Netzfilmblog

Es geht auch ohne Fernsehen

Amazon streamt bald auch (alte) HBO-Serien

Von 23. April 2014 um 19:03 Uhr

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Ältere Serien und Filme des amerikanischen Kabelsenders HBO gibt es künftig auch im Angebot von Amazons Prime Instant Video. Was wenig spektakulär klingt, ist tatsächlich ein Novum. Es ist das erste Mal, dass HBO seine Inhalte einem US-Streaming-Portal lizensiert.

Denn während es in Deutschland etwa The Wire oder Boardwalk Empire bereits auf Watchever gibt, waren HBO-Serien in den USA bis dato auf die eigenen Angebote des Kabelsenders beschränkt: Mit HBO GO unterhält HBO seit 2010 einen eigenen Video-on-Demand-Service, der allerdings, wie etwa auch das deutsche Sky Go, eine Kabel- und HBO-Mitgliedschaft voraussetzt.

Wie beide Unternehmen am Mittwoch verkündeten, wird Amazon mit seinem Videoservice exklusiv die Rechte an Serien wie den Sopranos oder True Blood bekommen. Neuere Serien wie Girls soll es dagegen erst nach einem dreijährigen Fenster geben, populäre Serien wie Game of Thrones werden gar nicht erwähnt. Etwas Exklusivität hält sich HBO also offen.

Dennoch öffnet sich HBO damit einem Markt, von dem immer noch nicht klar ist, ob er tatsächlich in Konkurrenz zu den Kabelanbietern steht. Viele Experten glauben, dass sich Kabelsender wie HBO und On-Demand-Portale wie Netflix vielmehr ergänzen, was die relativ beständigen Mitgliederzahlen von HBO bestätigt.

Der Gewinner heißt Amazon

Gleichzeitig aber erkennt HBO offenbar, dass das sogenannte “Cord-Cutting”, die Abkehr der Zuschauer vom klassischen Fernsehen hin zu Onlineportalen, durchaus real ist. Erst gestern wurde berichtet, dass die Anzahl der Menschen in den USA, die dem klassischen Fernsehen den Rücken gekehrt haben, in den vergangenen vier Jahren um 44 Prozent auf 7,6 Millionen Haushalte gewachsen ist.

Der Gewinner heißt natürlich Amazon – auch wenn der Deal mit Sicherheit nicht günstig für den Konzern ist. Doch gerade im Duell mit dem Branchenführer Netflix setzt Amazon damit ein großes Zeichen. Netflix hatte in dieser Woche einmal mehr neue Rekordzahlen vermeldet, und gleichzeitig die Preise für Neukunden angehoben. Amazon holt zwar langsam auf und streamt inzwischen mehr als Hulu oder Apple, ist aber immer noch weit entfernt von den Zahlen Netflixs.

Auch für die deutschen Nutzer könnte der neue Deal möglicherweise Folgen haben. Bis jetzt gibt es nämlich bei dem erst kürzlich gestarteten deutschen Ableger von Prime Instant Video noch keine HBO-Inhalte. Sollte die Abmachung international gelten, könnte sich das bald ändern. Für den spekulierten deutschen Start von Netflix im Herbst sind das dagegen schlechte Nachrichten: Wer gehofft hatte, dort dann endlich die HBO-Klassiker zu bekommen, dürfte wohl enttäuscht werden.

Kategorien: Netzfilm

The Tower of David: Der höchste Slum der Welt

Von um 15:00 Uhr

In der dritten Staffel der US-Serie Homeland landet die Hauptfigur Nicholas Brody nach einer Flucht aus den Vereinigten Staaten in einem heruntergekommenen Hochhaus in Caracas. Drogenbanden regieren das Gebäude, bei dem es sich offenbar um einen Slum handelt. Was ich nicht wusste: Diesen Ort in Venezuelas Hauptstadt gibt es tatsächlich.

Der El Torre de David, der Turm Davids, ist ein 45-geschössiges Gebäude in Caracas, das im Rahmen der Bankenkrise in den Neunziger Jahren nicht fertiggestellt wurde, und seit nunmehr 20 Jahren leer steht. Nun ja, jedenfalls offiziell. Denn natürlich haben die Bewohner der Stadt das Hochhaus längst eingenommen – es ist der wohl “höchste” Slum der Welt.

Vocativ hat den Ort vergangenes Jahr besucht, auf den Seiten des Guardian und TED gibt es außerdem Fotostrecken.

(via)

Kategorien: Dokumentation

Joss Whedon zeigt neuen Film auf Vimeo

Von um 13:11 Uhr

Wir ich schon zu Beginn des Jahres geschrieben hatte, sind alternative Vertriebswege im Netz auch für immer mehr bekannte Filmemacher im Kommen. Auch Joss Whedon (Buffy, Firefly, The Cabin in the Woods) versucht es mit seinem neusten Film diesmal auch abseits der Kinoleinwand: In Your Eyes debütierte erst vor wenigen Tagen auf dem Tribeca-Filmfestival, und ist nun bereits für eine 5$-Leihgebühr bei Vimeo on Demand verfügbar.

Wie häufig in Whedons Filmen geht es auch hier um übernatürliche Phänomene, um die seltsam-spirituelle Verbindung einer reichen Frau an der US-Okstküste und einem früheren Häftling in New Mexico. Eine “paranormale Romcom” nennt io9 das Ganze, und auch wenn die Autorin nicht ganz so überzeugt von dem Film ist, ist Vimeo mit Whedon in jedem Fall ein Clou gelungen. Interessant dürfte sein, wie viele Menschen den Film am Ende tatsächlich “kaufen”.

