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Medienkunde

WikiLeaks: Idee und Geschichte

Von 10. September 2013 um 13:07 Uhr

Überblick: Für Nachrichtendienste und Politik war es ein mediales Desaster: Die Veröffentlichung von Hunderttausenden geheimen Dokumenten durch eine Hackergruppe sorgte in den vergangenen Jahren für internationale Aufruhr. Regierungspapiere, interne Schreiben, Geheimdienstberichte gelangten über die Medien an die Öffentlichkeit. WikiLeaks wurde zur ersten unabhängigen Sammelstelle für verratene Staatsgeheimnisse in der Geschichte des Internets.

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Wikileaks-Gründer Julian Assange © REUTERS/Valentin Flauraud

Mit dem Anspruch, die Welt offener und transparenter zu machen, hatte der Hacker Julian Assange 2006 die Enthüllungsplattform WikiLeaks gegründet. Durch sogenannte Whistleblower gelangte das Unternehmen an geheime Informationen von Regierungsbehörden und Organisationen, die es zu prüfen vorgab und dann medienwirksam veröffentlichte.

Whistleblower werden Menschen genannt, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit Zugang zu vertraulichen Informationen haben und sie der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Allerdings riskieren sie damit eine Anklage wegen Hochverrats. Um das Risiko für sie zu mindern, bot ihnen WikiLeaks eine Plattform an, die die Identität der Informanten schützt.

Wenn geheime Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen, entsteht, bildlich gesprochen, ein “Leak” – ein Leck in der Hülle eines Tankers etwa, der Informationen birgt. Je größer das Leck, je mehr Informationen also nach außen gelangen, desto schneller sinkt das betroffene Schiff. Oder anders: Wenn die Menschen erfahren, dass sie betrogen werden, fordern sie einen politischen Wandel. So beschreibt Assange die Idee hinter WikiLeaks.

Die ersten großen Erfolge machen WikiLeaks weltberühmt

Im Juli 2010 veröffentlichte WikiLeaks geheime Militärdokumente aus dem Afghanistan-Krieg (die Afghan War Diaries). Noch im Oktober desselben Jahres erschienenen außerdem Dokumente aus dem Irakkrieg (die Iraq War Logs). Die Publikationen ermöglichten eine Neubewertung der Konflikte und ihrer Tragweite.

Besonderes Aufsehen erregten die Aufnahmen der Bordkamera eines amerikanischen Kampfhubschraubers im Irak, die WikiLeaks unter dem Titel Collateral Murder auf YouTube veröffentlichte. Sie zeigen die Tötung von ungefähr zwölf Personen, darunter zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Der für die Weitergabe der Informationen verantwortliche Whistleblower und Militäranalyst Bradley Manning verriet sich im Chat und wurde kurz darauf festgenommen. Er verantwortet sich derzeit in den USA vor Gericht für den Geheimnisverrat.

Mannings Festnahme führte bei den Hackern zu einem internen Streit über die Ziele und die Verantwortung von WikiLeaks. Auch das Selbstverständnis von Assange spielte dabei eine Rolle. Daniel Domscheit-Berg, damals noch Gründungsmitglied und Pressesprecher des Unternehmens, warf Assange autoritären Führungsstil vor. Er kritisierte die Intransparenz von WikiLeaks und meinte, sie stünde im Widerspruch zu der Absicht, für Transparenz und Demokratie einzutreten. Im Zuge der Auseinandersetzungen suspendierte Assange Domscheit-Berg, der die Gruppe daraufhin im September 2010 verließ.

Ihr größter Coup wird WikiLeaks zum Verhängnis

Im November 2010 veröffentlichte WikiLeaks Hunderttausende amerikanischer Botschaftsdepeschen. Die Cablegate genannte Enthüllungsaktion war für die Medien ein Spektakel. Die ganze Welt erfuhr, dass die US-Diplomaten Westerwelle insgeheim für inkompetent und Putin für einen Proleten hielten. Jahrelange diplomatische Bemühungen schienen über Nacht zunichte gemacht.

Die Leaks machten das Unternehmen weltweit berühmt. Um die Bearbeitung der Daten zu beschleunigen und eine größere Öffentlichkeit zu erreichen, ging WikiLeaks Partnerschaften mit den Redaktionen des Guardian, der New York Times und des SPIEGELs ein.

