Es geht auch ohne Fernsehen

Autoren Archiv von Eike Kühl

Ready to LOL: Die YouTube Comedy Week beginnt

Von 19. Mai 2013 um 17:08 Uhr

YouTube ohne Comedy? Unvorstellbar. Die erfolgreichsten Kanäle, ob in den USA oder Deutschland, sind vor allem für die Lachmuskeln ausgelegt und längst hat sich ein eigenes, sehr junges und sehr netzaffines Comedy-Genre etabliert, das man problemlos als “YouTube-Comedy” bezeichnen kann. Mit Protagonisten, die immer häufiger auch jenseits der Internets für Lacher sorgen, und die selbst gestandenen TV-Comedians mittlerweile im Netz den nötigen Schub geben.

In der kommenden Woche feiert YouTube sich und seine Comedy-Macher. Vom 19. bis zum 25. Mai findet die YouTube Comedy Week statt. Los geht es heute Nacht um 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit einer zweistündigen Liveshow. Zu den Gästen zählen unter anderem Vince Vaughn, Ricky Gervais, Conan O’Brian, Ben Stiller und Sarah Silverman. Bis zum nächsten Samstag gibt es jeden Abend eine Show: Geplant sind unter anderem Shows mit dem Fokus auf Musik, Improvisationscomedy und Stand-Up. Alle Inhalte sind natürlich nach der Ausstrahlung auf dem Spotlight-Kanal archiviert.

Die Comedy Week ist der erste Versuch der Plattform, über mehrere Tage hinweg ein Sendeschema zu liefern – und damit der nächste Angriff auf das klassische Fernsehen. Ist es bei YouTube in der Regel immer noch so, dass die Nutzer sich die Inhalte durch Empfehlungen oder selbst zusammensuchen müssen, bekommen sie in dieser Woche jeden Abend ein vorgegebenes Programm. Anklicken und laufen lassen, das ist der Plan. Dass YouTube längst auch Live-Streaming kann, haben sie spätestens mit dem Sprung Felix Baumgartners bewiesen, den acht Millionen Menschen gleichzeitig auf YouTube alleine verfolgten.

Synergie-Effekte gewünscht

Gleichzeitig geht es natürlich um das Vorstellen der zahlreichen Talente, die inzwischen ihr Geld auf der Plattform verdienen. Die beiden Jungs von Smosh etwa, die mit fast 10 Millionen Abonnenten zurzeit den erfolgreichsten Kanal der Welt betreiben. Oder die Macher von Epic Rap Battles of History, die inzwischen selbst Rapper wie Snoop Dogg Lion als Gäste begrüßen konnten. Und auch die Satire-Seite The Onion hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker auf Videoformate konzentriert.

Die Comedy Week soll Synergien zwischen neuen, talentierten Künstlern und gestandenen Comedians schaffen. Das klingt logisch, denn zwischen den beiden Gruppen besteht noch immer ein Graben: YouTube-Künstler haben es schwer, in traditionellen Medien Fuß zu fassen. Für TV-Künstler ist dagegen der Weg ins Netz nicht immer leicht, oft mangelt es an dem direkten Austausch mit der Community. Originalkanäle wie der von Sarah Silverman, Michael Cera und Reggie Watts gegründete Jash suchen deshalb bewusst den Kontakt zu bekannten YouTubern – und genießen die Freiheit im Netz: “Niemand muss ein Scripts absegnen, niemand braucht überhaupt ein Script”, sagte Silverman auf dem diesjährigen SXSW-Festival.

Neben den genannten Künstlern treten im Verlauf der Woche noch Ryan HigaThe Fine BrosThe Gregory BrothersCollegeHumorDaily GraceEpic Meal Time und Tobuscus auf. Tubefilter hat eine ausführliche Liste.

Zusätzlich dürfen die Zuschauer aber auch zahlreiche Videos von Machern erreichen, die nicht offiziell an dem Programm teilnehmen. Und wer weiß: Vielleicht sind ja auch deutsche YouTube-Comedians dabei.

