (Bsp. die Gewinnung von Rohstoffen wie Kobalt) und Entsorgung bzw. Wiederverwertung gelöst werden. Es ist wenig hilfreich, ein Problem zu lösen (lokale Emissionen) und dafür andere zu erzeugen, auch wenn sich diese nicht mehr vor der eigenen Haustüre abspielen. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Ich habe Ihren Artikel zum Anlass genommen, einmal nachzurechnen, wie realistisch die Forderung nach Elektrifizierung der gesammten Verbrennungsmotor-Flotte ist. Bitte übergeben Sie die Berechnungen im Anhang einem Ihrer Fachleute in der Redaktion zwecks Überprüfung. Die verwendeten Zahlen habe ich aus dem Internet, sie sind teils stark gerundet, teil auch nur geschätzt, aber insgesamt realistisch..

Es gibt in der BRD 46 000 000 PKW’s. Die durchschnittliche PS- Zahl sei 60 PS entsprechend 44 kW. Jedes Auto sei Schnitt eine halbe Stunde pro Tag unterwegs (Annahme ). Das macht pro Tag einen Energieverbrauch pro Auto von 44 kWh * 0.5 = 22 kWh

Alle Autos zusammen haben einen Energiebedarf von

22kWh * 46 000 000 = 1 012 000 000 kWh = 1 012 000 MWh

Die Nennleistung eines Inland-Windkraftwerks beträgt maximal 5 MW  (bei Windstärke 5 ).

Davon werden im Schnitt aber nur 17% entsprechend 5*0,17MW = 0,85 MW realisiert.

Bei 24h Laufzeit pro Tag ergibt das eine Energiemenge von 24* 0,85 = 20.4 MWh.

Energiebedarf aller Autos / Energielieferung eines Windrades

=        1 012 000 MW             /                20,4  MW     =   49 608

Um alle Pkws mit Strom zu betreiben, werden ca. 50 000 Windräder benötigt, wenn deren Strom aosschließlich für PKWs verwendet wird. Installiert sind im Moment ca. 30 000.

Jetzt die LKWs

2 300 000 LKW * 250 KW * 8h = 4 600 000 000  kWh = 4 600 000  MWh

4 600 000  MW / 20,4  MW =  225 000  Windrräder

Sollen auch die LKW elektrisch fahren, so werden weitere 200 000 Windräder benötigt. Insgesamt würden wir 8 mal so viel Winddräder brauchen, wie im Moment installiert sind. Dabei sind nicht berücksichtigt: Die Leitungsverluste, Die Energie, die zum Bau der Akkus benötigt wird, Die Energie, die zum Bau der Windräder benötigt wird usw.

Fazit:    250 000 Windräder?  Da sollten wir uns lieber was Anderes überlegen. – Gottfried Mertens


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich lese die Zeit seit  30 J. Das Dossier in der letzten Ausgabe war wirklich erstklassig,  habe alles verstehen und nachvollziehen können. Bin zwar nicht unter 30  J, trotzdem hat mich der Artikel getroffen und berührt, weil ich mich und  meine Kinder wiedererkannt habe. Mr. Schaller: Ich möchte mehr von Ihnen  in der ZEIT lesen! – Andreas Lauber


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Warum rückt das Land nicht nach links? Warum war die letzte Nummer so total links?  Ich will eine sachliche Presse und nicht eine Ausgabe, die sich wie eine Parteizeitung liest. Das war nicht mehr objektiv, sondern vollkommen tendenziös. Schade – sehr schade, haben Sie das nötig? Ich bin regelmäßiger Leser, werde aber für längere Zeit,  Ihre Zeitung nicht mehr kaufen. – Alfred Faltermeier


Leserbrief zu „Hau ab!“ von M. Brost et al.

Fälschlicherweise wird Frau Merkels Handhaltung als Merkel-Raute bezeichnet. Mathematisch gesehen handelt es sich nur dann um eine Raute, wenn alle Seiten des Vierecks gleichlang sind. Da Daumen und Zeigefinger diese Eigenschaft nicht haben, handelt es sich also um einen Drachen. Nun hört sich Merkel-Drachen natürlich nicht gut an. Ist es das Streben nach Vollkommenheit, dass dise Kleinigkeit übersehen wird? – Dieter Strommenger


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Sie stellen in Ihrem Artikel selbst fest, dass es sich hier um „unzulässige Verallgemeinerungen“ handelt. Hindert Sie aber nicht daran, mit Verallgemeinerungen, Vorurteilen, Einseitigkeit und Totschlagbegriffen zu arbeiten. Bürger, die ihre Grundrechte der Versammlungs- und Meinungsfreiheit wahrnehmen, aber nicht die offizielle Einheitsmeinung vertreten, die „brüllen“. Ja in der Tat, wer aufgrund seiner Machtposition alle Mikrofone und Kameras auf sich zieht, wenn er ungefragt seine Meinung zu egal welchem Thema absondert, der hat das nicht nötig. Aber hier geht es ja darum, friedlich protestierende Bürger als hässliche Brüllaffen dastehen zu lassen.

Dann werden alle in einen Topf geworfen: NSU, AfD, Kameradschaften, alles eine Soße, Nazis halt – auch wenn der Zusammenhang hier vielleicht keine rechtliche oder semantische Eindeutigkeit besitzt, so ist er doch intendiert. Dass so eine Verallgemeinerung nicht nur im Diskurs nichts nutzt, sondern vor allem als demokratiefeindliche Diffamierung wirkt, dürfte auch Ihnen klar sein. Der Zweck des Artikels ist also – wieder mal – die Diffamierung der AfD kurz vor der Wahl. Der Nazi -Begriff geht Ihnen inzwischen so leicht aus der Feder, wie den „demokratischen“ Politikern von den Lippen. Da das immer ein – bei Erfolg absolut tödlicher – Versuch eines Rufmordes und das Gegenteil von Diskurs ist, zeigt sich hier, dass es Ihnen nicht um Demokratie oder Freiheit geht, sondern um Verteidigung der Hegemonie.

Ich habe jetzt über hundert mal, bei Ihnen wieder, von „Feinden der Freiheit“ oder von „Demokratiefeinden“ gelesen, wenn es um die AfD oder auch um Pegida ging. Was jedes Mal fehlte, war eine plausible Begründung für diesen sehr ernsten Vorwurf. Es wird Sie überraschen, aber nur weil jemand der Meinung ist, dass Deutschland kein Einwanderungsland sein sollte oder weil jemand die (statistisch nachweisbare und im öffentlichen Raum nicht zu übersehende) Ausbreitung des (fundamentalistischen) Islam kritisch sieht, macht das keinen Feind der Demokratie oder der Freiheit aus ihm. Ich bin im Gegenteil nach intensiver Beschäftigung mit den aktuellen Ausformungen des Islams in Deutschland zu der Ansicht gekommen, dass es ein Zeichen der Sorge um Freiheit und Demokratie ist, wenn jemand die Ausbreitung des Islam kritisch sieht. Da können Sie gern andere Meinung sein. Aber argumentieren Sie sauber, recherchieren Sie, respektieren Sie andere Auffassungen und hören Sie bitte mit Ihren billigen Diffamierungen auf! Und verharmlosen Sie nicht den Nationalsozialismus.

