Wir müssen reden. Über Nazis. Ein Blog

Weltpremiere oder Weltverschwörung: Die Compact Konferenz in Berlin

Von 23. November 2012 um 16:20 Uhr

Fragwürdige Gesellschaft: Werbung für die Compact-Konferenz © Screenshot

Am Samstag, dem 24. November, findet in Berlin die „Souveränitätskonferenz“ der Zeitschrift Compact statt. Versprochen wird laut der Website des Magazins ein „Mega-Event“ mit groß angekündigter Prominenz, so tritt auch der Journalist und Nahost-Experte Peter Scholl-Latour als Redner auf. Dabei gerät in den Hintergrund, wie groß die Verstrickungen zwischen dem Magazin und der Neuen Rechten sind und wie sehr die anti-westliche Grundausrichtung der Zeitschrift auch Neonazis anziehen dürfte.

Auf der „deutsch-französisch-russischen“ Konferenz sollen Fragen nach der Souveränität Deutschlands („Wie wird Deutschland wieder souverän?“) und der deutschen Außenpolitik („Wie lange sollen wir noch für die USA in Kriege ziehen?“) diskutiert werden, auch von „Geheimverträgen“ ist die Rede. Der erste gemeinsame Auftritt des Staatsrechtlers Karl Albrecht Schachtschneider und Peter Scholl-Latour wird als „Weltpremiere“ beworben, es seien bis zu 800 Teilnehmende zu erwarten.

Doch das Compact-Magazin ist äußerst problematisch, sowohl was die inhaltliche Ausrichtung, als auch die adressierte Leserschaft angeht. Nach Eigendarstellung wollen das Magazin und dessen Macher Vorkämpfer gegen die im Land herrschende „Political Correctness“ sein und Widerstand gegen die „Neue Weltordnung“ leisten. Auch werden Zionismus und Faschismus ganz unverblümt gleichgesetzt und deutsche Konzentrationslager verharmlost: „Wer den Begriff ‘Konzentrationslager’ auf die deutsche Vergangenheit beschränkt, wird die Realität von Abu Ghraib und Guantanamo nicht beschreiben können. Wer vom ‘Zionismus’ nicht reden darf, muss auch vom Faschismus schweigen. Aber wir bei COMPACT lassen uns den Mund nicht verbieten.“

So wird dem Magazin in einer gemeinsamen Informationsbroschüre von ver.di-jugend und apabiz über rechte bis extrem rechte Zeitungen auch eine Art „Scharnierfunktion“ zwischen der extremen Rechten und Rechtskonservativen zugesprochen. Die Artikel werden in der Broschüre als häufig offen nationalistisch oder geschichtsrevisionistisch bezeichnet. In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, wie die „Souveränitätskonferenz“ verstanden werden kann: Das Titelbild der zweiten Ausgabe zieren Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Obama, dazu die Schlagzeile „Das besetzte Land“, der Mythos, dass Deutschland immer noch von den Alliierten besetzt sei, kursiert vor allem im Verschwörungstheoretiker- und Neonazi-Milieu. Es verwundert daher nicht, dass es für die anti-westliche und anti-amerikanische Ausrichtung („11. September: Das Dossier der Lügen“, „Netanjahu: Der Irre von Tel-Aviv“) auch Beifall von ganz rechtsaußen gibt: Mitte August lobte der NPD-Kreisverband Jena die Berichterstattung von Compact in der Syrien-Krise. Das Magazin wurde als „kritische Seite“ gelobt und für „Hintergrundinformationen“ empfohlen.

Dabei wolle Compact nach Eigendarstellung eigentlich „demokratische Linke und demokratische Rechte“ zusammenbringen, doch die Zeitschrift tendierte von Anfang an stark nach rechts. Schon das Cover der Nullnummer schmückte der in islamfeindlichen Kreisen beliebte Thilo Sarrazin und auch die eingeladenen Gäste zur Vorstellung des Magazins vor knapp zwei Jahren geben Grund zur Besorgnis. Zu Gast war unter anderem Dieter Stein, Chefredakteur der rechtskonservativen Jungen Freiheit, welche oftmals als „Brücke“ zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus bezeichnet wird. Für musikalische Untermalung sorgte bei der Vorstellung die „patriotische Rapperin“ Dee Ex, deren Musik in verschiedenen rechten Spektren gehört wird.