Kategorien: Netzfilm

Netzfilm der Woche: “Crowded Healing”

Von um 12:04 Uhr

Die philippinische Hauptstadt Manila und ihre Metropolregion zählen zu den am dichtesten besiedelten Orten der Erde. Bis zu 43.000 Menschen teilen sich hier einen Quadratkilometer Stadtgebiet. Das führt dazu, dass selbst auf Friedhöfen neue Armensiedlungen entstehen. Nun haben die Behörden darauf reagiert: Nach dem jüngsten Anstieg der Kriminalität wurden viele Familien von den Friedhöfen vertrieben.

Der Fotograf Manuel Domes, der zurzeit für eine NGO auf den Philippinen arbeitet, hat Menschen besucht, die ihr “Zuhause” auf dem Friedhof verloren haben. Sie schlagen sich in Aushilfsjobs oder auf Müllhalden durch, wo der stechende Geruch und Rauch die Lungen schädigt. Da sie sich keine medizinische Hilfe leisten können, legen sie ihr Schicksal in die Hände sogenannter Geisterheiler.

An drei verschiedenen Schauplätzen in der Stadt, die doch alle miteinander verbunden sind, blickt Domes auf die enge Verbindung von Armut und Spiritualität. Crowded Healing ist das Abschlussprojekt seines Fotojournalismus-Studiums an der Ateneo de Manila University.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie mit den Personen im Film in Kontakt getreten?

Manuel Domes: Mehrere NGOs vor Ort haben mir bei der Recherche und Vermittlung sehr geholfen. Auf die Familie in Makati bin ich zufällig gestoßen, als ich dort in der Nähe des Friedhofs unterwegs war und mit einigen Leuten auf der Straße gesprochen habe.

ZEIT ONLINE: Sie ließen sich einfach filmen?

Domes: Generell haben die Leute hier wenige Berührungsängste gegenüber Fremden mit Kameras. Allerdings ist es in einigen Gegenden aus Sicherheitsgründen wichtig, vorher vertrauenswürdige Kontakte herzustellen.

ZEIT ONLINE: Im Film heißt es, dass die Familien auf dem Friedhof im Vergleich zum Leben “draußen” relativ glücklich waren. Was hat sich für sie geändert nach der Räumung?

Domes: Auf dem Friedhof konnten die Familien recht einfach kostenlos Wasser und Strom beziehen, was “draußen” schwierig oder zu teuer ist. Auch die Übernachtungsmöglichkeiten sind auf den Gräbern des Friedhofs besser und sicherer als auf der Straße. Die meisten Familien hatten ihre Einkommensmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Friedhofs, sodass sie nach der Räumung nun für den Weg zu ihrer Arbeit bezahlen müssen. Dies können sich die meisten kaum leisten und schlafen deshalb häufig in der Nähe des Friedhofs auf der Straße.

ZEIT ONLINE: Sie lassen die Beteiligten im Film ohne Autor-Kommentar und Einschätzung erzählen, selbst bei Themen, die uns Europäern wohl als “spirituell” vorkommen. Wieso haben Sie sich für diesen Ansatz entschieden?

Domes: Die Idee des Films war, eine Art Panorama verschiedener Gesichter und Geschichten von Überbevölkerung, öffentlicher Gesundheit und Spiritualität zu entwerfen. Ich wollte eher Fragen aufwerfen und Diskussionen anregen, statt zu versuchen, Antworten und Definitionen zu liefern. Deshalb habe ich mich dafür entschieden auf eine Kommentierung der Geschichten zu verzichten. Die Personengruppen, die ich im Film zeige, kommen im öffentlichen Diskurs in den Philippinen kaum zur Sprache. Oder sie werden von Interessengruppen und Politikern vereinnahmt, die behaupten, in ihrem Namen zu sprechen. Hierzu wollte ich einen Kontrapunkt setzen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie weiterhin Kontakt zu den Personen und verfolgen ihren Weg?

Domes: Ich stehe weiterhin in Kontakt zu den vermittelnden NGOs und zu einigen der Personen im Film. Im Laufe der kommenden Wochen möchte ich allen Beteiligten eine Kopie des Films zeigen oder zukommen lassen. Ich habe auch noch mehrere Stunden ungenutzter Interviewmaterialien, die ich langfristig gerne als Basis für einen längeren Film verwenden möchte.