Ich frage mich wirklich, wie ein solch schwacher Artikel es auf die Titelseite der Zeit schafft.

…als ich das letzte Mal brüllend auf der Straße war, war das in Berlin, beim Protest gegen den Ausstieg aus dem Ausstieg. Ich bin immer noch stolz auf unseren Erfolg beim Kampf gegen die Atomkraft. Damals habe ich den Euro, die EU, die öffentlich-rechtlichen, insgesamt die deutsche Presse noch sehr positiv gesehen. Ich bin völlig fassungslos, was ich seither mit ansehen muss. Und ich musste vielen Recht geben, deren Haltung ich damals ablehnte. Ach ja, ich bin Wessi, war 1990 in der Oberstufe, habe da meinen Goethe gelesen, bin beruflich erfolgreich, familiär glücklich und leide vor allem an der verlogenen öffentlichen Debatte. Auf meinem Nachttisch liegen derzeit Puer Robustus von Dieter Thomä und Finis Germania von Sieferle. Und Erich Kästner.

Sie können weiter fortfahren, die Bürger zu guten Sozialdemokraten zu erziehen, aber es glauben immer mehr Menschen Ihre Narrative nicht mehr ohne weiteres. Und nein, meine zweifellos vorhandene Wut richtet sich nicht gegen die „Flüchtlinge“, sie richtet sich vor allem gegen jene, die eine zynische und dumme Politik als „mitmenschlich“ und politische Abweichungen von der Political Correctness als „hässlich“ verkaufen wollen. Mit Diffamierung statt mit ehrlichen Argumenten, mit Manipulation statt Information. – Michael Frank


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Sie sind so alt wie meine Tochter und haben einen Teil Ihrer Biografie in der DDR erlebt. So wie meine Tochter auch, die leider kein staatliches Abitur in der DDR aufgrund ihrer Eltern machen durfte. Deshalb hat sie das beste Abitur gemacht, dass es in der DDR gab – das kirchliche, ohne Marxismus-Leninismus, aber dafür mit den alten Sprachen. Ich weiß nicht, was Ihre Eltern von Beruf waren. Wahrscheinlich haben Sie ein staatliches Abitur, da Sie 1989 Ihr Abitur ablegten. Deshalb versuche ich, Sie neutral zu verstehen.

In Ihrem Text stellen Sie die Bevölkerung gleichermaßen dar. Sie verwechseln Hass und Wut. Unter den von Wut beseelten, gibt es Leute, die vom Hass geprägt sind. Beide Gruppen sind auseinander zu halten. Ich war ein aus DDR-Sicht ein Hassbürger. Ich zählte mich zu den Wutbürgern, die verändern wollten und dafür Repressalien in Kauf nahmen. Wir haben uns nicht vereinnahmen lassen und werden uns nicht vereinnahmen.

In der DDR, zzt. da sie geboren wurden, haben wir den Schülerinnen und Schülern, auch Abiturienten, das Reden gelehrt, ihnen Musik und Literatur nahe gebracht. Sie äußern sich negativ über die Literaturkenntnisse des Ostens. Das mag für Sie vielleicht gelten. Wir haben nicht nur das kulturelle Erbe hochgehalten, (dazu zählt z.B. Haydn, dessen Streichquartett op. 76,3 bei uns zu hören war, besonders der 2. Satz), sondern haben, auch meine Tochter, bereits Erich Loest z. B. „Es geht seinen Gang“, Roswitha Geppert „Die Last, die du nicht trägst“, Ephraim Kishon, Frére Roger, Maxi Wander „Tagebücher und Briefe“, Inge von Wangenheim „Die Entgleisung“, Jurek Becker z. B. „Irreführung der Behörden“, Günter Görlich „Eine Anzeige in der Zeitung“, Stefan Heym, Ulrich Plenzdorf z. B. „Die neuen Leiden des jungen W.“, Ruth Kraft „Menschen im Gegenwind“, Alexander Solschenizyn z. B. „Der Archipel Gulag“, Boris Pasternak „Doktor Schiwago“, Christa Wolf z. B. „Kassandra – vier Vorle-sungen – eine Erzählung“, Erwin Strittmatter z. B. „Tinko“, Anna Seghers z. B. „Das siebte Kreuz“…

Uns zeichnete nicht nur die Vielfalt unserer Literatur aus, sondern wir waren sehr schnell dabei, die von der SED veranlassten Auslassungen uns aus dem Westen zu beschaffen. Bereits 1984 haben wir einen vertraulichen Brief von Klaus Höpcke an Kurt Hager über die Auslassungen zu „Kassandra“ in der Hand. Auch ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte.

Ich wünschte mir, dass Westdeutsche ein gleich gutes Wissen über das kulturelle Erbe besäßen wie wir. Dann wüssten sie, was Goethe am 23. Oktober 1928 in Weimar zu Deutschland äußerte: „Mir ist nicht bange, dass Deutschland nicht eins werde … vor allem aber sei es eins in Liebe untereinander.“ Oder Schiller zur Freiheit geäußert hat, bevor er eine Professur in Jena annahm. Oder Heine „Denk ich an Deutschland“. Fragen Sie einmal einen Hamburger nach dem Heine-Denkmal.

Wenn man nach den Gründen der Wut forscht, dann sollte man folgende Fragen sich beantworten.

  1. Warum wurde die Entscheidung Rückgabe vor Entschädigung getroffen? Damit hängt die Frage zusammen, dass unwahrscheinlich viel Geld in den Osten transferiert werden musste.
  2. Warum wurden die Arbeitsplätze im Osten so zerstört, dass der Osten auf Transferleistung ange-wiesen war und ist? Damit wurde in einer Krisenzeit des Westens Arbeitsplätze im Westen erhalten, zu Lasten der ostdeutschen Beschäftigten. Vergleichbar wäre das mit einer sofortigen Schließung der Autoindustrie, die Dieselfahrzeuge herstellen. Oder Braunkohleindustrie.
  3. Das Ostdeutsche selbst in ihrem angestammten Landesteil sich von Westdeutschen bevormunden lassen mussten. Und das immer mit dem Hintergedanken: War da etwas in der DDR? Der ständige Verdacht, eine Gruppe Deutscher unter Generalverdacht.
  4. Warum sind die Ostdeutschen immer noch nicht gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger in Deutschland? Warum sind die Renten und Löhne nicht den westdeutschen gleichgestellt? Und das nach 28 Jahren friedlicher Revolution. Ein Novum in der Geschichte der Menschheit. Dass es mit der Gleichheit innerhalb eines Volkes anders gehen kann, beweist uns Südafrika.
  5. Die Abschaffung des ALG 2 hat vorrangig Ostdeutsche betroffen. Eine weitere Rücksetzung, die nicht kommuniziert wurde.
  6. Die Gleichberechtigung der Frauen war in der DDR weiterentwickelt als im Westen. Plötzlich muss-ten die Frauen ihre Rechte aufgeben und mussten sich dem niedrigerem Niveau des Westens anpas-sen. Hätte man bereits 1990 die positiven Regelungen für die Frauen und Mütter übernommen, dann hätten wir nicht Armut für Erziehende, dann hätten wir nicht den ungleichen Lohn.
  7. Die Ostdeutschen hatten die Lasten des 2. Weltkriegs vorrangig leisten müssen (moderne Maschi-nen mussten gegen Panzer und andere Waffen getauscht werden, 40 Jahre Ausgrenzung, 40 Jahre Umweltzerstörung, auch im Namen der westdeutschen Industrie, 40 Jahre Grenzgebiet, 28 Jahre Mauer.

