Die Chefredaktionen von ZEIT und ZEIT ONLINE

Die ZEIT beendet Zusammenarbeit mit freiem Mitarbeiter

Die Medien der ZEIT beenden die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter, der bei einem Täuschungsversuch beim Magazin der Süddeutschen Zeitung aufgefallen war. In den Jahren von 2015 bis 2018 hat dieser Autor auch 30 Beiträge für ZEIT ONLINE und elf Texte für DIE ZEIT geschrieben.

Insgesamt sind bei der Überprüfung der Beiträge bisher elf Texte mit einem oder mehreren Fehlern aufgefallen. Neben Schludrigkeiten und Unsauberkeiten waren auch einige Fehler darunter, die offenbar die Dramaturgie der Beiträge unterstützen sollten. In einem Absatz einer Reportage wurden zum Beispiel Ereignisse, die an mehreren Tagen spielten, zu der Beschreibung eines einzigen Tages verdichtet. In einer anderen Geschichte waren Einrichtungsgegenstände zweier Räume vertauscht. Alle bisher gefundenen Fehler haben wir in unserem Onlinearchiv korrigiert und die Texte mit entsprechenden Transparenzhinweisen versehen.

Der Autor hat uns selbst kontaktiert, um auf den Vorfall bei der Süddeutschen Zeitung hinzuweisen, und uns bei der Überprüfung aktiv unterstützt. Er beteuert, dass alle Fehler in seinen Beiträgen ohne Täuschungsabsicht entstanden seien. Die Verdichtung von Ereignissen und die Häufung der Fehler verstoßen allerdings gegen die Sorgfaltspflicht und die journalistischen Grundsätze, die auch bei der ZEIT gelten. Den Namen des Autors nennen wir nicht, um seine berufliche Existenz nicht weiter zu gefährden.

 
Markus Horeld, Karsten Polke-Majewski, Holger Stark und Rabea Weihser

Unser Wissensstand zu den Beiträgen von Claas Relotius auf ZEIT ONLINE und in ZEIT WISSEN