“Tatort+” aus Stuttgart: Ermittlungen im Netz

Von 18. Mai 2013 um 10:01 Uhr
Die "Tatort"-Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, r) und Sebastian Bootz (Felix Klare) (© ARD/SWR

Die “Tatort”-Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, l) und Sebastian Bootz (Felix Klare) (© ARD/SWR)

Das Crossmedia-Fieber geht um und hat nun auch den Tatort erwischt: Während die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz erst am 26. Mai in der Folge Spiel auf Zeit auf Fahndung gehen, können die Fans schon eine Woche vorher nach dem Täter suchen. Am Samstagabend können sich die Spieler beim Tatort+ registrieren und bis zur Ausstrahlung am kommenden Sonntag das Verbrechen aufklären.

Spiel auf Zeit ist der zweite Online-Tatort des SWR. Das erste Mal hatte der Sender das Format im vergangenen Mai beim Ludwigshafener Tatort getestet. Mit mäßigem Erfolg. Statt mit Rätseln hatten die Zuschauer in den ersten Tagen vor allem mit Fehlermeldungen zu kämpfen. Die Macher hatten den Besucheransturm falsch eingeschätzt. Auch gab es Kritik, dass der Mörder in der Folge nicht enttarnt wurde. Die Zuschauer waren stattdessen dazu aufgerufen, im Internet das Fernsehverbrechen aufzuklären. Pech für alle, die dazu keine Lust oder Mittel hatten.

Das Problem soll es in diesem Jahr nicht geben. Der Film ist in sich abgeschlossen, die Ermittlungen im Netz arbeiten lediglich auf den Fall im Film hin und ergänzen die Geschichte um weitere Details. Knapp sechs Monate habe man die Aktion geplant, sagte der Social-Media-Manager des SWR, Guido Bülow, ZEIT ONLINE.

Zeugenbefragung per Google Hangout

Tatsächlich ist der Tatort+ etwas komplexer. Gab es im Vorjahr nur Audiomaterial, hat der Sender nun mit den Darstellern zusätzliche Szenen gedreht, die bei der Ermittlung vorkommen. Das Spiel selbst etwa beginnt mit einem Video, das im Internet auftaucht und ein mögliches Verbrechen zeigt. Im Browser können die Hobby-Kommissare es mit einem Tool analysieren und anschließend auf Spurensuche gehen.

Auch weitere Kanäle sollen genutzt werden: In den kommenden Tagen hat der Sender ein Zeugenverhör via Google Hangout geplant. Bis zu acht Zuschauer können dabei gemeinsam mit einem Moderator die Personen aus dem Video befragen. Die Aufzeichnung des Verhörs landet anschließend für alle anderen Spieler sichtbar auf YouTube. Die Erzählgeschwindigkeit sei insgesamt bewusst langsam gehalten, sagt Bülow: “Pro Tag kommt man ein Stückchen weiter, wie bei einer Echtzeitermittlung.”

Ermittlungen im Browser (© ARD/SWR)

Ermittlungen im Browser (© ARD/SWR)

Die Ermittlungen finden aber nicht nur im Netz statt, jedenfalls nicht für Zuschauer aus Stuttgart. Im Laufe der Woche gibt es an einem Tag ein Ereignis in der Stadt, dessen Zeitpunkt und Ort zunächst im Laufe des Spiels ermittelt werden muss, und an dem es noch weitere Indizien für die Aufklärung des Falls gibt. Hinweise dazu gibt es sowohl online als auch auf eigens verteilten Bierdeckeln in ausgewählten Tatort-Kneipen.

Auch mit der TV-Ausstrahlung am kommenden Sonntag ist die Aktion noch nicht vorbei. In einem zweiten Erzählstrang können die Zuschauer einen zweiten Mord aufklären. Selbst wenn sie den ersten Teil der Ermittlung nicht verfolgt haben. Die nötigen Hinweise soll es während der Ausstrahlung über den Second Screen, also im Internet und sozialen Netzwerken geben.

Bindung an die Marke

Überhaupt geht es dem SWR mit der Aktion vor allem um eines: Die Bindung der jüngeren Zuschauerschichten an die Marke Tatort. Schon jetzt schafft es #tatort regelmäßig in die Trending Topics der deutschen Twitter-Szene, die Zuschauer der Reihe werden insgesamt jünger – und damit netzaffiner. “Wir sehen Woche für Woche, wie viele Fans im Netz in Foren und Kommentaren über den Tatort sprechen. Ihnen wollen wir ein Stück zurückgeben, indem wir das Tatort-Erlebnis erweitern”, sagt Bülow.

