Es geht auch ohne Fernsehen

Autoren Archiv von Eike Kühl

Instagram enthüllt “Hyperlapse” App

Von 26. August 2014 um 16:51 Uhr

Vor einigen Wochen präsentierten Forscher aus dem Hause Microsoft eine bemerkenswerte Technik, die aus wackeligen Handy- oder Kameraaufnahmen sanfte Kamerafahrten erstellte. Ein Algorithmus analysiert dafür das Ausgangsmaterial und fügte die einzelnen Bilder neu zusammen. Der Name des Projekts, das eines Tages als App rauskommen soll: Hyperlapse.

Nun ist die Fotoplattform Instagram den Plänen offenbar zuvorkommen. Ebenfalls unter dem Namen Hyperlapse hat das Facebook-Unternehmen nämlich überraschend eine eigenständige, kostenlose App vorgestellt, die ganz ähnlich funktioniert, allerdings einen entscheidenen Vorteil hat: Offenbar gelingt es der App, die Smartphone-Aufnahmen mithilfe des eingebauten Gyroskops sofort zu stabilisieren. Die Nutzer wählen anschließend lediglich die Geschwindigkeit (1x bis 12x) aus, mit der die Aufnahmen abgespielt werden sollen.

Wired hat die Details über die Funktionsweise und Entstehungsgeschichte; in keinem Wort wird das gleichnamige Microsoft-Projekt erwähnt. Angeblich hätten die Entwickler schon länger mit Bildstabilisation gearbeitet und einen Prototypen der App in einem internen Instagram-Forum vorgestellt. Dort weckten sie Anfang des Jahres das Interesse von Instagram-Gründer Kevin Systrom. Wie die Entwickler sagen, würden die Mitarbeiter von Instagram die App schon seit Monaten intern nutzen.

Die gibt es nun vorerst für iOS, eine Android-Version soll später folgen. In jedem Fall dürfte es interessant sein, was Microsoft davon hält. Der Name Hyperlapse ist jedenfalls (noch) kein eingetragenes Markenzeichen, denn es bezeichnet ganz allgemein eine Zeitraffer-Technik, bei der sich die Position der Kamera verändert.

Kategorien: Netzfilm

Netzfilm der Woche: “Russian Roulette”

Von 24. August 2014 um 07:57 Uhr

Um einen Kurzfilm für 50 britische Pfund zu drehen, muss man als Filmemacher schon extrem abgehärtet sein. Oder einfach etwas Zeit zwischen zwei Projekten übrig haben und sich vom singenden und twitternden Astronauten Chris Hadfield inspirieren lassen. Genau das hat der junge englische Regisseur Ben Aston für seinen Kurzfilm Russian Roulette getan.

Roulette ist auch gleich das Stichwort, denn es geht um Chat Roulette, die Website, die vor einigen Jahren mit ihrem Prinzip der rotierenden Gesprächspartner einen kurzen Hype entfachte, anschließend aber vor allem von nackten, masturbierenden Männern heimgesucht wurde.

Auch die junge Protagonistin Lucy kennt die Freaks auf der Plattform und nutzt sie trotzdem, schließlich könnte sich hinter der nächsten Webcam ja der Traumkerl verstecken. Und tatsächlich erscheint plötzlich Yergey auf dem Bildschirm, der mit russischem Akzent als alleiniger Ingenieur eines Weltraumteleskops im All steckt und ähnlich einsam ist wie Lucy. Ein perfektes Match – oder nicht?

Der Low-Budget-Dreh, den Aston in einem Behind-the-Scenes ganz wunderbar entwaffnend beschreibt, macht den Charme von Russian Roulette aus. Die Story ist simpel und doch clever: Die kleinen, netzkulturellen Referenzen sitzen, das Gefühl, das die beiden Hauptdarsteller erleben, kennt wohl jeder, der schon einmal Online-Dating ausprobiert hat. Und zum Schluss gibt es noch eine herrliche Pointe.

Das befand auch die Jury von Sundance London, die den Film in diesem Jahr in der Kurzfilm-Kategorie prämierte und damit bestätigte: Gute Kurzfilme brauchen kein großes Budget. Eine smarte Idee, sympathische Darsteller und etwas Pappkarton aus dem Baumarkt als Requisite tun es auch.

(englische Untertitel gibt es per Klick auf den CC-Button im Player)

Kategorien: Netzfilm der Woche

Unplugged auf der Spree: “Canoe Concerts”

Von 22. August 2014 um 13:54 Uhr

Gute Musiker können auch unplugged spielen, klar. Beweise gibt es in zahlreichen Webformaten: Die Black Cab Sessions etwa, Concert à emporter oder natürlich der ZEIT ONLINE Rekorder laden bekannte und weniger bekannte Musiker und Bands dazu ein, mal nicht auf der Bühne sondern an ungewöhnlicheren Orten aufzutreten.

