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Kita feuert Neonazi-Erzieherin

 
Thiazi
Die Erzieherin soll eine führende Rolle in Deutschlands größtem Neonaziforum „Thiazi“ eingenommen haben.

Entsetzen im Brandenburgischen Treuenbrietzen und Brück: Eine Rechtsextreme arbeitete als Erzieherin in einer christlichen Kita. Inzwischen wurde die Frau entlassen. Sie bestreitet, rechtsradikal zu sein. Doch die Beweise sind erdrückend.

Von Alexander Fröhlich

Sie lebte drei Jahre unerkannt in Treuenbrietzen, 60 Kilometer südwestlich von Berlin. Dort machte sie Karriere in der CDU und wurde Erzieherin in einer christlichen Kindertagesstätte im Nachbarort Brück. Damit ist es jetzt für Nicola Brandstetter vorbei, ihre Vergangenheit hat sie eingeholt. Ihre Aktivitäten im 2007 gegründeten und 2012 abgeschalteten braunen Netzwerk Thiazi, laut Bundeskriminalamt (BKA) das zuvor bedeutendste deutschsprachige Neonazi-Internetforum, und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Rostock wurden ihr zum Verhängnis.

Brandstetter hetzte im Internet gegen Sinti und Roma

Brandstetter ist Österreicherin, Jahrgang 1979. Vor elf Jahren kam sie nach Deutschland, 2011 zog sie aus Rheinland-Pfalz nach Potsdam-Mittelmark. Vor zwei Jahren bekam die Erzieherin einen Job im christlichen Kindergarten. Beim CDU-Stadtverband stieg sie zur Beisitzerin auf, bei der Kommunalwahl fiel sie aber in der Stadt und für den Kreistag durch. Der CDU in Potsdam-Mittelmark blieb damit ein größerer Skandal erspart. Denn nach der Wahl wurde Brandstetters braune Vergangenheit bekannt. Die „Antifa Freiburg“ hatte Daten der Thiazi-Internetseite ausgewertet und enttarnte die 34-Jährige als Foren-Moderatorin mit dem Pseudonym „Prometheusfunke“.

In dem Netzwerk soll sie eine führende Rolle gespielt haben – laut Staatsanwaltschaft Rostock in den Jahren 2009 und 2010. Brandstetter soll 1500 Beiträge verfasst haben und sich dabei etwa über den – wörtlich – „Holoklaus“ lustig gemacht haben. Oder sie hetzte gegen Sinti und Roma und schrieb von „Inzest unter Zigeunern“. Eine ihrer Aufgaben bei Thiazi soll es gewesen sein, die Übersetzung des Romans „Hunter“ des US-Neonazis William Pierce zu koordinieren, laut Experten „eine literarisch inszenierte, von derben Gewaltfantasien durchsetzte antisemitische Hetzschrift“.

Brandstetter gehörte zur Gruppe von 26 Neonazis, die 2012 ins Visier der Ermittlungsbehörden rückte. Es gab Razzien, auf Druck der Behörden wurde die auf Servern im Ausland gespeicherte Internetseite von Thiazi abgeschaltet. Im Mai 2013 wurde gegen vier Betreiber des Thiazi-Forums Anklage vor dem Landgericht Rostock erhoben, heute sind es zehn Angeklagte. Vier weitere sollen hinzukommen. Als Hauptbeschuldigte gelten ein 32-jähriger Erzieher aus Mecklenburg-Vorpommern sowie eine 32-jährige Hausfrau aus Baden-Württemberg. Die Anklagen lauten auf Bildung oder Unterstützung einer kriminellen Vereinigung sowie Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, mehr als 2400 Liedtexte und mehr als 1400 Tonträger zum Download im Internet angeboten zu haben. Laut BKA wurde in zahlreichen Texten zum Hass gegen Ausländer, Juden und Menschen mit anderer Hautfarbe aufgestachelt und zu Übergriffen aufgerufen. Der Holocaust werde zudem verharmlost und der Nationalsozialismus verherrlicht. Mit 30 000 Nutzern galt Thiazi laut BKA als das bedeutendste deutschsprachige Neonazi-Internetforum, szeneintern auch „germanische Weltnetzgemeinschaft“ genannt.

Vor ihrem Rauswurf beteuerte die Erzieherin, nicht rechtsradikal zu sein

Auch Brandstetter stand im Verdacht, mit Thiazi eine kriminelle Vereinigung unterstützt zu haben. Und auch ihre Wohnung wurde durchsucht. Allerdings ist das Verfahren wegen der im Vergleich geringen Beteiligung und der geringen Schuld gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt worden.

