Wir müssen reden. Über Nazis.

Russische Skinheads stürmen Festival

Von 31. August 2010 um 12:26 Uhr

Mit Eisenstangen und Schlagstöcken bewaffnet hat eine Gruppe von rund 100 Naziskinheads am Sonntag ein Rockkonzert in der russischen Stadt Miass gestürmt und dutzende Menschen schwer verletzt. Presseangaben nach denen ein 14-jähriges Mädchen an seinen Verletzungen verstorben sein soll, wurden inzwischen dementiert.

Die knapp 3000 Besucher des “Tornado”-Konzerts wurden von dem Angriff völlig überrascht. Videoaufnahmen zeigen, wie die unvermummte Gruppe Neonazis mit nackten Oberkörpern auf das Gelände marschiert. Einige der benutzten Schlagstöcke sollen sie zuvor den völlig überforderten Polizisten abgenommen haben. Auf dem Gelände prügeln die Rechten wahllos auf die Besucher ein und verlassen später in aller Ruhe wieder das Festival, während viele blutüberströmte Zuschauer auf der Erde liegen bleiben. Die Polizei griff nicht ein. Das Konzert wurde abgebrochen.

Der staatliche Nachrichtensender Rossija-24 berichtete, dass 14 Krankenwagen zum Konzertgelände kommen mussten, um die Verletzten zu versorgen. Die meisten der Angreifer konnten nach der Attacke entkommen. Nur 15 mutmaßliche Täter wurden festgenommen. Das Motiv für den Überfall bleibt unklar. Möglicherweise zielte die Attacke auf die vielen jugendlichen Punks unter den Zuschauern, die für die rechte Szene als Feindbild gelten.

Die Szenen erinnern an den brutalen Angriff von Neonazi-Hooligans vor zwei Wochen in Pushkin. Die Zahl rechtsextremer Gewalttaten in Russland steigt seit Langem kontinuierlich. Hunderte Menschen wurden in den letzten Jahren von Neonazis ermordet.

“Nazi-Chronik”: Maerz 2008
erschienen in: Novaja Gazeta, 27.03.2008

1. Maerz, Tscheljabinsk: Vor dem Rockgeschaeft “Overdrive” werden 4 Menschen von Nazi-Skinheads ueberfallen. Ein Jugendlicher stirbt vor Ort, die anderen drei werden in die Reanimation gebracht.

2. Maerz, Brjansk: Ein oertlicher Antifaschist wird von zwei Nazi-Skinheads uberfallen

4. Maerz, St. Petersburg: In der Moskauer Chausee wird der Aserbaidschaner Gulam Gambarov von Unbekannten ueberfallen und niedergestochen. Der 58-jaehrige stirbt noch vor Ort.

4. Maerz, St. Petersburg: In der Naehe der Eisenbahnstation Levashovo wird ein 50-jaehriger Mann aserbaidschanischer Abstammung von drei Unbekannten brutal ermordet. Dem Opfer werden Stechwunden an Hals, Haenden und Brust zugefuegt. Das linke Ohr ist abgetrennt.

5. Maerz, Voronesh: Im Leninski Prospekt wird der 15-jaehrige Andrej Subkov ermordet. Die Angreifer maltraetieren ihr Opfer mit Fusstritten. Als das Opfer bewusstlos am Boden liegt, stechen die Faschisten 14 mal auf Andrej ein. Das Gesicht wird bis zur Unkenntlichkeit verstuemmelt.

7. Maerz, Moskau: Um 19 Uhr wird eine Gruppe chinesischer Studenten von 5 Unbekannten ueberfallen. Die Angreifer sind Schwarz gekleidet und tragen Sturmhauben. Zwei Studenten werden mit Stechwunden in Hals und Bauch in ein Krankenhaus eingeliefert.

7. Maerz, Moskau: Um 19 Uhr wird ein chinesischer Staatsbuerger ueberfallen und mit Messerstichen verletzt.

8. Maerz, Sputino (Vorort im Sueden Moskaus): Bei einem Ueberfall auf zwei kirgisische Staatsbuerger wird der 47-jaehrige Rustam Kirgisbaev erstochen. Das Opfer stirbt noch vor Ort.