Dieser Text erscheint im Glashaus-Blog. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier. Der Spiegel hat am 19. Dezember in eigener Sache über einen Fall berichtet, der eine Diskussion über journalistische Standards ausgelöst hat. Der Spiegel-Reporter Claas Relotius hat eingeräumt, in diversen Fällen Geschichten erfunden, manipuliert oder zumindest verfälscht zu haben. Seine mehr als 50 Beiträge für den Spiegel sollen nun von einer unabhängigen Kommission überprüft werden. Das Magazin spricht von "hoher krimineller Energie" und einem Tiefpunkt in seiner Historie. Claas Relotius hat inzwischen gekündigt. Auch für ZEIT ONLINE und ZEIT WISSEN hat Relotius in der Zeit von 2010 bis 2012 als freier Autor insgesamt sechs Beiträge verfasst, die wir nun auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Hier in unserem Transparenz-Blog Glashaus dokumentieren wir unseren jeweils aktuellen Wissensstand. Bevor er zum Spiegel wechselte, hat Claas Relotius, 33, die Hamburg Media School absolviert und zunächst als freier Journalist gearbeitet, unter anderem für Cicero, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Welt, die Neue Zürcher Zeitung und auch ZEIT ONLINE. Seit 2014 schrieb er für den Spiegel, erst als freier Autor, seit 2017 fest angestellt. Seine Arbeit wurde mit etlichen Preisen ausgezeichnet, etwa dem CNN Journalist Award, dem Reemtsma Liberty Award, dem Peter-Scholl-Latour-Preis und mehrmals mit dem Deutschen Reporterpreis. Gegenüber dem Spiegel hat Relotius angegeben, auch in seiner Zeit vor seiner Tätigkeit für das Nachrichtenmagazin mit ähnlichen Methoden gearbeitet zu haben. Allerdings seien nur manche Texte verfälscht, nicht alle. Für ZEIT ONLINE und ZEIT WISSEN hat Relotius im Einzelnen folgende Beiträge verfasst:
  1. eine Reportage aus einem italienischen Dorf, das Flüchtlingen eine Heimat bot (13. November 2012)
  2. eine Reportage über ein Dorf für Demenzkranke in den Niederlanden (11. Oktober 2011)
  3. einen Beitrag über ein Hamburger Ehepaar, das sich entschlossen hat, ein Trisomie-21-Kind nicht abtreiben zu lassen, obwohl es bereits ein behindertes Kind hat (15. Juli 2011)
  4. ein Interview mit dem Filmemacher Austin Lynch (11. März 2011)
  5. eine Rezension in unserem Blog Tonträger (9. Februar 2011)
  6. eine Reportage von der Müllkippe Bordo Poniente in Mexiko (12. November 2010)
Wir haben damit begonnen, die Fakten in den genannten Beiträgen zu überprüfen. Parallel zu den eigenen Recherchen haben wir auch Claas Relotius auf verschiedenen Wegen kontaktiert und Fragen zu den Details seiner Beiträge gestellt. Auf E-Mails und Anrufe hat Claas Relotius noch nicht reagiert. Auf eine begleitende SMS hat er am 19. Dezember um 19.27 Uhr lediglich geantwortet: "Alles korrekt". Wir versuchen weiter, mit Claas Relotius zu sprechen. Folgendes hat unsere noch laufende Überprüfung bisher ergeben: 1. Es gibt natürlich das im Beitrag beschriebene Dorf Riace in Italien, auch den mehrfach zitierten Bürgermeister Domenico Lucano und seine flüchtlingsfreundliche Politik. Sie sind auch in vielen unabhängigen Medienberichten gut dokumentiert. Kürzlich erst machte das Dorf wieder Schlagzeilen, weil die italienische Polizei Bürgermeister Lucano unter Hausarrest stellte. Der Filmemacher Wim Wenders hat 2010 einen Kurzfilm über die Geschichte des Dorfes gedreht. Mehrere Details aus dem Beitrag lassen sich derzeit jedoch schwer überprüfen. Ob Claas Relotius wirklich dort war, ob er mit allen Personen im Text persönlich gesprochen hat, ob alle Zitate so gefallen sind und ob diese Personen alle existieren, wissen wir derzeit noch nicht: die Flüchtlinge "Adama Kone" und "Fatma" etwa sowie die Lehrerin "Emilia". Einzelne Protagonisten und manche Details, die im Beitrag genannt sind, tauchen so oder so ähnlich auch in anderen Medienberichten und Blog-Beiträgen auf und könnten von dort inspiriert sein. Der Artikel ist fast wortgleich auch in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht worden. Update vom 20.12.2018: Das Büro des Bürgermeisters hat auf unsere Anfrage reagiert: Ein Mitarbeiter (der Bürgermeister selbst darf derzeit sein Dorf nicht betreten) teilt uns mit, dass sehr viele Journalisten Riace besucht hätten. Es sei also durchaus möglich, dass Relotius den Bürgermeister getroffen habe. Sicher ist dies gleichwohl nicht. Über die im Text zitierte Lehrerin namens Emilia sagt der Mitarbeiter: Tatsächlich habe es zu dem Zeitpunkt eine Lehrerin in dem Alter mit diesem Namen in Riace gegeben. Er habe aber keinen Kontakt zu ihr, da sie nach der Pensionierung ihres Mannes gemeinsam mit ihm weggezogen sei.   2. Im Fall des Dorfes für Demenzkranke war gut ein Jahr nach Veröffentlichung des Beitrags, im Januar 2013, ein Reporter der ZEIT vor Ort und hat sich das Dorf erneut angeschaut. Seine Beobachtungen bestätigen Relotius’ Beschreibungen im Kern. Ob alle Protagonisten und beschriebenen Details des Beitrags exakt so stimmen, können wir noch nicht sagen. Wir haben den Betreiber des Heims, die Firma Vivium, um eine Stellungnahme gebeten, ob die von Claas Relotius beschriebenen Fakten zutreffen. Update vom 7.1.2019: Die Heimbetreiber bestätigen in ihrer Antwort an uns die Eckpunkte des Artikels. Auch die Namen der zitierten Protagonisten seien korrekt. 