Besonders brisant aber sind die Äußerungen des Chefredakteurs, Jürgen Elsässer. Der ehemals linke Autor ist ein Verehrer des iranischen Präsidenten und Holocaustleugner Mahmud Ahmadinedschad und verklärte die „grüne Revolution“ nach der Wiederwahl Ahmadinedschads 2009 als Aufstand „Teheraner Drogenjunkies und Strichjungen des Kapitals“. Doch auch vor rassistisch anmutenden Aussprüchen schreckt der Compact-Chef nicht zurück, als Erklärung für die 4:4-Pleite der Fußballnationalmannschaft gegen Schweden führte Elsässer die „Vermischung“ von Völkern an: „Aber absolut TÖDLICH ist das Vermischen: Wenn den Deutschen ihr Fleiß und ihre Kampfkraft ausgetrieben werden soll – und die heißblütigen Südländer ans Kreuz der preußischen Arbeitsdiszplin geschlagen werden“. Zudem lobte der stellvertretende NPD-Vorsitzende Holger Apfel Jürgen Elsässer für dessen „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ und attestierte ihm „NPD-Positionen“.

Das Compact-Magazin und dessen Herausgeber lassen eine Distanzierung zur Neuen Rechten und extrem rechten Kreisen vermissen. Tatsächlich dürfte diese im Hinblick auf die gewollte Überschreitung der „Political Correctness“ nicht mal gewollt sein. Allerdings stellt sich die Frage, warum mit Willy Wimmer und Helmut Schäfer zwei ehemals hochrangige Politiker von CDU und FDP zugegen sein werden bzw. warum sich überhaupt jemand mit den Vertretern von Compact austauschen will. Eine Diskussion scheint überflüssig, wenn die genannten Feindbilder (Zionisten, Amerikaner) und Probleme (Vermischung von „Völkern“) eigentlich mit denen von Vertretern der neuen und extremen Rechten und bekennenden Neonazis übereinstimmen.

Kategorien: Berlin, bundesweit
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Herr Zilmer,
    Ihr Artikel ist unbefriedigend, erklärt nicht die Sache die in der Konferenz besprochen werden soll.
    Stattdessen suchen Sie ‘Beziehungen’ der Veranstalter zu Rechten.
    Wer sucht, der findet …
    aber sie sollten auch mal die uneingeschränkte Bindung an die USA in Frage stellen.
    Soeben wurde bekannt dass die Bundeswehr an der syrischen Grenze Stellung bezieht.
    Darf man diese Entwicklungen nicht auch von ‘links’ kritisieren ?

    • 24. November 2012 um 23:16 Uhr
    • die Stimme
  2. 2.

    Die Konferenz war ziemlich gut und 800 Besucher wurden wohl übertroffen.

    Nazis – um die es in diesem Blog gehen soll, oder nicht? – waren aber wider Erwarten des Autors nicht angezogen worden und deren Themen wie “Deutsches Reich” oder “BRD GmbH” wurden nicht behandelt.

    Stattdessen gab es anspruchsvolle Reden von Russen wie Valentin Michajlowitsch Falin und Franzosen wie Nicolas Dupont-Aignan oder Edouard Husson.

    Die einzige Bewegung, die für sich werben wollte, war die Wahlalternative 2013 – aber dafür reichte am Ende die Zeit nicht mehr.

    Die hier zitierte hysterische ver.di- Jugend- Broschüre hat sich mit der Auflistung von Compact lächerlich gemacht, dort hat man sich wohl nur die (zugegebenermaßen provokanten) Titelbilder angesehen ohne die Artikel zu lesen. Compact wäre wohl kaum in den Lesezirkel aufgenommen worden, wenn die ver.di- Jugend haltbar recherchiert hätte.

    Die Kritik an manchen Blogs von Elsässer hat ihren Platz, aber sein Blog und das Magazin kann man auch trennen, bei weitem nicht alles, was er so bloggt, wird auch gedruckt, die hier kritisierten Stellen fand man jedenfalls nur im Blog.
    Zudem gibt es hierzulande nur wenige Chefredakteure, die derart viele von ihnen nicht geteilte Meinungen in ihrem Blatt dulden wie er, da darf man sich bei anderen Zeitungen und Magazinen gerne mal eine Scheibe abschneiden.

    Ansonsten sollte man sich fragen, warum Compact so “rechtslastig” erscheint, was Interviewpartner angeht. Es ist liegt sicher nicht daran, dass man so wenig Linke anfragen würde, sondern an deren Absagen. Dieter Dehm hat sich zuletzt getraut, war recht lesenswert.

    • 25. November 2012 um 03:37 Uhr
    • Heinz234
  3. 3.

    Hallo Herr Zilmer,

    zu Ihrem Blogeintrag sei folgende Ergänzung gestattet

    1) “der Mythos, dass Deutschland immer noch von den Alliierten besetzt sei” muss angesichts der Anwesenheit von >50.000 US- und >18.000 UK-Soldaten 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges gesellschaftlich diskutiert werden können,

    ebenso

    2) “von „Geheimverträgen“ ist die Rede”, welche ebenfalls im öffentl.rechtlichen Fernsehen (siehe Frontal21 vom 20.Nov’12) benannt wurden.