9. Maerz, Moskau: Ein Mann afrikanischer Abstammung wird in der Metro von Nazi-Skinheads angegriffen. Ein Maedchen, das das Opfer vor den Angreifern schuetzen will, wird ebenfalls verletzt.

11. Maerz, St. Petersburg: In der Kronstadtstrasse wird ein 17-jaehriger Usbeke von zwei Unbekannten ueberfallen. Die Angreifer stechen drei Mal auf ihr Opfer ein. Nach dem Angriff schleppt sich der 17-jaehrige noch in die Wohnung seiner Eltern, erliegt dort aber seinen schweren Verletzungen.

12. Maerz: St. Petersburg: Ein 20-jaehriger Student aus Ghana wird von drei Unbekannten ueberfallen. Das Opfer wird mit 30 Stichwunden und schweren Hirnverletzungen in die Reanimation eingeliefert.

15. Maerz, Moskau: In der Metrostation “Praschskaja” wird ein Nigerianischer Student von drei unbekannten uberfallen. Der 27-jaehrige wird mit einer Gehirnerschuetterung und einem Nasenbeinbruch in ein Krankenhaus eingeliefert.

16. Maerz, Moskau: Im Norden der Stadt wird ein 20-jaehriger Tadschike von drei jungen Maennern ueberfallen und mit Messern verletzt. Das Opfer befindet sich in der Reanimation.

16. Maerz, Moskau: Im Osten der Stadt wird der blutueberstroemte Raimbek Duischenaliev gefunden. Unbekannte haben dem 52-jaehrigenTadschiken mehrmals in die Brust gestochen. Das Opfer befindet sich in der Reanimation, sein Zustand ist kritisch.

16. Maerz, Moskau: Im Westen der Stadt wird der Tadschike Machmadiev von Unbekannten mit Messern ueberfallen.

16. Maerz, Moskau: Im Sueden der Stadt wird der Tadschike Mamad Ali Achmedov von Unbekannten ueberfallen und verstuemmelt. Dem Opfer werden Nase und Lippen abgeschnitten.

16. Maerz, Moskau: An der Metrostation “Kitai Gorod” wird eine Gruppe Jugendlicher von Neonazis angegriffen. Die Jugendlichen befanden sich auf dem Weg zu einem Punkkonzert in dem Club “Art Garbage”. Der 21-jaehrige Punker Aleksej Krilov stirbt noch vor Ort. Auf ihn ist mehr als 30 mal eingestochen worden.

16. Maerz, Voronesh: Ein 27-jaehriger Chinese wird von zwei Unbekannten ueberfallen und verletzt.

17. Maerz, Moskau: Ein 45-jaehriger Tadschike wird von einem Unbekannten ueberfallen und mit Stichwunden im Bauch in ein Krankenhaus eingeliefert.

18. Maerz, Moskau: Der Aserbaidschaner Nisam Goraev wird tot aufgefunden. Unbekannte haben den Gemueseverkaeufer mit Messern ueberfallen.

19. Maerz, Tscheljabinsk: Unbekannte ueberfallen einen 27-jaehrigen Kirgisier. Die Taeter stechen blitzschnell fuenf mal auf ihr Opfer ein und fluechten. Der 27 Jaehrige stirbt noch vor Eintreffen des Krankenwagens.

20. Maerz, Saveti Ilicha (suedlich von Moskau): In der Bahnhofstrasse wird ein schwerverletzter Armenier mit Stichwunden im Hals aufgefunden. Der 43 Jaehrige stirbt unmittelbar nach Eintreffen des Krankenwagens.

21. Maerz, Moskau: In der Naehe der Metro “Rechnoi Voksal” wird die 34-jaehrige Ella Gedeeva ermordet. Auf das Opder ist zehn mal eingestochen worden.

22. Maerz, Moskau: In der Metrostation “Ochotni Rjad” werden zwei Jugendliche von Nazi-Skinheads ueberfallen. Die Nazis verletzen die Jugendlichen und versuchen sie vor die Metro zu schubsen.

22. Maerz, Orel: Zwei bewaffnete Nazi-Skinheads ueberfallen einen Antifa. Das Opfer ist Bassgitarrist der Gruppe “Make a Change”.

