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Kaufbeuren: Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft

 
Marktoberdorf: Solidarität nach Brandanschlag
Kaufbeuren: Solidarität nach Brandanschlag

Am frühen Sonntagmorgen, gegen 4:15 brannte der Dachstuhl eines Gebäudes in Kaufbeuren-Neugablonz, das als Geflüchtetenunterkunft geplant war. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Damit ist dies der 26. bei Mut gegen Rechte Gewalt gelistete Brandanschlag allein in diesem Jahr. Deshalb entschlossen sich einige Antifaschisten, vor Ort ihre Solidarität zu bekunden.

Gegen 4:15 am Morgen des 7.2. wurde die Feuerwehr alarmiert, dass der Dachstuhl eines Gebäudes im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz in Flammen stehe. Gegen 6 Uhr konnte das Feuer laut Polizei unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Nun ermittelt die Kriminalpolizei und geht, wie später am Tag vermeldet, inzwischen von einer Brandstiftung aus. Das Gebäude war zwar als Asylsuchendenunterkunft geplant, aber noch nicht bezogen.

Das Projekt Mut Gegen Rechte Gewalt listet damit 26 Brandanschläge auf Geflüchtetenunterkünfte allein in diesem Jahr. Für das Vergangene werden 128 entsprechende Brandstiftungen gezählt.

Kaufbeuren: Solidarität nach Brandanschlag ©flickr.com/fromoutback2
Kaufbeuren: Solidarität nach Brandanschlag ©flickr.com/fromoutback2

Daher fanden sich gegen Abend einige Antifaschisten vor dem Gebäude ein, um ihrer Solidarität mit den Adressaten des mutmaßlichen Anschlages Ausdruck zu verleihen und auf einen rassistischen Hintergrund, von dem sie ausgehen, aufmerksam zu machen. Mit Transparenten zogen Sie durch die Nachbarschaft. Dabei entfernten sie einige gegen Asylsuchende gerichtete Aufkleber der Identitären Bewegung in unmittelbarer Nähe zur abgebrannten Unterkunft.

Kaufbeuren: Identitäre Sticker nach Brandanschlag ©flickr.com/fromoutback2
Kaufbeuren: Identitäre Sticker nach Brandanschlag ©flickr.com/fromoutback2

Oberbürgermeister Stefan Bosse findet, so berichtet br.de, „Hinweise auf rechtsradikale oder fremdenfeindliche Tendenzen gab es in jüngster Zeit keine.“ Er räume aber ein, es habe „Bedenken“ gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. Unterschriften seien gegen das Projekt gesammelt worden. Erst die Zusage nur Familien unterzubringen hätte die Situation beruhigen können.

Kaufbeuren: Solidarität nach Brandanschlag ©flickr.com/fromoutback2
Kaufbeuren: Solidarität nach Brandanschlag ©flickr.com/fromoutback2
Kaufbeuren: Solidariät nach Brandanschlag
Kaufbeuren: Solidariät nach Brandanschlag

Was er nicht erwähnt ist etwa der Brandanschlag im nur 20 km entfernten Marktoberdorf Ende Dezember und die daraufhin aufgetauchten Hetz-Plakate. Auch die in der Region gegründeten Bürgerwehren – inzwischen sind auch entsprechende Zusammenschlüsse für Kaufbeuren und den umgebenden Landkreis bekannt geworden – bleiben bei seiner Darstellung unbeachtet. Und das sind nur die jüngsten und nächsten Beispiele bedenklicher Vorgänge. Auch scheint längst vergessen, dass erst 2013 in Kaufbeuren ein „Mann aus Kasachstan“ von Neonazis angepöbelt, angegriffen und schließlich getötet wurde.

3 Kommentare

  1.   Jad

    Der Autor oder die Autorin scheint aber auch zu vergessen, dass der Todesfall aus dem Jahr 2013 nicht von Kaufbeurern, sondern von Thüringern verursacht wurde. Da Kaufbeuren eine kreisfreie Stadt ist, steht OB Bosse auch nicht zu, über Marktoberdorf zu reden – und mit Neugablonz ist der größte Stadtteil von Kaufbeuren einer, der von Flüchtlingen erbaut wurde. Von den Bemühungen vieler Kaufbeurer für Flüchtlinge und gegen Nazis wird auch nicht berichtet.

    Das Ausblenden von Fakten dient dem Kampf gegen Rechts nicht, sondern macht solche Meldungen unseriös.

  2.   Jad

    Nachtrag: http://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/brandanschlag-fluechtlingsunterkunft-kaufbeuren-kundgebung-100.html

    „Rund 1.000 Menschen sind am Freitagabend bei einer Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge in Kaufbeuren (Lkr. Ostallgäu) auf die Straße gegangen. Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf eine geplante Asylbewerberunterkunft im Stadtteil Neugablonz wollten sie ein Zeichen setzen gegen Fremdenhass und Gewalt.“