WikiLeaks wurde für die Veröffentlichung scharf kritisiert. Seine Medienpartner distanzierten sich von Cablegate und von Assange. Befürchtungen wurden laut, die demokratischen Systeme könnten sich infolge solcher Aktionen immer weiter verschließen. WikiLeaks schade der Demokratie, belohne aber ihre Gegner. “Eine Regierung, die sich konsequent verschließt”, fasst der Schriftsteller und Informatiker Jaron Lanier das zusammen, habe “keine Probleme mit der Methode; eine Regierung jedoch, die in hohem Maße transparent ist, wird ihr zur leichten Beute”. Außerdem sei das Unternehmen zu genau dem geworden, was es sich zu bekämpfen einst vornahm: eine undurchsichtige Vereinigung, die niemand mehr kontrolliert.

Assange und sein Unternehmen verloren einen Großteil ihres öffentlichen Ansehens. Weil es nur noch wenige Spender gibt und WikiLeaks sich ausschließlich über Spenden finanziert, fehlt dem Unternehmen das für seine Arbeit benötigte Geld. Dazu trägt bei, dass eine Reihe großer Finanzdienstleister auf Druck der amerikanischen Regierung WikiLeaks boykottiert.

Derzeit wehrt sich Assange gegen seine durch Großbritannien geplante Auslieferung an Schweden. Dort soll er wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung von der Staatsanwaltschaft verhört werden. Dass Assange die Vorwürfe nicht ausräumt, schadet seinem Ansehen enorm. Das Unternehmen hat die Arbeit nach eigenen Angaben vorläufig eingestellt.

 

ZEIT ONLINE Dossier

 

DOSSIER / ANREGUNGEN

Im Anschluss geben wir euch Anregungen zur Diskussion. Sie sollen dabei helfen, euch eine eigene Meinung zum Thema zu bilden. Die Antworten auf die Fragen könnt ihr erarbeiten, indem ihr euch entweder der Artikelsammlung bedient, die ihr weiter unten auf dieser Seite findet, oder indem ihr selbst nach Beiträgen im Netz sucht. Im Kommentarbereich könnt ihr eure Erkenntnisse miteinander teilen und diskutieren. Anmerkungen oder Vorschläge zur Ergänzung des Beitrags, der Aufgabenstellungen und des Dossiers bitte an david.schmidt@zeit.de

 

1. Ziele

a) Welche Ziele hat WikiLeaks?
b) Wie setzt es diese Ziele um?
c) Sind es gute Ziele? Warum? Warum nicht?

 

2. Kritik

a) Woran misst sich der Erfolg von WikiLeaks? Inwiefern lässt sich überhaupt von Erfolgen sprechen?
b) Welches sind die Hauptkritikpunkte an der Arbeit von WikiLeaks? Sind sie berechtigt?

 

3. Medienvergleich

a) Vergleiche die unten stehenden Artikel von Welt Online, tagesschau.de und ZEIT ONLINE miteinander. Worin unterscheiden Sie sich? Zu welchen Schlussfolgerungen führen deine Beobachtungen?

WELT ONLINE: “Zickenkrieg bei WikiLeaks gefährdet Menschenleben
tagesschau.de: “WikiLeaks verliert Kontrolle über US-Depeschen
ZEIT ONLINE: “WikiLeaks ist erledigt, Transparenz nicht

b) Wie die Wikipedia sollte WikiLeaks möglichst vielen Menschen den Zugang zu möglichst vielen Informationen verschaffen. Dennoch könnten die Unternehmen kaum verschiedener sein. Welche strukturellen Kennzeichen unterscheiden WikiLeaks von der Wikipedia? 

c) Vergleiche die Erzählungen der Redakteure in der Dokumentation “WikiLeaks – Geheimnisse und Lügen” mit den Schilderungen von Julian Assange im Text “Julian Assange – the Rolling Stone Interview“. Wo decken sich die Darstellungen? Wo widersprechen sie sich?




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Ausgewählte Artikel und Materialien zum Thema:

 

Hintergründe:
Die Geschichte von WikiLeaks

WikiLeaks – Geheimnisse und Lügen (Arte, Dokumentarfilm Australien/Deutschland, 2012)

Julian Assange, Daniel Domscheit-Berg und Journalisten vom Guardian, der New York Times und dem Spiegel erzählen ihre verschiedenen Versionen der Geschichte von WikiLeaks.

