Umgang mit politischen Anzeigen bei ZEIT und ZEIT ONLINE

Am vorvergangenen Freitag ist eine Anzeige der Initiative für Neue Soziale Marktwirtschaft in mehreren Print- und Onlinemedien erschienen, so auch auf ZEIT ONLINE. Sie zeigt Annalena Baerbock mit Steintafeln und in Kleidung, die auf die Figur des Moses anspielt, mit der Titelzeile: "Annalena und die zehn Verbote". Diese Anzeige wurde vielfach kritisch diskutiert - unter anderem, weil sie eine Politikerin persönlich angreift und herabwürdigt. Einige Kritiker bescheinigen der Kampagne zudem eine antisemitische Ikonographie.

Auch die Chefredaktionen von ZEIT und ZEIT ONLINE sehen die Kampagne kritisch. Anzeigenabteilung und Redaktion arbeiten wie üblich getrennt voneinander, eine Diskussion dazu fand deshalb vor Veröffentlichung nicht statt. Wir haben aus diesem außergewöhnlichen Fall die Konsequenz gezogen, dass politische Kampagnen bereits im Vorfeld zwischen Verlagsleitung und Chefredaktion diskutiert werden. Die Entscheidung über eine Veröffentlichung liegt davon unbenommen beim ZEIT-Verlag.

Weitere Kampagnen, die mit einer ähnlichen Bildsprache auf diese erste Kampagne anspielen, hat der ZEIT-Verlag abgelehnt.

 

Presserat rügt ZEITmagazin

Das ZEITmagazin Nr. 41/20 befasst sich unter dem Heft-Titel »Zu Hause ist es am schönsten« mit dem Thema Homeoffice. Unter der Überschrift »Alles anders« heißt es im Vorspann: »Sieben ZEITmagazin-Autorinnen und -Autoren über das Wohnen und Arbeiten von morgen – und Möbel, die dazu passen«. Den sieben Artikeln sind jeweils grafische Illustrationen beigestellt. Wegen der Veröffentlichung hat der Presserat, das Selbstkontrollorgan der Medien, das ZEITmagazin gerügt. Weiter"Presserat rügt ZEITmagazin"

 

Respektvolle Kommunikation der ZEITmagazin-Redaktion

Das Instagram-Post einer Berliner Fotografin hat uns auf einen E-Mail-Austausch vom Januar 2019 zwischen ihr und einem ehemaligen Kollegen der ZEITmagazin-Redaktion aufmerksam gemacht. Darin kommentierte der Redakteur die abgebildeten Frauen einer Arbeit, die die Fotografin dem ZEITmagazin zur Veröffentlichung angeboten hatte, in einer geringschätzenden Art. Wir haben das Gespräch sowohl mit der Fotografin als auch mit dem betreffenden, inzwischen pensionierten Kollegen gesucht, um den Vorgang aufzuklären. Der Kollege hat sich daraufhin persönlich für seine Wortwahl bei der Fotografin entschuldigt. Seine Wortwahl widerspricht den Werten, die die redaktionelle Arbeit des ZEITmagazins leiten – dazu zählt, stets respektvoll zu kommunizieren sowie Vielfalt im Heft Raum zu geben. Als Chefredaktion möchten wir uns für den bedauerlichen Vorfall entschuldigen.

 

ZEIT ONLINE erhält den Negativpreis „Big Brother Award“

Update vom Samstag, 8. Juni 2019: Die ausführliche Begründung des Vereins Digitalcourage e.V. liegt nun als Rede vor. Sie enthält weitere Fehler, die wir am Ende dieses Beitrags ergänzend dokumentieren. Digitalcourage e.V. hat angekündigt, diese Fehler im Redemanuskript ebenfalls zu korrigieren.

Der Bielefelder Verein Digitalcourage e.V. hat uns darüber informiert, dass ZEIT ONLINE im Jahr 2019 mit dem Negativpreis "Big Brother Award" in der Kategorie Verbraucherschutz ausgezeichnet wird. In der uns übermittelten Kurzbegründung heißt es:

Der Online-Auftritt der „Zeit“ erhält den BigBrotherAward 2019 in der Kategorie Verbraucherschutz: Erstens für Werbetracker und den Facebook-Pixel. Zweitens für die Nutzung von Google-Diensten beim Projekt „Deutschland spricht“. Damit werden politische Ansichten von Menschen auf Servern in den USA gespeichert. Drittens dafür, dass sie sich das Nebenprojekt von „Deutschland spricht“ von Google haben finanzieren lassen. Dieser faustische Pakt mit einer der größten Datenkraken beschädigt die journalistische Unabhängigkeit.

 

Was in der Begründung korrekt ist

ZEIT ONLINE liefert – wie alle journalistischen Angebote mit hoher Reichweite – Werbung aus und damit auch eine Reihe von Werbetrackern. Welche Tracker unsere Website ausliefert, machen wir hier transparent. Die Werbung kann – im Gegensatz zu klassischer Werbung – individualisiert ausgespielt werden. Diese Individualisierung lässt sich hier abschalten. (Hier ist unsere Datenschutzerklärung.)

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Wir haben 2017 einen weitgehend erfundenen Gastbeitrag veröffentlicht. Wie konnte es dazu kommen?

Die beschriebenen Szenen eines im Frühjahr 2017 auf ZEIT ONLINE veröffentlichten Gastbeitrags sind wahrscheinlich weitgehend erfunden: Das Problem mit dem Penis, so der Titel des Beitrags, dreht sich um eine angebliche Aufklärungs-Sprechstunde mit Geflüchteten in einer deutschen Kleinstadt.