    Gruss

    • 25. November 2012 um 09:42 Uhr
    • ???
  4. 4.

    Und hier der Link zu Frontal21:
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=yzC2d4gQgrk

    Ansonsten sei auch das hier empfohlen, falls hier wer immer Nazis zu wittern meint. http://de.wikipedia.org/wiki/Souver%C3%A4nismus

    Aber als Euro- und EU- Kritiker muss man sich ja heutzutage viel gefallen von den Schreiberlingen, die nach wie vor der Meinung sind, die EU würde Frieden bringen und der Euro Wohlstand…

    Nicolas Dupont-Aignan meinte dazu gestern:
    “Der Euro, der eigentlich die Völker einander annähern sollte, bringt nun aufs Neue Spaltung und Zerwürfnis über den Kontinent. Während man in Athen Bilder deutscher Spitzenpolitiker verbrennt, wird in der deutschen Presse das griechische Volk verunglimpft. Die Spanier zerstreiten sich und die Katalanen sind kurz vor der Abspaltung. Wer könnte leugnen, dass es der Euro war, der diesen Teufelskreis aus Hass und Ressentiments wieder in Gang gesetzt hat? Warum hören wir nicht auf, uns unsere Eigenheiten vorzuhalten?

    Die Französische Bevölkerung, die pro Jahrzehnt um mehrere Millionen anwächst, braucht ein starkes Wirtschaftswachstum mit einer billigeren Währung. Deutschland wiederum benötigt bei seinen demographischen Gegebenheiten eine hohe Sparquote und eine stärkere Währung, die seiner industriellen Spezialisierung entspricht.

    Ohne den Euro haben wir uns ausgesöhnt und Airbus und die Ariane auf die Beine gestellt. Mit dem Euro zanken wir uns, entfernen uns voneinander- und welche industriellen Errungenschaften hinterlassen wir dabei unseren
    Kindern?”

    Desweiteren sagte er, dass der Euro der Versuch sei, das gemeinsame Haus Europa vom Dach her aufzubauen. Selten so einen gute Gleichung zu diesem Währungsexperiment gehört.

    • 25. November 2012 um 14:43 Uhr
    • Heinz234
  5. 5.

    “[...] warum sich überhaupt jemand mit den Vertretern von Compact austauschen will.” – Man sollte sich mit jedem auseinandersetzen, gerade wenn der jenige komplett andere Thesen (eigentlich Beweise und Indizien erörtert). Sonst kommt man selbst aus einer ziemlich braunen Ecke, um mal Ihre Sprache zu Nutzen, obwohl dieses >> SCHUBLADENDENKEN << nur zur Aufhetzung der Bevölkerung dient. Diese Zeiten sind bald vorbei: links-rechts-sozi-etc.
    Sagen sie mal einem französischen Sozialisten er solle nicht für "La Grande Nation" sein. – na dämmert's?

    Ich schließe mich übrigens selbst mit ein, dass wir seit 1945 ziemlich politisch "verkorkst" worden sind. Vieles wird auf den Kopf gestellt.

    Wenn mittlerweile "Erwin Pelzig" bei "Neues aus der Anstalt" im Staatsfunk Geheimbünde wie Bilderberger, the Group of 30, Trilaterale Kommission, Atlantik-Brücke, etc. und ihre Verflechtungen anprangert, dann kann man nicht mehr von Verschwörung reden.
    Auch Sie müssten, wenn Sie nicht auf den Kopf gefallen sind, zumindest merken oder spüren, dass es eine 1-Block Partei (CDU/SPD/FDP/Grüne/CSU/Linke) ist, die uns ein gewisses "Gegeneinander" vorspielt – und Ihnen wahrscheinlich auch.
    Von dem Grundkurs werden keine 2° abgewichen.

    Aber auch Tabuthemen wie die einseitige Kündigung des Goldfensters (Bretton Woods), was der Hauptgrund für die grenzenlose Kreditschöpfung (Euro-Rettung) ist, wird langsam im Mainstream angesprochen. Befassen Sie sich mal mit diesem Thema.

    Einen Gedanken noch zum Schubladendenken:

    Angenommen, jemand wäre Anhänger der Sozialdemokratie – also auch solidarisch mit den Schwächsten der Gesellschaft und gewerkschaftsfreundlich. Wenn so jemand als Sozi betitelt wird, so weit so gut! Wenn sich diese jenige aber irgendwann zur Regionalität/Länderautonomie/Nationalität bekennt, nur weil er den Großstaat EUDSSR nicht will, ist es ja per Definition ein Sozi-Nationaler, also wenn sie die Worte umdrehen, ein Nationalsozialist.