Julian Assange: The Rolling Stone Interview (Rolling Stone, 18.01.2012)
Assange verrät, was ihn zur Gründung von WikiLeaks inspirierte, erzählt von Mutproben in seiner Kindheit und erörtert seine Situation.  Der Bradley-Manning-Prozess, sagt er, sei auch ein Prozess gegen WikiLeaks – vor allem aber ein Prozess gegen die Pressefreiheit in der USA. (Englisch)

No Secrets (The New Yorker, 07.06.2010)
Raffi Khatchadourian erzählt in einem bemerkenswerten Portrait des Hackers und Aktivisten Assange dessen alles andere als gewöhnliche Lebensgeschichte. Dabei verdeutlicht er anschaulich den Widerspruch, in dem WikiLeaks sich verheddert. (Englisch)

Julian Assange – Why the world needs WikiLeaks (TED, Juli 2010)

Julian Assange spricht über die Beweggründe von WikiLeaks. (Englisch m. Untertitel)

Julian Assange: Das WikiLeaks-Manifest (le Bohémien, 09.12.2010)
Julian Assanges WikiLeaks-Manifest (zuerst auf Englisch erschienen als Conspiracy and Governance) verrät viel über sein Denken, seine Ziele und seine Motivation. Paolo Pedercini hat versucht, das Manifest als Flashgame darzustellen.

Der Gegenverschwörer (Sueddeutsche.de, 03.12.2010)
In der Süddeutsche Zeitung zeichnete Niklas Hofmann ein Portrait von Julian Assange, das nach seinen Ideen fragt. Dabei geht Hofmann auch auf den Krypto-Anarchismus ein, der Assange beeinflusst hat.

Mit messianischem Eifer (Süddeutsche.de, 25.10.2010)
Geht es Julian Assange um die Wahrheit? Oder geht es ihm um Julian Assange? Diese Frage stellte die Süddeutsche Zeitung nach der Veröffentlichung der Irak-Protokolle.

Eine Übersicht über die Veröffentlichungen von WikiLeaks

Veröffentlichungen von WikiLeaks (Wikipedia)
Von Korruptionen, Kriegsverbrechen, Dilettanten und privaten Geheimdiensten: Sämtliche Veröffentlichungen auf der Internetplattform Wikileaks in der Übersicht. 

Datenpanne bei WikiLeaks:
Die Cablegate-Affaire – Die Veröffentlichung der Depeschen

WikiLeaks-Enthüllungen (Tutorial, Vidorial, 02.12.2010)

Ein schnelles Tutorial für die Nutzung von WikiLeaks Cablegate.

WikiLeaks: Was die geheimen Dokumente verraten (ZEIT ONLINE, 29.11.2010)
Der Inhalt der geheimen Depeschen könnte die USA in diplomatische Schwierigkeiten bringen. Was bergen sie, wie sind die Reaktionen? ZEIT ONLINE hat die Veröffentlichung der Dokumente begleitet.

WikiLeaks: Hybris statt Wahrheitssuche (ZEIT ONLINE, 29.11.2010)
WikiLeaks will die “Wahrheit offenlegen”. Doch welche Wahrheit offenbaren die bekannt gewordenen diplomatischen US-Dokumente eigentlich?

Warum Diplomatie Vertrauen braucht (Der Tagesspiegel, 10.12.2010)
Volker Perthers, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, über den Schaden, den die Diplomatie durch die Cablegate-Veröffentlichungen erlitten hat. Die Diplomatie, glaubt er, wird sich davon nicht wieder erholen.

WikiLeaks: Wenig Anlass für Entrüstung (ZEIT ONLINE, 2.12.2010)
Sicheres Urteilsvermögen, gesunder Realitätssinn: Nach allem was bekannt ist, müssen sich Amerikas Diplomaten nur für wenige Aussagen entschuldigen, kommentiert ZEIT-Redakteurin Andrea Böhm.

Das WikiLeaks-Paradox (Cicero Online, 21.12.2010)
Die Veröffentlichung der Diplomatie-Depeschen werde langfristig zu immer weniger Transparenz führen, glaubt Wolfgang Ischinger.

Die Welt läuft aus (ZEIT ONLINE, 02.12.2010)
Was bringen die Enthüllungen von WikiLeaks? Nicht die Wahrheit, sondern eine neue Ideologie. Und ein paar kleine Gefahren für den Frieden.