Die Menschen im Osten erleben wie Geld für Bankenrettung, für Flüchtlinge, für Diktatoren und Autokraten da ist, wie Geld für Infrastruktur ausgegeben wird, aber keine Angleichung. Nicht die Rente der heutigen Jugend ist ein Problem, dieses kann leicht gelöst werden, wenn man das will, die Rente von heute ist ein Problem für die Ostdeutschen. Die Armut von heute muss zuerst gelöst werden. Die Politiker und Politikerinnen, der Journalismus haben den Ostdeutschen, nachdem sie ihre Identität verloren, das Selbstwertgefühl genommen. Das Selbstwertgefühl zu nehmen ist eine unbegreifliche Grausamkeit, eine seelische Folter. Und das 27 Jahre nach der deutschen Einheit, nicht der Deut-schen Einheit. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Hier wird sie tagtäglich mit Füßen getre-ten. Wie lange hält das eine Menschengruppe aus? In einem Sprichwort heißt es: Abschied ist die Geburt der Erinnerung. Wie wir damit umgehen, entscheidet jeder für sich selbst.

Den Ärger gegen Merkel kann ich verstehen. Man empfindet sie als das Fettauge auf der Suppe der Geschichte. Junge Menschen, die Demokratie nicht als das erleben, was sie sein kann, kann man keinen Vorwurf machen. Demokratie lebt vom Wort, vom gesprochenen Wort. Demokratie lebt vom Wechsel, lebt vom Wortwechsel, von der Einheit zwischen gesprochenem Wort und Handeln, vom Streit der Worte und Wettstreit der Worte und vom Kompromiss im Handeln. Demokratie lebt vom Personenwechsel. Demokratie braucht das „Du“. Demokratie braucht das „Ich“. Demokratie braucht das „Wir“, die Gemeinschaft, die Ideen, das Tun, die Zeit, von uns, mit uns, für uns. Und dieser Grundsatz ist in Gefahr. Die Politik entwickelte und entwickelt sich zu einem instabilen Isotop mit ganz kurzen Halbwertszeiten. Arno Gruen nennt diese politische Verhaltensweise „Verweigerung der Realität im Namen der Realität“.

Die Menschen erleben, dass der Journalismus zu Diskriminierungen schweigt. Ein Beispiel: Am 26. Juni 2017 habe ich Plakate entdeckt, die für die Bundeswehr werben sollen. „Mach, was wirklich zählt.“ Ich fühle mich diskriminiert, da ich 1. den Wehrdienst in der DDR nicht wahrgenommen habe, weder als Soldat, noch mit dem Spaten, und 2. dass ich „nur“ in der Alten- und Behindertenhilfe sowie in der Kinderhilfe tätig war. Das zählt nach der Aussage, die die Bundesregierung zu vertreten hat, nicht wirklich. Sie diskriminiert 99,5% der Menschen, die den Wohlstand für unsere Gesellschaft erarbeiten und die Regierung bezahlt, also ihre Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Da nenne ich die Dreherin und den Dreher, die Krankenschwester und den Krankenpfleger, die Professorin und den Professor, die Künstlerin und den Künstler, die Designerin und den Designer, die Richterin und den Richter, die Ärztin und den Arzt, die Studentin und den Studenten, die Forscherin und den Forscher, die Journalistin und den Journalisten, die Reinigungskräfte, die S-Bahn-Fahrerin und den S-Bahn-Fahrer, die Buchhalterin und den Buchhalter usw. (Die Reihenfolge stellt keine Priorität dar.) Ob die Politikerinnen und Politiker etwas machen, das nicht wirklich zählt, kann die Regierung wahrschein-lich besser einschätzen als ich. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie keine ungeteilte Zustimmung unter Ihren Kolleginnen und Kollegen erfahren. Denn das bedeutete, dass das Parlament und damit die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die Grundlage unserer Demokratie, überflüssig seien. Übrigens, zur G-20-Veranstaltung waren diese Plakate verschwunden, nachdem ich die Regierung angeschrieben hatte, und hinterher wieder da. Demokratie! Vergessen wir nicht, dass der (männli-che) Frieden auf vier (weiblichen) Säulen steht, nämlich der Freiheit, der Demokratie, der Solidari-tät und der Gerechtigkeit. Auch ein kulturelles Erbe.

Deshalb: Reden wir miteinander. Jeder muss eingeladen werden und eingeladen sein. Beginnen wir eine neue Epoche der Aufklärung durch Transparenz in Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität. Es gibt nur einen Ausweg aus dieser scheinbaren Ausweglosigkeit. Wir brauchen wieder einen runden Tisch, an dem die Regierung einer nationalen Einheit und politische Persönlichkeiten ohne Parteibuch nach Lösungswegen suchen. Das müssen keine gewählten Vertreter sein, sondern Menschen mit Weitblick und versöhnlichen Gedanken. Wenn die Regierung sich mit gerichtlich festgestellten Be-trügern an einen Tisch setzt, dann muss sie es auch mit unbescholtenen Bürgerinnen und Bürgern tun. Ich stünde auf alle Fälle in Demut zur Verfügung. Wenden wir die Exekution der Freiheit auf dem Scheiterhaufen der Sicherheit ab. – Ortwin Ringleb


Leserbrief zu „Ein zorniger Veränderer“ von Werner A. Perger

Ja, es ist wahr:“Heiner Geißler war immer in Bewegung, liebte den  Konflikt“ und „Geißlereien“, wie Willy Brandt den „zornigen Veränderer“  etikettierte. Aber als er am 9. März 1977 Generalsekretär der CDU wurde,  hatte ein anderer bereits die Modernisierung der Partei vorangetrieben:  Kurt Biedenkopf. 1973 hatte die CDU den Rücktritt des unglücklich  agierenden Vorsitzenden Rainer Barzel hinnehmen müssen. Helmut Kohl  wurde am 12. Juni 1973 Parteivorsitzender. Seine erste Amtshandlung war,  den wie er 1930 in Ludwigshafen geborenen alerten Professor und  ehemaligen Henkel-Manager Biedenkopf, der es gelernt hatte, die  Organisation eines großen Apparates excellent zu handhaben, zum  „General“ zu berufen. Biedenkopf machte aus der unter Barzel  verlotterten CDU eine moderne Partei, wollte aber nach vier Jahren nicht  weiter im Schatten eines Parteivorsitzenden bleiben, dem er sich  intellektuell weit überlegen fühlte. Kohl hatte aber einen ebenbürtigen  Nachfolger: Heiner Geißler, den er 1967 zusammen mit Bernhard Vogel in  Rheinland-Pfalz als Aufpasser im Kabinett Peter Altmeier durchgesetzt  hatte. Altmeier blieb pro forma im Amt bis Kohl ihn 1969 als  Ministerpräsident bis 1976 ablöste.  Heiner Geißler, 1965 in den Bundestag gewählt, wurde in Mainz Minister  für Soziales, Gesundheit und für Sport und hatte damit ein weites Feld  in der Gesellschaftspolitik, das er mit Leidenschaft und skrupellos  beackerte. Enttäuscht war er, als nicht er, sonderen Bernhard Vogel CDU  Landesvorsitzender wurde. Die CDU wurde für ihn Nebenschauplatz, bis er  im März 1977 beim Bundesparteitag in Düsseldorf zum Generalsekretär  avancierte.