Eine Anfrage des Spiegel hat uns auf die mögliche Fälschung aufmerksam gemacht und wir haben diesen Beitrag in den vergangenen Tagen nochmals eingehend geprüft und mit der Autorin, ihrem mittlerweile eingeschalteten Anwalt, ihrer Familie sowie weiteren möglichen Zeugen gesprochen. Wir haben vor Ort Fakten des Textes und die Vita der Autorin überprüft.

Wir gehen derzeit davon aus, dass die Autorin ihr Umfeld, uns und andere Medien getäuscht hat. Wie konnte es zu der Veröffentlichung auf ZEIT ONLINE kommen?

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Was ist in unseren journalistischen Beiträgen erlaubt, was nicht?

Standards und Regeln von ZEIT und ZEIT ONLINE

 

Die Standards und Regeln, die im Folgenden formuliert sind, haben bei ZEIT und ZEIT ONLINE schon immer gegolten. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe, die sich nach den jüngsten Debatten um die Wahrhaftigkeit im Journalismus getroffen hat, hat sie nun noch einmal explizit formuliert und mit den Redaktionen diskutiert.

Wir veröffentlichen sie auch hier in unserem Blog "Glashaus", um sie unseren Leserinnen und Lesern transparent zu machen.

 

Unsere Autorinnen und Autoren können dramaturgische Mittel benutzen, um die Wirklichkeit in Szene zu setzen – nicht aber, um die Darstellung der Wirklichkeit zu verfremden.

Aus mehreren Personen, Orten oder Ereignissen darf beim Schreiben des Textes nicht eine Person, ein Ort oder ein Ereignis werden. Nicht erlaubt ist das Verschieben von Details in einen anderen Zusammenhang.

In einem Text, in dem unmissverständlich von einer chronologischen Folge von Ereignissen die Rede ist, darf diese Chronologie nicht verfälscht werden. Weiter"Was ist in unseren journalistischen Beiträgen erlaubt, was nicht?"

 

Die ZEIT beendet Zusammenarbeit mit freiem Mitarbeiter

Die Medien der ZEIT beenden die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter, der bei einem Täuschungsversuch beim Magazin der Süddeutschen Zeitung aufgefallen war. In den Jahren von 2015 bis 2018 hat dieser Autor auch 30 Beiträge für ZEIT ONLINE und elf Texte für DIE ZEIT geschrieben.

Insgesamt sind bei der Überprüfung der Beiträge bisher elf Texte mit einem oder mehreren Fehlern aufgefallen. Neben Schludrigkeiten und Unsauberkeiten waren auch einige Fehler darunter, die offenbar die Dramaturgie der Beiträge unterstützen sollten. In einem Absatz einer Reportage wurden zum Beispiel Ereignisse, die an mehreren Tagen spielten, zu der Beschreibung eines einzigen Tages verdichtet. In einer anderen Geschichte waren Einrichtungsgegenstände zweier Räume vertauscht. Alle bisher gefundenen Fehler haben wir in unserem Onlinearchiv korrigiert und die Texte mit entsprechenden Transparenzhinweisen versehen. Weiter"Die ZEIT beendet Zusammenarbeit mit freiem Mitarbeiter"

 

Unser Wissensstand zu den Beiträgen von Claas Relotius auf ZEIT ONLINE und in ZEIT WISSEN

Dieser Text erscheint im Glashaus-Blog. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

Der Spiegel hat am 19. Dezember in eigener Sache über einen Fall berichtet, der eine Diskussion über journalistische Standards ausgelöst hat. Der Spiegel-Reporter Claas Relotius hat eingeräumt, in diversen Fällen Geschichten erfunden, manipuliert oder zumindest verfälscht zu haben. Seine mehr als 50 Beiträge für den Spiegel sollen nun von einer unabhängigen Kommission überprüft werden. Das Magazin spricht von "hoher krimineller Energie" und einem Tiefpunkt in seiner Historie. Claas Relotius hat inzwischen gekündigt.

Auch für ZEIT ONLINE und ZEIT WISSEN hat Relotius in der Zeit von 2010 bis 2012 als freier Autor insgesamt sechs Beiträge verfasst, die wir nun auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Hier in unserem Transparenz-Blog Glashaus dokumentieren wir unseren jeweils aktuellen Wissensstand.

Bevor er zum Spiegel wechselte, hat Claas Relotius, 33, die Hamburg Media School absolviert und zunächst als freier Journalist gearbeitet, unter anderem für Cicero, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Welt, die Neue Zürcher Zeitung und auch ZEIT ONLINE. Seit 2014 schrieb er für den Spiegel, erst als freier Autor, seit 2017 fest angestellt. Seine Arbeit wurde mit etlichen Preisen ausgezeichnet, etwa dem CNN Journalist Award, dem Reemtsma Liberty Award, dem Peter-Scholl-Latour-Preis und mehrmals mit dem Deutschen Reporterpreis. Gegenüber dem Spiegel hat Relotius angegeben, auch in seiner Zeit vor seiner Tätigkeit für das Nachrichtenmagazin mit ähnlichen Methoden gearbeitet zu haben. Allerdings seien nur manche Texte verfälscht, nicht alle.

Für ZEIT ONLINE und ZEIT WISSEN hat Relotius im Einzelnen folgende Beiträge verfasst: Weiter"Unser Wissensstand zu den Beiträgen von Claas Relotius auf ZEIT ONLINE und in ZEIT WISSEN"