3. Im Fall des Beitrags über die Familie, die sich entschlossen hat, ein zweites Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, haben wir bisher vergeblich versucht, die im Text erwähnten Protagonisten zu finden. Im Artikel wird die Familie namentlich erwähnt: Maja und Philipp Sand mit ihrem Sohn Dominik. Eine Suche nach diesen Namen führt auf eine einzige Quelle: den Artikel auf ZEIT ONLINE. Das ist ungewöhnlich. Hätten sich nicht auch andere Medien für eine solche Familie interessiert, hätten nicht Selbsthilfegruppen das Beispiel aufgenommen? Denn anonymisiert wurden die Namen offenbar nicht: Nach unseren redaktionellen Regeln muss gekennzeichnet werden, wenn Namen von Personen in einem Artikel verändert werden. Es gibt einen anderen Fall einer Familie mit zwei Trisomie-21-Kindern, Familie Friedrichs, zu dem sich auf Anhieb eine Reihe von Berichten und Videos finden lässt. Warum also nicht zu Familie Sand? Auch in den Leserkommentaren unter dem Artikel finden sich keine Hinweise; niemand scheint die Familie zu kennen. Noch eine weitere Person wird in dem Artikel genannt, ein Entwicklungspädagoge namens Sven Dethmold. Auch hier wirft die Internetsuche nur einen einzigen Eintrag aus. Es gibt spezielle Datenbanken, in denen man nach Nachnamen suchen kann, beispielsweise vom Verein für Computergenealogie oder ahnenforschung.de. Sucht man dort, ob es den Nachnamen Dethmold in Deutschland in dieser Schreibweise gibt, erhält man gar kein Ergebnis. Über Dethmold schreibt Relotius, er betreue Dominik „im örtlichen Förderkreis“. In Hamburg gibt es eine ganze Reihe von Einrichtungen und Selbsthilfegruppen, die sich um Kinder mit Trisomie 21 kümmern. André Zimpel forscht zu Trisomie 21 an der Universität Hamburg und ist ein renommierter Fachmann. Er kennt auch die Hamburger Therapeutenszene gut. Doch der Name Sven Dethmold ist ihm noch nie begegnet, ebenso wenig eine Familie Sand. Auch beim Kontakt- und Informationszentrum Down-Syndrom KIDS Hamburg e.V. sind die Namen unbekannt. Dort kennt auch niemand eine Familie im Großraum der Hansestadt, die zwei Kinder mit Trisomie 21 hat. Eklatante wissenschaftliche Fehler enthält der Beitrag nicht, allerdings auch wenig konkrete Informationen. Alles, was darin zu lesen ist, könnte sich so abgespielt haben. Ob es tatsächlich so war, können wir zweifelsfrei erst sagen, wenn wir die Protagonisten gefunden haben. Sollten Sie Hinweise für uns haben, etwa zu den genannten Protagonisten, freuen wir uns über eine E-Mail an hinweise@zeit.de.   4. Im Fall des interviewten Filmemachers Austin Lynch haben wir seine Produktionsfirma angefragt, ob es 2011 einen Termin mit Claas Relotius gegeben habe. Update vom 20.12.2018: Es ist mittlerweile belegt, dass sich Relotius für eine Pressekonferenz mit Austin Lynch und Jason S. akkreditiert und anschließend schriftliche Fragen eingereicht hat, die von den beiden auf Englisch beantwortet wurden. Schriftliche Interviews sind außerordentlich selten bei ZEIT ONLINE, es muss sehr triftige Gründe dafür geben. Ob diese damals vorlagen, ist derzeit noch unklar. Inwiefern die Originalaussagen mit dem übersetzten und schließlich veröffentlichten Interview übereinstimmten, versuchen wir zu überprüfen. Update vom 21.12.2018: Claas Relotius hat am 12. Januar 2011 seine Interviewfragen an Austin Lynch und dessen Kameramann Jason S. schriftlich eingereicht und der vermittelnden Produktionsfirma eine nachträgliche Autorisierung zugesagt. Am 18. Januar erhält Relotius über die Mitarbeiterin der Produktionsfirma den von den Künstlern ausgefüllten Fragebogen. Als er sich daraufhin nicht zurückmeldet, hakt die Mitarbeiterin zwei Tage später nach, ob er das Material erhalten habe und die Autorisierungsfassung schicken könne. Am 26. Januar antwortet Claas Relotius der Produktionsfirma, das Material sei für ein Frage-Antwort-Interview nicht ausreichend. Er überlege nun, einen Artikel daraus zu machen. Tatsächlich verarbeitet Relotius das Material in Artikeln, die am 17. und 21. März in der Welt und der Financial Times Deutschland veröffentlich werden. Allerdings erscheint vorher, am 11. März 2011, ein sogenanntes Wortlautinterview mit Austin Lynch (ohne Jason S.) bei ZEIT ONLINE. Leider