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Junge Freiheit 2.0 – Das jung-konservative Projekt www.blauenarzisse.de

 

Im Jahr 1986 gründete Dieter Stein die Schülerzeitung „Junge Freiheit“ (JF) und hat sie bis heute zu einer auflagenstarken, rechtskonservativen Wochenzeitung entwickelt. In dessen Fußstapfen steigt seit 2004 der Chemnitzer Felix Menzel. Auch er gründete mit „Blaue Narzisse“ eine Schülerzeitung für Gymnasiasten und baute diese in Zeiten des www zu einem viel beachteten, rechtsgerichteten Internetprojekt aus.

Entstanden sein soll die Idee zur Gründung einer Zeitung auf dem Tag des „Allgemeiner Pennäler Ring“ (APR) im Jahre 2004 in Berlin. Am 1. September 2004 war es dann soweit. Die erste Ausgabe der Schülerzeitung mit dem „neuartigen Konzept“ für Konservative erblickte das Licht der Öffentlichkeit. Den Anspruch des Blattes beschreiben deren Macher als „freigeistig“. „Wir nehmen unser Recht auf Provokation wahr“, heißt es selbstbewusst in einer Selbstvorstellung. Thematisch stehen die Bereiche Geschichte, Politik und Kultur im Vordergrund. Im Jahr 2006 eröffnete „Blaue Narzisse“ schließlich ein online-Angebot, an dem anfangs 20 Autoren beteiligt waren. Im Jahr 2007 erfolgte eine Überarbeitung samt Erweiterung durch ein weblog. Allein in den letzten zwölf Monaten will man knapp eine viertel Million Besucher verzeichnet haben.

Von Anfang an ist Felix Menzel der Macher des Projekts. Er zeichnet als Chefredakteur verantwortlich und ist Student der Medien- u. Kommunikationswissenschaften, BWL und Politikwissenschaft an der Universität Halle-Wittenberg. Die Parallelen zu Dieter Stein und der „Jungen Freiheit“, angereichert um die kommunikativen Möglichkeiten des Internet, sind frappierend. Wie die JF versucht www.blauenarzisse.de bspw. nicht unerfolgreich, angesehene Querdenker zu Interviews zu motivieren und so von deren symbolischem Kapital zu profitieren. Der bisher beachtlichste Coup: Ein Gespräch mit dem Publizisten Henryk M. Broder über Einwanderung, den Islam und political correctness in Deutschland.

sezession21-1Menzels Aktivitäten bleiben in der rechten „Szene“ nicht unbeachtet. Sie treffen bspw. auf das nachsichtige Wohlwollen des „Institut für Staatspolitik“ in Schnellroda. Von dort aus versuchen Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann seit einigen Jahren eine rechtskonservative Elite zu organisieren. Ein Instrument hierfür ist die institutseigene Zeitschrift „Sezession“. In deren Nummer 21 (Dezember 2007) wurde Menzel jüngst zu seinem Projekt in väterlicher Attitüde befragt. Zwar grenzt sich dieser vom Vorwurf des Rechtsextremismus ab, jedoch bekennt er sich ebenso unmissverständlich dazu, „an einer rechten Milieubildung mitarbeiten“ zu wollen. Auf die Frage, wie er sich Deutschlands Zukunft vorstelle, weiß Menzel nichts Genaues zu sagen. Auf alle Fälle müsse es einen „großen Wurf“ geben – und hierzu gehört wohl auch der Kampf gegen den „multikulturellen Dauerzustand“, gegen „Überfremdung“ und gegen die „Islamisierung Deutschlands“ (Sezession 21/33f). Zumindest was Menzel nicht will, weiß er also schon einmal ganz genau.

Herzstück der Aktivitäten von Kubitschek und Weißmann sind jedoch die so genannten „Akademien“. Regelmäßig versammeln sie auf dem Rittergut Schnellroda handverlesen vorwiegend junge Männer um sich, um sie auf den intellektuellen „Vorbürgerkrieg“ vorzubereiten. In Ausgabe 6/08 der JF bewarb das „Institut für Staatspolitik“ großflächig die vom 6. bis 9. März 2008 stattfindende Akademie zum Thema „Masse“. Dieses für rechtskonservative Kreise mit elitärem Anspruch durchaus ambivalente Thema wird von den Veranstaltern als unumgänglich betrachtet. „Wer die Masse ignoriert, kann keine Politik betreiben.“, heißt es in der Anzeige.

Teilnehmen kann jedoch nur, wer das 35. Lebensjahr nicht bereits überschritten hat. Zudem behalten sich die Veranstalter vor, Interessierte auf Herz und Nieren zu überprüfen, um sie auf die begrenzten und zugleich begehrten Teilnehmerplätze zu verteilen. Verwunderlich wäre es nicht, wenn Felix Menzel sowie weitere Personen seines Kreises um die „Blaue Narzisse“ im März bereits fest etwas vorhätten.

michael-schaefer
weitere Informationen: http://www.endstation-rechts.de

0 Kommentare

  1.   ich nu wieder

    – „Wir nehmen unser Recht auf Provokation wahr”, heißt es selbstbewusst in einer Selbstvorstellung. Thematisch stehen die Bereiche Geschichte, Politik und Kultur im Vordergrund.-

    diesen satz finde ich sehr bezeichnend. wusste gar nicht,dass es ein recht auf provokation gibt.aber bitte. wie die in bezug auf geschichte, politik und kultur aussieht kann man sich wohl denken.

    ich sag mal ganz platt: weisse rose statt blaue narzisse!!