Assange’s appeal to Ecuador is no surprise (Al Jazeera English, 21.06.2012)
Cablegate gewinnt WikiLeaks neue Verbündete. Für Julian Assange zahlt sich das aus.

WikiLeaks in der Krise:
Vom Boykott gegen WikiLeaks

Julian Assange, der Geheimnisträger (ZEIT ONLINE, 9.10.2010 )
Anmaßung und Paranoia: Julian Assange stürzt seine Enthüllungsplattform WikiLeaks in die Krise.

WikiLeaks trotz Botschaftsdepeschen tief in der Krise (ZEIT ONLINE, 30.11.2010)
2010 wird für WikiLeaks zunächst zum Erfolgsjahr – dann aber folgen Probleme und es hagelt Kritik. Bis heute hat das Unternehmen sich davon nicht wieder erholt.

WikiLeaks suspends publishing (The Daily Conversation/YouTube, 24.10.2011)

Die gemeinsame Finanzblockade von MasterCard, Visa, PayPal, Western Union und der Bank of America zeigt Wirkung: WikiLeaks stellt legt Aktivitäten auf Eis. (Englisch)

WikiLeaks und die Medien

“Wir halten kritische Distanz” (faz.net, 01.12.2010)
Der Spiegel hat die Depeschen amerikanischer Diplomaten zur großen Geschichte gemacht. Wikileaks lieferte das Material. Im Gespräch verraten die Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron mehr über die Hintergründe der Aktion.

WikiLeaks data journalism: How we handled the data (the Guardian, 31.01.2011)
Guardian-Redakteuer Simon Rogers über den Umgang des Guardian mit den Daten von WikiLeaks. (Englisch)

Texte über das Wirken von WikiLeaks

Digitale Selbstjustiz (Focus.de, 20.12.2010)
Wäre eine Welt ohne Geheimnisse eine gerechtere Welt? Und welche Geheimnisse brauchen wir? Jaron Lanier findet Antworten. WikiLeaks, kritisiert er, schade vor allem demokratischen Staaten.

Twelve theses on WikiLeaks (Eurozine, 07.12.2010)
In zwölf Thesen entwerfen Geert Lovink und Patrice Riemens eine Perspektive auf eine offenere Gesellschaft und beschreiben die Rolle von WikiLeaks im Zusammenspiel mit den Medien. (Englisch)

WikiLeaks – Assange & Philosopher Slavoj Žižek (YouTube, 2011)

Philosoph Slavoj Žižek im Gespräch mit Julian Assange. (Englisch)

Irak-Akten: “WikiLeaks sollte das Rampenlicht meiden” (ZEIT ONLINE, 25.10.2010)
Die Irak-Akten verschaffen WikiLeaks große Aufmerksamkeit. Ihr Ex-Aktivist Herbert Snorasson findet das falsch. Im Interview erklärt er den Streit mit Gründer Assange.

Datenjournalismus: Wie digitalisiertes Wissen unser Verhältnis zur Wahrheit verändert (Berliner Gazette, 24.05.2011)
Was bedeutet die Digitalisierung von Wissen, was bedeutet sie für den Journalismus und damit die politische Macht? Diese Fragen stellt sich Mercedes Bunz in der Berliner Gazette. 

WikiLeaks: Transparenz, und dann? (ZEIT ONLINE, 10.12.2010)
Sollte die Politik transparenter werden, wäre damit allein nicht viel gewonnen: Auch der Bürger muss dann mehr Verantwortung tragen. Ein Kommentar.

WikiLeaks: “Totale Transparenz ist auch totale Überwachung” (ZEIT ONLINE, 3.2.2011)
Das Geheimnis in Zeiten von Wikileaks: Die Kulturwissenschaftlerin Eva Horn spricht im Interview über die Macht des Leakings und über das Phänomen Julian Assange.

Wie geht es weiter? OpenLeaks und Daniel Domscheit-Berg

Whistleblower: WikiLeaks-Aussteiger gründen eigene Plattform (ZEIT ONLINE, 10.12.2010)
Unter Führung von Ex-Wikileaks-Sprecher Domscheit-Berg wächst eine neue Enthüllungsplattform. OpenLeaks will Informationen in den Vordergrund stellen, nicht Personen.

OpenLeaks: Warum WikiLeaks mit seiner Strategie gescheitert ist (dctp.tv, 2011)

Daniel Domscheit-Berg spricht mit Philipp Banse über die Probleme von WikiLeaks und das Projekt OpenLeaks, das es besser machen soll.