    UUUUUUPS, so schnell kann's geh'n. Da versteht man die Welt nicht mehr.

    • 26. November 2012 um 03:28 Uhr
    • Compact-Leser
  6. 6.

    Der Artikel lieferte eine sehr gute Vorausschau auf die Konferenz. Die Kommentare hier zeigen wieder, dass getroffene Hunde bellen. Das Problem ist doch folgendes: Im verschwörungsideologischen Umfeld, in dem sich das Querfrontmagazin Compact nun mal bewegt, wird jede Kritik als Angriff und Teil der Verschwörung gesehen. Eine sachliche Auseinandersetzung um Kritikpunkte ist darum mit vielen Lesern und Konferenzteilnehmern nicht mehr möglich. Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass ich einen Teil der betroffenen Menschen einfach nicht mehr argumentativ erreichen kann. Umso wichtiger ist es Menschen aufzuklären und zu warnen, bevor sie in die verschwörungsideologische Szene abrutschen.

    • 26. November 2012 um 04:33 Uhr
    • Roland Sieber
  7. 7.

    Also ich war aus Neugierde auch mal da und ganz überrascht, halbwegs zivilisierte Menschen zu sehen! In der Pause gab es weder Eisbein noch Bier dafür u.a. Linsensuppe (vegetarisch!!) Ok, ein paar Glatzen sind schon rumgelaufen, wenn auch alters- oder genetisch bedingt..;)
    Aber jetzt mal im Ernst: Mich würde interessieren, ob Herr Arne Zillmer nach dem Verfassen dieses Artikels zur Konferenz gegangen ist, um sich selbst ein Bild zu machen oder ob er einfach nur den Auftrag bekommen hat, die Öffentlichkeitsarbeit seitens des Compact-Magazines zwecks Bekanntgebung der Konferenz zu kontern? Und wenn er dort gewesen ist, könnte er ja mal einen weiteren Artikel über diese Veranstaltung verfassen und sich inhaltlich mit den Themen der Konferenz auseinandersetzen!!
    Ansonsten kann ich als ehemaliger FDP-Wähler den Kommentaren 1-5 nur zustimmen!!

    • 26. November 2012 um 21:54 Uhr
    • _(__)_
  8. 8.

    Herr Sieber, Sie waren mit Sicherheit nicht auf der Konferenz, sonst könnten Sie nicht behaupten, dass dieser Artikel eine Vorausschau auf die tatsächliche Konferenz geboten hat.
    Außerdem wurde hier ganz sachlich versucht, sich zu wehren, Kritik an manchen Aussagen Elsässers gar akzeptiert, kann man da nicht anders reagieren als hier alle Kommentare einfach als VT abzutun, ohne darauf einzugehen?

    Eine Warnung vor dem Abgleiten in die “Verschwörungsszene” klappt nicht besonders, wenn man derart verdreht. Seine kontroversen Thesen und Reisen, die hier bemängelt werden, hat Elsässer fein raus gehalten – und ansonsten strotzt der Artikel von falschen Vorstellungen über die Konferenz.

    Oder ist man jetzt schon Verschwörungsszene, wenn man solche Zitate wie das Nicolas Dupont-Aignan gut und EU und Euro schlecht findet?
    Professoren haben schon 1997 prophezeiht, was sich Merkel heute in Griechenland und Portugal antun muss und BILD- Zeitung und Co. gerade über die Griechen schmieren. Europa hatte schon einmal eine Münzunion mit dem Ziel Superstaat, die kläglich scheiterte, damals sogar nicht mal fiat money. Die Wirtschaftsräume sind einfach nicht homogen genug, die Bedürfnisse der Menschen und der von ihnen gemachten Wirtschaft zu verschieden, wir schaffen mit dieser Währungsunion keinen Wohlstand, wir vernichten ihn nur.

    Man will einfach nicht hören und man darf sich schon fragen, wer hier unbedingt an etwas glauben will, was nicht sein kann.

    Mal gespannt, wann der erste noch bezahlte Mainstream- Journalist sich hinstellt und darüber mokiert, der Begriff “Verschwörungstheoretiker” würde zu sehr inflationiert und wertlos, da er mittlerweile auch immer öfter seine Kaste trifft.
    Beim Antisemitismus ist es durch Augstein gerade wieder einmal passiert.

    Zu bequem sein funktioniert bei immer weniger Leuten – und das ist gut so.

    • 27. November 2012 um 04:56 Uhr
    • Heinz234
  9. Kommentar zum Thema

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