liegt uns keine interne E-Mail-Korrespondenz aus diesem Zeitraum mehr vor, sodass nicht überprüft werden kann, wer mit Relotius welche Verabredungen zum Thema getroffen hat. Dennoch galt auch schon 2011, dass schriftlich geführte Interviews bei uns nur in Ausnahmefällen erscheinen können: Sie bilden keine reale Gesprächssituation ab und können allzu leicht für nicht hinterfragbare Marketingverlautbarungen missbraucht werden. Im Rahmen der nachträglichen Überprüfung dieses Falls ist die schriftliche Interviewform jedoch sehr hilfreich. So sind nämlich die Originalantworten von Austin Lynch und Jason S. dokumentiert – die damalige Mitarbeiterin der Produktionsfirma hat uns jetzt die Datei zur Verfügung gestellt, die sie am 18. Januar 2011 an Claas Relotius übermittelt hat. In der Tat wirken die Antworten der Künstler eher pflichtbewusst als motiviert oder gar inspiriert. Dass Relotius darin nicht viel Brauchbares zu finden glaubte, ist nachvollziehbar. Es passiert nicht selten in der journalistischen Praxis, dass nach der Autorisierung eines Interviews vom eigentlichen Gespräch nicht mehr viel übrig bleibt oder alle aus journalistischer Sicht interessanten Passagen gestrichen wurden. Die Entscheidung, als Alternative nur wenige Interviewpassagen in einem Fließtext zu verarbeiten, ist in solchen Situationen durchaus üblich. Was allerdings absolut unüblich ist und jegliche Standards redlicher journalistischer Arbeit verletzt, ist die fiktionale Fortschreibung von Interviews. Vergleicht man das englische Original mit dem bei ZEIT ONLINE erschienenen Interview, wird deutlich, dass beide Fassungen sich nur wenig überschneiden. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass die bei uns erschienenen Interviewaussagen zu etwa zwei Dritteln erfunden sind und zu einem Drittel zumindest sehr frei übersetzt. Offenbar hat Claas Relotius die Aussagen der Künstler nachempfunden, weiterentwickelt und dramatisiert. Es geht in dem Interview um ein Dokumentarfilmprojekt, in dessen Rahmen Austin Lynch und Jason S. durch Deutschland gereist sind und Menschen auf der Straße nach deren Lebenssituation befragt haben. Relotius möchte im publizierten Interview wissen: "Haben Sie die Menschen in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich wahrgenommen?" Die Originalantwort lautet: "At this time we have not discerned any significant differences in the geographical regions. This question will be better suited to when we have finished the editing process." Ins Deutsche übertragen: "Bis jetzt haben wir keine signifikanten Unterschiede zwischen den geografischen Regionen festgestellt. Diese Frage wird besser zu beantworten sein, wenn wir den Schnittprozess abgeschlossen haben." Daraus macht Relotius folgende Antwort: "Es war seltsam: Als wir in den Osten fuhren, schien sich plötzlich eine dunkle Wolke über uns zu legen – es wollte sich einfach niemand mehr interviewen lassen. Wir dachten schon, die Menschen in Ostdeutschland wären möglicherweise wirklich ganz anders als im Rest des Landes. Aber dann trafen wir irgendwo auf einem Bauernhof eine fröhliche rothaarige Frau namens Heidemarie und wir konnten unseren ersten Eindruck zum Glück wieder über den Haufen werfen. Menschen sind eben doch überall gleich." Aus welchen Quellen Claas Relotius diese Aussage zusammenmontiert hat, können wir nicht mehr nachvollziehen. Klar ist nur, dass sie nicht aus dem schriftlich geführten Originalinterview stammt. Auch der letzte Satz des Interviews, gleichzeitig die Überschrift, ist offensichtlich erfunden: "Die unscheinbarsten Menschen erzählen oft die unglaublichsten Geschichten." 5. Unproblematisch scheint auf den ersten Blick die Rezension, die Claas Relotius für das Tonträger-Blog von ZEIT ONLINE verfasst hat. Die rezensierte CD gibt es, die Rezension ist natürlich Geschmackssache.   6. Die im Beitrag von 2010 beschriebene Müllkippe Bordo Poniente in Mexiko wurde vor Jahren geschlossen. Einer der Protagonisten der Geschichte, der Müllmafia-Boss Pablo Téllez, taucht in zahllosen Berichten über die Müllsammler in deutschen und internationalen Medien auf. Es ist auch breit dokumentiert, dass es die Müllkippe, die Abfallsammler, das Gift und die unerträglichen Zustände dort wirklich gegeben hat. Wiederum: Ob Claas Relotius wirklich dort war, alle Protagonisten existieren und alle Zitate genau so gefallen sind, können wir derzeit noch nicht sagen. Einen Monat nach der Veröffentlichung auf ZEIT ONLINE erschien dieselbe Geschichte von Claas Relotius auf welt.de. Sobald wir neue Erkenntnisse über die einzelnen Beiträge haben, werden wir diesen Blog-Eintrag aktualisieren und dies kenntlich machen. Sollten Sie Hinweise dazu haben, freuen wir uns über Ihre E-Mail an hinweise@zeit.de.  
 
