Es geht auch ohne Fernsehen

Autoren Archiv von Eike Kühl

Die ARD arbeitet an einem Streaming-Portal

Von 30. Juli 2014 um 14:10 Uhr
© Dominique Faget/Getty Images

© Dominique Faget/Getty Images

Germany’s Gold, das war nicht etwa der Vorgänger von Deutschlands Beste!, sondern ein geplanter Streaming-Dienst der ARD und des ZDF. Die Nutzer, so war der Plan, konnten in der Videothek Inhalte aus den Programmen anschließend online angucken – gegen eine Gebühr. Anders als in den jetzigen Online-Mediatheken sollten die Inhalte dort zeitlich unbegrenzt verfügbar sein, und das Angebot zudem ein bis zu 60 Jahre altes Archiv aus Filmen, Serien und Dokumentationen enthalten.

Das Projekt scheiterte im Winter 2013, als das Kartellamt den Start untersagte. Durch die Kooperation zwischen ARD und ZDF könnten die Preise und die Auswahl abgesprochen werden, hieß es vonseiten des Kartellamts. Bereits im Jahr 2012 scheiterte ein ähnliches Projekt der Privatsender RTL und Pro7.

Obwohl Germany’s Gold inzwischen Geschichte ist, arbeiten die Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten offenbar an einem Nachfolger. Das geht aus dem Jahresabschluss der WDR Mediagroup im Bundesanzeiger hervor. Dort steht: “Zudem steht in 2014 der Aufbau eines Alternativprojekts zu Germany’s Gold an. Hierzu werden Gespräche im Produzentenkreis und im Kreis der ARD-Verwertungstöchter geführt. Ziel ist es, eine umsetzbare (sowohl juristisch als auch wirtschaftliche) Alternative für Germany’s Gold in den Markt zu bringen.”

Gespräche mit Partnern und Verlagen

Tatsächlich sieht der Markt anders aus als noch vor einem Jahr: Netflix startet im September in Deutschland, um Watchever gab es unlängst Gerüchte eines Verkaufs, und auch Pro7/Sat.1 investieren abseits des Streaming-Portals Maxdome heftig in Online-Angebote. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch die Öffentlich-Rechtlichen den Anschluss nicht verpassen möchten.

Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR Mediagroup, sagte der Funkkorrespondenz: “Wir sprechen mit verschiedenen potenziellen Partnern sowohl von Sendern als auch aus Produzentenkreisen sowie Verlagen.” Auch nach dem Ende von Germany’s Gold wolle man alternative Verwertungsquellen sondieren.

Bislang ist lediglich von den ARD-Verwertungstöchtern die Rede, nicht aber vom ZDF. Es ist also denkbar, dass die ARD schon bald einen alleinigen Vorstoß in den Online-Strreaming-Markt wagt. Interessant dürfte sein, ob ein solche Angebot nur Inhalte aus der ARD-Familie enthält, oder auch Inhalte aus dem Ausland lizenziert, um somit eine Alternative zu Angeboten wie Netflix zu schaffen. Man hoffe, noch in diesem Jahr konkrete Informationen liefern zu können, sagt Michael Loeb.

Kategorien: Netzfilm

Kurzfilm: “The Collector’s Gift”

Von um 14:05 Uhr

In diesen weltpolitisch düsteren Zeiten darf es gerne auch mal wieder etwas märchenhaft werden. In Ryan Kravetz animiertem Kurzfilm The Collector’s Gift geht es deshalb um nichts geringeres, als der Weg von einer düsteren Dystopie hin zu einer sonnigen, schönen Welt. All das versteckt in einer mysteriösen Kiste und mit der Pointe versehen, dass sich lebenslange Neugier eben doch auszahlt. Entstanden ist der Film als Master-Arbeit an der Universität von Südkalifornien (USC).

Kategorien: Animation

Amazon entdeckt das Teleshopping neu

Von um 13:07 Uhr
Screenshot  von Amazons Video Shorts

Screenshot von Amazons Video Shorts

Natürlich waren die Vergleiche mit YouTube sofort da: “Amazon startet YouTube-mäßige Videosektion”, schrieb etwa das Technikblog Techcrunch, und auch in vielen anderen Artikeln zum Thema fanden ähnliche Vergleiche statt. Der Anlass heißt Amazon Video Shorts und hat so ziemlich nichts mit YouTube zu tun, außer dass die Sparte kurze Videos zum Streaming anbietet – und zwar als eine Weiterführung des Teleshoppings.