In Treuenbrietzen war das Entsetzen groß. Die CDU drängte sie zum Rücktritt. Bei dem Kindergarten zögerte man zunächst, personelle Konsequenzen zu ziehen. „Das ist nicht unsere Nicola, von der wir da erfahren mussten, sagten auch viele Kollegen und Eltern“, sagte die Vereinschefin Almut Kautz gegenüber der „MAZ“. Solange sich alle Mitarbeiter dienstlich wie privat an den Vereinsgrundsatz zur Nächstenliebe hielten, gebe es keinen Anlass, etwas zu unternehmen. Drei Wochen später flog Brandstetter raus. „Dieses Gedankengut hat nichts mit unseren Leit- und Grundsätzen zu tun.“

Noch vor ihrem Rauswurf distanzierte sich Brandstetter von „rechtsradikalem und nationalsozialistischem Gedankengut“. Dies passe nicht „zu meinen streng katholischen Grundwerten“, sagte sie. Doch auch über ihre Tätigkeit als Erzieherin hatte sich Brandstetter offen rassistisch geäußert. Als sie noch Erzieherin in Rheinland-Pfalz war, schrieb sie: In ihrem Ort „gibt es bemerkenswerterweise keinen einzigen Schwarzen. Wenn ich in die nächste größere Stadt fahre, ist das Bild aber schon wieder ein völlig anderes, und dort würde ich mein Kind auch um keinen Preis in die Kita schicken wollen“.

10 Kommentare

  1.   Frank

    Es ist doch furchtbar, dass gar nicht geprüft wird, ob es sich um einen Aussteiger handelt, sondern die vielleicht schon bereute Vergangenheit genutzt wird ein Leben zu zerstören. Wer weiß, ob diese Frau vielleicht nur blind vor Liebe war. Wer sagt, dass Sie diese Gesinnung heute noch vertritt.
    Keine Chance auf vergessen? Also ich lese aus dem Artikel nur eine Impulshandlung. Genauso gut hätte Sie zuvor Prostituierte sein, können, dann hätte dieser katholische Kindergarten genauso gehandelt. Wie gesagt kein Interesse am Menschen und dessen Lebensweg, führt zur Radikalisierung. Herzlichen Glückwunsch!

    (Und ja wenn Sie tatsächlich heute noch faschistisches Gedanken gut verbreitet, dann war es richtig Sie nicht weiter mit Erziehungsaufgaben zu betrauen.)


  2. Kein falsches Mitleod. Kein Cm den Nazis. Wer weiß, was die mit den Kindern angestellt hat? Das Risiko ist zu hoch ! Vielleicht werden daraus NSU-Täter?
    Ich hoffe, die Antifa nimmt sie unter Beobachtung und schreitet ein. Die kann ja auswandern, nach Lampedusa oder so, hehe.


  3. was soll das heißen? „auswandern nach lampedusa, hehe“ über wen genau machen sie hier witze?


  4. #2

    „Ich hoffe, die Antifa nimmt sie unter Beobachtung und schreitet ein. Die kann ja auswandern, nach Lampedusa oder so, hehe.“

    Wie soll die Antifa einschreiten? Bitte Klartext.

  5.   Marek

    Schade, dass hier ein Artikel aus einer Tageszeitung zitiert wird, der hoffentlich größtenteils kopiert wurde von einer früheren Veröffentlichung des linken internet-Portals inforiot, die als erste darüber berichteten: http://www.inforiot.de/cdu-lerin-in-neonazi-netzwerk-aktiv/ sowie http://www.inforiot.de/cdu-lerin-in-neonazi-netzwerk-aktiv/

  6.   Johannes Radke

    Das müssen sie dem Tagesspiegel sagen, von denen stammt der Artikel. Nicht von uns.


  7. […] Sie war unter dem Namen „Prometheusfunke“ auf Thiazi.net registriert, arbeitete aber politisch in Treuenbrietzen auch als CDU-Funktionärin. Hauptberuflich war sie in einer Kindertagesstätte tätig: Nicola Brandstetter ist Österreicherin, die vor 11 Jahren in die Bundesrepublik gezogen ist und bald zur Stammbelegschaft des neonazistischen Portals Thiazi.net gehörte. Ihr Arbeitgeber hat sie jetzt gefeuert. ⇒ Weiter mit Störungsmelder. […]

  8.   Peter

    @ Nr. 6
    Nein Herr Radke, dass muss man ausdrücklich auch dem sagen der solche Texte unkritisch zitiert und weiterträgt.

  9.   TDU

    Angriffe auf Polizisten und klammheimliche Freuden in der Vergangenheit schützen auch nicht vor hohen Ämtern. Nichts übrig für Neonazis aber auch nicht für andere Radikale. Aber ob sie der Lehre heute noch angehört oder ihre politische Einsetllung überhaupt in die Arbeit eingebracht, das hätte angesprochen werden müssen.

    In Kitas sollten nicht alle gleich politisch und weltanschaulich ausgerichtet sein. Abgeshen davon, dass Politik da soweiso nichts zu suchen hat. Wir können natürlich die Kindheit auch gleich eliminieren und DDR Erziehung installieren.

  10.   Feuerschweif

    Ich finde es schade wie einem das Leben zerstört wird wegen solchen Sachen. Ich kannte sie und sie war sehr christlich sie ging jeden Sonntag in die Kirche wo ich als Ministrant diente. Ich hoffe sie findet wieder gut ins Leben und das es ihr gut geht.