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John Locke: Empirismus und neues Bürgerrecht

Von 24. April 2014 um 15:28 Uhr

Aus unserer Serie: Einführung in die Philosophie

Philosophie John Locke Empirismus

In allen Disziplinen der Wissenschaft spielen empirische Methoden eine wichtige Rolle. Das Bild zeigt die empirische Erforschung an von Viren befallenen Zellen mithilfe eines Mikroskops im Robert Koch Institut in Berlin. © Carsten Koall/Getty Images

1. John Locke und der Empirismus: Die Bedingungen unserer Wahrnehmung

Empiristen sind Theoretiker, die der Auffassung sind, nur durch die Wahrnehmung könne man zu Wissen gelangen. John Locke vertritt diese Haltung historisch besonders wirkmächtig. In Buch 2 des Versuches über den Menschlichen Verstand schreibt er in Kapitel 1, Absatz 2: “Alle Vorstellungen kommen von der Sinnlichen- und Selbstwahrnehmung”. Das räumt auf mit der Vorstellung der angeborenen Ideen aus der Philosophie der Antike, also jenes Wissens, das uns ab dem Tage unserer Geburt vor aller Erfahrung gehört.

Zunächst klingt es sehr nach common sense, zu sagen: “Es existiert sicherlich nur das, was wahrnehmbar ist.” Aber es wirft die Frage auf: Woher soll eigentlich das kommen, was die Bedingung unserer Wahrnehmung ist, besonders unserer Selbstwahrnehmung?

Ein Beispiel: Wir können uns an uns selbst zu einem anderen Zeitpunkt erinnern – gestern zum Beispiel. Das sieht Locke auch so. Aber: Wir müssen doch irgendwie einen Eindruck davon haben, dass der Gedanke, den wir gestern gedacht haben, zu einem anderen Zeitpunkt gewesen ist, als dieser Gedanke jetzt gerade, in diesem Moment. Woher sollen wir aber ein Zeitgefühl für die Einordnung der Akte unseres Ichs haben? Lockes Lösung: Die Abfolge der verschiedenen Gedanken in uns können wir innerlich wahrnehmen. Anhand ihrer Abfolge nehmen wir Zeit in uns wahr. Denn Denken geschieht ja immer in der Dimension des Nacheinander, ein Gedanke nach dem anderen. Später wird Immanuel Kant diesen Gedanken wieder aufgreifen und verfeinern.

Philosophie John Locke Erziehung

“Die Erziehung macht den großen Unterschied zwischen den Menschen.” © simonthon/Photocase

In seinen Gedanken über Erziehung erörtert Locke, wie Kinder erzogen werden sollen, und schreibt dabei sowohl über Ernährung, Bewegung und Tagesablauf als auch über die Bildung des Geistes (zweiter Abschnitt). Er legt dabei wiederholt großen Wert auf frühkindliche Erziehung. Historisch besonders wichtige Textstelle: “Die Erziehung macht den großen Unterschied zwischen den Menschen” (§ 1).

Erkenntnistheoretische, sprachphilosophische und auch theologische Diskussionen handelt Locke in Ein Versuch über den Menschlichen Verstand ab. Die oben erwähnte Textstelle findet sich in Buch 1, Kapitel 2.

John Locke: Ideen für weiteres Philosophieren

  • Erörtern Sie frei, wie sich die Welt einem Säugling darstellen könnte. Benennen Sie die Gegenstände, die er kennen kann und woher er sie kennen kann. Hat er ein Zeitgefühl? Kann er rechnen?
    Diskutieren Sie diese Frage mit anderen Lesern.

Philosophieren mit Bildern: Betrachten Sie das Bild “Die Beschaffenheit des Menschen” von René Magritte und bearbeiten Sie dazu folgende Aufgaben:

  • Benennen Sie die Gefühle, die Sie beim Betrachten haben.
  • Erklären Sie den Aufbau des Bildes.
  • Erörtern Sie den Sinn des Bildes und seine Tragweite: Wie entsteht unser Bild von der Welt?
  • Erörtern Sie, wie das Bild von Magritte aussehen müsste, wenn Sie Lockes Konzept der inneren Selbstwahrnehmung mit einbeziehen wollten.
    Diskutieren Sie diese Fragen mit anderen Lesern.

