Weiterer Beitrag in unserer losen Serie zur Zukunft des Journalimus ist ein Text von Kai Biermann über Datenschnittstellen und deren Bedeutung für die redaktionelle Arbeit. “Sharing is caring” schreibt Biermann und glaubt, dass Schnittstellen in große Datenbestände für Journalisten bald unverzichtbar sein werden.
Hier ist Kai Biermanns Text:
“API – das bald wichtigste Werkzeug des Journalisten”
Der Journalismus hat seine beste Zeit noch vor sich und er wird sich primär im Netz weiterentwickeln. Um diese These mit Ihnen zu diskutieren, werden wir Ihnen hier im ZEITansage-Blog ab sofort und in loser Folge richtungsweisende Entwicklungen und Debatten-Beiträge zur Zukunft des Journalismus vorstellen.
Den Auftakt bilden ein Bericht der Medienjournalistin Ulrike Langer über Datenjournalismus in den USA und eine Video-Serie, die wir in Kooperation mit Vocer.de produziert haben, einem neuen Debattenforum für Medienkritik.
In der ersten Video-Folge beschreibt der New Yorker Journalismus-Professor Jay Rosen, was Journalistinnen und Journalisten von der Occupy-Bewegung lernen können:
Auch alle weiteren Folgen finden Sie hier im Blog, sowie auf unserer Facebook-Seite und via Twitter @zeitonline.
Ich freue mich auf konstruktive Debatten mit Ihnen.
Ihr Wolfgang Blau
ZEIT ONLINE hat den wichtigsten internationalen Preis für Onlinejournalismus gewonnen. Das Projekt “Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten” ist am Abend des 24. September in Boston mit dem Online Journalism Award 2011 ausgezeichnet worden. Dies ist das erste Mal, dass eine Redaktion aus Deutschland einen der renommierten Online Journalism Awards gewonnen hat. Verliehen wurde der Preis in der Kategorie “Outstanding Informational Graphic or Data Visualization, Professional”. Weiterer Finalist in dieser Wettbewerbskategorie war die Los Angeles Times.
Kai Biermann, Digital-Ressortleiter von ZEIT ONLINE, Entwicklungsredakteur Sascha Venohr, Grafikchef Tibor Bogun, sowie Lorenz Matzat von der Agentur Open Data City und der freie Programmierer Michael Kreil hatten mit der interaktiven Grafik dargestellt, wie anhand von Vorratsdaten eines halben Jahres ein sehr präzises Bewegungsprofil eines Menschen gezeichnet werden kann. Die persönlichen Daten für diese Visualisierung hatte der Grünen-Politiker Malte Spitz zur Verfügung gestellt. Seine Daten hatte er erst nach längerem Rechtsstreit von der Deutschen Telekom erhalten.
“Datenjournalismus ist eine noch junge Ausprägung des Onlinejournalismus, die uns begeistert und herausfordert”, sagt Wolfgang Blau, Chefredakteur von ZEIT ONLINE. “Wir freuen uns deshalb besonders, einen Online Journalism Award in dieser Kategorie gewonnen zu haben und nehmen den Preis als Ansporn, unsere Kompetenz im Datenjournalismus weiter zu vertiefen.”
Die Online Journalism Awards werden jährlich von der Online News Association (ONA) verliehen, der weltweit größten Vereinigung von Onlinejournalisten.
ZEIT ONLINE hat dieses Jahr bereits einen Grimme Online Award, zwei Lead Awards in Gold, sowie den Eco Content Star des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft gewonnen.
(Falls Sie sich für das Thema Datenjournalismus interessieren, empfehlen wir Ihnen auch unser Data Blog.)
Wikipedia feiert 10. Geburtstag. Klar, dass wir dieses Thema in großem Umfang die ganze Woche über redaktionell begleiten. In der Entwicklungsredaktion haben wir überlegt, wie wir zusätzlich die thematische Vielfalt aber auch die hohe Frequenz der Aktualisierungen auf einfache Art und Weise visualisieren können. Herausgekommen ist dieses Modul, das als Livestream das inhaltliche Leben der Online-Enzyklopädie sichtbar macht:
Der Betrachter kann sich zurücklehnen und im Modul beobachten, welche Artikel gerade in diesem Moment in der deutschsprachigen Ausgabe editiert wurden. Dabei dockt das Modul direkt an die API der Wikipedia per Javascript an. Jeder gerade bearbeitete Artikel durchläuft mit seinem verlinkten Titel das Modul. Zusätzlich wird der Bearbeiter samt Timestamp der Änderung angezeigt. Spannend ist häufig auch ein Blick auf die ebenfalls verlinkte Ansicht der im Dokument gemachten Änderungen in der von Wikipedia angebotenen Versionsansicht. Wandert der Mauszeiger über das Modul (oder wird die Paustaste betätigt), hält der Visualisierungsstrom zur besseren Lesbarkeit an. Wir freuen uns über jede Nutzung der Embed-Funktion. Hier lässt sich die benötigte Breite individuell einstellen (Mindestbreite 360 Pixel).