Jochen Wegner und Maria Exner

Wie wir über unsere Weltverbesserer-Community Z2X berichten

Dieser Text erscheint im Glashaus-Blog. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier. Unsere Z2X-Verhaltensregeln finden Sie am Ende dieses Beitrags.

 

Im Jahr 2016 veranstaltete ZEIT ONLINE zum ersten Mal ein Festival mit dem erklärungsbedürftigen Titel “Z2X”. Die Idee dazu entstand anlässlich unseres 20. Geburtstags: Wir wollten ihn mit Menschen begehen, die auch im Alter von “2X” waren, also zwischen 20 und 29. (Das “Z” in “Z2X” steht für ZEIT ONLINE.) Ziel von Z2X sollte es sein, Projekte und Ideen von “neuen Visionären” vorzustellen, die “die Welt verbessern – oder das eigene Leben”.

Der etwas wolkige Ansatz stieß auf erheblich größere Resonanz als gedacht, und das Format ging in Serie: Jedes Jahr finden seither mehrere Veranstaltungen statt, mehr als 5.000 Weltverbesserer haben sich erfolgreich mit ihren Ideen und Projekten dafür beworben und zählen nun zur Z2X-Community. Sie vernetzt sich auf unserer Web-Plattform, dazu über Facebook, WhatsApp und Slack, und bei vielen selbst organisierten Treffen. Z2X18 steht kurz bevor: am 1. und 2. September 2018 treffen sich wieder 2X-Jährige in Berlin, dieses Mal wohl um die 1.000 Menschen.