Kategorien: Netzfilm

25 Jahre Game Boy

Von 21. April 2014 um 16:57 Uhr

Heute vor 25 Jahren kam ein nicht unbeliebtes kleines Gerät namens Game Boy heraus. Sowohl für die Entwickler, als auch für die Spieler bedeutete die kleine portable Spielkonsole einen Umbruch: Videospiele waren nicht mehr auf das Wohnzimmer beschränkt, sondern konnten plötzlich überall erlebt werden. Passend zum Jubiläum empfiehlt sich die kleine Dokumentation History of the Game Boy aus dem Hause IGN. Die wurde zwar schon zum 20. Geburtstag erstellt, hat aber natürlich nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Game on!

Kategorien: Dokumentation

Netzfilm der Woche: “Lila”

Von 20. April 2014 um 09:34 Uhr

Carlos Lascano ist ein Romantiker. Wenn der gebürtige Argentinier nicht gerade Werbespots für bekannte Namen wie Amnesty International oder Coca Cola dreht, widmet er sich den wirklich wichtigen Themen: Der Liebe, der Familie und vor allem der Kraft der Fantasie. Darum ging es in seinem Kurzfilm A Short Love Story in Stop Motion aus dem Jahr 2008, sowie in A Shadow of Blue, den wir vor knapp zwei Jahren in diesem Blog bereits vorgestellt haben.

Lila heißt der neuste und abschließende Teil einer losen Trilogie. Lila heißt auch die Hauptfigur; eine junge Frau, die die Realität nicht einfach so akzeptieren möchte. Mit Block und Buntstiften verschönert sie sich ihren Alltag einfach selbst – den fragenden Blicken ihrer Mitmenschen zum Trotz.

Wie bereits in A Shadow of Blue, experimentiert Lascano in Lila mit verschiedenen Techniken: Lilas Vorstellungen und Träume springen von ihrem Zeichenblock in Form von Animationen in die echte Welt über. Je länger der Film dauert, desto ausgefeilter und umfassender werden sie, Realität und Fantasie verschmelzen.

Gefilmt in sonnigen, farbenfrohen Bildern und hinterlegt mit einem emotionalen Soundtrack mit opulenten Streichern, ist es leicht, Lila als kitschig abzustempeln. Doch im Verlauf der acht Minuten wird deutlich, dass hinter der träumerischen Fassade der Protagonistin ein persönlicher Verlust steht. Lila zeigt einen Weg, damit umzugehen: “Die Art, wie wir die Welt wahrnehmen, ist für mich das Ergebnis unserer Vorstellungskraft, mit dessen Hilfe kleine Details das Gesamtbild verändern können”, sagt Lascano.

Kategorien: Netzfilm der Woche

Das Leben eines Sammlers: “Music Man Murray”

Von 19. April 2014 um 18:16 Uhr

Heute ist Record Store Day, an dem traditionell der gute alte Plattenladen und natürlich die Musik gefeiert wird. Passend dazu, wenn auch schon etwas älter, ist die Dokumentation Music Man Murray von Richard Parks. Sie erzählt die Geschichte des 90-jährigen Murray Gershenz, der sein Leben lang Platten sammelte, und seit den Sechziger Jahren einen Laden in Hollywood betrieb.

Murrays Sammlung bezifferte sich am Ende auf rund 300.000 Platten mit einem geschätzten Wert von 1,5 Millionen US-Dollar. Doch als sich Murray seinem letzten Lebensabschnitt nähert, muss auch seine geliebte Sammlung einen neuen Besitzer finden – leichter gesagt, als getan. Music Man Murray gibt einen wunderbaren Einblick in das Leben eines Musikliebhabers und ist gleichzeitig eine Ode an die Kraft der Musik. Vor allem lebt in ihr die Leidenschaft von Murray Gershenz weiter: Er verstarb vergangenen Sommer im Alter von 91 Jahren.

Kategorien: Dokumentation, Musik

Was ist eigentlich die “Vernetzte Öffentlichkeit”?

Von 18. April 2014 um 17:53 Uhr

…fragen Mario Sixtus und der Grafiker Alexander Lehmann, die im vergangenen Sommer bereits ein Erklärvideo zu den Plänen der Drosselkom erstellt hatten. Die weiteren Fragen, die aufgegriffen werden: Wie gehen wir mit den neuen Informationen um, was ist eigentlich eine Filterbubble, und welche Rolle spielen die großen Unternehmen wie Facebook und Google oder die klassischen Nachrichtenmedien in diesem System?

Das Video ist in Kooperation mit der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen entstanden, die auch eine passende Broschüre zum Thema herausgibt.

Kategorien: Animation

Leben in der Geisterstadt: “Pablo’s Villa”

Von um 12:34 Uhr

Ab den Zwanziger Jahren zog es sie an, die Reichen und Schönen Argentiniens: Villa Epecuén, ein kleines Städtchen am salzhaltigen Lago Epecuén war ein Heil- und Baderessort, und gleichzeitig ein gefragter Touristenort. Jedenfalls bis zum 10. November 1985, als die Deiche brachen und Villa Epecuén überflutet wurde. Das Wasser blieb, die Einwohner und die Touristen gingen.

Nur einer verharrte in der Nähe seines Geburtsortes: Pablo Novak. Seit fast 30 Jahren ist er der einzige Bewohner von Villa Epecuén. Und nachdem sich seit 2008 das Wasser zurückzieht, lebt er wieder direkt in der Geisterstadt. Alleine mit einer Handvoll Hunden, aber immer noch mit der Erinnerung an die Vergangenheit; an die Musik und die Menschen aus den weitentfernten Städten Argentiniens.

Die beiden australischen Filmemacher Matthew Salleh und Rose Tucker haben Pablo für die Kurzdoku Pablo’s Villa porträtiert.

(via)

Kategorien: Dokumentation