Die Video Shorts enthalten bislang Interviews mit Schauspielern und Musikern, Filmtrailer und Produkttests. Auf den ersten Blick sieht es tatsächlich wie eine gewöhnliche Videoplattform aus: Sehr aufgeräumt, mit den entsprechenden Videoinformationen und der Möglichkeit, die Inhalte zu kommentieren und zu bewerten.

Der Clou: Die Videos stammen nicht wie etwa bei YouTube von Privatpersonen, sondern ausschließlich von Produktionsfirmen, von Herstellern und Plattenlabeln. Wer etwa nach dem neuen Album eines bestimmten Künstlers sucht, bekommt künftig auf Amazons Seite einen Link zum aktuellen Musikvideo angezeigt. Wer nach der neusten Gartenkralle sucht, bekommt einen PR-Clip über die Funktionsweise mitgeliefert. Und wer Games mag, findet dort ab sofort auch ausgewählte Videos der Website Polygon.

Wie Mashable schreibt, möchte Amazon damit ganz offensichtlich keine Konkurrenz zu YouTube aufbauen (mit seinem Instant-Video-Dienst hat es der Konzern ohnehin eher auf Netflix abgesehen), sondern sein E-Commerce-Geschäft ausbauen. Video Shorts ist die Weiterführung der kleinen Produktvideos, die Amazon schon länger für diverse Produkte anbietet. Da ist es auch nicht überraschend, dass sich die Videos nicht auf andere Seiten einbetten lassen – dort könnte man dann ja nicht gleich auf die verwandten Produkte verlinken.

Kategorien: Netzfilm

Die “Simpsons” treffen “Family Guy”

Von 28. Juli 2014 um 11:32 Uhr

Im Herbst wird es eine einstündige Sonderepisode der Simpsons und Family Guy geben, in der beide Comicfamilien aufeinandertreffen. In der mittlerweile 25-jährigen Geschichte der Simpsons ist das erst die zweite Crossover-Episode überhaupt. Im November soll zudem noch eine Folge mit dem Futurama-Ensemble erscheinen, was nur logisch ist, da der Simpsons-Erfinder Matt Groening auch für Futurama verantwortlich war.

An Family Guy dagegen ließen die Fans der Simpsons dagegen lange Zeit kein gutes Haar aus; sie warfen der Serie vor, die Simpsons nur kopiert zu haben. Worüber sich prächtig streiten lässt. Auf der Comic Con Messe wurde jetzt jedenfalls ein erster Trailer des gemeinsamen Projekts präsentiert.

Kategorien: Animation

Netzfilm der Woche: “Barcelona GO!”

Von 27. Juli 2014 um 08:54 Uhr
© Rob Whitworth

© Rob Whitworth

Unter reisenden Filmemachern sind Timelapse-Videos die Postkarten des 21. Jahrhunderts. Seit einigen Jahren gibt es kaum einen Ort der Welt, von dem es auf Vimeo oder YouTube keine Zeitraffer-Aufnahme gibt. Beliebt sind vor allem große Städte, große Landschaften und der Nachthimmel, gerne mit Hyperlapse, in der die Kamera zwischen den Aufnahmen bewegt wird oder mit Tilt-Shift-Effekt, der die Menschen in kleine Modellfiguren verwandelt. Ganz wichtig ist auch, die Videos mit möglichst opulenter Musik zu untermalen. Das resultiert dann meist in netten Bildern, aber es sind eben Postkartenfilme: Man hat sie irgendwie alle schon hundertmal gesehen.

Bis auf einige Ausnahmen. Eine beeindruckende Arbeit ist etwa Michael Shainblums Mirror City, das die Aufnahmen zu Kaleidoskopen spiegelt. Namibian Nights von Squiver, der die Namib-Wüste zum Leben erweckt, oder die beeindruckenden Aufnahmen von der ISS.

Auch Zeitraffer brauchen eine Story

Timelapse-Aufnahmen sind immer dann interessant, wenn sie mehr sind als die Summe Tausender zusammengeschnittener Bilder. Das hat auch der britische Fotograf Rob Whitworth erkannt und sich in seiner neusten Arbeit selbst übertroffen: Für Barcelona GO! hat er 363 Stunden Arbeit in eine nahtlose Flow-Motion gesteckt.