Wie sieht die Zukunft des Journalismus in Zeiten der Digitalisierung aus? Darüber diskutierten Fachleute, Blogger und Journalisten auf dem “speedlab journalism” in Berlin am 2. Dezember 2010. Eingeladen hatte die “Kooperative Berlin” im Auftrag von DRadio Wissen NETZ.REPORTER. ZEIT ONLINE und die Sendung “Breitband” von Deutschlandradio Kultur waren Kooperationspartner. Auf der Veranstaltung wurden Elemente von Speeddating, Barcamp, Workshop und Konferenz gemischt.
Die Impulsreferate hielten Joshua Benton (USA) und Phil Fearnley (Großbritannien). Benton ist Direktor des Nieman Journalism Labs an der Harvard University und beschäftigt sich mit den Möglichkeiten für Journalisten, die sich durch neue Technologien ergeben. “Es wird Geschichten geben, die in Zukunft wegen des Aufwandes nicht mehr erzählt werden können. Aber dafür gibt es unzählige Geschichten, die nicht hätten erzählt werden können, wenn es die neuen Technologien nicht gäbe”, beschreibt Benton seine Position.
Phil Fearnley arbeitet bei der BBC als “General Manager News, Technology and Media Future”. Seine These: IP TV wird nach Tablets und Mobilgeräten einen nächsten große Entwicklungsschritt im Journalismus auslösen – zumindest für ein Haus wie die BBC.
Mit Joshua Benton und Phil Fearnley sprach Christoph Dowe.
In einem großangelegten Projekt haben ZEIT, Tagesspiegel und ZEIT ONLINE das Ausmaß rechter Gewalt in Deutschland seit dem Fall der Mauer anhand zahlreicher Einzelfälle untersucht. Das Ergebnis ist bedrückend: Mindestens 137 Menschen kamen im Zeitraum von 1990 bis 2009 durch rechte Gewalt ums Leben – etwa dreimal so viele, wie staatliche Stellen ausweisen. Für die Recherchen wurden Hunderte Lokalzeitungsartikel und Gerichtsurteile gesichtet; zu jedem einzelnen Fall wurden Opferberater, Hinterbliebene, Anwälte und Strafverfolger interviewt. Aufgenommen wurden am Ende nur jene Fälle, die sich eindeutig als politisch rechts motivierte Straftaten einordnen lassen.

Die enorme Menge der Daten aus allen 137 Fällen wird in der ZEIT ONLINE-Infografik zum Projekt visualisiert und dadurch verständlicher gemacht: Wo liegen regionale Sachwerpunkte rechtsextremer Gewalt, welche Motive sind vorherrschend, welche juristischen Konsequenzen hatten die Taten? Unter „Vergleich“ ist es außerdem möglich, spezielle Daten über der Karte anzeigen zu lassen. So können Sie hier zum Beispiel alle Fälle, in denen die Täter jünger als 18 Jahre sind, mit bestimmten Tatmotiven vergleichen – die Überschneidungen werden sofort sichtbar.
Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass die Infografik (Design: Annika Potthoff, Tibor Bogun) nicht in Flash produziert wurde. Wir arbeiten seit einiger Zeit daran, alle unsere Inhalte bei ZEIT ONLINE, die bisher noch in Flash laufen, u.a. mit Blick auf das iPad nach und nach „umzuziehen“ und mit alternativen Technologien anzuzeigen. Im Bereich Infografik sind die Erfahrungen bisher sehr positiv – der erste Testlauf ohne Flash war die Timeline zur Ölpest im Golf von Mexico.

Wichtig war uns beim Projekt „Todesopfer rechter Gewalt“ außerdem, dass Sie mit den Daten weiterarbeiten können. Alle von uns recherchierten Detailinformationen zu den 137 Fällen gibt es als frei zugängliche Online-Tabelle, die Sie als Excel-Sheet, PDF oder Textdatei herunterladen können. Wir freuen uns, wenn Sie die Informationen im Rahmen Ihrer eigenen Projekte nutzen.