23. Maerz, Brjansk: Ein oertlicher Antifa wird von Nazi-Skinheads uberfallen und verletzt

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es ist der totale Albtraum, diese Bilder anzusehen. Die neue SA in jedem Land unterwegs und an Menschenverachtung, Brutalität und Grausamkeit stehen diese Mörderbanden ihren historischen “Vorbildern” in nichts nach.

    Was kann man bei so einem Wahnsinn bloß tun? Organisierte antifaschistische Gegenwehr scheint das einzige zu sein was hilft, wenn die Polizei nicht in der Lage oder – wie leider viel zu oft – nicht Willens ist, einzuschreiten.

    Solidarität mit den russischen Antifaschisten und Antifaschistinnen!

    Antworten

    • 31. August 2010 um 14:43 Uhr
    • Jello Biafra
  2. 2.

    Eine erneut sehr traurige Nachricht zu dem Thema… Man kann nur hoffen, dass sich die Menschen von solchen Gewaltaktionen nicht einschüchtern lassen.

    Nur komisch, dass so etwas eher weniger Aufmerksamkeit bekommen – Auf der anderen Seite erregen einige Aussagen eines Mannes die Gemüter aller, die davon mitbekommen und in Tausenden von Kommentaren wird versucht ihn zu verteidigen oder ihn zu widerlegen.

    Ein kleiner Rechtschreibfehler im Artikel > Die knapp 3000 Besucher des “Tornado”-Konzerts wurden von dem Angriff völlig überrascht*(en)*.

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    • 31. August 2010 um 16:27 Uhr
    • Vivaldi
  3. 3.

    Skinheads sind da keine zu sehen. Wenn man außerdem die Kommentare auf YouTube liest, scheint es vielmehr eine Banditentruppe zu sein, die einen Rachezug durchführt, nachdem einige von Ihnen dran gehindert wurden, Schachliknik-Stände zu plündern.

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    • 31. August 2010 um 21:59 Uhr
    • hase
  4. 4.

    Laut Ria-Novosti gab es kein Todesopfer. Das war eine Falschmeldung.
    Auch sollen es keine Nazis gewesen sein, sondern ein “Strafexpedition” für einen persönlichen Streit. Bekanntlich ist so was oft normale “Vertuschung”, aber manchmal eben auch schlicht so passiert.
    Wie Nazis sehen die Typen jedenfalls nicht aus (keinerlei Symbole, keine Glatzen).
    http://de.rian.ru/crime/20100830/257189433.html

    Auch russland.RU schreibt, dass es keine Nazis waren und dass es keine Toten gibt
    http://www.aktuell.ru/russland/panorama/organisierte_massenschlaegerei_auf_rock_festival_im_ural_3091.html

    @Störungsmelder
    Überprüft bitte diese Angaben und korrigiert sie wenn nötig.

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    • 1. September 2010 um 07:38 Uhr
    • egal
  5. 5.

    Was macht aber ein NPD Bild zu diesem Artikel? Ist das nicht ein wenig gewagt?

    Antworten

    • 1. September 2010 um 08:14 Uhr
    • Lars
  6. 6.

    Das Bild mit den NPD-Fahnen ist doch kein Artikel-Bild, sondern der Header dieses Blogs, also über jedem Text zu sehen.

    Antworten

    • 1. September 2010 um 10:50 Uhr
    • Johannes Radke
  7. 7.

    [...] Störungsmelder: Mit Eisenstangen und Schlagstöcken bewaffnet hat eine Gruppe von rund 100 Naziskinheads am Sonntag ein Rockkonzert in der russischen Stadt Miass gestürmt und dutzende Menschen schwer verletzt. Nach Angaben eines lokalen Radiosenders, soll ein 14-jähriges Mädchen an ihren Verletzungen verstorben sein. [...]

    Antworten

  8. 8.

    aber wenn da 3000 leute waren,warum haben die sich nicht gewehrt.es waren ja nur 100 angreiffer.

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    • 1. September 2010 um 14:13 Uhr
    • anonym
  9. Kommentar zum Thema

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