Daniel Domscheit-Berg: “WikiLeaks ist derzeit nicht existent” (ZEIT ONLINE, 10.2.2011)
Daniel Domscheit-Berg, einst Mitstreiter von Julian Assange, deckt auf: Ein Interview über Freundschaft, Missgunst und die Frage, ob WikiLeaks technisch am Ende ist.

 

Auf Twitter und Facebook finden sich eine Reihe von Seiten, die sich mit WikiLeaks befassen. Hier könnt ihr mit Menschen überall auf der Welt diskutieren, die sich mit dem Thema befassen. 

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Medientheorie

Von 26. Juni 2012 um 12:03 Uhr

Medientheorie

Wir haben ständig mit verschiedenen Medien zu tun, wir verwenden sie als Informationsquelle, zum Zeitvertreib, als Arbeitsgerät oder als Kommunikationsmittel. Jedes Medium funktioniert anders und wirkt anders. Damit beschäftigt sich die Medientheorie.

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Johannes Gutenberg, Erfinder des Buchdrucks, betrachtet eine gedruckte Seite an seiner ersten Druckpresse. ® Rischgitz/Getty Images

Seit der Erfindung des Buchdrucks können wir Wissen beliebig reproduzieren und archivieren, so dass wir jederzeit darauf zurückgreifen können. Weil gedruckte Texte billiger sind als Handschriften und massenhaft produziert werden können, erhalten mehr Menschen Zugang zu Wissen.

Die Erfindung des Radios hat dazu geführt, dass viele Menschen gleichzeitig dasselbe hören können: Musik, Geschichten oder Nachrichten. Auch das Fernsehen bringt Informationen und Geschichten zu uns nach Hause, es ist aber nicht nur ein akustisches, sondern auch ein visuelles Medium. Deshalb wirken die vermittelten Inhalte anders auf uns.

Radio, Fernsehen und Printmedien haben aber ein gemeinsames Merkmal: Der Sender hat nur wenige Informationen über die Empfänger. Er kann nicht sicher sein, ob seine Botschaft so ankommt, wie er es will.

Das Internet hat das verändert. Sender und Empfänger können hier unkompliziert miteinander kommunizieren. Jeder kann Sender und Empfänger sein. Außerdem hat das Internet die Welt des Einzelnen vergrößert: Er kann auf eine Vielzahl von Bildern zugreifen, mit Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren oder Handel treiben.

Einige Theorien zu den verschiedenen Medien stellen wir auf dieser Themenseite vor.

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Allgemein

Massenmedien (mediaculture-online.de, 2005)
Dieser Artikel erläutert den Begriff Massenmedien, er ist zentral für viele Medientheorien. Der Autor geht auch auf die historische Entwicklung der verschiedenen Massenmedien ein.

Die Inszenierung des Authentischen (mediaculture-online.de, 1997)
Erfahren wir aus den Medien die Wahrheit? Wie erkennen wir, was real ist und was erfunden? In diesem Text erläutert der Autor, wie Realität entsteht: in einem ständigen Prozess, in dem Sender und Empfänger sie stets neu aushandeln. Denn Wirklichkeit ist das, was wir dazu erklären.

Buchdruck

Das Verschwinden der Kindheit (Fachhochschule Münster)
In seinem Text Das Verschwinden der Kindheit vertritt Neil Postman die These, der Buchdruck habe die Menschen in zwei Gruppen unterteilt: die Lesenden (Erwachsene) und diejenigen, die von Ihnen das Lesen lernen (Kinder).

Zukunft der Gutenberg-Galaxis (Bundeszentrale für politische Bildung)
Der Buchdruck hat die Produktion und Aneignung von Wissen verändert und neue ökonomische Prinzipien hervorgebracht, schreibt der Autor und stellt die Frage, ob diese Prinzipien durch das Internet verschwinden.

Radio

Der Rundfunk als Kommunikationsapparat (Hochschule der Medien, Stuttgart)
Bertolt Brecht ist als Dramatiker bekannt. Doch er hat auch eine Radiotheorie entwickelt. Er regte darin an, das Medium auch als Kommunikationsmittel zu nutzen: Empfänger sollten selbst zu Sendern werden. Mehr zu seinen Thesen steht in diesem Artikel.