Nach John Locke kann man die Rolle von Raum und Zeit problematisieren: Wie kann das Ich eigentlich in der Lage sein, auf sich selbst zurückzugreifen? Braucht es dafür nicht schon Formen des Betrachtens? Ein problemstellendes Material ist das Stück Krapp’s last Tape von Samuel Beckett, das die folgenden Videos zeigen:

2. John Locke und Carl Gottlieb Svarez: Die neue Rolle des Bürgers

Svarez, Carl Gottlieb (1746 – 1798), Jurist, der maßgeblich beteiligt war an der Entwicklung des preußischen Rechtssystems unter dem preußischen Großkanzler Johann Heinrich von Cramer.

Biografie Carl Gottlieb Svarez (Quelle: www.deutsche-biografie.de)

Die Interessen eines Bürgers macht Locke in seinem Brief über Toleranz zum Kriterium für ein gutes Gemeinwesen. Unter diesen Interessen finden sich keine Interessen religiöser oder ständischer Art, sondern lediglich die, die den Besitz und das körperliche Wohlergehen betreffen. Damit ist ein Weg zur weltlichen Rechtfertigung eines Staates eingeschlagen. Einem Bürger seinen Glauben aufzwingen könnte der Staat nach Locke ohnehin nicht, da niemand aufgrund von Zwang wirklich glauben könnte.

Gleichheit vor dem Recht geht mit der Idee der prinzipiellen Gleichheit und der Menschenrechte einher. So schlägt Carl Gottlieb Svarez im Jahr 1791 ein Modell eines Rechtsstaates vor, in dem der Monarch “Machtspruchverbot” hat: Das bedeutet, dass er den gleichen Gesetzen unterliegt wie seine Untertanen. Svarez entwickelt in dem Vortrag die schöne Polemik, dass die französische Revolution genau dadurch ausgelöst worden sei, dass die Monarchen Machtsprüche gegen einzelne gesprochen hätten. Damit erzielt er einen kleinen Erfolg: Als 1791 das Allgemeine Gesetzbuch für die Preußischen Staaten vorgelegt wird, beinhaltet es in seiner Einleitung als Paragrafen 6 zunächst das Machtspruchverbot. Aber später, in der rechtskräftigen Fassung, wird es dann wieder gestrichen.

Beide Texte finden sich in dem Band Was ist Aufklärung? Thesen, Definitionen, Dokumente. [hg. Stollberg – Rilinger] Stuttgart 2010: Reclam, € 3,40

Erklärung der Rechte des Menschen und Bürgers der Französischen Nationalversammlung (Quelle: www.verfassungen.eu)

John Locke und Carl Gottlieb Svarez: Ideen für weiteres Philosophieren

  • Erörtern Sie: Was sind Interessen eines Bürgers? Entwickeln Sie aus den Bürgerinteressen einen möglichst allgemeinen Gesetzesrahmen.

John Locke: Biografische Daten

John Locke (1632 – 1704), englischer Philosoph der Aufklärung, bekannt vor allem für seine Staatstheorie, Empirist. Locke legte mit seiner Philosophie des Geistes einen Grundstein für Kants später erscheinende Transzendentale Ästhetik: Der Geist greift durch eine Form der inneren Wahrnehmung auf sich selbst zu verschiedenen Zeitpunkten (zum Beispiel gestern) zurück.

Biografie zu John Locke (Quelle: Verfassungsgeschichte der Neuzeit Online, Prof. Dr. Andreas Kley, Universität Zürich)

Tabellarische Kurzbiografie zu John Locke (Quelle: www.zeno.org)

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Kategorien: Philosophen
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Von der Aufklaerung getrennt Geist und Koerper sind zu unterscheiden doch das
    Eine ist nichts ohne das amdere. Wir brauchen ein Selbst zu erkennen mit unserem
    Verstand um uns selbst bewusst zu sein das bedeutet sinnliche Erfahrung
    gepaart mit verstandesmaesiger Erkenntnis fuehrt zu Selbsterkenntn
    is und zu Selbstbewusstsein

    • 26. Dezember 2013 um 22:03 Uhr
    • Hans Schroeder
  2. Kommentar zum Thema

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