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Freundlich + Kompetent

Das ehemals in Winterhude beheimatete Lokal macht jetzt in Barmbek-Süd weiter. Am 16. Februar ist dort „Pitcher Tag“: 1,5 Liter Bier gibt es dann für 10,50 Euro. Prost!

Wer seine Abrissparty durch eine Wiedereröffnung toppen will, sollte einiges auffahren. Vor allem dann, wenn am letzten Abend so viele Menschen da sind, dass der Verkehr in der angrenzenden Straße zum Erliegen kommt. Julius Horn und Julian Jasper vom Freundlich + Kompetent riefen Mitte Januar zur dreitägigen Eröffnungssause. Die beliebte Winterhuder Bar, die im vergangenen Jahr einem Neubau weichen musste, macht seitdem in der Hamburger Straße 13/Ecke Humboldtstraße weiter. Die Frage, ob der Standort unterm Mundsburg-Center angenommen wird, stellte am ersten Abend keiner. Bereits um 21 Uhr saß Inhaber Julian an der Tür und bat um Nachsicht ob des großen Gedränges im Inneren. „Auch wenn irgendwann kein Durchkommen mehr war, blieb alles super entspannt“, freute er sich später. Unter rotem Backsteingewölbe wurde ausgelassen gefeiert. Die neuen alten Besitzer versprechen unterdessen, dass es mit der Mischung aus Bar- und Clubbetrieb, TV-Abenden und Kickerturnieren weitergeht und Julian weist dann noch auf einen neuen großen Vorteil hin: „Wir haben keine direkten Nachbarn. Nach 23 Uhr mit Drink und Zigarette draußen stehen ist kein Problem mehr und auch Konzerte können länger und lauter sein.“ Barmbek-Süd lebt!

Text: Ole Masch

 

Vous êtes Brandstiftêr

Monatlich berichtet das Projekt Stadtkuratorin über seine Arbeit. Diesmal – aus gegebenem Anlass – über Rassismus und Kunst in Verantwortung.

Rechtzeitig zur Bürgerschaftswahl am 15. Februar versuchte die Alternative für Deutschland (AfD) mit einer Strafanzeige gegen Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard zu punkten. Es ging um einen Pavillon, den die Künstlergruppe Baltic Raw auf Kampnagel als künstlerischen und sozialen Ort eröffnet hat – betrieben und bewohnt von sieben jungen Menschen, die als Flüchtlinge nach Europa gekommen sind. Die AfD (t)witterte „Beihilfe zu Ausländerstraftaten“. Die Geflüchteten würden sich illegal in Hamburg aufhalten, auch sei die Wohnraumnutzung nicht genehmigt. Inzwischen haben sich Hamburgs Kulturschaffende in einem offenen Brief hinter Deuflhard gestellt. Die AfD setzte mit ihrer Anzeige auf den Extremismus der Mitte: auf Ressentiments gegen Geflüchtete, die in der paranoiden Wahrnehmung der Rechtspopulisten den Sozialstaat ausnutzen. Und gegen eine Kunst, die man nicht auf den ersten Blick versteht, deren Fragen man aber dennoch als Zumutung empfindet. Währenddessen werden Flüchtlinge weiter systematisch ausgegrenzt und auch die soziale Spaltung der Gesellschaft nimmt weiter zu. Das Projekt auf Kampnagel konfrontiert uns mit dieser Realität als Teil des städtischen Raums und mit einer verantwortungsvollen Kunst im öffentlichen Raum. Es fordert einen Austausch auf Augenhöhe. Darf die Kunst das? Sie muss! Passend zum Thema stellt der Künstler Kader Attia vor dem Hintergrund aktueller Migrationspolitik seine Arbeit über die Auswirkung von Kolonialismus am 16. Februar im Kunsthaus vor.

 

„Gift. Eine Ehegeschichte“

Therapiesitzung in Moll: Lot Vekemans preisgekröntes Stück läuft am 15. Februar zum vorerst letzten Mal im Ernst Deutsch Theater.