Eine ganze Reihe der Z2X-Teilnehmenden und -Ideen machte vor und nach dem Festival von sich reden – seien es Initiativen wie “Free Interrail”, “Jugend rettet”, “Give directly” oder “Köln spricht”, das Münchner “Hyperloop”-Projekt, die YouTuber Eva Schulz oder Fynn Kliemann, die Autorin Ronja von Rönne, die Comedian Sophie Passmann, der Moderator Jan Böhmermann.

 

Viele Medien berichten über Z2X-Teilnehmende. Und wir?

 

Unser Festival stellte uns von Beginn an vor ethische Fragen:

  • Können wir über eine Veranstaltung berichten, die wir initiiert haben?
  • Können wir über Protagonistinnen und Projekte, die bei Z2X aufgetreten sind, noch unabhängig berichten?
  • Muss jeder noch so distanzierte Bericht über Z2X-Projekte auf ZEIT ONLINE nicht dennoch den Eindruck erwecken, wir seien befangen?
  • Berichten wir öfter über den Fortschritt mancher Projekte, als es geboten wäre – nur, weil sie bei Z2X waren?
  • Erwecken wir bei Z2X-Teilnehmenden den falschen Eindruck, ZEIT ONLINE werde besonders oft oder besonders freundlich über sie berichten?

 

Kurz: Verträgt sich unsere Rolle als Gastgeber mit unserer Rolle als Journalisten?

Ebenso kurz: eigentlich nicht.

Immer wieder haben wir diese Fragen in den vergangenen Jahren diskutiert, zuletzt noch einmal intensiver in mehreren Runden – und bisher keine zufriedenstellende Antwort gefunden. Mit ähnlich gelagerten Widersprüchen kämpfen viele Redaktionen, wenn sie sogenannten konstruktiven Journalismus praktizieren, der positive Nachrichten besonders betonen und nicht nur Probleme, sondern stets auch deren Lösung aufzeigen will. Und alle Journalistinnen und Journalisten, deren Häuser Veranstaltungen ausrichten.

Dennoch wollen wir weder Z2X einstellen, noch ganz auf die Berichterstattung über Menschen und Initiativen verzichten, auf die wir im Umfeld des Festivals stoßen. Im Gegenteil: Ansätze, “um das eigene Leben besser zu machen oder die Welt”, sehen wir ganz allgemein als wichtigen Teil unserer Berichterstattung. Wir wollen diesen Teil demnächst bei ZEIT ONLINE sogar mit einer eigenen Redakteursstelle stärken und die Berichterstattung etwa über Sozialunternehmer, gesellschaftliche Initiativen und konkrete Ideen für ein besseres Leben ausbauen. Dazu hat uns die Z2X-Community maßgeblich inspiriert.

Und jetzt? Wir haben die folgenden Regeln zu unserem Umgang mit Z2X formuliert, die die oben beschriebenen Widersprüche nicht ganz aufheben, aber zumindest lindern und transparent machen sollen. Wir verstehen sie als Zwischenstand und werden sie wahrscheinlich anpassen oder erweitern. Dann machen wir das in diesem Beitrag kenntlich.

 

Wie bildet ZEIT ONLINE Z2X-Veranstaltungen ab?

Die Festivals von Z2X und ihrer Community werden auf einer eigenständigen, vom sonstigen Angebot von ZEIT ONLINE sichtbar getrennten Website abgebildet (z2x.zeit.de). ZEIT ONLINE kann auf diese Website verlinken.