In Rheinland-Pfalz hatten seine scharfe Zunge und sein forsches  Auftreten nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch Gewerkschafter  verärgert. Kritisierte die SPD ein sozialpolitisches Problem, konterte  er „was nützt die beste Sozialpolitik, wenn die Kosaken kommen“ und  freute sich spitzbübisch, wenn die Gegner sich erregt an die boshafte  Unterstellung erinnert fühlten, Sozialdemokraten seien „die fünfte  Kolonne Moskaus“.  Obwohl Mitglied in Hans Katzers und  Norbert Blüms schwarz-roten  Sozialausschüssen, prangerte Geißler die „Übermacht der Organisierten“  an, die er 1976 in seinem Buch „Die Neue Soziale Frage“ beschrieben hat.  In Mainz hatte er Arbeitskammern mit zwangsweiser Mitgliedschaft aller  Arbeitnehmer schaffen wollen, die „sich in allen sozial-, wirtschafts-  und berufspolitischen Fragen für die Interessen der Arbeitnehmer  einsetzen“. Gewerkschaften sollten überflüssig werden, die „Mitarbeit  des DGB“ solle neben katholischen Standesvereinen „nötig“ sein.  Der Jesuitenschüler Geißler, der einmal behauptet hat, den Gott der  katholischen Theologie gebe es nicht, kämpfte für ein „Schwarzes  Rheinland-Pfalz“. Der viel gelobte Erfinder der Sozialstationen duldete  diese Einrichtung nicht in Händen der Arbeiterwohlfahrt. Träger sollten  die katholische Caritas oder das Diakonische Werk der evangelischen  Kirche sein. Bei Kindergärten verfuhr er ähnlich. Als kritisiert wurde,  für Kindergärten gebe es in Rheinland-Pfalz weniger Geld als in Hessen  und NRW, zauberte er ein neues Gesetz wie ein Kaninchen aus dem Zylinder  und verkündete, „wir haben das erste Kindergartengesetz der  Bundesrepublik“. Das Gesetz legte fest, Gemeinden dürften nur Träger von  Kindergärten sein, wenn es „keine freien Träger“ gebe. Die fanden sich  immer in Kirchengemeinden.  Als Geißler Minister in Mainz wurde, verkündete er gerne, die CDU sei  „die beste aller Parteien“. Wer dieser idealen Partei in die Quere kam,  wurde wortgewaltig und mit rüden Methoden attakiert. Als Generalsekretär  behielt er diese Praxis bis zum Bremer Parteitag 1989 bei, als er  glaubte, im Interesse der Partei Kohl durch seinen alten Freund Lothar  Späth ersetzen zu müssen. Seinem Ansehen als Querdenker hat das bei  Freund und Feind nicht geschadet. – Theobald Groß


Leserbrief zu „Der Ersatzkaktus“ von Doris Dörrie

Wir bringen auch aus aller Welt Kakteen mit, meist nur Blätter mit etwas lokaler Erde, die dann bei uns zu Hause wurzeln und groß werden. Besonders aus Mexiko, wo wir seit 20 Jahren etwas zu Hause sind, kommen unsere stachligen Freunde. Zuletzt konnte ich auf einer Nord-Süd-Fahrt der Baja California viele Kakteen besichtigen, und ein kleienr Ableger reiste im Koffer mit zurück.  Es ist ja schade, dass der kleine Nopal bei Dir so traurig ist – es fehlen ihm bestimmt Hitze, Sonne, Mariachi und Artgenossen. Gemeinsam im Topf oder Gruppe – so unser gefühlte Erfahrung – tun sich die Kakteen leichter mit den 10.000 km Entfernung von Mexiko. Dass wir öfters mexikanische Musik hören, mexikanische Freunde uns besuchen und Tequila & Tortillas geniessen, bekommen die Kakteen wohl auch mit.  Gerne geben wir Dir einen (Ersatz) Kaktus ab,  der schon die klimatische und kulturelle Hürde genommen hat. Im November reise ich wieder nach Mexiko, und bringe neue botanische Immigranten mit. – Hans und Susanne Hess


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Wenn ich meine 3 Söhne (heute erwachsen) über Jahre beobachtet habe, dann ist das in der Tat aussergewöhnlich. Die wählen die Mutter Gottes und fertig. Fragen sie warum: die lässt uns arbeiten und lernen und nervt uns nicht mit dem sozialen Gehabe. Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich. Peng! Die Medien vermitteln täglich ein anderes Bild. Gezielt und unverdrossen zeigen sie Menschen, die das Beklagen.  Warum rückt das Land nicht nach links – fragen Sie. Die Medien möchten das gern. Die Wirklichkeit sieht anders aus, die von Ihnen ständig ignoriert wird. Damit will ich nicht sagen, daß es auch Jugendliche gibt, die das sehr wohl interessiert. Aber das ist eben die Minderheit. Und das ist auch gut so. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der zerbrechliche Riese“ von Tilman Jens

Ich vermag diesen doch recht gehässig geschriebenen Artikel nicht als eine objektive Schilderung zu erkennen. Offensichtlich hat der Autor die Niederlage vor dem LG Köln nicht  verwunden. – Dr. Hans Georg Rummel


