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Ärger um Neonazi im Sicherheitsdienst

 
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Michel Fischer bei einem Naziaufmarsch (oben) und beim Schlossgrabenfest (unten)

Eigentlich sollte es ein Stadtfest wie jedes andere sein. Das Schlossgrabenfest Ende Mai in Darmstadt war auch in diesem Jahr mit 420.000 Besuchern ein Erfolg. Doch seit einigen Tage später dreht sich alles nur noch um die Security-Firma „VIP Schild“ aus Jena. Die hatte bei der Veranstaltung ausgerechnet einen bekannten Kader aus der militanten Neonazi-Szene Thüringens für die Sicherheit eingesetzt: Michel Fischer aus Tannroda. Der Oberbürgermeister zeigte sich entsetzt. Jetzt kündigten die Veranstalter die Zusammenarbeit mit der Firma.

Von Jens Petersen

Michel Fischer ist kein Mitläufer. Seit Jahren organisiert er Naziaufmärsche und nimmt bundesweit an Szeneveranstaltungen teil. Mehrfach stand er wegen Gewalttaten vor Gericht. 2012 verprügelte er gemeinsam mit seinem Vater einen 13-jährigen Jungen, weil er glaubte dieser habe rechtsextreme Aufkleber abgerissen. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung wurde Fischer daraufhin zu acht Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, verurteilt.

Nachdem er in einem ZDF-Beitrag als Security beim Schlossgrabenfest zu sehen war, schlug die Empörung im Internet große Wellen. Die Veranstalter reagierten schnell. Man habe „seit Jahren eine klare Vereinbarung mit den Dienstleistern“, hieß es in einem ersten Statement vom Schlossgrabenfest.  Jede Form rechten Gedankenguts werde nicht geduldet. „Dem Security-Unternehmen ist es nun bedauerlicherweise scheinbar nicht gelungen, diese klare Bedingung der Zusammenarbeit bei allen Mitarbeiter sicherzustellen.“

Eine Woche später kam dann die Konsequenz. „Die Ereignisse der letzten Tage und die aktuellen neuen, schockierenden Erkenntnisse vermitteln uns ein düsteres, schockierendes Bild über die Sicherheitsfirma, das eine weitere, zukünftige Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen klar ausschließt“, gaben die beiden Veranstalter Thiemo Gutfried und Frank Grossmann bekannt. „Ein Unternehmen, das Nazis beschäftigt, ist für uns selbstverständlich kein Vertragspartner.“ Die Sicherheit werde im nächsten Jahr von einer anderen Firma übernommen.

11401586_10153329339361368_6450252282403993140_n„Die Wissenschaftsstadt Darmstadt und ich persönlich haben eine klare Haltung gegen alte und neue Nazis, Rechtsradikale und Rassisten“, sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). „Ich begrüße die klare Entscheidung der Veranstalter sehr.“

Firmeninhaber Jan Schild gibt sich auf Nachfrage ahnungslos. „Sinnlos aufgebauschte Kinderkacke“, sei die Diskussion um Michel Fischer, sagt er. Angeblich habe ein Sub-Unternehmer Fischer für das Fest in Darmstadt eingesetzt. Er selbst würde Fischer nicht einmal persönlich kennen.

Angesprochen auf andere bekannte Rechtsextreme wie Kevin Armstroff  von den Autonomen Nationalisten Weimar oder Matthias Zerrer, die beide früher bei VIP Schild im Dienst waren, sagt er, diese würden schon lange nicht mehr für seine Firma arbeiten. Und Schild-Mitarbeiterin Katja A., die noch vor wenigen Wochen auf einem NPD-Aufmarsch mit Neonazirapper Patrick Killat (alias Villian 051) für Fotos posierte? Man könne schließlich nicht in die Köpfe der Angestellten schauen, sagt Kampfsportler Schild.

Antifa-Gruppen aus Thüringen gehen davon aus, dass es keineswegs Zufall ist, dass bei VIP Schild hitlerfriedlich organisierte Rechtsextreme arbeiten oder gearbeitet haben. Seit Jahren seien dort Szenekader im Dienst. Firmeninhaber Schild habe zudem unter Pseudonym auf einer Facebookseite rechte Inhalte verbreitet. Unter dem Namen Jan Ski wurden dort unter anderem eine Video über Hitler, Artikel der rechtskonservativen „Jungen Freiheit“  – und private Fotos von Jan Schild veröffentlicht. Ob es sich tatsächlich um sein Facebookprofil handelt, möchte der Sicherheitsdienstchef nicht verraten. Bestreiten tut er es aber auch nicht.

Mit dem Kommentar „Das Wort zu Sonntag“ verlinkt „Jan Ski“ einen Artikel über die Serie von Brandanschlägen der rechtsextremen Gruppe „Deutsche Widerstandsbewegung“. Wie das gemeint sein soll, bleibt unklar. Nach der Randale der “Hooligans gegen Salafisten” 2014 in Köln, bei der mehrere Polizisten verletzt wurden, kommentiert „Jan Ski“ munter: „Ein sonniger Sonntag in Köln“. Zur gleichen Zeit wurde da auf der Facebookseite der Sicherheitsfirma Schild stolz auf 10 Jahre Sicherheitspartnerschaft mit der Jenaer Polizei hingewiesen.

7 Kommentare

  1.   Rainer Hohn

    “ Jede Form rechten Gedankengutes werde nicht geduldet“. sagen die Veranstalter ? Oder der Grüne Bürgermeister ? Egal. Das ist doch mal eine Ansage. Gehört in die Nachrichten, Tagesschau und so…….sollten alle wissen……


  2. […] via störungsmelder: Ärger um Neonazi im Sicherheitsdienst […]

  3.   Steven

    So ist es gut… das Problem muss man wie ein guter Demokrat lösen… mit Bedrohung und Ausgrenzung! 😉

  4.   Julia Stern

    Es ist in Thüringen bekannt, dass Neonazis die sogenannten Sicherheitsdienste unterwandert haben. Siehe dazu auch: http://alpha-dsd.de/

  5.   Irmela Mensah-Schramm

    Nicht nur Nazis, sondern all die Ekelrassisten müssen ausgegrenzt werden, anders geht es offensichtlich nicht mehr!

  6.   Pantoffeltierchen

    >>>Firmeninhaber Jan Schild gibt sich auf Nachfrage ahnungslos. „Sinnlos aufgebauschte Kinderkacke“, sei die Diskussion um Michel Fischer […]<<<

    Schwacher Trost: Immerhin weiß man jetzt, woran man bei Schild ist.

  7.   weinhold

    Was wieder hier für ein Rufmord geduldet wird, ist unter aller Sau.
    Schämt euch, das keiner die 20 Mitarbeiter osteuropäisch erwähnt.
    Alle haben Ihre Arbeit sehr gut gemacht und jetzt stellt Ihr die Firma als Nazifirma da und diskreditiert sie überall. Weil ein MA von einem Nachunternehmer war.
    mfg rote zora