Manche Theaterstücke zeigen keine Entwicklung, sondern deren Abwesenheit. Gift. Eine Ehegeschichte ist dafür ein quälendes Beispiel, denn es zeigt vor allem, wie das Leben stagniert, wenn eine Seele in Trauer erstarrt ist. In Lot Vekemans preisgekröntem Stück geht es um einen Mann und eine Frau, die nach dem Tod ihres Kindes sich selbst und dann einander verloren haben. Zehn Jahre später treffen sie sich auf dem Friedhof wieder, in einer Art Laube, die an einen Käfig erinnert. Während er auf dem Land neu beginnen konnte, verharrt sie bewusst und willentlich im Trauma ihres Verlustes. Ihr Leben wirkt von außen wie der Stapel Stühle, der abseitig in der Ecke der Laube steht. Bestens durchstrukturiert, vermag sie es zwar zu bewältigen, aber Freude hat sie keine daran. „Wir sind eine gescheiterte Geschichte“, sagt sie. Das Treffen bedeutet ihr etwas. Sie will trauern, aber kann es nicht …

Text: Reimar Biedermann

 

Hingabe

Vom New Yorker Museum of Modern Art in die Kunsthalle Hamburg: Der britische Künstler James Richards zeigt eine Auswahl seiner Filme.

Der 1983 im walisischen Cardiff geborene James Richards ist ein bekennender Film-Enthusiast. Er hat mit seinen Kinoabenden bereits im Museum of Modern Art gastiert, war 2014 für den Turner Prize nominiert und ist neben Aleksandra Domanović und Yngve Holen einer der diesjährigen Gewinner des ars-viva-Förderpreises, zu dessen Jury auch Brigitte Kölle gehört, Kuratorin an der Hamburger Kunsthalle. Sie moderiert den Abend mit Richards, der ein eigens zusammengestelltes Filmprogramm mit dem Titel Devotion, Hingabe, zeigt. Die Videos von James Richards sind Kompositionen aus eigenem Bildmaterial und aus „Footage“ diverser Quellen, begleitet von einem extra produzierten Soundtrack. Wem das Lust auf die Filme des Briten macht, der kann diese noch bis zum 19. Februar in der Hamburger Kunsthalle sehen.

Text: Sabine Danek

 

Tao

Das elfköpfige Percussion-Ensemble aus Japan präsentiert seine atemberaubende Show „The Samurai of the Drum“ live in der O2 World Hamburg.

Wenn man die Götter und Geister erwecken will, dann muss es donnern. Und zwar so richtig. Deswegen war die Trommel in Japan bereits in der Frühzeit ein kultisches Instrument. Auf diese uralte Tradition greift das Ensemble Tao zurück, das seit vielen Jahren mit seinen fulminanten Percussion-Shows große Hallen in der ganzen Welt füllt. Junge japanische Musiker, die nicht nur über ein exzellentes Rhythmusgefühl verfügen, sondern auch über große körperliche Kraft, beleben die jahrhundertealte überlieferte Wadaiko-Kunst mit modernen Pop-Elementen. Eingebunden ist das wilde Klangspektakel in eine Reise durch Raum und Zeit, die mit klassischen Motiven aus der Edo-Zeit beginnt. Dabei vermischen sich modern anmutende Choreografien mit Bewegungsabläufen, die an Kampfkunst erinnern. Im Februar ist die Gruppe mit der Show The Samurai of the Drum erneut in Hamburg zu Gast und wird die riesige O2-World-Halle bis zum letzten Winkel mit Klang erfüllen. Eines sei versprochen: Das wird das Gegenteil von einschläfernd!

 

„Das achte Leben“

Die Hamburger Autorin und Regisseurin Nino Haratischwili liest aus ihrem dritten und jüngsten Roman. Moderation: Carola Ebeling

Die Hamburger Autorin und Theater-Regisseurin Nino Haratischwili liest aus ihrem im letzten Jahr bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienenen Roman Das achte Leben (Für Brilka) – und das sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Denn die 1983 in Tiflis geborene Georgierin gehört längst unbestreitbar zu den wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, die allen Lesewütigen mit diesem opulenten und kunstvoll konstruierten Generationen-Epos einen wunderbaren Roman geschenkt hat. Geschickt verwebt sie darin Fiktion mit Historie und Liebes- mit Leidensgeschichten und erzählt vom ewigen Streben des Einzelnen nach Glück und Freiheit. „Gefühlsstark, geschichtentrunken und unsagbar souverän“, befand die Neue Zürcher Zeitung, während die Süddeutsche „in der Weite des gezeichneten Tableaus, das Privates und Weltgeschichtliches vereint“, den Reiz des Buches entdeckte.

 

Laibach

Die slowenische Band, die früher für gnadenlose Provokation stand, gastiert im Rahmen des KRASS-Festivals live auf Kampnagel.