Leserbrief zu „Zähes Geschöpf“ von Josef Joffe

Wie immer mit grossem Interesse habe ich Ihre Zeitgeist-Kolumne zum „Zaehen Geschoepf“ Nationalstaat gelesen. Und in Grossbritannien – wohin ich vom durch und durch europaeisch gesonnenen Luxemburg aus woechentlich einmal pendle  – hat der Nationalstaat ja in der Tat keineswegs kapituliert, ebensowenig in jenen Mittel-Osteuropaeischen und Mittel-Oestlichen Laendern, die regelmaessig die Krisen-Beitraege der „Zeit“ fuellen. Der Nationalstaat scheint mir damit aber eher die wahrscheinliche Ursache denn eine moegliche Loesung der grossen Probleme der Zeit zu sein und das Anwachsen der UN-Mitglieder eher ein Indiz dafuer zu, dass die zwischen dem Hundertjaehrigen und dem Zweiten Weltkrieg geschafffenen Nationalstaat in alte und neue Gliedstaaten „nach unten“ zerfallen und in neue zwischen- und ueberstaatliche Voelkerrechtssubekte „nach oben“ aufgehen, die zunaechst die problemloesenden Aufgaben und schlussendlich die sinnstiftenden Aufgaben der Nationalstaaten der Neuzeit uebernehmen, wie Jose Ortega y Gasset dies bis fuer sein Land noch heute sehr eindruecklich – und in Katalanien aktueller denn je – im „Aufstand der Massen“ beschrieben hat: was heute als nationale Gemeinschaft ebenso „natuerlich“ erscheint wie Spanien war dies zuvor als Aragon und wird dies in der naechsten Generation vielleicht als Europa sein, weil alleine dies die grossen sozio-oekonomischen Herausforderungen wie kuenstliche Intelligenz in der Arbeitswelt, Migration und „Generationengerechtigkeit“ zu loesen vermag, um nur einige der Themen der „Zeit“ dieser Woche aufzugreifen. Emmanuel Macron und seine grosse Vorwahl-Koalition hat mit Europa ebenso gewonnen wie die (wahrscheinliche) Grosse Koalition vor und nach der Wahl in Deutschland unter Angela Merkel und Martin Schulz.

Und vielleicht erklaert die Tatsache, dass Angela Merkel den auf die mittleren bis aelteren Waehler der  „Zweidrittel-Gesellschaft“ gemuenzten wirtschaftlichen Wohfuehl-Slogan von „uns ging es noch sie so gut“ mit dem auf die juengeren und junggeblieben Waehler gemuenzten ideellen Wohfuehl-Slogan von „wir schaffen das“ in der Fluechtlingskrise verband, dass die Jungwaehler in Deutschland – anders als in den angel-saechsischen Laendern mit ihren wirtschafts-und national-konservativen Regierungen – bisher nicht „nach Links ruecken“. In Grossbritannien wird Angela Merkels Entscheidung im Sommer 2015 zwar fuer die „Brexit“-Entscheidung mitverantwortlich gemacht – auch wenn dies eher auf eine verantwortungslose Berichterstattung zurueckzufuehren ist – aber es gab auch andere Reaktionen wie die von Baroness Neuberger, die sich aufgrund von Angela Merkels humanitaeren Entscheidung in der Fluechtlingsfrage entschloss, den ihr angebotenen deutschen Pass anzunehmen und ich kenne viele, die auch anfingen, stolz auf ihn zu sein. Meines Erachtens nach wird das materiell wie ideell ueberlebensfaehigste Geschoepf das einer gestufen Ordnung und Identiaet sein: als Buerger einer Heimatstadt und region, eines Landes, Europas und der Welt. – Daniel-Christian Mörler


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Inzwischen bin ich etwas allergisch gegenüber dieser immer wiederkehrenden Darstellung, die Ostdeutschen brüllten, wir seien ein Volk. Wer rief das wirklich? Oder wer inszenierte es hinein? Die Ostdeutschen riefen: Wir sind das Volk! Das war die Essenz einer Entwicklung, die ich selbst mit bezeugen kann. Ich bitte Sie darum, mit darauf zu achten, dass eine Wahrhaftigkeit im journalistischen Gebrauch der Zeithistorie erkennbar ist. – Dr. Renate Schubert


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

„Viele kleine blaue Tropfen verteilen sich über Deutschland! Sowas macht mich fröhlich.“

Und dieser herrliche Artikel von Greta Taubert macht MICH fröhlich !!!!! Er hat für mich alle Qualitäten eines guten, klugen Beitrages: Sehr unterhaltsam geschrieben, teilweise schön „subversiv“ (1.Abschnitt!!), das modische Trend Hinterherdackeln wird fein seziert. Dazu gibt’s köstliche Seitenhiebe gegen alle, die ALLES glauben, was die Werbung ihnen suggeriert, ohne mal in Ruhe nachzudenken und nachzuforschen, was sie da eigentlich tun. Soweit ich es beurteilen kann, finden sich darüber hinaus aber auch noch interessante Recherchen zu den Themen Wassergewinn und Firmengewinn und den unlauteren Profitmaximierungen von Nestle und Danone unter dem Mäntelchen des Gesundheitswahnes. Der letzte Teil des Artikels fasst recht gut noch mal wichtige Fakten dazu zusammen ohne moralisiernd zu wirken. Bis zum Schluss trotz allem lustig..Glänzender Journalismus – Glückwunsch und bitte mehr davon!!!! (Denn auf viele üble Schicki Micki Artikel im ZEIT Magazin könnte ich gut verzichten….Natürlich nicht auf Janosch, Martenstein und Elisabeth Raether).. – Leonore Pastewka


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Bei der Lektüre der Artikel tauchen Fragen auf: Ist die politische Unterscheidung zwischen rechts und links aus den Anfangszeiten unserer Demokratie heute noch zeitgemäß? Liefert die rein räumliche Verortung eine zuverlässige Definition und Abgrenzung politischer Inhalte? Führt „rechts-links“ nicht vielmehr zu einer riskanten Simplifizierung und Verwischung differenzierter politischer Standpunkte und Ziele? Wirkt diese unzulässige Vereinfachung am Ende beim Wähler nicht kontraproduktiv und fördert ein undemokratisches Freund-Feind-Denken?

Wir kennen rechte Parteien (CDU/CSU, FDP, AfD), die stellen Wirtschaft und Kapital in den Mittelpunkt ihrer Analysen und Strategien und betrachten den Bürger, vereinfacht, als deren Bestandteil. Wir haben die Linken und die Grünen, deren politische Verantwortung gilt primär dem Wohl des Bürgers. Wirtschaft und Kapital haben dort eher dienende Funktion. Diese grobe Unterscheidung zwischen den beiden Wertestandorten „Vertreter der Wirtschaft“ einerseits und „Humanisten“ andererseits reicht natürlich nicht. Sie müsste in den Namen und den Programmen der Parteien ausgebaut und verfeinert werden. Dann erst könnte der Bürger seine jeweilige Rolle in unserer demokratischen Gesellschaft und seine politische Heimat auf anregenden, anspruchsvollen und interessanteren Wegen finden, als ihm das heute möglich ist. – Anselm Stieber


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

Vielleicht ist die geringer als erwartete Zahl der Zuschriften zum Leseraufruf ein Zeichen dafür,  daß die  ZEIT den 15 -25jährigen eben auch zu wenig bietet, was ihnen politisch interessant sein könnte! – Ernst Haase


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

In den „weichen“ Fächern ist das mit den befristeten, schlecht bezahlten Arbeitsplätzen fast immer so gewesen. Ich selbst war etwa 10 Jahre meiner Berufstätigkeit beim Theater und dort sind unbefristete Festanstellungen (vielleicht mal von der Theaterkasse und der Verwaltung abgesehen) niemals je ein Thema gewesen. Wenn man das Theater anstrebt, muss man wissen, worauf man sich einlässt. Das war immer so, vermutlich schon vor 2000 Jahren. Vom Staat bezahlte Stellen sind nun mal nicht besonders gut dotiert, dafür darf man dann Dinge tun, die einen interessieren (Ausstellungsskuratorin z.B.). Viele junge Leute scheinen das ganz pragmatisch genau so zu sehen wie ich in den späten Achtzigern.