Jede Stadt, die er vorstellt, bricht Whithorth auf fünf verschiedene Kategorien herunter, die im Film vorkommen sollen. In Barcelona GO! fliegt seine Kamera durch die Stadt: Von Panoramaaufnahmen geht es hinein in enge Gassen, in die Sagrada Familia, in die Oper, aus der Dachluke wieder hinaus und mit der Seilbahn vom Hafen auf den Montjuïc.

Statt bombastischer Hintergrundmusik nimmt der Film die Menschen, Geräusche und Musik der Stadt in den Soundtrack auf. Das macht den Zuschauer nicht nur zum Beobachter, sondern auch zum Teil der Szene – und Barcelona GO! zu einem der besten Timelapse-Filme des Jahres.

Kategorien: Netzfilm der Woche

Studio 71 schickt deutsche YouTuber nach L.A.

Von 24. Juli 2014 um 16:57 Uhr

mansion

Nicht nur YouTube betreibt mit seinem Creator Space in Los Angeles inzwischen ein eigenes und sehr erfolgreiches Filmstudio, auch die YouTube-Netzwerke (Multi Channel Networks, kurz MCN) erkunden inzwischen die Möglichkeit eigener Produktionsstätten. Das von der ProSiebenSat.1 Media AG geführte Netzwerk Studio 71 hat sich nun ebenfalls in Los Angeles niedergelassen.

Seit Juni und zunächst noch bis August ziehen deutschsprachige YouTuber in The Mansion, wie die umfunktionierte Villa in West Hollywood genannt wird. Das Projekt soll die deutsche YouTube-Szene internationaler machen, sagt der Studio71-Geschäftsführer Sebastian Weil. Die Teilnehmer sollen in ihrer Zeit deshalb auch mit den Stars aus den USA zusammenarbeiten, und somit neuer Märkte erschließen. Alle entstandenen Projekte landen im eigens eingerichteten Kanal von The Mansion, der inzwischen bereits über 160.000 Abonennten zählt.

Der größte Star von Studio71, der Let’s Player Gronkh und sein Kollege Sarazar haben den Besuch bereits hinter sich. Sie berichteten unter anderem von der Videospielmesse E3. Auch andere bekannte Namen wie MissesVlog, Flavio Simonetti und Funny Pilgrim sollen die Villa besuchen.

Zu Beginn des Jahres knackte Studio 71 erstmals die Marke von 100 Millionen Abrufen in seinem Netzwerk. Damit zählt zu einem der größten und erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum.

Kategorien: Netzfilm

“The Jump”: Die Anfänge des Bungeespringens

Von um 16:13 Uhr

Bungeespringen klingt heute wie etwas, das es immer schon gab: Ein paar mutige Menschen, die sich eben an einem Gummiseil in die Tiefe stürzen. Und tatsächlich gehen die Verläufer dieser Idee auf die Lianenspringer von Pentecôte zurück. Wirklich populär in der Kultur aber wurde das Bungeejumping erst zu Beginn der Achtziger Jahre – dank einer Gruppe Neuseeländer um A.J. Hackett. Die leider viel zu kurze Doku The Jump lässt die heute etwas gealterten, aber immer noch sehr lebensfrohen Kiwis zu Wort kommen.

Kategorien: Dokumentation

Die WM in Katar fordert Opfer

Von 21. Juli 2014 um 12:12 Uhr

Nach der WM ist vor der WM. Während das Turnier in Brasilien zwar für den Gastgeber sportlich wenig erfolgreich verlief, hielten sich zumindest die Proteste in Grenzen. Spätestens bei den kommenden Turnieren 2018 in Russland und 2022 in Katar werden sie uns wieder begleiten. Vor allem aus Katar erreichen uns bereits acht Jahre vor dem Beginn – sollte die WM tatsächlich stattfinden – Nachrichten über hunderte Gastarbeiter, die bei den Bauarbeiten ums Leben kamen. Die meisten von ihnen kamen aus Nepal. ESPN blickt in einer Folge E:60 auf die Gastarbeiter und ihre Arbeitsbedingungen in Katar.

Kategorien: Dokumentation