Ein noch recht junges Projekt betreibt Linus Strothmann aus Berlin: Für seine Canoe Concerts nimmt er die Musiker mit in seinem (selbstgebauten!) Kanu auf den Landwehrkanal und die Spree, manchmal geht es auch auf andere Gewässer. Zugegeben, die Bands und Singer/Songwrwiter kenne ich persönlich alle nicht, und teilweise könnte man noch etwas an der Laustärke der Aufnahme tüfteln, aber trotzdem eine schöne Idee.

(via)

Kategorien: Musik

Gaming-Doku: “i49 – TF2 Fragumentary”

Von 21. August 2014 um 11:32 Uhr

Dokumentationen über Videospiele gehören mittlerweile zum guten Ton in der Gaming-Szene. Im März veröffentlichte das Spielestudio Valve die teuer produzierte Doku Free To Play über das hauseigene Spiel Dota 2, im vergangenen Jahr gab es unter anderem The Story of Minecraft gratis im Netz. Dazu kommen hochgelobte Titel wie Indie Game: The Movie und weniger erfolgreiche Projekte wie Zach Braffs Video Games: The Movie.

Der neuste Film in dieser Reihe beschäftigt sich mit einem weiteren Kult-Spiel: Team Fortress 2. Die TF2 Fragumentary ist allerdings nicht von Valve produziert, auch wenn sie einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt wie Free to Play. Auch hier geht es um ein Turnier, nämlich das Insomnia 49 (i49) im vergangenen Jahr, und zwei Clans, die dort um den Titel spielten.

Der Film ist bei weitem nicht so geschliffen wie andere, zeigt dafür aber auch reichlich Szenen aus dem Spiel neben den Protagonisten. Die fühlen sich in der E-Sports-Welt durchaus etwas missverstanden. Denn im Vergleich zu Spielen wie Dota oder League of Legends bekommen sie für ihre Leistungen bei weitem jicht so hohe Preisgelder. Spaß haben sie offenbar trotzdem, wie die Fragumentary zeigt.

(via)

Kategorien: Dokumentation

Netflix bezahlt nun auch Time Warner

Von um 08:26 Uhr
Die Netflix-Zentrale in Los Gatos (© Justin Sullivan/Getty Images)

Die Netflix-Zentrale in Los Gatos (© Justin Sullivan/Getty Images)

Dann sind es plötzlich vier: Der Streamingdienst Netflix bezahlt nun auch den Internetanbieter Time Warner dafür, dass die eigenen Filme und Serien des Portals schneller und möglichst ruckelfrei auf die Bildschirme die Kunden gelangen. Time Warner ist nach Comcast, AT&T und Verizon der letzte der vier großen amerikanischen Internetprovider, mit dem Netflix bis dato noch keinen Deal ausgehandelt hatte.

Zu Beginn des Jahres sorgte Netflix erstmals für Aufsehen, als das Unternehmen eine Absprache mit dem größten US-Kabelanbieter Comcast traf. Soll heißen: Als Netflix erstmals Geld an einen Provider zahlte, um auf der vielzitierten “Datenautobahn” zu fahren. Genau das könnte die Netzneutralität unterwandern, warnen die Experten. Diese besagt, dass alle Daten im Netz gleich behandelt werden und kein Dienst priorisiert wird. Im Fall von Netflix könnte aber genau das sein.

Die Provider argumentieren mit dem steigenden Datenvorkommen, das Netflix verursacht. Schon jetzt sind in den Abendstunden ein Drittel des gesamten nordamerikanischen Datenverkehrs. Zwar hat Netflix mit seinem Content Delivery Network (CDN) inzwischen eine eigene Infrastruktur geschaffen, um die Provider zu entlasten, doch gerade an den Knotenpunkten, an denen zwei Netze Daten austauschen (Stichwort Peering), sträuben die Provider sich, die Technik auszubauen. Dass die Daten ungebremst weitergeleitet werden, wollen sie sich bezahlen lassen – und Netflix macht mit, schließlich sind ruckelnde Streams schlecht für das Geschäft.

Netflix schwört auf die Netzneutralität

Kurioserweise schwingt sich Netflix immer wieder selbst zu einem Verfechter der Netzneutralität auf. In einem aktuellen Gastbeitrag für Wired schreibt Netflix-CEO Reed Hastings, dass Breitbane keine “endliche Ressource” sei. Die Anbieter müssten einfach mehr in ihre Infrastruktur investieren, wovon letztlich ohnehin alle Kunden profitieren. Zudem dürften sie die Anbieter von Online-Diensten nicht zur Kasse bitten. Dass Netflix trotzdem mitmacht, ist wohl eine rein wirtschaftliche Entscheidung.