Davon abgesehen gibt es auch bei den weichen Fächern durchaus Möglichkeiten, Karriere zu machen und Geld zu verdienen, z.B. im Vertrieb. Und in anderen Bereichen, z.B. Hauswirtschaft, werden die Absolventen mit Kusshand genommen. Aus meiner Sicht hat sich also, was die Berufsaufnahme in den weichen Fächern betrifft, seit den 80ern nichts geändert. – Dr. Verena Streitenberg


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

Gratuliere zu Ihrer Formulierung  „Sie erkennen nicht, wo die Grenzen ihrer Kompetenz zu liegen“ bei Ki-Systemen. In künftigen Artikeln erwägen Sie bitte auch die Formulierung, dass maschinell lernende Systeme „nicht auf Unverhergesehenes trainiert“ werden können (das ist logisch unwiderlegbar), während der Mensch mit Unvorhergesehenem mit seinem assoziativ und logisch arbeitenden Hirn durchaus fertig wird. – Dr. Dirk Bade


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Langweilen Sie Ihre Leser mit Fußballern. Warum nur? Wenn ich mir die Leserbriefe angucke, dann regen sich ziemlich viele Leser darüber auf. Warum ärgern Sie die Leser. Das sollten Sie den Sportzeitungen überlassen. Der Fußball ist ohnehin kein Ballspiel mehr. Es geht nur noch darum den Gegner kampfunfähig zu machen. Die vielen Verletzten sind das Ergebnis. – Gunter Knauer


Leserbrief zur Grafik „Buntes auf dem Bildschirm“ von Matthias Schütte und Sven Stillich

Da quält ihr euch über viele Seiten und Artikel dieser Ausgabe mit der Frage herum, warum ihr (auch in Person unsrer lieben Politiker) euch aus dem Osten so angebrüllt fühlt. Schaut euch einfach eure Seite 44 an. Da habt ihr einen schönen „Überblick über die wichtigsten Unterhaltungsshows der letzten 50 Jahre“ in den „deutschen Wohnzimmern“ hinbekommen. Ganz in Siegermanier. Ihr merkt es glaube ich wirklich nicht. Jaja, es geht doch um das Farbfernsehen und das kam im Osten vermutlich bisschen später. – Eva Säuberlich


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Liebe Frau F., ihr Artikel hat etwas bei mir erzeugt, was mir beim langjährigen Lesen der „Zeit“ noch nie passiert ist. Meine Nackenhaare haben sich vor Entsetzen und Wut in Sekundenschnelle dauerhaft aufgerichtet. Ihr übles Vokabular, brüllende Ossis, Hochmut der Beleidigten bei Ossis , Nazis und Südstaatler gleichermaßen, dass Volk zeigt im Osten zeigt jetzt ein so hässliches Gesicht , ist eine solche dreckige Steilvorlage für die rechtsradikalen Gesinnungstäter, dass man ihnen ihren ostdeutschen Geburtsort Halle aberkennen müsste. Und sie haben garantiert während des G 8 Gipfel in HH einen schicken Urlaub gemacht, den ich Ihnen natürlich von Herzen gönne. Jedenfalls waren in HH wohl auch ein paar Wutbürger dabei. Waren aber wohl nich alle aus dem Osten mit dem hässlichen Gesicht. Schade, ne?? – Hartwig Pradel


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ebenso wie Herr Shaller kann auch ich natürlich nur für den Teil der   jungen Generation sprechen, der mir aus dem Familien- oder Freundeskreis   bekannt ist, doch dieser Teil ist hochpolitisch, gut informiert und denkt   vor allem global. Ein Großteil lebt vegetarisch – nicht nur aus Liebe zu den Tieren, sondern   weil sie sich der verhehrenden Folgen der Massentierhaltung für die   weltweite Agrarwirtschaft und das Klima bewusst sind. Sie bemühen sich,   ökologisch und fair produzierte Kleidung zu kaufen, soweit es der   Geldbeutel zulässt, und die Aussage, ein Auto nicht für ein   erstrebenswetes Gut zu halten, ist durchaus keine Schutzbehauptung, um die   eigene Bedürftigkeit zu verschleiern. Vor allem aber ist diesen jungen Menschen sehr bewusst, dass der deutsche   Wohlstand, mit dem sich Frau Merkel so gerne schmückt, auf Kosten anderer   Weltregionen erreicht wurde, die unter den Folgen des Klimawandels und   globaler wirtschaftlicher Verstrickungen erheblich mehr leiden, als es   deutsche Jungakademiker mit unbezahltem Praktikum tun. Angesichts dieses   Bewusstseins wütend nach einem eigenen Stück der fetten Torte zu schreien   – undenkbar! Sie würden sich eher zu Tode schämen. – Susanne Tammena


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

In Ihrem Artikel ist Ihnen ein Umrechnungsfehler unterlaufen: Eine  Billion Dollar wären 840 Milliarden (in nicht Millionen) Euro. Die  „billion“ im amerikanischen Sprachgebrauch entspräche dagegen einer  (deutschen) Milliarde. Es ist allerdings anzunehmen, dass der polnische  Innenminister den im Artikel angegebenen Euro-Betrag (840 Millionen)  fordert. Warum hat er eigentlich in Dollar gefordert und nicht in Euro? – Jörn Bullwinkel


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Ich muss Ihnen ein Kompliment für diesen Artikel aussprechen. Da er ein so klares Bild vom erschreckenden Zustand unserer Erde abbildet. Noch erschreckender finde ich allerdings, dass dieses immense Problem nicht einmal in einer satten und aufgeklärten Wohlstandsgesellschaft wie unserer klar thematisiert wird. Weder im Wahlkampf, geschweige denn im tatsächlichen politischen Handeln.

Den Menschen muss vermittelt werden, dass es ohne ein wenig Verzicht nicht zu schaffen ist.

Wenn meine Kinder mich mal fragen werden: warum habt ihr damals nichts getan als es noch möglich war? Dann habe ich keine Antwort. – Jakob Bröhan


Leserbrief zu „Hau ab!“ von M. Brost et al.