Auf ZEIT ONLINE selbst gibt es keine wertende Berichterstattung über eine Veranstaltung von Z2X. Eine rein dokumentierende Wiedergabe von Teilen der Veranstaltung in den Kanälen von ZEIT ONLINE ist möglich – etwa als Video-Livestream, als Post in den sozialen Medien oder als reiner Ergebnisbericht auf der Homepage.

 

Wie berichtet ZEIT ONLINE über Projekte und Protagonisten im direkten Umfeld von Z2X?

Wenn ZEIT ONLINE im Vorfeld oder Nachgang einer Veranstaltung über Projekte oder Protagonisten in Wort, Bild oder Ton berichtet, erscheint dieser Beitrag in einer eigenen Z2X-Rubrik auf ZEIT ONLINE. Zusätzlich wird dies vor dem Beitrag durch eine Anmerkung (eine Einblendung, einen gesprochenen Hinweis) kenntlich gemacht, die auf diesen Glashaus-Beitrag mit unseren Verhaltensregeln verweist.

Die Autorin oder der Autor des Beitrags dürfen im Rahmen des Z2X-Festivals nicht direkt mit den Projekten oder Protagonisten befasst gewesen sein, über die sie berichten – etwa als Betreuerin vor Ort (“Patin”) oder als Jury-Mitglied.

Die Autorinnen und Autoren sind angehalten, den betreuenden Redakteur bzw. die Vorgesetzte stets auf sonstige mögliche Interessenkonflikte hinzuweisen. Im Zweifel verzichtet ZEIT ONLINE auf eine Berichterstattung.

Eine angemessen kritische Auseinandersetzung mit dem Berichtsgegenstand ist uns sehr wichtig. Für alle Beiträge gelten die redaktionellen Standards von ZEIT ONLINE.

 

Wie berichtet ZEIT ONLINE über Z2X-Projekte und -Protagonisten abseits einer Veranstaltung?

Wenn in Beiträgen von ZEIT ONLINE Projekte oder Protagonistinnen auftauchen, die schon einmal bei Z2X vorgestellt wurden, gelten dieselben Regeln zur Kennzeichnung und journalistischen Distanz wie oben. Der Beitrag muss jedoch nicht in einer gesondert gekennzeichneten Z2X-Rubrik erscheinen, sondern kann im jeweils zuständigen Ressort stehen. (Beispiel: Ein allgemeiner Bericht über das Hyperloop-Projekt erscheint im Mobilitäts-Ressort, ein Porträt von Jan Böhmermann in der Medien-Rubrik des Ressorts Kultur.)

 

Z2X-Gäste

Über Teilnehmende des Z2X-Festivals, die dort keine aktive Rolle übernommen haben, kann ZEIT ONLINE ohne prominente Kennzeichnung berichten. Sollte der Kontakt zu ihnen auf Z2X entstanden sein, machen wir dies am Ende eines Beitrags kenntlich und verweisen dort ebenfalls auf diesen Glashaus-Beitrag.

 
Online-Redaktion

Wie kennzeichnen wir eigene und fremde Inhalte? (Teil 1)

Dieser Text erscheint in unserem Glashaus-Blog. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

Jede Woche veröffentlicht unsere Onlineredaktion einige Hundert Beiträge, hinzu kommen die Texte aus der gedruckten ZEIT und den anderen Redaktionen des Zeitverlags, die ebenfalls online gehen. Wir publizieren zudem Inhalte, die weder von uns selbst noch von jenen freien Autorinnen und Autoren stammen, die wir beauftragen – Texte aus anderen Medien etwa, Buchauszüge, Gastbeiträge von Wissenschaftlern oder Politikern, dazu das Material von Nachrichtenagenturen.

In den vergangenen Wochen haben wir einige ethische und organisatorische Fragen diskutiert, die uns in diesem Zusammenhang immer wieder beschäftigen. Schließlich haben wir folgende Regeln zusammengetragen, die bei ZEIT ONLINE in Zukunft für den Umgang mit fremden Inhalten gelten sollen. Da die Debatte noch andauert, können sie sich ändern. Darauf werden wir dann in diesem Blogbeitrag hinweisen.