Der SWR ist deshalb überzeugt, dass viele Tatort-Zuschauer den Weg ins Netz finden werden, die 100.000 Spieler aus dem vergangenen Jahr gelten als Minimalziel. Die gehen nicht leer aus: Eine/r von ihnen soll im nächsten Stuttgart-Tatort Happy Birthday, Sarah auf einem Foto auftauchen.

(mit dpa)

Kategorien: Feature

Kurzfilm über Afrikas verlassene Filmsets

Von 17. Mai 2013 um 16:02 Uhr

Vergangene Woche tauchten wieder einmal die Aufnahmen der New Yorker Fotografin Rä di Martino im Netz auf, die 2010 die ehemaligen Filmsets von Star Wars in Tunesien besuchte. Viele der Requisiten und Kulissen sind nämlich noch in der Wüste zu finden und rotten gemächlich vor sich hin. Grund genug für einige Fans, die Restaurierung selbst in die Hand zu nehmen.

Das Set von Star Wars war aber nicht das einzige verlassene und fast-vergessene Filmset, das di Martino in den vergangenen Jahren besuchte. So war sie auch im marokkanischen Ouarzazate, wo unter anderem Lawrence von Arabien und Babel gefilmt wurden. Auch hier sind noch Überreste zu finden. Die Überbleibsel hat di Martino nicht nur in Bildern festgehalten, sondern auch in einem Kurzfilm. Gemeinsam mit zwei Jugendlichen, die in der Nähe der Filmstudios aufgewachsen sind, spielt sie einige der Szenen aus den Filme nach. Von denen ich, zugegeben, nicht allzu viele kenne.

(via)

Kategorien: Kurzfilm

Nintendo will bei “Let’s Plays” mitverdienen

Von um 13:32 Uhr

Sie nennen sich Gronkh und Commander Krieger, Sarazar und PietSmiet und sie alle haben das gleiche Hobby: Videospiele spielen und gleichzeitig lustig kommentieren. Das scheint zunächst ungewöhnlich: Wieso sollte man anderen Menschen beim Spielen zusehen? Tatsächlich aber gehören die sogenannten “Let’s Plays” zu einem der beliebtesten Formate auf YouTube. Über 800.000 Abonnenten haben die Macher von PietSmiet, sogar 1,5 Millionen sind es bei Gronkh. Damit gehören sie zu den erfolgreichsten deutschen YouTubern. Sie verdienen ihr Geld buchstäblich mit Zocken. Denn bei jedem Video bekommen sie einen Teil der Werbeeinnahmen.

Für die meisten Let’s Player spielt es keine Rolle, was sie spielen: Egoshooter und Strategiespiele, Puzzle- und Rollenspiele, alles wird angespielt. Das könnte sich nun ändern. Nintendo hat gleich mehrere Kanalbetreiber informiert, dass sie durch den Upload von Szenen aus Nintendo-Games Urheberrechtsverletzungen begehen. Doch statt die Videos löschen zu lassen, haben sich die Japaner für eine andere Lösung entschieden: Sie schalten künftig eigene Werbung vor die Videos. Mit dem Ergebnis, dass die Kanalinhaber an diesen nichts mehr verdienen können. Auch Microsoft hatte im vergangenen Herbst ähnliche Schritte angekündigt. Nun diskutiert die YouTube- und Spielerszene: Wer profitiert eigentlich am meisten von Let’s Plays?

Kritik an Content-ID

Dass Nintendo überhaupt Inhalte von YouTubern monetarisieren kann, macht das sogenannte Content-ID-System möglich. Teilnehmende Rechtinhaber können ihre Inhalte in einer Bibliothek speichern, YouTube vergleicht diese mit neu hochgeladenen Videos und informiert die Rechteinhaber, falls eine vermeintlich rechtswidrige Nutzung vorliegt. Dann gibt es drei Optionen: erlauben, löschen lassen oder mitverdienen.

Das System steht in der Kritik. Immer wieder werden Videos fälschlicherweise gesperrt. Sei es, weil das System Inhalte falsch erkennt, oder weil Dritte falsche Ansprüche geltend machen. Das musste etwa die Nasa erfahren, als Unternehmen plötzlich die Rechte an den Aufnahmen der Marssonde Rover Curiosity einforderten.