In Deutschland startet Netflix im September. Noch gibt es keine Hinweise, dass der Dienst mit Providern wie der Telekom kooperiert. Doch sollte Netflix erfolgreich sein, könnte hierzulande schon bald eine neue Diskussion über die Netzneutralität stattfinden. Denn auch die deutschen Provider tun vor allem eines gar nicht gerne: die Netze ausbauen.

Kategorien: Netzfilm

Emmy-Awards: “Barely Legal Pawn”

Von 20. August 2014 um 12:09 Uhr

Eines muss man den Emmys lassen: In Sachen kreative Skits und Videos haben sie die Typen vom Kino (sprich: die Oscars) abgehängt. Fünf Tage vor der diesjährigen Verleihung dürfen die beiden Breaking Bad Hauptdarsteller Bryan Cranston und Aaron Paul mal ein wenig die Hype-Trommel rühren. In dem sechsminütigen Kurzfilm Barely Legal Pawn begegnen sie als zwielichtige Pfandhaus-Besitzer Julia Louis-Dreyfus, die ihren Seinfeld-Emmy verkaufen möchte, was aber nicht ganz so einfach ist. Zum Schluss dreht sich die kuriose Angelegenheit dann doch noch etwas hin zum düsteren Breaking-Bad-Stil. Naja, ein bisschen wenigstens. In jedem Fall zeigen die Emmys, wie man clever für eine Verleihung der besten TV-Inhalte wirbt – mit den Preisträgern in ihrem Element.

Kategorien: Kurzfilm

Arbeit und Automatisierung: “Humans Need Not Apply”

Von 18. August 2014 um 13:23 Uhr

CGP Grey, der auf Reddit und durch seinen YouTube-Kanal mit aufwändigen Erklärvideos bekannt geworden ist, hat sich für seine neuste Arbeit Humans Need Not Apply mal dem Thema Automatisierung angenommen. Soll heißen: Robotern, Algorithmen und sonstigen technischen Helfern in der Arbeitswelt. Dass uns Roboter immer komplexere Aufgaben abnehmen, ist natürlich nicht neu, aber das Video lohnt sich schon aufgrund der Vielzahl an vorgestellten Projekten von Kaffeeautomaten über Flappy Bird bis hin zu automatisierter Landwirtschaft.

(via)

Kategorien: Netzfilm

Netzfilm der Woche: “Where Do Lilacs Come From”

Von 17. August 2014 um 08:00 Uhr
© Matthew Thorne

© Matthew Thorne

Einen “Abschied in Zeitlupe” nannte der Vater des australischen Filmemachers Matthew Thorne einst die Alzheimer-Krankheit, unter der seine Großmutter litt. Thorne beschreibt diese Szene aus seiner Jugend auf der Crowdfunding-Seite seines Kurzfilms Where Do Lilacs Come From sehr genau, denn sie war es, die ihn inspiriert hatte. Im Film geht es um Michael und seinen Vater Chris, der an Demenz erkrankt ist – und der versucht, sich an seine verstorbene Ehefrau zu erinnern.

Das schwere Thema platziert Thorne in die sonnige australische Stadt Gold Coast. Where Do Lilacs Come From wechselt dabei immer wieder zwischen den Aufnahmen in Chris’ großem, aber weitgehend verlassenen Haus – auch das eine Metapher für die Krankheit – und den befreiten Erlebnissen aus seiner Kindheit und Jugend.

Doch Thorne nutzt nicht nur klassische Rückblicke, sondern blendet die verschiedenen Zeitebenen übereinander. Plötzlich erscheinen in der Küche des Hauses alle Protagonisten an verschiedenen Punkten ihres Lebens, Erinnerungen und Homevideo-Aufnahmen überlagern sich und greifen einander auf. Dieser Effekt wirkt bisweilen verwirrend für die Zuschauer, erfüllt aber einen Zweck: Er soll den zerstreuten Erinnerungsprozess des Alzheimer-Patienten Chris widerspiegeln.

Natürlich bleibt das alles fiktiv, Thorne kann sich der Krankheit nur mit den Mitteln eines Filmemachers nähern. Doch mit nur wenig Dialog und einer umso beeindruckenderen Schauspielleistung von Joe Feeny als Chris, ist Where Do Lilacs Come From ein ebenso persönliches wie sanftes Porträt eines Abschieds.