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Neues Neonazi-Festival – Thüringer exportieren Rechtsrock

Von 29. Januar 2013 um 09:43 Uhr

Die NPD in Thüringen gehört zu den aktivsten Organisatoren von Rechtsrock-Festivals. Immerhin spülen solche Veranstaltungen tausende Euro in die klammen Kassen. Nun planen Thüringer NPD-Funktionäre ein weiteres Rechtsrock-Festival. Diesmal als Export nach Sachsen-Anhalt.

Von Benjamin Mayer

Lunikoff beim "Rock für Deutschland" in Gera 2009. Foto: Infothek Dessau

Lunikoff beim “Rock für Deutschland” in Gera 2009. Foto: Infothek Dessau

Egal ob „Fest der Völker“, „Thüringentag der Nationalen Jugend“ oder das „Rock für Deutschland“ – die großen RechtsRock-Festivals finden zumeist in Thüringen statt. Tausende Neonazis zog es die letzten Jahre in das braune Herz Deutschlands, um hier ungestört menschenverachtender Musik zu lauschen oder sich an Verkaufsständen mit Szenebekleidung einzudecken. Selbst der Ausfall solcher Veranstaltungen wird schnell kompensiert. Nachdem das „Fest der Völker“ ab 2010 nicht mehr stattfand, organisierte der Neonazi Thorsten Heise kurzer Hand ein eigenes, ein neues Festival im Eichsfeld: den „Eichsfeldtag“. Die aktiven Neonazikader machen Thüringen damit seit Jahren zum Reiseziel der bundesdeutschen Neonaziszene.

RechtsRock – Export aus Thüringen

Auch 2013 planen Thüringer Neonazis wieder ein neues Festival. Vor einigen Tagen begannen die Verantwortlichen die Veranstaltung zu bewerben. Am 10. August 2013 soll sie im Sachsen-Anhaltinischen Sangerhausen stattfinden. Verantwortlich zeichnet Patrick Weber: Der 29-Jährige Maler gehört dem Thüringer NPD-Landesvorstand an und betreibt den Germania-Versand: Vom Runenring über rechtextreme Propaganda bis hin zur Damenhose in waldtarn ist für die rechtsextreme Klientel hier alles zu haben. Unterstützt wird Weber offensichtlich von Neonazis aus dem thüringischen Nordhausen. So führt die Homepage zum Festival unter anderem die „Aktionsgruppe Nordhausen“ auf. Die Nordhäuser Neonazis haben seit Jahren

Das Imperium der NPD: Von Neonazigruppen bis Szenebekleidung. Screenshot der Homepage.

Das Imperium der NPD: Von Neonazigruppen bis Szenebekleidung. Screenshot der Homepage.

enge Verbindungen zur NPD und fielen immer wieder durch gewalttätige Aktionen auf. So zeigt sich auch bei der neu geplanten Veranstaltung, welche Gruppen die NPD unter ihrem Dach versammelt.

Zielgruppe des Festivals dürfte – wie auch bei ähnlichen Veranstaltungen – die freie Szene sein. So ist es nicht nur für Musik gesorgt, auch an Kleidung und Propaganda werde es nicht fehlen, versprechen die Veranstalter. Doch auch für Familien wird einiges geboten: Neben dem Gegröle menschenverachtender Rechtsrockbands gibt es auch ein Kinderprogramm: Clown und Hüpfburg – Neonazi-Ideologie für die ganze Familie. Doch bisher ist das Aufgebot mehr als dünn: Neben dem obligatorischen Szene-Barden Frank Rennicke konnte man bisher nur den Alt-Vorsitzenden der NPD, Udo Voigt, als Redner gewinnen. Doch Voigt dürfte besonders auf solchen Szeneveranstaltungen ein gern gesehener Gast sein. Kritisiert er doch immer wieder die Neuausrichtung der NPD unter Holger Apfel und damit die Distanzierung von weiten Teilen der rechtsextremen Bewegung. Erst nach dem Desaster der Niedersächsischen Landtagswahl hatte sich Voigt wieder zu Wort gemeldet: „Es bleibt die Schadenfreude, daß die Linken raus sind und die Seifenblase der Piraten zerplatzt ist, doch wir mit der vielgepriesene ‚seriöse Radikalität‘ haben wieder Federn lassen müssen.“, schrieb Voigt bei Facebook.

Mit einer weiteren Rechtsrockveranstaltung bleibt Thüringen auch 2013 weiter Pilgerstätte für neonazistische Musikfans, kann seine Stellung sogar noch ausbauen. So wie es derzeit zu erwarten ist, sind es dieses Jahr bis zu vier Veranstaltungen, die hier stattfinden werden. Ungezählt bleiben Auftritte einzelner Bands, die der Öffentlichkeit nicht bekannt werden.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Sicher schlimm, und auch ich bin gegen Radikale und Dumme, egal ob von rechts oder links, aber können Sie vielleicht solche – Entschuldigung – dämliche Polemik wie “das braune Herz Deutschlands” lassen? Ich habe solche Verallgemeinerungen langsam satt.

  2. 2.

    Nun, es ist eine Frage der Gesellschaft. Eine Frage des Mutes und eine Frage des Vertrauens und der Hoffnung. Wenn sich in Thüringen nichts ändert, müssen die Thüringer eben endlich die Neonazis in den Köpfen und die Geschehenlasser aus der Justiz, Verwaltung und der Politik jagen. Dazu muss man etwas tun und endlich die Menschen in Thüringen unterstützen, die begonnen haben, etwas zu tun.
    Der Großteil der Verantwortung liegt bei der Politik. Da sitzen an entscheidenden Stellen oft insgeheime Rassisten oder Konservative. Jedenfalls anscheinend keine Menschen, für die Demokratie einen besonderen Wert hat.
    Wer diesen ekelhaften Rassismus als politische Instanz zulässt, dem ist es letzlich egal, ob er in einer Demokratie oder in einem autokratischen Regime seinen Dienst tut!

    • 30. Januar 2013 um 21:06 Uhr
    • gast
  3. 3.

    [...] allgemein   SZ, 29.01.2013 Sexismus: Blogs, Briefe und Aufschreie   Zeit, 29.01.2013 Thüringen: Neues Neonazi-Festival   FR, 30.01.2013 Hessen: Schwarz-Gelb lobt sich online   Taz, 29.01.2013 Rechtsrock: Nationale [...]

  4. Kommentar zum Thema

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