Im Fall von Nintendo scheint der Fall zumindest aus technischer Sicht eindeutig. Let’s Plays bestehen ausschließlich aus langen, abgefilmten Spielszenen, nicht selten zeigen die Kanäle die kompletten Spiele über mehrere Episoden hinweg. Deshalb greift in diesem Fall eine Fair-Use-Regel nicht. Doch sind sie deshalb mit Filmen zu vergleichen, die unerlaubt aufgeführt werden?

Nein, sagt Zach Scott. Der Amerikaner, dessen YouTube-Kanal knapp 70 Millionen Abrufe hat, hatte die Entscheidung jüngst in Beiträgen auf Facebook und Reddit öffentlich gemacht. Erste Nachrichten an Kanalbetreiber hatte Nintendo aber bereits im März verschickt und seitdem wurden die Entwicklungen auch in der deutschen Let’s-Play-Szene diskutiert.

Von Let’s Plays profitieren Spieler und Studios

Für Scott – und die meisten anderen Let’s Player – ist die Sache klar: Die Videos stellen keinen unerlaubten Trailer dar, sondern ein subjektives Spielerlebnis. Wenn 1,4 Millionen Menschen innerhalb von vier Tagen Gronkh bei seiner 1000. Folge Minecraft zuschauen, dann nicht, weil sie Szenen aus dem Spiel sehen möchten. Sie kommen des Kommentars wegen. Bis ein Spieler erst einmal in den Bereich kommt, in dem er mit den Werbeeinnahmen Geld verdient, vergehen nicht selten Jahre der Community-Pflege.

Gleichzeitig können auch die Spielestudios von Let’s Plays profitieren: Kaum ein Spieler wird ein Spiel, das ihn interessiert, nicht kaufen, nur weil er Szenen bereits in einem Let’s Play gesehen hat. Stattdessen, so Scott, möchten viele Zuschauer anschließend selbst das Spiel für sich erleben. Als Gronkh im vergangenen Jahr das fünf Jahre alte Adventure Edna bricht aus durchspielte, war die Hamburger Spieleschmiede Daedalic quasi über Nacht um einiges bekannter. Viele Spieleentwickler und Publisher erlauben den YouTubern deshalb die Aufnahmen, einige liefern ihnen sogar kostenlos Vorabexemplare neuer Titel.

Die YouTuber wollen Nintendo boykottieren

Kurioserweise möchte auch Nintendo offenbar nicht auf diese Art der Berichterstattung verzichten, sondern lediglich daran mitverdienen. “Wir möchten auch weiterhin, dass Fans Nintendo-Inhalte auf YouTube mit anderen teilen”, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens, aber eben “auf eine angemessene Art”.

Die Spieler sehen das anders. Viele Let’s Player haben angekündigt, in Zukunft keine Nintendo-Titel mehr spielen zu wollen. Nicht nur, weil sie an den Videos nichts mehr verdienen. Es kratzt auch an der Authentizität der Kanäle, wenn die Entwickler eigene Werbung über die Besprechungen ihrer Spiele legen können. Und was passiert eigentlich, wenn ein Let’s Play einmal nicht positiv ausfällt? Gut möglich, dass Nintendo dann zur zweiten Option greift und die Inhalte kurzerhand löschen lässt.

 

Jenn Frank schreibt auf Gameranx, dass Nintendo nie gelernt habe, “den Spielern zu vertrauen”. Der Angriff auf die Let’s-Play-Szene ist ein gewagter Schritt, der für das Unternehmen, das im zweiten Jahr in Folge Verluste einfährt, nach hinten losgehen könnte.

 

Kategorien: Netzfilm

Holland. The Original Cool.

Von 16. Mai 2013 um 15:09 Uhr

Imagefilme von Tourismusbehörden sind in der Regel eine schmalzige Angelegenheit. In übersättigten Bildern wird die Schönheit der lokalen Flora, Fauna und Menschen aufgetischt, meist begleitet von Musik, die entweder nach einem Lagerfeuersong der christlichen Gemeinde oder nach Erstrundenversagern des ESC klingt. Klar, es geht auch besser, aber solche Experimente sind doch eher selten.