Foto, Film und Fernsehen

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Hochschule der Medien, Stuttgart)
Dieser Text erläutert Walter Benjamins These, dass Fotografie und Film vor allem die Bedeutung und Wahrnehmung der Kunst verändern. Der Text des deutschen Soziologen gilt als ein Grundlagenwerk der Medientheorie.

Buchkritik: Die Realität der Massenmedien (DIE ZEIT, 1996)
Niklas Luhmann ist der wohl einflussreichste deutsche Medientheoretiker. 1996 kam sein Werk Die Realität der Massenmedien heraus und fand großen Anklang. In einer Rezension erläutert Richard David Precht die zentralen Thesen Luhmanns.

1985 schrieb der populäre Medientheoretiker Neil Postman: Wir amüsieren uns zu Tode. Seine These war, dass die Menschen wegen des Fernsehens nicht mehr nach Inhalten verlangten,  sondern nur nach Unterhaltung. In dieser mehrteiligen Reportage erläutert Postman seine Folgethese: “Wir informieren uns zu Tode”

Computer und Internet

Der Medienprophet (Süddeutsche Zeitung, 10.02.2011)
Marshall McLuhan prophezeite das “globale Dorf” und entwickelte damit eine Theorie des Internets, bevor es das Internet gab. Was der Begriff bedeutet, ob McLuhan mit seiner Vorhersage Recht behalten hat und was er mit dem Ausspruch meint: “Das Medium ist die Botschaft”, beschreibt dieser Artikel. Mehr zur Person McLuhans hier.

Neue Medien – Internet – Kommunikation (Bundeszentrale für Politische Bildung)
Das Internet ist das neueste Medium und auch deswegen theoretisch noch am wenigsten erfasst. In dieser Publikation versuchen sich die Autoren an Antworten auf die Frage: Was macht das Internet mit uns und der Welt?

Am Ende der Gutenberg-Galaxis (Universität Innsbruck)
Der Medientheoretiker Norbert Bolz gilt als provokant und umstritten. In seinem Buch Am Ende der Gutenberg-Galaxis vertritt er die These, der Computer löse das Buch als Leitmedium ab.

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Kategorien: Medienkunde, Medientheorie

Internet: Nutzen, Chancen und Risiken

Von 4. September 2012 um 17:45 Uhr

Überblick: Die Entwicklung des Internets gilt als Schlüsselfaktor gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen: Ob es um Kommunikation mit Freunden, den Einkauf oder die Suche nach Informationen geht, vieles geschieht inzwischen online. Das Internet macht viele Dinge einfacher und schneller.

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© martcase/photocase

Doch nicht alle profitieren davon in gleicher Weise: Weiter…

Journalistische Darstellungsformen

Von um 16:29 Uhr

Journalisten berichten nicht nur in verschiedenen Medien, also Radio, Fernsehen, Print oder Online, sondern auch in ganz verschiedenen Darstellungsformen. Zu den wichtigsten zählen Nachricht, Bericht, Reportage, Kommentar, Interview und Glosse. Weiter…

Wege in den Journalismus

Von um 17:47 Uhr

Viele Schulabgänger wollen “Was mit Medien machen”. Doch wie wird man Journalist, was zeichnet gute journalistische Arbeit aus – und was sind die aktuellen Herausforderungen in diesem Beruf?

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© Saeed Khan/AFP/Getty Images

Trotz seiner wichtigen gesellschaftlichen Funktionen befindet sich der Journalismus, vor allem der Printjournalismus, in einer ökonomischen Krise, die zu seiner teilweisen Deprofessionalisierung geführt hat: Aufgrund der aktuellen Entwicklungen der letzten Jahre sind immer weniger Journalisten fest angestellt, Weiter…

Kategorien: Journalismus, Medienkunde

Wirkung, Einfluss und Aufgabe von Medien

Von um 17:49 Uhr

Die Massenmedien haben in Deutschland den rechtlichen Auftrag, eine Kritik- und Kontrollfunktion in der Gesellschaft wahrzunehmen: also Missstände aufzudecken, Geschehnisse zu hinterfragen und Kritik zu üben. Außerdem sollen sie zur Meinungsbildung beitragen und natürlich den Leser umfassend informieren. Dass die Medien dabei unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Berichterstattung setzen und Geschehnisse oder Entscheidungen in der Politik nicht auf gleiche Weise beurteilen, ist ein wichtiger Faktor für die Meinungsbildung in einer Demokratie. Weiter…

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