In den 1980er-Jahren, als in Deutschland noch kaum jemand den Unterschied zwischen Neonazi und Kunst-Nazi begreifen mochte, hatten Laibach ihre beste, aber wahrscheinlich auch ihre schwierigste Zeit. Wer sich provoziert fühlte, feindete das slowenische Kollektiv reflexhaft an. Wer sich bemühte, die Provokation als hintergründige Aussage und extremen künstlerischen Ausdruck zu verstehen, konnte nicht anders, als Laibach zum Kult zu erheben. Von der explosiven Kraft der frühen Laibach ist heutzutage ebenso wenig übrig wie von deren Urbesetzung. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht immer noch ein Riesenspaß sein kann, einem Auftritt der Gruppe beizuwohnen. „Eins, zwei, drei, vier / Kamerad, komm tanz mit mir / Eins, zwei, drei, vier / Beide Hände reich ich dir“ – wer kann so eine freundliche Aufforderung schon ablehnen …?

 

Lake People

Ein Leipziger Produzent und ein Berliner DJ beschallen die Villa Nova mit entrückten Minimal- und sphärischen House-Sounds.

Eigentlich hätte Lake Peoples Debüt bereits im vergangenen Herbst das Licht der Welt erblicken sollen. Oder sagen wir: die weiten, dunklen Sphären? Zumindest kam es dann doch ein bisschen anders. Der Leipziger Produzent, der mit bürgerlichem Namen Martin Enke heißt, steckte noch kopfüber im Feinschliff seiner neuen Tracks fest und so mussten wir unsere Ungeduld noch bis Anfang Februar zügeln. Doch das ist alles nur halb so schlimm, vor allem wenn man bedenkt, dass es ja eben dieses Zeitlose, das filigran Temperierte ist, was seine Musik ausmacht und jeden Raum, so auch die Villa Nova, für einen Moment oder für eine ganze Nacht von aller irdischen Hast abkoppelt. Als Einheizer für diesen Abend wird der Berliner DJ Red Robin alias Till Robin Hennecke erwartet. Auf dem Programm stehen melancholischer Minimal-Techno und sphärische House-Sounds.

Text: Miriam Mentz

 

„For the time being“

Die Künstlerin Susanne Reizlein spielt mit dem Subtilen und Unterbewussten – Vernissage ist am 13. Februar, Finissage am 22. Februar.

Die 1967 in Teheran geborene Künstlerin Susanne Reizlein füllt Luftballons mit Wasser oder Luft, die durch minimale Bewegungen schwingen. Oder sie beobachtet Menschen, die auf dem Boden liegen, Von oben (Abbildung), lässt sie sich fast unmerklich bewegen oder manchmal auch auffällig zucken – und wird auch in ihrer neuen Arbeit, die speziell für den Ausstellungsraum nachtspeicher23 entstand, die Wahrnehmung der Besucherinnen und Besucher schärfen. For the time being, so der Titel ihrer neuen Arbeit, spielt mit Entschleunigung, dem Subtilen und Unterbewussten und erneut mit kleinen Veränderungen. Am 13. Februar um 19 Uhr findet die Vernissage statt. Vorher, ab 16 Uhr, gibt es eine Work-In-Progress-Preview für besonders Interessierte. Danach ist die Ausstellung noch bis zum 22. Februar zu sehen.

Text: Sabine Danek

 

Haftbefehl

Das Feuilleton feiert seine gereimte Dichtkunst von der Straße. Der Rapper präsentiert brutale und abgründige Texte im Mojo Club.

2014 wird wohl als das Jahr in die Musikgeschichtsbücher eingehen, in dem deutscher Straßenrap endgültig salonfähig wurde. Doch weder Bambipreisträger Bushido noch Jura-Student Kollegah ist dieser Umstand zu verdanken, sondern dem aus Offenbach stammenden Haftbefehl. Was er seinen Kollegen voraus hat? Authentizität. „Chabos wissen wer der Babo ist“ und so, das gilt seit seinem neuen Album Russisch Roulette mehr denn je und wird selbst von Medien wie Spiegel Online und der ZEIT honoriert, die ihn aufgrund seiner wortgewaltigen und polyglotten Raps kürzlich gar als „Dichter der Stunde“ titulierten. Hafti kennt die Straße, dementsprechend kann er auch von ihr erzählen. Und das tut er dann auch in einer Art und Weise, wie es so vor ihm noch nicht zu hören war: brutal, ehrlich, abgründig, gebrochen. Das muss man nicht immer gut finden. Aber zumindest anerkennen sollte man es. Als Support bringt Haftbefehl zudem seine Azzlacks-Labelkollegen Milonair, Hanybal und Doe mit in den Mojo Club. Das Konzert ist bereits ausverkauft.

Text: Jan Kahl