Furcht vor Fremdem (von DAS Fremde) ist ein in einer potenziell gefährlichen Welt ein tief sitzender Schutzreflex bis hin zu Vögeln und Fischen. Er hat eine wichtige Schutz-Funktion auch bei uns. Wenn Sie irgendwo neu hinziehen, ist eine ihrer ersten Maßnahmen, die nähere Umgebung zu erkunden, um die Fremdheit abzubauen. Im unbekannten fremden Wald gehen Sie lieber dort, wo schon andere gegangen sind. Es gibt endlos Beispiele dieser Art. In Westdeutschland hatte man Jahrzehnte Zeit, sich an Fremde zu gewöhnen, doch auch in Stuttgart gab es Spannungen, als in den 60er Jahren der Ausländeranteil auf über 20% stieg. Inzwischen nimmt man Italiener und Spanier nicht mehr als fremd wahr, ein Erfolg der EU-Integration. Aber es braucht Zeit. So lange sich immer noch Leute wundern, dass dort, wo das Unbekannte unbekannt ist, mehr Angst herrscht als dort, wo man es schon kennt und es vertraut ist, ist nichts begriffen. – Andreas Elepfandt


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel. Als theoretischer Neurowissenschaftler beschäftige ich mich unter anderem mit (künstlicher) Intelligenz und beobachte den seit einiger Zeit kursierenden Hype sowie die damit einhergehende Panik. Leider gehen im Diskurs bisher die tatsächlichen Möglichkeiten und Beschränkungen der Technik neben ebenjenem Duo aus Hype und Panik weitgehend unter. Schön, dass Sie durch Recherche und Auswahl tatsächlicher Experten, deren  Ziel es nicht ist ihren eigenen wirtschaftlichen Mythos zu fördern (Musk) oder eher philosophisch motivierte Utopien zu spinnen (Hawking), ein realistisches Gegengewicht geboten haben. Hoffentlich gelingt es mit solchen Artikeln das öffentliche Bewusstsein auf die tatsächlichen Herausforderungen von Techniken künstlicher Inteligenz zu lenken. – Simon Renner


Leserbrief zu „Unter Strom“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Zum Frühstück lese ich oft das Magazin, obwohl mir der Inhalt immer weniger gefällt. Ihr Autor lebt wahrscheinlich in Berlin. In Düsseldorf tragen junge Menschen zuhauf einen Hut  Und die Story vom Zahnarzt kann ich gut verstehen. Er hätte zu meinem Zahnarzt besser Zahnärztin gehen sollen. Da wäre ihm das alles nicht passiert. Und er wäre wieder gerne zur Zahnärztin gegangen. Vor allen Dingen auch deswegen, weil sie verdammt gut aussieht……. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Sehr interessant und lesenswert, auch wenn ich nicht in allen Punkten zustimme. Die Quote der Studienanfänger ist von 1980 bis 2015 von 19,5% auf 58,2 % gestiegen. Die Diskussion über gefühlte und tatsächliche Wertigkeit des Studiums erscheint mir überfällig.  Vergleiche ich den relativen Wohlstand meiner Jugend mit heute (Anzahl Autos, Reisen, Gadgets) ist die Entwicklung durchaus proportional. Die gewählten Anfangsbruttoeinkommen von 130.000 € (p.a.) und 1.800 € (p.m.) halte ich nach meinen Erfahrungen für sehr extreme und zu bedauernde Einzelfälle. Die Sozialleistungsquote stieg von 24,1% (1990) auf 29,2% (2015) ein Prinzip von steigender Eigenverantwortung kann ich daraus nicht ablesen. Die großen Themen (z. B. Gerechtigkeit, Ressourcen, Jugendarbeitslosigkeit) sehe ich nicht durch linke oder rechte Programme lösbar – vielleicht ist die heutige Jugend nicht nur „reicher“, sondern auch realistischer in ihrer Einstellung. – Andreas Klingebiel

Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Die Situationsbeschreibung über die, die „am Unrecht der DDR beteiligt  gewesen“ sind  (vulgo: Stasi), die dann „über den eigenen Schuldanteil  nicht wirklich öffentlich reden“ konnten, weil man „ständig  angeschrien…, moralisch herabgesetzt, wenn nicht vernichtet wurde“  lässt sich 1:1 auf SS-Leute nach 1945 übertragen. Das sagt einiges über  die Berechtigung dieser Mitleidsfloskel („Im Westen macht man sich keine  Vorstellung davon, wie es war …“). Die Summe dieser ZEIT-Ausgabe frei  nach Ihrem Star-Humoristen Dausend: „Wahlhilfe first. Denken second.“. – Rolf Platho


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Unbezahlte Praktika und auf Dauer angelegte, schlecht bezahlte, befristete Jobs sind unschöne Auswüchse, die korrigiert werden müssen. Darin stimme ich mit dem Autor überein. Allerdings kann ich die Klagen über die Lasten und Ungerechtigkeiten, welche die Generation Y zu tragen hätte, nicht nachvollziehen. Keine Generation vorher hatte vergleichbare Möglichkeiten während Schule, Ausbildung und Studium. Natürliche gibt es genügend Einzelfälle, an denen Missstände aufgezeigt werden können. Schlecht bezahlte, unangenehme Nebenjobs während Schule und Studium gehören m.E. allerdings nicht dazu. Die gab es schon vor 40 Jahren (z.B. 8h täglich im Wasser stehend Bierfässer reinigen). Das Handwerk hat übrigens Schwierigkeiten seine Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze mit qualifiziertem Personal zu besetzen. In der Regel nicht üppig aber sehr ordentlich entlohnt. Vielleicht ist es ja für den oder die ein oder andere der  Generation Z eine Option, statt Mediendesign oder Event-Management, eine Ausbildung zum Elektriker, Schreiner, Spengler, Heizungsbauer oder Lüftungsfachmann/frau in Erwägung zu ziehen. Nicht ganz so hipp und sexy, aber gefragt und ordentlich bezahlt.  PS: Links zu sein ist – und war schon immer – ein Privileg der Jugend. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Museum“

Zunächst möchte ich Ihnen zu der Beilage „Museum“ gratulieren. Es ist wunderbar, dass die Museen in gesonderten Artikeln gewürdigt werden. Leider kommen die Museen der Naturwissenschaften und Technik nicht vor. Auch diese gehören zur Kultur. Wir als Freundes- und Förderkreis des Deutschen Museums sehen es als unsere Aufgabe an, Menschen jeglichen Alters für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Es wäre sehr schön, wenn die ZEIT auch über das Deutsche Museum und andere Technische Museen berichten würde. Kunst und Technik schließen sich übrigens auch nicht aus. Der Freundeskreis der Alten Pinakothek, der Pinakothek der Moderne und unser Freundeskreis werden unter dem Motto „Kunst trifft Technik – Technik trifft Kunst“ gemeinsame Veranstaltungen für ihre Mitglieder durchführen, die erste findet am 14. Dezember 2017 statt. Ich hoffe, dass ich Ihr Interesse für das Deutsche Museum damit geweckt habe. – Dr. Sabine Rojahn


 

Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Der Autor hat natürlich mehr als recht, wenn er moniert, daß unser „System“ auf Kosten der Jungen funktioniert. Wenn seine sicher qualifizierten Recherchen ergeben haben, die Jungen (in Deutschland) kommen gar nicht auf die Idee, staatliche Eingriffe und Umverteilung zu fordern, so ist dieses Faktum höchst bedauerlich. Wenn Grosseltern, die möglicherweise nicht im Überfluß gelebt haben, ihren Enkeln Hilfe im Studium geben, dann ist dieses für das Individium Enkel oder Enkelin zwar angenehm aber grundsätzlich abzulehnen, da hierfür prinzipiell der Sozialstaat aufzukommen hat. Steuern, von wem auch immer, werden ja zur Genüge eingenommen. Wenn man nach einem Wunschstudium vom Staat keinen garantierten Arbeitsplatz erhält, so ist dieses etwas, was unserem „System“anzulasten und grundsätzlich abzulehnen ist. Ein Graphikdesign- Master fühlt sich vom Staat verständlicherweise hintergangen, der ihn  mit ausgeübtem zeitlichen Druck an einem vergnüglichen Studentenleben, wie im neunzehnten Jahrhundert üblich, gehindert hat. Die Herausgeber der ZEIT sollten überlegen, ob sich ein solches journalistisches Talent nicht sofort für die Chefredaktion empfiehlt. – Klaus Grasenick