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Julia Meyer

Wie wir Leserkommentare moderieren

Dieser Text erscheint in unserem Glashaus-Blog. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

Dies vorab: Wir lesen alle Kommentare, die unter unseren Artikeln erscheinen. Alle? Ja, wirklich alle. 

Sie meinen, das sei viel Arbeit? Sie ahnen nicht, wie viel: Die Zahl der Beiträge, die Leserinnen und Leser auf ZEIT ONLINE veröffentlichen, steigt seit vielen Jahren exponentiell. 2010 waren es rund 500.000, 2017 mehr als drei Millionen. Derzeit schreiben Sie, liebe Leserinnen, über 80.000 Beiträge pro Woche.

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Jochen Wegner

„Übermedien“ über Glashaus

Ein ausführlicher Kommentar im Medien-Blog Übermedien kritisiert, dass hier im Glashaus seit dem Start zu wenige Beiträge erschienen seien, "insgesamt...bloß elf Beiträge in gut 14 Monaten". Das finden wir auch zu wenig - und geloben hiermit Besserung. Dass das Glashaus "fast tot" sei, dementieren wir aber: Die Nachricht vom Tod unseres Transparenzblogs ist, frei nach Mark Twain, eine Übertreibung.

(Der uebermedien-Beitrag ist derzeit nur mit Abonnement lesbar.)

 
Meike Dülffer

Warum wir nicht gendern

Dieser Text erscheint in unserem Glashaus-Blog. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

"Warum gendern Sie nicht? Ihre Nutzer*innen würden sich darüber freuen!"

Nahezu jede Woche erreichen uns solche Bitten von Leserinnen und Lesern. In der Tat nutzt ZEIT ONLINE das Gendersternchen, das Binnen-I und auch den Unterstrich in Substantiven nicht, wenn wir uns auf Männer, Frauen und Menschen anderen Geschlechts beziehen. Auch in unseren Konferenzen ist die Frage, wie wir mit solchen Schreibweisen umgehen, immer wieder Thema. Zuletzt vor einigen Tagen, nachdem der Text einer Autorin erschienen war, die das Gendersternchen bewusst einsetzte.
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Meike Dülffer

Wie wir mit unseren Fehlern umgehen

Dieser Text erscheint in unserem neuen Glashaus-Blog. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

Recherchieren, schreiben, redigieren, korrigieren: Alle Texte bei ZEIT ONLINE durchlaufen diese Stationen. Was wir veröffentlichen, soll richtig sein, verständlich und in korrektem Deutsch geschrieben. Wir geben uns viel Mühe, damit das so ist.

Jeder Beitrag, der auf ZEIT ONLINE erscheint, wird deshalb mindestens von einer zweiten Person gelesen und redigiert. Wichtige Beiträge durchlaufen oft zusätzliche Redigierschleifen. Die meisten Texte wandern schließlich noch ins Korrektorat, das sie erneut auf sprachliche Schlampereien, Rechtschreib- und Grammatikfehler prüft. Weiter"Wie wir mit unseren Fehlern umgehen"

 
Christoph Dowe

Gericht: „Störungsmelder“ ist ein Organ der Presse

Haben unsere Störungsmelder-Blogger die gleichen Auskunftsrechte wie andere Journalisten? Das höchste Verwaltungsgericht in Bayern sagt jetzt: ja. Der Autor Sebastian Lipp bekommt wie gefordert eine Übersicht über laufende Ermittlungs- und Strafverfahren gegen mutmaßliche Rechtsextreme. Das Gericht erkannte an, dass das ZEIT-ONLINE-Neonazi-Watchblog Störungsmelder ein "Organ der Presse" ist, die Blogger damit besondere Auskunftsrechte haben. Weiter"Gericht: „Störungsmelder“ ist ein Organ der Presse"