  2.   paule

    Zu platt.
    Ein „Recht auf Provokation“ nehmen auch manche andere Strömungen gern war, genau so, wie viele wissen, was sie nicht wollen, aber kaum formulieren können, was sie wollen und wie sie dahin wollen. Auch in der großen Politik.
    Was soll die „Weiße Rose“, wenn nicht, genauso platt, als Vehikel um die „Blaue Narzisse“ durch den Vergleich in die Fascho-Ecke schieben?
    Bei manchen Sachen wird es langsam schwer, die Grenzen zwischen (rechts-)konservativ, national, rechts, rechtsextrem usw. usf. zu ziehen. Man sollte es sich dabei aber nicht so leicht machen und alles was rechts vom eigenen Standpunkt oder rechts von der Mitte ist, in den Neonazi-Beritt reinpacken.
    Etliche von den Beiträgen in der Sezession sind, wenn auch nicht deckend mit meiner Meinung, qualitativ sehr ordentlich und durchaus als Diskussionsbeitrag ernstzunehmen.


  3. […] Freiheit 2.0 – Das jung-konservative Projekt www.blauenarzisse.de Posted 21.Februar 2008 Störungsmelder » Junge Freiheit 2.0 – Das jung-konservative Projekt http://www.blauenarzisse.de Im Jahr 1986 gründete Dieter Stein die Schülerzeitung „Junge Freiheit” (JF) und hat sie bis […]

  4.   Lichtmesz

    Es gibt keinen Gegensatz zwischen Weißer Rose und Blauer Narzisse, vielmehr eine Übereinstimmung. Zumindest eine weitaus größere als mit all den Linken, die die WR für sich vereinnahmen. Aber das sei nicht den Ahnungslosen gesagt.

    Nun, wenn „wir“ „über Nazis“ resp. „Neonazis“ „reden müssen“, was hat eigentlich die BN hier verloren?


  5. @Lichtmesz:

    Ja, hallo, Herr Lichtmesz! Dass gerade SIE mit mir reden wollen, ist doch wirklich mal eine echte Überraschung.

    Aber um Ihre Frage in einer Sprache zu beantworten, die zwar nicht die meine ist, aber dazu geeignet sein könnte, das Verständnis zu erleichtern: Gerade dort, wo man ÜBER Nazis redet (und übrigens wegen eines Kommentarteils bisweilen auch zwangsläufig MIT ihnen, das lässt sich wegen der möglichen Anonymität gar nicht verhindern), muss man darauf hinweisen, wer „nur“ entschiedener Gegner ist, um gerade SO den politischen Feind präzise zu bestimmen.

  6.   Albert

    „wer „nur“ Gegner ist, um gerade SO den politischen Feind präzise zu bestimmen.“

    Na, da hat aber einer seinen Carl Schmitt gut gelesen. Doch definiert sich Herr Brodkorb selbstbekennend als „Humanist“, womit der „Feind“ dann als Gegner der „Menschheit“ und als „Nicht-Mensch“ gekennzeichnet wäre. Doch wie heißt es bei Schmitt: „Wer Menschheit sagt, lügt.“

  7.   Christian

    Und was ist daran jetzt schlimm? Haben die Rechten nicht das Recht, eigene Jugendpublikationen zu fabrizieren, wie es die Linken seit Jahr und Tag tun? Wenn ich gucke, was bei mir an der Uni so verteilt wird, da ist die Linkspartei im Vergleich noch konservativ…

  8.   Peter

    Herr Menzel und die Blaue Narzisse sind mir richtig sympathisch.

    Herr Brodkorb, warum ertragen sie keine Demokratie, in der es auch Konservative gibt. Die wahren Toleranten stehen rechts und sie, sie stehen links und sind intolerant.

    Keine Toleranz der Intoleranz.


  9. @ Albert: Nur sagte ich ja auch, dass die Sprache (und auch die Gedankenwelt) Schmitts nicht die meine ist. War doch bloß eine Interpretationshilfe, Albert. Sind Sie eigentlich DER Albert?

  10.   ich nu wieder

    @ peter:

    „Die wahren Toleranten stehen rechts und sie, sie stehen links und sind intolerant.“

    boooring! oder für einen echten konservativen übersetzt: laaangweilig.

    das argument: diejenigen, die gegen rechtsextremismus und gegen intoleranz und für demokratie kämpfen sind selber intolerant und keine demokraten ist langsam echt ein wenig abgedroschen. und auch extrem kindisch- nach dem motto: selber!