Leserbrief zu „Sie wollen doch nur üben“ von Alice Bota

Ihr Artikel, mit dem Sie ja auch dem westlichen Lager seine Politik  verdeutlichen möchten, finde ich wichtig. Vielleicht, um zu deeskalieren  und eine notwendige Brücke zwischen Ost-West zu bauen, können Ihre  Kollegen, die in Deutschland arbeiten, über die Gedanken von „Pluraler  Frieden – Leitgedanken zu einer neuen Russlandpolitik“ HSFK-Report  2/2017 berichten bzw. ein Interview mit den Autoren Dembinski und  Spanger führen, auch wenn es seitens etlicher Autoren starke  Gegenpositionen gibt, die in der Zeitschrift Osteuropa artikuliert  wurden  – alle Artikel siehe  https://www.zeitschrift-osteuropa.de/themen/internationale-beziehungen/aussen-und-sicherheitspolitik/Walther Moser


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Ich danke Frau Taubert, dass sie ‚das Fass zum Thema Wassertrinken‘ geöffnet hat!  Endlich mal jemand – ausser mir – der sich Gedanken über den Wassertrinkwahn macht. Mich beschäftigt dieses Thema seit 1999. Am Grand Canyon entdeckte ich eine Reisegruppe, die vom Bus bis zum Rim max. 100 m zurücklegen musste. Jeder hatte eine 0,5 l Flasche mit Wasser in der Hand. Es war keine Gruppe, die zu einer Wanderung aufbrach. Inzwischen ist der Wassertrinkwahn längst zu uns hinübergeschwappt. Meine jugendliche Skepsis hat mich auch mit 62 Jahren noch nicht verlassen. Vor allem erinnere ich, dass während meines Sportstudiums vor mehr als 40 Jahren niemand mit einer Flasche Wasser zum Sport kam.

Meine Sommerferien in der Schulzeit habe ich regelmäßig auf dem Bauernhof meiner Großeltern verbracht. Zur Feldarbeit und Getreideernte wurden keine Getränke mitgenommen. Ist es nicht erstaunlich, dass die Menschen früher ohne Zufuhr von Flüssigkeit zwischen den Mahlzeiten keinen Schaden genommen haben?! Mein Großvater ist 89 Jahre alt geworden und hat bis fast zu seinem Ende noch leichte Arbeiten auf dem Hof verrichtet. Warum wundern sich meine massiv Wasser trinkenden Zeitgenossen nicht darüber, dass man früher ohne diesen Mineralwasserhype überleben konnte? Es kann doch nicht sein, dass die meisten Menschen offensichtlich völlig unkritisch der unterschiedlichen Werbung gegenüber stehen. Natürlich braucht unser Körper Flüssigkeit, und die errechneten 2 l/Tag decken wir zur Hälfte bereits durch das, was wir essen, denn ausser in Zwieback und Knäckebrot ist in fast allen Speisen Wasser enthalten. Falls ich Wasser trinke, ist es unser gutes Leitungswasser. – Brigitte Ganschow


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

Roboter, Software, KI können kein Bewusstsein entwickeln? Dann beantworten Sie sich bitte dazu zwei Fragen:

  1. Was spricht dagegen, dass eine Maschine, die genauso komplex wie das menschliche Gehirn ist, Bewusstsein entwickelt?
  2. Würde ein Ausserirdischer, der ein isoliertes menschliches Gehirn untersucht, folgern, dass ein Lebewesen damit zwangsläufig Bewusstsein entwickelt?

Komplexe Systeme entwickeln immanente Eigenschaften, das heißt Eigenschaften, die sich nicht aus dem System direkt folgern lassen. Ich vermute, ab einem bestimmten Grad von Komplexität entwickeln alle Systeme Bewusstsein. – Uwe Dieckmann


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Der Aufmacher von Evelyn Finger reiht sich meines Erachtens prominent in die Reihe ossiphober Artikel der ZEIT ein. Die Geschichtsvergessenheit und Arroganz des Textes sind haarsträubend. Der Untertitel diffamiert die Ossis pauschal als Feinde der Freiheit. Unglaublich! Die Menschen im Osten haben ihre Befreiung aus eigener Kraft vollbracht. Und dass sie damals das Unwort „Volk“ gebrauchten, war kein Hauch von rechtslastig, denn es sei erinnert: nur in der BRD gab es Nazirichter, Wehrmachtstradition und eine NPD. Die braune Soße schwappte von West nach Ost.  Auch wurde „Wir sind das Volk“ nicht „gebrüllt“, sondern es war der gewaltfreie Ruf nach Veränderung und Freiheit.

Die Wessis hatten zu diesem Zeitpunkt die Einheit Deutschlands längst verkauft und sich aufs Geschäftemachen mit der Clique Honecker und Schalck verlegt. Als die Ossis die friedliche Wende erreicht hatten, fielen die Gierigen über den Osten her und haben die Problemsituation geschaffen, die der Autorin nun offenbar so unangenehm ist. Falls die Autorin Interesse an den Ursachen verspürt, empfehle ich als Lektüre die Studie der Uni Leipzig „Wer beherrscht den Osten?“ Letztendlich sollte man auch unterscheiden zwischen Wut und Hass. Trillerpfeifen bei Wahlkampfgedöns sind friedlicher Protest. Die Ossis haben Grund zur Wut und die Geschichtsbücher werden belegen – zu Recht! Ob auch rechtzeitig für eine Wende zum Besseren, wird sich zeigen. – Detlef Ulrich


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Wenngleich sich Caspar Shaller in o. g. Artikel, auch entlang eigener und als stellvertretend betrachteter biographischer Gegebenheiten argumentierend, u. a. der Gefahr einer Betroffenheitsverengung und Selbstbespiegelung aussetzt, ist ihm eine wichtige und überzeugende Aufklärungsleistung darüber gelungen, welche gesellschaftlichen/ ideologischen Konformitätsfaktoren – vorliegend insbesondere die Jugend-bezogene – Revitalisierung und (allgemein) Perpetuierung kapitalistischer Ausbeutungsstrukturen befördern.

Es mag die vorurteilsbeladene Ignoranz eines 40-Jährigen aus mir sprechen, aber ich habe mich selten mit einem solcherart (auch bzgl. Gegenstandsauswahl) klaren Blick für Relevanz und argumentative Umsicht aus der Feder eines Endzwanzigers konfrontiert gesehen. Bleibt mir, auf einen – gegen den hier beschriebenen Trend bewahrten – klügeren und würdigeren Umgang der ZEIT-Verantwortlichen mit ernstzunehmenden Nachwuchsautoren zu hoffen. – Martin Ditz