Die niederländische Tourismusbehörde (die ihr Land selbst als Holland bezeichnet, das nur mal so am Rande für alle Pedanten, die reflexartig auf den Unterschied zwischen Holland und Niederlande hinweisen) kommt in ihrem neuen Werbevideo zwar ebenfalls nicht um die typischen Tourismus-Bilder herum, hat dafür aber das Zeug für einen viralen Hit. Ein gewisse Meme-Affinität, ein wenig Witz und etwas Mut beim Schnitt machen’s möglich.

Kategorien: Netzfilm

Dokumentation: 12 Jahre DFA Records

Von 14. Mai 2013 um 13:20 Uhr

Das Label DFA ist vor allem durch Bands wie The Rapture, LCD Soundsystem (das Hauptprojekt von Labelgründer James Murphy) und Black Dice in den Nuller Jahren bekannt geworden. In diesem Jahr feiert das Label seinen zwölften Geburtstag, was die Red Bull Music Academy zum Anlass nahm, eine kurze Dokumentation über die New Yorker in Auftrag zu geben. Hinter dem exzellent geschnittenen Film stecken die Macher der im Ton ganz ähnlichen Kurzdoku A Brief History of John Baldessari.

Kategorien: Musik

Netzfilm der Woche: “Internet Archive”

Von 12. Mai 2013 um 12:48 Uhr

Die neue Bibliothek von Alexandria steht nicht in Ägypten, sondern in einer gutbürgerlichen Nachbarschaft San Franciscos. In der 300 Funston Avenue, um genau zu sein, einer ehemaligen Kirche mit neoklassizistischen Säulen und schweren Metalltüren. Im Inneren befinden sich karge Holzbänke, die aber nicht etwa auf einen Altar oder Kreuze ausgerichtet sind, sondern auf kleiderschrankgroße Gerätschaften, die hektisch blau blinken: das Internet Archive.

1996 von Brewster Kahle gegründet, hat das Archive inzwischen über 200 Mitarbeiter und offiziell den Status einer Bibliothek. Seit 17 Jahren sammelt die Wayback Machine Schnappschüsse des Internets, längst verloren geglaubte Websites lassen sich damit, jedenfalls teilweise, wiederbeleben. Und das ist nur ein Teil des Projekts. Inzwischen hat die gemeinnützige Organisation mehr als 1,6 Millionen Bücher aus der Public Domain gescannt und archiviert. Dazu kommen die Mitschnitte sämtlicher US-Nachrichtensendungen seit 2009, zigtausende Filme, Texte und Audioaufnahmen. Seit 2011 schlummern zudem 750.000 tatsächliche Bücher in riesigen, klimakontrollierten Containern in Oakland, noch einmal so viele sollen bald folgen.

Brewster Kahle und sein Team bezwecken mit dem Projekt nicht allein die Archivierung für die Ewigkeit, sondern auch den freien Zugriff auf Informationen, überall und jederzeit. Und im Gegensatz zu Google, das ebenfalls ein umstrittenes Archivprojekt betreibt, soll das Internet Archive keine finanziellen und politischen Interessen bedienen.

Das ist ambitioniert, manche sagen unmöglich. Doch wer Kahle in der kurzen Dokumentation Internet Archive und zahlreichen anderen Auftritten sieht, möchte ihm fast glauben. Der Informatiker, der in den frühen Neunzigern den Webanalyse-Dienst Alexa gründete und später für viele Millionen an Amazon verkaufte, ist ein charismatischer Nerd. Seine Sammelwut begründet er mit der Unsicherheit, der Informationen im Netz unterliegen. Sei es durch Regierungen, die Seiten sperren, durch Unternehmen, die Dienste offline nehmen oder der fehlerhaften Technik, die täglich zu Datenverlusten führt.

Kahle und sein Team wissen, dass sie eine Sisyphusarbeit betreiben, dass sie niemals das Internet in seiner Gänze archivieren können. Ihre Arbeit wird nicht bloß durch die Masse der Daten, sondern auch durch rechtliche und technische Probleme erschwert. Doch sie machen weiter, solange sie sich durch Spenden finanzieren können. Im Oktober knackte das Internet Archive die 10-Petabyte-Marke. Die Filmemacher von Deepspeed Media nahmen diesen Tag zum Anlass, einen Blick hinter die Kulissen des Projekts zu werfen.

Kategorien: Netzfilm